Warum die »Gute Nachricht« wahrhaft gut ist (B. Peters, 2008)

In Römer 10,15 zitiert Paulus folgende Worte des Propheten Jesaja:

Wie lieblich sind die Füße derer, welche das Evangelium des Friedens verkündigen, welche das Evangelium des Guten verkündigen!

Das Evangelium heißt hier »Evangelium des Guten«. Paulus nennt das Evangelium ferner:

  • Evangelium Gottes (Römer 1,1; 15,16; 2Korinther 11,7; 1Thessalonicher 2,2.8.9; s. a. 1Petrus 4,17)
  • Evangelium Seines Sohnes (Römer 1,9)
  • Evangelium des Christus (Römer 15,19; 1Korinther 9,12; 2Korinther 9,19; 10,14; Galater 1,7; 1Thessalonicher 3,2; Philipper 1,27)
  • Evangelium der Herrlichkeit Christi (2Korinther 4,4)
  • Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes (1Timotheus 1,11)
  • Evangelium der Gnade Gottes (Apostelgeschichte 20,24)
  • Evangelium eures Heils (Epheser 1,13)
  • Evangelium des Friedens (Epheser 6,15)

Ausgehend von diesen verschiedenen Bezeichnungen des Evangeliums gibt es acht verschiedene Gründe, warum das Evangelium gut zu nennen ist:

  1. Es kommt von Gott: »das Evangelium Gottes« (Römer 1,1)
  2. Es ist Gottes Kraft zum Heil: »das dem Fleisch unmögliche tat Gott« (Römer 8,3)
  3. Es offenbart Gottes Gnade: »das Evangelium der Gnade Gottes« (Apostelgeschichte 20,24)
  4. Es offenbart Gottes Gerechtigkeit (Römer 1,17)
  5. Es offenbart Gottes Herrlichkeit: »das Evangelium der Herrlichkeit des glückseligen Gottes« (1Timotheus 1,11)
  6. Es zeugt von Gottes Sohn: »das Evangelium über Seinen Sohn« (Römer 1,3)
  7. Durch dasselbe wirkt Gott, der Heilige Geist (1Thessalonicher 1,5)
  8. In ihm bekommt Gott alle Herrlichkeit und Ehre (Römer 11,36).

Alle diese Gründe machen uns deutlich, dass beim Evangelium Gott die Hauptsache ist, nicht der Mensch. Genau das ist es, was das Evangelium zur guten Botschaft macht. Und genau darin liegt die verlorene Glückseligkeit des Menschen: Dass Gott wiederum den Rang bekommt, der Ihm zusteht. Der Mensch ist im Heil nichts, Gott ist alles. Das ist die Wahrheit, die uns frei macht; frei vom Wahn, etwas zu sein, wo wir doch nichts sind (Galater 6,3). Das ist die Wahrheit, die durch die Lüge der Schlange ins Gegenteil verkehrt worden ist: Der Mensch könne sein wie Gott (1Mose 3,5). Am Ende der Tage wird es so sein, dass der Mensch den Platz eingenommen haben wird, der Gott allein zusteht. Das hat Paulus mit folgenden Worten angekündigt:

Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, der widersteht und sich erhöht über alles, was Gott heißt oder verehrungswürdig ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei. (2Thessalonicher 2,3–4)

Das Buch der Offenbarung bestätigt die Ankündigung des Apostels. Die Religion des endzeitlichen Menschen ist die Anbetung des Menschen (Offenbarung 13,4.15.18). Je näher wir diesem Ende kommen, desto heftiger reißt der Zeitgeist an der Gemeinde der Gläubigen, um sie hineinzuziehen in diesen Strom. Um so entschiedener müssen wir daher die Wahrheit hochhalten, dass die Gute Nachricht in nichts anderem besteht, als dass Gott alles ist, Gott alles wirkt und Gott alle Ehre bekommt. Werden diese Wahrheiten abgeschwächt, sind wir in Gefahr, abzufallen. Werden sie unterschlagen, sind wir schon abgefallen, oder, wie Petrus sagt »aus unserer Festigkeit gefallen« und »durch den Irrwahn der Ruchlosen mitfortgerissen« worden (2Petrus 3,17).

Das Evangelium befreit uns für Gott und Seinen unumschränkten Willen. Über die eigentliche Bedeutung des Dienstes von Johannes Calvin sagte ein französischer Biograph:

Die Umwälzung, die der Genfer Reformator durch sein Wirken auf geistlichem Gebiet hervorgerufen hat, wurde bisweilen mit der Revolution verglichen, die Kopernikus zur gleichen Zeit– durch seine astronomischen Entdeckungen im physikalischen Weltbild herbeigeführt hat. Vor Kopernikus glaubte man im allgemeinen, die Sonne drehe sich um die Erde, die im allgemeinen für den Mittelpunkt der Welt gehalten wurde. In seinem berühmten Buche »Über die Umdrehung der Himmelskörper« (De Revolutionibus orbium coelestium libri VI, 1543) hat der gelehrte Astronom nachgewiesen, daß es sich, im Gegensatz zu der bisherigen Ansicht, umgekehrt verhalte und die Erde sich um die Sonne drehe. Das ganze Weltbild wurde dadurch verändert.
In ähnlicher Weise hat der Reformator der Frömmigkeit den herkömmlichen Mittelpunkt weggenommen, der für den damaligen religiösen Menschen die eigene Seele mit ihren Bedürfnissen und Regungen war. Er hat statt dessen dem Glaubensleben seine eigentliche Mitte wiedergegeben, nämlich Gott. (Jean Cadier: Calvin. Der Mann, den Gott bezwungen hat. Zollikon: Evang. Verlag, 1959.)

1 Das Evangelium ist gut, denn es kommt von Gott

Darum heißt es »das Evangelium Gottes« (Römer 1,1).

  1. Schon die bloße Tatsache, dass das Evangelium von Gott kommt, bedeutet, dass es gut ist. Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, von dem Vater der Lichter (Jakobus 1,17). Alles, was Gott gibt, ist gut, denn Gott ist gut, ja, Gott allein ist gut (Markus 10,18). Außer Ihm gibt es kein wirklich Gutes – d. h. bleibend Gutes und vollkommen Gutes.
  2. »Evangelium Gottes« bedeutet, dass es die Botschaft Gottes ist; in ihm spricht Gott. Wenn es gelehrt und verkündigt wird, ergeht Gottes Stimme, die Macht hat, die Toten zu erwecken (Johannes 5,25), Zedern zu knicken oder Hirschkühe zum Werfen zu bringen (Psalm 29).
  3. Drittens bedeutet es, dass das Evangelium nicht von Menschen ausgedacht, sondern von Gott offenbart worden ist (1Korinther 2,9.10). Damit gehört das Evangelium Gottes auch Gott, und darum dürfen wir es nicht antasten, indem wir es verkürzen (vgl. Apostelgeschichte 20,27) oder verändern (siehe Galater 1,8.9).

2 Das Evangelium ist gut, denn es ist Gottes Kraft zum Heil

Kommt das Evangelium von Gott, dann richtet es auch das aus, was Gott will: Es rettet den Sünder, indem es ihn aus dem Dunkel ins Licht, aus dem Tod ins Leben, aus der Gottesferne zu Gott bringt (1Petrus 3,18). Das aber ist das Höchste, das einem Menschen widerfahren kann. Wer wüsste Höheres und Besseres zu nennen, als zu Gott gebracht zu werden? Das verstehen wir, wenn wir auch verstanden haben, worin unser wirkliches Elend besteht: Wir haben Gott verlassen, wir haben Ihn verloren.

Als wir noch Sünder waren, gab Er Seinen Sohn für uns dahin (Römer 5,5). Der Sünder ist blind, d. h. er erkennt weder seine Not noch den, der allein seine Not wenden kann. Der Sünder ist ein Knecht der Sünde und dazu ein Feind des Lichts, d. h. er will die Wahrheit über Gott und über seinen wahren Zustand nicht hören. Er ist ein Feind Gottes; d. h. er will nicht mit Gott versöhnt werden. Der Sünder ist tot in Seinen Sünden. Das alles zeigt, dass im Menschen weder die erforderliche Erkenntnis noch das Vermögen noch der Wille da ist, gerettet zu werden. Darum muss Gott alles tun zur Errettung des Menschen. Genau das lehrt das Evangelium: Das dem Fleisch Unmögliche tat Gott (Römer 8,3).

Gott tat alles zur Errettung. Das nennen wir die Alleinwirksamkeit Gottes. Er fasste den Rat zum Heil (Epheser 1,4.11). Er sonderte Seinen Sohn aus, das Heil für Sünder zu wirken (Johannes 1,29). Er sandte den Sohn, Seinen Heilsrat zu erfüllen (Galater 4,4). Er erwählte uns in Christus (Epheser 1,4), Er berief uns am Tag unseres Heils, Er rechtfertigte uns, Er verherrlichte uns (Römer 8,30). Von Ihm her geschah es, dass wir nun in Christus Jesus sind, der uns geworden ist zur Weisheit von Gott und zur Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung (1Korinther 1,30).

Weil all das wahr ist, kann Paulus sagen: Das Evangelium ist Gottes Kraft zum Heil (Römer 1,16). Gottes Kraft übertrifft alles, darum müssen wir nicht versuchen, etwas zur Wirksamkeit des Evangeliums beitragen zu wollen. Wir können durch unsere menschlichen Versuche, es »anziehender« oder »akzeptabler« und damit »wirksamer« zu machen, nur verderben.

Adolph Zahn, reformierter Pfarrer in Elberfeld im 19. Jahrhundert, fasst mit folgenden Worten das Evangelium zusammen, wie er es von Wichelhausen, Theologieprofessor in Halle, empfing:

Der Mensch ohne Leben und Freiheit vor Gott, tot in Sünden, Gott allein frei und freimachend in souveräner Gnade. Und dies Licht dann über die ganze Schrift ausgegossen und so in der Schrift überall die scharfen und gewaltigen Gegensätze von Gott und Mensch gefunden: Er nicht wie wirund wir in steter Feindschaft gegen ihnDas gibt dann Klarheit für alle Kapitel und eine ebenso einfache wie oft tiefe und wahrhaft geistvolle Schriftauslegung. (Adolph Zahn: Von Gottes Gnade und des Menschen Elend, S. 44).

Wir hörten eben: »Darum muss Gott alles tun…«. Ja, Er muss alles tun, wenn es überhaupt Heil geben soll. Aber war Er genötigt, unser Heil zu beschließen und in der Fülle der Zeit zu wirken? Gewiss nicht. Er schuldete und schuldet dem Menschen nichts.

3 Das Evangelium ist gut, denn es offenbart Gottes Gnade

Darum heißt das Evangelium »das Evangelium der Gnade Gottes« (Apostelgeschichte 20,24). Gnade bedeutet dreierlei:

  1. Alles Heil geht von Gott aus
  2. Alles Heil geschieht durch Gott
  3. Alles Heil ist ganz unverdient. Gott gibt lauter Unwürdigen nur Gutes.

Die beiden ersten Wahrheiten haben wir bereits beleuchtet. Wir wollen jetzt einige Augenblicke bei der dritten Wahrheit verharren: Alles Heil ist ganz unverdient. Gott tut in der Errettung Gutes an Menschen, die nichts davon verdient haben. Im Gegenteil: Gott müsste uns alle verdammen.; Er müsste uns in die äußerste Finsternis werfen. Er müsste uns verstoßen. Er müsste uns für immer aus Seiner Gegenwart verbannen. – Er tut aber genau das Entgegengesetzte: Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind (Römer 8,1). Er liebt uns mit der gleichen Liebe, mit der Er Seinen Sohn geliebt hat (Johannes 17,26). Er nimmt uns an als Seine Kinder und nimmt uns auf in Sein Haus (Johannes 14,3). Er wird über Seinen Erwählten ewig leuchten (Offenbarung 22,5).

4 Das Evangelium ist gut, denn es offenbart Gottes Gerechtigkeit

Gottes Liebe relativiert nicht Gottes Licht. Gottes Gnade geschieht nicht auf Kosten der Gerechtigkeit. Gott handelt nicht so, wie wir Menschen, die manchmal Gnade vor Recht ergehen lassen, was gemeinhin als sehr löblich gilt. Nein, Gott lässt Gnade ergehen unter Wahrung vollkommenen Rechts. Das macht Seine Gnade so herrlich, denn das lehrt uns, dass die Gnade Gott sehr viel gekostet hat, Jja, sie hat Ihn alles gekostet, Seinen eingeborenen, Seinen geliebten Sohn.

Paulus sagt: »Gottes Gerechtigkeit wird darin [im Evangelium] offenbart“ (Römer 1,17).

Wir sagen meist, im Evangelium offenbare sich Gottes Liebe, und das stimmt natürlich (Römer 5,7). Aber was Paulus im Römerbrief als Erstes hervorhebt, ist die Gerechtigkeit Gottes, die sich im Evangelium manifestiert. Das ist das Wunder der Errettung und darin liegt die alles überstrahlende Schönheit des Evangeliums, dass es den Gott offenbart, der gerecht bleibt, während Er den Ungerechten rechtfertigt (Römer 3,25.26). Das geschieht dadurch, dass Christus unser Stellvertreter geworden ist (2Korinther 5,21). Er ist in zweifacher Hinsicht unser Stellvertreter: Er hat in Seinem Leben stellvertretend für alle Menschen alles erfüllt, was das Gesetz vom Menschen fordert. Dann hat Er in Seinem Tod alles erlitten, was das Gesetz an Strafen über den Gesetzesbrecher verhängt. So wurde Gottes Gerechtigkeit genüge getan, dass wir sagen können: Gottes Gerechtigkeit müsste uns verdammen, aber Gottes Gnade spricht uns frei.

Gottes Gerechtigkeit wurden im stellvertretenden Tod Seines Sohnes genüge getan, darum kann Gott dem Sünder gnädig sein, ihm die Sünden vergeben und ihm das Leben schenken und dabei doch gerecht bleiben

5 Das Evangelium ist gut, denn es offenbart Gottes Herrlichkeit

Darum heißt es »das Evangelium der Herrlichkeit des glückseligen Gottes« (1Timotheus 1,11).

Was meint Paulus mit dem nur hier und in 1Timotheus 6,15 verwendeten Ausdruck »der glückselige Gott«? Er sagt damit Folgendes: Gott ist in sich vollkommen glückselig; er ruht in vollkommenem Frieden; ihm fehlt nichts. Dennoch hat er einen Sünder, einen Verfolger der Heiligen, einen Feind des Lichts geliebt, gesucht und errettet.

  • Darin zeigt sich erst richtig die Größe der göttlichen Gnade.
  • Darin zeigt sich auch erst richtig die Größe der göttlichen Weisheit; denn wir fragen: Wie bringt Gott es nur fertig, einen Sünder zur Einsicht und zur Umkehr zu bewegen?
  • Darin zeigt sich die unumschränkte Kraft Gottes, der die Sünde und den Tod, Feindschaft und Misstrauen überwindet und ewiges Heil wirkt (Römer 1,16).

Auf diese Weise offenbart das Evangelium die Herrlichkeit Gottes. Was bedeutet »die Herrlichkeit Gottes«? Dieses: Die Gesamtheit Seiner Vollkommenheiten, Seine vollkommene Wahrheit, Weisheit, Macht, Gnade, Liebe, Heiligkeit und Gerechtigkeit. Gott ist Licht (1Johannes 1,5) und Gott ist Liebe (1Johannes 4,16).

6 Das Evangelium ist gut, denn es zeugt von Gottes Sohn

Darum heißt es »das Evangelium über Seinen Sohn« (Römer 1,3). Alles Gute, was Gott sich für den Menschen vorgesetzt hat, hat Er in Seinem Sohn gewirkt. Er ist die Mitte des Evangeliums. Durch Ihn geschieht alles.

  1. Er hat zunächst im und durch den Sohn geredet (Hebräer 1,1). In Ihm haben wir das unschätzbare Gut der vollkommenen und vollständigen Offenbarung aller Heilsgedanken Gottes (Johannes 1,1.9.14).
  2. Sodann hat Er im und durch den Sohn das Heil gewirkt: In Christus erwählt (Epheser 1,4), durch Sein Blut erlöst (Epheser 1,7), durch Seinen stellvertretenden Tod und durch Seine Auferstehung gerechtfertigt (Römer 4,25; 2Korinther 5,21); durch Ihn verherrlicht (Philipper 3,20–21); in Ihm ein ewiges, unvergängliches Erbe (Epheser 1,11).
    Darum predigten den Apostel Christus:
    • wer Er sei: Jesus von Nazareth;
    • was Er sei: wahrer Gott vom wahren Gott (Johannes 1,1–3); wahrer Mensch (Philipper 2,5);
    • wie Er sei: sündlos, rein, heilig (Hebräer 7,26; 1Petrus 1,18–19);
    • was Er getan hat.
  3. Darum heißt das Evangelium »das Evangelium der Herrlichkeit Christi« (2Korinther 4,4). Seine Vollkommenheiten werden im Evangelium kund: Seine Sündlosigkeit, Seine Gerechtigkeit, Seine Gnade, Seine Barmherzigkeit, Sein Liebe zu Gott, Seine Liebe zu den Seinen, Seine Liebe zu den Menschen. Der zweite Mensch ist alles; der erste Mensch ist nichts; der Mensch vom Himmel bleibt, der Mensch, der von der Erde ist, muss weichen (1Korinther 15,45-48).

7 Das Evangelium ist gut, denn durch dasselbe wirkt Gottes Geist

»die Dinge …, die euch jetzt verkündigt worden sind durch die, die euch das Evangelium gepredigt haben durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist« (1Petrus 1,12); »Denn unser Evangelium war nicht bei euch im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit« (1Thessalonicher 1,5).

Der Vater, der Sohn, der Heilige Geist, der dreieinige Gott, offenbart sich im Evangelium und wirkt durch das Evangelium. Der Vater hat den Heilsrat gefasst und den Sohn dazu bestimmt, ihn auszuführen. Der Sohn hat sich vom Vater senden lassen und hat all Sein Wohlgefallen erfüllt (Johannes 17,3). Das ist der Inhalt des Evangeliums, und wenn dieses gepredigt wird, wirkt Gott, der Heilige Geist. Er begleitet keine andere Botschaft als diese. Darum müssen wir zusehen, dass wir das Evangelium Gottes verkündigen, das Evangelium vom Sohn Gottes, das Evangelium der Gnade Gottes, das Evangelium, das die Apostel verkündigten. Denn ohne das Wirken des Heiligen Geistes gibt es keine Errettung. 

Wenn Gott mit der Sendung des Sohnes und der Niederschrift Seines Werkes aufgehört hätte zu wirken, wäre durch das Evangelium kein Mensch errettet worden. Darum sandten der Vater und der Sohn nach vollbrachtem Werk Seines Sohnes den Heiligen Geist, der Sünder überführt, Widerspenstige willig macht, in toten Herzen Glauben weckt und sie so zum Heiland und zum Heil führt. Wiederum müssen wir erkennen, dass in der Errettung Gott alles wirkt, von Anfang bis zum Schluss. Aber wir müssen auch erkennen, dass er die Mittel bestimmt hat, um diese Errettung zu wirken, und das ist nichts anderes als die Predigt des Evangeliums. Mit der Predigt des Evangeliums wirkt Gottes Geist.

9 Das Evangelium ist gut, denn in ihm bekommt Gott allein alle Ehre

»Denn von ihm
und durch ihn
und für ihn
sind alle Dinge;
ihm sei die Herrlichkeit
in Ewigkeit! Amen«.
(Römer 11,36).

Was Paulus als Ergebnis der im Evangelium gelehrten und durch dessen Kraft gewirkten Errettung bezeichnet –Gott allein alle Ehre–, wird auch als Ergebnis der großen alttestamentlichen Errettung deklariert. Das Buch Exodus (2Mose) endet damit, dass Gottes Herrlichkeit inmitten der Erlösten aufstrahlt und die Wohnung Gottes erfüllt (2Mose 40).

Jonathan Edwards (1703–1758)um wenige Jahre älterer Zeitgenosse George Whitefields, hielt am 8. Juli 1731 in Boston eine Predigt zu 1Korinther 1,29–31 unter dem Titel: »God Glorified in Man’s Dependence« (etwa: »Gott verherrlicht durch die Abhängigkeit des Menschen«). Darin sagte er unter anderem: 

»Es besteht eine absolute und umfassende Abhängigkeit der Erlösten von Gott. Das Wesen und die Gestaltung unserer Erlösung sind derart, dass die Erlösten in jeder Hinsicht direkt, unmittelbar und vollständig von Gott abhängig sind: Sie sind in allem von ihm abhängig und in jeder Hinsicht von ihm abhängig.« [1]

Endenoten

[1] »There is an absolute and universal dependence of the redeemed on God. The nature and contrivance of our redemption is such, that the redeemed are in every thing directly, immediately, and entirely dependent on God: they are dependent on him for all, and are dependent on him every way.« (Quelle: https://www.biblebb.com/files/edwards/JE-dependence.htm [27.12.2025])

Disclaimer: Dieser Vortrag wurde von Benedikt Peters (Arbon, CH) auf der Hirtenkonferenz 2008 gehalten und von grace@logikos.club zusammengefasst.

John MacArthur ist heimgegangen (1939–2025)

John Fullerton MacArthur, Jr. (* 19. Juni 1939; † 14. Juli 2025 in Los Angeles)

Mit Trauer und Hoffnung geben die Ältesten der Grace Community Church bekannt, dass Pastor John MacArthur nach 56 Jahren treuer Dienste nun zu Gott heimgegangen ist. Letzte Woche erkrankte Pastor John unerwartet an einer Lungenentzündung, und der Herr hat ihn am Montag, dem 14. Juli, zu sich gerufen. Dr. MacArthur wurde 86 Jahre alt.

Er hinterlässt seine Frau Patricia, mit der er 61 Jahre verheiratet war, vier Kinder, fünfzehn Enkelkinder und neun Urenkelkinder.

Für Millionen von Menschen, die durch den Mediendienst von Grace to You erreicht wurden, war Pastor John ein Prediger des Wortes Gottes. Für Zehntausende von Studenten war er der geliebte Präsident und Kanzler von The Master’s University. Für Tausende von Absolventen des The Master’s Seminary war er ein Verfechter der biblischen Auslegung. Für zahlreiche Gemeinden und Gemeindehirten im Ausland war er durch die The Master’s Academy International ein Verfechter der Wahrheit. Für seine Gemeinde war er unser lieber Pastor – ein furchtloser Führer in schwierigen Zeiten. Für seine Familie war er ein geliebter Ehemann, Vater, Großvater und Urgroßvater.

Im Mittelpunkt des Dienstes von Dr. MacArthur stand die unerschütterliche Verpflichtung, Gottes Wahrheit zu verkünden. Pastor John predigte das Wort zu jeder Zeit, ob gelegen oder ungelegen. Selbst in den letzten Jahren, obwohl er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, hielt er daran fest, zu lehren, zu führen und in die Dienste zu investieren, die der Herr ihm anvertraut hatte. Pastor John war ein Vorbild für wahre Standhaftigkeit gegenüber seinem Herrn Jesus, denn er glaubte, dass das Leben Christus ist und das Sterben Gewinn. Nachdem er den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt hatte, wurde Pastor John von seinem himmlischen Meister heimgerufen. Sein Glaube ist nun Wirklichkeit geworden; er ist bei seinem Herrn und hat die Worte gehört: „Wohl, du guter und treuer Sklave!“ (Mt 25,21).

Bitte betet mit uns für Pastor Johns Frau Patricia und seine Familie in dieser Zeit der Trauer, die mit ewiger Freude vermischt ist. Auch wenn unsere Herzen beschwert sind wegen dieses Verlustes, trauern wir nicht „wie die Übrigen, die keine Hoffnung haben“ (1Thess 4,13). Denn diejenigen, die in Christus sterben, gehören ihm, und er verliert keinen einzigen. Das ist die Hoffnung, die Pastor John in seiner letzten Predigtreihe über die Offenbarung verkündet hat: „Das würdige Lamm wird kommen und diese sündige Welt überwinden und für immer regieren. Und wir werden mit ihm regieren. Herrlichkeit über Herrlichkeit über Herrlichkeit. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich sage mit dem Apostel Johannes: ‚Ja, komm, Herr Jesus!‘“

Textquelle

https://gracechurch.org/news/posts/4230 (abgerufen 15.07.2025); eig. Übers. von grace@logikos.club. Bildquelle: © gracechurch.org, 2025. Alle Rechte beim Urheber.

Weitere Nachrufe

Nachruf seitens R. Albert Mohler Jr., Präsident des The Southern Baptist Theological Seminary SBTS in Louisville, KY (USA): A lion of the pulpit, now in Christ’s presence – The relentless expository passion of John F. MacArthur, Jr., 1939-2025 (hier).

Nachruf seitens des Vorstandes des Europäischen Bibel Trainings Centrums (EBTC), das unter der Leitung von John MacArthur 2001 in Berlin gegründet wurde: John MacArthur 1939 – 2025 (hier).

Ein Einwand gegen Gottes Souveränität, der sie beweist (Mike Riccardi)

In Römer 9 erörtert Paulus Gottes absolute Freiheit in seinen Heilsplänen. Er verwendet das Beispiel der Zwillinge Jakob und Esau und erklärt, dass Gottes Entscheidung für Jakob und gegen Esau nichts mit den beiden zu tun hatte. Vielmehr wählte Gott, „damit [sein] Vorsatz nach seiner Wahl bestehen bleibe“ (Römer 9,11b). Diese Wahl wurde „nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund dessen getroffen, der berufen hat“ (Römer 9,12a). Er fährt fort, dass die Erlösung „nicht von dem abhängt, der will oder der läuft, sondern von Gott, der Erbarmen hat“ (Römer 9,16), und untermauert diese Behauptung dann mit dem Hinweis, dass Gott das Herz des Pharaos verhärtet habe, um seine Macht zu demonstrieren und seinen Namen durch die folgenden Ereignisse zu verkünden (Römer 9,17; vgl. 2. Mose 9,16). Paulus fasst seinen Standpunkt dann zusammen, indem er erklärt: „So denn, wen er will, begnadigt er, und wen er will, verhärtet er.“ (Römer 9,18).

Dann nimmt Paulus einen Einwand vorweg: „Du wirst nun zu mir sagen: Warum tadelt er denn noch? Denn wer hat seinem Willen widerstanden?“ (Römer 9,19).

Zunächst wollen wir den Einwand selbst verstehen. Der imaginäre (oder vielleicht nicht so imaginäre) Gesprächspartner des Paulus hat alles verstanden, was Paulus bis zu diesem Punkt über Gott gesagt hat:

  • Er versteht, dass die Erlösung ganz und gar ein Werk der Gnade Gottes ist und gar nichts davon dem Menschen zu verdanken ist.
  • Er versteht auch, dass es Gottes Wille, nicht der Wille des Menschen, ist, der für die Erlösung bestimmend und entscheidend ist (siehe auch Römer 9,16; vgl. Johannes 1,13). Er stellt eine rhetorische Frage, um genau diesen Punkt zu unterstreichen: „Wer widersetzt sich seinem Willen?“ Die Antwort auf diese rhetorische Frage lautet: „Niemand widersetzt sich Gottes Willen!“ „Aber unser Gott ist in den Himmeln; alles, was ihm wohlgefällt, tut er“ (Psalm 115,3). Er spricht: „all mein Wohlgefallen werde ich tun“ (Jesaja 46,10), und „kein Vorhaben [kann ihm] verwehrt werden“ (Hiob 42,2).
  • Er versteht auch, dass Gott den Menschen stets verantwortlich hält, ihn zur Rechenschaft zieht: „Warum tadelt er denn noch?“ (Römer 9,19b).

Die Frage ist also: „Da niemand Gottes Willen widerstehen kann [, sondern diesem völlig ausgeliefert ist], wie kann es dann von Gott gerecht („fair“) sein, dass er immer noch tadelt?“.

Den Einwand verstehen

Dieser Einwand ist für jeden Christen sehr hilfreich, um das Wesen der Souveränität Gottes in der Errettung besser zu verstehen. Denn wie auch immer wir zu den Lehren der Gnade stehen mögen, so müssen unsere Schlussfolgerungen jedenfalls dergestalt sein, dass der Einwand von Römer 9,19 Sinn macht.

Tatsache ist: Dieser Einwand macht nur dann Sinn, wenn drei Dinge wahr sind: (1) Der Mensch muss Buße tun und gerettet werden, wie es Gott befohlen hat. (2) Dem Menschen fehlt die moralische Fähigkeit, Buße zu tun und gerettet zu werden, und: (3) Gott macht den Menschen weiterhin dafür verantwortlich, Buße zu tun und gerettet zu werden, und wird ihn bestrafen, wenn er diesem Befehl nicht folgt.

Philosophisch gesehen macht dieser Einwand nur dann Sinn, wenn „Sollen“ nicht gleichbedeutend mit „Können/Vermögen“ ist – das heißt, wenn ein Befehl nicht unbedingt (implizit) bedeutet, dass der Angesprochene auch in der Lage ist, das zu tun, was ihm befohlen ist. Theologisch gesehen ergibt dieser Einwand nur dann Sinn, wenn die Lehren von der totalen Verdorbenheit des Menschen, der bedingungslosen Erwählung durch Gott und der unwiderstehlichen Gnade im Heil wahr sind.

Es ist für den natürlichen Verstand abstoßend, wenn wir für etwas zur Rechenschaft gezogen werden, das wir nicht fähig sind zu tuninsbesondere, wenn wir festhalten, dass es ein liebender Gott ist, der das verlangt. Und so entwickelten verschiedene Denkschulen alternative Auffassungen von Gottes Souveränität, um Gott vor dem zu bewahren, was sie für ungerecht („unfair“) halten. Keine dieser Alternativen macht jedoch den Einwand in Römer 9,19 verständlich. Betrachten wir kurz drei dieser Alternativen.

Universalismus

Eine dieser alternativen Vorstellungen ist der Universalismus (alle Menschen werden ohne Unterschied gerettet). Gott hat etwas von den Menschen gefordert, das sie nicht in der Lage sind zu erbringen, also kehrt er ihre Sünden unter den Teppich – schließlich sind Kinder Kinder, oder? – und lässt sie vom Haken. Abgesehen davon, dass diese Position offensichtlich im Widerspruch zur Bibel ist, würde sie bedeuten, dass Gott die Menschheit „immer noch tadelt“. Niemand kann seinem Willen widerstehen, also findet er einfach keine Fehler an ihnen. [Anm. d. Üb.: Gott wendet also das Heilswerk auf alle an, ohne diese zu fragen und ohne etwas von irgendjemand zu erwarten und ohne die Ursache des Tadels zu beseitigen.]

Bedingte Erwählung auf der Grundlage vorhergesehenen Glaubens

Eine andere Alternative besteht darin, zu leugnen, dass Gottes Erwählung bedingungslos ist, und stattdessen zu behaupten, dass sie vom Glauben abhängig sei, den Gott in einer bestimmten Person vorausgesehen hat. Anders gesagt: Gott hat Menschen erwählt, weil er im Voraus sah, dass diese ihn eines Tages erwählen würden. Da es für unseren natürlichen Verstand unfair ist, dass Menschen zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie etwas nicht getan haben, das sie gar nicht tun können, behauptet diese theologische Position, dass wir vielmehr in der Lage seien, etwas zu tun – nämlich zu glauben –, wobei dieser Glaube dann zur Folge habe, dass Gott uns Gnade gewähre.

Aber wenn diese Ansicht richtig wäre, hätte Paulus‘ imaginärer Gegenredner in Römer 9,19 sicher nicht seinen Einwand gegen Gottes Erwählung erhoben. Es wäre ja kein Rätsel, warum jene, die nicht glauben, „immer noch getadelt werden“. Sie hatten einfach aus freien Stücken nicht den Glauben gefasst, der notwendig ist, um zum Heil erwählt zu werden. (Also geschah Ihnen mit der Nichterwählung völlige Gerechtigkeit – kein Einspruch nötig.)

Unbedingt freier Wille

Eine weitere Alternative, die der vorherigen ähnelt, besteht darin, zu behaupten, dass Gott zwar („absolut“) souverän ist, sich aber in seiner Souveränität dafür entschieden habe, dem Menschen (auch) eine gewisse Art von Souveränität in Form eines völlig freien Willens zu gewähren. Gott gebiete Buße und Glauben, und er werde diejenigen tadeln, die dann nicht Buße tun und glauben. Nach dieser Ansicht tun diejenigen, die nicht Buße tun und glauben, dies, weil sie den freien Willen haben, Gott anzunehmen oder abzulehnen. Gott habe sein Bestes getan und würde jeden retten, wenn er dies könnte, aber er hat die endgültige Entscheidung über die Erlösung völlig dem (freien Willen des) Menschen überlassen. Mit anderen Worten, sie können durchaus mit ihrem freien Willen „seinem Willen widerstehen“.

Auch bei dieser Ansicht ergibt sich, dass der Einwand in Römer 9,19 keinen Sinn ergibt. Es wäre kein Geheimnis, warum Gott diejenigen tadeln würde, die ihn ablehnen. Doch der Gesprächspartner des Paulus behauptet (durch seine rhetorische Frage), dass sich niemand dem Willen Gottes widersetzt.

Die geniale Gnade

Wenn wir also den Einwand, den Paulus in Römer 9,19 rhetorisch erhebt, verstehen wollen, können wir Gottes Souveränität und die Unfähigkeit des Menschen (zu Buße und Glauben) nicht durch eine Berufung auf die bedingte Erwählung seitens Gottes oder den völlig freien Willen des Menschen erklären. Der Einwand von Römer 9,19 ergibt nur dann einen Sinn, wenn die Lehren von der totalen Verderbtheit des Menschen, der bedingungslosen Erwählung seitens Gottes und der unwiderstehlichen Gnade im Heilswirken Gottes biblisch wahr sind.

Aber wie kann das gerecht (o. „fair“) sein? Wie kann Gott dem Menschen etwas ihm Unmögliches befehlen und ihn dennoch zur Rechenschaft für das Nichtbefolgen ziehen? Wie kann er Menschen befehlen, (mittels Buße und Glauben) wiedergeboren zu werden, wenn doch die Rettung und Wiedergeburt vollständig „an dem begnadigenden Gott“ liegt (Römer 9,16; vgl. Johannes 1,12)? Nun, Paulus‘ Antwort ist, den Fragesteller scharf zu tadeln, der versucht, die Gerechtigkeit Gottes in Frage zu stellen: „Wer bist du denn, o Mensch, der du das Wort nimmst gegen Gott?“ (Römer 9,20). Wenn jemand unterfängt, so Gottes Charakter zu kritisieren, hat er ein völlig verbogenes Verständnis davon, was Gerechtigkeit ist („Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne!“; Römer 9,14; vgl. 3,5b–6), und sollte sich besser schnell die Hand vor den Mund halten.

Aber es gibt eine Möglichkeit, diese Frage aus dem aufrichtigen Wunsch heraus zu stellen, Gott besser zu verstehen und ihn dafür anzubeten, wie er sich offenbart hat. Und wenn die Frage in diesem Geist gestellt wird, glaube ich, dass es eine klare Antwort gibt. Und die lautet: Gott schenkt seinem Volk das, was er von ihm verlangt.

Das ist das Geniale an der Gnade Gottes: Indem Gott von jedem Menschen etwas fordert, das für diesen unmöglich ist, zeigt er unübersehbar, wie wirklich hilflos und unvermögend der Mensch in Bezug auf seinen geistlichen Zustand ist. Und weil er etwas vom Menschen fordert, das nur Gott selbst vollbringen kann, stellt er unübersehbar seine eigene Fähigkeit und die Fülle seiner Herrlichkeit zur Schau. Wie Paulus dann weiter erklärt, tut er dies, „damit er kundtäte den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat“ (Römer 9,23).

Indem Gott gewährt, was er verlangt, zeigt er sich als das A und O, der alles in Allem ist. Er weist dem Menschen die ihm angemessene Position zu: Er ist ein armer Bettler, der völlig auf das angewiesen ist, was er aus Gottes Hand empfängt. Dann schenkt er uns als unser Wohltäter das, was er von uns verlangt, und gewinnt so unsere Zuneigung, sodass wir ihn als überaus liebenswert, überaus würdig und überaus wunderbar begreifen und ergreifen.

Quellen

Der Artikel wurde adaptiert von: Michael Riccardi: An Objection to God‘s Sovereignty that Proves It, The Cripplegate (March 16, 2012), https://thecripplegate.com/an-objection-to-gods-sovereignty-that-proves-it [abgerufen 30.08.2024]. Eigene Übersetzung (grace@logikos.club).

John F. MacArthur und Richard Mayhue, Biblische Lehre: Eine systematische Zusammenfassung biblischer Wahrheit. EBTC, 3. Aufl. 2023, geb., 1.360 Seiten | ISBN: 978-3947196500. Insbes. Kap. VII Die Errettung und Abschnitt 2 Der Plan der Errettung (S. 648–678).

Concursus Dei – Die Souveränität Gottes und die Verantwortung des Menschen (auf logikos.club).

John F. MacArthur, Göttliche Unveränderlichkeit und die Lehren der Gnade (Orig.: Divine Immutability and the Doctrines of Grace, Übersetzung ins Deutsche auf logikos.club).

Was jeder Christ über Israel und die Palästinenser wissen sollte – 14 Thesen (W. J. Ouweneel)

Willem J. Ouweneel (Oktober 2023)

Durch den Krieg in Israel ist die Debatte über den palästinensisch-israelischen Konflikt wieder stark aufgeflammt. Progressive Abgeordnete setzen sich für Palästina ein und Theologen wenden sich mit einem Manifest gegen die ihrer Meinung nach böse Politik Israels. Und auf der anderen Seite verweisen Christen auf die biblischen Landverheißungen für das Volk Israel. Die aktuelle Debatte ist ein guter Zeitpunkt, um die Frage anhand von 14 Thesen zu klären.

[1] Das Wort »Palästinenser« bedeutet Bewohner Palästinas, gleich welcher Herkunft. Bis in die 1950er Jahre wurden daher auch die jüdischen Bewohner Palästinas als »Palästinenser« bezeichnet. Die heutigen »Araber« (innerhalb und außerhalb Palästinas) haben dagegen kaum ethnische und wenig historische Bindungen; sie haben nur eines gemeinsam: die arabische Sprache. Folglich hat es nie ein »palästinensisches Volk« als eigenständige ethnische Identität gegeben.

[2] Arabisch sprechende Menschen (Muslime wie Christen) haben jedoch seit vielen Jahrhunderten in Palästina gelebt, ebenso wie Juden, und zuweilen sogar mehr als Araber. Es ist daher falsch zu behaupten, das Land Palästina gehöre den arabischen Palästinensern (insbesondere den Muslimen).

[3] Folglich hat es in all den Jahrhunderten nie so etwas wie einen »palästinensischen Staat« gegeben; es gab nur palästinensische Juden und palästinensische Araber unter der Herrschaft der Mamelucken (bis 1517), unter türkischer Herrschaft (bis 1920), unter britischer Herrschaft (bis 1948) und unter jordanischer Herrschaft (bis 1967). Außerdem besaßen die »Palästinenser« im Gazastreifen die ägyptische und die auf den Golanhöhen die syrische Staatsangehörigkeit. Es ist historisch gesehen Unsinn zu behaupten, die Israelis hätten die Gründung eines palästinensischen Staates immer »blockiert«.

[4] Es ist ebenfalls historisch gesehen Unsinn, dass die Israelis 1967 angeblich »palästinensisches Gebiet« besetzt hätten. Was sie taten, war –im Wesentlichen zur Selbstverteidigung–, das ehemals türkische/ehemals britische/ehemals jordanische Gebiet zu besetzen, in dem traditionell sowohl palästinensische Juden als auch palästinensische Araber gelebt hatten. Allerdings gab es in diesem Gebiet Landbesitz von Arabern und die Israelis mussten diesen Landbesitz respektieren, ebenso wie die Araber den von Juden erworbenen Landbesitz respektieren mussten.

[5] Es ist historisch gesehen Unsinn zu behaupten, dass die Israelis stets die Gründung eines palästinensischen Staates »blockiert« hätten. Nach dem Beschluss der Vereinten Nationen (am 29.11.1947) hätten nicht nur die Juden, sondern auch die Araber in den ihnen zugewiesenen Gebieten sofort einen eigenen Staat gründen können, so wie es die Juden dann auch taten (Mai 1948). Unter großem Druck der umliegenden arabischen Länder (die dachten, der Staat Israel würde bald zerstört werden), taten sie dies nicht, was viele bis heute bedauern.

[6] Im Jahr 1948 verließen viele Araber das Gebiet, das seit Mai den Staat Israel bildete. Die Juden hatten hier und da ihren Anteil daran, indem sie sie verängstigten, aber es waren mindestens ebenso sehr die umliegenden Länder, die die arabischen Palästinenser verängstigten; außerdem sagten sie den arabischen Palästinensern, dass ihre Abreise nur von kurzer Dauer sein würde, da sie nach der Niederlage des Staates Israel in ihre Heimat zurückkehren könnten. Dies erwies sich als großer Fehler. Es stimmt nicht, dass die Mehrheit der arabischen Palästinenser eine Zwei-Staaten-Lösung befürworten würde.

[7] Übrigens: Während Hunderttausende von Arabern aus dem neu gegründeten Staat Israel flohen (und bis heute in Flüchtlingslagern untergebracht sind), wurden auch Hunderttausende von Juden aus den umliegenden arabischen Ländern vertrieben (und fanden im neuen Staat Israel eine neue und freie Heimat).

[8] Den Arabern im Staat Israel geht es, obwohl sie dort de facto Bürger zweiter Klasse sind, sowohl wirtschaftlich als auch politisch weitaus besser als den Palästinensern in den genannten Flüchtlingslagern (und im Übrigen sogar besser als den Arabern in den Nachbarländern).

[9] Es stimmt nicht, dass der Großteil der arabischen Palästinenser die Zwei-Staaten-Lösung befürworten würde; oder sie befürworten sie bestenfalls insofern, als es sich um eine vorübergehende Zwischenlösung handelt. Die konsequentesten Muslime (wie sie z.B. von der Hamas, der Hisbollah, dem Islamischen Dschihad und den Machthabern im Iran vertreten werden) wollen nichts anderes als die Zerstörung des Staates Israel (wenn nicht gar des israelischen Volkes). Konsequente wie auch gemäßigtere arabische Muslime haben den Staat Israel daher nie grundsätzlich anerkannt. Die tiefsten Probleme in und um den Staat Israel sind nicht historischer, politischer oder völkerrechtlicher Natur, sondern religiöser Natur.

[10] Die internationale Gemeinschaft wirft Israel »Kolonialismus« und »Imperialismus« vor. Dies ist eine absurde Verdrehung der Geschichte. Es war Israel, das 1947 einer Teilung des Landes und einem internationalen Status für Jerusalem zugestimmt hatte. Es waren die Araber, die, anstatt dem zuzustimmen, immer wieder Krieg gegen Israel geführt haben. Das einzige Mal, als es ihnen gelang, die Altstadt von Jerusalem zu erobern (1948/49), vertrieben sie sofort alle Juden.

[11] Die Stadt Jerusalem kommt im Koran überhaupt nicht vor; es wird lediglich die »äußerste« oder »am weitesten entfernte« Moschee erwähnt, die spätere muslimische Generationen in Jerusalem ansiedelten (al-Aqsa-Moschee bedeutet »äußerste« oder »entfernteste« Moschee). Den Muslimen wurde also nie ein (messianisches) Reich des Friedens und der Gerechtigkeit rund um Jerusalem versprochen, wie es Israel versprochen wurde (ein Versprechen Gottes, das immer noch in Kraft ist). [Muslime wollen vielmehr ein weltweites Kalifat mit geltender Scharia.]

[12] Die Siedlungspolitik Israels ist oft heftig kritisiert worden. Diese Siedlungen (a) existieren jedoch nur in der so genannten C-Zone, die (seit den Osloer Verträgen 1993–1995) die Zone ist, in der Israel (mit dem damaligen Einverständnis der Palästinenser!) die volle zivile und militärische Kontrolle hat; und (b): die fraglichen Gebiete sind nicht von »den« Palästinensern gestohlen, sondern ehrlich von den arabischen Palästinensern gekauft worden (ob das in der Praxis immer so sauber gemacht wurde, lasse ich jetzt mal dahingestellt). Eine politische oder völkerrechtliche Lösung des israelisch-palästinensischen Problems ist daher nicht denkbar. Man wartet also auf das Kommen des Messias.

[13] Das tiefste Problem in und um den Staat Israel ist nicht historischer, politischer oder völkerrechtlicher Natur, sondern religiöser Natur. Seit der Eroberung Palästinas im siebten Jahrhundert ist es für konsequente Muslime unvorstellbar, dass dort ein jüdischer Staat existieren könnte. Was »Allahs Land« [dar al-islam] geworden ist, kann nie wieder an Juden [oder andere »Ungläubige«] abgegeben werden [der Rest der Welt heißt bei den Muslimen dar al-harab = Haus des Krieges]. Umgekehrt ist es für konsequente Juden undenkbar, an einem anderen Ort als dem von Gott den Vätern verheißenen Land zu leben.

[14] Die religiöse Tiefendimension des jüdisch-palästinensischen Konflikts zeigte sich unmittelbar am 7. Oktober 2023, als Hamas-Mitglieder 1.400 Juden unter dem eindringlichen Ruf »Allahu akbar« misshandelten, vergewaltigten und ermordeten, was in diesem Fall so viel bedeutete wie: »Unser Gott Allah ist größer als der Gott Israels!« Nichts könnte deutlicher verdeutlichen, dass es hier zutiefst um einen Kampf in den himmlischen Örtern ging und geht (vgl. Epheser 6,12): einen Kampf zwischen den »Göttern« dieser Welt und dem Gott Israels.

Fazit. Eine politische oder völkerrechtliche Lösung des israelisch-palästinensischen Problems ist daher nicht denkbar. Die arabisch-muslimische Welt wird grundsätzlich niemals in der Lage und bereit sein, einen Staat Israel anzuerkennen, und die Israelis werden niemals in der Lage und bereit sein, ihre Siedlungspolitik aufzugeben oder die Hunderttausende von Flüchtlingen in arabischen Lagern zurückzunehmen. Man wartet also auf das Kommen des Messias und – von Jerusalem aus – auf die Errichtung seines Weltreichs des Friedens und der Gerechtigkeit. Wie ein arabischer Taxifahrer in Jerusalem einmal zu mir sagte: Nur Jesus kann das Problem lösen.

Autor: Prof. Dr. Willem J. Ouweneel (*1944) hat einen Doktortitel in Biologie, Philosophie und Theologie. Der Autor von über 200 Büchern und international gefragte Referent ist emeritierter Professor für Systematische Theologie (Fakultät für evangelische Theologie in Leuven, Belgien). Seine Homepage: http://www.willemouweneel.nl/.
Textquelle: Willem J. Ouweneel, Wat iedere christen zou moeten weten over Israël en de Palestijnen (Link: cvandaag.nl – 23. Oktober 2023). Übersetzt mithilfe von DEEPL; These 14 aus dem u.g. Buch entnommen.
Vertiefung: Eine Vertiefung und Erläuterung der »14 Thesen« erfolgte in einem längeren Interview, das auf YouTube angesehen werden kann (Direktlink). – Auch in einem Buch werden die 14 Thesen ausführlicher dargestellt: Wat iedere christen moet weten over Israël en de Palestijnen – In twintig stellingen. (Driebergen (NL): Aspekt, 04.11.2023); ISBN 9789464870954, 72 Seiten, auch als Kindle-eBook. Deutsche Ausgabe: Was jeder Christ über Israel und die Palästinenser wissen muss – In zwanzig Sätzen [sic!]. (Dribergen (NL): Aspekt, 2024); Taschenbuch, 102 Seiten, ISBN 978-9464871258.

Ergänzungen

Maximilian Felsch, Die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern. Bundeszentrale für politische Bildung (28.05.2018); Link.

UN-Teilungsplan für Palästina 1947(Deine tägliche Dosis Politik). Bundeszentrale für politische Bildung (29.11.2023); Link. Zitat daraus: »GB hatte Palästina bereits geteilt: in Britisch-Palästina für die jüdische [Bevölkerung] und Transjordanien [ab 1950 Jordanien, s. Karte unten] für die arabische Bevölkerung

Der kleine Anteil für die jüdische Bevölkerung wurde ihr dann nicht gegeben, sondern nochmals geteilt für die arabische (43%) und die jüdische (56%) Bevölkerung. Dieser Teilungsplan für zwei unabhängige Staaten wurde am 29. November 1947 in der UN-Resolution 181 (II) mehrheitlich verabschiedet. Die jüdische Bevölkerung gründete entsprechend dieser Resolution einen souveränen Staat, die arabischsprechende Bevölkerung tat dies jedoch nicht, sondern versuchte, mit kriegerischen Mitteln und die Teilungs-Resolution missachtend alles für sich zu erobern. Dieser »Alles-oder-nichts«-Ansatz scheiterte bis heute, bleibt aber politisches Programm: »From the river to the sea« (von der PLO 1960 bis Hamas in ihrem Grundsatzprogramm 2017).

Bildquelle: https://www.geoplan-reisen.de/arabien-orient/jordanien/

Wer Dank opfert, der preiset mich (Andacht)

Wer Lob [o. Dank] opfert, verherrlicht mich,
und wer seinen Weg einrichtet,
ihn werde ich das Heil Gottes sehen lassen.

Psalm 50,23

Wenn wir als Kinder etwas geschenkt bekamen, wurden wir immer wieder von den Eltern gefragt: „Und wie sagt man?“ – Ja, und dann erwarteten sie, dass wir artig „Danke!“ sagten. Wenn wir etwas haben wollten, dann hieß es manchmal: „Und wie heißt das Zauberwort?“ Dann wussten wir, dass wir das entscheidende Wörtlein „Bitte!“ vergessen hatten. Bitten und Danken – das wollten uns unsere Eltern schon ganz früh beibringen. Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar.

Manche Leute können nicht danken. Sie nehmen alles als selbstverständlich hin: Selbstverständlich sind sie zu beschenken und zu bedienen! Und so verarmen sie immer weiter. Wenn wir jemandem danken, dann realisieren wir, dass wir etwas empfangen haben, dass ein anderer uns etwas gegeben hat. Im Danken anerkennen wir, dass wir Empfangende sind und dass es einen Geber gibt, dem wir Dank schulden. Danken macht froh! 

Das hat auch die Psychologie entdeckt. Ein amerikanischer Forscher[1] bat Menschen in einer Studie darum, jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, für die sie dankbar sein konnten. Sechs Monate später waren diese Personen nachweislich fröhlicher und weniger gestresst und niedergeschlagen als die der Kontrollgruppe. Bibelleser wissen dies schon lange! Hoffentlich! Wenn wir im Abendgebet nicht mindestens drei Sachen anführen können, für die wir Gott dankbar sind, dann kranken wir. Dankbarkeit kann man erlernen.

Meine Eltern wussten aus Gottes Wort auch, dass Undankbarkeit Sünde gegen Gott ist. Im Römerbrief Kapitel 1 erklärt der Apostel Paulus, dass die Menschen im Gericht Gottes „ohne Entschuldigung [sind/seien], weil sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten“ (1:20-21). Gott hat als Schöpfer jedem Menschen das Leben und viele weitere Zusatzgaben geschenkt, also höchste Gaben. Er hat zudem jedem Glaubenden als Retter die Errettung und ewiges Leben geschenkt. Das ist unfassbar viel und wertvoll.

Gegenüber diesem Gott je undankbar zu sein, kann sich kein Glaubender und keine Gemeinde Gottes vorstellen, denn sie kennen die große Gabe(n) Gottes! Schon vor über 3.000 Jahren rief der Levit Asaph, ein Chorleiter unter David (1. Chronik 15,17ff; 16,7–36), das Volk Gottes auf, Gott Lob und Dank zu bringen. Er erklärt ihnen, dass sie Gott mit all ihren Opfertieren nicht reicher machen könnten, weil Gott sowieso „alles Getier des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen“ (Psalm 50,10) gehört. Dann ruft er ihnen zu: „Opfere Gott Lob!“ (Psalm 50,14). Im Schlussvers dieses Psalms erklärt er, warum. Da steht: „Wer Lob opfert, verherrlicht mich“ (50,23a). Das ist das Thema dieser Besinnung.

Gemeinsam Dank opfern in der christlichen Gemeinde

Der Schreiber des Hebräerbriefes fordert 1.000 Jahre nach dem Chorleiter Asaph die Christusglaubenden auf: „Durch ihn [das ist Christus, s. V. 12] nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“ (Hebräer 13,15). Eine gesunde, vom Geist Gottes bewegte Gemeinde ist davon gekennzeichnet, dass sie beständig („stets“) Gott Lob- und Dankopfer bringt, Ihn also durch ihr gemeinsames Gebet und Lied erhebt und verherrlichtEs möge keine Woche vergehen, ohne dass die Gemeinde sich versammelt zum Namen Jesu und durch Jesus Gott Opfer des Lobes darbringt. Und genau das wollen Glaubende als reich Beschenkte doch! Wir brennen darauf, miteinander Gott zu erheben im Lied und Gebet. Unser Herz ist voller Dankbarkeit. Und so erheben wir den Herrn miteinander. Und gehen nach dem Gottesdienst beglückt hinaus, weil unsere Seelen im Lob Gottes fröhlich geworden sind.

Gerettetsein macht dankbar

Asaph schrieb im Psalm 50 in genialer Kürze und Trefflichkeit auf, wie wir zu Anbetern Gottes wurden, siehe Vers 15: „Rufe mich an am Tag der Bedrängnis: Ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!“ Drei Dinge sind es, die er hier sagt: (1) Du erkennst, dass Du in einer großen Not, einem „Tag der Bedrängnis“, steckst. Du wendest Dich im Glauben an Gott und rufst zu Ihm in der Not. Das ist das Beste, was Du tun kannst. Und dann folgt (2): Gott sagt: „Ich will dich erretten!“ Er will es! Glaubst Du dies? Ja, wir werden aus manch großer Not gerettet, vor allem aus der größten Not des Menschen: dass Gottes Zorn wegen unserer Sünden über uns schwebt und das ewige Verderben auf uns wartet. Viele von uns haben daher zum Herrn gerufen und Er hat uns gerettet. Aber wie sieht es dann mit dem Punkt (3) aus: „Und du wirst mich verherrlichen“?

Das ist das Ziel aller Bedrängnisse, die wir hier auf Erden erleben: Wir sollen unsere Not erkennen, zugeben und Gott um Rettung anrufen – und dann nicht stehenbleiben, sondern im Glauben Gott aus ganzem Herzen danken und Ihn im Lob erheben.

Wer weiß, von was er gerettet wurde, kann nicht anders, als den Retter anzubeten

Vor ca. 300 Jahren (1726) schrieb Johann Sebastian Bach eine Kirchenmusik für den 14. Sonntag nach Trinitatis (22.09.1726), und zwar die Kantate „Wer Dank opfert, der preist mich“ (BWV 17). Zur Lesung an jenem Sonntag im Kirchenjahr gehörte die Begebenheit in Lukas 17,11–19, die Heilung der 10 Aussätzigen. Der Herr Jesus hatte alle 10 geheilt, aber nur einer war zurückgekommen:

Einer aber von ihnen, als er sah, dass er geheilt war, kehrte zurück und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und er war ein Samariter. 
Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn gereinigt worden? Wo sind aber die neun? Sind keine gefunden worden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremden? Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin; dein Glaube hat dich gerettet.“ (Lukas 17,15-19). 

Diese 10 Männer hatten alle Aussatz, vielleicht Lepra. Aussatz ist eine schlimme Krankheit. Aussätzige waren gesellschaftsunfähigin beständiger Quarantäne, da ihre Krankheit ansteckend und tödlich war. Ihr Leib verfaulte nach und nach, der Tod kam in Raten, aber er kam sicher. Sie mussten „Unrein, unrein!“ ausrufen, wenn andere Menschen ihnen begegneten, damit diese einen großen Bogen um sie machen konnten. „Social distancing“ gab es auch damals schon! Es gab keine Medizin dagegen. Ihr Fall war hoffnungslos

Aber dann kam der Herr Jesus Christus und heilte die Zehn. Von dieser Seuche geheilt zu werden, war das größte Glück. Aber nur einer kommt zurück. Warum nur einer? Und dann auch noch ein von den Juden verachteter Samaritaner? Vers 19 deutet es an: Er hatte Glauben. Es ging nämlich nicht nur um diese schreckliche äußerliche Krankheit, es ging um die viel schrecklichere innere Krankheit jedes Menschen: die Sünde. Auch die macht gesellschaftsunfähig, ist ansteckend und bringt uns Stück um Stück unausweichlich in den ewigen Tod.

Der Herr Jesus reinigte diese 10 Aussätzigen und so wurden sie geheilt. Einer von Ihnen geht zum Retter zurück. Wir lesen: Er „verherrlichte Gott mit lauter Stimme“, „er fiel aufs Angesicht zu seinen [Jesu] Füßen und dankte ihm“. Der Herr Jesus sagt, was das bedeutete: Er hatte Gott Ehre gegeben, Ihn auf den Knien verehrt, d. h.: angebetet. Ein von der Sünde Geretteter kann gar nicht anders, als vor seinem Retter auf die Knie zu fallen und ihm Lobpreis, Dank und Anbetung zu bringen. Es ist unsere ewige Pflicht und unserer äußerstes Vergnügen, dies als Glaubende und Gerettete miteinander tun zu dürfen!

Im zweiten Teil der erwähnten Bachschen Kantate für den gemeinsamen Gottesdienst singt der Tenor von allen Streichern unterstützt eine dreiteilige Aria mit folgendem Text:

Welch Übermaß der Güte / Schenkst du mir!
Doch was gibt mein Gemüte / Dir dafür?
Herr, ich weiß sonst nichts zu bringen, 
Als dir Dank und Lob zu singen.

Nie soll der Dank, das Lob und die Verherrlichung Gottes in den Häusern und Versammlungsstätten der an Christus Glaubenden verarmen oder verstummen! Nie soll er an zweite oder dritte Stelle zurückgedrängt werden! Lasst uns mit frisch gereinigten und wohl gestimmten Herzen miteinander Gott dieses Opfer unserer Lippen geben, das Er verdient hat (Hebräer 13,15; vgl. Hosea 14,(2)3; Psalm 107,1.8.15.21f.31f; 116,17).

Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen,
das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. (Hebräer 13,15)

Ihm danken wir, Ihn erheben wir! Mit Blick auf den Herrn Jesus, unseren großen Herrn und Retter, lasst uns miteinander wie Paulus beten:

Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe! (2. Korinther 9,15).

Das muss man besingen!

Ach, wer kann Dich würdig loben,
Großer Gott von Ewigkeit!
Was auf Erden und was droben,
Zeugt von Deiner Gütigkeit.
Du, Du bist des Lobes wert;
Selig, wer Dich preist und ehrt!

Wer kann Deine Lieb‘ ergründen,
Deine Gnade, Deine Huld!
Gabst den Sohn für unsre Sünden,
Sprachst uns frei von aller Schuld.
Du, Du bist des Lobes wert;
Selig, wer Dich preist und ehrt!

Wer kann Deine Größe nennen
Und Dein Wundertun verstehn!
Wer kann, wie Du bist, Dich kennen
Und in Deine Tiefen sehn!
Ja, Du bist des Lobes wert;
Selig, wer Dich preist und ehrt!

(Autor unbekannt)


[1] Martin E. P. Seligman (*1942) lehrt an der University of Pennsylvania, Philadelphia. Seine Forschungsschwerpunkte sind Depression, Optimismus, Positive Psychologie. Vgl. auch: Harvard Health Publishing (Harvard Medical School): Giving thanks can make you happier (14. August 2021) [20.12.0223].

Schlafen und Leben | Eine kurze Besinnung zur Theologie des Schlafens

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, müssen alle Lebewesen schlafen. Manchen sieht man es nicht an: Fische schließen im Schlaf keine Augenlider, Zugvögel fliegen im Schlaf weiter: Mauersegler ununterbrochen bis 300 Tage, in denen sie jedoch wiederholt zehnsekundige Tiefschlafphasen durchlaufen. Delfine, Enten und Flamingos „schlafen“ nur mit einer Gehirnhälfte, die andere bleibt währenddessen wach. Andere Tiere hingegen scheinen immer zu schlafen: Der Koala schläft bis zu 22 Stunden pro Tag, das ist mehr als doppelt so viel, wie das sprichwörtliche Faultier im Urwald. Konkurrenz als Schlafweltmeister bietet der Siebenschläfer, der große Teile des Herbstes, den Winter und sogar den Frühling verschläft.

Wir Menschen brauchen unverzichtbar und in der Regel täglich Schlaf: Rund ein Drittel unserer Lebenszeit schlafen wir. Tun wir das eine Weile nicht, geschehen seltsame Dinge in unserem Körper, unserer Seele, unserem Geist – üble, gefährliche, krankmachende Dinge. Schlafentzug ist unmenschlich, ist Misshandlung und wird tatsächlich als Teil von Folter- und Brain Washing-Methoden (Mind Control, Mentizid, psychologische Manipulation) angewandt. Aber auch in der Burn-Out-Kultur der Erfolgssüchtigen und Gestressten führt dies immer wieder zu entsprechenden tragischen Folgen. (Dass man es aus Faulheit mit dem Schlafen und Schlummern auch übertreiben kann, soll hier nicht vertieft werden; siehe dazu Sprüche Salomons 6,6–11; 10,4–5; 23,19–21; 24,32-34.)

Ausreichender Schlaf gehört also zum gesunden Menschsein, wie Essen und Trinken, Arbeiten und Bewegen. Der Körper fährt im Schlaf hormongesteuert (und dies wiederum naturlichtgesteuert) Reparaturarbeiten, Erregerbekämpfung und Energiespeicherung hoch, damit in der folgenden Wach- und Aktivzeit wieder genügend Kraft, Motivation und Energie vorhanden sind. Vereinfacht gesagt kann man beobachten: Wer zu wenig schläft, begeht mehr Unfälle, fällt häufiger falsche Entscheidungen (daher: „Erst einmal drüber schlafen!“), bekommt eher Infektionen und sogar Krebs. Präsident Bill Clinton sagte einmal, dass jeder größere Fehler, den er machte, mit Schlafmangel einherging. Das sollte uns ausreichend warnen und zum Nachdenken bringen.

Schlaf und Glaube

Unser regelmäßig wiederkehrendes Schlafbegehren erinnert uns daran, dass wir begrenzte Kräfte haben – im Körper, in der Seele, im Geist. Es erinnert uns täglich, dass wir Geschöpfe sind, begrenzte Wesen – und nicht Gott. So zu tun, zu leben oder anzustreben, als brauche man (fast) keinen Schlaf, ist damit ein weiterer zum Scheitern verdammter Versuch der Selbstvergottung, »zu sein wie Gott« (vgl. 1Mose 3,5). Denn der Schöpfer-Gott hat nie Bedarf für Schlummer oder Schlaf, er ist nie müde, er ermüdet niemals, er lebt aus sich selbst, versehen mit unbegrenzter Kraft und unerschöpflicher Energie:

Weißt du es nicht? Oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist Jahwe, der Schöpfer der Enden der Erde; er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist sein Verstand. (Jesaja 40,28)

Daher darf der Glaubende sich mit Ruhe und Entspanntheit niederlegen, seine Augen schließen und alle (noch) ungelösten Probleme an Den abgeben, der sowieso beständig über ihm wacht:

Siehe, der Hüter Israels, er schlummert nicht und schläft nicht. (Psalm 121,4)

Der Glaubende hat eine einfache, biblische, praktisch wirksame »Theologie des Schlafens«:

Ich legte mich nieder und schlief. Ich erwachte, denn Jahwe stützt mich. (Psalm 3,6)

In Frieden werde ich sowohl mich niederlegen als auch schlafen; 
denn du, Jahwe, allein lässt mich in Sicherheit wohnen. (Psalm 4,9)

Bei allem Fleiß am Tag, aller Arbeit und allem Mühen, weiß der Glaubende, dass Arbeit nicht alles ist, dass Erfolg mit Abmühen nicht beliebig vermehrbar ist, sondern dass es vielmehr um den Segen des Herrn geht:

Vergeblich ist es für euch, dass ihr früh aufsteht, spät aufbleibt, das Brot der Mühsal esst; so gibt er seinem Geliebten im Schlaf. (Psalm 127,2)

Schlaf und Zweifel

Besonders gefährliche Wirkungen erzeugt Schlafmangel in unserem Denken, Fühlen und Glauben. In einem Kapitel über Zweifel (dort speziell an der Auferstehung Jesu, Johannes 20,24–31) nennt D. A. Carson mehrere Ursachen für Zweifel. Als fünfte Ursache nennt er Schlafentzug:

»Zweifel können auch durch Schlafentzug begünstigt werden. Wer beständig mit seiner Gesundheit Raubbau betreibt, verfällt früher oder später immer mehr in Zynismus – und die Grenze zwischen Zynismus und Zweifel ist sehr schmal. Natürlich benötigt jeder Mensch eine unterschiedliche Menge Schlaf. Manche kommen mit ein wenig Müdigkeit besser zurecht als andere. Wenn Sie jedoch zu den Menschen gehören, die bei Schlafmangel böse, zynisch oder sogar voller Zweifel werden, dann sind Sie moralisch verpflichtet, sich um den nötigen Schlaf zu bemühen. Wir sind ganzheitliche, komplizierte Wesen: Unser körperlicher Zustand ist an unser geistliches Wohlbefinden, an unsere geistige Einstellung, an unsere Beziehungen zu anderen, einschließlich unserer Beziehung zu Gott, gebunden. Manchmal ist das Gottseligste, was man überhaupt tun kann, gut zu schlafen – nicht, um die ganze Nacht zu beten, sondern um zu schlafen. Ich bestreite bestimmt nicht, dass es Gelegenheiten gibt, wo man eine Nacht hindurch betet. Ich möchte nur betonen, dass es zu den guten geistlichen Disziplinen gehört, seinem Körper jene Menge Schlaf zu geben, die er braucht.«

D. A. Carson, Scandalous: The Cross and Resurrection of Jesus (Wheaton, IL: Crossway, 2010), S. 147. (eig. Übers. von grace@logikos.club, 2023; Fettdruck hinzugefügt)

Jeder Mensch braucht für seine ganzheitliche Gesundheit von Körper, Seele und Geist genügend Schlaf – und er braucht diesen offenbar auch für ein gesundes Glaubensleben. Schlafen ist daher (wie bei so vielen Dingen des Glaubens) zugleich moralische Pflicht und süßes Gnadengeschenk Gottes.

Daher, um Gottes Willen: Schlafen Sie gut!

Wie erstelle ich eine Predigt – Ein Kurzleitfaden

Dieser Kurzleitfaden führt in einer Schritt-für-Schritt-Vorgehensweise durch die gesamte Vorbereitung einer exegetischen Predigt (Auslegungspredigt). Er soll Gemeindehirten und Bibellehrer mit den grundlegenden Schritten der Exegese (Auslegung) und Predigtausarbeitung vertraut machen. Wenn hier auch hauptsächlich Grundlagen vermittelt werden, kann selbst der erfahrene Exeget und Prediger damit in seinem wichtigen Dienst ermuntert und an hilfreiche Prinzipien und Wahrheiten seines Dienstes erinnert werden.

Der Prozess der Predigterstellung wird hier in vier Hauptphasen unterteilt: 1. Präparieren, 2. Präzisieren, 3. Produzieren und 4. Präsentieren. Jede Phase ist in spezifische Schritte unterteilt, die den gesamten Prozess durchschreiten:

Phase 1: Präparieren
Schritt 1: Überlegungen zum Prediger selbst: Bin ich bereit zu predigen?
Schritt 2: Überlegungen zum Predigtzweck: Warum predige ich? Warum Auslegungspredigt?
Schritt 3: Überlegungen zum Predigttyp: Welche Art von Predigt werde ich halten?
Schritt 4: Überlegungen zu den Predigtzuhörern: Wer ist meine Zielgruppe?
Schritt 5: Überlegungen zum Predigtziel: Was beabsichtigte ich mit meiner Predigt?
Schritt 6: Überlegungen zur Passage: Über welchen Text werde ich predigen?

Phase 2: Präzisieren
Schritt 7: Erforschung: Was sagt der Text (Teil 1)?
Schritt 8: Erforschung: Was sagt der Text (Teil 2)?
Schritt 9: Erläuterung: Was bedeutet der Text?
Schritt 10: Ermahnung: Wie ist der Text heute anwendbar?

Phase 3: Produzieren
Schritt 11: Fokus (Teil 1)
Schritt 12: Fokus (Teil 2)
Schritt 13: Fluss (Teil 1)
Schritt 14: Fluss (Teil 2)
Schritt 15: Feinschliff

Phase 4: Präsentieren
Zum Ende und Weiterführendes

Quellen

Kurzleitfaden als PDF (610 kB). Übersetzt von Uwe A. Seidel.

Hinweis im Originaldokument mit dem Titel Sermon Builder: »Diese Datei darf unter den folgenden Bedingungen frei kopiert, ausgedruckt und weitergegeben werden: 1. Solange die Dankverweise, das Copyright und/oder die Quellenangaben intakt bleiben. 2. Sie nehmen keine Änderungen am Text vor. 3. Er darf nicht verkauft, sondern nur für die Förderung Ihres Dienstes oder Zeugnisses verwendet werden. Weitere Informationen über die Shepherds‘ Fellowship und wie man ihr beitreten kann, finden Sie unter: www.gracechurch.org/sfellowship/«. Diese Shepherd’s Fellowship existiert inzwischen in dieser Form nicht mehr, sondern wird in anderer Form weiterverfolgt. Von der Grace Community Church in Sunvalley (Los Angeles, CA, USA) wird jährlich eine mehrtägige Shepherd’s Conferenceveranstaltet (https://www.shepherdsconference.org), die Vorträge und Medien der Konferenz sind auf einer Website verfügbar (https://www.shepherdsconference.org/media). (A.d.Ü.)

Was glauben eigentlich die Amerikaner?

Alle zwei Jahre befragt eine Partnerschaft zwischen Ligonier Ministries und LifeWay Research in einer repräsentativen Umfrage erwachsene amerikanische Bürger zu ihren Überzeugungen über Gott, Errettung, Ethik, die Bibel usw. Auch 2022 wurde diese Umfrage zum »Stand der Theologie« in den USA durchgeführt (Stichprobenumfang: 3.000+). Die Ergebnisse und Auswertungen sind auf der Website thestateoftheology.com einzusehen. Teilweise wurden die Antworten der amerikanischen Gesamtstichprobe mit jenen der Untergruppe der „Evangelikalen“ statistisch verglichen. (Welche Kriterien für die Klasse »evangelikal« angewandt wurden, ist auf der Website nachlesbar.)

Zusammenfassende Auswertung

Die Umfrage zum Stand der Theologie 2022 (The State of Theology 2022) zeigt, dass die Amerikaner zunehmend den göttlichen Ursprung und die vollständige Richtigkeit der Bibel ablehnen. Da sie meinen, dass es keinen dauerhaften Maßstab für die absolute Wahrheit gibt, an dem sie sich orientieren können, halten die Erwachsenen in den USA auch zunehmend an unbiblischen Anschauungen in Bezug auf die menschliche Sexualität fest. Im evangelikalen Bereich werden Grundlehren, wie die Gottheit und Exklusivität Jesu Christi oder die Inspiration und Autorität der Bibel, zunehmend abgelehnt. Es gibt zwar positive Trends, wie die Ansichten der Evangelikalen zu Abtreibung und außerehelichem Geschlechtsverkehr, doch ist gleichzeitig auch eine Widersprüchlichkeit in ihrer Ethik zu beobachten, da immer mehr Evangelikale in den Bereichen Homosexualität und Geschlechtsidentität (Gender) eine unbiblische, säkular-ideologische Weltanschauung übernehmen.

Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die Gemeinde Jesus Christi (Kirche) sich mehr in der Apologetik und Bibellehre engagieren muss. Ungläubigen wird durch eine gut begründete Darstellung und Verteidigung des christlichen Glaubens geholfen, die Inhalte des christlichen Glaubens richtig zu verstehen. Und den Glaubenden helfen Apologetik und Glaubenslehre, wieder mehr Klarheit und Überzeugung darüber zu gewinnen, was sie glauben, und warum sie das glauben, was sie bekennen. Das Volk Gottes muss vermehrt dem Missionsbefehl Christi gehorchen, indem es den ganzen Ratschluss Gottes in der biblischen Evangelisation und Jüngerschaft weitergibt. Die Not ist groß, aber die Macht und die Verheißungen Gottes können die Gemeinde Jesu Christi dazu befähigen, einer verführten und verfinsterten Welt göttliche Wahrheit und göttliches Licht zu bringen.

Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.

Matthäus 28, 19-20 (ELBCSV)

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die imstande sind, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.

2. Timotheus 3,14-17 (ELBCSV)

Quellen

USA: The State of Theology 2022 – Key Findings.

UK: The State of Theology UK 2018 (by ComRes). Das Vereinigte Königreich ist ein Missionsland geworden: Ein Drittel aller Erwachsenen gab als Antwort auf einfache Fragen des christlichen Glaubens zu: »Ich weiß es nicht!«. Sogar die sog. »Evangelikalen« (ca. 2 Mio.) dort haben teilweise irrige Ansichten über Jesus Christus und den Heiligen Geist.

Warum ich die »Frankfurt Declaration« unterschrieben habe

von
John MacArthur
Grace Community Church, Sun Valley, CA, USA
07.09.2022

Christus erklärte: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt … jetzt aber ist mein Reich nicht von hier« (Johannes 18,36). Weit davon entfernt, sich als Rivale des Kaisers (Caesar, Cäsar) aufzuspielen, sagte er, dass Seine Gemeinde einem anderen, höheren Bereich angehört als jede irdische Regierung und dass sie daher keine Bedrohung für die rechtmäßige Autorität des Kaisers darstellt. Der Zweck der christlichen Gemeinde besteht nicht darin, irdische Regierungen zu stürzen oder an sich zu reißen. Jesus bekräftigte dies, als er sagte: »Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist« (Matthäus 22,21).

Aber Cäsar seinerseits hat Christus immer als Widersacher und Unannehmlichkeit betrachtet. Von Herodes und Pontius Pilatus bis heute haben die irdischen Regierungen immer versucht, Christus und sein Reich zu kontrollieren. Cäsar (die »Obrigkeit«) begnügt sich nicht mit dem, was dem Cäsar gehört; er will auch die Kontrolle über die Dinge, die Gott gehören. Deshalb versuchen irdische Herrscher immer, so viel Herrschaft über die Kirche zu erlangen, wie sie nur können.

Die postmodernen Politiker von heute sind genauso entschlossen wie jede andere Regierung in der Geschichte, sich in Angelegenheiten einzumischen, die Christus betreffen. Sie setzen moralische Maßstäbe durch, die biblischen Grundsätzen feindlich gegenüberstehen. Sie nutzen die Macht der »Kanzel« Cäsars, um biblische Werte als Bedrohung für die Existenz der Menschheit darzustellen. Sie unterstützen und subventionieren sogar solche, die Kinder mit offen antichristlichen Ideologien indoktrinieren wollen. Sie bringen Durchführungsverordnungen, Regulierungsbehörden und willkürliche Auflagen hervor, die die Arbeit der christlichen Gemeinde behindern oder stoppen würden.

In den COVID-Jahren wurde Cäsars Strategie unbestreitbar offensichtlich. Staatliche Restriktionen verlangten von den Kirchen, sich nicht zu versammeln, während Kasinos und Massagesalons weiter betrieben werden durften. Die Behörden schauten weg, als linken Demonstranten freie Hand gelassen wurde, sich zu versammeln und sogar zu randalieren, aber dieselben Beamten arbeiteten unerbittlich daran, die Kirchen geschlossen zu halten.

Gehorsam gegenüber einer solch frechen, unbarmherzig unterdrückenden staatlichen Kontrolle hätte Ungehorsam gegenüber der Heiligen Schrift bedeutet. Gott befiehlt seinem Volk eindeutig, die regelmäßigen Versammlungen zur gemeinsamen Anbetung nicht aufzugeben (Hebräer 10,25). Und: »wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen« (Apostelgeschichte 5,29). Wir nahmen also unsere gemeinsame Anbetung wieder auf, was sofort den Zorn Cäsars auf uns lenkte. Die staatlichen Behörden verfolgten unsere Kirche mit allen möglichen behördlichen Geschossen: rechtlichen Forderungen, Klagen, Verfügungen und Geldstrafen. Sie drohten sogar damit, uns unseren Parkplatz wegzunehmen. Glücklicherweise setzten wir uns vor Gericht durch – ich glaube, vor allem, weil der Bezirk (County) Los Angeles nicht bereit war, seine Gesundheitsbeamten unter Eid aussagen zu lassen.

Unser Sieg in diesem Fall kam genau ein Jahr vor der Veröffentlichung der Frankfurter Erklärung. Während der Fall noch vor Gericht verhandelt wurde, veröffentlichten wir jedoch eine eigene Erklärung mit dem Titel »Christus, nicht Cäsar, ist das Haupt der Kirche«. Was wir damals erklärten, steht in voller Übereinstimmung mit dem Frankfurter Dokument.

Die Regierung der Vereinigten Staaten (und andere in der westlichen Welt) haben sich bereits als Feinde Christi erwiesen, indem sie die Abtreibung legalisiert haben, fordern, dass Homosexualität gefördert und gefeiert wird, sich weigern, die von Gott gegebenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern anzuerkennen, die gleichgeschlechtliche Ehe sanktionieren und die barbarische, heidnische Verstümmelung von Kindern fördern. Diese offenkundigen, von der Regierung geförderten Angriffe auf seit langem etablierte moralische Standards stellen eine formelle, parlamentarische Kriegserklärung gegen Gott, seine Schöpfungsordnung, sein moralisches Gesetz und die Autorität seines Wortes dar. Unsere derzeitige Regierung steht also nicht weniger in Opposition zu Gott als die Baalsanbeter des Alten Testaments. Warum sollten wir nicht erwarten, dass sie hinter Menschen her sind, die ihr Leben für die Sache Gottes und seines Wortes aufs Spiel setzen würden? Es gibt viele Anzeichen dafür, dass gesunden christlichen Gemeinden und treuen Gläubigen eine Welle harter Verfolgung bevorsteht.

Die Aufdeckung all dessen ist ein großes Problem für Kirchen, die versucht haben, Kompromisse mit der Welt einzugehen. Einige von ihnen werden die Wahrheit einfach noch offener verleugnen (einige tun das bereits). Diejenigen, die keine Kompromisse eingehen wollen, um Cäsar zu besänftigen, sollten die Frankfurter Erklärung unterschreiben.

Christus und Cäsar agieren in verschiedenen Bereichen. Die Mission der christlichen Gemeinde ist keine parteipolitische Mission. Es gibt keine politische Lösung für das, was unsere Kultur plagt. Der Auftrag der christlichen Gemeinde besteht darin, das Evangelium zu verkünden, Seelen aus dem Reich der Finsternis zu befreien und sie zu Nachfolgern Christi zu erziehen. Die Christen dürfen nicht von dieser Aufgabe abgehalten werden, um ein rein zeitliches politisches Ziel zu erreichen. Andererseits, je mehr sich Cäsar in Angelegenheiten einmischt, die Christus gehören, desto mehr muss sich die christliche Gemeinde zu ewigen und geistlichen Angelegenheiten äußern, die der Rest der Welt als rein »politisch« behandeln will. Es ist nicht das Vorrecht Cäsars, die moralischen Normen in Fragen wie Abtreibung, sexuelle Perversion, Geschlechterrollen oder anderen Angelegenheiten, in denen die Heilige Schrift klare Grenzen gezogen hat, umzuschreiben. Wir werden uns weiterhin zu solchen Themen äußern, und wenn die Regierung versucht, die Botschaft zum Schweigen zu bringen oder den Überbringer zu bestrafen, werden wir uns nicht beugen.

»Ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilt ihr; denn uns ist es unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.« (Apostelgeschichte 4,19b–20).

Quellennachweise

Die »The Frankfurt Declaration of Christian & Civil Liberties« ist hier veröffentlicht und kann dort auch unterzeichnet werden. Auch einige Übersetzungen sind dort erhältlich. Ein Vortrag der Frankfurter Deklaration in deutscher Sprache ist auf YouTube hier bereitgestellt [Stand 10.09.2022].

Originaler Blog-Artikel von John MacArthur, für logikos.club übersetzt von Grace mit Unterstützung von DEEPL.

Wir stehen an der Seite von Pastor James Coates

Am 15. Februar 2021 stellte sich Pastor James Coates der GraceLife Church of Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta der Polizei. Er wurde verhaftet wegen zweier Vorwürfe: einerseits habe er sich dem Public Health Act, einem provinziellen Gesetz, widersetzt und zweitens habe er die Straftat begangen, sich (oder seine Kirchgemeinde) einer Anordnung über Maskentragen, Distanzierung und Teilnehmerbeschränkung auf 15% der Kapazität nicht untergeordnet zu haben.

Die Inspektorin für Public Health, Janine Hanrahan, hatte am 14.02.2021 einen entsprechenden Bericht verfasst; sie klassifizierte die Sache als »Public Nuisance«, also als Handlung, die die Rechte der Öffentlichkeit verletze (ungefähr: „öffentliches Ärgernis“). Die Alberta Health Services forderten im Januar 2021 ein Gericht auf, ihre Gesundheitsanordnungen gegen die Gemeinde von Pastor Coates durchzusetzen. Dies richtete sich dann in persona gegen den Pastor der Gemeinde, dem am 7. Februar eine entsprechende Unterlassungserklärung zur Unterschrift vorgelegt wurde. Pastor Coates unterschrieb nicht, und so klagte ihn die Krone nun unter section 145(4) (a) (Failure to comply with undertaking) des Strafgesetzbuches an. Dort steht: »Every person is guilty of an indictable offence and liable to imprisonment for a term of not more than two years or an offence punishable on summary conviction who, (a) is at large on an undertaking and who fails, without lawful excuse, to comply with a condition of that undertaking;«

Pastor Coates folgte bewusst nicht der gerichtlichen Anordnung, die Gemeindeversammlungen auf unbestimmte Zeit auf 15% der Kapazität zu beschränken (usw.), war sich aber von den Androhungen der Unterlassungserklärung her im Klaren darüber, dass diese Verweigerung zu seiner Verhaftung führen würde. So erschien er, nachdem er am 14. Februar noch den Gottesdienst geleitet hatte, am Montag drauf freiwillig bei der Polizei. Eine Entlassung gegen Kaution, welche selbst Schwerverbrechern in der Regel gewährt wird, wurde ihm nach der Anhörung verwehrt. Er wurde im Provinzgefängnis Edmonton Remand Centre in Einzelhaft gehalten, anfänglich unter Quarantäne entsprechend den offiziellen COVID-19-Vorschriften (er hat aber keine Infektion). Die Bedingungen für eine Freilassung gegen Kaution waren, dass er die Einhaltung aller Gesundheitsverordnungen unterschrieb, ansonsten er weder als Teilnehmer noch als Pastor die Versammlungen besuchen dürfe, mithin alle seine Verpflichtungen als Pastor, inklusive Predigen, Abendmahl, Taufen sowie weitere Aktivitäten einzustellen hätte. Dies war Pastor Coates aus Gewissensgründen und aufgrund seiner biblisch begründeten und im Gewissen festen Glaubensüberzeugungen nicht bereit zu tun.

Die Gemeinde handelte offenbar vorbildlich verantwortungsvoll und stets im Wort Gottes gegründet. Als COVID-19 Anfang 2020 vermehrt auftrat und Hochrechnungen exorbitant hohe Todeszahlen prognostizierten (berühmt-berüchtigt die Simulationen von Neil Ferguson vom Imperial College), hatte die Gemeinde von Präsenzveranstaltungen komplett auf Livestream umgestellt. Als die erste Notsituation auch offiziell für beendet erklärt wurde, öffnete die Gemeinde wieder ihre Türen und hatte normale Gottesdienste (ab 21. Juni 2020). Anfang Juli wurde der Gemeindeleitung bekannt, dass sich zwei Personen, die zur Gemeinde gehören, sich irgendwo mit COVID-19 angesteckt hatten. Sofort wurden für 14 Tage alle Veranstaltungen wieder auf Online umgestellt, sozusagen als Quarantäne-Maßnahme. Als klar wurde, dass keine weiteren Ansteckungen unter den Gemeindegliedern und Besuchern erfolgt waren, wurde wieder auf normalen Präsenzbetrieb umstellt und dies bis heute beibehalten. Ein Todesfall ist trotzdem zu beklagen: ein Mitglied der Gemeinde bekam wegen des angeordneten COVID-Lockdowns nicht die nächste notwendige Krebsbehandlung und verstarb. Der Bericht und die Stellungnahme der Gemeinde ist hier zu lesen.

Dieser Fall ist nur einer von vielen, wo sich Regierungen oder nachgeordnete Stellen anmaßen, von Gott direkt und unveräußerlich dem Menschen gegebene Rechte wegzunehmen oder einzuschränken. (Diese Rechte ergeben sich aus dem Mandat, das Gott dem Menschen allgemein geben hat. Dies kann hier nicht vertieft werden.) Dies ist keine triviale Angelegenheit, sondern berührt die Verfassung und die Werte einer freiheitlichen Verfassungsgemeinschaft im Kern. Die medial massiv verbreiteten Angstszenarien (engl. narratives) rund um COVID-19 scheinen ein geeignetes Begründungsvehikel für übergriffige Verordnungen bis hin zu neuen Ermächtigungsgesetzen zu sein. Es ist auch ein Test dafür, ob die Strukturen der Gewaltentrennung im Staat wirksam sind. Hier soll es aber nicht um diese zivilbürgerlichen Herausforderungen gehen, sondern darum, ob und wie Himmelsbürger, bekennende Christen, die Christus ausdrücklich als den Obersten Herrn bekennen, der über jeder weltlichen Gewalt steht und dieser ein klar bestimmtes Mandat (Aufgabe, Verantwortung, Grenzen) mit entsprechender Autorität verliehen hat, zur verfolgten Gemeinde stehen sollten.

Dazu anregen soll die folgende Stellungnahme »We Stand with Pastor James Coates« der Ausbildungsstätte von Pastor Coates, dem The Master’s Seminary in Sun Valley, CA (USA). Sie stammt von Nathan Busenitz, dem Executive Vice President und Dean of Faculty am The Master’s Seminary. Er ist als Hirte von Cornerstone, einer Gemeinschaftsgruppe der Grace Community Church (23.02.2021), Glaubensbruder und Dienstkollege von James Coates. Die folgende Übertragung ins Deutsche nimmt keine Perfektion für sich in Anspruch; es gilt das veröffentlichte Original. Ein beeindruckendes Interview mit Erin Coates, der Ehefrau des Pastors, ist hier zu anzuhören. Ihre eidesstattliche Erklärung gegenüber dem Gericht in Edmonton (26. Februar 2021) ist hier zu lesen.
Update 05.07.2021: Ein Interview von Pastor Tobias Riemenschneider (ERB Frankfurt) mit Pastor James Coates ist auf YouTube zu sehen: James Coates: Im Gefängnis für Christus – ein Interview (Deutsch); englischsprachige Version: James Coates: In Jail For Christ – An Interview (English).

»Wir stehen an der Seite von Pastor James Coates«

Die Seiten der Geschichtsbücher sind voller Beispiele von treuen Gläubigen, die mit Entschiedenheit Gott gehorchten, selbst wenn dies bedeutete, dem harten Widerstand von Mitmenschen ins Auge zu sehen. Als Daniel sich weigerte, mit seinem täglichen Gebet aufzuhören, wurde er in die Löwengrube geworfen. Als die Apostel sich weigerten, die öffentliche Verkündigung des Namens Jesu einzustellen, wurden sie verhaftet und ausgepeitscht. Als der Kirchenvater Polycarp sich weigerte, Christus zu verleugnen, wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Als der Puritaner John Bunyan sich weigerte, mit dem Predigen aufzuhören, wurde er 12 Jahre ins Gefängnis geworfen. Viele weitere Beispiele könnten noch angeführt werden, aber der springende Punkt ist klar: Gott zu gehorchen ist nicht immer einfach. Aber dies war das Lebenszeichen aller Glaubenden zu allen Zeiten.

James Coates ist eine lebendige Illustration dieser Art von Entschlossenheit. Als Abgeordnete der Regierung sich einmischten in die Fähigkeit der Gemeinde, sich frei zu versammeln und Gottesdienst zu halten, entschieden James und seine Mitältesten, dass sie Gott Priorität vor der Regierung einzuräumen hatten. Diese mutige Stellungnahme hatte ihren Preis. James wurde verhaftet und angeklagt. Als er vor dem Richter erschien, wurde ihm mitgeteilt, dass man ihn freilasse, wenn er aufhören würde, Gottesdienste in seiner Gemeinde abzuhalten. Wie Luther einst auf dem Wormser Reichstag, antwortete er respektvoll, dass er dies niemals tun könne. Sein Gewissen sei gebunden an Gott und die Heilige Schrift. Das hatte zur Folge, dass James ins Gefängnis geworfen und wie ein gewöhnlicher Krimineller behandelt wurde.

Es ist klar, dass die Regierung in Edmonton an James ein Exempel statuieren will. Auch wir wollen James als Exempel [Vorbild] hinstellen, denn sein Verhalten war in der Tat vorbildlich. Die Fakultät, die Mitarbeiter und die Studierenden von The Master’s Seminary stehen solidarisch zu James und seiner Gemeinde. Er erfüllt uns mit rechtem Stolz. Unser Wunsch ist es nämlich, Männer auszubilden, die nicht nur den Inhalt der Heiligen Schrift kennen, sondern ihre biblischen Überzeugungen auch ausleben. James ist so ein Mann – ein Mann des Meisters [Wortspiel mit: a Master’s man]. Wir stehen zu seinem Mut. Vielmehr jedoch geben wir unseren Beifall jenen unverhandelbaren Überzeugungen, welche die Begründung für solchen Mut bilden. Wir vertrauen dem Herrn in allem diesem und werden weiter für unseren geschätzten Bruder, seine Ehefrau, seine Söhne, seine Mitältesten und seine Gemeinde beten. Unser Gebet ist nicht nur, dass James bald aus der Haft entlassen und seiner Familie wiedergegeben werde, sondern dass als Ergebnis des Ganzen das Evangelium weit hinaus scheine zur Verherrlichung und Ehre Christi.

Soli Deo Gloria!

Update 23.03.2021: Die Strafverfolger der Krone haben den wesentlichen Teil ihrer Anklagen gegen Pastor James Coates zurückgezogen und wollen ihn –entgegen dem bisher gefolgten Antrag der Staatsanwältin, Frau Karen Thorsrud– eventuell in Kürze auf freien Fuß setzen. Das Hearing dazu vor dem Stony Plain Provinzialgericht fand am 22. März statt, Coates war virtuell zugeschaltet. Der Provinzialrichter Jeffrey Champion erhöhte die von Staatsanwaltschaft (Krone) und Verteidiger einmütig vorgeschlagene Strafe für die Missachtung der gerichtlichen Unterlassungsanweisung von 100 Can$ auf 1.500 Can$. Coates willigte trotzdem in die Strafe ein. Da durch die Haftzeit eine größere Entschädigung ansteht, ist der Betrag mit einem Teil der Haft beglichen und Coates wurde ohne weitere gerichtliche Auflagen entlassen. Ein Prozess am 3.–5. Mai 2021 soll klären, ob die Anordnungen des Gesundheitsamtes (Alberta Health Services), ausgegeben von Frau Deena Hinshaw, Chief Medical Officer of Health der Provinz Alberta, die zur Verletzung von »Fundamental freedoms« gemäß der Canadian Charter of Rights and Freedoms (Teil der Kanadischen Verfassung) führten und vom Parlament oder gewählten Angehörigen des Parlaments (Legislative Assembly) nicht abgesegnet sind, gerechtfertigt waren und sind. Die Beweispflicht liegt auf Seiten des Staates, es wird also höchstwahrscheinlich politisch entschieden. (Bericht des Justice Centers hier.)
Update 01.07.2021: Die Provinz Alberta lässt am 01. Juli 2021 alle Restriktionen wegen COVID-19 fallen. Entsprechend muss sie auch alle physischen Hindernisse vom kircheneigenen Grundstück entfernen und darf freien Gottesdiensten nicht länger im Wege stehen. Damit dürfte das Intermezzo als „Erste Untergrundkirche Canadas“ an geheimen Orten vorerst zu Ende gehen.

Du, Herr, erhörest, wenn wir beten
und glaubend schaun zu Dir hinauf;
wir sind allzeit durch Dich vertreten,
durch Dich bewacht im Pilgerlauf.
Wir können frei und sicher gehn,
wenn wir, o Herr, auf Dich nur sehn.

Carl Brockhaus (1822–1899)

Textquelle: Siehe Uwe Seidel (EBTC), Wir stehen an der Seite von Pastor James Coates, hier.