Rezension: Schöne Neue Welt (?)

Im Jahr 1932 erschien das Buch »Brave New World« von Aldous Leonhard Huxley (1894–1963).[1] In ihm beschreibt der Agnostiker und Oxford-Absolvent für Englische Literatur vor dem Hintergrund der damals bekannten sozialistischen und kommunistischen Staats- und Gesellschaftsentwürfe den perfektionierten Staat der Zukunft, wie er sich in ideologischer Fortsetzung der sozialistischen Ideen darstellt. Er schrieb dies damals nicht als reine Prophetie, sondern eher kritisch in satirisch überhöhter Form als mögliche Fortsetzung des geschichtlich offenbar Gewordenen.

Leider erweisen sich seine Vorstellungen und Projektionen, die lange Zeit als Utopie oder Dystopie eingeordnet wurden, heute teilweise als beklemmend zutreffend, wenn man zeitgenössische Parteiprogramme und Zukunftsideologen studiert. Es scheint also machtvolle Menschen zu geben, die sein Werk nicht als Abschreckung, sondern vielmehr als politisch anzustrebendes Ideal ansehen. Brave New World gehört daher für jeden wachen Menschen zur Pflichtlektüre.

Inhalt: Wie sieht die „Schöne Neue Welt“ aus?

Der Staat der Zukunft kommt mit dem Versprechen einer stabilen Gesellschaft, die alle Nachteile bisheriger Staatsformen, Gesellschaften, Sozialstrukturen und Religionen überwunden hat und allen Bürgern ein schmerzloses, glückliches Leben bietet: eine Brave New World (im Folgenden: BNW), eine „Schöne Neue Welt“ (so der deutsche Titel[1]). Dieses Versprechen kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass dieser weltweite Wohlfahrtsstaat im Wesen für die Nicht-Elite eine Tyrannei ist. Nur in bestimmten „Reservaten“ leben noch „Wilde“ nach der alten Lebensweise in den Jahrtausende lang erprobten Strukturen und traditionellen Werten.

Die BNW zählt ihre Zeit nach dem Erfinder und Industriellen Henry Ford, der gottähnlich verehrt wird. Die Geschichte spielt im 7. Jhdt. A. F. (Anno Ford). Technologie (HighTech) und Ökonomie (wirtschaftlicher Wohlstand) wird durch auf Konsum programmierte Menschen gesichert.

Die BNW ist gekennzeichnet von folgenden Merkmalen und Ideen (man bemerke Parallelen zu zeitgenössischen Parteiprogrammen):

  • Aufgabe der Wahrheit.
    Wahrheit ist in der BNW kein durch Forschung oder Nachdenken anzustrebender und zu vervollkommnender Erkenntnisschatz mehr, vielmehr ist das, was für alle „wahr“ sein soll, bereits offiziell definiert worden. Entsprechend darf diese vom Staat definierte „Wahrheit“ nicht durch neue Erkenntnisse gefährdet oder verändert werden. Auch dies wird mit dem Leitwert der „sozialen Stabilität“ begründet: »Truth is a menace, science is a public danger.« („Wahrheit ist eine Bedrohung, Wissenschaft ist eine öffentliche Gefahr.“; S. 155). Andere alternative Wahrheitsquellen, wie beispielsweise Bücher vergangener Kulturen (Bibel, christliche und weltliche Philosophen, Poesie oder Literatur), werden von den obersten Controllern der Gesellschaft im Tresor aufbewahrt. Nur diese obersten Lenker der Gesellschaft dürfen und können (von ihrer Programmierung her) solche Literatur lesen.
  • Auslöschung der Geschichte (geschichtlichen Identität) als Kulturgut
    Geschichte liefert nur noch Erinnerungen an jene Übel, die man in der BNW überwunden zu haben glaubt. Konsequenter Weise werden alle geschichtlichen Aufzeichnungen gelöscht, Museen geschlossen, historische Monumente gesprengt und alle Bücher vor A.F. 150 (ca. 2060 n. Chr.) unterdrückt (S. 34). Jede emotionale Bindung an Geschichte und Tradition ist verabscheuenswürdig. Da kein Mensch eine Mutter oder einen Vater hat, sind familiäre Traditionen, Bindungen und Identitäten ausgelöscht. Der BNW-Bürger soll geschichtlich ungebunden, seiner Herkunftsidentität beraubt und kulturell entwurzelt sein. Anstelle dessen werden dem so auf Makro-  wie Mikroebene geschichtlich Entwurzelten das dem globalen Staat gerade Nützliche an kollektiver Identität und Werten eingeprägt.
  • Auslöschung der sozialen Strukturen von Ehe, Familie und Sippe.
    Die im Vor-BNW-Zeitalter jahrtausendelang geübten sozialen Strukturen von Ehe, Familie und Sippe gaben einem Individuum präferierte Beziehungen und Bindungen zu Einzelpersonen oder Gruppen. Diese individuellen und familiären Bindungen werden in der BNW rein negativ bewertet und sind daher aufzulösen im nach Kasten strukturierten Kollektiv: Das Ich wird durch das Wir ersetzt, die Familie durch das Kollektiv oder die Kaste. Der vereinheitlichte Gruppengeist ersetzt den individuellen Geist. Es gibt keine Eltern, Väter und Mütter mehr, analog keine Kinder und Geschwister. Schon der Gebrauch dieser Bezeichner wird als skandalös und eklig empfunden. Kinder werden industriell in der Retorte erzeugt und prädestiniert und programmiert für ihre Rolle in der Gesellschaft (s. Kastensystem). Der BNW-Bürger soll ungebunden und entwurzelt von persönlichen Beziehungen sein, selbst zu sich kein individuelles Bewusstsein aufbauen und keine Unabhängigkeit anstreben. Daher werden alle Situationen vermieden, in denen ein Mensch alleine ist, man programmiert ihn darauf, Einsamkeit zu hassen.
  • Abschaffung der monogamen Sexualität zugunsten von Freiem Sex.
    Der Körper jedes Menschen gehört allen Menschen. Nach diesem Prinzip wird weitläufige Promiskuität (dieser Begriff hat in der BNW seine Bedeutung verloren), freier Sexualverkehr mit beliebigen Partnern beliebigen Geschlechts, von Kind auf praktiziert. Jede Regel oder Restriktion ist aufgegeben, außer der, dass eine länger andauernde oder auf eine Person beschränkte Beziehung unerwünscht ist. Schein-Schwangerschaften werden hormonell simuliert, weil bekannt ist, dass sich eine Schwangerschaft positiv auf die schwangere Frau auswirkt. Alle Frauen werden gedrillt, echte Schwangerschaft zu vermeiden; im „Pannenfall“ wird abgetrieben. Die Technologie sichert, dass keine Sexualkrankheiten entstehen oder übertragen werden. Der BNW-Bürger soll sexuell ungebunden und aktiv sein, ohne das Ziel der Sexualität, die Reproduktion, anzustreben oder zu erleben. Tatsächlich ist der Mensch jedoch nicht frei, sondern steht unter Beobachtung und ideologischem Zwang (Erwartungshaltung, Kritik), beständig Promiskuität praktisch auszuleben. Die Freiheit der fortschrittlichen „Freien“ ist also Zwang.
  • Verhinderung jeder Veränderung, denn Veränderungen bedrohen die Stabilität des Systems.
    »Every change is a menace to stability.« („Jede Veränderung ist eine Bedrohung für die Stabilität.“; S. 153). Daher ist alles, was Veränderung bringen kann: neue Erkenntnisse, neue Beziehungen, neue Ziele, neue Ideen, neue Wahrheit, neue Kasten usw. sehr restriktiv zu handhaben, ggf. zu unterdrücken. Viele Regelungen sind von diesem Gedanken getrieben und führen zur Unterdrückung bzw. Eingrenzung von Wissenschaft, Kunst, Philosophie, Religion, Einsamkeit (bietet Gelegenheit zum Nachdenken) und allen negativen Erlebnissen (denn diese motivieren im Menschen Wünsche und Gedanken zur Veränderung des status quo). Kommentar: Mit diesem Bekenntnis zum Stillstand (aka „Stabilität“) demaskiert sich die BNW als totalitäre, reaktionäre, faschistische Ideologie, mithin als wissenschaftsfeindlich, anti-aufklärerisch und menschenverachtend.
  • Einrichtung einer utilitaristischen, fixierten Kastenstruktur.
    Da Wirtschaft und Gesellschaft Aufgaben mit unterschiedlichen Herausforderungen an Kraft und Geist bieten, werden Menschen mit entsprechenden Eigenschaften in der Retorte produziert und programmiert. Die Alpha-Klasse regiert das System, entsprechend tiefer liegen die Kasten der Betas, Gammas, Deltas usw. Für gleichartige Aufgaben werden gleichartige Menschen mittels Klontechniken erzeugt. Jeder wird so programmiert, dass er sich in seiner Klasse/Kaste wohlfühlt und keinen gesellschaftlichen Kastenwechsel anstrebt. Damit soll die gesellschaftliche Stabilität gesichert werden. Die Struktur wird vorgegeben von der kleinen herrschenden Klasse der sog. Controller. Kommentar: Mag der Kommunismus und Sozialismus von einer klassenlosen Gesellschaft als Zielvorstellung reden, praktisch haben sich in entsprechend ideologisierten Systemen weltweit stets harte Gesellschaftsschichten etabliert: das (arbeitende) Volk, die Partei und die Parteibonzen (Elite). Diese Kastenstruktur wurde gepflegt und verteidigt.
  • Polytheistische Religion.
    Die religiösen Bedürfnisse der Menschen werden durch Rituale bedient, in denen der Kollektivgeist und der als Gott verehrte (Henry) Ford zelebriert werden. Am Unification-Day werden in Kleingruppen abendmahl-ähnliche Riten abgehalten. Christus wird neben anderen Figuren, wie Heiligen oder Gottheiten, verehrt. Die antichristliche Natur dieser „Religion“ wird symbolisch daran offenbar, dass alle (christlichen) Kreuze so gekappt werden, dass sie nur noch ein „T“ darstellen. Keine Religion hat Wahrheitsanspruch, es gibt keine religiösen Bücher, die als Wahrheitstexte oder Traditionsschätze gegen die BNW-Kultur wirken könnten oder in Widerstreit zueinander geraten könnten. Auch dies wird mit dem Leitwert der „sozialen Stabilität“ begründet. Kommentar: Der Widerspruch ist erkennbar: Keine Religion sei wahr oder verbindlich, aber der T-Kult ist alternativlose Religion der BNW?
  • Oberster Wert ist ein Wohlfühlen, wie es den Kasten jeweils bestimmt wurde.
    »Happyness« ist das oberste Ziel, dem alles andere geopfert oder untergeordnet wird. So ist alle Arbeit simpel und nichtanstrengend (sonst wird sie an Maschinen abgegeben) und dauert täglich 7,5 Stunden. Experimente hätten gezeigt: Jede weitere Reduzierung der Arbeitszeit würde zu geringerem Wohlgefühl führen. Jeder bekommt die Wunderdroge Soma, Spiele, unbegrenzten Sex und Gefühlstheater(»feelies«; 3D-Shows mit allerlei Sinnesreizen): »What more can they ask for?« („Was können sie mehr verlangen?“; S. 152). Jedes negative Gefühl wird mit der Droge Soma ausgelöscht. Sie bewirkt ein passives Wohlgefühl in phantasievollen Träumen und verhindert damit alles Leiden der Seele an Realzuständen. Soma wirkt wie die alten Drogen Alkohol und Heroin, ohne aber deren Nebenwirkungen zu haben. Wer allerdings zu viel davon konsumiert, stirbt eher. Kommentar: Ein pervasiver Alkohol- und Drogenmissbrauch – gerade auch als Wohlfühl- und Lifestyle-Droge – ist Dank Drogenkartellen, Politik und Pharmaindustrie heute weltweit zu beobachten. Offenbar ist die BNW nicht schön genug, um allen Menschen ein frohes, erfülltes, menschenwürdiges Leben bieten oder ermöglichen zu können. Was für ein Offenbarungseid.
  • Die Menschen dienen der Wirtschaft und der Technologie.
    In einer menschlichen Kultur dienen Wirtschaft und Technologie dem Menschen. Entsprechend werden diese Systeme dem Menschen bestmöglich angepasst. Nicht so in der BNW: Hier dienen die Menschen dem Konsum und der Technologie, werden schon bei ihrer Erzeugung in der Retorte für ihre industriellen Aufgaben geistig wie körperlich konditioniert und schicksalshaft prädestiniert und zu übermäßigem Konsum konditioniert (»You can‘t consume much if you sit still and read books.», S. 33). Die Controller würden kein neues Spiel für die Gesellschaft freigeben, wenn es nicht noch mehr technische Geräte erforderte, als das in diesem Sinne bisher anspruchsvollste Spiel (S. 20). Die herrschende Klasse setzt Wirtschaft und Technologie so ein, dass damit die Stabilität der Gesellschaft, der Kasten und damit ihre unangefochtene Herrschaft gesichert werden. Kommentar: Die Durchseuchung der Gesellschaft mit „Smartphones“ nimmt immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit von Milliarden von Menschen in Anspruch und hat den Unternehmen der Unterhaltungs- und der Konsumindustrie Billionenwerte beschert. Perfide ist die Kombination von Techniknutzung und Drogeneffekten (klassisch: Endorphin-Pushs), die hier gezielt realisiert wurde.

Versuch einer Einordnung und Bewertung aus christlicher Sicht

Es ist beeindruckend, wie konsequent der Atheist Huxley die sozialistische Ideologie und Utopie entwickelt und in die Zukunft projiziert. Was dem einen oder anderen vielleicht noch als Fiktion oder Satire erschien, ist heute ausdrücklich Teil von Partei- und Regierungsprogrammen und wird als „modern“und „fortschrittlich“ deklariert. Wenn jemand sich mantraartig des Slogans „Vorwärts!“ oder „Fortschritt“ als positive Wertklasse bedient, sollte man immer genau hinschauen, in welche Richtung dieser Progressivist fortschreiten will. Sagte ein Vorsitzender: „Gestern noch standen wir vor dem Abgrund. Heute sind wir einen Schritt weiter…“

Eine erste Zusammenfassung und Einordnung. Schon die Indogermanen nutzten den Effekt einer künstlichen Geschichtserzählung (heute: Narrative) und eine Kastenstruktur aus, um sich „ewig“ die Macht zu sichern. Die herrschenden Römer wussten sich das Volk still und geneigt zu halten mit dem Rezept „Panem et circensis“ („Brot und Zirkusspiele“; nach der Satire des röm. Dichters Juvenal). Huxley fügt diesem die (seinerzeit) modernen Erkenntnisse der Technologie (Hubschrauber), Medizin (keine Krankheiten mehr), Pharmakologie (Wunderdroge Soma), Psychologie und mehr hinzu, soweit sie in seiner Zeit vorstellbar waren. Letztlich sei seiner Satire nach eine stabile Weltgesellschaft nur zu erreichen durch Entmenschlichung der meisten Menschen, einem starren Kastensystem (Gesellschaftsschichten) unter der Regierung einer Eliteklasse, die allein noch selbstständig denken kann und allein noch Zugang zu den Quellen der Geschichte, Kunst, Wissenschaft und Wahrheit hat. Die „Young Global Leader“ des WEF, die Jura-Absolventen von Harvard (und so vieler anderer Eliteschulen) werden ausdrücklich für die Weltführungsrolle ideologisch programmiert und strategisch vernetzt.

Eine erste Bewertung. Aus der judäo-christlichen Weltsicht und Werteordnung heraus ist diese als schön und neu verkaufte Welt nichts anderes als der Inbegriff der Entmenschlichung. Sie ist weder schön (und damit attraktiv und erfüllend), noch neu (das klassische Wertmotiv des Fortschrittsglaubens, des Progressivismus). Denn zum Menschsein gehört zu allererst die lebendige Beziehung zu Gott, dem Schöpfer und Erhalter des belebten wie unbelebten Kosmos, die dankbare Verehrung des sich (in der Heiligen Schrift, im Sohn Gottes, sowie in Schöpfung, Geschichte usw.) selbstoffenbarenden Gottes. Ferner gehören unabdingbar dazu das Selbstbewusstsein und das Bewusstsein des Eigenwertes, weil man im Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde, sodann die Werteordnung, wie sie im Dekalog (den 10 Geboten) und weiteren Wertaussagen der Heiligen Schrift verankert sind. Unverzichtbar (unveräußerbar) sind auch die dem Menschen vorpolitisch von Gott verliehenen Rechte und Freiheiten (sog. unveräußerliche Menschenrechte). Entscheidend für das Schicksal (Teleonomie) und das letztendliche Heil-sein des Menschen ist die frohmachende Botschaft davon, wie der Mensch von seiner Schuld und Sünde völlig befreit und in ungetrübte Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen wiedereingesetzt werden kann (Evangelium, Die Gute Botschaft von Jesus Christus). 

Lüge und Tod. Es ist bezeichnend, dass der tyrannische Staat seinen Bürgern den Himmel auf Erden verheißt (vermittelt durch sein Wirken), aber den Himmel und seinen Regenten negiert und das Wissen vom Weg dorthin (Christus) beseitigt. Verkündete und gelebte (Zweck-)Lüge steht anstelle von Wahrheit, wird aber als Wahrheit und Wert indoktriniert und eingeübt. Dazu dienen auch Fälschungen und Imitationen wahrhaftiger Worte, Symbole und Rituale. Die Botschaft vom Opfer des Gottessohnes wird verschwiegen, aus dem christlichen Symbol des Kreuzes wird das Gegensymbol des Tammuz (wohl Nimrod, des Widersachers Gottes zur Zeit des Turmbaus zu Babylon; Genesis 10). Die schöne neue Welt, wie Huxley sie satirisch-futuristisch aufmalt, trägt einen tragischen, finsteren Schimmer von Lüge und Tod, denn es gibt keine (Er-)Lösung, sondern nur lebenslange Ablenkung durch oberflächliches Vergnügen und die Wunderdroge Soma. Es ist die beste Welt, die der Teufel, der nach Aussage Christi „der Urvater der Lüge“ und „der Menschenmörder von Anfang“ ist, aufbauen kann: Er verspricht viel, hält wenig und nimmt alles. Das ist die Bilanz jeder gottlosen Regierung, die gar nicht anders kann, als zur Tyrannei zu entarten, weil dies das Wesen des hinter ihr treibenden Geistes ist.

Zum Abschluss ein Aufruf und eine Warnung

Die Heilige Schrift sagt entlarvend und motivierend: »Denn unser [der Christen] Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut [also gegen Menschen], sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern« (Epheserbrief 6,12) und: »Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich mächtig zur Zerstörung von Festungen, indem wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus« (2Korintherbrief 10,3–5). Diese Aussagen sind Normen, denen (wahre) Christen absolut verpflichtet sind.

Das bedeutet: Wir müssen allen gott- und menschenverachtenden Ideologien entgegentreten: verbal, intelligent, schriftverankert – und immer Christus-zentriert. Ganz anders als die Revolutionäre des Sozialismus (seien es rote, braune, grüne, blaue, schwarze… Sozialisten) kämpfen Christen niemals »wider Fleisch und Blut«, niemals gegen den verführten und in Ideologien gefangenen Mitmenschen, niemals physisch gewaltsam, sondern begegnen ihm stets mit mitmenschlicher Zuneigung und christlicher Menschenliebe. In der Sache allerdings müssen wir von dieser Menschenliebe motiviert hart und klar sein, denn der alte wie der neue Sozialismus und ein menschenwürdiges Leben schließen sich einander aus. Ohne den Schöpfer ist das Geschöpf schnell erschöpft. Das mögen die Eliten, die „Controller“, die Machtbesessenen anders sehen. Die Schwabs und Hararis dieser Welt meinen ja, dass sie mit dem von ihnen propagierten Trans-Humanismus die Spezies Mensch überwinden und sich damit über den Schöpfer-Gott stellen könnten.[3] Schöne neue Welt? Für wen?

Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer.
Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn, und in seiner Zornglut wird er sie schrecken.

Psalmen 2:4-5 (ELB03)

Abschließend: Wer meint, in diesem Buch von Huxley gehe es ja „nur“ um Ideen, dem sei entgegnet: „Ideen haben Konsequenzen!“ Lesen bildet.[4]

Endnoten

[1] Rezensionsexemplar: Aldous Huxley: Brave New World. New York, NY, USA: Harper & Row, 1946. First Perennial Library Edition, 1969. – Deutsche Fassung: Schöne Neue Welt: Ein Roman der Zukunft. Reihe Fischer Klassik. 9. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch, 2014 (nach der Originalausgabe von 1932). Die Titel deutscher Übersetzungen waren auch schon Welt – Wohin? (1932) und Wackere neue Welt (1950).

[2] Martin Erdmann: Siegeszug des Fortschrittsglaubens. Band 3: Progressivismus als Triebfeder des amerikanischen Imperialismus. Worthington, OH, USA: Verax Vox Media, 2020. – Auch die anderen Bände dieser Serie von Dr. Erdmann über den Fortschrittsglauben sind lesenswert, man muss allerdings etwas Zeit mitbringen.

[3] Yuval Noah Harari: Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen. 16. Aufl. München: C. H. Beck, 2020. (Orig.: Homo Deus. A Brief History of Tomorrow, 2016.)

[4] R. C. Sproul: The Consequences of Ideas: Understanding the Concepts That Shaped Our World. Wheaton, IL, USA: Crossway Books, 2000. – John MacArthur et al.: Right Thinking In A World Gone Wrong. Eugene, OR, USA: Harvest House Publ., 2009. – Ergänzende Lektüre: George Orwell: 1984. New York, NY: Harper & Row, 1946.

Wenn Bibelstellen nur noch vorgefasste Meinungen belegen sollen – Ein Kommentar zu einem Kommentar in »Fest & Treu« (01/2022)

In Fest & Treu (FuT 177) wurde ein Kommentar/Leserbrief von zwei Autoren »in unserem CLV-Team« (Alexander Struck und Gerrit Alberts, im Folgenden mit „S&A“ abgekürzt) abgedruckt, der sich auf den Beitrag »Glaubensprüfung« von Friedemann Wunderlich in FuT 176 (S. 4–5) bezog.[1] Dieser Kommentar wirft Fragen auf, denen man nachgehen sollte. Die Autoren verwenden m. E. Argumente, die weder der Chronologie noch den von ihnen als Beleg angegebenen Bibelstellen gerecht werden. Sachliche und biblische Wahrheit im Argument ist in der Tat keine nebensächliche, sondern eine Hauptsache, um die wir kämpfen müssen. Hier einige der m. E. anzusprechenden Behauptungen oder Meinungen (M) und mein bescheidender Beitrag auf der Suche nach tragfähigen Antworten.

M1 | Paulus lehre, dass man selbst einem tyrannischen, Christen verfolgenden und tötenden Nero zu folgen habe

Die Autoren S&A schreiben: »Die Apostel […] ermahnten die Gläubigen sogar dann dazu [zur Unterordnung unter die staatlichen Autoritäten], als der äußerst willkürliche, moralisch verdorbene Despot und Christenmörder Nero an der Macht war.«

  • Aus dem Basiswissen zum NT zunächst ein paar wesentliche chronologische Daten: Paulus schrieb seinen Brief an die Gemeinde in Rom um 55–58 n. Chr., wahrscheinlich 57 n. Chr. (s. J. MacArthur, Basisinformationen; E. Mauerhofer, Einleitung NT, Bd. 2). Neros Kaiserzeit war 54–68 n. Chr. Mit seinem Regierungsantritt 54 n. Chr. wurde das Edikt des Claudius, das die Vertreibung der Juden und Judenchristen aus Rom verfügte (49 n. Chr.), aufgehoben (F. F. Bruce, Basiswissen), also eine positive(re) Situation für die Gemeinde geschaffen. Der Brand Roms war 64 n. Chr. Die Neronische Christenverfolgung und die damit verbundenen Gräuel geschahen in den Jahren 64– 65 n. Chr., fanden also erst etliche Jahre nach der Abfassung des Römerbriefes statt. 
  • S&A stellen dies aber chronologisch und argumentativ verkehrt herum dar. Als Paulus die Gläubigen zur Unterordnung ermahnte, war Nero noch lange nicht als »Christenmörder« aufgetreten. Paulus war sicherlich nicht naiv bezüglich böser Herrscher und Tyrannen, wie beispielsweise jene zivilen und religiösen Obrigkeiten, die seinen und unseren Herrn ermordeten (Apg 3,13–15; 4,26–30). Angesichts der chronologischen Fakten kann man wohl nur sagen, dass Paulus beim Schreiben von Römer 13 Neros (oder anderer Tyrannen) Bosheit weder ignorierte noch beschönigte, aber von Neros Christenverfolgung als Hintergrund seines Briefes an die Römer zu reden, ist jedenfalls ein AnachronismusDas Argument der Brüder S&A ist damit m. M. n. hinfällig.[2]

M2 | Das Gesetz im AT lehre, dass man alle – auch gesunde – Geschwister nach Bibelstellen, die nur von einzelnen symptomatischen und ansteckenden Kranken reden, zu behandeln habe

  • Die Verwirrung ist hier mehrfach: (1) Behandlung von Einzelfällen werden mit Zwangsmaßnahmen gegenüber der Allgemeinheit verwechselt; (2) Gesunde, asymptomatische Menschen seien so zu behandeln, wie erkenntlich kranke und fachmännisch als krank diagnostizierte Menschen. Es ist zu befürchten, dass hier der ungesetzliche Missgriff, dass Gesunde wie Erkrankte, Ansteckende (und letztlich wie „Gefährder“) zu behandeln seien, unreflektiert kolportiert wird. Dies alles sind Missgriffe, die eigentlich jedem auffallen sollten, der mitdenkt und am Text der Heiligen Schrift untersucht, »ob sich dies so verhalte«.
  • Wunderlich schreibt: »„Lockdown“ und „Social Distancing“ sind Fremdworte für die Gemeinde Jesu und stehen immer entgegen der Gebote Gottes.« Die von ihm gemeinten »Gebote Gottes« konkretisiert er im nächsten Satz mit dem zweit-höchsten Gebot der Nächstenliebe: »Es gibt keine Nächstenliebe ohne körperliche Nähe.«
  • Dies provoziert S&A wohl zum Widerspruch und so greifen sie ins AT zurück, um das Gegenteil zu beweisen. Sie verpassen dabei aber das hier Entscheidende, dass diese beiden englischen Neologismen der Pandemiesprache obrigkeitliche Maßnahmen bezeichnen, die stets allgemein und unterschiedslos auch Gesunden auferlegt werden/wurden (Ausnahmen nur für „systemrelevante“ Menschen), während die angezogenen AT-Stellen ausschließlich symptomatisch Erkrankte und fachlich sorgfältig diagnostiziert erkrankte Einzelpersonen betreffen (auch jener Fall, der eine weitere Beobachtung unter Isolation erforderte). Schauen wir uns die angegebenen Bibelstellen an:

(1) 3.Mose 13,46 (»Isolation im Krankheitsfall«)

  • Die Maßnahme der „Isolation“ (»allein soll er wohnen« und »außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein«) wird erst ergriffen, wenn »das Übel« an der Person äußerlich erkenntlich ist. 
  • Gesunden Menschen ohne einschlägig ärztlich diagnostizierte Symptome den Gottesdienstbesuch zu untersagen oder zu verwehren, nur weil sie 1G, 2G, 2G+ oder 3G nicht erfüllen, fällt nicht in die Fallkategorie der angegebenen Bibelstelle. 
  • Die Generalverdächtigung durch die obrigkeitlichen Verordnungen, dass jeder Gesunde potenziell ein „Gefährder“ sei, also jemand, der beabsichtige oder billigend in Kauf nehme, anderen Schaden zuzufügen, „denn er könnte ja krank sein und andere anstecken“, würde das ganze Lager Israels zum Quarantänelager gemacht haben. Das ist absurd, mit dem biblischen Text nicht belegbar und sollte daher nicht für Gemeindeveranstaltungen als Eintrittsr(i)egel vorgeschoben werden.

(2) 3.Mose 13,4 (»Quarantäne bei Infektionsverdacht«)

  • Das »sieben Tage einschließen« erfolgte, wenn Symptome erkenntlich waren, die Diagnose des Priesters jedoch nicht klar und sicher genug zu leisten war. War sie hingegen klar, wurde das »unrein« direkt erklärt (13,3), die Erkrankung lag dann vor. In jedem Fall gilt auch hier: Die Maßnahme erfolgte erst nach einer Untersuchung von Symptomen, nicht bei Symptomlosen oder Gesunden. Ohne Symptome war diese Maßnahme des „isolierten Abwartens“ nicht zu ergreifen.
  • Von S&A wird ja offenbar auf die natürliche Bedeutung dieser biblischen Anweisung im AT abgezielt. Die Anwendung der Stelle 3.Mose 13,4 auf obrigkeitliche COVID-19-Maßnahmen geht an der Tatsache vorbei, dass hier nicht Gesunde unter Generalverdacht weggesperrt werden, sondern symptomatisch Erkrankte. Damit wird hier keine Berechtigung für die Abweisung von Gesunden und Genesenen von der Gottesdienstteilnahme vor Ort geliefert.

(3) 3.Mose 13,44 (»Mund- oder Bartschutz«)

  • Vorweg: Die Versangabe ist wohl falsch, vom »Lippenbart verhüllen« ist erst in V. 45 die Rede. Zweitens: Nicht »Mund«, sondern »Bart« (ELBCLV; aber ESV: upper lip).
  • Auch hier ist klar ein Fall beschrieben, bei dem erkenntlich »das Übel an ihm ist«, nicht: »in« ihm ist; es war also äußerlich symptomatisch.
  • Der verordneten Maßnahme lag eine durch sorgfältige Untersuchung ermittelte Symptomatik vor (»Und besieht ihn der Priester, und siehe…«; 13,43).
  • Fachlich: Die sehr begrenzte und daher mangelnde Schutzwirkung von Gesichtsmasken (medizinische oder FFP2-Masken) gegen Empfang oder Verbreitung von Viren ist von fachlicher Stelle vielfach untersucht, bestätigt und verkündigt worden. Unvollkommener Schutz ist auch da festzustellen, wo wir das Phänomen virentragender Aerosole bedenken. Dass es dazu neben ignoranten auch absichtliche Falschmeldungen gibt, war und ist angesichts der unterschiedlichen Interessenslagen zu erwarten. Dass dauerhaftes Maskentragen erheblichen medizinischen und psychischen Schaden anrichten kann (von CO2-Übersättigung bis Mikrofaserinhalation; verbale und nonverbale Verständnisprobleme bei Jung und Alt, usw.), ist mittlerweile in mehreren Studien belegt worden. Wer sich bemüht, kann das Hin und Her der öffentlichen Verlautbarungen zum Maskentragen herausfinden. Tipp: Follow the money.
  • Interessante Nebenfrage: Was ist bei Frauen zu tun? Auch sie können m. W. an COVID-19 erkranken. Sollen also Frauen keinen „Mund-Nasenschutz“ tragen nach dem „biblisch belegten“ Argument von S&A? Denn das generische Maskulinum kann im Bibeltext ja nicht gemeint sein, wenn (nach S&A) vom Bart die Rede ist.

(4) 2.Chronik 26,21 (»Ausschluss vom Tempel-Gottesdienst bei Infektion«)

  • Hier war der Betreffende (König Ussija) »aussätzig bis zum Tag seines Todes« und »wohnte in einem Krankenhaus (FN: O. in einem abgesonderten Haus) als Aussätziger«. Da Aussatz an den äußerlich erkennbaren Symptomen festzustellen war (26,20: »an seiner Stirn«) und es ein konkreter Einzelfall ist, ist auch diese Stelle für die Abweisung von Gesunden oder von COVID-19 Genesenen wegen einer obrigkeitlich verordneten generellen 1/2/3G-Verordnung inhaltlich völlig ungeeignet.
  • Das AT bespricht (auch hier) den Einzelfall eines akut Erkrankten, dessen Erkrankung symptomatisch ist und die fachlich festgestellt wurde. Wunderlich bespricht mit »Lockdown« und »Social Distancing« jedoch obrigkeitliche Maßnahmen, die die Allgemeinheit treffen. Die Brüder S&A reden völlig am von Bruder Wunderlich Gesagten vorbei.

M3 | Christen würden die biblischen Maßnahmen, die in Israel im Falle eines Aussätzigen verordnet waren, in Frage stellen

S&A schreiben: »Dass ausgerechnet Christen nun diese Maßnahmen in Frage stellen, erschließt sich uns nur schwer.« Da der Kommentar von S&A sich auf den Artikel »Glaubensprüfung« von Friedemann Wunderlich bezieht, muss zuerst einmal festgestellt werden, dass Wunderlich mit keinem Satz die Maßnahmen, die Israel damals verordnet wurden, in Frage stellt. Dieser Vorwurf zielt also ins Leere. Aber es gibt mehr zu beanstanden:

  • Das Argument von S&A setzt stillschweigend (unbewiesen und unbegründet) voraus, dass man den Fall von Aussatz (vermutlich Lepra,  Morbus Hansen) mit dem von COVID-19 vergleichen könne bzgl. Erreger, Ansteckung, Inkubation, Behandlung usw. – Ich vermute, hier reden keine Mediziner.
  • Wunderlich hat nicht getan, was ihm hier unter der generalisierten Adresse »Christen« unterstellt wird. Unterstellungen und Übertreibungen sind kein gutes Mittel, eine sachliche Debatte zu führen, sondern Strohmann-Angriffe. Diese sind fehlerhaft, liefern mithin nichts Gültiges oder gar Widerlegendes zur behaupteten Sache (Näheres zu Straw Man bei en.wikipedia.org).
  • Die Verallgemeinerung auf »Christen« bei bleibendem Verweis auf die von S&A genannten Stellen, die ausdrücklich für das Volk Israel vor ca. 3.400 Jahren galten, muss theologisch und hermeneutisch hinterfragt werden (die medizinische Diskussion lasse ich hier außen vor). Genauso gut könnte man von allen männlichen Christen heute per Mandat und Zwang verlangen, dass sie sich beschneiden lassen, und wohin eine solche Zwangsforderung führt, kann man in der Bibel nachlesen.
  • Mir ist nicht bekannt, dass Gott allgemein allen »Christen« die Vorschriften des Gottesvolkes im Alten Bund auferlegt hätte. Das gilt auch nicht in übertragener und modifizierter Weise gegenüber einer Obrigkeit, die sich heute als Zivilreligion versteht, als Heilsvermittlerin auftritt und im Gegenzug strafandrohend Gehorsam für ihre Maßnahmen einfordert.
  • Mir ist momentan keine ernst zu nehmende christliche Gruppe oder Stimme bekannt, die die zitierten damaligen Maßnahmen bei Aussatz als Unsinn oder als fraglich hinstellen. Eben, eine Strohmann-Attacke. Da sollte man nachbessern.

M4 | Der Lockdown sei in den angezogenen Bibelstellen in 3.Mose und 2.Chronik zu finden, sogar: die Heilige Schrift sage dazu »eine beachtliche Menge«

Was S&A bzgl. des staatlich verordneten »Lockdowns« und seiner Begründung in der Heiligen Schrift behaupten, bedarf schon einiger wilder semantischer Sprünge, um einen Anschein von Gültigkeit zu erwecken. Hinterfragen wir jedoch, was wirklich der Fall ist, zerfällt das Argument.

  • Selbst die WHO erklärte „Lockdown“ zu einem »eher unglücklichen Begriff« (siehe de.wikipedia.org, sub verbo, FN 28).
  • Leonard Mboera et al. definieren den Begriff so: »eine Reihe von Maßnahmen zur Reduzierung der COVID-19-Übertragungen, die ihren Ursprung in der Allgemeinbevölkerung haben, die obligatorisch sind und unzielgerichtet auf die Allgemeinbevölkerung angewendet werden« (ibid).
  • Da alle genannten Bibelstellen von konkreten Einzelfällen mit erkennbarer Symptomatik reden, ist ihre Verwendung für das, was mit dem Begriff Lockdown gemeint ist, völlig verfehlt. Der Begriff Isolation oder Quarantäne wäre u. E. besser geeignet, und er betrifft wiederum nur fachlich erkennbare symptomatisch Erkrankte.
  • Festzuhalten ist: Die genannten Stellen reden inhaltlich nicht vom Sachverhalt eines Lockdowns (s. o.). Damit zerfällt das Argument von S&A.
  • Wo die »beachtliche Menge« von Stellen über Lockdown und Social Distancing in der Bibel sein soll, wird nicht deutlich, zumal schon das halbe Dutzend gelieferte Stellen diese Behauptung nicht belegen kann.
  • Man könnte auch einmal überlegen, warum man Social Distancing sagt, wenn man in den Maßnahmen damit räumliche Distanz – angegeben in Metern (!) – meint. Einen räumlichen oder materiellen Hygieneabstand gegenüber konkreten Ansteckenden einzuhalten ist eine einsichtige Maßnahme, aber wer das Soziale in einer Gruppe gesunder Menschen in Metern (be-) misst, dem ist wohl schwer zu helfen.

Versuch einer Bewertung

1. Sachlichkeit

Die Autoren Strunk und Alberts sind sicher geliebte Brüder im Herrn, wir werden die Ewigkeit miteinander in Glückseligkeit verbringen. Ich schätze Gerrit Alberts langjährig gezeigte Bibeltreue, wohltuende Sachlichkeit und Ausgewogenheit in seinen Beiträgen in FuT. (Den Mitautor Struck und den angegriffenen Bruder Wunderlich kenne ich nicht persönlich.) In diesem Leserbrief konnte ich Bibeltreue oder Sachlichkeit leider nicht wie erwartet, gewohnt und m. M. n. erforderlich feststellen. Ich kann kaum glauben, dass dieser »Kommentars« bzw. »Leserbriefs« (beide Bezeichner werden von S&A verwendet) in FuT erschienen ist.

2. Brüderlichkeit

Der auslösende Artikel von Bruder Wunderlich ist emotional und nicht kühl-sachlich formuliert. Sein Anliegen und sein persönliches Mitgenommensein und Leiden an der Situation ist selbst mit kleinen Herzensohren unschwer herauszuhören. Wenn er z. B. unter »„Kommt her, alle ‚3G‘!“« pointiert schreibt: »Wer so denkt und handelt, hat nichts mehr mit einem Heiland zu tun, der seine Nachfolger auffordert…«, dann versucht Wunderlich hier nicht, jemand »das Heil abzusprechen«, wie S&A ihm dies unterstellen. Der Kontext nach Stil und Inhalt legt m. E. vielmehr nahe, dass Wunderlich hier zum Ausdruck bringt, dass er in solchem Denken und Handeln nicht mehr das Wesen und den Geist Jesu erkennen kann – und dies ist sein Schmerz und seine Klage. Das ist aber etwas völlig anderes, als S&A hier unzulässig überzogen behaupten, um Wunderlich damit argumentativ ins Abseits zu stellen. Ein Argument des Gegenübers ins Absurd-Extreme zu verzerren (und dann zu verdammen) ist ein unzulässiger Kunstgriff der Streitdialektik (nach Arthur Schopenhauers Eristische Dialektik eine Erweiterung; Manuskript 1830), der m. M. n. nicht angewendet werden sollte, zumal nicht unter Brüdern, die alle Den lieben, der Die Wahrheit ist. Leider ist das nicht der einzige Beigeschmack einer Strohmann-Attacke.

3. Christuspriorität

Es gab einmal jüdische Top-Theologen, die behaupteten: »Wir haben keinen König als nur den Kaiser.« (Joh 19,15b). Das ist das Bekenntnis zur Zivilreligion und damit die finstere Antithese zum christlichen Basis-Bekenntnis, dass Christus alleine Haupt seiner Gemeinde ist. Kein „Cäsar“ hat je irgendein Mandat von Gott erhalten, in die Inhalte (Bekenntnis, Lehre, Verkündigung), Abläufe, Strukturen usw. der Gemeinde Christi hineinzuregieren. Vielmehr ist die Obrigkeit von Gott dazu eingesetzt, dass sie das Gute belohnt und das Böse bestraft. Was gut und böse ist, verordnet letztlich Gott, nicht das Verfassungsgericht oder der Gesundheitsminister. Mit gebeugten Knien werden alle Richter und Minister einst Christus Rechenschaft abgeben müssen. Sie daran freundlich und deutlich zu erinnern, ist Christenpflicht.

Dass S&A noch nicht einmal ansatzweise würdigen, dass wir heute in der BRD nicht im römischen Cäsarenreich als Untertanen oder Sklaven leben (s. o.), sondern 2.000 Jahre später als Bürger in einem Rechtsstaat mit grundgesetzlich geschützten – aber vorpolitisch erhaltenen – Grundrechten, ist ein weiterer Anachronismus in der Anwendung des Bibeltextes.

Die Beispiele/Belege der Autoren für die Autorität des Staates, wie Brandschutzgesetz oder DSVGO-EU, sind beliebt, aber kategorial danebengegriffen, denn niemand bestreitet das Mandat der Obrigkeit in diesen grundsätzlich zivilen Dingen. Überhaupt: Meines Wissens hat Brd. Wunderlich nichts gegen das Brandschutzgesetz o. ä. gesagt: Hier riecht es wieder nach Strohmann-Attacke. Ich habe noch gute Erinnerungen an unsere Glaubensgeschwister im Osten vor der Perestroika, die sich verbotener Weise im Wald versammelten und von denen viele in Straflagern aufgerieben wurden. Für mich waren das Glaubenshelden, nicht „ungehorsame Untertanen“, die (angeblich nach Römer 13) Gottes Gericht auf sich gezogen hätten.

Zum Abschluss

Es ist enttäuschend, dass Bruder Wunderlichs Beitrag seitens S&A in FuT keine biblisch treffliche und sachlich hilfreiche Entgegnung oder Kommentierung gegenüber (oder an die Seite!) gestellt werden konnte. Der Kontrast beider Beiträge mag aber auch erhellend sein, wenn man unter den vielen Stimmen Orientierung suchend heraushören will, was (eher) nach der Stimme des Guten Hirten klingt. 

Die Veröffentlichung dieses »Kommentar«s meiner Glaubensbrüder Strunk und Alberts ist zu bedauern, denn –entgegen ihrer Vorrede– rüttelt ein derartiger Beitrag m. M. n. eben doch exemplarisch an den Fundamenten unseres Glaubens, nämlich daran, wie wir Gottes Wort recht auslegen und (dann) trefflich anwenden.


Endnoten

[1] Beide Hefte sind noch als PDF-Download erhältlich auf https://clv.de/ (13.03.2022).
[2] Nicht eingegangen werden kann hier aus Platzgründen: 1. Auf die vielfältigen weiblichen und männlichen Glaubenshelden der Bibel, deren Glaube sich gerade da strahlend und vorbildlich zeigte, als sie die (normal gepflegte) Gefolgschaft und Gehorsam gg. der Obrigkeit verweigerten. 2. Auf die verschiedenen Glaubensbekenntnisse seit der Reformation (in unterschiedlichen Gruppen von Christen), in denen schriftlich niedergelegt wurde, dass absoluter Obrigkeitsgehorsam nicht biblisch ist, dass er vielmehr relativ, d. h. mit Grenzen versehen ist. 3. Auf die wichtige Rolle des individuellen Gewissens, und dass von einem Handeln gegen das Gewissen biblisch stets abzuraten ist. 4. Dass man eine klare Unterscheidung zu machen hat zwischen dem verordneten Amt der Obrigkeit und deren konkreten, jeweiligen Amtsinhabern. Während die römische und jüdische Obrigkeit und deren Gesetzesnormen zur Zeit Jesu als Autoritätsstruktur und damit –in Grenzen– als Mittel der allgemeinen Gnade Gottes angesehen werden müssen (Römer 13), ist Jesu Urteil über die Amtsinhaber und ihren dämonischen Hintergrund (Spiritus Rector) auch klar: »dies ist … die Gewalt der Finsternis.« (Lukas 22,53). Das Recht zur Kapitalstrafe bestand zu Recht, aber das minderte nach apostolischem Zeugnis mitnichten die Schuld der jeweiligen Amtsinhaber am Justizmord am menschgewordenen Sohn Gottes (Apg 2,22–23; 3,14).

Redaktionsstand

30. März 2022. Links zu Straw Man und Schopenhauers Werk Eristische Dialektik eingefügt, da nicht jeder parat hat, was unter einer „Strohmann-Attacke“ oder Eristik zu verstehen ist. Zudem einige kleine Textkorrekturen.

Rezension: Kein König außer dem Kaiser? (Stefan Felber)

Stefan Felber
Kein König außer dem Kaiser? –
Warum Kirche und Staat durch Zivilreligion ihr Wesen verfehlen

Freimund Verlag, 2. Aufl., 2021. Brosch., 244 Seiten |
ISBN 978-3946083603

Herausgeber des Buchs ist ein kleiner Verlag im mittelfränkischen Neuendettelsau, der vor allem Bücher und Kleinschriften lutherischer Prägung erscheinen lässt (Website).

Zum Autor. Pfr. Dr. Stefan Felber hat in Deutschland und Kanada evangelische Theologie studiert und 1997 mit einer Arbeit über das Christuszeugnis im Alten Testament promoviert. Er ist (bis Sommer 2020) Dozent für Altes Testament am Theologischen Seminars St. Chrischona (CH) und seit 2016 Gastdozent für Altes Testament an der Staatsunabhängigen Hochschule Basel. Seit Juni 2022 leitet er den Gemeindehilfsbund in Deutschland. Seine Website gibt detaillierter Auskunft über seine Veröffentlichungen und Vorträge.

Zum Inhalt. Stefan Felber belegt und diskutiert, warum und inwiefern sowohl die Gemeinde Gottes als auch der Staat (die „Obrigkeit“) ihr jeweils von Gott zugewiesenes Wesen – und mithin göttliches Mandat mit Auftrag und Autorität – gefährden oder gar verlieren, wenn sie ihre gottgegebenen Mandatsgrenzen überschreiten: In solcher Entartung und Perversion wird Kirche dann zur diesseitigen, politischen Veranstaltung und der Staat zur Ersatzreligion mit immer größerem Absolutheitsanspruch, zur sog. Zivilreligion. Die bittere Ironie ist greifbar: Ein Staat, der seine Legitimierung durch den einen wahren Gott leugnet und in einem falschem Verständnis der Trennung von Kirche und Staat Gott als ganz entbehrlich (oder gar schädlich) deklariert, macht sich unausweichlich selbst zu Gott, denn ein gottloses Vakuum bietet dem Menschen und seinem friedvollen Miteinander keine Überlebensatmosphäre. Unsere Freiheit und Menschenwürde ist nicht realisierbar getrennt von Dem, der uns diese Freiheit und Menschenwürde gegeben und anvertraut hat, damit wir sie leben, wahren und beschützen. Es ist alarmierend, wenn Vertreter des Staates davon sprechen, dass sie (zumal unbescholtenen) Bürgern deren (gottgegebenen und damit vor-politischen und unveräußerlichen) Grundrechte „wieder geben“ oder „einschränken/nehmen“ wollen.
Karl Baral, der Autor von Zivilreligion oder Christusnachfolge? (Nürnberg 2019) schreibt über dieses sachliche und gut fundierte Buch: »Manche Vorgänge sind hochwirksam, aber wenig bekannt und selten benannt. Dazu zählt auch „Zivilreligion“, wodurch Staat und Kirche vermischt werden. Dabei sieht eine breite Zeugenschaft aus Bibel, Luther, Barmen 1934 und die deutsche Verfassung eine klare Unterscheidung vor. Staat und Kirche sind unaustauschbar und unersetzlich, doch Zivilreligion verwischt die Grenzen mit fatalen Folgen. Es ist Felber sehr zu danken, wie er in diese Problematik einführt. Sein Weg zur Klärung verdient breite Beachtung!« [Fettdruck hinzugefügt].
Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter, Philosoph und Theologe, bringt den Inhalt so auf den Punkt: »Viele Staaten entfalten in unserer Zeit einen religiösen Charakter wie einen Gottesersatz oder Heilsbringer. Sogar Kirchen dienen sich solchen Staaten an. Stefan Felber hilft dem Leser, sich darüber im Lichte des Alten und des Neuen Testaments ein Urteil zu bilden. Hochaktuell!« [Fettdruck hinzugefügt].

Merk-Punkte aus der biblisch-theologischen Besinnung (Langzitat)

Stefan Felber liefert nach ausführlicher Analyse und biblischer Begründung eine Zusammenfassung seiner (Zwischen-) Ergebnisse in 16 Punkten, die m. E. wert sind, gelesen zu werden. Ich erlaube mir daher ein Langzitat, empfehle jedoch dem Interessierten unbedingt die Lektüre des gesamten Buches, da es neben der wertvollen Herleitung auch viele Referenzen und weiterführende Zitate bietet.

»1.    „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe“ (2. Mose 20,2): Gott offenbart sich, sein Recht und sein Heil nicht nur einzelnen Menschen, sondern gerade auch im Gegenüber zum Staat und zu Staaten. Er kann sein Volk preisgeben oder befreien und erretten aus der Hand aller Großmächte der biblischen Zeit: der Ägypter, Assyrer, Babyionier, Perser und Römer (von den kleineren Nachbarstaaten Israels abgesehen189). [Endnoten s. u.]

2.    Der Glaube, den das Volk Israel, geprägt durch seine Zeit in Ägypten, durch die Erfahrungen der Plagen, des Auszugs, geprägt vor allem durch die Sinai-Offenbarung und die Wüstenwanderung – bzw. in Gestalt des Pentateuch – mitbrachte, unterscheidet sich von der ägyptischen Religion markant: Israel war viel diesseitiger orientiert, pflegte keinen Totenkult, keinen Herrscherkult, kein weibliches Priestertum. Die völlig andere Gestalt der israelitischen gegenüber der ägyptischen Religion gegen alle religionswissenschaftliche Wahrscheinlichkeit ist ein starkes Indiz für das Eingreifen des redenden Gottes in einem Meer von stummen, aber politisch und religiös sehr einflußreichen Götzen. 

3.    Nach dem Neuen Testament sind die dem Bürger übergeordneten Mächte gottgegebene, aber vorläufige, ja im Argen liegende Gebilde (Eph 6,12; 1. Joh 5,19). Sie werden von Christen also weder prinzipiell negiert noch kritiklos hingenommen. Anders als die Zeloten zahlen Christen Steuern nicht zähneknirschend, sondern als Gottesdienst. Die Steuer dem Staat, das Leben Gott: Von Gleichrangigkeit beider kann keine Rede sein, ein staatlicher Totalitätsanspruch ist von vornherein abgewiesen.190 „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ (Apg 4,19; 5,29) 

4.    Von Staatsbeamten muß nicht Förderung und Privilegierung des christlichen Glaubens erwartet werden. Religion ist nicht Aufgabe der Herrschenden! Auch ein heidnischer Staat besitzt ein relatives Wissen um Gut und Böse. Was das Gute und das Böse ist, ist dem Staat im Wesentlichen vorgegeben und nicht neu zu erfinden (Röm 13,3f., Konkretion durch die Gebote des Dekalogs: V. 8-10). 

5.    Damit können nur Recht und Gerechtigkeit die Legitimationsgrundlage des Staates bilden, nicht ein König, der angeblich das Heil bringt wie in Ägypten oder Rom, nicht das Volk (wie im konsenstheoretischen Ansatz, siehe das folgende Kapitel), kein Nationalismus und keine Geschichtsphilosophie (wie im Marxismus). Anerkennt der Staat diese Vorgegebenheit, dann kann er sein, was er im Wesen sein soll: Rechtsstaat (wie Augustin betonte) und darin Gottes Diener. Für das Recht, für das Gute und gegen das Böse ist ihm Macht (griech. exousia) von oben her gegeben (Joh 19,11; Röm 13,1), also nicht von unten her, sei es vom Volk oder in der besonderen Eignung einzelner Führer. Das Recht begrenzt den Staat nicht nur, sondern konstituiert ihn auch. Solange der Staat dies anerkennt, haben Christen in ihm jedenfalls für ihr Christsein nichts zu fürchten. 

6.    Er ist von oben her, aber sein Standort ist nicht oben, sondern unten. Die Mosebücher erwuchsen in Abgrenzung zur pharaonischen Selbstvergottung, das Neue Testament in Abgrenzung zum römischen Kaiserkult, um dessentwillen ungezählte Christen in den Tod gingen. Man denke auch an den kommunistischen Personen-und Parteikult! Diese Staatsüberhöhungen waren Versuche, den eigenen Standort ins überirdische zu erheben, und sie sind zugleich modellhaft für das Wirken der antichristlichen Tiere von Offb 13ff. 

7.    Ein guter Staat ist nicht Wohlfahrts-oder Sozialstaat, der eine gleichmäßigere Verteilung von Gütern, Bildung oder die Hebung der Gesundheit erzwingt (Nanny- oder Bevormundungsstaat, „Nudging“). Hier würde das Gewaltmonopol für alle möglichen, auch wechselnden Zwecke mißbraucht werden, die willkürlich von Obrigkeit oder Volk festgelegt werden. 
Die christliche Erwartung an den Staat wirkt im Vergleich zum antiken wie zum heutigen Gefüge höchst sparsam. Wie beim rechtstheoretischen Ansatz (s. 3.2.1) sieht Paulus das staatliche Gewaltmonopol begrenzt auf die Durchsetzung von Recht und Frieden. Der Kult gehört definitiv nicht zu den staatlichen Aufgaben.

8.    Christen werden ihrem Staat in kritischer Solidarität  zugewandt sein, d. h. ein Wächteramt wahrnehmen, wie er sich zu den göttlichen Ordnungen verhält. Es ist der Liebesdienst der Kirche am Staat, seinen Vertretern die göttliche Schöpfungs- und Erhaltungsordnung mit allem Ernst der Gebote zu sagen, sie über das Gesetz staunen (5. Mose 4) oder daran scheitern zu lassen (2. Kön 17; 24f.).

9.    Die Verhaltensweisen des Pilatus und des Judentums beim Prozeß Jesu offenbaren Abgründe des Menschseins: Abgründe, die der Religion wie dem Staat möglich werden, wenn ihre Vertreter die Verpflichtung zur Wahrheit – hier: die Unschuld des Angeklagten – unter die Verpflichtung zum sozialen Frieden stellen. Pilatus fürchtet Menschen mehr als er dem Recht Ehre gibt; so wird sein Staat zum Spielball wechselnder Interessen. Nicht mehr das Recht, sondern die Gunst regiert.

10.  Indem die jüdischen Führer sagen „Wir haben keinen König außer dem Kaiser“ (Joh 19,15), verabschieden sie sich von der Messias-und Erlösungshoffnung des Alten Testaments. Sie legen ihre Zukunft in die Hand eines heidnischen Staates. Jesu Tränen über sein Volk und die herannahende Zerstörung Jerusalems sind wohlbegründet. 

11.  Der Staat überschreitet seine Grenzen, wenn er religiös-ideologisch auf Glauben und Gewissen seiner Bürger zugreift (Staatsreligion, Zivilreligion), sein Gewaltmonopol zur Expansion der Landesgrenzen mißbraucht oder seine Zuständigkeit auf immer mehr Felder von Gesellschaft, Familie und erst recht bei Eingriffen in den Gottesdienst ausdehnt. Aus dem Rechtsstaat wird dann der Gewaltstaat. Seien wir wachsam! 

12.  Jesu Ankündigung, daß die Jünger vor Fürsten und Könige geschleppt werden „um meinetwillen, ihnen und den Völkern zum Zeugnis“ (Mt 10,18) besagt nicht, die Kirche werde immer vom Staat verfolgt werden, wohl aber, daß sie immer damit zu rechnen hat. Tut sie es? 

13.  Alle Mächte dieser Erde stehen unter dem Auferstandenen, der sie ihrer Macht entkleidet hat (Kol 2,15; vgl. 1. Kor 15). Das durch die Menschwerdung Jesu nahe gekommene Gottesreich stellt alle weltlichen Ordnungen unter einen „eschatologischen Vorbehalt“, ihre Legitimität bleibt vorläufig, ja auf göttlichem Prüfstand. 

14.  Der christliche Gehorsam gegenüber dem Staat ist also unbedingt hinsichtlich des vorfindlichen Staates als Institution, aber inhaltlich nicht unbegrenzt, sondern konkretisiert durch die Gebote (Röm 13,8-10), ferner zeitlich begrenzt durch den bald wiederkommenden Christus als Herrn aller Herren (V. 11-14). 

15.  In der Obrigkeit begegnen uns fehlbare und sterbliche Menschen, auf die Juden und Christen nicht vertrauen sollen.191 Politik ist ein menschliches, irdisches Geschäft, nicht ein religiöses. Beanspruchen Herrscher und Staaten die Stelle Gottes, z. B. indem sie das kirchliche Personal bestimmen, gottesdienstliches Leben inhaltlich füllen, reglementieren oder auch verhindern wollen, werden sie zu Dämonen, gewinnen antichristliehe Züge, und verfallen dem Gericht.192

16.  Röm 13 und Offb 13 bilden, wie Cullmann gezeigt hat, keinen Gegensatz. Unsere Deutung der Vorgegebenheit von Gut und Böse für den Staat bei Röm 13 bewährt sich bei Offb 13. Die christliche Haltung zur Obrigkeit wird gemäß beiden Kapiteln von „Geduld und Glaube“ (Offb 13,10) geprägt sein, von kritischer Vorsicht gegenüber einer Obrigkeit, die Gott dienen kann, aber einst gewaltig über ihre Grenzen hinauswachsen und so zum endzeitlichen Instrument antichristlicher Verführung und Verfolgung werden wird. Dem Staat der Gegenwart sollen Christen mit kritischer Solidarität begegnen, dem Verfolgerstaat der Endzeit mit der Bereitschaft zum Martyrium (Offb 12,11; vgl. unten Epilog). 

In der spätmodernen Theologie werden diese Ergebnisse der biblischen Besinnung vielfach unwirksam gemacht, weil man die eigene Zeit und Erkenntnislage als eine höhere Norm ansieht.193 Damit öffnen sich die Kirchentore und lassen die kalte Luft der zivilreligiösen Moden hereinströmen…«

Ein Trost und eine Aufgabe. Wer bzgl. der öffentlichen Verlautbarungen der Obrigkeit frustrierend wiederkehrend Psalm 5,10 erlebt hat, muss unbedingt auch die Verse 12–13 lesen. Der gottesfürchtige Bibelleser weiß: Die Rettung wird nicht von irgendeiner „Obrigkeit“ kommen, sondern „von Oben“! Der Ausgang des „Endspiels“ steht nämlich göttlich fixiert fest, siehe Psalm 2. Bis dahin gilt für alle Glaubenden der dringende Appell des Apostels Paulus: »Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst.« (1.Timotheus 2,1-2). Solche Glaubenden sind die besten Bürger, die sich eine Obrigkeit wünschen kann – und wünschen und beschützen sollte.


Endnoten

189  Vgl. Ps 136,10-24; die Geschichtspsalmen (bes. 78; 105; 106) und die weitgespannten und kritischen Blicke der Propheten über die Nachbarn Israels.
190  Cullmann aaO. 25f.
191  Ps 62,10; 118,8-9; 146,3; Jes 2,22; 30,2; 31 ,1; 36,6; Hes 29,7; Has 5,13; Hiab 12,21 ; 34,18.
192  Vgl. Dan 3+6; 2. Thess 2; Offb 13.
193  Über den Progressivismus ausführlich: Martin Erdmanns „Siegeszug des Fortschrittsglaubens“, vier Bände.

Rezension: Biblische Lehre (J. MacArthur, R. Mayhue)

J. MacArthur & R. Mayhue
Biblische Lehre: Eine systematische Zusammenfassung biblischer Wahrheit
EBTC, 2. Aufl. 11/2020, geb., 1.360 Seiten | ISBN: 978-3947196500

Der Herausgeber, der Berliner Verein Europäisches Bibel Training Center (EBTC), hat mit dieser Übersetzung des amerikanischen Werkes Biblical Doctrine: A Systematic Summary of Bible Truth einen wertvollen Beitrag für die deutschsprachigen Gemeinden geliefert. Der Verlag schreibt: »Es gibt nicht viele systematische Theologien auf Deutsch, die von einem eindeutig bibelgläubigen Standpunkt heraus geschrieben sind. Diese Dogmatik geht davon aus, dass die Bibel irrtumslos und verbal inspiriert ist, und darum argumentiert sie im Verlauf der ganzen Entfaltung der theologischen Themen immer mit der Bibel. Ein weiterer Grund, warum dieses Werk für die deutschsprachige Welt so wichtig ist, ist die Tatsache, dass diese Systematik auch einen eindeutig heilsgeschichtlichen Standpunkt einnimmt. Die Epochen der Heilsgeschichte werden deutlich voneinander unterschieden und dementsprechend dargestellt – so wie auch die Schrift es tut.« (Fettdruck hinzugefügt).

Ich habe mir die Frage gestellt: Wozu und wie (ge-)braucht man Biblische Lehre? Hier mein Kommentar dazu, der fast eine Rezension geworden ist.

Ohne Wahrheit verstehen wir weder uns noch die Welt

Jeder Mensch braucht und hat eine generelle Vorstellung, mithilfe derer er alles, was er wahrnimmt, interpretiert, begreift und vermeintlich versteht. Wir nennen diese grundlegende, alles umfassende Vorstellung eine Weltanschauung. Manche wählen ihre Weltanschauung sehr bewusst, andere hingegen sind sich ihrer nicht bewusst oder setzen sich mit ihr nicht auseinander, aber alle haben eine solche als Denkrahmen (Paradigma) und persönlichen „Ich verstehe!“-Interpretationsschlüssel.

Warum ist das so? Weil wir Menschen nicht damit zufrieden sind zu wissen, was der Fall ist (Zahlen, Daten, Fakten), sondern danach streben, auch zu verstehen, was diese Zahlen, Daten und Fakten bedeuten. Menschen fragen nach dem Wozu, nach dem Sinn. Sinn im Sein und Tun zu suchen, ist uns Menschen ureigen, daher ist uns Sinnklärung und Sinnstiftung tiefes Bedürfnis. Wo aber diesen Sinn finden? Wer sagt uns zu Sinn und Sollen verlässlich Wahres? Wo finde ich objektive Wahrheit, die von der eigenen Existenz, Prägung und Begrenztheit unverfälscht, ungefärbt und uneingeschränkt ist?

Angesichts großartiger technischer Errungenschaften glauben viele, in einer Zeit reiner Vernunft und objektiver Wissenschaft zu leben. Der Fortschrittsglaube ist längst zur Religion vieler geworden. Und so sucht man Wahrheit und die Antwort auf die Fragen des Seins und Sollens in der angeblich neutralen Wissenschaft: Harald Lesch wird uns sicher alle Fragen objektiv beantworten können! Dieser Astrophysiker kann ja in einer Stunde so beeindruckend über 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte reden, dass man fast vergessen könnte, dass er 99,9999987 % dieser Zeit gar nicht dabei war. Das nennen wir in der Wissenschaft extrapolieren (hier mit viel Extra und viel medialer Politur). Nach Max Weber kann sich die wissenschaftliche Analyse aber nur dem Seienden widmen, die Klärung von Werturteilen und das Fragen nach dem Sollen (dem „Seinsollenden“) bleibe reine Glaubenssache. Auf der Suche nach einer tragfähigen Weltanschauung müssen wir also woanders suchen. Aber wo?

Wahrheit, objektive, ewige, vollständige Wahrheit, ist in der Tat die größte Mangelware unserer post-faktischen und post-postmodernen Zeit. Wir brauchen aber klare Aussagen darüber, was der Fall ist, wie alles zu verstehen ist und wie wir es zu bewerten haben. Am besten aus einer Quelle, die sich nicht täuschen kann und die nie lügen wird. Damit ist aber auch gesagt: Der Ursprung solcher Wahrheit kann nicht ein Mensch sein.

Angesichts des pervasiven (alles durchdringenden) Mangels an Wahrheit wundert es uns nicht, dass wir in einer Zeit der moralischen Beliebigkeit und des Glauben an die Konstruierbarkeit aller sozialer und ethischer Normen leben. Es fehlt nicht nur an Wissen, sondern auch an ethischer Orientierung, an sichernder Grenzziehung, an Gottbewusstsein. Die selbstgewählte Gottesfinsternis hat die Vernunft des Menschen verhüllt, verdreht und verkrüppelt (Röm 1,21–22; Eph 4,17–19; vgl. Joh 3,19; Apg 16,18). Auch wir Christen brauchen umso mehr die biblische Wahrheit des geschriebenen Gotteswortes, um unseren Glaubensweg coram Deo (vor dem Angesicht Gottes) in demütiger Weisheit und echter Heiligung gehen zu können.

Der dritte Mangel, den wir leidvoll beklagen, ist Liebe, jene Grundessenz, die der Schöpfer in die Textur unseres Menschseins fest verwoben hat. Wie viele Verzerrungen und Karikaturen von „Liebe“ geistern umher und lassen den Menschen mit teuer glitzernden Plastikfälschungen unbefriedigt und enttäuscht zurück? Wo gibt es echte Liebe, und wie sieht sie in Wahrheit aus? Ist es nicht Gott allein, der den Pascal‘schen »unendlichen Abgrund« unserer Seele (Pensées, Sec. VII, 425) wirklich ausfüllen kann?!

Unser Fragen wirft uns wieder zurück auf Platz 1: Wo finde ich „wahre Wahrheit“?

Biblische Lehre ist eine Wohltat

Das Werk Biblische Lehre fasst in zehn wesentlichen Stücken zusammen, was die Heilige Schrift über die Wahrheit, das Heil, die Heiligung und die Liebe sagt, und beantwortet dabei grundlegende Fragen über Gott, den Menschen, die Sünde, das Gericht, die Barmherzigkeit Gottes und die Erlösung. Der Leser wird gefördert, (1) biblische Wahrheit zu ergreifen, die befreit, (2) göttliche Weisheit zu erwerben, die heiligt, und (3) wahre Liebe zu erfahren, die jenseits von Sentimentalität und Gutmenschentum das Herz erfüllt. Das tut der Seele des Glaubenden wohl.

Die Autoren reden in ihrem Werk wohltuend begreifbar, biblisch nachvollziehbar und so erfreulich klar, dass der Glaubende Korrektur und Erstarken seines Glaubens erfahren kann. Biblische Lehre wurde nicht in geschraubter Theologensprache kodiert, welche allzu oft die Wahrheit der Schrift dem nicht-akademischen Bibelstudenten verschleiert und verdunkelt, sogar Aversionen gegen die „trockene Theologie“ erzeugt. Wie oft werden damit emotional aufgeladene Sprüche und Dogmen wie: „Lehre trennt, Liebe eint“ befördert, welche die Verkündigung der Wahrheit in der Gemeinde nachhaltig durch Mangel und Vernachlässigung beschädigen. 

Auch ein zweites Wohltuendes erfährt der Leser: Biblische Lehre versucht nicht, den Glaubenden mit dem ganzen schillernden Spektrum falscher Lehren aus der Feder toter (und lebender) Theologen zu belasten (was manche als wahre Kunst und Mark der Theologenarbeit und christlichen Hochschulausbildung verstehen). Nein, Biblische Lehre ist anders: Es will dem Glaubenden, der seine Glückseligkeit darin findet, dass er »seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht« (Psalm 1,2), weiterhelfen im geistlichen Wachstum. Es will jenen helfen, die ihrem Herrn und Retter in Gemeinde und Mission dienen und sich darin durch Gottes Gnade weiterentwickeln wollen. 

Gemeinden und Mitgläubige in solchem Anliegen zu fördern, ist Herzblut und DNA des Herausgebers EBTC. Ein Schweizer Missionsleiter hat Biblische Lehre trefflich so beschrieben: »Ein vollständiges „Bibelschul-Programm“ in einem einzigen Buch, das die gesamte biblische Theologie abdeckt. Ein hervorragendes Nachschlagewerk, zusammengestellt von erfahrenen Bibellehrern, empfehlenswert für jeden, der geistlich weiterkommen möchte.« 

Biblische Lehre belebt und stärkt den Glauben

Die Protestanten des 16. und 17. Jahrhunderts verstanden biblische Lehre und Theologie nicht als akademischen Elfenbeinturm, sondern begriffen sie als das Herzstück im Leben eines jeden Nachfolgers Christi. Der Puritaner Thomas Watson schrieb in seiner posthum veröffentlichten Predigtreihe „A Body of Divinity“, dass die biblische Lehre »dem Christentum die Richtung weist, wie das Auge den Körper leitet. … [sie] ist für die Seele wie der Anker eines Schiffes, der es mitten in wogender See des Irrtums und im heftigen Sturm der Verfolgung festhält«. Sie verstanden, dass das Haupt gemacht wurde, um dem Herz zu dienen, dass Theologie unsere Seele erfreuen, Anbetung und Gebet anfachen und dabei die Seele verändern soll. Sie waren weit davon entfernt, dem landläufigen Irrtum zu verfallen, Theorie und Praxis, Theologie und Nachfolge seien Gegensätze.

Biblische Lehre fördert das Verständnis der biblischen Lehre, der göttlichen Wahrheit. Und wer sich der Wahrheit des Wortes systematisch und beständig aussetzt, kann tiefgehende, guttuende Wirkungen erleben: im Denken und Fühlen, im Reden zu Gott und zu Menschen, im Handeln und Wandeln als Nachfolger Jesu Christi. Das wird zeugnishaft sichtbar und beeindruckend lebendig:

  • Sie informiert es unser Denken mit der Wahrheit über Gottes Wesen und Werke, ergreift unser Herz, entzündet unsere Gegenliebe und lässt unsere Lippen in vom Geist und der Wahrheit geprägtem Gotteslob überfließen.
  • Sie informiert unser Wissen und Denken mit der Wahrheit über den Menschen, über seinen hoffnungslosen, gefallenen Zustand, und bringt uns auf die Knie vor unserem barmherzigen Retter-Gott, der einzig und alleine diesen Zustand beenden und zum Besten wenden kann und will.
  • Sie prägt unsere Weltanschauung durch die Wahrheit des Wortes, damit wir das, was wir in dieser Welt wahrnehmen, mit Gottes Augen sehen und so erst recht verstehen. Das alleine ist eine menschenwürdige und gottesverehrende Weltanschauung. Sie trägt durch die Zeit und in die Ewigkeit Gottes hinein.
  • Sie treibt uns ins Gebet, erfüllt uns mit rechter Demut vor Gott und lässt uns alles von Dem erwarten, der die Seinen schon vor aller Zeit geliebt, erwählend an Sein Vaterherz gezogen und eine herrliche Zukunft an der Seite Seines Sohnes in Seiner ewigen Welt verheißen hat.
  • Sie liefert uns wahren Sinn, echte Erfüllung und unfehlbare Gewissheit über den Sinn und das Ziel unseres Lebens, so dass wir es coram Deo in hingegebener Widmung an Gott, in praktischer Weisheit und in ganzheitlicher Heiligung leben wollen und Schritt für Schritt unter Seinem liebenden Auge und seiner erziehenden Hand leben lernen. Als der Sohn Gottes zu seinem Vater betete: »Heilige sie durch die Wahrheit« (Joh 17,17), machte er deutlich, dass es ohne Belehrung in der göttlichen Wahrheit kein gottgefälliges Leben gibt.
  • Sie motiviert uns am Beispiel Jesu und der Apostel, unseren Zeitgenossen in aller Welt das zu bringen, was ihnen am meisten mangelt: die Wahrheit, Gottes gute Botschaft von der größten Tat und dem größten aller Wunder, das durch den menschgewordenen Gottessohn zur Rettung von Sündern auf Golgatha geschehen ist und jedem Glaubenden zuteil wird.
  • Sie motiviert uns, unseren Glaubensgeschwistern das Wort Gottes immer wieder als das „Brot des Lebens“ darzureichen, liebevoll vorbereitet und zubereitet für die Menschen und ihre Situation, in die das Wort unnachahmlich mit Wahrheit, Kraft und Klarheit hineinredet. Es mit Entschiedenheit und Furchtlosigkeit zu predigen, sei es mit Rückenwind oder gegen den Wind. Es mit Klarheit verständlich und begreifbar zu machen, denn alle gute Wirkung des Wortes beginnt mit der biblischen Lehre (2Tim 3,16f).

Meine Erfahrungen mit Biblische Lehre

Ich habe das amerikanische Original komplett durchstudiert und die deutsche Übersetzung inzwischen zweimal komplett aufmerksam durchgelesen. Ich bin sehr dankbar, dass wir das Werk „Biblische Lehre“ nun auch in deutscher Sprache nutzen können. Nach Angabe des Herausgebers waren dazu tausende von Stunden intensiver Arbeit im Übersetzen, Übertragen, Formulieren, Prüfen und Indizieren nötig. Diese Liebesarbeit für die Gemeinde Jesu hat sich gelohnt:

  • Biblische Lehre bringt die Wahrheit der Bibel wohlgeordnet und biblisch gegründet vor Verstand und Herz des Glaubenden. Zahlreiche Bibelstellen, Zitate und Fußnoten verweisen auf den Felsen des Wortes Gottes und ermutigen so zum „Beröer-Test“ (Apg 17,11) mit der geöffneten Bibel des Studierzimmers. Die systematische Ordnung und Gliederung des Materials und vor allem die umfangreichen Verzeichnisse (Stich- und Fachwörter, Bibelstellen) erschließen das Werk und erleichtern das Arbeiten damit außerordentlich, sei beim Durchlesen, beim gezielten Nachschlagen, beim persönlichen Bibelstudium, bei der Vorbereitung einer Bibelarbeit oder Predigt, oder beim Durchdenken von schwierigen Lehrfragen.
  • Biblische Lehre reiht sich ein in die Linie jener Lehrbücher, die die volle und verbale Inspiration, die Fehlerlosigkeit und die Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift festhalten. Damit ist dieses Werk geistlich geeignet zur biblischen Festigung der Gemeinde und zur Auferbauung ihrer Glieder. Bibeltreue Gemeinden werden daran ihre Freude finden und geistlichen Nutzen ziehen. 
  • Biblische Lehre ragt aus dieser Linie jedoch heraus, weil es eine klare, biblisch begründete Position in umstrittenen Fragen des Glaubens einnimmt: Siebentageschöpfung, junge Erde, reformatorische Heilslehre, Gläubigentaufe, Gemeindeleitung durch Älteste, komplementäre Sicht von Mann und Frau, Ende der apostolischen Zeichengaben, biblischer Dispensationalismus, zukünftige Wiederkehr Christi, Tausendjähriges Königreich, Unterscheidung von Gemeinde und Israel u.a.m. Damit lässt sich das Herausgeberteam John MacArthur und Richard Mayhue keinem der traditionellen theologischen Systeme zuordnen. Die Herausgeber und ihr Autorenteam zeichnen sich vielmehr dadurch aus, dass sie von Genesis bis Offenbarung einer konsistenten biblischen Hermeneutik (Lehre von den Grundsätzen der Textauslegung) folgen, wohin auch immer diese sie führt. Das ist wohl der sicherste und demütigste Ansatz, die Wahrheit der Schrift zu studierend zu erkennen, entschieden zu tun und in Folge auch lehrenzu können (vgl. Esra 7,10).
  • Biblische Lehre ist keine Lektüre der „leichten Muse“, sondern Schwarzbrot- und Vitamin-Kost. Sorgsam Kauen erschließt auch hier Genuss und Gewinn: »Wie groß sind deine Werke, Herr! Sehr tief sind deine Gedanken.« (Ps 92,6). Das Wort Gottes fordert zum Mit- und Nachdenken heraus. Die alte Weisheit: »Ohne Fleiß kein Preis!« gilt auch hier, vor allem mit Blick auf die über tausend Buchseiten. Eine bequem gewordene Fast-Food- und Tiefkühlkost-Mikrowellen-Generation darf wieder Freude am Denken und Nachdenken entdecken und Ausdauer beim Forschen und Lernen in der Schrift entwickeln. Der didaktische Grundsatz: »Was schnell und billig erworben wurde, wird auch schnell und billig vergessen« gilt immer noch. Wer aber tief gräbt, kann stabile Fundamente legen. Ob man das getan hat, wird sich beim beständigen Rostfraß des Zeitgeistes, in der bitterkalten Frostnacht des Unglaubens und im Sturm der Widergöttlichkeit erweisen.

    Jenen, die vergeblich versuchen, unter Umgehung des Denkens und Schlechtreden des Verstandes das glaubende Herz der Zuhörer zu treffen, gibt R. C. Sproul zu bedenken: »Das Wort Gottes kann im Verstand sein, ohne im Herzen zu sein; aber es kann nicht im Herzen sein, ohne zuerst im Verstand zu sein.«

Das Ziel von Biblische Lehre

Biblische Lehre strebt von Gottes Liebe und Wahrheit getrieben ein großes Ziel an: den Glaubenden zu fördern, dass er für Gottes lebendiges Wort vertieften Dank und Ehrfurcht empfindet, dass er unseren großen Heiland-Gott im Geist und in der Wahrheit gegründet anbetet, und dass er seinem Herrn und Retter Jesus Christus entschiedener nachfolgt. 

Es ist ja ein geistliches Grundgesetz: Je mehr wir die Herrlichkeit Gottes in Seiner Selbstoffenbarung im Wort sehen, umso mehr werden wir Ihn von ganzem Herzen lieben und ehren wollen. Das bewirkt der Heilige Geist im Glaubenden. Und so wird dann unser »Herz und Mund und Tat und Leben« immer mehr »von Christo Zeugnis geben/ ohne Furcht und Heuchelei,/ dass er Gott und Heiland sei.« (Salomon Franck, 1717; BWV 147). 

Es gibt keine Abkürzung: Die Tiefe unserer Theologie wird die Höhe unserer Anbetung und die Widmung unseres Herzens und Lebens bestimmen. Das ist der edelste Nutzen dieses Buches über die biblische Lehre. Und solche Bücher liebe ich.

Im Mai 2020 (Update März 2022)

Die angebliche Sensation des Ken Wilson

Eine Rezension von: War Augustinus der erste Calvinist?

Vor einiger Zeit wurden Nachrichten und Vorträge verbreitet, dass ein gewisser Ken Wilson eine Sensation entdeckt hätte, nämlich dass der Kirchenvater Augustinus schon ein „Calvinist“ gewesen sei. Eine deutsche Kurzfassung der „bahnbrechenden Dissertation“ von Wilson aus dem Jahr 2018 trägt tatsächlich den Titel: „War Augustinus der erste Calvinist?“ (CMV-Hagedorn, Pb., ca. 156 Seiten, ISBN: 978-3-96190-062-6). Die Doktorarbeit lautet hingegen: „Augustine’s Conversion from Traditional Free Choice to “Non-free Free Will“: A Comprehensive Methodology“ (Tübingen: Mohr Siebeck, 2018, 388 Seiten, ISBN 978-3-16-155753-8).

Autor: Kenneth M. Wilson wurde 1956 geboren. 1981 wurde er Doktor der Medizin (!) an The University of Texas Medical School. 1989–95 war er Assistant Professor of Orthopaedic Surgery an der Oregon Health Sciences University. 2003 errang er den Titel Master of Divinity, 2006 den Titel Master of Theology und 2012 den Titel D. Phil. in Theologie von der University of Oxford. Gegenwärtig ist er ein zertifizierter Orthopaedic Hand Surgeon in Salem, Oregon und zugleich Professor für Kirchengeschichte und Systematische Theologie an der Grace School of Theology in The Woodlands, Texas, der Ausbildungsstätte einer christlichen Sondergruppe (Glaubensbekenntnis; bemerkenswert ist folgende schriftwidrige Behauptung dieser Bibelschule in ihrem Doctrinal Statement: »Initial faith resulting in justification and regeneration is not a gift of God.«).

Inhalt: Eine Diskussion und Beurteilung der Behauptungen der Doktorarbeit von Ken Wilson findet sich an mancher Stelle. Eine davon fertigt(e) Chris Whisonant an, sie ist hier veröffentlicht. Die Inhaltsangabe davon mit kurzen Zusammenfassungen wird unten abgedruckt. Die Überschriften enthalten Links zu den vollen Artikeln. Aber Vorsicht: das zugrundeliegende Studium ist nichts für Anfänger. Allerdings könnte selbst ein Laie mit etwas Bildung erkennen, dass Augustinus (354–430) rein zeitlich niemals ein Anhänger Calvins (1509–1564) oder dessen Lehren gewesen sein konnte. Ob diese Behauptung Geschichtsklitterung, Dummheit oder Effekthascherei ist, mag jeder selbst beurteilen.

Nach Einschätzung von Kennern der Materie ist zu befürchten, dass sich am Ende der 388 Seiten (des Originals) die Sensation des Ken Wilson als lahme Ente erweist, oder – wie der alte Goethe es sagen würde–: »Getretener Quark wird breit, nicht stark.« (Westöstlicher Divan, 1819/1827).

Chris Whisonant: Discussing Ken Wilson’s Work – A Table of Contents

»Below you will find a Table of Contents with all of my posts in this current series. I will link to each post and provide a brief synopsis of its argument, typically a summary of each post’s conclusion.

Part 1 – Clement and Free Will

Dr. Wilson argues that when Clement stirred up the believers in Corinth to good works that the implicit logical consequence must only be libertarian free will. If this is clear through implication, what of  the explicit statements relating God’s will to our calling, justification, and opening of the eyes of our hearts that Clement understood believers are predestined and elected by God? By simply looking at the actual writing of Clement, there would be more data demonstrating that he was on the “traditional” belief in election as it relates to God’s purpose of salvation.

Part 2 – Augustine, 412, and Original Sin

Upon hearing that infants should be baptized not to remit original sin but simply to sanctify them, Augustine realized that this was not part of what he understood as the Christian faith handed down through the ages. He understood that the Church “guarded with utmost constancy” the doctrine that children were sinners due to their inheriting original sin from Adam. Therefore, his immediate argument was that the Church was against this novel doctrine of Pelagius and that infants should have always been baptized to cleanse them of their sin. If there was a side that Augustine would have understood as “traditional”, it was that side guarded by the Church that believed the transmission of original sin from Adam needed to be washed away in infants so that they could be clean and free from sin until such a time as they committed their own personal sin.

Part 3 – Some Earlier Comments from Augustine on Original Sin

Augustine spoke about the inherited sin nature by the sin of the first man very early in his Christian life in the year 393. And then in 401 we could see Augustine discussing the need for remission of sins by baptism in infants. The remission of sins was to renovate them from the sins of the old man. Augustine was saying something that the “traditional” advocate would not be able to say while being consistent with their own writings. Could a Provisionist say that “the custom of sinning has been turned into a nature of sinning according to mortal generation, by the sin of Adam”? That’s the language of Augustine before he explicitly wrote lengthy treatises on Original Sin.

Part 4 – Athanasius and Original Sin

Athanasius spoke of an origin of death from Adam, a curse of sin, and death being removed through regeneration from above and a quickening in Christ. At the very least, Athanasius shows that the church before Augustine was talking in ways that sound less “traditional” than the Provisionist would like.

Part 5 – Using Equal Scales in the Discussion

Wilson has also asserted that Biblical calls to repent or wake up must mean that man has that capability within himself to fulfill that call. In this post we see a similar statement by Mani where one is told to awaken. The “traditionalist” would read these statements in Scripture as meaning that man has moral ability to heed the call himself and wake up, but the same person will read some type of determinism into a statement by Mani. I would urge that we try to be consistent with regards to how we interpret passages based off of our presuppositions. I am in no way trying to defend the statement by Mani – he was, as we have seen, not even talking about the Christ of the Bible as the Redeemer but rather was talking about Zoroaster! What I am trying to do is to urge you to consider whether you are using the same criteria when you read traditional libertarian free will into early church fathers but not into what Mani was saying.

[Part 6 –] The Depths of Augustine’s Manichaeism

This foundational part of “faith” (a “Redeemer” known as Zoroaster,who Wilson equated with Christ, commanding one to awake from their slumber and that Redeemer gave the grace for someone to even be able to awaken) that Augustine supposedly snuck into Christianity was approved by Augustine, per Wilson. Yet it does not take into account that Augustine was quite explicit that the “faith” he had as a Manichaean was disapproved of by him. Certainly this “faith” would include such non-catholic beliefs in astrology and the false god along with Zoroaster the Redeemer in Manichaeism.

Part 7 – What If We Rewrite the Stars?

After reading this post, does it sound to you like Augustine was still under the influence of Stoic Providence guided by the stars in 388 and 398 (as well as from 393 and 397 in quotes below) when he explicitly denied the influence of stars over the birth of any man? As Augustine stated in Confessions, he had abandoned any type of atrological determinism by 386 – even before he was converted! When you have direct and explicit denials by Augustine of the assertions that Wilson is making, you have to ask yourself why Dr. Wilson is treating Augustine the way that he is. Augustine, in writings from 388-401 categorically denied any assertion that he continued to worship the heavenly bodies.

Part 8 – Council of Carthage

As this post demonstrates, the statements that Dr. Wilson made regarding the Council of Carthage do not hold water when we look at the actual document. They did believe that the church universal was baptizing infants and that it was to remit the sin that was in them as a result of generation from Adam.

Part 9 – Breaking The Silence of Augustine

Even excluding Ad Simplicianum we can see that Augustine spoke with similar language in the 10 years surrounding that letter. We see that what Dr. Wilson has conceded as non-traditional language in Ad Simplicianum is echoed by further non-traditional language in other works around that time (and the quotes that I have posted above are not exhaustive). If Augustine believed in 396 what he wrote in Ad Simplicianum, then Wilson’s entire thesis is a house of cards. But Dr. Wilson has stacked this house of cards on a single card at the bottom in order to serve as the firm foundation for this flimsy house. That single card is the fact that the word “reatus” is never found to be used prior to 412. This means that nobody believed that there was damnable guilt associated with original sin. But I have clearly just shown that Augustine, at least in 401, did believe in the inherited guilt of original sin such that he would recommend that children must be baptized to cleanse and regenerate them.

Part 10 – On The Magnitude of The Soul

When Augustine’s own words are read he appears to have spoken in a “non-traditional” way. I simply ask, yet again, if the things that Augustine wrote in this work are statements that the provisionists could agree with. Can they say that man cannot even begin or complete the renovation of spirit without God helping him to do that? Can they say that our use of free will “does not disturb any portion of the divine order and law”? These are serious questions that undermine much of Dr. Wilson’s thesis.

Part 11 – On Psalm 51 and Original Sin

After reading through some of Augustine yourself, it should be clear that it is anything but Wilsonian “Traditionalism”. As I have shown, Augustine not only says that children are born guilty (with a lack of innocence) but that they are further born with punishment upon them which makes them need the washing of regeneration in baptism. Guilty persons (infants) in need of regeneration, according to Augustine’s understanding of the catholic faith, would face the punishment of damnation.

Part 12 – On Psalm 51 and Concupiscence

This post is yet another that demonstrates the extreme prejudice employed by Wilson in his reading and assessment of Augustine. As a committed Protestant Baptist in the 21st Century, when I began reading Augustine in 2017 I approached it with no agenda. I knew that there would be many things that Augustine wrote with which I would agree and many with which I would disagree. But I have not approached my reading looking for a way to either assimilate Augustine into my tradition or accuse him of heresy from the start. My reading has been fruitful and a blessing. Dr. Wilson’s approach to Augustine appears to have been started with a bias and an effort to make Augustine someone that he was not.

Stay tuned for further posts…«

Sonnenfinsternis – Wo Phantasie die Wahrheit verdunkelt

Eine Rezension und biblische Kurzbeurteilung von:

Thomas Jettel, Herbert Jantzen
Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
CMV – Christlicher Missions-Verlag Bielefeld, 2010. Brosch., 109 Seiten | ISBN 978-3867015028

Der Herausgeber ist ein kleiner Verlag (e. V.), der von Mitgliedern der Mennoniten-Gemeinde Bielefeld ins Leben gerufen wurde (Webseite). Diese christliche Gruppe pflegt traditionell ein arminianisches Verständnis der Heilslehre und geht von der Unsicherheit und Verlierbarkeit des Heils in Christus aus. Das besprochene Werk ist Teil der CMV-Aufklärungsreihe. In dieser Reihe werden aus Sicht der Mennoniten wichtige Themen aufgegriffen, wie Gender, Erwählung, Heilssicherheit oder „das Äußere” (Kleidung).

Die beiden Autoren kommen aus unterschiedlichen Hintergründen, arbeiten jedoch seit einigen Jahrzehnten zusammen. Der Kanadier Herbert Jantzen (*1922) studierte am Canadian Mennonite Bible College in Winnipeg Theologie und Erziehungswissenschaften und war 1971–1981 Professor für Dogmatik an der FETA Gießen. 1999 kehrte er nach Kanada zurück. Der Österreicher Thomas Jettel (*1959) studierte an der STH Basel und wurde nach einer vorübergehenden Mitarbeit in Gemeinden im Salzburger Land (A) in den 80er und 90er Jahren und einer Umkehr zu einer anderen Heilslehre freier Prediger, dann Ältester einer Gemeinde in Hohentengen. Er arbeitet seit 1997 mit Herbert Jantzen zusammen.

Zum Inhalt. Die Autoren gehen davon aus, dass jemand, der an Jesus Christus glaubt, das Ewige Leben hat. Soweit biblisch richtig. Dann stellen sie die unbelegte und recht steile These auf, dass ein solcher mit Ewigem Leben beschenkte und „von-oben-geborene” Mensch seinen Glauben wieder restlos aufgeben könne, so dass alle Verheißungen und Folgen der Wiedergeburt von oben wieder genommen würden und so dieser Mensch auf dem Weg ins sichere Verderben der Hölle sei. Die biblische Lehre von der ewigen Heilssicherheit der Glaubenden schließe die Möglichkeit des Abfalls Wiedergeborener nicht aus. Die Heilssicherheit des Gläubigen einerseits, und die Möglichkeit, aufzuhören zu glauben, andererseits, seien biblische Lehren, die nicht im Widerspruch zu einander lägen. Platt gesagt wird hier die Meinung vertreten, dass der Mensch mittels des (eigenständigen) An- und Ausschaltens seines Glaubens sein ewiges Heil (eigenständig) an- bzw. ausschalte, der Heilsprozess mithin voll umkehrbar und voll in exklusiver Verfügung des betreffenden Menschen sei.

Beurteilung. Erstens werden in dieser Sicht der ewige Wille Gottes und seine ewigen und festen Besitzansprüche an die durch das Blut Jesu Erworbenen völlig außer (biblischer) Acht gelassen. Die Heilige Schrift lehrt als Wahrheit vielmehr, dass mit der Verleihung des Ewigen Lebens durch Gott unumkehrbare Dinge bei einem Menschen geschehen, denn Gott verändert ihn und Seine Beziehung zu ihm radikal (bis ins Zentrum des Wesens) und pervasiv (alles umfassend und durchdringend), sowohl initial (Stellung) als auch beständig (Glaubensleben). Die entsprechenden Gnadenhandlungen Gottes (d. h. einseitige Geschenke Gottes, beachte das betonte »ICH werde«) werden z. B. in Hesekiel 36 prophetisch vorausschauend bzgl. Israel und dem Neuen Bund im Alten Testament aufgezählt. Diese Segnungen des Neuen Bundes gehören zum Hintergrund des Gespräches Jesu Christi mit dem jüdischen Obertheologen Nikodemus (Johannes 3) zur Erklärung der Möglichkeit und Weise der geistlichen Neugeburt (Wiedergeburt, Geburt-von-oben-her):

»Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinheiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahrt und tut.«

Hesekiel 36,25-27 (ELBCSV)

Beachtenswert ist, dass auch das Bleiben eines Wiedergeborenen in einem Gott wohlgefälligen Leben in praktischer Heiligung zu diesen gnädigen Wirkungen gehört und mithin sicheres und bleibendes Gottesgeschenk und nicht fragwürdige menschlich-volatile Entscheidung ist. Es geht um Segnung und nicht um Verdienst. Dass dies so göttlich-sicher geschieht und bleibt, ist verbunden mit dem bleibend hochgelobten Namen und der Ehre Gottes (Hesekiel 36,32; vgl. Römer 3,21–28; Epheser 2,4–10).

Zweitens stellen die Autoren mit ihrer Lehre den Dienst Jesu Christi als Hoherpriester als fehlbar hin. Dieser ist jedoch vollkommen und wirksam: »Ich habe gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre« sagt Jesus zu Petrus nach dessen größter Sünde in dreimal wiederholter Leugnung Jesu (Lukas 22,31f). Jesu Blick (Lukas 22, 61–62) und seine Wiederherstellung und Indienststellung des Petrus (Johannes 21,15–19) reden, vor allem im Vergleich zum lange vorher in der Schrift angekündigten Verräter Judas Iskariot, Bände. Petrus gehörte zu denen, die durch Jesu Wort rein waren (Johannes 15,3), Judas hingegen war nie etwas anderes als ein Verräter und Teufel (vgl. Johannes 6,70; 13,2): »Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast; und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verloren gegangen – als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde.« (Johannes 17,12).

Drittens wird der Dienst Jesu als Großer Hirte Seiner Schafe als unvollkommen verleumdet. Johannes 10 und 17 (u. a.) machen sehr klar, dass Jesus keinen der „Seinen” verliert, die Ihm der Vater anvertraut hat, sondern allen ewiges Leben gibt: »Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.« (Johannes 10,27-28). Wer wie die Autoren das Gegenteil einräumt, verleumdet Jesu Hirtentreue und Seine Macht als Gott, der Sohn.

Viertens: Bei der Rettung bekommt der Glaubende unwiderrufliche Rechtstitel zuerkannt. Dazu gehören: das Recht, Kind Gottes zu heißen; die Adoptionsurkunde als „an Sohnes statt Angenommener”; die Rechtfertigungsurkunde des Obersten Weltenrichters, ohne Revisionsmöglichkeit; den Erbschein als Miterbe Christi, (usw.). Dies ist alles im NT klar bezeugt. Keiner dieser Titel wird als „Leihtitel” oder „Bewährungstitel” ausgeteilt, sondern als göttlich feste Zusage im Indikativ des unwiderruflich Faktischen.

Der Beweis, dass kein Mensch sich durch Treue, Werke, Entschiedenheit (o. ä.) den Weg in den Himmel selbstständig bahnen oder erhalten kann, ist längst erbracht. Daher baut Gott Sein Heil auch nicht auf den Willen und die Tat eines sündigen oder „bekehrten” Menschen, sondern auf den Willen, die Tat und das Sterben und Auferstehen Jesu Christi, Seines Sohnes, auf: »Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.”« (1. Korinther 1,30-31).

Fünftens: Es wäre ein Anfängerfehler, davon auszugehen, dass jede Art des Glaubens (als Tugend verstanden) rettend sei, dass es keine kategorisch unterschiedlichen Glaubensarten gäbe. Auch Dämonen glauben (Jakobus 2,19) –und zwar beständig–, aber sie waren und sind nie gerettet. Menschen glauben, solange sie spektakuläre Wunder sehen, die ihnen nützen (Brotglaube, Zeichenglaube). Weiterhin ist biblisch belegt, vorausgesagt und evident, dass Menschen biblische Glaubensinhalte mit falschen Inhalten und Lehren vertauschen (z. B. dem religiösen Asketismus, 1. Timotheus 4,1–3). Der rettende Glaube hingegen (manchmal als echter oder lebendiger Glauben bezeichnet) rettet, und zwar 100 Prozent sicher. Der Apostel Johannes lehrt unmissverständlich: Wer „den Glauben aufgibt” und die Gemeinde dauerhaft verlässt, fällt nicht vom sicheren Heil ab, verliert nicht das ewige Leben (usw.), sondern war nie gerettet, war nie „von uns” (1. Johannes 2,19).

Die Autoren gehen von einem in der Schrift nie vorkommenden, konstruierten Fall aus und bauen davon ausgehend Schlussfolgerungen auf. Wenn aber Prämissen falsch sind, werden die Schlussfolgerungen notwendigerweise auch falsch. Die Autoren verletzen das Auslegungsprinzip, dass sog. „schwierige Stellen” stets anhand klarer Stellen (s. z. T. o.) zu beleuchten sind. Durch Missverständnisse über die Treue und Macht Gottes und dem Werk Jesu besteht die Gefahr, dass sie Gott klein machen und zu einem ohnmächtig vor dem autonomen Menschen stehenden Retter degradieren. Die Ermahnungen und Drohungen Gottes sind trotzdem ernst zu nehmen, da die Heiligung das Mitwirken des Glaubenden einbezieht (Philipper 2,12–13). Für die Schar der nichtglaubenden Bekenner und der Mitläufer (vgl. Hebräer 6: »diejenigen« versus »euch, Geliebte«) haben alle mahnenden Stellen eine unsagbar wichtige Funktion: aufzurütteln, zu prüfen, ob man wirklich im Glauben steht (wie Paulus den Korinthern schreibt; 2. Korinther 13,5).

Fazit: Wer durch die Brille des Jettel-Jantzenschen Buches und damit durch die Brille der mennonitischen Sonderlehren auf die Lehre des Wortes Gottes über das Heil Gottes schaut, bekommt leider eine verzerrte und verfinsterte Sicht auf Gottes strahlende Größe und Herrlichkeit im Rettungswerk. Hier offenbart sich letztlich das Unheil schräger Theologie und „heiliger Lehrtraditionen”. Eine angemessene biblische Widerlegung der falschen und der lückenhaft einseitigen Aussagen der Autoren würde wieder ein Buch noch größeren Umfangs fordern. Dann lese man besser gleich ein gutes, biblisch richtiges Werk über die Heilslehre der Schrift und lasse die Sonne und das Licht der Wahrheit in die Seele und den Verstand leuchten. Denn diesseits der Ewigkeit sind wir alle noch Unvollkommene und Lernende und Erkennende. Das Sonnenlicht des Wortes der Wahrheit ist in diesem Wachstumsprozess hilfreicher als die Dunkelheit menschlicher Sonderlehren.

»Die Vorschriften des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz; das Gebot des HERRN ist lauter und erleuchtet die Augen.« (Psalm 19,9)

Dünnes Brett: Streitenberger gegen Strohmänner (Rezension)

Peter Streitenberger
Die fünf Punkte des Calvinismus aus biblischer Perspektive
VTR, 2012, Pb., 67 Seiten | ISBN: 978-3941750425

Der Herausgeber, der Nürnberger Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (VTR) veröffentlichte 2012 dieses 67-seitige Büchlein Streitenbergers in der Reihe „Zur Diskussion gestellt”. Beworben wird es hingegen nicht als Diskussionsbeitrag, sondern als Buch, das den Leser von der Bibel her überzeugen will: »Die vorliegende Abhandlung befasst sich mit dem unter Christen durchaus umstrittenen Thema der Erwählungslehre, insbesondere mit den so genannten fünf Punkten des Calvinismus und versucht, den interessierten Leser zu einer eigenen, von der Bibel her begründeten Überzeugung zu verhelfen.« (Buchrückseite).

Das Vorwort wurde von Franz Graf-Stuhlhofer, einem Historiker aus Wien, verfasst. Stuhlhofer studierte in Wien Geschichte und Naturwissenschaften und promovierte 1980 dort zum Dr. phil. mit einer Untersuchung zu Astronomie und Humanismus nach 1500. Er versucht in seinem über 6-seitigen Vorwort Gründe zu finden, warum Christen in manchen Fragen des Heils unterschiedliche Antworten vertreten. Überdies deutet er auch eigene Positionen an, die meist dem arminianischen Theologiesystem entsprechen (z. B. anonym-kollektive Erwählung) und daher gut zu der Position des Autors passen. Stuhlhofer karikiert abschließend in herabwürdigender Weise Gottes Heilswirken zusammenfassend so: »Alle jene Menschen, die sich von Gott ein JA abringen lassen, gehören zu diesem Überrest – damals wie heute.« (S. 11).

Der Autor, Peter Streitenberger (*1979), ist Diplom-Sozialpädagoge (FH). Er hat im Zweitstudium Germanistik und Philosophie studiert. Dieses kleine Buch gründet sich auf die Magisterarbeit des Verfassers, die 2010 von der Universität Eichstätt-Ingolstadt angenommen wurde. Er „recycelte” und verkürzte dabei eine längere Ausarbeitung, die schon etliche Jahre vorher in PDF-Form oder als E-Book im Internet herumgeisterte und 2007 im Christlichen Mediendienst Hünfeld (CMD) von Wilfried Plock unter dem Titel Die Fünf [sic!] Punkte des Calvinismus – Eine Antwort– 2007 herausgebracht wurde (159 Seiten, ISBN 978-3-939833-08-6; Rezension hier). Ein dort ca. 60-seitiger bibelorientierter Abschnitt zu „Umkämpfte Schriftstellen“ fehlt indessen in dem hier besprochenen, wesentlich kürzeren Werk; umso mehr befremdet der Titel dieser Magisterarbeit. Streitenberger ist auch wegen seiner anti-calvinistischen Beiträge (und deren Stil) auf der Webseite bibelkreis.ch bekannt geworden.

Zum Inhalt: Die Heilige Schrift stellt das Heilsangebot Gottes an uns Menschen in Jesus Christus überzeugend, klar und einladend vor. Streitenberger bezieht in dem Spannungsfeld zwischen der Souveränität Gottes und der Verantwortung des Menschen in der Frage der Heilsaneignung Stellung. Er geht dieser Frage indes nicht „evangelikal” nur aufgrund der Offenbarung Gottes –der Heiligen Schrift– nach (wie es der Titel vermuten lässt), sondern liefert seine persönliche Meinung, gezielt auf einen einige Jahrhunderte alten Lehrstreit zwischen sog. „Calvinisten” und „Arminianern”. Er nimmt dabei im Wesentlichen gegen die calvinistische (und hyper-calvinistische) Sicht Partei und greift „Die Fünf Punkte” eines größeren Kirchenkonzils gegen einige Protestler („Remonstranten”) in den Niederlanden an. Das ist an und für sich schon nicht sehr originell; viele haben dazu Lesbareres, Systematischeres, Biblischeres und Überzeugenderes geschrieben. Zudem besteht „der Calvinismus” nicht und bestand niemals aus nur und genau diesen fünf Punkten. Diesen historischen und dogmengeschichtlichen Irrtum sollten Vorwortschreiber und Herausgeber VTR eigentlich erkannt haben. Dem Versprechen im Titel „aus biblischer Perspektive” wird der Autor mangels sorgfältiger exegetischer Arbeit am Text der Heiligen Schrift leider nicht gerecht. Warum solches „Noch-einmal-bekannte-Argumente-aufzählen”, verkürzt entnommen aus schon längst Veröffentlichtem, die Anerkennung einer Magisterarbeit bekommen konnte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Zum Stil: Eine Magisterarbeit muss auch in einem (zugegeben) kontroversen Thema beide Seiten sachlich richtig zitieren und ausgewogen darstellen. Sie entspricht heute einer Master-Arbeit, soll also gehobenen Ansprüchen an Form und Inhalt genügen. Wissenschaftliche Sachlichkeit und Korrektheit ist akademisches Muss. Wohltuend ist, dass Streitenberger seine öffentlichen Formulierungen, wie »das calvinistische Übergehungs- und Vergewaltigungsevangelium«, »die Sekte der Calvinisten« u. ä., in diesem Büchlein nicht wiederholt. Einige Rezensenten haben öffentlich kritisch angemerkt, dass Streitenberger unversöhnlich, reißerisch und unsachlich gegen Calvin und die reformatorische Heilslehre schreibt. Der Stil der Jesuiten der Gegenreformation findet heute wieder ein Echo in den Romanisierungsbestrebungen innerhalb des (ehemaligen ) Protestantismus. Das Werk des Autors Streitenberger hätte mit Wahl eines sachlicheren Stils und gründlicherer Erarbeitung sicher leicht Respekt gewinnen können.

Calvinismus”: Damit wird dehnbar alles das bezeichnet, was nicht in das Theologiesystem des „Arminianismus” passt und/oder in dieser Theologie verachtet wird. Leider liefert die Lektüre des Büchleins von Streitenberger keine Klärungen, die für die Diskussion fruchtbar oder für die Interessierten und die Gemeinde Gottes sachlich oder geistlich hilfreich wären. Die Bibel hat offenbar für uns auch einige unbequeme Aussagen, „links” wie „rechts”. Sie klärt auch nicht alle Spannungen, die sich dem menschlichen Intellekt und der menschlichen Erwartungshaltung angesichts des göttlichen Wesens, Entscheidens und Handelns stellen. Erschreckend ist der Mangel, Gott Gott sein zu lassen, IHN anstelle dessen lieber in die Schublade (Super-) Mensch eigener Vorstellungen zu pressen: „er” muss so klein sein, dass er in unsere Vorstellungen vom lieben Gott passt und so uns gefällt. Psalm 135,6 sagt: »Alles, was dem HERRN gefällt, tut er in den Himmeln und auf der Erde…« (ELBCSV). Ergo: Sein Wille und Sein Wohlgefallen (inkl. Vorsehung) sind der Urgrund alles Seienden und Geschehenden.

FAZIT: Ein Sozialpädagoge wünscht sich vielleicht lieber einen „menschlicheren” Gott, einen Partner auf Augenhöhe, oder –wie Stuhlhofer– einen Sanitäter, der fast verzweifelt um die Aufmerksamkeit und das zustimmende Kopfnicken des Sünders ringt, weil Ihm sonst etwas fehle. Aber Gott ist schon so, wie ER ist, absolut perfekt. Schon immer. Auch für Sein im Wort und in Christus geoffenbartes Heilshandeln gilt unumschränkt: »Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.« (Römer 11,36 ELBCSV). Wer das verstanden hat, hat angefangen zu verstehen, was es bedeutet, „durch die Gnade”, also als reine Gottesgabe, errettet zu sein (vgl. Epheser 2,8–9). Gott ist –nach der Heiligen Schrift– dann Gott und nicht Ab-Gott, wenn gilt: Soli Deo Gloria.

Es gibt schon lange viel Besseres, und –leider– auch noch viel Schlechteres, als diese Magisterarbeit von Streitenberger. Das Büchlein ist die Mühe des Lesens nicht wert.

Was für eine Theologie ist denn das? – Dave Hunts Falschdarstellung von Gott und Calvinismus

Diese Rezension des links abgebildeten Buches von Dave Hunt (1926–2013) stammt von Steven J. Cole. Einige biographische Daten und der Quellverweis sind am Ende des Artikels aufgeführt. Eine adaptierte Übertragung dieser Rezension ins Deutsche ist in Vorbereitung.
Das Buch von Hunt wurde 2011 ins Deutsche übersetzt herausgegeben unter dem Titel: »Eine Frage der Liebe: Wird Gott im Calvinismus falsch dargestellt?« [Die Frage des Titels ist keine Frage, sondern Hauptthese des Buchs.]

»As I read Dave Hunt’s latest book, What Love is This? subtitled, “Calvinism’s Misrepresentation of God,” I felt both profound sadness and righteous anger. I was sad because many unsuspecting and uneducated Christians will believe that Hunt is accurate and thereby miss out on one of the richest spiritual gold mines available, namely, the life and writings of John Calvin and his heirs in the faith. I was angry because Hunt deliberately misrepresents and slanders both Calvin and Calvinism, and in the process grossly misrepresents God Himself. I know that his misrepresentation is deliberate because many Calvinists, including myself, wrote repeatedly to Hunt as the book was being written, pointing out his errors and asking him to stop misrepresenting what we believe. But sadly, he stubbornly ignored our corrections and went full steam ahead.

The resulting book is a first magnitude theological and spiritual disaster. If you rely on the supermarket tabloids as your reliable source of news, you’ll probably find Hunt satisfying for your theology. It will give you the same sort of sensational slander as the tabloids, only it is presented as if it were biblically and historically based. But if you want to grow in your knowledge of the living God, I advise you to leave this tabloid theology on the shelf.

I have had to deal with the book because a former elder is giving it to some of my elders and others, telling them that it is a balanced critique of Reformed theology. On the back cover of the book are glowing endorsements from Chuck Smith, Elmer Towns, Tim LaHaye, and others. LaHaye even states, “Calvinism … comes perilously close to blasphemy” (ellipsis in the quote). Several families have left my church over this issue, because I teach what Scripture plainly affirms, that God sovereignly chooses to save some, but not all. Our salvation rests on the foundation of God’s sovereign choice of us. His choice of us is the causative reason that we choose to believe. Thus no one can boast in his salvation, but only in the Lord (1 Cor. 1:26-31; Gal. 1:15; Eph. 1:3-12).

Hunt’s main gripe with Calvinism is its view that God is not totally loving toward every person. He argues that if God could save everyone, but chose only to save some, He is immoral and unjust, just as someone who could save a drowning man, but chose not to, would be immoral (pp. 111-112, 114-115). Hunt’s view is that God wishes for everyone to be saved and He has made salvation available to all. Now it’s up to the individual to respond and every person is capable, in and of himself, to respond. If people are not able to respond to the gospel by their own free will, then God’s offer of salvation would not be genuine, but a mockery. It would be as if God were dangling a rope above the grasp of a man trapped in a deep well, saying, “Grab the rope.” These are Hunt’s arguments.

These arguments are quite in line with human logic, but the crucial question is, are they in line with biblical revelation? Hunt wrongly assumes that the free offer of the gospel to all requires that those to whom it is offered are able to respond. But there are many Scriptures that directly state the inability of the sinner to respond to spiritual truth (John 6:44, 65; 8:43; Rom. 3:10-18; 8:6-8; 1 Cor. 2:14; 2 Cor. 4:4; Eph. 2:1-3; etc.). Hunt dismisses or waters down all of these texts, saying that they could not mean what Calvinists say they mean, because if they did mean that, sinners could not respond to the gospel and thus the offer of the gospel would not be valid. In other words, he reasons in a circle, assuming what he later “proves.” But he does not accept the plain teaching of God’s Word on the human inability to seek after God due to the fall. In so doing, Hunt pulls God in His absolute holiness down, making Him accessible to fallen man. And he lifts up sinful, proud man by telling him that he is able to choose God at any time he pleases.

Rejecting depravity (inability), he proceeds to reject all five so-called points of Calvinism. Hunt asserts that God could not possibly have sovereignly elected some to salvation, because then He would be unloving and unjust. Never mind that in one of God’s earliest revelations of Himself, He plainly states, “I will be gracious to whom I will be gracious, and will show compassion on whom I will show compassion” (Exod. 33:19). That statement loses all meaning if God is gracious and compassionate to every single person equally. From the outset, God establishes His right as the holy God to choose some and reject others, not based on human merit (there is none), but based on His sovereign will. But Hunt denies God this prerogative, in spite of abundant scriptural revelation.

In the process of setting forth and defending his humanistic (and unbiblical) view of God, Hunt rips Calvin and Calvinism, or at least he thinks that’s what he’s doing. Actually, Hunt does not understand even some of the basic teachings of Calvinism, although he thinks he does. Thus from the very start, and on virtually every page, Hunt misrepresents what Calvinists believe. Even though he does not agree with what they truly believe, for the most part he is setting up and attacking a caricature that at times has some resemblance to the real thing, but more often is so far removed that biblically informed Calvinists would attack it too. They just would not label it as Calvinism, as Hunt erroneously does. Here are a few (of many) examples:

  • Hunt says that Calvinism limits God’s saving grace to a select few, leaving the majority of mankind without hope or possibility of salvation (p. 78). The offer of salvation is extended only to the elect (p. 103). The truth is, Calvinists believe that God’s saving grace is freely offered to the whole world, and that there will be an innumerable company in heaven from every tribe on earth, purchased by Jesus’ blood (Rev. 5:9-12).
  • Hunt says that Calvinism puts the blame for sin and the damnation of sinners totally upon God who predestined everything to turn out that way (p. 84). God causes all men to sin (p. 42). The truth is, Calvinists believe that while all things are under God’s sovereign decree (Eph. 1:11), He is not the author of sin. Sinners are responsible for their own damnation, and none can blame God for being in hell. I personally referred Hunt to the Westminster Confession of Faith, chapter 3, paragraph 1, for the Reformed statement of how God is sovereign over all and yet not responsible for sin. But Hunt chose to ignore this and persist in his slanderous charge.
  • Hunt says that Calvinism denies any genuine choice for mankind (p. 89). Coupled with this, Calvinists deny that men have a will (p. 94). “According to Calvin, salvation had nothing to do with whether or not a person believed the gospel” (p. 42). The truth is, Calvin and Calvinists believe in human choice and will. They assert, however, that fallen men are, as the Arminian Wesley even put it, “fast bound in sin and nature’s night,” unable to choose salvation apart from God’s sovereign working in their hearts. I’m not sure where Hunt dug up the ludicrous charge that Calvin separated salvation from faith. A simple reading of his chapters on faith and repentance in The Institutes (Book 3, chapters 2 & 3) will show that Hunt either has not read Calvin or he is deliberately misrepresenting him.
  • Hunt says, “Calvinism presents a God who fills hell with those whom He could save but instead damns because He doesn’t love them” (p. 116). Hunt brazenly states that if God did not show mercy to all when all were equally guilty, then He perverts justice (p. 115)! The truth is, Calvinists affirm that God is mighty to save all whom He chooses to save (e.g., the apostle Paul). But He owes salvation to none. For reasons known only in the secret counsel of His will, God chose to be glorified both in the salvation of His elect, and in the just damnation of those who have rebelled against Him. Paul’s entire argument in Romans 9 is that as the divine potter, God has the prerogative to make some vessels for mercy and some for wrath, and that we have no basis to question what He does. The Bible is also clear that God’s love is not uniformly revealed to all. He loved Israel, but He did not choose to love the surrounding nations to the same degree (Deut. 7:6-8). In His inscrutable will, He permitted the nations for many centuries to go their own way in spiritual darkness. He gave them the witness of His goodness through creation and common grace, which is enough to condemn them, but not sufficient to save them (Acts 14:16-17; Rom. 1:18-32). Oddly, though, against both Scripture and history, Hunt argues that God loves all the heathen exactly the same as He loves His elect bride, the church. I would like him to answer how God loved the American Indians who lived here 3,000 years ago to the same degree that He loved King David and revealed Himself to him? A quick glance at the world today shows that not all have an equal chance of hearing and responding to the gospel.

In order to discredit Calvinism, Hunt has to discredit Calvin and his famous Institutes. Incredibly, Hunt dismisses the Institutes in one sweeping judgment by pronouncing that they came from the two primary sources of Augustine and the Latin Vulgate Bible (p. 38)! Since Calvin was a new convert when he wrote the first edition of the Institutes, they “could not possibly have come from a deep and fully developed evangelical understanding of Scripture.” But Hunt does not mention whether or not they actually do reflect such an understanding! If they were as shallow as Hunt alleges, why did they have such profound impact, not only on his generation, but also on godly Christian scholars through the centuries, up to the present day? I can testify personally, that of the hundreds of human books I have ever read, none rival The Institutes for their profound spiritual insight. Calvin uses Scripture to exalt God and humble me as a sinner as few writers can do.

As for the man Calvin, Hunt asserts that he was so heavily influenced by Augustine that he never really broke free from his Roman Catholic roots. He totally rejects Augustine’s writings by asserting, “Calvin drew from a badly polluted stream when he embraced the teachings of Augustine! How could one dip into such contaminating heresy without becoming confused and infected?” (p. 51). I must wonder, has Hunt even read Augustine? I have read substantial portions of Augustine’s works, and while he obviously was tainted in a bad way at points by the Catholic Church, he also had a solidly biblical grasp of much essential Christian doctrine. To dismiss the man as “a badly polluted stream” and as promoting “contaminating heresy” shows Hunt’s, not Augustine’s, ignorance and error.

Also, while Calvin often quotes Augustine favorably (because there is much favorable to quote, and because Calvin did not have nearly the theological resources to draw on that we possess), he often disputes with Augustine when he thinks that he failed to interpret Scripture rightly. Calvin’s sole source of truth was the Bible, as T. H. L. Parker’s excellent book, Calvin’s Preaching [Westminster/John Know Press] so capably demonstrates. Again, if Hunt had carefully read either Augustine or Calvin, he would have seen that these men sought to base their teachings on the Bible alone. Of course both men made errors. Who doesn’t? But read these men and you will sense, “They knew God in a way that I do not know God!”

Hunt portrays Calvin as the evil tyrant of Geneva who sought to force Irresistible Grace on the people, in line with his view of denying all power of choice to man (pp. 62-63). “Calvin exerted authority much like the papacy which he now despised” (p. 63) Hunt accuses Calvin of exercising “dictatorial control over the populace” (p. 64). He approved the used of torture for extracting confessions, including the cruel 30-day torture of a victim who was then tied to a stake, his feet nailed to it, and his head was cut off (p. 65). And, of course, Hunt blames Calvin for the burning of Servetus without giving any of the historical context for his readers (pp. 68-70). Hunt concludes, “Calvin’s conduct day after day and year after year was the very antithesis of what it would have been had he truly been led of the Spirit of God” (p. 72). In all of these accusations, Hunt is echoing militantly anti-Christian critics, such as Voltaire, Will Durant, Erich Fromm, and others (see Christian History [Vol. V, No. 4], p. 3).

Of course, Calvin had enemies, even in his own day, who picked up on his weaknesses and exaggerated them in an attempt to smear him, because they did not like his teaching. Every godly man can expect such treatment, to one degree or another (Matt. 5:11-12; Luke 6:26; 2 Tim. 3:12). But anyone who has read T. H. L. Parker’s life of Calvin, his Calvin’s Preaching, or Beza’s life of Calvin (Beza was Calvin’s understudy and successor in Geneva), will be horrified at how a professing Christian can attack a great man of God like Calvin as ruthlessly as Hunt does. Of Calvin, Beza said, “I have been a witness of him for sixteen years and I think that I am fully entitled to say that in this man there was exhibited to all an example of the life and death of the Christian, such as it will not be easy to depreciate, and it will be difficult to imitate” (Christian History, ibid., p. 2).

The plain fact of history is that the godly Puritans, including John Bunyan and John Owen, plus the spiritual giants Jonathan Edwards, George Whitefield, Charles Simeon, Charles Spurgeon, the Princeton theologians, Martyn Lloyd-Jones, Francis Schaeffer, and a host of others have all looked to Calvin not only as an astute theologian, but also as a great model of godliness. I have read the Institutes, about a half dozen biographies of Calvin, thousands of pages of his commentaries, numerous books about Calvin and his theology, and several books of his sermons. I have never picked up anything even close to resembling Hunt’s caricature of the man. I agree with the learned Scottish theologian, William Cunningham, who said, “Calvin is the man who, next to St. Paul, has done most good to mankind” (Christian History, ibid.). Hunt’s attack is simply impossible. An evil, cruel tyrant could not have written such exalted views of God and such deep insights into God’s Word as you find in Calvin’s writings. When so many great men of God pay tribute to Calvin, shouldn’t Hunt at least have stopped to consider that he might be missing something?

Another major problem with Hunt’s work is his unscholarly manipulation of source material to suit his purposes. For his attacks on Calvin, he often quotes the militant anti-Christian, Will Durant, without ever acknowledging that he is quoting an enemy of the faith. He often quotes the liberal, Frederic Farrar without acknowledging his theological bias. Even though Hunt in his other writings is militantly anti-Catholic, he uses the pro-Catholic leader of the Oxford Movement, Pusey, when he sides with Hunt against Calvinism. But there is no mention from Hunt, even in a footnote, of the theological bias of his sources. Ignorant readers would think that he is quoting great men of the faith.

But far worse is the way that he uses sources to “prove” blatant historical errors! He cites a source (p. 19) that claims that, among others, Richard Baxter, John Newton, and John Bunyan opposed Calvinism! Anyone who has read those men knows that they all were strong proponents of God’s sovereign election. (Baxter held to a universal atonement, but he also strongly held to human depravity and God’s sovereign election.) On the same page, he pulls a quote from Spurgeon’s Autobiography to prove that Spurgeon was against limited atonement. But in the original context, Spurgeon was arguing in favor of limited atonement (Autobiography of C. H. Spurgeon [Banner of Truth], 1:171-172)! In fact, Spurgeon states (1:172) that the teaching that Christ died for everyone is “a thousand times more repulsive than any of those consequences which are said to be associated with the Calvinistic and Christian doctrine of special and particular redemption.” Later (p. 122), Hunt cites “a British scholar who thoroughly knew Spurgeon’s writings and sermons” again to the effect that Spurgeon definitely rejected limited atonement and that he ascribed freedom of will to men. Yet in his bibliography (p. 428), Hunt lists Spurgeon’s sermon, “Free Will a Slave,” where Spurgeon refutes free will. Iain Murray (The Forgotten Spurgeon [Banner of Truth], pp. 81 ff.) cites numerous references to show that Spurgeon not only affirmed “limited atonement”; he also argued that those who deny it weaken and undermine the entire doctrine of the substitutionary atonement. In his autobiography (1:168), Spurgeon called Arminianism (which is Dave Hunt’s view, even though Hunt denies it, since he holds to eternal security) heresy and states plainly, “Calvinism is the gospel, and nothing else.” Either Hunt is a very sloppy scholar, or he is deliberately trying to deceive his readers into thinking that Spurgeon is on his side when he very well knows that he is not.

On page 102, Hunt quotes Spurgeon again and claims that he “could not accept the teaching that regeneration came before faith in Christ through the gospel.” Obviously, he is quoting Spurgeon out of context for his own ends (as he frequently does), without any understanding of Spurgeon’s theology. Murray (ibid., pp. 90 ff.), thoroughly documents how Spurgeon believed that faith and repentance are impossible before God regenerates the sinner. For example, Murray (p. 94) cites Spurgeon as saying that repentance and faith are “the first apparent result of regeneration.” And, “Evangelical repentance never can exist in an unrenewed soul.” Murray cites many more examples. Spurgeon believed “that the work of regeneration, conversion, sanctification and faith, is not an act of man’s free will and power, but of the mighty, efficacious and irresistible grace of God” (p. 104).

On page 100 is another example of how Hunt uses quotations out of context to make his opponent look bad and himself look good. He quotes R. C. Sproul to sound as if Sproul is fully endorsing the view “that God is not all that loving toward” sinners. But in the preceding and following context of Sproul’s book, Sproul is raising an objection that a critic might ask, conceding the critic’s objection as true for the sake of argument, and then raising a further question to show that the critic’s question is misguided. Hunt omits the context and thus makes Sproul appear to be saying something he isn’t stating at all! This is incredibly bad scholarship and argumentation on Hunt’s part.

On page 99, Hunt reveals his ignorance of theology when he says that J. I. Packer contradicts his fellow Calvinists and even himself in declaring that regeneration follows faith and justification. Hunt then quotes a sentence from Packer that speaks of justification by faith, not regeneration! Those are distinct theological terms with distinct meanings, as anyone with even a rudimentary understanding of theology would know! But never mind, Hunt discredits Packer to the unsuspecting reader, which is all that matters to Hunt.

It would be easy to expand this review to book length, since the errors, faulty logic, and gross misrepresentation of Calvinism and the God of the Bible just keep on coming. My quandary both in personal correspondence with Hunt prior to the publication of the book and in reading the book itself has to do with Hunt’s personal integrity. If he is honestly ignorant about what Calvinists believe, he should not have written the book until he gained a fair understanding of their views. It’s not that Hunt was not confronted with this beforehand. A number of Reformed men besides me warned him that he was misrepresenting the Reformed faith. But he ignored these warnings and persisted in blasting away. He acknowledges as much in chapter 2, claiming that Calvinists are elitists and that if Calvinism is so difficult to understand that Hunt can’t understand it, it must not be biblical. However, I know many who are young in their faith who understand these doctrines quite well. Hunt should have stopped long enough to understand the opposing view so as not to misrepresent it. His attacks on his straw man simply discredit him as a reputable critic.

Although Hunt would vigorously disagree, I believe that at the root of his slanderous attack on Calvin and Calvinists, and his blasphemous charges against the God of the Bible, is his refusal to submit to clear biblical revelation that does not fit human logic. After stating that God has mercy on whom He desires and He hardens whom He desires, Paul raises the objection, “You will say to me then, ‘Why does He still find fault? For who resists His will?’” (Rom. 9:19). Dave Hunt’s logical answer is, “The reason that God rightly can find fault is that He has given free will and the opportunity for salvation to every man.” It makes perfect logical sense. But the problem is, that is not the biblical answer! The biblical answer is, “On the contrary, who are you, O man, who answers back to God? The thing molded will not say to the molder, ‘Why did you make me like this,’ will it?” In other words, God’s answer is, “You don’t have a right to ask the question!”

I admit, that answer is not logically satisfying! Years ago, as a college student, I used to fight with Paul over it, accusing him of copping out right where I needed my question answered. Then one day as I was contending with Paul, the Lord opened my eyes to see. He was saying, “I did answer the question, you know! You just happen not to like the answer!” I realized then that I had to submit to what God had written through Paul. On that day, I became a “Calvinist,” although I had not yet read a single page of Calvin. If Dave Hunt would submit his logic to God’s revelation in Scripture, he would also become what he now hates and so grossly misrepresents—a Calvinist! Don’t waste your time reading Dave Hunt. Pick up a copy of Calvin’s Institutes and begin to feast on the majesty of God!«

Fazit

Dieses Buch von Dave Hunt hat aufgrund der zahlreichen Strohmann-Attacken, des Beharrens von Hunt, nachgewiesene Fehler nicht einzugestehen und zu beseitigen sowie wegen seines verleumderischen Charakters einen Platz in der „Hall of Shame“ wohl verdient.

Über den Autor der Rezension

Steven J. Cole diente seit Mai 1992 der christlichen Gemeinde Flagstaff Christian Fellowship als Pastor bis zum Eintritt in den Ruhestand im Dezember 2018. Von 1977 bis 1992 war er Pastor der Lake Gregory Community Church in Crestline, Kalifornien. Er ist Absolvent des Dallas Theological Seminary (Th. M., 1976 in Bible Exposition) und der California State University in Long Beach (B. A., philosophy, 1968). Er hat Freude am Schreiben; seine Beiträge wurden in vielen unterschiedlichen Publikationen veröffentlicht. .

Textquelle

https://bible.org/article/what-theology-dave-hunt-s-misrepresentation-god-and-calvinism [03.JUN.2020]

Die Liebe Gottes – Ein einfaches Thema?

D.A. Carson hielt 1998 vor Bibelstudenten vier Vorträge über The Difficult Doctrine of the Love of God (Die schwierige Lehre von der Liebe Gottes). Die Vorträge wurden als so wertvoll erachtet, dass Carson sie mit geringer Überarbeitung auch in schriftlicher Form herausgab. Der Vortragsstil ist jedoch immer noch zu spüren und erlaubt trotz der tiefen Gedanken über dieses anspruchsvolle Thema ein flüssiges Lesen.

Warum soll die „einfachste Sache der Bibel über Gott“ nun plötzlich eine „schwierige Lehre“ sein? Wir würden erwarten, dass man die Trinitätslehre, die Lehre der Schrift über das Wesen Jesu als wahrer Gott und wahrer Mensch oder die Inspirationslehre als „schwierig“ bezeichnet – aber die Lehre von der Liebe Gottes?

Carson nennt fünf Gründe, warum diese Lehre „schwierig“ ist:

  • Die meisten Leute glauben „irgendwie“, dass Gott ein liebendes Wesen sei, aber dieser Glaube ist oft in anderen Annahmen und Quellen gegründet, als alleine in Gottes Wort. Wenn die gesamte Welt sich eines Tages unter einem Götzen einen wird, dann könnte dieser gut „Liebe“ heißen.
  • Viele Begleitwahrheiten über Gott werden von vielen in unserem Kulturkreis (und oft auch in kirchlichen Kreisen) nicht (mehr) geglaubt.
  • Der Postmodernismus fördert eine sentimentale, synkretistische und pluralistische Sicht auf Gott.
  • Die Kirche hat immer mehr eine sentimentale Auffassung über die Liebe Gottes übernommen, die nicht mit dem Gott, der sich in der Bibel offenbart, übereinstimmt.
  • Die Kirche stellt die Lehre von der Liebe Gottes oft als „einfache“ Wahrheit vor und übergeht (manchmal nichtsahnend) gewisse bedeutsame Wahrheiten über Gottes Wesen und Seine Liebe, die diese Lehre als „schwierig“ erweisen.

Von dieser Analyse ausgehend baut Carson seine Lektionen (Kapitel) auf:

  • Die Verzerrung der Liebe Gottes,
  • die Tatsache, dass Gott Liebe ist,
  • der Zusammenhang von Gottes Liebe und Gottes Souveränität, sowie
  • Gottes Liebe und Gottes Zorn.

Wie bei Carson gewohnt, geht er direkt zur Bibel und damit zur schriftlichen Selbst-Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift, um an ihr falsche Annahmen zu korrigieren und um eine mehr und tiefer in der Schrift gegründete Diskussion darüber zu führen, was die Liebe Gottes tatsächlich ist und mit sich bringt. Er verteidigt dabei auch die Verträglichkeit (eigentlich: Harmonie, Vortrefflichkeit oder Vollkommenheit) von angeblich widersprüchlichen Eigenschaften Gottes, wie z. B., dass Gott in Seinem Zorn gleichzeitig absolut gerecht und vollkommen liebend ist. Er untersucht auch das „Spannungsfeld“ des Verstehens, wie Gottes Liebe mit Seiner Souveränität betreffs der menschlichen Angelegenheiten zusammenhängt und verträglich ist.

Jeder Bibelleser sollte Carson folgen können, wenn er darauf aufmerksam macht, dass die Heilige Schrift die Liebe Gottes recht differenziert darstellt (auch da, wo sie nicht das Wort „Liebe“ gebraucht), z. B.:

  • Die besondere Liebe, die der Vater gegenüber dem Sohn und der Sohn gegenüber dem Vater hat.
  • Gottes fürsorgende und erhaltende Liebe gegenüber seiner gesamten Schöpfung.
  • Gottes besorgt-liebende Einstellung als Rettergott gegenüber einer gefallenen Welt.
  • Gottes besondere, wirksame und erwählende Liebe gegenüber Seinen Erwählten, seien es Einzelpersonen oder Personengruppen (wie das Volk Israel oder die Gemeinde Jesu).
  • Gottes an Bedingungen (meist: des Gehorsams) geknüpfte Liebe.

Carson tritt aber sofort drei Missverständnissen entgegen, wie man mit dieser Vielfalt oder Differenziertheit der Liebe Gottes umgehen könnte. Alle diese Auffassungen sind Verirrungen in Sackgassen des Irrtums:

  • Man erklärt einen der Aspekte (o. eine Art) der Liebe Gottes als absolut. Alles andere sei unwichtig oder relativ oder würde durch das Herausgenommene dominant regiert.
  • Man versteht die unterschiedlichen Aspekte oder Arten der Liebe Gottes so, als seien dies voneinander unabhängige, abgetrennte Lieben (Plural!) Gottes. Weil Gott Einer ist, ist auch sein Wesen eins. Dies gilt auch für sein Sein als Liebe, das Er ewig in Perfektion ist.
  • Man verkündet Aussagen über Gottes Liebe in klischeehafter Weise, wie z. B.: „Gottes Liebe setzt keine Bedingungen.“, „Liebe ist frei“, „Liebe fordert nie, sie gibt nur.“, „Gott liebt alle Menschen gleich.“ (»God loves everyone exactly the same way.«) usw.

Fazit. Carsons verschriftete Vorlesungen über die Liebe Gottes sind keine „lockere Lektüre“, sondern tiefe Gedanken, die Lernbereitschaft, Konzentration und eine aufgeschlagene Bibel erfordern. Der Vortragsstil erleichtert das gedankliche Mitgehen. Carson fordert den Bibelstudenten heraus, in klassisch-vorbildlicher „Beröer-Einstellung“ unter Gebet „täglich die Schriften [zu] untersuch[t]en, ob dies sich so verhielte.“ (Apostelgeschichte 17,11 ELBCSV). Das Ergebnis muss die alleinige Verherrlichung Gottes sein. Soli Deo Gloria.

Quellenverweise

D.A. Carson, The Difficult Doctrine of the Love of God (Crossway, 2000). Als PDF: https://s3.amazonaws.com/tgc-documents/carson/2000_difficult_doctrine_of_the_love_of_God.pdf

Siehe auch seine Vorträge über die Nächstenliebe: D.A. Carson, Love in Hard Places (Crossway, 2002). Als PDF: https://s3.amazonaws.com/tgc-documents/carson/2002_love_in_hard_places.pdf

FIAT LUX – Erhellung oder Verdunklung?

James G. McCarthy
Fiat Lux
Kann eine Handvoll Studenten ein Rätsel lösen, das Theologen seit Jahrhunderten beschäftigt? – Lehr-Roman
CMD, Pb., 334 Seiten | ISBN: 9783981017380
(seit 28.11.2016 als epub eBook, EAN 9783939833765) 

Der Herausgeber, Wilfried (Karl) Plock, Vorsitzender der „Konferenz für Gemeindegründung e. V. (KfG)”, bewirbt dieses Buch mit folgenden Worten: »Das Buch von Jim McCarthy behandelt das Spannungsverhältnis von Erwählung und Vorherbestimmung einerseits und der Verantwortung des Menschen auf der anderen Seite. … McCarthys Werk gehört – ohne Übertreibung – zu den besten Büchern, die ich je in meinem Leben gelesen habe.« – Damit sagt er subjektiv einiges über sich selbst, sein Leben und seine Lektüre aus. Der Autor McCarthy schrieb das Buch unter dem Titel „John Calvin Goes to Berkeley” (heute: City Christian Press, 2009). Er konnte bereits 2005 auf Einladung von Fred Colvin et alii im Salzburger Land im Rahmen einer sog. Glaubenskonferenz (s. u.) die Thesen seines Buches verbreiten. Wir fragen uns hier, was objektiv von diesem Buch zu halten ist. Eine Reihe von Aspekten soll uns bei diesem Fragen leiten.

POSITIV ist, dass der Autor die geistige und geistliche Situation an einer der bekanntesten Universitäten der (ehemals) christlichen USA darstellt und dabei aufzeigt, welchen Problemen und Widerständen evangelisierende Christen sich an so einer „aufgeklärten” Uni gegenübergestellt sehen. Die Intoleranz der Toleranten wird deutlich, wenn es um Jesus Christus geht. Weiterhin sehr positiv ist: Der Autor hat ein Herz für die Evangelisation dieser jungen Intellektuellen. Und so nimmt er den Missionsauftrag Jesu als Hintergrund, um die Tragik davon aufzuzeigen, dass sich die, die miteinander das Evangelium zeugnishaft leben und einmütig predigen sollten, über die Botschaft selbst und die „Methode” der Evangelisation zerstreiten. Man kann davon ausgehen, dass der Autor hier einschlägige eigene Erfahrungen und Kenntnisse einbringt, wenngleich die Personen und Handlungen fiktiv sind.

HINTERGRUND DES AUTORS. Bei öffentlichen Vorträgen in Österreich („Glaubenskonferenz” St. Johann 2005 – Das Evangelium verstehen und weitergeben) gab der Autor viele explizite Hinweise über seine persönlichen Bezüge zu den Handlungen und Personen des Romans und kündigte die Veröffentlichung des Werkes an. McCarthy hatte bei sich zuhause einen Bibelhauskreis mit ca. 50 Studenten der nahe gelegenen Universität UC Berkeley. Beim gemeinsamen Studium des Johannes-Evangeliums kam es zu intensiven Diskussionen über verschiedene Verse, insbesondere aus Kapiteln 6 und 10, in denen Gottes souveränes Handeln deutlich bezeugt wird. McCarthy neigte schon vorher zur Betonung des „freien Willens” des Menschen und hatte sich für alle dieser Annahme (scheinbar) widersprechenden Bibelstellen einige den „freien Willen” bestätigende Bibelstellen zurechtgelegt, um „die Waage der Bibelstellen” immer zu seinen Gunsten neigen zu können. Nach den etwas heftigeren Denkanstößen im Studentenkreis hatte sich McCarthy dann – wie die Studierenden im Roman – intensiv mit theologischen Werken zur Heilslehre beschäftigt, was ihn aber letztlich mehr verwirrte, als half. Dann versuchte er, eine eigene Theorie „nur auf Grundlage der Heiligen Schrift” zu entwickeln und dabei seine Methodik vom deduktiven zum induktiven Ansatz umzustellen (vgl. den Rat des Weisen im Buch!). Er landete auf diesem Weg nach eigenen Worten schließlich nicht bei den Antworten der Reformatoren, weil er seine Fragen auch nicht im Bezugsrahmen der Reformatoren beantwortete (so z. B. der „Einengung der Calvinisten auf die Souveränität Gottes”), sondern im Bezugsrahmen der ganzen Heiligen Schrift. Wie im Buch wird auch beim gegebenen biographischen Hintergrund deutlich, dass kein Mensch „ohne Vorurteile und ohne vorgefasste Meinung” an den Bibeltext herangeht. McCarthy verkündet als ersten Auslegungsgrundsatz, dass man eine Stelle immer im Licht des „allgemeinen Bildes und Tenors” der Heiligen Schrift interpretieren muss. Da dieses „Bild” und dieser „Tenor” bei McCarthy zugegebener Weise eine Priorität für den „freien Willen des Menschen” reserviert und er so einige Anleihen bei der arminianischen Theologie übernimmt, interpretiert er dann auch in seinem angeblich „induktiven Ansatz” alle Stellen so, dass sie möglichst gut seiner Grundannahme entsprechen und diese damit scheinbar stützen und bestätigen (das allerdings ist deduktiv!). Diesem exegetischen Zirkelschluss (die Exegese wird eingeengt auf die Vorannahmen, soll dann aber ihrerseits als Beweis der Vorannahmen herhalten) unterliegen auch seine Helden im Roman, explizit die weibliche Figur Angela, die die männliche Hauptfigur des Romans, Alex, entsprechend beeinflusst, s. u. Daraus könnte man schließen, dass der Autor die Gefahr der theologisch vorgefärbten Exegesebrille gar nicht realisiert hat – oder sie nur bei „den anderen” wahrnimmt.

THEOLOGISCH. Der Roman ist kein neuer Beitrag der in den Colvin-Gemeinden im „Salzburger Land” exzessiv gepflegten Kategorie „Die neueste Evangelisationsmethode”, sondern widmet sich ausdrücklich einem theologischen Thema, einem zutiefst schwierigen Thema zudem: Es geht im Kern um die Heilslehre (Soteriologie) und dort um das Jahrhunderte alte „Problem” der angeblichen Spannung zwischen Auserwählung, Berufung, Buße, Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen usw. Der Buchuntertitel ließ trotz Fragezeichen darauf hoffen, dass »eine Handvoll Studenten ein Rätsel lösen kann, das Theologen seit Jahrhunderten beschäftigt hat«. Dieser Untertitel hätte den informierten Kaufinteressenten warnen sollen. Erstens sind die jungen Leute im Roman nun nicht wirklich mit den Christen, Denkern und Theologen zu vergleichen, über deren Werke sie später brüten (und sie nicht wirklich verstehen) werden. Daher kommt auch nichts Neues, geschweige denn Besseres, dabei heraus. Zweitens gibt es diese jungen Erwachsenen ja gar nicht, sondern sie sind fiktive, konstruierte Gestalten, deren sich der Autor bedient, um seine persönliche Meinung in dieser spannenden Frage darzustellen und zu verteidigen. Es ist interessant zu beobachten und zu analysieren, wie der Romanautor dies anstellt.

Wer über das Heilshandeln Gottes schreibt, der schreibt über jenes Handeln Gottes, in dem Er sich wie nirgends sonst selbst-geoffenbart hat. Er schreibt mithin nicht „nur” über das Handeln Gottes, sondern zugleich über das Wesen Gottes. Da sollte man annehmen, dass der Mensch seine Schritte vorsichtig setzt und nicht in übermütiger Torheit oder Ahnungslosigkeit mitten in die Hybris eines intellektuellen oder emotionalen Definitionsversuches Gottes hineinspringt. Es gibt wirklich Erdenwürmer, die sich zumuten, Gott und Sein Handeln mit Intellekt und Logik umfassend erklären zu können. Wer sich aber einmal anhand der Heiligen Schrift mit dem Wesen der Heiligen Schrift, dem Wesen des Gottes und Menschen Jesus Christus oder der Ewigkeit Gottes (usw.) beschäftigt hat, muss demütig eingestehen, dass unser menschlicher Verstand nicht alle Rätsel, Geheimnisse und Spannungen auflösen kann. Schon die All-Eigenschaften Gottes und deren vollkommene Gesamtheit im Wesen Gottes stellt den Menschen als raum- und zeitgebundenes, irdisches Geschöpf vor prinzipielle Erkenntnisschwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten beobachtet man dann auch im Roman durchweg in den Gesprächen der Studierenden. Sie hätten sich viel öfter anstelle der Frage: „Ist es logisch?” oder „Entspricht es meinen Emotionen?” (Hallo, Angela!) die evangelikale Urfrage „Steht es in der Heiligen Schrift?” stellen sollen.

EVANGELISATION. Wir wissen genug über Gott und über das Heilshandeln Gottes, dass wir gläubig werden können und dass wir die Gute Nachricht so predigen („verkündigen”) können, dass Gott das zur Wiedergeburt des Hörers verwenden kann (Römer 10,14–17; 1.Petrus 1,23–25 u. a.). Aber wir wissen deswegen noch nicht alles. Die Frage nach der Ordo Salutis (welcher Schritt des Heils auf welchen logisch und/oder zeitlich folgt) kann man auch anhand der Heiligen Schrift nicht bis ins Kleinste definieren. Das können wir ja noch nicht einmal beim „natürlichen” Leben, selbst da ist für die Wissenschaft noch Unerklärliches: Was ist denn „Leben”? Warum keimt ein Samenkorn? Warum? Was passierte da wo wie wann? Übertragen wir diese Fragen auf das „Neue Leben“. Da wissen wir ja noch nicht einmal, wo der Heilige Geist weht, wir sehen erst die Wirkungen, wenn Er irgendwo solche zeitigt (Johannes 3)! Nochmals: Wir wissen aus der Schrift genug, um Mitarbeiter Jesu zu sein, um am Evangelium priesterlich dienen zu können. Aber das neue Leben bleibt ein Wunder Gottes, bleibt ein Geschenk der Gnade Gottes. Bei allem Bemühen, Pflanzen und Begießen sollten wir nie vergessen, dass es Gott ist, der das Leben und das Wachstum gibt, wie Er will.

POSITIV finde ich die Wendung, nach Studium der theologischen Systeme und Bekenntnisse (meiner Meinung nach für einen Theologen unerlässlich, wir sind ja nicht die ersten Denker und Christen auf dieser Welt!) direkt zur Heiligen Schrift zu gehen, zur „Primärliteratur”. Wer in der Diskussion der Lehrsysteme oder gar der Persönlichkeiten stecken bleibt, kommt nicht zum Kern der Sache. Aber wieder drängt sich die Parallele mit der Philosophiegeschichte auf: Die Rückkehr zu den antiken Quellen (ad fontes) war nämlich auch das Prinzip des Humanismus der Renaissance, der sich durch Rekurs auf die Antike als maßgeblicher Norm für alle Fragen und Lebensbereiche vom „finsteren Mittelalter” abgrenzen wollte. Und das sieht zwar oberflächlich genauso aus, wie die Frage „Was sagt die Heilige Schrift?”, ist aber gottloser Humanismus. Nehmen wir es positiv und folgen wir diesem Hinweis, dann könnten wir lernen, die einschlägigen Bibelzitate nicht immer nur durch die Brille (Interpretationsnorm) eines Gedankensystems (einer speziellen Theologie) zu sehen, sondern aus der Fülle des Zeugnisses der Heiligen Schrift eine ausgewogene und richtige (wenn auch nicht logisch „dichte”) Lehre zu gewinnen. Es kann dann sein, dass die Wahrheit in den beiden „Extremen“ (Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen) gleichzeitig zu finden ist, und nicht in einem „Mittelweg”, wie es William MacDonald trefflich wiedergegeben hat. Anders gesagt: In derart „schwierigen” Themen wie der Heilslehre ist es angesagt, vom deduktiven Ansatz zum induktiven Ansatz zu wechseln und immer wieder die Frage zu stellen „Steht es in der Heiligen Schrift?” sowie „Was bedeutet dies?“, und daraus dann mittels sorgfältiger Exegesearbeit zu erkennen: „Was lehrt die Heilige Schrift?”

INKONSEQUENT. Obwohl der Autor die induktive Vorgehensweise als Lösung empfiehlt und seine Studenten durchführen lässt (offenbar aber nur im Schnelldurchgang), kommt doch an kritischer Stelle entlarvend durch, dass das im Buch entscheidende Denken dann doch von vorgefassten Meinungen, Spekulationen und Vorstellungen ausgeht und im Licht dieser Vor-Eingenommenheit (Präsuppositionen, systemische „Brille“ einer Tradition) biblische Aussagen bewertet, annimmt oder verwirft (also deduziert). Die hübsche Angela, die auf die Hauptperson des Romans (dem Koreaner Alex) durch eine Liebesbeziehung einen sicher nicht zu unterschätzenden emotionalen Einfluss ausübt, macht das deutlich. Sie hat sich ein Bild von Gott zurechtgelegt, und als sie etwas hört, das nicht zu ihrem Gottesbild passt, dann verwirft sie diese Aussage („Gott als Oger”). Als die in der Heiligen Schrift bezeugte Liebe Gottes nicht ihrer persönlichen Auffassung von Liebe entspricht, ist sie emotional aufgebracht. Wäre sie wirklich eine „evangelikale” Christin, wäre sie zur Schrift gegangen (ad fontes; sola scriptura) und hätte alles (!) gelesen, was Gott über Sich und Seine Liebe und Sein vollkommenes Wesen geoffenbart hat… und hätte daran ihr Gottesbild entsprechend der Wahrheit korrigiert. Als Bibellehrer wünscht man sich, der Autor hätte hier von seinen Romanfiguren alles das zusammentragen lassen, was das Wort Gottes über die Liebe und Gnade Gottes und was das Wort Gottes über seine Heiligkeit, seinen Zorn, Grimm und Rache sagt. Anstelle dessen ist z. B. das gesamte Kapitel 63 voller Spekulationen über Gott, die Engel, Satan, den Fall usw., z. B.: „Gott muss sich furchtbar gefühlt haben.” Selbstkonstruierte Gottesbilder, bei denen wir entscheiden, was wir vom biblischen Zeugnis hereinnehmen, ernst nehmen, und was nicht (was wir verdrängen), sind aber keine Gottesbilder, sondern Götzen. Das sollte uns sehr ernst und nachdenklich stimmen, vor allem, wenn der Herausgeber es »den besten Büchern, die ich je in meinem Leben gelesen habe« zuordnet.

LOGIK. „Es wäre unlogisch, alle Menschen überall zur Buße aufzurufen, wenn er genau wüsste, dass dies nur einige könnten”, sagt der Romanheld Alex (S. 305). Damit sagt Alex (oder der Autor McCarthy) aber mehr über seine „Logik“ aus, als über Gott und das Evangelium. Die generelle Frage lautet hier, ob Gott vom Menschen etwas fordern kann, von dem Er weiß, dass es der Mensch absolut nicht tun/halten kann. (Ob das wirklich etwas mit „Logik” zu tun hat, ist eine andere Frage. Imperative adressieren in der Sprache grundsätzlich das Geforderte, nicht das Mögliche.) Am Beispiel des Dekalogs könnte sich jeder Bibelleser zweifelsfrei versichern, dass dies Gott tatsächlich tut. Es war Gott von Anfang an klar, dass kein Mensch die 10 Gebote halten kann. Trotzdem gab Er den Dekalog und forderte unter Androhung der Todesstrafe dessen strikte Einhaltung. Dass diese Gebote vom Gesetzgeber und Richter nicht „locker”, sondern sehr streng interpretiert werden, macht Jesus Christus in der Bergpredigt deutlich. Und dass außer Jesus Christus niemand den Dekalog gehalten hat noch halten kann, ist auch klare Aussage der Schrift. Damit ist gezeigt, dass Gott durchaus vom Menschen das Einhalten Seiner Gebote fordern kann (und Buße zu tun ist ein Gebot Gottes an alle Menschen; Apg 17,30), auch wenn kein Mensch aus sich heraus (d. h. ohne effektives Wirken Gottes) dieses Gebot halten kann. Alex denkt falsch (nämlich unbiblisch), egal ob er das „logisch” oder „unlogisch” findet. Hätte er doch einmal –wie viele andere Studenten– an Martin Luthers Tisch gesessen und aus dessen Mund gehört: „Die höchste Kunst eines zukünftigen Theologen ist, dass er sehr sorgfältig zwischen der Klugheit der Vernunft und des Wortes, d. h. der Weisheit Gottes, unterscheide. Denn die das vermengen, vermischen den Himmel mit der Erde.” (Tischreden, WA Nr. 2146).

The Sather Gate. »Fiat Lux«  ist das Motto im Siegel der University of California: »Es werde Licht!«. – Deutlich erkennbar: der fünfzackige Stern bzw. das Pentagramm, aus dem alle Lichtstrahlen kommen.

LUX ODER LUCIFER. Die Betonung der Logik im Buch riecht verdächtig nach dem aufklärerischen Titel der deutschen Version des Buches „Fiat Lux!”, das nach der Story wohl dem Symbol des Sather Gates der UC Berkeley entliehen wurde. „Fiat Lux!” wurde angeblich der Bibel (Genesis 1:3) entnommen, nur zeigt der fünfzackige Stern über der recht unscheinbaren Inschrift alles überstrahlend an, dass hier eine völlig andere Quelle die Strahlen des Lichts ausbreitet. Der Fünfzackenstern ist verbunden mit der römischen Gottheit Luzifer (lat. „Lichtbringer”), die auch als Venus und als „Morgenstern” oder Phosphoros (griech. „Lichtbringer”) bekannt ist; Luzifer wird als Überbringer des Lichts und der Erkenntnis verstanden. In der Satanischen Bibel des Satanisten LaVey von 1969 erscheint Luzifer als einer der vier Kronprinzen der Hölle. Als Herr des Ostens und des Elements Luft fungiert er als „Lichtbringer” und steht für Intellektualität und Aufklärung (Belege und Foto s. u. a.: http://en.wikipedia.org und http://de.wikipedia.org/wiki/Luzifer). Was soll man dem hinzufügen? Diese im Ornament verdeutlichte Zweideutigkeit ist für dieses Buch peinlich, um das wenigste zu sagen.

ZWISCHENFAZIT. Es ist mühsam, sich durch Hunderte von Seiten quälen zu müssen, um am Ende zu versuchen, aus der Menge an Wörtern einige Tröpfchen „Geist” zu destillieren. Der Autor hätte sicher auf 5–10 Seiten seine besondere Heilslehre präsentieren können und hätte damit dem Leser viel Zeit gespart. Er hätte in einem solchen sachlichen Artikel die Quellen offenbaren können, aus denen er seine Ideen zog. Dass diese „Lösung” des Jahrhunderte alten Theologieproblems neu sei, ist Roman-Fiktion. Den Jubelrufen urteilend mag wohl auch der Herausgeber darauf hereingefallen sein. Die Ideen sind jedenfalls nicht neu. Das weiß jeder, der sich mit diesen Fragen auseinandersetzt:

  • Dass die Schrift lehre, dass Gott eine anonyme Gruppe von Menschen bzgl. irgendwelcher Heilsfolgen erwählt habe, ist auch nichts Neues, das haben beispielsweise Roger Forster und V. Paul Marston 1973 gelehrt („corporate/class election”) und nach ihnen W. Klein (1990).
  • Dass die Vorkenntnis Gottes und die Auserwählung seitens des Vaters auf eine Funktion der Allwissenheit Gottes reduziert wird, ist auch nicht wirklich neu, sondern klassischer Arminianismus.
  • Dass der natürliche Mensch weder verfinstert am Verstande noch geistlich tot sei, sondern doch noch so klar denkend und lebendig (wenn auch krank, evtl. todkrank), dass er geistliche Lebensfunktionen wahrnehmen und geistliche Entscheidungen fällen kann, die ihm das Heil garantieren, war schon lange vor McCarthy zu lesen bei Irrlehrern wie Pelagius, Armininus u. a.
  • Dass kein Mensch Gutes tut, dass kein Mensch Gott sucht, das liest man zwar im Evangelium Gottes über seinen Sohn Jesus Christus (Römer 3,11-12), also im „Wort der Wahrheit”, aber nicht bei diesen „Lösungen”, die stets im Widersatz zur Wahrheit der Schrift davon ausgehen, dass der Mensch Gott suche und finde.

Egal, aus welchen unterschwelligen Motiven diese Heilslehre konstruiert wird, Gott hat es wirklich nicht nötig, sich von Menschen vom Vorwurf der Ungerechtigkeit oder Lieblosigkeit – um das Geringste zu sagen – retten zu lassen. Nicht wir haben den Maßstab der Gerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe und könnten Gott damit messen und beurteilen (oder in Schutz nehmen), sondern Gott und Sein Wort sind dieser Maßstab und wir Menschen müssen uns daran messen lassen. Gott ist heilig. Gott ist Liebe. Gott ist gerecht in allem seinem Handeln. Wo Menschen das endlich begreifen, ist dies der Anfang heilsamer Gedanken und gesunder Heilslehre.

POSITIV ist die Betonung der Verantwortung des Menschen, denn diese ist biblisch: der Mensch muss umkehren und glauben, sonst geht er verloren. Positiv ist die Betonung der biblischen Wahrheit, dass Gott alle Menschen liebt und allen Menschen viel Gnade und Güte erweist, sogar Seinen Feinden (sog. allgemeine Gnade)! Positiv ist ferner die Betonung, dass das Opfer Jesu Christi für alle Sünder ausreichen würde. Am Ende werden aber nur die Menschen die Heilsfolgen dieses Opfers Jesu effektiv erfahren, die glauben und umgekehrt sind. Darüber sind sich sogar die einig, die in dieser Frage sonst viele Differenzen haben, aber gemeinsam keine Allversöhner sind. Das volle ewige Heil ist begrenzt, nicht unbegrenzt. Und wer an die biblisch bezeugte Allwissenheit und Vorkenntnis Gottes glaubt, wird zugeben, dass Gott schon immer und ohne Irrtumsmöglichkeit namentlich wusste, wer (welches Individuum) effektiv in den Genuss des stellvertretenden Opfers Jesu kommen wird.

NEGATIV. Im Gegensatz zur arminianischen Sicht lehrt die Heilige Schrift unter Vorkenntnis (prognosis), dass Gottes Vorkenntnis nicht einem rein informatorischen Vorher-Wissen Gottes über Handlungen oder Entscheidungen eines Menschen entspringt, dem Gott mechanisch-sklavisch folge, sondern einem vorzeitlichen Vorher-Planen Gottes, mithin Seinem Willen und Seiner Entscheidung, welches in Personen (sog. freien moralischen Agenten) mit absoluter Sicherheit Wirklichkeit wird.  „Erkennen” (z. B. Römer 9,29; 1.Petrus 1,20) bedeutet in der Bibelsprache/kultur häufig nicht nur bloße Information, sondern deutet auf eine persönliche Beziehung (des Lebens und der Liebe). Und vorhergesehen werden nicht Taten oder Entscheidungen eines Menschen (wie es das arminianische Theologiesystem lehrt), sondern die Menschen selbst, wie eine Exegese der Heiligen Schrift in Epheser 1,4 klar aufzeigt.

WARUM EIN ROMAN? Es ist erstaunlich, dass ein ernster Bibelleser auf der Suche nach Antworten zur Heilslehre einem „christlichen Roman” etwas abgewinnen kann. Da sind kirchengeschichtliche Darstellungen schon näher an der Realität. Das eine sind Geschicht(ch)en, das andere ist Geschichte. Warum wählte der Autor die Romanform? Es bleibt verborgen. Ist die Wahrheit nicht „spannend” genug? Das literarische Genre eines Romans gibt einem Schreiber aber einige Mittel an die Hand, die jemand, der sich auf eine rein sachliche Erörterung beschränkt, nicht hat. Man gewinnt den Eindruck, dass der Autor von „Fiat Lux!” mit einigen solcher Mittel bewusst hantiert:

  • Die Figuren und Charaktere eines Romans sind fiktiv, erlauben also nicht den Wahrheits- oder Faktentest, man kann sie nicht nachprüfen. Aussagen eines Romans haben mithin weder Authentizität noch Autorität für den Glauben; solche Methodenwahl ist für das Ziel der biblischen Belehrung äußerst fragwürdig
  • Sach- und Glaubensaussagen werden an konstruierte Figuren geknüpft und damit die sachliche Diskussion um objektive Heilstatsachen auf eine subjektive Ebene gezogen. Das geschieht im Roman unterschwellig und sublim. 
  • Ist Vorherstehendes gelungen, kann man von der redlichen Rhetorik auf die Eristik (unzulässige Streitrhetorik) umschwenken. Aus einer sachlichen und offenen Bewertung der Fakten (die wird im Roman ja nur vorgespielt und ist wie gesagt konstruiert) geht man in der Eristik auf eine Bewertung, Beurteilung und Verurteilung der beteiligten Personen über. Es ist sicher kein Zufall, dass der Autor den Charakter des „Rod” und den seines Förderers so negativ wählte. Wenn die Botschaft nicht passt, dann greife den Boten an! Das ist ein klassischer Argumentationsfehler bzw. eine Manipulationstechnik (sog. Brunnenvergiftung). Eine Spielart davon wird von „Anti-Calvinisten“ (wie z. B. auch dem Herausgeber) gerne gegen den „Calvinismus” eingesetzt. Bevor sachliche Argumente oder Belege dargestellt werden, wird einleitend behauptet, dass es „die anderen” sind, die »ihre Sichtweisen erbarmungslos anderen aufdrücken, selbst wenn dies Gemeinde-Spaltungen nach sich zieht. Gläubige werden oft aus ihren eigenen evangelikalen Gemeinden hinausgedrängt«. Beweise spielen hier i. d. Regel keine Rolle, Verleumdungen arbeiten ohne solche. Damit soll der Leser moralisch gegen die andere Position voreingenommen werden. Manchmal hofft man wohl auch, damit die sachlichen Schwächen der eigenen Argumentation überdecken zu können. Es wäre sicherer und angemessener (und wahrer?), wenn man einmal davon ausgeht, dass alle Seiten dieses Disputs das Potential und ggf. die Schuld haben, Böses zu tun und Übles zu verursachen. Wer das so plump auf die „Gegenseite” abschiebt, der entlarvt sich als unredlich. Für den Roman hätte sich gut ausgewirkt, wenn der Autor nicht auf diese Weise seine Leser versucht hätte zu manipulieren. 

AUSGEWOGENHEIT. Die (hypercalvinistische) Sicht von Rod und seinem skurrilen Lehrvater ist unbiblisch, ihr (fiktives) Reden und Handeln bestätigt dies. Nun wäre es wohl ausreichend gewesen, diese unbiblische Sicht anhand der ausgewogenen und geraden Wahrheit der Heiligen Schrift aufzuzeigen. (Genau das wird der Autor wohl für sich in Anspruch nehmen wollen, leistet es aber nicht.) Anstelle dessen wird ein flacher Arminianismus als Gegenlösung angeboten. Irrtum bekämpft man aber nicht mit Irrtum, sondern mit der Wahrheit, mit der ganzen Wahrheit. Es hat doch keinen Wert, den Hypercalvinismus (oder sonst einen -Ismus) mit einem anderen –Ismus zu bekämpfen. Das sind Lehrstreitereien. Es genügt der Wahrheit, als Wahrheit dargestellt zu werden. Wir müssen sie weder schmackhaft machen, noch sie unserer „Logik“, unseren Voreingenommenheiten oder unseren Emotionen unterstellen. Man kann die Wahrheit nicht „verbessern“, ohne sie zu verderben. Wir müssen auch nicht versuchen wollen, Geheimnisse logisch zu erklären. McCarthy hat der Wahrheit keinen Dienst erwiesen, wenn er dem Irrtum des Hypercalvinismus eine Spielart des altbekannten Arminianismus entgegen hält. Er folgt damit nur dem allgemeinen Trend der „Evangelikalen” in die „pelagianische Gefangenschaft”.

KEIN GRUND ZUM JUBELN. Das Buch schneidet Themen und Probleme an, die eine sorgfältigere Bearbeitung unter demütigem Gebet und auf der Grundlage der Wahrheit Gottes verdient gehabt hätten. Jede/r mag selbst entscheiden, ob er/sie nach der theologisch flachen und überdies manipulativen Lektüre den Jubelrufen des Herausgebers folgen will, die in vielen Anzeigen und Buchbesprechungen immer noch zu lesen sind. Klappern gehört zum Handwerk, und auch Plock muss mit seinem Verlag Geld verdienen. Dass dieser theologisch-seichte Roman jedoch unter die „Best Five” eines unter Evangelikalen recht bekannten Predigers und Herausgebers kommen konnte, zaubert ein dickes und ungläubiges Fragezeichen auf das Gesicht des Bibellesers.

BRÜDERLICHKEIT. Am Ende dieser Rezension sei mit Blick auf die immer heftigere Bekämpfung und teilweise boshaften Verleumdung der „Calvinisten“ seitens der „Anti-Calvinisten“ (und ähnlich miesen „Retour-Kutschen“) erinnert: Es ist uns Christen nicht gestattet, die Person des Glaubensbruders mit Häme zu überziehen oder ihn mit Unwahrheit und Unterstellung zu verleumden. Irrtum muss mit den Waffen des Lichts bekämpft werden (Römer 13,12). Die Wahrheit muss in Liebe festgehalten und bekannt werden (Epheser 4,15). Wir alle sind noch Wachsende und Lernende (1.Petrus 2,2; 2.Petrus 3,18). Die Gnade, die uns gerettet hat, gebietet und ermöglicht uns, dem unreifen wie auch dem irrenden Glaubensbruder mit Gnade und Wahrheit in Liebe zu begegnen. Das wird im Eifer des Gefechts zu schnell vergessen und generiert peinliches „Friendly Fire“.


Über den Autor von Fiat lux

James G. McCarthy oder Jim McCarthy (* 1952 in San Francisco, California) ist ein amerikanischer Theologe, Bibellehrer und Autor, früherer Katholik und jetzt evangelikaler Christ innerhalb der „Brüderbewegung“ Amerikas. James G. McCarthy ist einer der Gründer von Good News for Catholics, einer Organisation von ehemaligen Katholiken, die 1981 in Kalifornien gegründet wurde.

McCarthy wuchs in San Francisco als Sohn irischer Einwanderer auf. Anfang zwanzig trat er aus der katholischen Kirche aus, da er deren Lehren nicht mit seinem Verständnis der Bibel vereinen konnte. Er war Ältester in einer evangelikalen Freikirche (Grace Bible Chapel in San Jose). McCarthy war verheiratet mit Jean (verwitwet) und hat drei Kinder. Inzwischen (2020) lebt er in Lubbock, Texas.

[Ergänzung aus anderen Quellen:] Jim and his wife, Jean (dec.), came to Christ in their mid-twenties through a home Bible study. In the months that followed, they became more active in the Catholic faith, but left the Church two years later when convinced that Roman Catholic teaching could not be reconciled with the biblical gospel of salvation.

In 1981, Jim graduated from the Discipleship Intern Training Program (DITP), a nine-month program of Bible instruction and practical training hosted by Fairhaven Bible Chapel in San Leandro, California. In 1983, Hillview Bible Chapel in Cupertino, California, commended Jim and Jean to fulltime Christian ministry. In 1984, the McCarthys moved to Ireland to assist two Irish churches, returning to California again in 1986 when Jim was asked to join the faculty of the DITP. In 1996, they returned to Cupertino to assist in the ministry at Hillview Bible Chapel, and in 1999 helped to start Grace Bible Chapel in San Jose, where Jim served as an elder. He continues to teach in the DITP, now hosted by Grace Bible Chapel and Hillview Bible Chapel, and is a frequent speaker at Bible conferences in the U.S. and abroad. In 2013 he started Galilee Program, a Lafayette, Louisiana based discipleship and ministry training program for young adults.

When Jim came to Christ in 1975, he looked for literature to help him understand the differences between Roman Catholicism and Christianity based solely on the Bible. Disappointed with the quality and tone of what was available at the time, he began to produce his own materials. In 1981, he founded the ministry of Good News for Catholics to help distribute the new literature. Since then he has produced a popular video documentary titled Catholicism: Crisis of Faith (Lumen Productions, 1991) and has authored several books: The Gospel According to Rome (Harvest House Publishers, 1995); What You Need to Know About Roman Catholicism—Quick Reference Guide (Harvest House, 1995); What Every Catholic Should Ask (Harvest House, 1999), and Talking with Catholic Friends and Family (Harvest House, 2005). He has also coauthored a book with John Waiss, a Catholic priest and member of Opus Dei, titled Letters Between a Catholic and an Evangelical (Harvest House, 2003).More recently, Jim has begun writing on other subjects. His latest book is John Calvin Goes to Berkeley (City Christian Press, 2010), a novel about five students who try to solve the mystery of predestination.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/James_G._McCarthy [zuletzt abgerufen: 26.06.2020]
http://plymouthbrethren.org/author/15 [zuletzt abgerufen: 26.06.2020]
http://www.sweldersconf.com/speaker [zuletzt abgerufen: 26.06.2020]