Verleih uns Frieden gnädiglich

Ein singbares Friedensgebet – von Luther über Bach und Mendelssohn bis heute

Lesedauer: 12 Minuten.

Das Friedensgebet in fremdem Land

Als die Babylonier im 6. Jahrhundert v. Chr. das Südreich Juda überwältigten, viele Menschen –vom Säugling über die Schwangere bis zum Greis– ermordeten und den Rest der Bevölkerung nach Babylon deportierte, ergriff die verschleppten Juden große Trauer. Fern und zerstört war der Heimatort und Gottesort (Tempel), der Sehnsuchtsort ihres Volkes: Jerusalem (Zion). Psalm 137 hat die Gefühle dieser Menschen unvergesslich festgehalten:

»An den Flüssen Babels, da saßen wir und weinten, als wir uns an Zion erinnerten. An die Weiden in ihr hängten wir unsere Lauten. Denn die uns gefangen weggeführt hatten, forderten dort von uns die Worte eines Liedes …: ›Singt uns eins von Zions Liedern!‹ Wie sollten wir ein Lied Jahwes singen auf fremder Erde?« (Psalm 137,1–4)

Doch Gott (Jahwe, der Bundesgott Israels) wollte nicht, dass sein Volk im fremden Land nur resignierte. Die Wegführung war zwar Gericht und Erziehung, aber Babylon sollte nicht die Endstation sein. Durch den Propheten Jeremia gab Gott den Weggeführten deshalb einen bemerkenswerten Auftrag:

»Und sucht den Frieden der Stadt, wohin ich euch weggeführt habe, und betet für sie zu Jahwe; denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden haben.« (Jeremia 29,7)

Das ist erstaunlich. Die Juden sollten nicht nur passiv auf ihre Rückkehr warten, sondern aktiv für den Frieden und das Wohlergehen gerade jener Stadt wirken und beten, in die sie verschleppt worden waren. Wie sollte das gehen: fremd, ohne Bürgerrechte, Unterlegene – und trotzdem im »Beten und Arbeiten« (ora et labora) den Frieden und das Wohlergehen jener Stadt aktiv suchen?

Auch wahre Christen leben als Menschen, deren eigentliches Bürgerrecht im Himmel ist, in einer Welt, die noch nicht unter der sichtbaren Herrschaft Christi steht. Das bedeutet jedoch keinen Rückzug. Christus hat seine Jünger als Licht und Salz in diese Welt gestellt. Sie sollen das Evangelium verkündigen, Gutes tun und für die Menschen beten, unter denen Gott sie leben lässt.

Zu diesen Gebeten gehört ausdrücklich die Bitte um Frieden. Paulus fordert die christliche Gemeinde auf, für »Könige und alle, die in Hoheit sind« zu beten, »damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst« (1Timotheus 2,1–2).

Ein solches Friedensgebet begleitet die christliche Kirche schon durch viele Jahrhunderte.

Das Friedensgebet in der lateinischen Antiphon

Spätestens seit dem frühen Mittelalter ist der Antiphon »Da pacem, Domine, in diebus nostris« bekannt. Ihr Verfasser ist unbekannt. Der kurze Text lautet (im damals in der Liturgie üblichen Kirchenlatein):

Da pacem, Domine, in diebus nostris,
quia non est alius qui pugnet pro nobis,
nisi tu Deus noster.

Sinngemäß:

Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen,
denn es gibt keinen anderen, der für uns kämpft,
außer dir, unserem Gott.

In diesen drei Zeilen steckt bereits eine kleine Theologie des Friedens. Wir lernen: Frieden ist letztlich keine menschliche Errungenschaft, er wird von Gott erbeten. Und die letzte Hoffnung des Beters liegt nicht in der menschlichen Macht, sondern allein bei Gott: nisi tu Deus noster – »außer dir, unserem Gott«.

Der Gedanke hat deutlich alttestamentliches Kolorit. Am Schilfmeer sagt Mose zum hilflosen Israel: »Jahwe wird für euch kämpfen, und ihr werdet still sein« (2Mose 14,14). Ähnlich betet Josaphat angesichts einer militärischen Übermacht: »In uns ist keine Kraft vor dieser großen Menge … und wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet« (2Chronik 20,12).

Aus diesem alten lateinischen Gebet wurde in der Reformationszeit ein deutsches Gemeindelied.

Die Version Luthers (1529) – Das Friedensgebet wird deutsches Gemeindelied

Martin Luther war nicht der ursprüngliche Dichter. Er übertrug 1529 den alten Antiphon aber knapp und einprägsam ins Deutsche:

Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

Luther macht aus dem alten liturgischen Text Reim und Lied, das die Gemeinde zusammen singen und beten kann. Die entscheidenden Gedanken bleiben erhalten: Wir bitten Gott um Frieden, weil wir unsere letzte Hilfe nicht in menschlicher Stärke, sondern in ihm allein sehen.

Schon bald wurde dieser Ur-Strophe eine zweite angefügt. Sie stammt nicht von Luther, sondern wird seinem musikalischen Mitarbeiter Johann Walter (1496–1570) zugeschrieben und erschien 1566:

Gib unserm Fürsten und aller Obrigkeit
Fried und gut Regiment,
dass wir unter ihnen
ein geruhig und stilles Leben führen mögen
in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.

Man erkennt sofort die biblische Vorlage. Walter setzt 1Timotheus 2,1–2 beinahe unmittelbar in ein Gebet um. Die beiden Strophen verbinden damit zwei Anliegen: Gott möge Frieden schenken und er möge den Regierenden eine solche Regierungsführung ermöglichen, dass die Menschen in Ruhe und Gottesfurcht ihres Glaubens gemäß leben können.

Gerade diese Verbindung ist wichtig. Christliches Friedensgebet bedeutet nicht lediglich: »Herr, gib uns Ruhe!« Der erbetene Friede soll vielmehr Raum schaffen für Gottesfurcht, christliches Zeugnis und die Ausbreitung des Evangeliums.

Dabei darf die Musik der Gemeinde im gemeinsamen Gebt helfen. Luther schätzte Musik außerordentlich hoch. In seiner Vorrede zu Georg Rhaus Symphoniae iucundae von 1538 räumte er ihr nach der Theologie den höchsten Rang ein. Für ihn war Musik nicht bloße Unterhaltung. Sie war eine Gabe Gottes und in besonderer Weise geeignet, Gottes Wort ins Gedächtnis und ins Herz zu tragen.

Das Friedensgebet sollte deshalb nicht nur gelesen werden, die Gemeinde sollte es betend singen. Seine Melodie klang noch stark nach der alten Vorlage: archaisch, Moll. Man meint, gregorianische Stimmung wahrzunehmen. Aber Gott hat 200 Jahre später der Gemeinde einen großen Komponisten und gläubigen Lutheraner gegeben, der so manches Kirchenlied aufgriff und klanglich vergoldete.

Die Version von J. S. Bach (1725) – Die Gemeinde in Not betet gemeinsam

Genau betrachtet, ist die Situation bei Johann Sebastian Bach etwas anders als bei Luther. Bach komponierte kein großes eigenständiges Werk über »Verleih uns Frieden«, sondern verwendete den Text als Schlusschoral sowohl der Kantate BWV 42 »Am Abend aber desselbigen Sabbats« (1725) als auch der Kantate BWV 126 »Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort« (1725).

Der Kontext der Verwendung in der Kantate BWV 42 »Am Abend aber desselbigen Sabbats« ist sehr aussagekräftig. Die Kantate handelt nämlich von den Jüngern hinter verschlossenen Türen, von Bedrohung und Verfolgung und davon, dass Christus dennoch mitten unter den Seinen ist. Unmittelbar vor dem Schlusschoral steht die Bass-Arie »Jesus ist ein Schild der Seinen«. Dort kontrastiert Bach musikalisch die Unruhe der Welt mit dem Frieden bei Jesus. Und dann kommt der Schlusschoral »Verleih uns Frieden gnädiglich«.

Das hat Bach überzeugend dramaturgisch gestaltet:

Bedrohung → Christus als Schutz → Gebet der Gemeinde um Frieden.

Bach behandelt die Melodie als vierstimmigen Choralsatz: Die Gemeinde spricht gewissermaßen gemeinsam. Keine einzelne Stimme steht im Vordergrund; die Harmonik vertieft vielmehr die vertraute Melodie, es ist eine gemeinsame Bitte der Gemeinde. Das ist typisch Bach: sein Schlusschoral ist nicht bloß ein musikalischer Abschluss, sondern eine theologisch reiche Antwort der Gemeinde auf das zuvor Gehörte.

Der Kontext der Kantate BWV 126 »Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort« im selben Jahr ist ebenfalls aufschlussreich. Sie wurde am 4. Februar 1725, dem Sonntag Sexagesimae, erstmals aufgeführt und gehört zu Bachs Choralkantaten-Jahrgang 1724/25. Die gottesdienstlichen Lesungen waren Lukas 8,4–15, das Gleichnis vom vierfachen Ackerboden, und 2Korinther 11,19–12,9 mit dem Thema der in menschlicher Schwachheit wirksamen Kraft Gottes. Im Mittelpunkt der Kantate steht allerdings Luthers kämpferischer Choral »Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort«.

Zum Sonntagsevangelium besteht dennoch eine deutliche theologische Verbindung: Gottes Wort wird ausgesät, es ist vielfältig bedroht, soll festgehalten werden und Frucht bringen. Besonders deutlich wird dies im Rezitativ der Kantate unmittelbar vor dem Schlusschoral. Dort heißt es, dass Gott über seine Kirche wacht und »des heilgen Wortes Lehren / zum Segen fruchtbar« macht – ein kaum zu übersehender Anklang an den guten Ackerboden von Lukas 8,15.

Musikalisch gehört BWV 126 zu Bachs kämpferischsten Kantaten. Der wuchtige Eingangschor bettet den Choral in einen kantigen Orchestersatz ein; besonders die virtuose Trompetenpartie verleiht ihm einen geradezu streitbaren Charakter. In den beiden Arien der Kantate verwendet Bach auffällige Abwärtsbewegungen: Sie veranschaulichen einerseits Gottes helfendes Eingreifen von oben, andererseits den Sturz der widergöttlichen Macht. Alle Rettung kommt von Gott.

Dann aber vollzieht die Kantate eine bemerkenswerte Wendung vom Streit zum Frieden. Das letzte Rezitativ spricht davon, dass Gottes Wort und Wahrheit offenbar werden und zum Segen Frucht bringen. Es endet mit den Worten:

»und willst du dich als Helfer zu uns kehren,
so wird uns denn in Frieden
des Segens Überfluß beschieden.«

Darauf antwortet die ganze Gemeinde im Schlusschoral betend:

»Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten;
es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

Gib unsern Fürsten und aller Obrigkeit
Fried und gut Regiment,
dass wir unter ihnen
ein geruhig und stilles Leben führen mögen
in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. – Amen.«

Der Schlusschoral ist deshalb kein angehängtes Friedenslied, er ist der Zielpunkt der Kantate. Die Gemeinde antwortet gläubig und verständig auf das zuvor Gehörte: Aus dem Kampf um die Bewahrung bei Gottes Wort führt der Weg zur Bitte um den Frieden, den allein Gott schenken kann. Dieser Friede schafft Raum für ein ruhiges und gottesfürchtiges Leben und für den Dienst der Gemeinde am Wort Gottes.

Predigt des Wortes und geistliche Kirchenmusik ergänzen und verstärken sich. Bachs eigene Wertschätzung geistlicher Musik kommt in einer berühmten Randbemerkung seiner Calov-Bibel zu 2Chronik 5,13 zum Ausdruck:

»Bey einer andächtig Musiq ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.«

Theologie und Musik gehören auch hier eng zusammen. Musik ist nicht bloße Verschönerung des Wortes. Sie lässt die Gemeinde das Wort gemeinsam bekennen und beten.

Die Version von Mendelssohn (1831) – Das persönliche Gebet steckt an

Gut ein Jahrhundert später begegnet uns das Friedensgebet wieder bei Felix Mendelssohn Bartholdy. Mendelssohn hatte sich intensiv mit Bach beschäftigt und 1829 mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion wesentlich zur Bach-Renaissance beigetragen.

1831 komponierte er »Verleih uns Frieden gnädiglich« (MWV A 11 / WoO 5) für vierstimmigen Chor und Orchester. Er bezeichnete das Werk ausdrücklich als »Gebet nach Lutherschen Worten«.

Bemerkenswert ist: Mendelssohn übernimmt zwar Luthers Text, aber nicht die traditionelle Melodie. Er komponiert eine neue. Dadurch kann er die wenigen Worte auf seine eigene Weise musikalisch auslegen.

Das Stück beginnt still und demütig. Zunächst wirkt es beinahe wie das Gebet eines Einzelnen. Dann kommen weitere Stimmen hinzu, der Klang wird voller, das Gebet wächst. Aus dem persönlichen Flehen wird zunehmend die Bitte einer ganzen Gemeinschaft:

Bitte → Verstärkung → gemeinsames Bekenntnis → Ruhe.

Dabei wird die Musik trotz der Worte »der für uns könnte streiten« nicht martialisch. Keine musikalische Schlacht entsteht. Der Grundcharakter bleibt Vertrauen und Gebet. Alles läuft vielmehr auf die letzte Aussage zu:

»denn du, unser Gott, alleine.«

Nicht menschliche Stärke ist die Antwort auf die Bedrohung, sondern Gott.

Mendelssohn benötigt mehrere Minuten für gerade einmal fünf Textzeilen. Durch Wiederholung und Überlagerung entsteht jedoch der Eindruck, als würden immer mehr Menschen in dasselbe Gebet einstimmen.

Robert Schumann war von dem Werk Mendelssohns tief beeindruckt. 1840 schrieb er: »Das kleine Stück verdient eine Weltberühmtheit und wird sie in Zukunft erlangen …«

Vielleicht liegt seine besondere Schönheit gerade darin: Mendelssohn verbindet Schlichtheit mit großer Ausdruckskraft. Das Ergebnis ist weder bloße Konzertmusik noch einfacher Gemeindegesang. Es klingt wie ein Gebet, das wächst und schließlich eine ganze Gemeinschaft erfasst.

Das Friedensgebet der Urgemeinde(n)

So schön solche Vertonungen sind: Die höchste Autorität liegt für Christen nicht bei Luther, Bach oder Mendelssohn, sondern im Wort Gottes. Deshalb stellt sich die entscheidende Frage: Wie betete die neutestamentliche Gemeinde um Frieden und Bewahrung?

Die Antwort des Neuen Testaments ist aufschlussreich. Wir halten an fünf Stellen kurz inne.

1. Paulus an Timotheus (1Timotheus 2,1–4)

Die unmittelbarste Parallele zum Lied findet sich in 1Timotheus 2. Paulus fordert dazu auf, für alle Menschen und ausdrücklich für die Regierenden zu beten:

»… damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst.«

Genau daraus entstand Walters zweite Strophe.

Aber Paulus nennt anschließend den größeren Horizont: Gott will, »dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1Timotheus 2,4).

Wir bitten also nicht nur um Frieden, weil ein ruhiges Leben angenehmer ist. Wir bitten um Verhältnisse, in denen Christen gottesfürchtig leben, im Glauben wachsen und das Evangelium ungehindert verkündigen können.

2. Das Gebet der bedrohten Gemeinde (Apg 4,23–31)

Nach der ersten Verfolgung der Jerusalemer Gemeinde kommen Petrus und Johannes zu den anderen Gläubigen zurück. Gemeinsam beten sie.

Bemerkenswert ist, worum sie nicht zuerst bitten. Sie verlangen nicht, dass Gott sämtliche Gegner beseitigt oder ihnen künftig jede Bedrohung seitens der religiösen und weltlichen Obrigkeit erspart. Sie beginnen mit der Größe und Souveränität Gottes:

»Herrscher, du, der du den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hast und alles, was in ihnen ist …« (Apostelgeschichte 4,24).

Dann legen sie Gott ihre Bedrohung vor und bitten:

»Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort zu reden mit aller Freimütigkeit« (Apostelgeschichte 4,29).

Das ist neutestamentliches Friedensgebet in einer bemerkenswerten Reihenfolge: Nicht zuerst »Nimm die Bedrohung weg«, sondern »Mach uns treu in unserem Auftrag«.

3. Das Gebet zur Bewahrung vor feindlichen Menschen (2Thessalonicher 3,1–2)

Paulus bittet die Thessalonicher:

»Betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und verherrlicht werde … und dass wir errettet werden von den schlechten und bösen Menschen.«

Wieder gehören zwei Anliegen zusammen:

Ausbreitung des Wortes + Bewahrung vor seinen Gegnern.

Christen dürfen also durchaus um Schutz bitten. Aber dieser Schutz ist wiederum mit dem Auftrag verbunden: Das Wort des Herrn soll laufen und verherrlicht werden.

4. Das Gebet um Errettung von Gegnern und um Frieden (Römer 15,30–33)

Auch den Römern schreibt der Apostel Paulus:

»… dass ihr mit mir kämpft in den Gebeten für mich zu Gott, damit ich vor den Ungläubigen in Judäa gerettet werde …«

Und wenige Sätze später:

»Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen! Amen.«

Der eigentliche »Kampf« der Gemeinde ist hier zunächst ein Kampf im Gebet. Die Rettung von den Gegnern erwartet Paulus von Gott.

Das erinnert unmittelbar an den alten Antiphon:

quia non est alius qui pugnet pro nobis, nisi tu Deus noster –
»denn es gibt keinen anderen, der für uns kämpft, außer dir, unserem Gott.«

5. Gebet um Frieden mitten in der Bedrohung (Philipper 4,6–7)

In Philipper 4 verschiebt sich der Akzent schließlich vom äußeren zum inneren Frieden:

»Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.«

Die äußeren Umstände müssen sich dabei nicht sofort verändern. Aber mitten in ihnen –seien sie auch noch so bedrohlich– schenkt Gott seinen Frieden.

Der Gedankengang lautet:

Bedrängnis → Gebet → Gottes (inneren) Frieden → Bewahrung in Christus.

Zusammenfassung

Jesus selbst hat für seine Jünger nicht darum gebetet, dass sie jeder Gefahr entnommen werden. Er sprach in jener Nacht seines Verrats zu seinem Vater:

»Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Bösen.« (Johannes 17,15)

Das ist für eine neutestamentliche Theologie des Friedens entscheidend. Frieden bedeutet nicht notwendig die Abwesenheit von Bedrängnis. Christus bittet um die Bewahrung seiner Jünger mitten in einer feindlichen Welt.

Damit verändert sich gegenüber dem alttestamentlichen Motiv auch der Akzent. Das alte Da pacem, Domine erinnert stark an Aussagen wie: »Jahwe wird für euch kämpfen« (2Mose 14,14). Die neutestamentliche Gemeinde darf ebenfalls um Schutz vor bösen Menschen und um friedliche gesellschaftliche Verhältnisse bitten. Aber sie betet nicht um die militärische Vernichtung ihrer Gegner. Jesus lehrt vielmehr: »Bittet für die, die euch verfolgen« (Matthäus 5,44).

So lernen wir, christlich um Frieden zu beten:

Wir bitten um äußeren Frieden und eine gute Obrigkeit, damit ein ruhiges und gottesfürchtiges Leben möglich ist (1Timotheus 2,1–4).

Wir bitten um Bewahrung vor bösen Menschen, damit das Wort des Herrn laufen und verherrlicht werden kann (2Thessalonicher 3,1–2).

Wir vertrauen angesichts von Bedrohungen auf den souveränen Gott und bitten zuerst darum, unserem Zeugnisauftrag treu zu bleiben (Apostelgeschichte 4,23–31).

Und wir bitten um den Frieden Gottes in unseren Herzen, selbst wenn die äußeren Umstände unruhig bleiben (Philipper 4,6–7).

Damit ist das jahrhundertealte Lied erstaunlich aktuell.

Bei Luther betet die Gemeinde um Frieden.

Bei Bach bekennt die bedrängte Gemeinde, von wem ihr Friede kommt.

Bei Mendelssohn kann man hören, wie aus einem leisen persönlichen Friedensgebet ein machtvolles gemeinsames Flehen wird.

Und über allen steht die Bitte, die Christen seit Jahrhunderten miteinander verbindet:

Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

Mögen auch wir –Christen und christliche Gemeinden– dies heute angesichts beunruhigendem Säbelrasseln und peinlich-beängstigender Kriegsrhetorik inständig und glaubend bitten! Gott will das – und Er hat uns damit schriftlich aufgefordert. Denn: Es sind nicht die politischen Demos oder die marktschreierischen Sprüche vor irgendeinem Rathaus oder Parlament, sondern das gläubige Beten der Gemeinde Jesu Christi, das Gottes Ohr erreichen kann.

Soli Deo Gloria.

Disclaimer

Das Titelbild wurde aus Vorlagen, die mit Unterstützung von KI erzeugt wurden, vom Autor erstellt. Die zentral abgebildeten Noten stammen aus Der Spielmann (1914, 1947), der eine Version mit zwei Strophen ( Nr. 2 und 3) in freier Zudichtung nach Leisentritts Gesangbuch (1567) enthält. Hier wurde es bildlich mit der 2. Strophe von Johann Walter (1496–1570) verbunden, wie es in manchen Lutherischen Gesangsbüchern noch enthalten ist. – Der Rest ist anhand des Artikels selbsterklärend.

Anhang 1: Überblick über weitere Vertonungen

KomponistLebensdatenWerk / Art der Vertonung
Johann Walter1496–1570vierstimmige Motette Da pacem Domine; 2. Teil deutsch: Verleih uns Frieden gnädiglich
Balthasar Resinariusca. 1485–1544frühe mehrstimmige Vertonung des Lutherliedes
Michael Praetorius1571–1621Verleih uns Frieden gnädiglich, u. a. Musae Sioniae VIII, Nr. 120
Bartholomäus Gesiusca. 1562–1613mehrstimmiger Chorsatz
Johannes Eccard1553–1611fünfstimmiger Chorsatz
Heinrich Schütz1585–1672Verleih uns Frieden genädiglich“, SWV 372
Andreas Hammerschmidt1611/12–1675eigene Vertonung
J. S. Bach1685–1750Choralsätze, u. a. BWV 42 und BWV 126
Felix Mendelssohn1809–1847MWV A 11, 1831
Moritz Hauptmann1792–1868Chorsatz
Charles Gounod1818–1893Vertonung des Luthertextes
Hugo Distler1908–1942Chorsatz
Ernst Pepping1901–1981Bearbeitung/Chorsatz
Rolf Schweizer1936–2016neuere Kirchenmusik
Matthias Nagel*1958moderne, gospelartig geprägte Fassung

Die Zusammenstellung eines ökumenischen Chorbuchs nennt darüber hinaus Arthur Eglin, Manfred Glowatzki, Lothar Kirchbaum, Colin Mawby, Volker Ochs, Wolfgang Stockmeier, Michael Töpel und Klaus Wallrath. 

Anhang 2: Ähnliche Friedensgebete im Alten Testament

Im AT gibt es eine ganze Reihe von Friedensgebeten. Wenn wir speziell nach Parallelen zu »Verleih uns Frieden gnädiglich … der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine« fragen, sind einige sogar noch unmittelbarer als die neutestamentlichen Stellen. Der Liedtext nach Luther steht gedanklich stark in der alttestamentlichen Tradition, siehe folgende Tabelle.

StelleSituationBezug zum Lutherlied
Psalm 122,6–9Gebet für Jerusalemausdrückliche Bitte um Frieden
Psalm 29,11Schluss eines LobpsalmsGott schenkt seinem Volk Frieden
Psalm 85,9–11Bitte um WiederherstellungGott redet Frieden zu seinem Volk
Jesaja 26,12Gebet/VertrauensliedGott schafft Frieden
2Chronik 14,10Asa angesichts militärischer Übermacht»Bei dir ist kein Unterschied …«
2Chronik 20,5–12Josaphat angesichts übermächtiger Feinde»Wir wissen nicht, was wir tun sollen«
Psalm 20Gebet angesichts des KriegesVertrauen auf Gott statt Waffen
Psalm 144,1–11Gebet um RettungGott als Helfer im Kampf

Hiobsbotschaft

Nackt bin ich aus meiner Mutter Leib hervorgekommen, und nackt werde ich dorthin zurückkehren. Der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen, der Name des HERRN sei gepriesen!
Hiob 1,21

Vor 10 Jahren erhielt ich die Diagnose Darmkrebs. Kaum einen Monat später wurde bei meiner geliebten Ehefrau ein Hirntumor festgestellt. Der Tod war für uns immer eine Realität gewesen – aber er war gewissermaßen »da draußen«. Nun war der »Schatten des Todes« in unser eigenes Zuhause eingedrungen.

Wir waren nicht die Ersten, die das erleben mussten. Vor mehreren tausend Jahren traf es einen Mann namens Hiob – einen gerechten und wohlhabenden Mann von außergewöhnlicher Gottesfurcht. Zunächst verlor er durch feindliche Überfälle seinen gesamten Besitz. Dann erreichte ihn die erschütternde Nachricht, dass alle seine Kinder in einem gewaltigen Sturm ums Leben gekommen waren. Wie reagierte Hiob auf diese allererste »Hiobsbotschaft«?

Zunächst schwieg Hiob. Während die schlimmen Nachrichten in Herz und Gedanken einsanken, ließen sie ihn wie betäubt zurück und erfüllten ihn mit tiefem Schmerz. Er war keineswegs ein gefühlskalter Stoiker. Er stand auf, zerriss sein Obergewand und schor sein Haupt – stille Zeichen seines tiefen Kummers und seiner Trauer. Alles Äußerliche war ihm genommen. Nun sollte sichtbar werden, worauf sein Herz wirklich gegründet war.

Dann sprach Hiob in ehrfürchtigem Glauben. Er bekannte: »Denn wir haben nichts in die Welt hereingebracht; so ist es offenbar, dass wir auch nichts hinausbringen können« (1.Timotheus 6,7). Doch Hiob geht noch weiter: »Der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen.« Der Glaube öffnet uns die Augen dafür, dass Gott in jeder Situation gegenwärtig ist und handelt – in guten wie in schweren Tagen. Deshalb flieht der Glaubende nicht vor Gott, sondern zu Gott. Immer. Wohin sonst?

Schließlich betete Hiob an. Satan hatte Gott »versprochen«, Hiob werde Gott verfluchen. Doch das Gegenteil trat ein: Hiob pries den Namen des HERRN. Gerade in den tiefsten Verlusten erfährt der Gläubige Gottes Gegenwart und Treue oft auf eine Weise, die ihm in unbeschwerten Zeiten verborgen geblieben wäre. Seine Seele wird zu einer Höhe emporgehoben, die ein oberflächlicher Schönwetter-Glaube nie kennenlernen würde.

Schweigen–glauben–anbeten.

Wie wirst du auf deine Hiobsbotschaft reagieren?

Dem amerikanischen Andachtsbuch Declaring His Glory Among the Nations entnommen. Urheber und Übersetzung: grace@logikos.club. (Vollreferenz: The Master’s Academy International. Declaring His Glory among the Nations: Daily Scripture Meditations from Pastors Around the World. Sun Valley, CA: Great Writing, 2019. ISBN 978-0-9600203-9-3) 

Das Wort, das schneidet (Kostprobe)

John F. MacArthur
Das Herzstück der Bibel
52 Schlüsselabschnitte zum Nachsinnen und Auswendiglernen

EBTC, 2024, geb., 200 Seiten | ISBN: 978-3969571279

Im Folgenden eine »Kostprobe« aus einem klug aufgebauten und erbauend zu lesenden Streifzug durch die Schätze der biblischen Lehre, sozusagen eine »Systematische Theologie« in Andachtsform. Das sind »Herzstücke« für jeden, der Gott und Seine Heilige Schrift liebt.

Lesedauer: 3 Minuten.

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens. (Hebräer 4,12)

Hältst du die Bibel für ein nettes Buch? Viele halten sie für ein Buch religiöser Geschichten. Christen halten die Bibel oft für ein tröstliches Buch, ein ermutigendes Buch, ein Buch, das einen erbaut. Aber die Bibel selbst erhebt den Anspruch, ein Schwert zu sein – lebendig, wirksam und scharf. Sie schneidet wie das Skalpell eines Chirurgen, es dringt in die Tiefen deiner Seele und deines Geistes vor, es schneidet deine Gelenke und dein Knochenmark. Das ist ein lebhaftes Bild. Es hört sich ganz so an, als würde es wehtun. Die Bibel ist nicht nur ein Balsam, das wir auftragen, um Linderung zu bekommen. Sie ist eine Klinge, die tief in uns eindringt. Sie kennt unsere Gedanken und Absichten besser als wir selbst.

Nichts schneidet und durchdringt so wie Gottes Wahrheit. Alle Psychologie und Philosophie der Welt sind nicht imstande, in die Tiefen der Seele einzudringen, wie es das Wort Gottes kann. Kein Psychologe oder Philosoph ist jemals in der Lage, dich so zu kennen, wie Gott dich kennt. Johannes sagt, dass Jesus es nicht nötig hatte, dass ihm jemand sagte, was sich im Herzen des Menschen befindet, weil er bereits wusste, was darin war (Johannes 2,25). Dein Herz ist vor Gott völlig offengelegt. Er kann in dich hineinsehen. Er hat einen tiefen Einblick in deine Seele.

Niemand kennt dich so gut, wie Gott. Kein Buch dringt so zum Kern deines Herzens vor, wie die Bibel – sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht. Wenn wir niedergeschlagen sind, weiß die Bibel uns aufzumuntern, zu trösten und aufzubauen. Doch wenn wir uns auf unserem hohen Ross des Stolzes oder menschlicher Weisheit befinden, dann versteht sich die Bibel darauf, uns herunterzuholen, indem sie unsere Sünde bloßstellt, unsere Heuchelei entlarvt und unseren Eigensinn niederreißt.

Das Lesen der Bibel ist kein ungefährliches Unterfangen. Es kann eine beängstigende Erfahrung sein. Doch überall, wo Gott [bei einem Glaubenden] mit seinem Wort schneidet, heilt er auch. Alles, was er offenbart, legt er frei, um die Stelle zu reinigen. Jesus sagte, dass wir wie Reben an einem Weinstock sind, die vom Weingärtner gereinigt werden (Johannes 15,2). Wir müssen gereinigt bzw. beschnitten werden, damit wir Frucht bringen können. Diese Beschneidung geschieht durch das Wort Gottes.

Ich bin dankbar für das Wort Gottes als Quelle des Trostes, der Hoffnung, der Freude, der Anbetung und des Lobes. Darüber hinaus bin ich dankbar für das Wort Gottes als durchdringendes, überführendes, unterscheidendes Schwert, das mich mit nichts davonkommen lässt. Indem ich mein Leben dem Wort Gottes aussetze, wird meine Sünde aufgedeckt. Wenn meine Sünde auf-gedeckt wird, kann sie ausgeräumt werden. Dabei handelt es sich um die Reinigung, die mich befähigt, zu meiner eigenen Freude und zur Ehre Gottes mehr Frucht zu bringen.

Bin ich für meine Gemeinde nützlich?

Lesedauer: 6 Minuten.

Viele Christen verstehen Gemeinde unbewusst als einen Ort, an dem sie empfangen: Predigt hören, Gemeinschaft erleben, geistlich auftanken. Doch Paulus zeichnet in 1Korinther 12 ein ganz anderes Bild: Die örtliche Gemeinde ist kein Zuschauerraum – sie ist ein lebendiger Körper. Und jeder, der zu Christus gehört, ist ein Teil davon. Jeder Gläubige hat eine Aufgabe. Jeder ist Teil des Leibes. Du bist nicht zufällig da. Du wirst gebraucht. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: »Was bekomme ich?«, sondern: »Bin ich für meine Gemeinde nützlich?«.

Kontext und Einleitung (12,1)

In 1Korinther 12,1 beginnt Paulus die Beantwortung einer weiteren jener Fragen, die ihm die christliche Gemeinde in Korinth gestellt hatte: »Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, dass ihr unwissend seid«. Seine Antwort ist recht ausführlich und erstreckt sich über drei Kapitel: in Kapitel 12 geht es um die Einheit und Vielfalt der Gaben des Geistes, in Kapitel 13 um die Liebe als Antrieb zur Gabenausübung und in Kapitel 14 abschließend ganz praktisch um den ordentlichen Einsatz der Geistesgaben im Wortgottesdienst. Dann erst wendet er sich einer weiteren Frage zu (Auferstehung).

Paulus zeigt in diesen drei Kapiteln, dass die Gaben des Geistes Gottes vom Geist Gottes geprägt sind, was sie in Kontrast setzte zu den offenbar in Korinth ebenfalls gepflegten heidnischen »Geistmanifestationen«. Seinem Mitarbeiter Timotheus hatte er einmal erklärt: »Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (Selbstbeherrschung)« (2Timotheus 1,7). Das kann man gut als Überschrift über 1Korinther 12–14 setzen.

Die Gabengeschenke des Geistes Gottes an die Glieder der Gemeinde sind zwar Geschenke, sie bringen aber eine lebenswichtige geistliche Verpflichtung mit sich: Sie sind kein Selbstzweck, sondern dazu da, die Gemeinde, den »Leib«, aufzuerbauen. Wir lernen: Christliches Glaubensleben ist immer gemeinschaftsbezogen. Paulus stellt in 1Korinther 12,7 fest, dass jeder eine geistliche Gabe hat und dass diese für den Dienst an den anderen bestimmt ist. Die zentrale Herausforderung für jeden lautet also: Was machst du damit?

Die einzigartige Quelle der Geistesgaben (12,2–3)

Die Gottesdienste in Korinth waren offenbar eine Mischung von Echtem und Gefälschtem, wenngleich alles »religiös« und vertraut vorkam. Paulus macht deutlich, dass Gottes Gaben nur im Zusammenspiel mit geistlicher Reife und Ablehnung der alten heidnischen Vorstellungen funktionieren. Nicht jede »geistliche Erfahrung« kommt von Gott. Es gibt auch falsche Geister und Gewohnheiten, die im Heidentum entweder zu Passivität (Weltverleugnung, Askese) oder im Gegenteil zu unkontrollierter Ekstase (Entrücktsein) verleiten. Unterscheidungsvermögen tut da not! Der Heilige Geist befähigt den Glaubenden zu einem bewusstem, planvollen (vernünftigen), zielgerichtetem Dienst. Paulus hilft: Echtes Wirken des Geistes ist immer verantwortungsbewusst und christusverherrlichend.

Die Einheit und Vielfalt der Geistesgaben (12,4–6)

Paulus betont eindrücklich dreifach: Es gibt verschiedene Gaben und verschiedene Dienste und verschiedene Wirkungen. Dies konkretisiert er in Versen 8–10 mit einer ersten Liste solcher Gaben. Aber Quelle, Dienstherr und wunderbar wirksam Machender aller Gaben ist stets er eine Gott. Gottes Geist entscheidet souverän für jeden Christen, welches Glied am Körper der Gemeinde er wird und wie er für dieses Gliedsein und Funktionieren mit geistlichen Gaben ausgerüstet wird (Vers 11).

In Verbindung mit 1Petrus 4,10 verstehen wir, dass jeder wiedergeborene, und daher vom Heiligen Geist bewohnte, Glaubende eine geistliche Gabe empfangen hat. Das Metapher eines menschlichen Körpers ab 1Korinther 12, 12 ist eindrücklich: Wir erkennen zwar viele unterschiedliche Glieder am Körper, aber sie gehören im Geben und Nehmen und Funktionieren zu einem einzigen Körper. Wenn alle in ihrer besonderen Fähigkeit »funktionieren«, ist der Mensch gesund und zu großen Taten fähig und bereit. Anders gesagt: Der Leib, die Gemeinde, lebt dann. Wir lernen: Niemand ist überflüssig. Niemand ist optional. Es gibt im Leib der Gemeinde keine »rudimentären Organe«. Und: Es gibt keine Glieder, die getrennt vom restlichen Leib überleben könnten.

Der Nutzen der Geistesgaben für die Gemeinde (12,7)

Die große praktische Schlussfolgerung lautet: »Einem jeden wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben« (12,7). Das bedeutet: Deine Gabe gehört nicht dir, sie ist für andere gedacht. Sie hat eine konkrete Funktion, die Gott festgelegt hat. Daher ist Untätigkeit geistlich gesehen keine neutrale Option. Der Nutzen wird konkret angegeben: dass die Gemeinde Gottes auferbaut werde. Jeder ist für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Gemeinde mit verantwortlich. Sei es negativ oder positiv.

Negativ. Wenn du deine Gabe nicht nutzt, sind die Folgen: Du wächst geistlich weniger, anderen fehlt dein Beitrag, die Gemeinde wird geschwächt. Es ist wie in einem Körper, wo ein Körperteil ausfällt. Egal ob das wegen Verletzung, Krampf, Lähmung oder Bequemlichkeit geschieht, die Folge ist immer: Der ganze Körper leidet. – Wir lernen: Passivität schadet mehr, als wir denken.

Positiv. Wenn du (wie alle) deine Gabe nutzt, hat das hingegen viele gute Auswirkungen: (1) Du segnest andere, so wie sie Dich segnen; Geben und Empfangen gehören im Organismus zusammen. (2) Eine aktive Gemeinde wirkt auch nach außen überzeugend, sie hat ein starkes Zeugnis. (3) Aus der Erprobung im Dienst wachsen Leiter heraus, die wieder anderen helfen, ihre Gaben zu erkennen und zu trainieren. (4) Es entsteht eine echte, christliche, herzensverbindende Gemeinschaft im Glauben und Dienen. – Wir lernen: Gemeinde funktioniert nicht durch wenige Aktive (»Professionelle«), sondern durch viele Beteiligte, solange jeder (nur) das tut, wozu er von Gott gesetzt wurde.

Auf manche christliche Gemeinde passt das sarkastische Lob: »Sie leben nach dem olympischen Ideal: Keiner macht, was er soll. Jeder macht, was er will. Aber alle machen mit!«.

Folgen wir aber den Anweisungen des Wortes Gottes ist das Ergebnis ein funktionierender, gesunder geistlicher Leib. Die Ordnung der Gemeinde ist wie die eines lebendigen Organismus‘. Es geht nicht zu wie in einer würdigen Schlossbibliothek mit allerlei beeindruckenden Folianten aus längst verflossenen Tagen, wo alles »an seinem Platz« steht. Das biblische Bild ist ein junger, gesunder Körper, dessen Glieder lebendig zusammenhängen, einander dienen und miteinander den Leib gesund halten, so dass er zielgerichtet, koordiniert und lebendig das Werk Gottes tun kann. Wir lernen: Wenn jeder an seinem Platz im Leib dient, entsteht Einheit, wächst Kraft und wird die Gemeinde außenwirksam.

Call-to-Action

Jeder wiedergeborene Christ muss sich fragen: Bin ich für meine Gemeinde nützlich?

Praxistipp: Nimm dir Zeit für folgende drei Schritte:

  1. Bete: »Herr, welche Gabe hast du mir gegeben?«
  2. Sprich mit deiner Gemeindeleitung oder reifen Christen darüber
  3. Handle: Fang an zu dienen, zunächst im Kleinen. Jeder gabenspezifische Dienst später baut auf die eingeübte Einstellung eines Dieners auf, sonst wird sie unwirksam oder gar gefährlich.

Bedenke: Gottes Plan für deine Gemeinde funktioniert nicht ohne dich. Gott hat dich nicht nur gerettet, er hat dich auch beauftragt. Deine Gemeinde braucht nicht nur deine Anwesenheit, sondern deinen Beitrag.

Im Brief an die Gemeinde in Ephesus fasst Paulus das alles wunderbar zusammen:

»…die Wahrheit festhaltend in Liebe, lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus, aus dem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maß jedes einzelnen Teiles, für sich das Wachstum des Leibes bewirkt zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.« (Epheser 4,15–16)

Bewährung im Dienst – Fünf Menschentypen und die Frage nach unserer Treue

Lesedauer: 7 Minuten.

Textgrundlage: 2. Timotheusbrief + 3. Johannesbrief

Was entscheidet eigentlich darüber, ob ein Christ im Glauben treu bleibt – oder mit der Zeit abweicht? Diese Frage ist alles andere als theoretisch. Sie stellt sich mitten im Leben, oft leise, manchmal unter Druck, manchmal schleichend über Jahre hinweg. Sie wird am Ende dieses Lebens vor Jesus Christus, dem gerechten Richter, geklärt und von Ihm belohnt oder bestraft werden.

Unsere Frage steht im Zentrum des Zweiten Timotheusbriefs, dem letzten erhaltenen Schreiben des Apostels Paulus. Er verfasste ihn unter extremen Umständen: in römischer Gefangenschaft, vermutlich kurz vor seinem gewaltsamen Tod als Märtyrer. Viele Weggefährten hatten sich bereits von ihm abgewandt, die äußere Situation war von Unsicherheit und Bedrohung geprägt. Doch Paulus verliert sich nicht in Klagen über seine Lage. Stattdessen richtet er den Blick auf das, was wirklich zählt: die Treue im Glauben und im Dienst.

Auffällig ist dabei seine Vorgehensweise. Paulus bleibt nicht bei allgemeinen Aussagen stehen, sondern nennt konkrete Personen (namentlich!). An ihnen zeigt er, wie sich Treue oder Untreue im Leben tatsächlich ausprägt. Diese Namen sind keine beiläufigen Randnotizen, sondern bewusst gewählte Beispiele, die das Anliegen seines Briefes veranschaulichen und zuspitzen.

1. Die Rückzieher – Abfall aus Angst (2Tim 1)

Im ersten Kapitel begegnen uns Phygelus und Hermogenes. Über sie wird nur knapp berichtet, dass sie sich von Paulus abgewandt haben. Doch gerade diese Kürze macht die Aussage eindrücklich. Offenbar gehörten sie zuvor zum Kreis derer, die Paulus verbunden waren. Als die Situation jedoch gefährlich wurde, zogen sie sich zurück. Im Hintergrund steht die zunehmende Verfolgung von Christen, insbesondere nach dem Brand Roms unter Nero. Wer sich zu Paulus bekannte, setzte sich selbst einem Risiko aus.

Hier wird sichtbar, wie schnell Angst den Glauben prägen kann. Treue zeigt sich nicht in Zeiten der Ruhe, sondern gerade dann, wenn sie etwas kostet. Das positive Beispiel liefert im Kontrast Onesiphorus, der Paulus gerade in dieser Lage aufsucht und sich dessen Ketten nicht schämt.

Treue zeigt sich nicht bei Schönwetter, sondern im Sturm, unter Druck.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist sehr konkret: Wo beginne ich mich zurückzuziehen, wenn Nachfolge und Treue zum Herrn und seinem Wort unbequem wird?

2. Die Verdreher – Zerstörung durch falsche Lehre (2Tim 2)

Im zweiten Kapitel verschiebt sich der Fokus von der Angst zur Lehre. Hier nennt Paulus Hymenäus und Philetus. Ihr Problem liegt nicht im Rückzug, sondern in der Verfälschung zentraler Glaubensinhalte. Sie behaupteten, die Auferstehung sei bereits geschehen, und untergruben damit eine grundlegende Hoffnungswwahrheit des christlichen Glaubens.

Paulus beschreibt die Wirkung ihrer Lehre mit einem drastischen Bild: Sie frisst um sich wie Krebs. Damit macht er deutlich, dass falsche Lehre nicht passiv und nicht neutral bleibt. Sie wirkt aktiv zerstörerisch, oft anfangs unauffällig, aber nachhaltig, nämlich tödlich.

Lehre ist nicht Nebensache, gar Hobby der Theologen – sie hat Konsequenzen für den Glauben.

Wo die Wahrheit der Schrift relativiert oder angepasst wird, sei es aus Unglauben oder Tradition, wird nicht nur diskutiert und tradiert (Traditionelles weitergegeben), sondern der Glaube selbst wird beschädigt.

Die entscheidende Frage lautet daher: Woran messe ich das, was ich glaube – an der Heiligen Schrift oder an dem, was mir plausibel erscheint?

3. Die Widersteher – bewusste Opposition gegen Wahrheit (2Tim 3)

Im dritten Kapitel greift Paulus auf zwei Gestalten aus der alttestamentlichen Überlieferung zurück: Jannes und Jambres, die Mose widerstanden. Sie stehen exemplarisch für Menschen, die sich bewusst gegen Gottes Wahrheit stellen.

Hier geht es nicht mehr nur um Irrtum oder Schwäche, sondern um eine entschiedene innere Haltung: Wahrheit wird nicht angenommen, sondern aktiv bekämpft oder durch Nachahmung verfälscht. Paulus spricht von einer verdorbenen Gesinnung – damit wird deutlich, dass das Problem tiefer liegt als einzelne falsche Aussagen.

Zugleich enthält der Text eine wichtige, tröstliche Perspektive: Täuschung hat kein dauerhaftes Fundament – die Wahrheit wird sich durchsetzen.

Das ist eine nüchterne, aber tröstliche Einsicht. Sie bewahrt davor, sich von scheinbarer Stärke oder Einfluss täuschen zu lassen. Gottes Wahrheit ist Gottes Wahrheit. Sie wird bestehen bleiben, sie wird am Ende siegen.

Eine Frage bleibt angesichts dessen herausfordernd persönlich: Habe ich ein Herz, das sich der Wahrheit beugt – oder eines, das ihr ausweicht?

4. Die Abgewichenen und Angreifer – Weltliebe und Feindschaft (2Tim 4)

Im vierten Kapitel wird die Darstellung erneut persönlicher. Paulus nennt Demas, einen ehemaligen Mitarbeiter, der ihn verlassen hat, »weil er die jetzige Welt liebgewonnen hat«. Hier wird ein schleichender Prozess sichtbar. Es ist kein plötzlicher Bruch, sondern eine Veränderung der inneren Ausrichtung. Andere Dinge gewinnen an Gewicht und die Bindung an Christus tritt in den Hintergrund. Am Ende gehen die Füße dahin, wo das Herz schon lange war.

Daneben steht Alexander der Schmied, der Paulus aktiv widersteht und ihm Schaden zufügt. Diese beiden Beispiele zeigen zwei unterschiedliche Formen der Abkehr: die stille, innere Entfernung und den offenen, äußeren Angriff.

Abkehr beginnt im Herzen – entweder leise oder offen sichtbar.

Beide Wege führen letztlich weg von der Treue. Deshalb ist die Frage entscheidend: Wo ziehen mich andere Dinge weg von Christus, und wie gehe ich mit Widerstand um?

5. Der Machtmensch – Zerstörung von innen (3Joh 9–10)

Ergänzt wird dieses Bild durch eine weitere Figur aus dem Dritten Johannesbrief: Diotrephes. Anders als die zuvor genannten Personen ist er nicht durch Abfall oder Irrlehre gekennzeichnet, sondern durch sein Verhalten innerhalb der Gemeinde. Er sucht den ersten Platz, lehnt andere biblische Autorität ab, redet schlecht über andere und grenzt Menschen aus. Fromme (?) Selbstverwirklichung, Rufmord, Cancel-Kultur, Parteilichkeit, Widerstand – er bedient sich des ganzen Spektrums der Machtpolitik. Damit wird eine weitere, oft unterschätzte Gefahr sichtbar: nicht von außen, sondern aus der Mitte der Gemeinde heraus.

Wo Leitung zur Selbstbehauptung wird, wird Gemeinde beschädigt.

Leitung ist im Neuen Testament als Dienst gedacht. Der Hebräerbrief definiert den Dienst von »Führern« mit »sie wachen über eure Seelen«, sind also von Herzen Hirten ihrer Schafe. Wo Leitung aber zur Bühne der Selbstverwirklichung wird, entsteht geistlicher Schaden – oft subtil, aber tiefgreifend. Die Täuschungskraft ist real, wenn dieses Diotrephes-Verhalten mit frommen Worten ummantelt wird. 

Die persönliche Anfrage lautet: Will ich mich durchsetzen – oder bin ich bereit, anderen zu dienen?

Zusammenfassung und Abschlussgedanke

Wenn man diese Personen nebeneinanderstellt, entsteht ein buntes und vielschichtiges Bild. Es zeigt, dass die Gefährdung des Glaubens aus unterschiedlichen Richtungen kommen kann, von innen wie von außen: durch Angst, durch falsche Lehre, durch bewussten Widerstand, durch Weltliebe oder durch Machtstreben.

Die größten Gefahren entstehen nicht nur von außen und extern, sondern auch von innen und intern. Der Apostel Paulus hatte das schon in seiner Abschiedsrede in Milet deutlich angekündigt (Apostelgeschichte 20,28ff).

Damit wird die eigentliche Absicht im Vermächtnis-Brief des Apostels Paulus deutlich. Er schreibt nicht, um historische Informationen festzuhalten, sondern um seine Leser zu prüfen und zu formen, ihnen das Wichtigste aufzuerlegen: Bleibe treu beim Wort Gottes, egal wie und egal wo, predige es allenthalben, stehe im Glauben fest dazu. In Milet hatte er den Gemeindeleitern gesagt: Habt zuerst Acht auf euch selbst, aber auch auf die ganze Herde der Gläubigen. Denn sie ist bluterkauftes Eigentum Jesu.

Die skizzierten Männer werden für alle Ewigkeit namentlich bekannt sein. Jemand sagte einmal sarkastisch: »Niemand ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Vorbild dienen!« Wie tragisch! Es geht aber nicht um das Kaleidoskop realer Endzeitversager, sondern um deren Spiegelfunktion. Die entscheidende Frage lautet: Wo stehe ich? Das Spektrum jener erwähnten Männer lehrt uns die richtigen Prioritäten für die Endzeit: am Evangelium festhalten, sich nicht schämen, in der Wahrheit bleiben, schwierige Umstände ertragen lernen und nicht sich selbst, sondern Christus dienen.

Treue ist keine Frage der Begabung, sondern der Herzenshaltung. Das »Endzeit-Motto« lautet nicht: »Sei perfekt!«, sondern: »Sei treu!« Wem treu sein? Dem Wort Gottes!

Am Ende seines Lebens fasst Paulus seinen Dienst- und Lebensweg mit den bekannten Worten zusammen: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt« (2Timotheus 4,7). Er redet nicht von spektakulären Erfolgen, sondern von tiefster Gewissheit und Frieden. Sein Lebensfazit wäre für jeden Grabstein eine Zierde. Aber Paulus schaut über das Grab hinaus: »Fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag«. Sein Lebensfazit windet den schönsten Siegeskranz für Jesu Gegenwart. 

SDG.

Heilsgeschichte ist Liebesgeschichte

Lesedauer: 7 Minuten.

»Ist Erwählung nicht unfair? Gott muss doch alle gleich behandeln, wenn er gerecht ist!« Das hört man in manchen Gesprächen in Gemeinden und in Seminaren zur Heilslehre in der Bibelschule. Die Konzepte (oder Kriterien) von Fairness und Gerechtigkeit werden bemüht, um die biblische Lehre der Erwählung zu verstehen – oder eben, anzugreifen. Dazu gibt es eine schnelle und eine ausführliche Antwort.

Hier die schnelle: 1. Fairness ist kein Begriff der Bibel. 2. Gerechtigkeit ist ein Begriff der Bibel. Aber diese Gerechtigkeit ist nicht ein externer Maßstab, der über Gott stünde und daher an Ihn angelegt werden könnte. Es ist andersherum: Weil Gott im Wesen absolut gerecht ist, normieren (bestimmen, definieren) alle seine Worte und Taten, was gerecht ist. Damit erweisen sich die Fragestellung und die darauf folgende Unterstellung als unsinnig.

Das ist ausbaufähig: Die Bibel behandelt den Aspekt der Gerechtigkeit Gottes und wo sie sichtbar wird, ausführlich. Das sollte man gründlich studieren, wenn man mit dem Begriff »gerecht« vor Gott hantiert. Zuallererst wird man verstehen, dass alles Heil ein freier Gnadenakt Gottes ist. Auf Gnadenakte gibt es keinen Rechtsanspruch, auch keinen »moralischen Anspruch« aufgrund irgendeines Verdienstes. Da werden gedanklich Dinge zusammengeworfen, die im Wesen völlig getrennt sind. Verdienst (oder: Lohn) ist immer Gegengabe für Geleistetes. Gnade ist stets freies Geschenk. Gibt Gott einem Menschen dessen gerechten Lohn, wird es schockierend finster und final aussichtslos: »Der Lohn der Sünde ist der Tod« (Römer 6,23a). Man sollte zurückschrecken, von Gott Gerechtigkeit für die eigenen oder die fremden Sünden von Menschen zu fordern. Es ist die Forderung nach sofortigem, ewigen Tod, also Übergang an den Ort der gerechten Bestrafung und dem gerechten Zorn Gottes. Jesus bezeichnet diesen Ort »Hölle« (s. z.B. Bergpredigt; Mt 5,22.29.30; 10,28; 23,15), es ist der »Feuersee« (Offb 20,15 u.a.). Aber auch die Forderung: »Du musst mir (gerechtermaßen) vergeben!« ist bösartige und unsinnige Anmaßung. Gott schuldet –auch im Heil– niemand irgend etwas. Der einzig rettende Weg ist die demütige, gläubige Bitte um Gottes Barmherzigkeit, Gnade, Vergebung der Sünden, verbunden mit der Lebensübergabe, dem Ende aller Rebellion gegen Gottes Willen. »O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!« (Lukas 18,13) führt zur Gerechterklärung vor Gott.

Hier die zweite, tiefergehende Antwort: Die Bibel redet oft in Vorbildern und in direkten Lehrtexten davon, dass die Heilsgeschichte eine Liebesgeschichte ist, und zwar in allen Beziehungen. Gott ist Liebe. Und weil dem so ist, scheint sie aktiv und attraktiv durch all sein Handeln im Heil: Gott-Vater schenkt seinem Sohn als Liebesgeschenk eine Braut aus noch unerlösten Menschen, die mit dem menschgewordenen Gottessohn die Ewigkeiten durchschreiten soll. Wie soll das gehen? Ein vorzeitlicher Ratschluss Gottes hat schon die einvernehmliche, perfekte Lösung festgelegt: Gott-Sohn, der Bräutigam, übernimmt aus Liebe zu Seinem Vater und zu seiner erwählten Braut deren gesamte Schuld und gibt ihr neues, ewiges Leben. Er teilt sein eigenes Leben mit ihr! Liebesschwur wird Lebensgarantie. Und Gott, der Heilige Geist, der Geist der Liebe (Römer 5,5; 15,30), wirkt aktiv in der Zeit und in alle Ewigkeit mit allen göttlichen und in allen menschlichen Beteiligten an der Verwirklichung und Sicherung dieses allergrößten Liebeswerkes.

Paulus schreibt unnachahmlich klar und praktisch über diese Liebesgeschichte im Brief an die Epheser:

»Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei.« (Epheser 5,25–27)

John Piper schrieb vor einigen Jahren dazu:

»Ein Mann liebt seine eigene Frau auf eine andere Weise, als er andere Frauen liebt. Und Christus liebt seine Braut, die Gemeinde, auf eine andere Weise, als er die anderen Menschen liebt: Er hat ›sich selbst für sie hingegeben‹. In meiner Predigtarbeit war dies eine der wirksamsten Methoden, meinen Gemeindemitgliedern zu helfen, die Kostbarkeit der fest bestimmten Sühne (org.: definite atonement) als Ausdruck von Gottes auserwählender Liebe zu ihnen zu spüren.

Ich frage sie: Wie wäre es für eine Ehefrau, wenn sie denken müsste, dass ihr Ehemann sie nur so liebt, wie er alle anderen Frauen auch liebt? Das wäre entmutigend. Nein, Er hat sie erwählt, Er hat um sie geworben. Er ergriff die Initiative, weil er sie unter allen anderen Frauen für sich auserwählt hatte. Er hat eine ganz besondere Liebe für sie, eine große Liebe, eine einzigartige Liebe, eine exklusive Liebe. Sie ist sein geliebter Schatz, wie keine andere Frau es ist. Und so sind auch Gottes Auserwählte sein geliebtes und mit Blut erkauftes Volk, wie kein anderes.«

John Piper, My Glory I Will Not Give to Another, in: David Gibson und Jonathan Gibson (Hrsg.), From Heaven He Came and Sought Her: Definite Atonement in Biblical, Historical, Theological, and Pastoral Perspective (Wheaton, IL: Crossway, 2013), S. 640. Fettdruck hinzugefügt. Eigene Übersetzung.

Ist wegen solcher Erwählung aus Liebe Gott oder ein Bräutigam ungerecht? Weil Er sich seine Braut aus ekligen, schuldigen Todeskandidaten frei erwählt, um sie völlig neu und strahlend zu machen? Man spürt, dass dies ein völliger Missgriff in den Begriffen ist, ein grandioses Unverständnis darüber, was im Heilswerk Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit abläuft: Der Vater will Kinder, der Sohn eine Braut für die Ewigkeit. Familie der Liebe, Familie Gottes. – Gottes Idee. Gottes Tat. Gottes Verherrlichung (Römer 11,36).

Jeder, der »dabei sein« will, »dazu gehören« will, der alle Wohltaten und die unbegrenzte, ewige Liebe Gottes im Vater und im Sohn erfahren will, darf –solange noch »Gnadenzeit« ist– sofort den Weg zu Gott beschreiten, den Er einladend im Evangelium vorgegeben hat. Jeder! Wer kommt, den wird Er nicht hinausstoßen! Gott liebt den Menschen so sehr, dass er jedem Menschen sogar befiehlt, umzukehren und an das Evangelium über seinen Sohn Jesus Christus zu glauben. Wie bitte? Man muss dem Menschen sein höchstes Glück befehlen?! Ja, denn er wird es von selbst nie wollen (1Korinther 2,14 u.a). Im Befehlsruf unseres Heiland-Gottes laufen für jeden Menschen höchste Verantwortung und größtes Glück zusammen. Wer vor dem Kreuz Jesu in Buße und Glauben niederkniet, kann das Wunder der Liebe und Heiligkeit Gottes, das dort in Jesus Christus wirksam geschah, anbetend bewundern: »Es ist vollbracht!«

Alles beginnt im Liebeswillen Gottes: »Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen; denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.« (Johannes 6,37–40). Alles wird vollendet im Liebeswillen Gottes.

Es ist vollbracht!
Jacques Erné (1826–1883), vor 1883.

Es ist vollbracht,
das große Werk, das schwere.
Gott ist gerecht, Ihm ward nun Seine Ehre
durch Seinen Sohn, der laut verkündet hat:
»Es ist vollbracht!«

Es ist vollbracht!
Was Gottes Liebe wollte,

was für den Sünder, den verlornen, sollte
zur Rettung und zum ew’gen Heile sein,
das ist vollbracht.

»Es ist vollbracht!«
durchtönt’s die Ewigkeiten
zu Gottes Lob, zu der Erlösten Freuden;
sie danken Gott, sie beten Jesus an,
dass Er’s vollbracht.

The Church’s One Foundation
Chris Rice, The Living Room Sessions, 2001

The church’s one foundation 
Is Jesus Christ her Lord; 
She is his new creation 
By water and the Word. 
From heaven he came and sought her 
To be his holy bride; 
With his own blood he bought her, 
And for her life he died.


Elect from every nation, 
Yet one o’er all the earth; 
Her charter of salvation: 
One Lord, one faith, one birth. 
One holy name she blesses, 
Partakes one holy food, 
And to one hope she presses, 
With every grace endued.

2026: Ein Jahr der Heiligung durch Gottes Wort

Das neue Jahr steht vor der Tür, und ich hoffe, dass wir uns für 2026 vorgenommen haben, uns in Gottes Wort zu vertiefen. In der gesamten Kirchengeschichte haben Christen, die der Heiligen Schrift mächtig waren, systematisch Jahr für Jahr in der Heiligen Schrift gelesen. Ein neues Jahr ist eine großartige Gelegenheit für einen Neuanfang, und deshalb sollten wir uns (wieder) fest und planvoll vornehmen, fleißig, regelmäßig und diszipliniert in der Bibel zu lesen.

Zunächst sollten wir zwei falsche Beweggründe für das Lesen des Wortes Gottes bedenken. Wir dürfen die Bibel nicht einfach nur lesen, um Informationen anzuhäufen. Es gibt Millionen von unerweckten Menschen in Bibelstudien, Kirchen, Universitäten und Seminaren, die Gott nicht kennen und die durch ihr Studium nicht im Geringsten verändert worden sind. Wir sollten die Bibel auch nicht einfach als eine weitere Aufgabe auf unserer täglichen Aufgabenliste lesen. 

Wenn wir über das Bibelstudium und das Bibellesen im Jahr 2026 nachdenken, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir zwar jeden Tag die Lektüre abhaken, aber keinen Nutzen aus unserer Zeit im Wort Gottes ziehen können. Deshalb müssen wir an die Bibel herangehen, nicht als ob wir etwas für Gott tun, indem wir sein Wort lesen, sondern als Menschen, die danach hungern, dass er etwas in uns tut. Das Ziel des Bibellesens ist Heiligung, Verwandlung und Wachstum in der Heiligkeit.

Die Worte Jesu in Johannes 17,17 helfen, diese Wahrheiten in unserem Bewusstsein zu festigen. Hier betete Jesus: »Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit«. Dies ist eine wunderbare Bitte, die Jesus an den Vater richtet. Er bittet den Vater, alle Gläubigen in der Wahrheit zu heiligen, welche er mit dem Wort Gottes gleichsetzt. Es gibt drei Dinge, über die wir nachdenken sollten, wenn wir diese Bitte unseres Herrn betrachten.

1  Zunächst sollten wir über die Wichtigkeit der Heiligung nachdenken

Auf der grundlegendsten Ebene bedeutet Heiligung, abgetrennt und heilig gemacht zu werden. Zum Beispiel sollte der Sabbat im Alten Testament heilig sein. Auch Menschen konnten heilig sein, wie wir in Jeremia 1,5 lesen: »Bevor ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Zum Propheten an die Nationen habe ich dich bestellt«. Das Wort »geheiligt« hat die Bedeutung von „abgesondert sein“. Jeremia war für den Dienst an Gott als Prophet für die Völker bestimmt und abgesondert, bevor er überhaupt geboren wurde. 

Die Heilige Schrift macht deutlich, dass Heiligung sowohl eine feste, frei zugesprochene Stellung als auch ein anstrengender Prozess mit vielen Einzelschritten ist. Man kann sagen, dass ein Mensch geheiligt ist, während er gleichzeitig noch geheiligt wird. Gott sondert Menschen für seinen eigenen Gebrauch aus und diese Menschen wachsen allmählich in ihrer Nützlichkeit für Gott, wenn sie lernen, den Charakter Jesu, des Gesalbten, nachzuahmen, indem sie praktisch umsetzen, dass sie Gott gehören. Sie tun dies durch den Glauben, der sich in einem durch Liebe motivierten Gehorsam ausdrückt.  

Heiligung ist nicht nur etwas Äußerliches. Es geht dabei auch nicht nur um eine Veränderung unseres Verhaltens. Menschen, die nicht für Gott ausgesondert sind – also Ungläubige – erfüllen die Begierden ihres angeborenen sündigen Wesens und leben für ihre egoistischen Wünsche, Werte und Sehnsüchte. Glaubende hingegen lassen ihr Leben nicht von solchen Begierden beherrschen. Sie kämpfen immer noch mit ihren alten, ungöttlichen Begierden; sie wollen lernen, diese zu verleugnen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass im Glaubenden andere, neue Begierden auftauchen und wachsen, nämlich Gott zu gefallen, den Willen Gottes zu tun, die Ehre unseres Herrn Jesus Christus zu suchen und zum Wohl anderer zu leben und die Gnade unseres Gottes zu verherrlichen.

2  Zweitens sollten wir den Prozess der Heiligung gut verstehen

Heiligung ist Gottes gnädiges Wirken im Leben eines Glaubenden. Keiner verdient es, von Gott geheiligt zu werden. Wir haben in uns selbst keinen Anspruch Gott gegenüber, mit dem wir zu ihm kommen und verlangen könnten, dass er uns heilige. Insofern ist es reines Gnadengeschenk.

Die Tatsache, dass die Heiligung ein Werk Gottes ist, wird im gesamten Neuen Testament hervorgehoben und allen drei Personen des dreieinigen Gottes zugeschrieben. In 1. Thessalonicher 5,23 heißt es: »Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde untadelig bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.« Die Heiligung wird in Epheser 5,26 auch Jesus Christus zugeschrieben, wo es von Ihm bzgl. seiner Gemeinde heißt: »damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort«. Außerdem sehen wir in 2. Thessalonicher 2,13, dass der Heilige Geist uns heiligt. Paulus schreibt: »Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit«. Der dreieinige Gott ist bei unserer Heiligung am Werk. 

Das bedeutet nicht, dass wir bei unserer Heiligung rein passiv bleiben dürften. Die Heilige Schrift ist voll von Geboten, Gott zu gehorchen, uns zu reinigen, uns der Ungerechtigkeit zu enthalten, die Unzucht zu fliehen, gottlose Begierden zu verleugnen, der Gerechtigkeit und der Frömmigkeit nachzujagen. Uns wird gesagt, dass wir unser (praktisches) Heil mit Furcht und Zittern bewirken (o. hervorbringen; Philipper 2,13) sollen. Wir müssen jedoch immer daran denken, dass wir, selbst wenn wir uns mehr als alle anderen anstrengen und eine Heiligkeit erlangen, die alle anderen Sünder übertrifft, dies nur der Gnade und Macht Gottes in unserem Leben zu verdanken ist und nicht unserer Kraft, unserer Macht oder unserer Anstrengung. 

Wie heiligt Gott uns? Heiligung hat zwei Bedeutungen: die eine geschieht bei der Bekehrung und ist ein einmaliges Ereignis, die andere schreitet im Laufe unseres Lebens voran. Beide Aspekte der Heiligung geschehen durch die Wahrheit, durch Gottes Wort

(1) Gott heiligt uns zunächst durch die Wahrheit seines Wortes, setzt uns für sich selbst zur Seite. Wir wissen, dass der Glaube durch das Hören der Verkündigung kommt und die Verkündigung durch das Wort Gottes (Römer 10,17). Oder wie Jakobus es ausdrückt: »Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien« (Jakobus 1,18). Petrus sagt dasselbe in 1. Petrus 1,23, wo er schreibt: »die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes«.

(2) Die fortschreitende Heiligung verwendet dasselbe Mittel, wie schon bei unserer ewigen Errettung: das Wort Gottes. Der Geist Gottes benutzt das Wort Gottes, um uns heiliger zu machen. Neben Johannes 17,17 steht eine der klarsten Aussagen in diesem Sinne in Apostelgeschichte 20,32, wo Paulus, als er mit den Ältesten von Ephesus zum letzten Mal sprach und ihnen als sein Vermächtnis ans Herz legte: »Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das vermag, aufzuerbauen und das Erbe zu geben unter allen Geheiligten«. Paulus war sich sicher, dass die Glaubenden der Gemeinde in Ephesus im Wort Gottes alles hatten, was sie brauchten, um den Wettlauf als Glaubende und Heilige stark zu vollenden.

Einige der beliebtesten Verse zu diesem Thema finden sich im Psalm 119, wo uns ein wunderbares Zeugnis für die Macht des Wortes Gottes bei der Heiligung gegeben wird. In Versen 104f sagt der Psalmist: »Aus deinen Vorschriften empfange ich Einsicht; darum hasse ich jeden Lügenpfad. Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad.« Beachten wir hier, dass der Mensch, der im Glauben zu Gottes Wort kommt, Verständnis für Wahrheit, Gerechtigkeit, Recht, Weisheit, Heiligkeit, Sünde und Errettung erlangt. Das Wort Gottes zieht uns zu sich, indem es uns die Wahrheit offenbart. Der Geist Gottes wirkt in unseren Herzen durch dieses Wort. Und so wollen wir keine Lügen, keine Philosophien der Welt und keine Ratschläge der Gottlosen. Wir Glaubenden wollen nur die Wahrheit.

3  Schließlich müssen wir den Prozess der Heiligung anwenden 

Wie lesen wir die Bibel so, dass Gottes Kraft uns durch sein Wort verwandelt? Fünf Hinweise:

Erstens: Wertschätze das Wort Gottes. Wenn wir durch Gottes Wort verändert werden wollen, müssen wir es lieben und uns daran erfreuen. Es ist ein Wunder, dass der ewige Gott uns überhaupt etwas offenbart, geschweige denn eine so vollständige und umfassende Offenbarung seiner selbst in seinem Wort gibt!

Zweitens: Lese Gottes Wort unter Gebet. Unser Lesen sollte sozusagen in Gebet gebettet und gebadet sein. Wir sollten Gott bitten, unsere Herzen zu prüfen, unsere Sünde aufzudecken und uns in unseren Entmutigungen und Nöten zu trösten und aufzurichten. 

Drittens: Lese Gottes Wort im Glauben. Die Verheißungen Gottes gehören allen an Christus Jesus Glaubenden. Daher können wir glauben und seinen Worten friedvoll vertrauen.

Viertens: Lese Gottes Wort in Demut. Wir können Gottes Wort nicht so verändern, dass es das sagt, was wir es sagen lassen wollen. Vielmehr wir müssen das, was es sagt, ohne Rücksicht auf unsere eigenen vorgefassten Meinungen annehmen.  Nicht wir sitzen über Gottes Wort zu Gericht, sondern Gottes Wort beurteilt uns.

Fünftens: Lese das Wort Gottes mit dem Wunsch, ihm zu gehorchen. Wir kommen nicht zum Wort, um bloß Informationen zu erhalten, sondern vielmehr, um verwandelt zu werden! Wir müssen das Wort Gottes mit dem Willen lesen, es zu befolgen. 

Wenn wir das Wort mit diesen Prinzipien im Herzen lesen, wird Gott treu in uns wirken und uns durch sein Wort heiligen. Werden wir treu sein und jeden Tag demütig und treu zu Gottes Wort kommen, mit einem Herzen, das nach Heiligkeit verlangt? Ich bete, dass dies unser Herzenswunsch ist, während wir ein weiteres Jahr beginnen, das der Herr uns so gnädig geschenkt hat. 

Ein frohes neues Jahr!

Denn sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, sind alle von einem ; um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen. … Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird. (Hebräer 2,11; 12,14)

Quellen & Disclaimer

Text im Dezember 2025 adaptiert für 2026 von: Robb Brunansky: 2024: A Year of Sanctification Through God’s Word, thecripplegate.com, 3. Januar 2024 (https://thecripplegate.com/2024-a-year-of-sanctification-through-gods-word/; 03.01.2024); übersetzt und adaptiert von Grace@logikos.club.

Bild erstellt aus KI-generierter Vorlage (de.freepik.com/pikaso) mittels Photoshop 2026 durch Grace@logikos.club.
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Thanksgiving | Alles Truthahn – oder was?

In den USA ist der Thanksgiving Day staatlicher Feiertag, der am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. Man meint, dieses Fest wurde zuerst 1621 in Plymouth Rock (MA, USA) von ca. 50 aus dem britischen Königreich ausgewanderten Puritanern gemeinsam mit fast hundert einheimischen Wampanoag als dreitägiges Erntedankfest gefeiert. Sie wollten mit dieser Feier und einem Festmahl Gott für alle seine Segnungen danken. Während der Zeit der britischen Kolonien feierten die USA das Erntedankfest dann zu verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen Gründen. Der erste nationale Erntedankfesttag wurde am 18. Dezember 1777 begangen, nachdem die Amerikaner in Saratoga, New York, eine bedeutende Schlacht gegen die Briten gewonnen hatten. Ähnliche Proklamationen wurden bis 1784 jährlich abgegeben. 

Nach 1784 wurde das nächste Thanksgiving erst am Donnerstag, dem 26. November 1789 gefeiert, direkt im Anschluss an die Ratifizierung der Verfassung der USA. Präsident George Washington gab eine Proklamation heraus, dass die Amerikaner Gott für die Segnungen des Allmächtigen für diese Nation danken sollten. Diese Proklamation ist ein Vorbild, die allen zukünftigen Präsidenten und Staatschefs in allen Ländern gut anstehen würden, vor allem in (ehemals) »christlichen Ländern«. So würde das oft zu hörende »Gott sei Dank!« aus seinem traurigen Schicksal einer sinnentleerten Phrase befreit werden. Hier ist, was Washington am 3. Oktober 1789 schrieb:

Vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. 
Eine Proklamation.

In der Erwägung, dass es die Pflicht aller Nationen ist, die Vorsehung des allmächtigen Gottes anzuerkennen, seinem Willen zu gehorchen, für seine Wohltaten dankbar zu sein und demütig um seinen Schutz und seine Gunst zu bitten: Und in Anbetracht dessen, dass beide Häuser des Kongresses mich durch ihren gemeinsamen Ausschuss gebeten haben, „dem Volk der Vereinigten Staaten einen Tag des öffentlichen Dankes und Gebets zu empfehlen, an dem es mit dankbaren Herzen die vielen und besonderen Gnaden des allmächtigen Gottes anerkennt, insbesondere indem es ihm die Möglichkeit gibt, friedlich eine Regierungsform für seine Sicherheit und sein Glück zu etablieren”. 

Daher empfehle und bestimme ich den Donnerstag, den sechsundzwanzigsten Tag des kommenden Novembers, als einen Tag, an dem sich das Volk dieser Staaten dem Dienst an diesem großen und glorreichen Wesen widmen soll, das der wohltätige Urheber alles Guten ist, das war, das ist und das sein wird: Damit wir uns alle vereinen, um Ihm unseren aufrichtigen und demütigen Dank für Seine gütige Fürsorge und seinen Schutz für das Volk dieses Landes zu erweisen, bevor es eine Nation wurde; – für die besonderen und vielfältigen Gnaden und die günstigen Eingriffe seiner Vorsehung im Verlauf und im Ausgang des letzten Krieges; – für das hohe Maß an Ruhe, Einheit und Überfluss, das wir seitdem genießen dürfen; für die friedliche und vernünftige Art und Weise, in der wir Verfassungen für unsere Sicherheit und unser Glück errichten konnten, insbesondere die kürzlich eingeführte nationale Verfassung; für die bürgerliche und religiöse Freiheit, mit der wir gesegnet sind, und die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um nützliches Wissen zu erwerben und zu verbreiten; und allgemein für all die großen und vielfältigen Gnaden, die Er uns gewährt hat. 

Und auch, dass wir uns dann in aller Demut vereinen mögen, um unsere Gebete und Bitten an den großen Herrn und Herrscher der Nationen zu richten und Ihn zu bitten, unsere nationalen und anderen Verfehlungen zu vergeben; – damit wir alle, ob in öffentlichen oder privaten Ämtern, unsere verschiedenen und jeweiligen Pflichten ordnungsgemäß und pünktlich erfüllen können – damit unsere nationale Regierung ein Segen für alle Menschen ist, indem sie stets eine Regierung mit weisen, gerechten und verfassungsmäßigen Gesetzen ist, die umsichtig und treu ausgeführt und befolgt werden – damit alle Herrscher und Nationen (insbesondere diejenigen, die uns Freundlichkeit erwiesen haben) geschützt und geleitet werden und mit guter Regierung, Frieden und Eintracht gesegnet werden – um die Kenntnis und Ausübung wahrer Religion und Tugend sowie die Verbreitung der Wissenschaft unter ihnen und uns zu fördern – und allgemein, um der gesamten Menschheit ein Maß an zeitlichem Wohlstand zu gewähren, das nur Er allein als das Beste erkennt. 

Ausgestellt unter meiner Hand in der Stadt New York am dritten Tag des Monats Oktober im Jahre unseres Herrn 1789.
George Washington

Thanksgiving sollte gemäß dieser Verordnung also nicht nur eine Zeit des allgemeinen Dankes sein, sondern ein Tag, an dem die ganze Nation Gott dankt für seine vielen Segnungen und ihn im gemeinsamen Gebet bittet, dass seine Fürsorge auch fernerhin währe.

Seitdem hat dieser Feiertag eine bewegte Geschichte durchlaufen. Jedes Jahr wird er durch Deklaration des Präsidenten der USA festgelegt. Die meisten Amerikaner feiern ihn als reines Familienfest mit traditionellem Truthahnessen. Die Wirtschaft nutzt diesen Tag für sich und hat ihn als Sport- und Shopping-Event kommerzialisiert. Der Tag nach Thanksgiving-Donnerstag wurde zum berüchtigten »Black Friday«, der den beginnenden Weihnachts-Kommerz ankurbeln soll.

Das Thanksgiving-Essen ist inzwischen relativ einheitlich, mit einigen regionalen Besonderheiten. Als Hauptgericht gibt es seit dem 19. Jahrhundert meist gebratenen Truthahn. Dieser war damals überall zahlreich vorhanden und günstig zu haben. Dazu werden in der Regel Beilagen wie Kartoffelpüree, Süßkartoffeln oder Yamswurzeln geboten. »Cranberry-Sauce, eine süß-säuerliche Würzsauce, ist eines der wenigen Beilagen, die direkt auf das vorkoloniale Neuengland zurückgeführt werden können, da Cranberries in dieser Region heimisch sind. Außerdem wird eine reichhaltige Auswahl an Kuchen wie Kürbiskuchen, Pekannusskuchen, Apfelkuchen und Süßkartoffelkuchen serviert.« (Britannica).

Aber warum nicht zum Wichtigen und Eigentlichen zurückkehren? Dazu bedarf es keiner gesonderten Proklamation des Gründungsvaters und ersten Präsidenten der USA (Amtszeit 1789–1797), zumal dieser seit 1752 als Freimaurer geweiht war, seinen Amtseid auf eine Logen-Bibel geleistet hatte und so –mit vielen seiner Mitstreiter– effektiv für diese sinistre Gegenseite eingespannt war. 

Gemeinsam Gott danken

Wir finden einen Präzedenzfall für eine Proklamation des gemeinsamen Dankes und der Fürbitte in der Heiligen Schrift, wo Paulus uns auffordert, für alle Menschen zu beten und Dank zu sagen, einschließlich aller Herrscher und Regierungsbehörden, damit wir ein friedliches und ruhiges Leben in Frömmigkeit führen könnten (1. Timotheus 2,1–3):

Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst. Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Beim Nachdenken über diesen Text  wird etwas deutlich, das unendlich wichtiger ist als die Gründung der amerikanischen Nation und ihrer Traditionen. Denken wir zum Beispiel über unsere Erlösung in Christus nach und über die vielen Parallelen, die wir in der Heiligen Schrift zu den Realitäten finden, für die die Amerikaner nach Proklamation von George Washington bei der Gründung der amerikanischen Nation dankbar sein sollten.

Hier sind einige Dinge, für die wir dankbar sein sollten, wenn wir über den Segen nachdenken, in einem (noch) friedlichen Land zu leben, und, was noch wichtiger ist, über den Segen, Bürger des himmlischen Landes zu sein (Philipper 3,20; Lukas 10,20).

Erstens sollten Gläubige für Gottes Fürsorge und Schutz dankbar sein, bevor wir zum Glauben an Christus gekommen sind. 

Die Erlösung ist wahrhaftig ein wunderbares Werk Gottes, denn er hat uns gerufen, als wir uns nicht um ihn kümmerten und nicht an ihn dachten. Wir waren gegen ihn rebellisch und waren seine Feinde. Doch denken Sie daran, wie seine Vorsehung in unser Leben eingegriffen hat, um uns dazu zu bringen, das Evangelium zu hören, unsere Sünden zu bereuen und an Jesus Christus zu glauben! Wie können wir uns irgendeinen Teil unserer Erlösung als Verdienst anrechnen, wenn wir doch aus der Heiligen Schrift erkennen, dass jeder Schritt unseres Lebens von Gott gelenkt wurde, sodass sogar die Umstände, in denen wir uns befanden, als wir an das Evangelium glaubten, von seiner Vorsehung und Barmherzigkeit geleitet waren (Titus 3,5)? Gläubige dürfen niemals versäumen, Gott für seine Vorsehung zu danken, mit der Er uns in seiner göttlich vollkommenen Weisheit leitet.

Zweitens sollten Gläubige dankbar sein für den Frieden und die Einheit, die wir seit unserer Erlösung mit Gott genießen (Römer 5,1).

Paulus sagt, dass wir an Christus Glaubenden mit Christus vereint sind und nun in ihm sind, in Einheit mit ihm – und sein Geist wohnt in uns (Römer 7,4; 8,9). Gläubige haben Frieden mit Gott, sind mit Christus vereint und haben Gemeinschaft mit unserem Schöpfer und Erlöser. Es ist ein großes Geheimnis, dass wir eine solche Vertrautheit mit Gott haben dürfen.

Drittens sollten Gläubige dankbar sein für den neuen Bund, der zu unserer Sicherheit und zu unserem Segen geschlossen wurde (vgl. Lukas 22,20; 1. Korinther 11,25; Hebräer 9,15).

Wir leben nicht mehr unter dem alten Bund, in dem Gott hinter dem Vorhang wohnte. Jetzt haben wir den neuen Bund, der auf besseren Verheißungen gegründet ist und nicht durch das Blut von Stieren und Ziegen, sondern durch das Blut des menschgewordenen Sohnes Gottes besiegelt wurde. Dieser Bund wurde zu unserer Sicherheit und zu unserem Segen geschlossen und gibt uns durch Christus unmittelbaren Zugang zu Gott. Der Verfasser des Hebräerbriefes erinnert uns daran, dass wir durch den neuen Bund den Herrn kennenlernen und in den Segen von ewigen Verheißung kommen, die niemals gebrochen werden können, weil Christus sie für uns aufrechterhält (Hebräer 8,11). Die Kindesbeziehung der Glaubenden zu Gott ist ewig gesichert durch diesen »neuen Bund in seinem Blut«.

Viertens sollten Gläubige dankbar sein für die Freiheit, die wir in Christus unter dem neuen Bund haben.

Mit diesem Bund kommt auch wahre Freiheit (Galater 5,1)! Die an Christus Glaubenden sind nicht länger an Vorbilder und Schattenbilder gebunden, die nur andeuteten, was kommen würde! Stattdessen haben wir als gegenwärtigen Besitz die Freiheit, einander durch den Heiligen Geist in Liebe zu dienen. Dieser Geist schenkt uns wahre Freiheit (Galater 5,13). Alle, die Christus nachfolgen, werden »die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen«; und, was die Verknechtung unter die Sünde angeht, gilt nun: »Wenn nun der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein.« (Johannes 8,31.36).

Schließlich sollten Gläubige dankbar sein für die unbegrenzten Segnungen, die wir in Christus haben. Paulus sagt uns erneut, dass wir diese Segnungen jetzt (Epheser 1,3) und in Zukunft (Epheser 2,7) haben.

Gott hat die an Christus Gläubigen als heiliges Volk, als sein Eigentumsvolk, eingesetzt. Und unsere Teilhabe an diesem Volk und Bund, mit Gott als unserem Retter, Herrn und König, ist der Grund zur größten Dankbarkeit. Vor über 3.000 Jahren erklang schon ein solcher Aufruf mit vielfachem »Lasst uns!«:

Kommt, lasst uns dem Ewigen zujubeln, 
lasst uns zujauchzen dem Felsen unseres Heils!
Lasst uns ihm entgegengehen mit Lob, 
lasst uns mit Psalmen ihm zujauchzen!
Denn ein großer Gott ist der Ewige, 
und ein großer König über alle Götter…
Kommt, lasst uns anbeten und uns niederbeugen, 
lasst uns niederknien vor dem HERRN, der uns gemacht hat!
Psalm 95,1–3a.6

Und nächstes Jahr? Lasst uns diese Zeit in Familie und christlicher Gemeinde besonders nutzen, um uns miteinander vor Gott über diese wunderbaren Geschenke seiner Gnade dankend zu freuen! – Mit oder ohne Truthahn!

God of Our Fathers

  1. God of our fathers, whose almighty hand
    Leads forth in beauty all the starry band
    Of shining worlds in splendor through the skies,
    Our grateful songs before Thy throne arise.
  2. Thy love divine hath led us in the past,
    In this free land by Thee our lot is cast;
    Be Thou our ruler, guardian, guide and stay,
    Thy Word our law, Thy paths our chosen way.
  3. From war’s alarms, from deadly pestilence,
    Be Thy strong arm our ever sure defense;
    Thy true religion in our hearts increase,
    Thy bounteous goodness nourish us in peace.
  4. Refresh Thy people on their toilsome way,
    Lead us from night to never-ending day;
    Fill all our lives with love and grace divine,
    And glory, laud, and praise be ever Thine.

Daniel C. Roberts, 1876 (vgl. 2. Chronik 20,6; 1. Timotheus 2,1–4)

Verdeutscht in etwa:

Gott unsrer Väter

  1. Gott unsrer Väter, deine starke Hand
    führt all die Sterne durch des Himmels Land;
    Welten erstrahlen herrlich, wunderbar –
    Dank, Lob und Ehre bringen wir dir dar.
  2. Dein treues Lieben führte uns bisher,
    du gabst uns Heimat, Freiheit, Schutz und Ehr.
    Sei Herr und Hüter, Führer allezeit;
    dein Wort sei Richtschnur, deine Wege unsre Seligkeit.
  3. Vor Krieges Schrecken, Seuche, schlimme Not
    schütz uns dein starker Arm, o Herr und Gott.
    Lass wahren Glauben wachsen mehr und mehr;
    schenk Frieden uns aus deiner Güte, Herr.
  4. Stärk du dein Volk auf mühevollem Pfad,
    führ aus Nacht zum Tag, der kein Ende hat.
    Erfüll das Leben ganz mit Lieb und Gnad;
    dir Ruhm und Ehre, Lob in Ewigkeit!

Quellen

Bildquelle: Jennie Augusta Brownscombe (1850-1936: Thanksgiving in Plymouth, Öl auf Leinwand, 1925; im National Museum of Women in the Arts, Washington, D.C. (USA). Das Bild wurde beschnitten. Link: https://nmwa.org/art/collection/thanksgiving-plymouth/

Textquellen: Robert „Robb“ E. Brunansky, A Call For Sincere and Humble Thanks. Post (thecripplegate.com/a-call-for-sincere-and-humble-thanks/) vom 25.11.2025, abgerufen am 25.11.2025 (adaptiert und mit eigener Übersetzung).

o.V., Thanksgiving Day. https://www.britannica.com/topic/Thanksgiving-Day, abgerufen am 25.11.2025 (adaptiert und mit eigener Übersetzung).

Georg Washington. Wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/George_Washington, abgerufen am 25.11.2025.

2024: Ein Jahr der Heiligung durch Gottes Wort

von Robb Brunansky, 3. Januar 2024

Das neue Jahr steht vor der Tür, und ich hoffe, dass wir uns für 2024 vorgenommen haben, uns in Gottes Wort zu vertiefen. In der gesamten Kirchengeschichte haben Christen, die der Heiligen Schrift mächtig waren, systematisch Jahr für Jahr in der Heiligen Schrift gelesen. Ein neues Jahr ist eine großartige Gelegenheit für einen Neuanfang, und deshalb sollten wir alle ermutigt werden, fleißig und diszipliniert in der Bibel zu lesen.

Zunächst sollten wir zwei falsche Beweggründe für das Lesen des Wortes Gottes bedenken. Wir dürfen die Bibel nicht einfach nur lesen, um Informationen anzuhäufen. Es gibt Millionen von unerweckten Menschen in Bibelstudien, Kirchen, Universitäten und Seminaren, die Gott nicht kennen und durch ihr Studium nicht im Geringsten verändert worden sind. Wir sollten die Bibel auch nicht einfach als eine weitere Aufgabe auf unserer täglichen Aufgabenliste lesen. 

Wenn wir über das Bibelstudium und das Bibellesen im Jahr 2024 nachdenken, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir zwar jeden Tag die Lektüre abhaken, aber keinen Nutzen aus unserer Zeit im Wort Gottes ziehen können. Deshalb müssen wir an die Bibel herangehen, nicht als ob wir etwas für Gott tun, indem wir sein Wort lesen, sondern als Menschen, die danach hungern, dass er etwas in uns tut. Das Ziel des Bibellesens ist Heiligung, Verwandlung und Wachstum in der Heiligkeit.

Die Worte Jesu in Johannes 17,17 helfen, diese Wahrheiten in unserem Bewusstsein zu festigen. Hier betete Jesus: »Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit«. Dies ist eine wunderbare Bitte, die Jesus an den Vater richtet. Er bittet den Vater, alle Gläubigen in der Wahrheit zu heiligen, welche er mit dem Wort Gottes gleichsetzt. Es gibt drei Dinge, über die wir nachdenken sollten, wenn wir diese Bitte unseres Herrn betrachten.

1  Zunächst sollten wir die Bedeutung der Heiligung betrachten

Auf der grundlegendsten Ebene bedeutet Heiligung, abgetrennt und heilig gemacht zu werden. Zum Beispiel sollte der Sabbat im Alten Testament heilig sein. Auch Menschen konnten heilig sein, wie wir in Jeremia 1,5 lesen: »Bevor ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Zum Propheten an die Nationen habe ich dich bestellt«. Das Wort »geheiligt« hat die Bedeutung von „abgesondert sein“. Jeremia war für den Dienst an Gott als Prophet für die Völker bestimmt und abgesondert, bevor er überhaupt geboren wurde. 

Die Bedeutung von Heiligung macht deutlich, dass es sich sowohl um eine feste Stellung als auch um einen fortschreitenden Prozess handelt. Man kann sagen, dass ein Mensch geheiligt ist, während er gleichzeitig noch geheiligt wird. Gott sondert Menschen für seinen eigenen Gebrauch aus und diese Menschen wachsen allmählich in ihrer Nützlichkeit für Gott, wenn sie lernen, seinen Charakter nachzuahmen, indem sie zeigen, dass sie Gott gehören. Sie tun dies durch den Glauben, der sich in einem durch Liebe motivierten Gehorsam ausdrückt. Wenn wir die Heilige Schrift studieren, stellen wir fest, dass Heiligung auf diese Weise beschrieben wird. 

Heiligung ist nicht etwas, das nur äußerlich ist, und ist auch nicht nur eine Veränderung unseres Verhaltens. Menschen, die nicht für Gott ausgesondert sind – Ungläubige – erfüllen die Begierden ihres alten Wesens und leben für ihre eigenen egoistischen Wünsche. Glaubende hingegen lassen ihr Leben nicht von denselben Begierden beherrschen. Sie kämpfen immer noch mit den ungöttlichen Begierden, die wir verleugnen sollen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass im Glaubenden neue Begierden auftauchen und wachsen, nämlich Gott zu gefallen, den Willen Gottes zu tun, die Ehre unseres Herrn Jesus Christus zu suchen und zum Wohl anderer zu leben und die Gnade unseres Gottes zu verherrlichen.

2  Zweitens: Verstehen Sie den Prozess der Heiligung.

Heiligung ist Gottes gnädiges Wirken in unserem Leben. Keiner verdient es, von Gott geheiligt zu werden. Wir haben in uns selbst keinen Anspruch Gott gegenüber, mit dem wir zu ihm kommen und verlangen könnten, dass er uns heilige. 

Die Tatsache, dass die Heiligung ein Werk Gottes ist, wird im gesamten Neuen Testament hervorgehoben und allen drei Personen des dreieinigen Gottes zugeschrieben. In 1. Thessalonicher 5,23 heißt es: »Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde untadelig bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.« Die Heiligung wird in Epheser 5,26 auch Jesus Christus zugeschrieben, wo es heißt: »damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort«. Außerdem sehen wir in 2. Thessalonicher 2,13, dass der Heilige Geist uns heiligt. Paulus schreibt: »Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit«. Der dreieinige Gott ist bei unserer Heiligung am Werk. 

Das bedeutet nicht, dass wir bei unserer Heiligung rein passiv bleiben dürften. Die Heilige Schrift ist voll von Geboten, Gott zu gehorchen, uns zu reinigen, uns der Ungerechtigkeit zu enthalten, die Unzucht zu fliehen, gottlose Begierden zu verleugnen, der Gerechtigkeit und der Frömmigkeit nachzujagen. Uns wird gesagt, dass wir unser Heil mit Furcht und Zittern bewirken (o. hervorbringen; Philipper 2,13) sollen. Wir müssen jedoch immer daran denken, dass wir, selbst wenn wir uns mehr als alle anderen anstrengen und eine Heiligkeit erlangen, die alle anderen Sünder übertrifft, dies nur der Gnade und Macht Gottes in unserem Leben zu verdanken ist und nicht unserer Kraft, Macht oder Anstrengung. 

Wie heiligt Gott uns? Heiligung hat zwei Bedeutungen: die eine geschieht bei der Bekehrung und ist ein einmaliges Ereignis, die andere schreitet im Laufe unseres Lebens voran. Beide Aspekte der Heiligung geschehen durch die Wahrheit von Gottes Wort

Gott heiligt uns zunächst durch die Wahrheit seines Wortes, setzt uns für sich selbst zur Seite. Wir wissen, dass der Glaube durch das Hören der Verkündigung kommt und die Verkündigung durch das Wort Gottes (Römer 10,17). Oder wie Jakobus es ausdrückt: »Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien« (Jakobus 1,18). Petrus sagt dasselbe in 1. Petrus 1,23, wo er schreibt: »die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes«.

Die fortschreitende Heiligung geschieht auf dieselbe Weise wie unsere Bekehrung: durch Gottes Wort. Der Geist Gottes benutzt das Wort Gottes, um uns heiliger zu machen. Neben Johannes 17,17 steht eine der klarsten Aussagen in diesem Sinne in Apostelgeschichte 20,32, wo Paulus, als er die Ältesten von Ephesus zum letzten Mal verließ, sagte: »Apostelgeschichte 20:32 (ELB03) Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das vermag, aufzuerbauen und das Erbe zu geben unter allen Geheiligten«. Paulus war sich sicher, dass die Epheser im Wort Gottes alles hatten, was sie brauchten, um den Wettlauf stark zu beenden.

Einige der beliebtesten Verse zu diesem Thema finden sich im Psalm 119, wo uns ein wunderbares Zeugnis für die Macht des Wortes Gottes bei der Heiligung gegeben wird. In Versen 104f sagt der Psalmist: »Aus deinen Vorschriften empfange ich Einsicht; darum hasse ich jeden Lügenpfad. Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad.« Beachten Sie, dass der Mensch, der im Glauben zu Gottes Wort kommt, Verständnis für Wahrheit, Gerechtigkeit, Recht, Weisheit, Heiligkeit, Sünde und Errettung erlangt. Das Wort Gottes zieht uns zu sich, indem es uns die Wahrheit offenbart, und der Geist Gottes wirkt in unseren Herzen. Wir wollen keine Lügen, keine Philosophien der Welt und keine Ratschläge der Gottlosen; wir wollen nur die Wahrheit.

3  Schließlich müssen wir den Prozess der Heiligung anwenden. 

Wie lesen wir die Bibel so, dass Gottes Kraft uns durch sein Wort verwandelt? Fünf Hinweise:

Erstens: Wertschätzen Sie das Wort Gottes. Wenn wir durch Gottes Wort verändert werden wollen, müssen wir es lieben und uns daran erfreuen. Es ist ein Wunder, dass der ewige Gott uns überhaupt etwas offenbart, geschweige denn eine so vollständige und umfassende Offenbarung seiner selbst in seinem Wort gibt!

Zweitens: Lesen Sie Gottes Wort unter Gebet. Beim Lesen sollten wir in einem Geist des Gebets sein und den Heiligen Geist bitten, unsere Herzen zu prüfen, unsere Sünde aufzudecken und uns in unseren Entmutigungen und Nöten zu trösten. 

Drittens: Lesen Sie Gottes Wort im Glauben. Die Verheißungen Gottes gehören uns alle in Christus Jesus, so dass wir glauben, vertrauen und in seinen Worten ruhen können.

Viertens: Lesen Sie Gottes Wort in Demut. Wir können Gottes Wort nicht so verändern, dass es das sagt, was wir wollen. Vielmehr wir müssen das, was es sagt, ohne Rücksicht auf unsere eigenen vorgefassten Meinungen annehmen. 

Fünftens: Lesen Sie das Wort Gottes mit dem Wunsch, ihm zu gehorchen. Wir kommen nicht zum Wort, um bloß Informationen zu erhalten, sondern vielmehr, um verwandelt zu werden! Wir müssen das Wort Gottes mit dem Willen lesen, es zu befolgen. 

Wenn wir das Wort mit diesen Prinzipien im Hinterkopf lesen, wird Gott treu in uns wirken und uns durch sein Wort heiligen. Werden wir treu sein und jeden Tag demütig und treu zu Gottes Wort kommen, mit einem Herzen, das nach Heiligkeit verlangt? Ich bete, dass dies unser Herzenswunsch ist, während wir ein weiteres Jahr beginnen, das der Herr uns so gnädig geschenkt hat. 

Ein frohes neues Jahr!

Denn sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, sind alle von einem ; um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen. (Hebräer 2,11 ELBCSV)

Quellen & Disclaimer

Text adaptiert von: Robb Brunansky: 2024: A Year of Sanctification Through God’s Word, thecripplegate.com, 3. Januar 2024 (https://thecripplegate.com/2024-a-year-of-sanctification-through-gods-word/; 03.01.2024); übersetzt von Grace@logikos.club.

Bild BiZkettE1 auf Freepik, adaptiert und modifiziert durch logikos.club.
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Wer Dank opfert, der preiset mich (Andacht)

Wer Lob [o. Dank] opfert, verherrlicht mich,
und wer seinen Weg einrichtet,
ihn werde ich das Heil Gottes sehen lassen.

Psalm 50,23

Wenn wir als Kinder etwas geschenkt bekamen, wurden wir immer wieder von den Eltern gefragt: „Und wie sagt man?“ – Ja, und dann erwarteten sie, dass wir artig „Danke!“ sagten. Wenn wir etwas haben wollten, dann hieß es manchmal: „Und wie heißt das Zauberwort?“ Dann wussten wir, dass wir das entscheidende Wörtlein „Bitte!“ vergessen hatten. Bitten und Danken – das wollten uns unsere Eltern schon ganz früh beibringen. Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar.

Manche Leute können nicht danken. Sie nehmen alles als selbstverständlich hin: Selbstverständlich sind sie zu beschenken und zu bedienen! Und so verarmen sie immer weiter. Wenn wir jemandem danken, dann realisieren wir, dass wir etwas empfangen haben, dass ein anderer uns etwas gegeben hat. Im Danken anerkennen wir, dass wir Empfangende sind und dass es einen Geber gibt, dem wir Dank schulden. Danken macht froh! 

Das hat auch die Psychologie entdeckt. Ein amerikanischer Forscher[1] bat Menschen in einer Studie darum, jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, für die sie dankbar sein konnten. Sechs Monate später waren diese Personen nachweislich fröhlicher und weniger gestresst und niedergeschlagen als die der Kontrollgruppe. Bibelleser wissen dies schon lange! Hoffentlich! Wenn wir im Abendgebet nicht mindestens drei Sachen anführen können, für die wir Gott dankbar sind, dann kranken wir. Dankbarkeit kann man erlernen.

Meine Eltern wussten aus Gottes Wort auch, dass Undankbarkeit Sünde gegen Gott ist. Im Römerbrief Kapitel 1 erklärt der Apostel Paulus, dass die Menschen im Gericht Gottes „ohne Entschuldigung [sind/seien], weil sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten“ (1:20-21). Gott hat als Schöpfer jedem Menschen das Leben und viele weitere Zusatzgaben geschenkt, also höchste Gaben. Er hat zudem jedem Glaubenden als Retter die Errettung und ewiges Leben geschenkt. Das ist unfassbar viel und wertvoll.

Gegenüber diesem Gott je undankbar zu sein, kann sich kein Glaubender und keine Gemeinde Gottes vorstellen, denn sie kennen die große Gabe(n) Gottes! Schon vor über 3.000 Jahren rief der Levit Asaph, ein Chorleiter unter David (1. Chronik 15,17ff; 16,7–36), das Volk Gottes auf, Gott Lob und Dank zu bringen. Er erklärt ihnen, dass sie Gott mit all ihren Opfertieren nicht reicher machen könnten, weil Gott sowieso „alles Getier des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen“ (Psalm 50,10) gehört. Dann ruft er ihnen zu: „Opfere Gott Lob!“ (Psalm 50,14). Im Schlussvers dieses Psalms erklärt er, warum. Da steht: „Wer Lob opfert, verherrlicht mich“ (50,23a). Das ist das Thema dieser Besinnung.

Gemeinsam Dank opfern in der christlichen Gemeinde

Der Schreiber des Hebräerbriefes fordert 1.000 Jahre nach dem Chorleiter Asaph die Christusglaubenden auf: „Durch ihn [das ist Christus, s. V. 12] nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“ (Hebräer 13,15). Eine gesunde, vom Geist Gottes bewegte Gemeinde ist davon gekennzeichnet, dass sie beständig („stets“) Gott Lob- und Dankopfer bringt, Ihn also durch ihr gemeinsames Gebet und Lied erhebt und verherrlichtEs möge keine Woche vergehen, ohne dass die Gemeinde sich versammelt zum Namen Jesu und durch Jesus Gott Opfer des Lobes darbringt. Und genau das wollen Glaubende als reich Beschenkte doch! Wir brennen darauf, miteinander Gott zu erheben im Lied und Gebet. Unser Herz ist voller Dankbarkeit. Und so erheben wir den Herrn miteinander. Und gehen nach dem Gottesdienst beglückt hinaus, weil unsere Seelen im Lob Gottes fröhlich geworden sind.

Gerettetsein macht dankbar

Asaph schrieb im Psalm 50 in genialer Kürze und Trefflichkeit auf, wie wir zu Anbetern Gottes wurden, siehe Vers 15: „Rufe mich an am Tag der Bedrängnis: Ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!“ Drei Dinge sind es, die er hier sagt: (1) Du erkennst, dass Du in einer großen Not, einem „Tag der Bedrängnis“, steckst. Du wendest Dich im Glauben an Gott und rufst zu Ihm in der Not. Das ist das Beste, was Du tun kannst. Und dann folgt (2): Gott sagt: „Ich will dich erretten!“ Er will es! Glaubst Du dies? Ja, wir werden aus manch großer Not gerettet, vor allem aus der größten Not des Menschen: dass Gottes Zorn wegen unserer Sünden über uns schwebt und das ewige Verderben auf uns wartet. Viele von uns haben daher zum Herrn gerufen und Er hat uns gerettet. Aber wie sieht es dann mit dem Punkt (3) aus: „Und du wirst mich verherrlichen“?

Das ist das Ziel aller Bedrängnisse, die wir hier auf Erden erleben: Wir sollen unsere Not erkennen, zugeben und Gott um Rettung anrufen – und dann nicht stehenbleiben, sondern im Glauben Gott aus ganzem Herzen danken und Ihn im Lob erheben.

Wer weiß, von was er gerettet wurde, kann nicht anders, als den Retter anzubeten

Vor ca. 300 Jahren (1726) schrieb Johann Sebastian Bach eine Kirchenmusik für den 14. Sonntag nach Trinitatis (22.09.1726), und zwar die Kantate „Wer Dank opfert, der preist mich“ (BWV 17). Zur Lesung an jenem Sonntag im Kirchenjahr gehörte die Begebenheit in Lukas 17,11–19, die Heilung der 10 Aussätzigen. Der Herr Jesus hatte alle 10 geheilt, aber nur einer war zurückgekommen:

Einer aber von ihnen, als er sah, dass er geheilt war, kehrte zurück und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und er war ein Samariter. 
Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn gereinigt worden? Wo sind aber die neun? Sind keine gefunden worden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremden? Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin; dein Glaube hat dich gerettet.“ (Lukas 17,15-19). 

Diese 10 Männer hatten alle Aussatz, vielleicht Lepra. Aussatz ist eine schlimme Krankheit. Aussätzige waren gesellschaftsunfähigin beständiger Quarantäne, da ihre Krankheit ansteckend und tödlich war. Ihr Leib verfaulte nach und nach, der Tod kam in Raten, aber er kam sicher. Sie mussten „Unrein, unrein!“ ausrufen, wenn andere Menschen ihnen begegneten, damit diese einen großen Bogen um sie machen konnten. „Social distancing“ gab es auch damals schon! Es gab keine Medizin dagegen. Ihr Fall war hoffnungslos

Aber dann kam der Herr Jesus Christus und heilte die Zehn. Von dieser Seuche geheilt zu werden, war das größte Glück. Aber nur einer kommt zurück. Warum nur einer? Und dann auch noch ein von den Juden verachteter Samaritaner? Vers 19 deutet es an: Er hatte Glauben. Es ging nämlich nicht nur um diese schreckliche äußerliche Krankheit, es ging um die viel schrecklichere innere Krankheit jedes Menschen: die Sünde. Auch die macht gesellschaftsunfähig, ist ansteckend und bringt uns Stück um Stück unausweichlich in den ewigen Tod.

Der Herr Jesus reinigte diese 10 Aussätzigen und so wurden sie geheilt. Einer von Ihnen geht zum Retter zurück. Wir lesen: Er „verherrlichte Gott mit lauter Stimme“, „er fiel aufs Angesicht zu seinen [Jesu] Füßen und dankte ihm“. Der Herr Jesus sagt, was das bedeutete: Er hatte Gott Ehre gegeben, Ihn auf den Knien verehrt, d. h.: angebetet. Ein von der Sünde Geretteter kann gar nicht anders, als vor seinem Retter auf die Knie zu fallen und ihm Lobpreis, Dank und Anbetung zu bringen. Es ist unsere ewige Pflicht und unserer äußerstes Vergnügen, dies als Glaubende und Gerettete miteinander tun zu dürfen!

Im zweiten Teil der erwähnten Bachschen Kantate für den gemeinsamen Gottesdienst singt der Tenor von allen Streichern unterstützt eine dreiteilige Aria mit folgendem Text:

Welch Übermaß der Güte / Schenkst du mir!
Doch was gibt mein Gemüte / Dir dafür?
Herr, ich weiß sonst nichts zu bringen, 
Als dir Dank und Lob zu singen.

Nie soll der Dank, das Lob und die Verherrlichung Gottes in den Häusern und Versammlungsstätten der an Christus Glaubenden verarmen oder verstummen! Nie soll er an zweite oder dritte Stelle zurückgedrängt werden! Lasst uns mit frisch gereinigten und wohl gestimmten Herzen miteinander Gott dieses Opfer unserer Lippen geben, das Er verdient hat (Hebräer 13,15; vgl. Hosea 14,(2)3; Psalm 107,1.8.15.21f.31f; 116,17).

Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen,
das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. (Hebräer 13,15)

Ihm danken wir, Ihn erheben wir! Mit Blick auf den Herrn Jesus, unseren großen Herrn und Retter, lasst uns miteinander wie Paulus beten:

Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe! (2. Korinther 9,15).

Das muss man besingen!

Ach, wer kann Dich würdig loben,
Großer Gott von Ewigkeit!
Was auf Erden und was droben,
Zeugt von Deiner Gütigkeit.
Du, Du bist des Lobes wert;
Selig, wer Dich preist und ehrt!

Wer kann Deine Lieb‘ ergründen,
Deine Gnade, Deine Huld!
Gabst den Sohn für unsre Sünden,
Sprachst uns frei von aller Schuld.
Du, Du bist des Lobes wert;
Selig, wer Dich preist und ehrt!

Wer kann Deine Größe nennen
Und Dein Wundertun verstehn!
Wer kann, wie Du bist, Dich kennen
Und in Deine Tiefen sehn!
Ja, Du bist des Lobes wert;
Selig, wer Dich preist und ehrt!

(Autor unbekannt)


[1] Martin E. P. Seligman (*1942) lehrt an der University of Pennsylvania, Philadelphia. Seine Forschungsschwerpunkte sind Depression, Optimismus, Positive Psychologie. Vgl. auch: Harvard Health Publishing (Harvard Medical School): Giving thanks can make you happier (14. August 2021) [20.12.0223].