Die Autorität eines Ältesten

Lesedauer: 13 Minuten.

Die christliche Gemeinde Grace Community Church in Sun Valley, CA (USA) versammelt sich regelmäßig zu Fragestunden (Q&A) für ihre Gemeindeglieder. Die Fragen werden ungeskriptet direkt an Saal-Mikrophonen gestellt. Der Hirten-Lehrer der Gemeinde, einer von ca. 36 Ältesten, steht am Pult und beantwortet sie spontan. Dabei werden oft Fragen gestellt, die auch für Christen anderer Gemeinden interessant sind. Eine der Fragen war: 

Wie viel Autorität hat ein Ältester (Aufseher, Gemeindehirte, Pastor)
im Leben seiner Gemeindeglieder? 

John F. MacArthur (1939–2025) beantwortete diese Frage wie folgt:

»Keine. Gar keine Autorität. Ich habe persönlich keine Autorität in dieser Gemeinde. Meine Erfahrung verleiht mir keine Autorität. Mein Wissen verleiht mir keine Autorität. Meine Ausbildung verleiht mir keine Autorität. Ich habe keine Autorität. 

Meine Position verleiht mir keine Autorität. Mein Titel verleiht mir keine Autorität –deshalb mag ich Titel nicht. Nur das Wort Gottes hat Autorität. Christus ist das Haupt der Gemeinde, und Er übt seine Herrschaft in der Gemeinde durch sein Wort aus. Ich habe keine Autorität.

Ich habe keine Autorität über die Schrift hinaus. Ich darf niemals über das hinausgehen, was geschrieben steht (1.Korinther 4,6). Das zu tun würde, wie Paulus sagt, bedeuten, hochmütig (wörtl.: arrogant) zu sein und sich selbst für überlegen zu halten. Ich habe Ihnen (der Fragerin) nichts zu sagen, was irgendeinen Anspruch an Sie stellt, wenn es nicht aus dem Wort Gottes kommt.

Vermutlich sprechen Sie aus irgendeiner Erfahrung heraus, in der Sie empfanden, dass ein Gemeindehirte (Ältester) Ihnen – oder jemandem, den Sie kennen – gegenüber ungebührliche Autorität ausgeübt hat. 

Wir müssen uns als Gemeindehirte daran erinnern, dass wir – obwohl der Herr uns erhoben und uns diese Art von Verantwortung gegeben hat – keine persönliche Autorität besitzen.

Wenn ich Ihnen sage, was Gott in seinem Wort gesagt hat, dann besitzt dies Autorität, nicht wahr?! Aber ich darf nicht über das hinausgehen, was geschrieben steht. Ich kann Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie Ihr Leben zu führen haben. Ich kann Ihnen mit Weisheit dienen, wenn Sie darum bitten; aber vielleicht habe ich nicht mehr Weisheit als sonst jemand.

Bei vielen Fragen würden Sie von meiner geliebten Patricia (seine Ehefrau) mehr Weisheit erhalten als von mir. Sie steht zwar nicht auf der Kanzel, aber sie besitzt geistliche Einsicht und geistliche Weisheit; und wenn Sie Rat oder Weisheit suchen, dann würde ihre Weisheit in vielen Fällen meine übertreffen.

Der Pastor besitzt also in sich selbst keine Autorität. Hören Sie, was Paulus sagt:  Wer ist denn Paulus? Wer ist Apollos? Wer ist Kephas? Wir sind nichts. (vgl. 1Korinther 1,12–13; 3,4–7). Alles ist von Christus, alles ist vom Heiligen Geist, alles ist von der Schrift. Okay?«

Ein paar Nachbetrachtungen

Diese wohltuend klare Stellungnahme eines äußerst bekannten und von Gott reich gesegneten »Führers« in der Gemeinde Gottes regt zum Nachdenken an. In der Frage nach Autorität und Führung in einer christlichen Gemeinde sollte Klarheit herrschen, um biblisch richtig denken, reden und als Gemeinde leben zu können. Eine Reihe solcher Überlegungen aus speziell deutscher Sicht folgt und könnte –in aller noch bestehenden Unreife und Unvollständigkeit – als Input für brüderlichen Austausch dienen. (Nur so als Vorschlag…)

1 Führer-Sehnsucht

Die Deutschen scheinen sich trotz übelster Erfahrungen in ihrer Geschichte immer noch gern und unheilbar nach einem »Führer« zu sehnen, dessen Befehlen sie gehorsamst folgen wollen. Auch Mitglieder von christlichen Kirchen und Gemeinden waren in jenen unseligen Zeiten der Vergangenheit nicht ausgenommen. Leider griffen sie in dieser Sehnsucht voll daneben. Vielfach ist dokumentiert, dass das »Führerprinzip« auch innerhalb der Kirche und den christlichen Gemeinschaften angenommen wurde. Wir lesen sogar von uns heute sehr peinlichen Huldigungsadressen an den damaligen »Führer«. 

Natürlich gab es in Politik und Kirche auch einige Ausnahmepersonen, die entweder zu Märtyrern wurden oder flohen oder in den Untergrund gingen. Das »gute Bekenntnis« über Jesu Christi abzulegen (nämlich, dass Er der König der Könige und Herr der Herren ist; 1Timotheus 6,12–16; Matthäus 27,11; Johannes 18:37) und nicht über irgendeinen anderen »Führer«, kann in solchen Tagen den Bekenner einiges kosten. – Wie sieht es heute aus, in der Gemeinde Jesu Christi?

2 Der Oberste Führer

Schon immer galt und gilt, dass die Oberste Autorität in der Gemeinde Jesu Christi der Sohn Gottes selbst ist. Er übt seine Autorität aus durch sein Wort (die Heilige Schrift), wenn es mittels der Befähigung durch den Heiligen Geist richtig ausgelegt und angewendet wird. Da hapert es leider oft an Bibelkenntnis, Ausbildung und Befähigung (Charisma). Schon Jesaja klagte: »Darum wird mein Volk weggeführt aus Mangel an Erkenntnis« (Jesaja 5,13). Und Hosea fügte hinzu: »Mein Volk wird vertilgt aus Mangel an Erkenntnis« (Hosea 4,6). 

Was ist aber, wenn die verborgene Ursache tiefer als die Erkenntnisfrage liegt, wenn Sünde geduldet wird, die himmlische Berufung nur noch Lippenbekenntnis ist, wenn das irdische »Heil«, die Leidensscheue oder gar die Herrschsucht unter dem Zuckerguss frommer Worte dominieren? Wie sollen wir dann Gottes Willen wissen, gar anstreben? Wie unterscheiden wir, ob der Oberste Führer der Gemeinde seine örtliche Gemeinde(n) leitet, oder ob wir von innovativen Vorschlägen, Gewohnheiten gut gemeinter Traditionen oder bösartigem Macht- und Kontrollverlangen (u. dgl. mehr) geführt werden? Wie unterscheiden wir von Gott eingerichtete Führung von einer menschlich zu Unrecht eingesetzten? Wann sollen wir »im Herrn« gehorchen, wann nicht? Hat der Oberste Herr dazu etwas gesagt? Wissen wir das? Wenden wir es an?

3 Führergehorsam

Die den Hebräern gegebene Anweisung, ihren »Führern« gehorsam zu sein und sich ihnen zu fügen (Hebräer 13,17), wurde immer wieder missbraucht mit einer Deutung, als sei der »Führer« Gottes Stimme und jeder Widerspruch (Ungehorsam) eine Rebellion gegen Gott. Das ist nicht nur in charismatisch verirrten Gemeinden zu sehen, sondern auch besonders in traditionell akzentuierten Gemeinden. Machtmenschen gibt es allerdings überall.

Daher ist es überaus tragisch, dass das »Führergehorsam«-Gebot aus Hebräer 13,17 immer wieder zitiert wird, ohne die beigefügten qualifizierenden Angaben zum Dienst und zum Dienstherrn der gemeinten »Führer« zu nennen: (1.) sie wachen über die Seelen und (2.) sie stehen unter der Autorität und Verantwortung des Oberhirten, sie sind nur örtlich wirksame Unterhirten. Vers 7 desselben Kapitels hatte vorher bereits klargemacht, dass die Führung dieser Führer durch Vorbild sein im Glaubensleben geschieht, Kapitel 11 hatte dies zigfach historisch belegt. Im Umkehrschluss wird klar: Wer sich nicht wie ein Hirte aus Liebe beständig um die Seelen der anvertrauten Schafe (den Gemeindegliedern der örtlichen Gemeinde; vgl. 1.Petrus 5,2–3) kümmert, ist kein vom Herrn autorisierter Führer, mögen auch Menschen (Älteste, Gemeindeglieder) diesen Mann einst als Ältesten benannt oder eingesetzt haben. 

4 Erkennungsproblem: Wer ist »Führer«?

Wir müssen aus leidvoller Vergangenheit bezeugen, dass es auch ein falsches Erkennen, ein falsches Anerkennen und ein folgendes falsches Benennen von »Führern« gibt. Das flehentliche Gebet einer Gemeinde muss sein, sich in dieser Sache nicht täuschen zu lassen, sondern Gottes Willen und Handeln sicher und klar zu erkennen. Dies führt direkt zur Motivation, zuerst den verschrifteten Willen Gottes (in der Heiligen Schrift) intensiv zu studieren, damit der Wille Gottes im Grundsätzlichen erkannt werden kann. Unter einmütigem Gebet wird Gott auch den konkreten Willen bzgl. konkreter Personen offenbaren. Interessanterweise waren diese beiden Aufgaben –Dienst am Wort und Gebet– die Hauptsachen des Dienstes der Apostel und Ältesten der Ur-Gemeinde (vgl. Apostelgeschichte 6,4). Man kann auch heute vom Herrn eingesetzte Älteste an diesen Prioritäten erkennen und ihnen als »Führern« folgen. Aber wie weit?

5 Geltungsbereich: Wann ist zu »gehorchen«?

Wir müssen das biblische Gehorsamsgebot gegenüber religiösen Führern in der örtlichen Gemeinde stets zusammen mit der Angabe des biblisch angegebenen Geltungsbereichs zitieren. Im juristischen Denken schafft diese Angabe Klarheit darüber, welches der Bereich ist, innerhalb dessen eine Norm rechtliche Gültigkeit beansprucht und zur Anwendung kommen darf. Das kann tatbestandlich, sachlich, persönlich und auch räumlich formuliert sein. Wer diese Angabe beim Gehorsamsgebot gg. »Führern« ignoriert oder verschweigt, verabsolutiert das Gebot und schafft damit eine Konkurrenzautorität gegenüber dem Obersten Herrn, biblisch gesprochen also einen Götzen.

Schon früh in der Geschichte der christlichen Kirche (Apostelgeschichte) wurde daher für alle Zeiten klar angegeben, dass das Gehorsamsgebot gegenüber führenden Menschen nie absolut, sondern immer nur begrenzt ist. Nur der Oberste Herr hat oberste Autorität, kann rechtmäßig absoluten Gehorsam fordern. Das zu bekennen ist ein konstituierendes Kennzeichen eines jeden wahren Christen (Römer 10,9). Wo ist also die Grenze unseres biblisch motivierten Gehorsams gegenüber »Führern« erreicht? Auch dazu schweigt die Heilige Schrift nicht.

6 Die »Clausula Petri«

Als die Apostel von den religiösen Autoritäten und Führern ihres Ortes (Jerusalem) hörten: »Wir haben euch streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren« (Apg 5,28), sagten Petrus und die Apostel: »Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.« (Apg 5,29). Dieses Prinzip bricht die Autorität aller örtlichen und überörtlichen Gemeinde-»Führer«, um der Autorität Christi bedingungslos Raum zu schaffen. Die Kirche hat seitdem diese sog. »Clausula Petri« (Petrus-Klausel) als Grenzbestimmung menschlicher Autorität festgehalten. Sie sagt: Staatliche, religiöse, kirchliche, familiäre oder sonstige menschliche Autorität ist nicht absolut, sondern steht unter Gottes höherem Willen.

Der Christ ist grundsätzlich zum Gehorsam verpflichtet gegenüber Obrigkeit (Römer 13,1ff), »Führern« in der Gemeinde (Hebr 13,17), Eltern usw., weil (und nur insofern) dies von Gott verordnete Ordnungs- und Segenseinrichtungen sind (z.B. Römer 13,3–4). Wenn aber menschliche Autorität etwas fordert, das Gott verbietet, oder etwas verbietet, das Gott gebietet, beendet dies die von Gott verliehene Legitimität dieser Autorität. Wer deutsche Spielkarten kennt, weiß: Ober sticht Unter.

6 Biblische Vorbilder

Die Bibel liefert uns manche nachahmenswerte Beispiele aus unterschiedlichsten Zeiten und Hintergründen für die Umsetzung dieses Prinzips: (1.) Die Hebammen in Exodus 1, die sich weigerten, den Befehl des Pharao, alle männlichen Babys zu ermorden, auzuführen. Gott lobt sie dafür. (2.) Daniel und seine Freunde verweigerten die Anbetung des Standbildes (Daniel 3) und Daniel betete trotz königlichem Verbot weiter zu Gott, koste es, was es wolle (Daniel 6). (3.) Die Apostel predigten trotz des Verbots der Obersten des Volkes weiter (s.o.). (4.) Der Apostel Paulus arbeitete ständig weiter als Missionar und Verkündiger des Evangeliums von Jesus Christus, auch wenn dies ihm viel Verfolgung (2.Korinther 11,23ff) und letztlich seinen Kopf kostete (2.Timotheus 4,6f). Zukünftig: (5.) Die Märtyrer jener Tage werden sich weigern, das »Bild des Tieres«, des angeblich »Obersten Führers«, anzubeten (Offenbarung 13,15ff). Das erinnert uns an Daniel und seine Freunde (Nr. 2 oben).

Diese Beispiele kommen aus unterschiedlichsten Zeiten, weil das Prinzip dahinter ein ewiges, göttliches ist. Für uns gilt nichts anderes, egal, woher der kirchliche oder politische Wind aktuell wehen mag.

7 Die »Clausula Petri« und ihre Anwendung

Die Clausula Petri ist kein Freibrief für Anarchismus, Autoritätsbruch oder übersteigerten Individualismus (Autonomie). Es geht nicht um das Durchsetzen persönlicher Vorlieben, sondern um den Schutz eines Gewissens, das sich vor Gott gebunden sieht. Natürlich ist anzustreben, dass dieses geübte Gewissen von Gottes Wort richtig belehrt und geformt wurde, aber dies ist keine einzufordernde Bedingung zur Validierung einer Gewissensnot.

Die Anwendung der Clausula Petri mag zu Leiden wegen repressiver Maßnahmen von Seiten der beleidigten Autorität führen. Der Christ ist aufgerufen, seinen Gewissensgehorsam mit Demut vor Gott zu zeigen, er entzündet nicht einen psychologischen oder gar physischen Machtkampf oder plant eine Racheaktion. Im Wissen um den im Himmel thronenden Obersten Führer reagiert er vielmehr wie sein Meister (Johannes 18,11.36f): Er befiehlt sich im Leiden Gott an, »der gerecht richtet« (1.Petrus 2,23). Der Apostel Petrus wies die Nachfolger Christi an: »Daher sollen auch die, die nach dem Willen Gottes leiden, einem treuen Schöpfer ihre Seelen anbefehlen im Gutestun.« (1.Petrus 4,19).

Solch ein Christ kann seinen Peinigern sogar Gutes tun und wünschen. Daniel verweigerte das Gebetsverbot, aber er diente weiterhin dem Staat (Babylon!), als er das nach seinem Leiden wieder konnte. Die frühen Christen verweigerten dem Kaiser (Cäsar) die göttliche Verehrung und opferten ihm nicht, was oft ihre staatlich verordnete Ermordung als Märtyrer auslöste, aber sie griffen nicht zu den Waffen. Wir wissen: Gott wird sie rächen. Es mag Raum zur Selbstverteidigung geben, wenn massenweise Gläubige umgebracht werden; die Hugenotten (französ. Protestanten) sahen es jedenfalls als ihre Pflicht und ihr Recht an, sich gegen eine tyrannische und gottlose Obrigkeit zu wehren. Katholische Truppen unter dem Herzog von Guise töteten damals massenhaft protestantische Gottesdienstbesucher (Massaker von Vassy, 1562), zehn Jahre später wurden in Frankreich zigtausende von Hugenotten umgebracht (Bartholomäusnacht, 1572). Im Grundsatz gilt aber: Wir üben nicht selbst Rache, sondern geben Gottes Rache Raum (Römer 12,19).

8 Eine frappierende Selbstvergessenheit

Peinlich und geradezu ironisch wird es, wenn Christen, die selbst im Ungehorsam gegenüber den religiösen »Führern« ihrer christlichen Kirche oder Glaubensgemeinschaft neue Gemeinschaften/Gemeinden gegründet haben, dann später von ihren Mitgliedern wiederum entschiedenen Gehorsam gegenüber den in ihren neuen Gemeinschaften wirkenden »Führern« (meist: Ältesten, Pastoren=Gemeindehirten) einfordern. Dabei zitieren sie gerne die oben angeführten, einschlägigen Bibelstellen. In alter Übung wird nur ein Teilsatz zitiert und die qualifizierenden Aussagen im Gesamtsatz weggelassen. Man gibt sich auch keine Mühe zu klären, wer denn in diesem Hebräer-Brief mit »Führer« gemeint gewesen war.

Solche Gehorsamsforderung funktioniert ja nur, wenn der Gehorsamsheischende (d.i.: Gehorsam Einfordernde, auf Unterwerfung Bestehende) auf absolute Geschichtsvergessenheit bei den Gegängelten vertraut, also darauf hofft, dass keiner die selbstverurteilende Qualität der erneuten absoluten Gehorsamsforderung erkennt. Besser wäre es, wenn der Gehorsamsheischende erkennen würde, dass schon damals bei dem historischen (und oft der Gruppe neue Identität verleihenden) Ungehorsam die »Clausula Petri« galt –  und daher nun auch allen folgenden, aktuellen Gehorsamsaufrufen explizit beifügt werden müsste. Mit vollständiger Nennung des Schriftwortes und der Befolgung nach biblischer Vorgabe und Beispiel würde die Autorität Christi in der Gemeinde und im Glaubensleben eines jedes Gemeindegliedes realisiert und dem diotrephischen Machtgehabe manches »Führers« das Zaumzeug angelegt werden. 

Vom Geist Gottes durch Gottes Wort geleitet zu werden führt zu echter Einmütigkeit im Reden und Handeln. Das ist das Gegenteil von Kadavergehorsam. Der wurde von den Jesuiten erfunden, die von den Ordensangehörigen forderten (und fordern), dass sie »wie ein Leichnam, ein Stock oder ein Werkzeug in der Hand des Oberen« zu gehorchen hatten (perinde ac cadaver = gleichsam wie ein Leichnam; Ignatius von Loyola). Bewahre uns Gott vor den gottlosen Grundsätzen jener »Gesellschaft Jesu«!

Das mag der geneigte protestantische Leser einmal gedanklich anhand der Reformation vor 500 Jahren durchspielen, oder der US-Bürger einmal politisch anhand der Gründung der Vereinigten Staaten vor 250 Jahren durchdenken, oder irgendein »Freikirchenchrist« anhand der eigenen Gemeindegeschichte realisieren, deren konstituierender »Ungehorsam« vielleicht erst eine Generation zurückliegt. Vermutlich muss man dazu immer wieder auffordern, denn der »Blinde Fleck« ist bekanntlich bei den Betroffenen immer am stärksten ausgeprägt (Johari-Fenster der Persönlichkeit, 1955). Davon redet die Heilige Schrift ja schon seit Jahrtausenden: »Verirrungen, wer sieht sie ein? Von verborgenen Sünden reinige mich!« (Psalm 19,13); »Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es; wer mag es kennen? Ich, Jahwe, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen, nach der Frucht seiner Handlungen.« (Jeremia 17,9–10). Ein »blinder Fleck« kann nur kleiner werden, wenn ehrliches Feedback kommt, demütige Selbstreflexion erfolgt und liebevolle Offenheit gelebt wird. Gerade auch und vorbildhaft in der Gemeinde Jesu Christi.

Fazit

Christen leben schon immer in einer Welt, die nicht nur von Christus und Wahrheit, sondern auch von Usurpatoren und Bösen, von Lüge, Halbwahrheiten und Irrtum regiert wird. Daher ergab sich historisch schon immer eine Spannung zwischen legitimer Unterordnung (so, wie sie Gott verordnet hat) und blindem Autoritarismus und entsprechender Untertänigkeit und Unterwerfung. 

Die Reformatoren haben uns darauf hingewiesen, (1.) dass unser Gewissen allein an Gottes Wort gebunden ist, (2.) dass wir alle Lehre(n) an Gottes Wort prüfen müssen und (3.) dass jede menschliche Autorität begrenzt ist (und sein muss). Der Luther zu geschriebene Satz vor dem Reichstag zu Worms steht jedem biblisch denkenden Christen gut an: »Mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort!«.

»Das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit!« (Jesaja 40,8b mit 1.Petrus 1,25). Amen.

S.D.G.

Quellenangabe und Disclaimer

John MacArthur, How Much Authority Does A Pastor Have In The Lives Of His Congregants?. YouTube-Video, URL: https://youtu.be/cgMhrDjDAnI [abgerufen: 12.05.2026].

Die eingangs gelieferte Übersetzung ist eine direkte Wiedergabe der Q&A (Copyright GTY; Übersetzung durch grace@logikos.club). Die folgenden »Nachbetrachtungen« verantwortet als Urheber allein grace@logikos.club.

Eine herzbewegende Abschiedsrede (Apg 20)

Die Abschiedsrede des Paulus vor den Ältesten der christlichen Gemeinde in Ephesus in Milet (Apostelgeschichte 20,17–38) ist ein dichtes Führungsdokument mit bemerkenswerter Aktualität. Auch für die Leitung einer freikirchlichen christlichen Gemeinde heute lassen sich daraus mehrere tragfähige Prinzipien und Maximen für den Gemeindehirtendienst ableiten.

1 Leiterschaft ist Dienst, nicht als Status

Paulus beschreibt seinen Dienst mit: »dem Herrn dienend«, und zwar »mit aller Demut«, zeitweise sogar »mit Tränen«. Ältestendienst ist kein Amt zur Machtausübung, sondern Verpflichtung zu hingegebenem Dienst an den Heiligen der jeweiligen Ortsgemeinde. Geht es den anvertrauten »Schäfchen« gut, freut sich der Gemeindehirte – und droben der Oberhirte. Darauf kommt es an.

Anwendung heute: Älteste sind primär Hirten, nicht Manager (Organisatoren) oder Chefs. Ihre Autorität wird durch Integrität und Opferbereitschaft legitimiert, nicht durch Position, die ihnen von Menschen verliehen wurde.

2 Planvolle, ganzheitliche Verkündigung

Paulus betont, dass er nichts zurückgehalten hat von dem, »was nützlich ist«. Er verkündigte und lehrte Juden wie Nichtjuden »die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus«. Paulus tat dies öffentlich und in den Häusern, vor großer Zuhörerschaft und im kleinen Hauskreis. Etwas später (Apg 20,27) bezeugte er, dass sein Themenspektrum »den ganzen Ratschluss Gottes« umfasste. Paulus hatte ihnen vorgemacht, wie eine ausgewogene Ernährung der Herde Gottes und die Mission/Evangelisation der Ungläubigen praktisch aussieht.

Anwendung heute: Älteste sollten sich Paulus zum Vorbild nehmen: Er redete nicht nur über »Lieblingsthemen«, brachte nicht nur ermutigende, nichtkonfrontative, leicht verdauliche Bibeltexte aus dem Bibel-ABC. Er wagte sich immer wieder auch an »Geheimnisse« und »schwer zu verstehende Themen« (2Pet 3,16). Er pflegte auch keine selektive Theologie, sondern ging systematisch (das impliziert: planvoll) und ausgewogen durch die gesamte biblische Lehre. Älteste sollten sein fruchtbares Kombinieren von Kanzeldienst, Mission und persönlicher Jüngerschaft nachahmen.

3 Wachsamkeit gegenüber äußeren und inneren Gefahren

Paulus warnt vor »reißenden Wölfen« von außen (Apg 20,29) und vor Männern aus den eigenen Reihen, die die Wahrheit verdrehen, um hinter sich und ihren Sonderlehren eine eigene Gruppe (jenachdem: »Fan-Club«, Parteiung, Sekte) zu versammeln (Apg 20,30; vgl. 1Kor 1,12ff). Um solche Gefahren von außen und innen zu erkennen, bedarf es theologischer Klarheit und Festigkeit, aber auch Unterscheidungsvermögen und Menschenkenntnis. Das sind unverzichtbare (und vor Amtsantritt nachzuweisende) Kernkompetenzen eines Ältesten.

Anwendung heute: Älteste müssen gut mit Gottes Wort vertraut sein, müssen das Spektrum der gesamten biblischen Lehre sicher beherrschen und das Wort Gottes, den Herrn Jesus Christus und seine Gemeinde von Herzen lieben. Denn ihnen ist der Schutz der Gemeinde als aktive Aufgabe (nicht nur reaktiv) anvertraut, sie müssen Überblick über die Herde (»Aufseher«) und geistlichen Durchblick haben. Sie dürfen Konflikten und falscher Lehre in der Gemeinde nicht aus dem Weg gehen. Sie müssen die Gemeinde präventiv mit gesunder Lehre kräftigen und befestigen und im Angriffsfall von außen oder innen das Falsche und Gefährliche erkennen, benennen und bekämpfen können.

4 Geistliche Verantwortung statt Selbstsicherheit

Um geistliche Verantwortung für eine örtliche Gemeinde (gemeinsam mit anderen Ältesten) übernehmen zu können, muss zuerst das eigene geistliche Leben in Ordnung sein. Die Prioritäten setzt Paulus klar: »Habt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde« (Apg 20,28). Getragen werden müssen beide Verantwortungsbereiche von der Erkenntnis, dass »der Heilige Geist [sie] als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten« (Apg 20,28). Das bedeutet einerseits Würde und Ernst durch göttliche Ernennung, versichert aber auch Tröstung und Ermutigung mit Blick auf den göttlichen Beistand.

Anwendung heute: Die Selbstleitung (Charakter, geistliche Disziplin) eines Ältesten hat Priorität vor der Wahrnehmung (s)einer Führungsaufgabe. Der Älteste muss von Gottes Wirken abhängig sein, es reicht nicht, nur rein menschlich klug und strategisch vorgehen zu können. Dem Ältesten muss stets klar sein: Gemeindeleitung als Ältester ist göttliche Berufung, nicht nur Vorweisen einer (menschlichen, beruflichen) Qualifikation.

5 Vorbildfunktion in Lebensführung und Arbeitsethik

Paulus erinnert daran, dass er niemandes Silber oder Gold begehrt hatte, also Bezahlung oder gar Bereicherung angestrebt hätte, sondern dass er für seinen Lebensunterhalt selbst gearbeitet hatte (Apg  20,33–35). Als Bibellehrer und Missionar hatte er Anspruch auf entsprechende Entlohnung (1Kor 9,14; 1Tim 5,18 mit Lk 10,7). Aber er war sich nicht zu schade, sein Leben »nebenher« als Handwerker (Zeltmacher) zu finanzieren und sogar anderen, die ärmer dran waren, finanziell zu helfen (s.u.). Damit war er für alle ein Vorbild von tadelloser Lebensführung und Arbeitsethik: Sei es theologischer Unterricht oder das Verfertigen von Zelten, beides war für ihn »Gottesdienst« (Kolosser 3,17).

Anwendung heute: Für jeden Ältesten ist finanzielle Transparenz und Integrität unverzichtbar. Leitende sollen keine versteckten Eigeninteressen verfolgen. Dass ihnen als Arbeitende eine entsprechende Entlohnung zusteht, haben Christus und Paulus klar gelehrt. Das gilt auch, wenn sie auf dieses Entlohnungsrecht verzichten. Vor Missbrauch wird gewarnt, aber das setzt den rechten Gebrauch der Entlohnung nicht ins Zwielicht. Älteste müssen danach streben, den geführten Glaubenden ein Vorbild im praktischen Umgang mit Ressourcen, Arbeit, Weisheit und Großzügigkeit zu sein.

6 Die Schwachen nicht vergessen

Paulus strebte als Apostel und Nachfolger Jesu Christi danach, so zu denken, zu reden und zu leben wie Jesus Christus. Daher hebt er mit einem Zitat aus dem Mund seines Meisters (»Geben ist seliger als Nehmen«) hervor, dass jeder Christ, besonders der Älteste als Vorbild, sich »der Schwachen annehmen« soll. Dies hatte er mit großem eigenem Einsatz selbst vorgelebt.

Anwendung heute: Die Ältesten wenden sich nicht nur den Leistungsstarken oder Sichtbaren zu. Diakonische Sensibilität ist integraler Bestandteil der Leitung einer Gemeinde als Gemeindehirte. Die Ältesten sollten in ihrer Ortsgemeinde eine Kultur der Fürsorge pflegen. Ihre Aufgabe ist es bei aller Verwaltertreue nicht, reine Effizienzmaximierung zu betreiben und vorzeigbaren Erfolgszahlen nachzuhetzen. Sie werden sonst letztlich dem Pragmatismus zum Opfer fallen.

7 Loslassen und Übergabe ermöglichen

Paulus weiß, dass er die Ältesten dieser Ortsgemeinde in Ephesus nicht wiedersehen wird. Also war nun der Zeitpunkt für »letzte Worte«. Als guter und treuer Führer im Reich Gottes befahl er sie daher »Gott und dem Wort seiner Gnade« an, die ewig sind und daher auch beim Abtritt des Apostels weiterhin verlässlich als fester Grund unter ihnen, als treuer Begleiter an ihrer Seite und als wunderkräftig Auferbauende bei Ihnen bleiben würden (Apg 20,32).

Anwendung heute: Älteste müssen sich als Gemeindeleiter reproduzieren, um ersetzbar zu werden oder Möglichkeiten der Vermehrung (Mission, Tochtergemeinden u.ä.) zu schaffen (Multiplikation statt Abhängigkeit). Daher müssen sie sich ihrer begrenzten Wirkzeit bewusst sein und beizeiten an gesunde Übergaben denken. Geistlich veranstaltete Nachfolgeplanung ist entscheidend wichtig. Paulus hatte es ihnen vorgelebt: Hingegebene Investition in die Schulung und praktische Ausbildung von Nachfolgern ist strategisch wichtig und für Befolgung des Missionsauftrags unverzichtbar. Loslassen und Übergabe wird nur gelingen im Vertrauen auf Gottes Wirken und Zubereiten – auch jenseits der eigenen Kontrolle und Fähigkeit. Vertrauen wir: Es ist ja Seine Gemeinde!

8 Emotionale Tiefe und Beziehung

Die Abschiedsszene endet mit vielem Weinen, Umarmungen und echter Zuneigung (Apg 20,37). Der Apostel Paulus hatte in den wenigen Jahren des Lebens und Dienens unter ihnen mehr Zuneigung erworben, als manche Gemeindeleiter, die etliche Jahrzehnte »in Amt und Würde« eines Ältesten eingesetzt worden waren, aber vergessen hatten, dass der Dienst eines Ältesten vor allem ein hingegebener Liebesdienst eines Hirten an den geliebten, anvertrauten, bluterkauften Schafen Christi ist.

Anwendung heute: Echte Gemeindeleiterschaft ist nicht nur funktional, sondern relational. Tiefe Beziehungen sind kein »Nice-to-have« (Option), sondern tragendes Fundament des Gemeindehirtendienstes. Man kennt sich, man achtet sich. Man gibt Ehre dem, dem Ehre gebührt. Jeder hat erlebt: Authentizität stärkt Vertrauen.

Fazit

Die Abschieds- und Abtrittsrede des Apostels Paulus ist kein abstraktes Lehrstück, sondern spiegelt ein gelebtes Leitungsmodell: geistlich fundiert, relational geprägt, opferbereit und wachsam. Älteste brauchen ein besonderes Maß geistlicher Substanz, christlichen Charakters und unparteiischem Verantwortungsbewusstseins, um ihre Berufung vor Gott und Menschen ausleben zu können.

Diese Rede kann noch weiter praktisch ausgewertet werden, was einem späteren BLOG-Artikel vorbehalten ist.

Ausbildung neutestamentlicher Gemeindeleitung

Lesedauer: 2 Minuten.

Der US-Amerikaner Alexander Strauch aus einem amerikanischen Zweig der »Brüderbewegung« ist seit gut 40 Jahren aktiv in der Lehre und im Training von Ältesten in der neutestamentlichen Gemeinde Jesu Christi. Seine Bücher sind anerkannte Standardwerke geworden im Kreis solcher Gemeinden, die nach dem Neuen Testament leben und dienen wollen. Seine Webseite »Biblical Eldership Resources« ist eine Fundgrube für Theorie und Praxis: www.biblicaleldership.com.

Seine Bücher, Seminarvorlagen, Arbeitshefte und Videovorträge sind auch auf Deutsch erhältlich. Alexander Strauch war vielfach in Deutschland und hat Seminare für angehende und bestehende Gemeindeleiter durchgeführt. Die Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg hat einige seiner Werke übersetzt und veröffentlicht.

Einige Webseiten liefern Linklisten und Überblicke in das verfügbare Material. Eine dieser guten Webseiten ist gesunde-gemeinden.de. Sie schreiben:

Ob Gemeinden gesund wachsen und sich multiplizieren, hängt nicht nur, aber maßgeblich von ihren Leitern ab. Damit die lernen können, was sie brauchen, veröffentlichen wir hier empfehlenswertes Schulungsmaterial und beginnen mit den Schulungsvideos von „Biblical Eldership Resources“. Darin geben Alexander Strauch und andere erfahrene Älteste gesunde biblische Lehre und ihre jahrzehntelange Erfahrung im Ältestendienst weiter.

Leider ist die o.g. Website mit den Vortragsmanuskripten zu den Lehrvideos von Alexander Strauch zur Zeit (04.2026) gestört, so dass in der Zwischenzeit hier die Inhalte gespiegelt werden (s.u.).

Vortragsreihe »Grundzüge neutestamentlicher Gemeindeleitung«

Die Seminarreihe von Alexander Strauch zu diesem Thema wurde auch in deutscher Übersetzung verschriftet. Die Lektüre könnte gut als erster, inhaltsreicher Überblick über sein Standardwerk »Biblische Ältestenschaft« dienen. Die Videos dazu sind im nächsten Abschnitt unten verwiesen.

  • 01 – Biblische Ältestenschaft: Einführende Zusammenfassung (PDF)
  • 02 – Zurück zur biblischen Lehre (PDF)
  • 03 – Mehrere Hirten-Älteste – warum? (1) (PDF)
  • 04 – Mehrere Hirten-Älteste – warum? (2) (PDF)
  • 05 – Mehrere Hirten-Älteste: Definition (PDF)
  • 06 – Voraussetzungen für Ältestendienst (1) (PDF)
  • 07 – Voraussetzungen für Ältestendienst (2) (PDF)
  • 08 – Fähigkeiten, Prüfung und Berufung von Ältesten (PDF)
  • 09 – Aufgaben von Ältesten (1): Lehren und Schützen (PDF)
  • 10 – Aufgaben von Ältesten (2): Leiten und Heilen (PDF)

Website brink4u: Biblische Leiter-Schulung

Uwe Brinkmann aus München hat eine Website für dieses Thema mit gleichen und weiterführenden Quellen veröffentlicht: Biblische Leiter-Schulung. Dort sind auch die 10 oben aufgeführten Seminar-Videos mit Alexander Strauch alle aufgeführt.

Brinkmann schreibt: »Den größten Gewinn wird man aus diesen Vorträgen ziehen, wenn man sich anschließend miteinander darüber austauscht.« (Leider verweist er auch mehrfach auf die oben erwähnte, zur Zeit gestörte, Website.)

Weitere Ressourcen

Biblische Ältestenschaft (Alexander Strauch)

Warum bei Gemeindeämtern Erprobung wichtig ist

Bin ich für meine Gemeinde nützlich?

Lesedauer: 6 Minuten.

Viele Christen verstehen Gemeinde unbewusst als einen Ort, an dem sie empfangen: Predigt hören, Gemeinschaft erleben, geistlich auftanken. Doch Paulus zeichnet in 1Korinther 12 ein ganz anderes Bild: Die örtliche Gemeinde ist kein Zuschauerraum – sie ist ein lebendiger Körper. Und jeder, der zu Christus gehört, ist ein Teil davon. Jeder Gläubige hat eine Aufgabe. Jeder ist Teil des Leibes. Du bist nicht zufällig da. Du wirst gebraucht. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: »Was bekomme ich?«, sondern: »Bin ich für meine Gemeinde nützlich?«.

Kontext und Einleitung (12,1)

In 1Korinther 12,1 beginnt Paulus die Beantwortung einer weiteren jener Fragen, die ihm die christliche Gemeinde in Korinth gestellt hatte: »Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, dass ihr unwissend seid«. Seine Antwort ist recht ausführlich und erstreckt sich über drei Kapitel: in Kapitel 12 geht es um die Einheit und Vielfalt der Gaben des Geistes, in Kapitel 13 um die Liebe als Antrieb zur Gabenausübung und in Kapitel 14 abschließend ganz praktisch um den ordentlichen Einsatz der Geistesgaben im Wortgottesdienst. Dann erst wendet er sich einer weiteren Frage zu (Auferstehung).

Paulus zeigt in diesen drei Kapiteln, dass die Gaben des Geistes Gottes vom Geist Gottes geprägt sind, was sie in Kontrast setzte zu den offenbar in Korinth ebenfalls gepflegten heidnischen »Geistmanifestationen«. Seinem Mitarbeiter Timotheus hatte er einmal erklärt: »Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (Selbstbeherrschung)« (2Timotheus 1,7). Das kann man gut als Überschrift über 1Korinther 12–14 setzen.

Die Gabengeschenke des Geistes Gottes an die Glieder der Gemeinde sind zwar Geschenke, sie bringen aber eine lebenswichtige geistliche Verpflichtung mit sich: Sie sind kein Selbstzweck, sondern dazu da, die Gemeinde, den »Leib«, aufzuerbauen. Wir lernen: Christliches Glaubensleben ist immer gemeinschaftsbezogen. Paulus stellt in 1Korinther 12,7 fest, dass jeder eine geistliche Gabe hat und dass diese für den Dienst an den anderen bestimmt ist. Die zentrale Herausforderung für jeden lautet also: Was machst du damit?

Die einzigartige Quelle der Geistesgaben (12,2–3)

Die Gottesdienste in Korinth waren offenbar eine Mischung von Echtem und Gefälschtem, wenngleich alles »religiös« und vertraut vorkam. Paulus macht deutlich, dass Gottes Gaben nur im Zusammenspiel mit geistlicher Reife und Ablehnung der alten heidnischen Vorstellungen funktionieren. Nicht jede »geistliche Erfahrung« kommt von Gott. Es gibt auch falsche Geister und Gewohnheiten, die im Heidentum entweder zu Passivität (Weltverleugnung, Askese) oder im Gegenteil zu unkontrollierter Ekstase (Entrücktsein) verleiten. Unterscheidungsvermögen tut da not! Der Heilige Geist befähigt den Glaubenden zu einem bewusstem, planvollen (vernünftigen), zielgerichtetem Dienst. Paulus hilft: Echtes Wirken des Geistes ist immer verantwortungsbewusst und christusverherrlichend.

Die Einheit und Vielfalt der Geistesgaben (12,4–6)

Paulus betont eindrücklich dreifach: Es gibt verschiedene Gaben und verschiedene Dienste und verschiedene Wirkungen. Dies konkretisiert er in Versen 8–10 mit einer ersten Liste solcher Gaben. Aber Quelle, Dienstherr und wunderbar wirksam Machender aller Gaben ist stets er eine Gott. Gottes Geist entscheidet souverän für jeden Christen, welches Glied am Körper der Gemeinde er wird und wie er für dieses Gliedsein und Funktionieren mit geistlichen Gaben ausgerüstet wird (Vers 11).

In Verbindung mit 1Petrus 4,10 verstehen wir, dass jeder wiedergeborene, und daher vom Heiligen Geist bewohnte, Glaubende eine geistliche Gabe empfangen hat. Das Metapher eines menschlichen Körpers ab 1Korinther 12, 12 ist eindrücklich: Wir erkennen zwar viele unterschiedliche Glieder am Körper, aber sie gehören im Geben und Nehmen und Funktionieren zu einem einzigen Körper. Wenn alle in ihrer besonderen Fähigkeit »funktionieren«, ist der Mensch gesund und zu großen Taten fähig und bereit. Anders gesagt: Der Leib, die Gemeinde, lebt dann. Wir lernen: Niemand ist überflüssig. Niemand ist optional. Es gibt im Leib der Gemeinde keine »rudimentären Organe«. Und: Es gibt keine Glieder, die getrennt vom restlichen Leib überleben könnten.

Der Nutzen der Geistesgaben für die Gemeinde (12,7)

Die große praktische Schlussfolgerung lautet: »Einem jeden wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben« (12,7). Das bedeutet: Deine Gabe gehört nicht dir, sie ist für andere gedacht. Sie hat eine konkrete Funktion, die Gott festgelegt hat. Daher ist Untätigkeit geistlich gesehen keine neutrale Option. Der Nutzen wird konkret angegeben: dass die Gemeinde Gottes auferbaut werde. Jeder ist für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Gemeinde mit verantwortlich. Sei es negativ oder positiv.

Negativ. Wenn du deine Gabe nicht nutzt, sind die Folgen: Du wächst geistlich weniger, anderen fehlt dein Beitrag, die Gemeinde wird geschwächt. Es ist wie in einem Körper, wo ein Körperteil ausfällt. Egal ob das wegen Verletzung, Krampf, Lähmung oder Bequemlichkeit geschieht, die Folge ist immer: Der ganze Körper leidet. – Wir lernen: Passivität schadet mehr, als wir denken.

Positiv. Wenn du (wie alle) deine Gabe nutzt, hat das hingegen viele gute Auswirkungen: (1) Du segnest andere, so wie sie Dich segnen; Geben und Empfangen gehören im Organismus zusammen. (2) Eine aktive Gemeinde wirkt auch nach außen überzeugend, sie hat ein starkes Zeugnis. (3) Aus der Erprobung im Dienst wachsen Leiter heraus, die wieder anderen helfen, ihre Gaben zu erkennen und zu trainieren. (4) Es entsteht eine echte, christliche, herzensverbindende Gemeinschaft im Glauben und Dienen. – Wir lernen: Gemeinde funktioniert nicht durch wenige Aktive (»Professionelle«), sondern durch viele Beteiligte, solange jeder (nur) das tut, wozu er von Gott gesetzt wurde.

Auf manche christliche Gemeinde passt das sarkastische Lob: »Sie leben nach dem olympischen Ideal: Keiner macht, was er soll. Jeder macht, was er will. Aber alle machen mit!«.

Folgen wir aber den Anweisungen des Wortes Gottes ist das Ergebnis ein funktionierender, gesunder geistlicher Leib. Die Ordnung der Gemeinde ist wie die eines lebendigen Organismus‘. Es geht nicht zu wie in einer würdigen Schlossbibliothek mit allerlei beeindruckenden Folianten aus längst verflossenen Tagen, wo alles »an seinem Platz« steht. Das biblische Bild ist ein junger, gesunder Körper, dessen Glieder lebendig zusammenhängen, einander dienen und miteinander den Leib gesund halten, so dass er zielgerichtet, koordiniert und lebendig das Werk Gottes tun kann. Wir lernen: Wenn jeder an seinem Platz im Leib dient, entsteht Einheit, wächst Kraft und wird die Gemeinde außenwirksam.

Call-to-Action

Jeder wiedergeborene Christ muss sich fragen: Bin ich für meine Gemeinde nützlich?

Praxistipp: Nimm dir Zeit für folgende drei Schritte:

  1. Bete: »Herr, welche Gabe hast du mir gegeben?«
  2. Sprich mit deiner Gemeindeleitung oder reifen Christen darüber
  3. Handle: Fang an zu dienen, zunächst im Kleinen. Jeder gabenspezifische Dienst später baut auf die eingeübte Einstellung eines Dieners auf, sonst wird sie unwirksam oder gar gefährlich.

Bedenke: Gottes Plan für deine Gemeinde funktioniert nicht ohne dich. Gott hat dich nicht nur gerettet, er hat dich auch beauftragt. Deine Gemeinde braucht nicht nur deine Anwesenheit, sondern deinen Beitrag.

Im Brief an die Gemeinde in Ephesus fasst Paulus das alles wunderbar zusammen:

»…die Wahrheit festhaltend in Liebe, lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus, aus dem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maß jedes einzelnen Teiles, für sich das Wachstum des Leibes bewirkt zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.« (Epheser 4,15–16)

Gemeinde-nahe Bibelschule?

Lesedauer: 12 Minuten.

Ein Gemeindeglied fragte einen seiner Gemeindeleiter, warum man denn Ältestenkandidaten nicht vorher für ihre Aufgabe ausbilde. Die Einsetzung von einigen Männern der Gemeinde als Älteste war gerade überraschend verkündigt worden, ohne dass diese Männer entsprechende Zurüstung und öffentliche Erprobung für diesen Dienst erfahren hatten. Der Gemeindeleiter antwortete sinngemäß: Wir bilden Älteste nicht aus, weil das nicht in der Bibel steht. 

Eine solche Antwort ist doppelt frappierend. Zum einen veranstaltet die Gemeinde jenes Gemeindeleiters Kinderstunden, Jugendstunden, Jungschar, Junge-Erwachsene-Treffs, Frauenfrühstücke, Sommerfeste usw., für die uns in der Heiligen Schrift wohl auch jede direkte Anweisung fehlt. Die Praxis der Gemeinde stellt die gegebene Begründung also bereits in Frage. Und andererseits wissen Bibelleser, dass von der Ausbildung von Ältesten vor und nach ihrer Einsetzung sehr wohl im NT steht, sowohl im inspirierten Bericht der frühen Kirche, als auch in den Lehrbriefen des Apostels Paulus. Das widerlegt die gegebene Begründung zweitens auch positiv. Diesem Positiven wollen wir hier nachgehen.

Eines ist richtig: Letztlich entscheidet das Wort des Herrn über das, was seine Gemeinde sein und tun soll. Wir wollen daher in einer Kurzskizze eine biblisch basierte Rechtfertigung für Weiterbildung im Glauben und Dienst an und für sich und besonders solche für Ausbildung an einer gemeindeinternen oder gemeindenahen Bibelschule oder anders benannter Ausbildung in Lehre und Praxis des Glaubens versuchen.

Biblische Anweisungen und ein Präzedenzfall

Anweisungen. Eine biblische Rechtfertigung für die Ausbildung von Gläubigen, insbesonders von Verkündigern und Leitern (Ältesten), lässt sich bereits aus einer Reihe von Bibelstellen ableiten: von Matthäus 28,19 (mit der Betonung der Jüngerschaft) über 2.Timotheus 2,2 (mit Betonung der Ausbildung von Leitern) bis hin zu Titus 1,9 (mit der Betonung, dass Älteste dazu befähigt sein müssen, den Glauben zu lehren, zu verkünden und zu verteidigen). Zusätzlich verlangt 1.Timotheus 3,10 eine ausgedehnte und tadellos erfolgreiche »Erprobung« angehender Ältester (wie auch Diakone) in typischen Praxisaufgaben, was nach Vorbild Jesu und der Apostel wohl in engen Jüngerschaftsbeziehungen und in der Gemeinde erfolgen soll: »Lass diese aber auch zuerst erprobt werden, dann lass sie dienen, wenn sie untadelig sind«.

Präzedenzfall. Es gibt eine Passage in der Apostelgeschichte, die auf besonders aufschlussreiche Weise einen biblischen Präzedenzfall für die Ausbildung an gemeindenahen Seminaren und Bibelschulen liefert. Diese Verse, an denen offenbar viele achtlos vorbeigehen, die bei Kapitel 2,42 noch intensiv auf Umsetzung bestanden haben, berichten, wie der Apostel Paulus in der Stadt Ephesus eine theologische Ausbildungsstätte gründete. Ein Kommentator erklärt dazu: »In Ephesus gründete Paulus eine theologische Schule, um zukünftige Führungskräfte für die wachsende Gemeinde in der röm. Provinz Asia auszubilden« (Simon J. Kistemaker, Acts, NTC, S. 684).

Es ist unwahrscheinlich, dass Paulus diese Schule »Bibelschule Ephesus« oder »Asia Bibel Training Center« nannte, aber im Wesentlichen war sie nach unserem Sprachgebrauch genau dieses. Er wusste, dass Ephesus ein strategischer Ort war für die Vorbereitung weiterer Evangelisation und für die Gründung, Vervielfältigung und Stärkung weiterer christlicher Gemeinden in der Provinz Asia. Eine Gemeinde, die weitere Gemeinden gründen will, sollte hier genau hinsehen und am Beispiel des Apostels lernen.

Der Hintergrund des biblischen Berichts ist die dritte Missionsreise des Apostels Paulus (52/53–56 n. Chr.). Nachdem Paulus Antiochia verlassen und die Gemeinden in Südgalatien bereist hatte, begab er sich nach Ephesus. Dort traf er auf etwa ein Dutzend Jünger von Johannes Baptist und führte diese zu Jesus Christus, auf den Johannes stets hingewiesen hatte (s. Apg 19,1–7). Lukas nimmt die Erzählung an dieser Stelle auf und schreibt:

Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich unterredete und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte. Als aber einige sich verhärteten und nicht glaubten und vor der Menge schlecht redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab, indem er sich täglich in der Schule des Tyrannus unterredete. Dies aber geschah zwei Jahre lang, so dass alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als auch Griechen, das Wort des Herrn hörten. (Apg 19,8–10)

Wie Lukas in den Versen 9–10 erklärt, traf sich Paulus zwei Jahre lang jeden Tag mit einer Gruppe von Gläubigen in einer Schule, um ihnen dort biblische Lehre zu vermitteln. Das ist im Wesentlichen das Grundmodell der theologischen Ausbildung an einer gemeindenahen Bibelschule.

Aus diesem kurzen Abschnitt lassen sich drei Merkmale der ersten gemeindenahen Bibelschule ableiten. Und obwohl wir uns davor hüten müssen, einen erzählenden Text aus der Apostelgeschichte als eine normative Vorschrift für die heutige christliche Gemeinde zu missbrauchen, bieten diese Merkmale dennoch hilfreiche Parallelen für diejenigen, die sich heute mit der Ausbildung an einer Bibelschule befassen, sei es als Studierende oder als Lehrende, als Älteste, Evangelisten, Hirten oder Lehrer. Es beginnt mit einer Verpflichtung vor Gott, welche zu einer planvollen Investition führt, die dann zu reichen Früchten für Jesus Christus und seine Gemeinde führt.

Die Verpflichtung: Ein mutiges Bekenntnis zum Evangelium (19,8–9a)

Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich unterredete und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte. 9 Als aber einige sich verhärteten und nicht glaubten und vor der Menge schlecht redeten von dem Weg…

Apostelgeschichte 19,8 beschreibt den Inhalt der Botschaft des Paulus – eine Botschaft, die er zweifellos auch nach seinem Verlassen der Synagoge und der theologischen Unterweisung der Jünger weiter verkündete. Eine Untersuchung von Vers 8 zeigt, dass die Botschaft des Paulus kontinuierlich und anhaltend (»drei Monate lang«), mutig (»freimütig reden« parrhēsiazomai), sorgfältig (»unterredete« dialegomai), voller Überzeugung (»überzeugte« peithō) und christuszentriert (»von den Dingen des Reiches Gottes«) war. In Übereinstimmung mit seinem von Gott gegebenen Auftrag, das Evangelium zu verkünden, verkündete Paulus drei Monate lang treu die Wahrheit der Erlösung in der Synagoge von Ephesus.

Wie es für diejenigen, die der biblischen Wahrheit treu verpflichtet sind, unvermeidlich ist, stieß Paulus auf Feindseligkeit. Seine Botschaft erwies sich als umstritten (V. 9), nicht weil der Apostel streitsüchtig war, sondern weil das Wort Gottes immer polarisiert. Donald Grey Barnhouse kommentierte diesen Vers wie folgt:

Beachten wir die Reaktion, die Paulus auf seine Predigten erhielt. Es ist immer dasselbe: Einige reagieren positiv, aber die große Mehrheit ist verhärtet und ungehorsam in ihrer Einstellung. Paulus schrieb darüber in 1.Korinther 2,14: »Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes kommt, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss.« Das ist immer die Reaktion, die ein Prediger des Wortes Gottes erhält. Das ist die Reaktion, die jeder Christ auf sein treues Zeugnis für die Wahrheit Gottes erhält. (Acts, S. 176)

Paulus‘ unerschütterliches Bekenntnis zur Wahrheit angesichts von Feindseligkeiten setzt einen mutigen Präzedenzfall für alle, die heute im Dienst stehen (sei es in einer Kirche oder einem Seminar). Viel zu viele christliche Institutionen sind schnell bereit, ihre Botschaft zu verwässern, um sich der Popularität anzubiedern. Aber die von Gott gegebene Aufgabe eines jeden Gemeindehirten oder Bibelschulprofessors ist es, für die Wahrheit einzustehen, egal wie töricht oder unwillkommen sie der Gesellschaft um uns herum erscheinen mag.

Die Investition: Eine planvolle Konzentration auf die Ausbildung (19,9b–10a)

… trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab, indem er sich täglich in der Schule des Tyrannus unterredete. 10 Dies aber geschah zwei Jahre lang…

Da Paulus nicht mehr in der Synagoge der feindlich gewordenen Juden lehren konnte, zog er sich zurück und begann, sich mit einer Reihe von gläubigen Studenten (gr. mathētēs, »Jünger«, »Nachfolger«, »Schüler«; Apg 19,9) in einer nahegelegenen Schule zu treffen (wahrscheinlich einem Hörsaal, der von einem lokalen Philosophen namens Tyrannus genutzt wurde). Everett F. Harrison liefert weitere Aufschlüsse und Überlegungen zur Situation:

Paulus‘ neuer Aufenthaltsort war »die Schule des Tyrannus«. Das griechische Wort dafür ist scholē, was zunächst Freizeit bedeutet, dann Diskussion oder Vorlesung (eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Griechen), dann eine Gruppe, die solche Vorlesungen besucht, und schließlich den Ort, an dem solche Unterweisungen erteilt wurden. Eine aufschlussreiche Ergänzung im westlichen Text [Codex Bezae[1]] an dieser Stelle besagt, dass Paulus an diesem Ort täglich von der fünften bis zur zehnten Stunde, d. h. von 11 Uhr bis 16 Uhr, tätig war. Dies war wohl die Siesta-Zeit für die Einwohner. Man vermutet, dass Paulus diesen Saal zu einem symbolischen Preis mieten konnte, weil er zu dieser Tageszeit nicht genutzt wurde. (Acts, S. 291)

Die Tatsache, dass Paulus zwei Jahre lang täglich mit Bibelstudenten (gr. mathētēs, »Jünger«) zusammenkam, zeigt, wie sehr er sich persönlich für die Ausbildung seiner Glaubensbrüder engagierte. Wenn der westliche Text korrekt ist, fanden die theologischen Lehrveranstaltungen des Paulus während der üblichen Mittagsruhe (Siesta) der Stadt statt (was darauf hindeutet, dass schläfrige Bibelschüler eine lange Tradition haben). Der Apostel opferte bereitwillig seine persönliche Siesta, um die Jünger zu unterrichten, wahrscheinlich in Form von (Lehr-) Dialogen.

Es ist interessant zu bedenken, dass Paulus, wenn er sich sechs Tage die Woche fünf Stunden lang mit den Jüngern getroffen hat, in den zwei Jahren insgesamt etwa 3.000 Stunden mit ihnen verbracht hat. Das entspricht heute ungefähr vier Semestern Hochschulstudium.[2] Den Ältesten der Gemeinde in Ephesus nannte er sogar eine Gesamtzeit seiner Arbeit unter ihnen von »drei Jahren« (Apg 20,31).

Bemerkenswert ist auch, dass Paulus sich während dieser Zeit als Zeltmacher finanziell selbst versorgte. F. F. Bruce erklärt:

Wir können uns also vorstellen, wie Paulus den frühen Morgen mit Betreiben seines Handwerks verbrachte (vgl. 20,34; 1Kor 4,12) und dann die nächsten fünf Stunden der noch anstrengenderen Aufgabe des christlichen Lehrgesprächs widmete. Seine Zuhörer müssen von seiner Begeisterung und Energie angesteckt worden sein. (Acts, S. 408)

Eine letzte Bemerkung betrifft den Namen jenes »Tyrannus«, den die meisten Kommentatoren für jenen Dozenten halten, von dem Paulus den Hörsaal gemietet (oder zur Nutzung überlassen bekommen) hatte. Kistemaker weist auf die Bedeutung seines Namens hin: »Wir wissen nichts weiter über Tyrannus, dessen Name ›Tyrann‹ bedeutete. Wahrscheinlich war dies ein Spitzname, den ihm seine Schüler gegeben hatten« (Acts, S. 684). Wenn das stimmt, dann hat auch das Bild des überstrengen Lehrers eine lange Tradition.

Auch hier gibt Paulus den heutigen Bibelschullehrern und Gemeindeältesten wieder ein überzeugendes Beispiel, über das sie nachdenken sollten. Der Apostel brachte große Opfer, um in die nächste Generation christlicher Leiter zu investieren. Es ist unser Vorrecht, dasselbe für diejenigen zu tun, die in unseren Tagen zur Verherrlichung Christi zum christlichen Dienst in Gemeinde und Mission berufen werden oder berufen sind.

Die Wirkung: Ein Beitrag, der Christus in aller Welt ehrt (19,10b)

…so dass alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als auch Griechen, das Wort des Herrn hörten.

Lukas schließt diesen kurzen Abschnitt mit einem Kommentar zu den Wirkungen, die die Ausbildungsstätte des Paulus in Ephesus hatte: »so dass alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als auch Griechen, das Wort des Herrn hörten«. Paulus konzentrierte sich ganz auf die Ausbildung, investierte sich dort. Die Wirkung war geradezu explosiv. Ein Kommentator merkt sogar an, dass »dieser Ort mit seinen täglichen Lehrdialogen über einen Zeitraum von zwei Jahren es Paulus ermöglichte, den bislang umfangreichsten Einfluss auszuüben, der in der Apostelgeschichte insgesamt berichtet wird« (David Peterson, Acts, S. 536).

Das Ergebnis dieser Investition in eine systematische und ausführliche Ausbildung waren ausgebildete Gemeindehirten, Mission und die Gründung weiterer christlicher Gemeinden. Bruce beschreibt die Auswirkungen dieser Investition mit folgenden Worten:

Von da an wurde die Provinz Asien zu einem der wichtigsten Zentren des Christentums. Wahrscheinlich wurden alle sieben in der Offenbarung erwähnten Gemeinden in der Provinz Asia in diesen Jahren gegründet, und noch weitere. Die Gründung der Gemeinden im Lykos-Tal, in Kolossä, Hierapolis und Laodizea, muss in diese Zeit datiert werden: Diese Städte wurden nicht von Paulus persönlich evangelisiert, sondern von seinen Mitarbeitern. (Acts, S. 409)

Und Kistemaker fügt hinzu:

Wir gehen davon aus, dass die von Paulus ausgebildeten Bibelschulstudenten Gemeindehirten in aufstrebenden Gemeinden in Westkleinasien wurden. … Diese Jünger waren maßgeblich daran beteiligt, das Evangelium Christi, also das Wort Gottes, sowohl an die Juden als auch an die Griechen zu verkündigen. (Acts, S. 685)

Die zweijährige Ausbildungsstätte des Paulus hatte durch Gottes Gnade einen unglaublichen Einfluss auf die Verbreitung des Evangeliums und für die Sache Christi. Wie R. C. H. Lenski zu Recht hervorhebt:

Paulus nutzte Ephesus als Ausstrahlungszentrum. Während er in dieser Metropole und diesem politischen Zentrum blieb, streckte er seine Fühler mithilfe seiner Assistenten so weit wie möglich aus. Wie viele er davon beschäftigte, lässt sich nicht abschätzen. Eine Gemeinde nach der anderen wurde gegründet. (Acts, S. 790)

Auch hier liefert uns das Beispiel des Paulus ein überzeugendes Vorbild, über das wir nachdenken sollten. Wenn Bibelschulen ihrer gottgegebenen Verpflichtung treu bleiben und die ihnen anvertraute Investition sorgfältig wahrnehmen, können sie mit Freude beobachten, wie Gott ihre Arbeit segnet, indem Gott sein Wort einsetzt, segensreiche Wirkungen in dieser Welt zu zeitigen.

Disclaimer und Endenoten

Dieser Beitrag wurde angeregt und inhaltlich wesentlich genährt durch mehrere mündliche und schriftliche Beiträge von Dr. Nathan Busenitz, dem Executive Vice President und Dekan der Fakultät am The Master’s Seminary. Er ist außerdem einer der Gemeindehirten von Cornerstone, einer Gemeinschaftsgruppe innerhalb der Grace Community Church (GCC) in Sunvalley, CA (USA) und Hauptprediger der GCC. Siehe insbesondere seinen Vortrag zur Shepherd’s Conference 2025 (5.–7. März 2025), General Session 9: Mobilizing the Master’s Men – Paul’s Strategic Commitment to Pastoral Training (hier).


[1]      Der Codex Bezae, auch Codex Bezae Cantabrigiensis, ist eine Handschrift des Neuen Testaments in griechischer und lateinischer Sprache aus dem 5. Jahrhundert. Der Codex Bezae enthält die vier Evangelien in der Reihenfolge der westlichen Handschriften (Matthäus, Johannes, Lukas, Markus) und einen Teil der Apostelgeschichte. Der Codex wird in der Bibliothek der Universität Cambridge aufbewahrt und hat die Signatur MS Nn.2.41. … Er war der einzige Bibeltext aus dem ersten Jahrtausend, der im 16. Jahrhundert bekannt wurde. Dieser Codex trägt den Namen von Theodor Beza, dem Nachfolger Johannes Calvins, denn er schenkte ihn der Universität Cambridge. Gemäß Beza sei der Codex zuvor im Kloster St. Irenäus bei Lyon gewesen. (überarb. Exzerpt aus: de.wikipedia.org/wiki/Codex_Bezae; siehe auch: Novum Testamentum Graece, NA28 (Apparat zu Apg 19,9))

[2]      In Europa wird im ECTS-Schema unter einer Lehreinheit oft eine Semesterwochenstunde (SWS) verstanden. Das entspricht einer Unterrichtsstunde (45 Min.) pro Woche während der Vorlesungszeit eines Semesters. Im typischen Semester entspricht dies 10–11 Zeitstunden. Führt diese Vorlesungszeit beim Studenten zu einer Arbeitslast (work load) von insges. 25–30 Zeitstunden, erhält er dafür einen ECTS-Credit Point (CP). 30 CPs entsprechen einem Semester, 180 oder 210 CPs entsprechen einem Bachelor-Abschluss, 300 CPS einem Master-Abschluss. Die zwei Jahre in Ephesus könnten also gut 4 Semestern Hochschulstudium von heute entsprechen.

Bewährung im Dienst – Fünf Menschentypen und die Frage nach unserer Treue

Lesedauer: 7 Minuten.

Textgrundlage: 2. Timotheusbrief + 3. Johannesbrief

Was entscheidet eigentlich darüber, ob ein Christ im Glauben treu bleibt – oder mit der Zeit abweicht? Diese Frage ist alles andere als theoretisch. Sie stellt sich mitten im Leben, oft leise, manchmal unter Druck, manchmal schleichend über Jahre hinweg. Sie wird am Ende dieses Lebens vor Jesus Christus, dem gerechten Richter, geklärt und von Ihm belohnt oder bestraft werden.

Unsere Frage steht im Zentrum des Zweiten Timotheusbriefs, dem letzten erhaltenen Schreiben des Apostels Paulus. Er verfasste ihn unter extremen Umständen: in römischer Gefangenschaft, vermutlich kurz vor seinem gewaltsamen Tod als Märtyrer. Viele Weggefährten hatten sich bereits von ihm abgewandt, die äußere Situation war von Unsicherheit und Bedrohung geprägt. Doch Paulus verliert sich nicht in Klagen über seine Lage. Stattdessen richtet er den Blick auf das, was wirklich zählt: die Treue im Glauben und im Dienst.

Auffällig ist dabei seine Vorgehensweise. Paulus bleibt nicht bei allgemeinen Aussagen stehen, sondern nennt konkrete Personen (namentlich!). An ihnen zeigt er, wie sich Treue oder Untreue im Leben tatsächlich ausprägt. Diese Namen sind keine beiläufigen Randnotizen, sondern bewusst gewählte Beispiele, die das Anliegen seines Briefes veranschaulichen und zuspitzen.

1. Die Rückzieher – Abfall aus Angst (2Tim 1)

Im ersten Kapitel begegnen uns Phygelus und Hermogenes. Über sie wird nur knapp berichtet, dass sie sich von Paulus abgewandt haben. Doch gerade diese Kürze macht die Aussage eindrücklich. Offenbar gehörten sie zuvor zum Kreis derer, die Paulus verbunden waren. Als die Situation jedoch gefährlich wurde, zogen sie sich zurück. Im Hintergrund steht die zunehmende Verfolgung von Christen, insbesondere nach dem Brand Roms unter Nero. Wer sich zu Paulus bekannte, setzte sich selbst einem Risiko aus.

Hier wird sichtbar, wie schnell Angst den Glauben prägen kann. Treue zeigt sich nicht in Zeiten der Ruhe, sondern gerade dann, wenn sie etwas kostet. Das positive Beispiel liefert im Kontrast Onesiphorus, der Paulus gerade in dieser Lage aufsucht und sich dessen Ketten nicht schämt.

Treue zeigt sich nicht bei Schönwetter, sondern im Sturm, unter Druck.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist sehr konkret: Wo beginne ich mich zurückzuziehen, wenn Nachfolge und Treue zum Herrn und seinem Wort unbequem wird?

2. Die Verdreher – Zerstörung durch falsche Lehre (2Tim 2)

Im zweiten Kapitel verschiebt sich der Fokus von der Angst zur Lehre. Hier nennt Paulus Hymenäus und Philetus. Ihr Problem liegt nicht im Rückzug, sondern in der Verfälschung zentraler Glaubensinhalte. Sie behaupteten, die Auferstehung sei bereits geschehen, und untergruben damit eine grundlegende Hoffnungswwahrheit des christlichen Glaubens.

Paulus beschreibt die Wirkung ihrer Lehre mit einem drastischen Bild: Sie frisst um sich wie Krebs. Damit macht er deutlich, dass falsche Lehre nicht passiv und nicht neutral bleibt. Sie wirkt aktiv zerstörerisch, oft anfangs unauffällig, aber nachhaltig, nämlich tödlich.

Lehre ist nicht Nebensache, gar Hobby der Theologen – sie hat Konsequenzen für den Glauben.

Wo die Wahrheit der Schrift relativiert oder angepasst wird, sei es aus Unglauben oder Tradition, wird nicht nur diskutiert und tradiert (Traditionelles weitergegeben), sondern der Glaube selbst wird beschädigt.

Die entscheidende Frage lautet daher: Woran messe ich das, was ich glaube – an der Heiligen Schrift oder an dem, was mir plausibel erscheint?

3. Die Widersteher – bewusste Opposition gegen Wahrheit (2Tim 3)

Im dritten Kapitel greift Paulus auf zwei Gestalten aus der alttestamentlichen Überlieferung zurück: Jannes und Jambres, die Mose widerstanden. Sie stehen exemplarisch für Menschen, die sich bewusst gegen Gottes Wahrheit stellen.

Hier geht es nicht mehr nur um Irrtum oder Schwäche, sondern um eine entschiedene innere Haltung: Wahrheit wird nicht angenommen, sondern aktiv bekämpft oder durch Nachahmung verfälscht. Paulus spricht von einer verdorbenen Gesinnung – damit wird deutlich, dass das Problem tiefer liegt als einzelne falsche Aussagen.

Zugleich enthält der Text eine wichtige, tröstliche Perspektive: Täuschung hat kein dauerhaftes Fundament – die Wahrheit wird sich durchsetzen.

Das ist eine nüchterne, aber tröstliche Einsicht. Sie bewahrt davor, sich von scheinbarer Stärke oder Einfluss täuschen zu lassen. Gottes Wahrheit ist Gottes Wahrheit. Sie wird bestehen bleiben, sie wird am Ende siegen.

Eine Frage bleibt angesichts dessen herausfordernd persönlich: Habe ich ein Herz, das sich der Wahrheit beugt – oder eines, das ihr ausweicht?

4. Die Abgewichenen und Angreifer – Weltliebe und Feindschaft (2Tim 4)

Im vierten Kapitel wird die Darstellung erneut persönlicher. Paulus nennt Demas, einen ehemaligen Mitarbeiter, der ihn verlassen hat, »weil er die jetzige Welt liebgewonnen hat«. Hier wird ein schleichender Prozess sichtbar. Es ist kein plötzlicher Bruch, sondern eine Veränderung der inneren Ausrichtung. Andere Dinge gewinnen an Gewicht und die Bindung an Christus tritt in den Hintergrund. Am Ende gehen die Füße dahin, wo das Herz schon lange war.

Daneben steht Alexander der Schmied, der Paulus aktiv widersteht und ihm Schaden zufügt. Diese beiden Beispiele zeigen zwei unterschiedliche Formen der Abkehr: die stille, innere Entfernung und den offenen, äußeren Angriff.

Abkehr beginnt im Herzen – entweder leise oder offen sichtbar.

Beide Wege führen letztlich weg von der Treue. Deshalb ist die Frage entscheidend: Wo ziehen mich andere Dinge weg von Christus, und wie gehe ich mit Widerstand um?

5. Der Machtmensch – Zerstörung von innen (3Joh 9–10)

Ergänzt wird dieses Bild durch eine weitere Figur aus dem Dritten Johannesbrief: Diotrephes. Anders als die zuvor genannten Personen ist er nicht durch Abfall oder Irrlehre gekennzeichnet, sondern durch sein Verhalten innerhalb der Gemeinde. Er sucht den ersten Platz, lehnt andere biblische Autorität ab, redet schlecht über andere und grenzt Menschen aus. Fromme (?) Selbstverwirklichung, Rufmord, Cancel-Kultur, Parteilichkeit, Widerstand – er bedient sich des ganzen Spektrums der Machtpolitik. Damit wird eine weitere, oft unterschätzte Gefahr sichtbar: nicht von außen, sondern aus der Mitte der Gemeinde heraus.

Wo Leitung zur Selbstbehauptung wird, wird Gemeinde beschädigt.

Leitung ist im Neuen Testament als Dienst gedacht. Der Hebräerbrief definiert den Dienst von »Führern« mit »sie wachen über eure Seelen«, sind also von Herzen Hirten ihrer Schafe. Wo Leitung aber zur Bühne der Selbstverwirklichung wird, entsteht geistlicher Schaden – oft subtil, aber tiefgreifend. Die Täuschungskraft ist real, wenn dieses Diotrephes-Verhalten mit frommen Worten ummantelt wird. 

Die persönliche Anfrage lautet: Will ich mich durchsetzen – oder bin ich bereit, anderen zu dienen?

Zusammenfassung und Abschlussgedanke

Wenn man diese Personen nebeneinanderstellt, entsteht ein buntes und vielschichtiges Bild. Es zeigt, dass die Gefährdung des Glaubens aus unterschiedlichen Richtungen kommen kann, von innen wie von außen: durch Angst, durch falsche Lehre, durch bewussten Widerstand, durch Weltliebe oder durch Machtstreben.

Die größten Gefahren entstehen nicht nur von außen und extern, sondern auch von innen und intern. Der Apostel Paulus hatte das schon in seiner Abschiedsrede in Milet deutlich angekündigt (Apostelgeschichte 20,28ff).

Damit wird die eigentliche Absicht im Vermächtnis-Brief des Apostels Paulus deutlich. Er schreibt nicht, um historische Informationen festzuhalten, sondern um seine Leser zu prüfen und zu formen, ihnen das Wichtigste aufzuerlegen: Bleibe treu beim Wort Gottes, egal wie und egal wo, predige es allenthalben, stehe im Glauben fest dazu. In Milet hatte er den Gemeindeleitern gesagt: Habt zuerst Acht auf euch selbst, aber auch auf die ganze Herde der Gläubigen. Denn sie ist bluterkauftes Eigentum Jesu.

Die skizzierten Männer werden für alle Ewigkeit namentlich bekannt sein. Jemand sagte einmal sarkastisch: »Niemand ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Vorbild dienen!« Wie tragisch! Es geht aber nicht um das Kaleidoskop realer Endzeitversager, sondern um deren Spiegelfunktion. Die entscheidende Frage lautet: Wo stehe ich? Das Spektrum jener erwähnten Männer lehrt uns die richtigen Prioritäten für die Endzeit: am Evangelium festhalten, sich nicht schämen, in der Wahrheit bleiben, schwierige Umstände ertragen lernen und nicht sich selbst, sondern Christus dienen.

Treue ist keine Frage der Begabung, sondern der Herzenshaltung. Das »Endzeit-Motto« lautet nicht: »Sei perfekt!«, sondern: »Sei treu!« Wem treu sein? Dem Wort Gottes!

Am Ende seines Lebens fasst Paulus seinen Dienst- und Lebensweg mit den bekannten Worten zusammen: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt« (2Timotheus 4,7). Er redet nicht von spektakulären Erfolgen, sondern von tiefster Gewissheit und Frieden. Sein Lebensfazit wäre für jeden Grabstein eine Zierde. Aber Paulus schaut über das Grab hinaus: »Fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag«. Sein Lebensfazit windet den schönsten Siegeskranz für Jesu Gegenwart. 

SDG.

Harte Worte sind lieblose Worte!?

Lesedauer: 22 Minuten.

Menschen, die in der Verkündigung einer christlichen Gemeinde aktiv sind, zum Beispiel predigen, lehren, Andacht oder Jugendstunde halten, sind in der Regel recht unterschiedlich. Das betrifft ihr Anliegen, ihre Inhalte, ihre Sprache, ihre Redeweise und manche andere formale und inhaltliche Aspekte mehr. Vielfalt in der Verkündigung kann der Vielzahl der Bedürfnisse der Hörer manchmal entgegenkommen. Aber wie bei jedem »Dienst des Wortes« sind Vielfalt und Kreativität kein Ziel an sich, vielmehr sind bestimmte Grenzen und Zielsetzungen zu beachten, die Gottes Wort vorgibt. 

Dies geht jeden Christen an. Aber insbesondere für den Prediger ist es ein wichtiges praktisches Thema, Teil der Homiletik, der biblischen Lehre von der Verkündigung. Prediger müssen wissen, wie sie reden sollen, nicht nur, was sie reden sollen. Sie werden diesbezüglich angesprochen werden. Viele einschlägige Beispiele und personenbezogene Studien liegen dem Homiletikstudenten vor.

Unsere Fragestellung ist jedoch konkreter und eingeschränkter: Sind harte Worte per se (in sich, wesenseigen) lieblose Worte? Dabei wird implizit angenommen, dass lieblose Worte stets christlich verbotene Worte seien, denn »Gott ist Liebe!«. Wir verstehen hier unter »Worte« Aussprüche, also ganze Sätze, aber untersuchen dabei auch den Gebrauch der »Wörter«. Wir wollen nun als Hilfe für diese Überlegungen ein Fallbeispiel skizzieren. Es soll die Fragestellung illustrieren und ein Diskussionsobjekt bieten. Erschöpfende Bearbeitung der Thematik ist nicht angezielt und in diesem Rahmen auch nicht realisierbar. Nach Diskussion des Fallbeispiels sollen die Ergebnisse aber in größeren Rahmen gesetzt werden, um den Anwendungsbereich zu vergrößern.

Fallbeispiel: Ein christlicher Prediger bekam folgendes Feedback: »Ich habe oft das Gefühl, dass in der Art der Kommunikation die Liebe fehlt. Die Tonart und abfällige Worte (wie »irre«, »pervers«, »absurd« – Menschen gegenüber) haben nichts mit liebevollem Umgang zu tun.« Die Person bezog sich dabei auf Verkündigungsereignisse, die sie hörend miterlebt hatte. Sie meinte nicht Momente, wo aktuelle Zuhörer auf diese Weise direkt angesprochen oder beurteilt (abgeurteilt) wurden. Es ging wohl darum, dass andere Menschen und Ideen, die im Verlauf einer Predigt im Text der Bibel selbst erwähnt oder in der Kirchen- oder Weltgeschichte real auftraten, vom Prediger so bezeichnet wurden. Die reklamierten »lieblosen« Attribute bezogen sich zum Beispiel wertend auf widergöttliche Ordnungen, Prinzipien oder Praktiken, die Menschen vertreten, propagieren oder auch demonstrativ ausleben. Zuhörer waren nicht gemeint. Diese Unterscheidung ist wesentlich, wie wir weiter unten noch zeigen werden.

Ein christlicher Verkündiger und Nachfolger Jesu wird von dieser Fragestellung zurecht zum Nachdenken und zur Diskussionen herausgefordert: Wie hat es Jesus Christus damit gehalten, wie die Apostel Jesu? Ein Ältester beantwortete diese Frage damit, dass Jesus nie grobe Worte über Dritte (nicht Anwesende) gesagt habe. Er habe immer nur die Betreffenden direkt ins Gesicht angesprochen, zuweilen auch mit harten Worten.

Wer die Schrift gelesen hat, weiß, dass dies nicht stimmt. Man sollte diese Fragestellung also nochmals gründlich anhand der Heiligen Schrift untersuchen. Vielleicht hilft die Beantwortung der folgenden Fragenliste als Leitfaden:

  • Hat Jesus überhaupt harte Worte ausgesprochen oder ist das immer Sünde?
  • Hat Jesus harte Worte Menschen direkt ins Gesicht gesagt?
  • Hat Jesus zu anderen über Nichtanwesende mit harten Worten geredet?
  • Hat Jesus stets zwischen Sache und Person getrennt, also die Sünde hart bezeichnet, aber den Sünder ohne verbale Konfrontation stehen gelassen?

Wie redete Jesus?

Um zu beurteilen und zu beobachten, wie man als Christ leben soll, ist die Beobachtung Christi zu seiner irdischen Lebenszeit anhand der Schrift unumgänglich und normativ (d.h., er definiert, was christlich ist). Dazu gehört sein Leben wie sein Reden, besonders, falls er ausdrücklich über das vorliegende Thema direkt redete.

Die Evangelien zeigen, dass Jesus nicht nur Menschen direkt konfrontiert, sondern gelegentlich auch über bestimmte Gruppen oder Personen in deren Abwesenheit spricht und dabei durchaus scharfe, teilweise drastische Spracheverwendet. Allerdings ist diese Sprache fast immer funktional (prophetische Kritik, Warnung, Entlarvung von Heuchelei), nicht bloß menschlich abwertend im modernen Sinn. Hier sind die wichtigsten Kategorien mit Beispielen:

Über die Pharisäer und Schriftgelehrten (auch in ihrer Abwesenheit)

Besonders deutlich ist das in den Synoptikern:, wo Jesus über die religiösen Führer redet:

  • »Blinde Führer« (Mt 15,14; Mt 23,16)
  • »Heuchler« (ποκριταί) – sehr häufig (z. B. Mt 23)
  • »Schlangen, Otterngezücht« (Mt 23,33)
  • »Übertünchte Gräber« (Mt 23,27)

Diese Formulierungen tauchen zwar oft in direkter Rede auf, aber auch in lehrhaften Kontexten gegenüber den Jüngern, wo Jesus über diese Gruppen beispielsweise spricht: »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer« (Mt 16,6). Sauerteig ist hier ein Bild für verderblichen Einfluss; das ist indirekt, aber klar und deutlich negativ.

Über Herodes Antipas, einem politischen Herrscher

Ein besonders markantes Beispiel steht in Lk 13,32, Hier nennt Jesus den Herrscher Herodes Antipas einen »Fuchs«: »Geht hin und sagt diesem Fuchs…«. »Fuchs« (griech. alōpēx) steht hier für List, moralische Fragwürdigkeit und Schwäche — eine abwertende, aber präzise Charakterisierung, geäußert gegenüber Dritten. (NB.: Paulus hatte später im Römerbrief nicht vor, Jesus dafür zu kritisieren (Röm 13,1ff; vgl. Tit 3,1).)

Über »diese Generation«

Jesus spricht wiederholt generalisierend über seine Zeitgenossen:

  • ein »böses und ehebrecherisches Geschlecht« (Mt 12,39; 16,4)
  • eine »ungläubige und verkehrte Generation« (Mt 17,17)

Dies ist keine neutrale Diagnose, sondern eine prophetische Anklageformel, ähnlich wie bei den alttestamentlichen Propheten. Christus hat gezeigt, dass solche Redeweise  tadellos zur christlichen Rede gehören kann.

Über falsche Lehrer / religiöse Führer allgemein

Auch ohne konkrete Namensnennung:

  • »blinde Blindenführer« (Mt 15,14)
  • Warnung vor »Wölfen im Schafspelz« (Mt 7,15)

Das sind metaphorisch scharfe Bilder, die klar negativ konnotiert sind.

Über einzelne Jünger (auch indirekt)

Ein Grenzfall:

  • Zu den Jüngern über den ungläubigen Zustand (Mt 17,17)
  • Zu Simon Peter direkt: »Geh hinter mich, Satan!« (Mk 8,33)

Letzteres ist direkt, aber zeigt, dass Jesus auch im engeren Kreis drastische Sprache verwendet, wenn es um Fehlorientierung in Zentralfragen geht.

Einordnung: Ton und Funktion

Wichtig für die Bewertung sind folgende Beobachtungen und Überlegungen:

  • Die Sprache ist oft prophetisch zugespitzt (vgl. Jeremia, Jesaja).
  • Das Ziel ist meist die Aufdeckung von Heuchelei, die Warnung vor Fehlleitung und der Aufruf zur Umkehr.
  • Sie richtet sich vor allem gegen die religiöse Elite, die Machtträger und Führer und gegen kollektive Verstocktheit.
  • Der Herr Jesus Christus leistete sich nie ein triviales »Lästern« über Einzelpersonen oder eine persönliche Beleidigung ohne inhaltlichen Bezug.

Fazit

Jesus spricht durchaus auch zu Anwesenden über Nichtanwesende, auch mit teilweise deftigen, scharf zugespitzten Begriffen (z. B. »Fuchs«, »Otterngezücht«, »böses Geschlecht«). Seine Sprache ist stets heilig und passend, dabei kontextgebunden, theologisch aufgeladen und zielgerichtet (Umkehr, Entlarvung). Man erkennt Unterschiede, je nachdem, ob Jesus seelsorgerlich mit einem bußbereiten Sünder redet oder über sündig verhärtete Menschen, die sich als Heilige, Gerechte und Gute darstellen, aber Sünde praktizieren und Falsches lehren. – Wir sollten in unserer Rede nicht gröber aber auch nicht »heiliger« oder »lieber« als Jesus sein wollen.

Heilige Wortwahl

Nachdem die Frage, ob Jesus harte Worte verwendet hatte, mit Ja beantwortet werden muss, können wir noch allgemeiner die Heilige Schrift befragen, ob sie irgendwo sonst Menschen mit Attributen der Art: »irre«, »pervers« oder »absurd« bezeichnet. Weiter gefragt: Ist dies in Ordnung (nach biblischen Maßstäben) oder ist das ein nicht hinnehmbarer Mangel an Liebe? (Weitergefragt: Kann man das überhaupt beantworten?)

Auch hier kommt aus der Heilige Schrift eine klare Antwort: Die Bibel verwendet teilweise sehr scharfe, auch abwertend klingende Begriffe für Menschen oder ihr Verhalten. Sie tut dies aber nie im Sinne einer beliebigen Beschimpfung, sondern fast immer als moralisch-theologische Diagnose. Gleichzeitig setzt sie klare Grenzen für Sprache, die nur aus der Verachtung oder verletzender Gesinnung entsteht. Das wollen wir im Folgenden noch fallweise belegen.

Gibt es Begriffe wie »irre«, »Narr« oder »Tor« in der Bibel?

Diese Begriffe treten häufig, aber differenziert auf:

  • Im AT: »Der Tor spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott« (Ps 14,1)
  • Im Neuen Testament warnt Jesus ausdrücklich: »Wer zu seinem Bruder sagt: ‚Du Narr!‘, wird dem Feuer der Hölle verfallen« (Mt 5,22). Hier steht griechisch μωρός (moros), also »töricht, geistlich blind«.
    (NB: »moron« ist in der englischen Umgangssprache ein abwertendes Nomen, das einen sehr dummen Menschen bezeichnet; am gängigsten übersetzt ins Deutsche mit: »Idiot, Trottel, Depp, Schwachkopf oder Vollidiot«.)

Stellt man beide Stellen nebeneinander, so scheint Jesus das leichtfertige Beschimpfen als »Narr« zu verbieten, aber er verwendet dieses Wort in Lehrzusammenhängen selbst:

  • »Du Narr!« (Lk 12,20 – Gleichnis)
  • »Ihr unverständigen (ἀνόητοι) und trägen Herzens!« (Lk 24,25)

Es passt also manchmal, aber nicht immer. Der Unterschied nach Herzenshaltung und Kontext ist zu beachten. Aber man kann nicht behaupten, Jesus hätte diese Begriffe nicht verwendet, sie seien verboten. Nein, sie sind beim trefflichen Gebrauch christlich.

Gibt es Begriffe wie »pervers«, »verkehrt« oder »verdorben« in der Bibel?

Diese Begriffe kommen ebenfalls in der Heiligen Schrift vor. Man muss aber beachten, dass die Bedeutung dieser Begriffe einem Wandel unterzogen war: Wir verstehen darunter teilweise etwas anderes, als die Schreiber der Heiligen Schrift damals:

  • »verdrehte und verkehrte Generation» (Phil 2,15; vgl. Mt 17,17); griech. diastrephō bedeutet: »verdreht, moralisch verzogen, korrupt«

Vielleicht ist dies ein Zitat aus den Abschiedspredigten des Mose:

  • »ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht« (5Mose 32,5)

Das meint nicht primär »sexuell pervers«, sondern moralisch verdreht, vom rechten Weg abgewichen. Wo die Heilige Schrift die Umkehrung (das Auf-den-Kopf-Stellen) der von Gott vorgegebenen Schöpfungsordnung anklagt, verwendet sie folglich trefflich das Wort »pervers«. Dieses Fremdwort kommt aus dem Lateinischen pervertere = »umdrehen, verdrehen, umstürzen« und bedeutet in seinem Partizip perversus: »umgekehrt, verdreht, verkehrt«. Damit bezeichnet man die Tatsache, dass eine zielgerichtete Struktur oder Ordnung bewusst oder faktisch gegen ihren eigenen Sinn verwendet wird. Das »verdrehte [skolios] und verkehrte [diastrephō] Geschlecht« (Php 2,15) ist in der Tat eine »perverse Generation«! Im Römerbrief passt dann sogar die neuerdings stärker sexuelle Konnotation des Begriffs dazu (aber nicht immer!). Wer beispielsweise über Römer 1 predigt, wäre mit den oben genannten Begriffen voll in sicherem Fahrwasser.

Gibt es Begriffe wie »absurd« oder »sinnlos« in der Bibel?

Auch hier gilt: Es gibt sie nicht als direktes Schimpfwort für Personen, aber im Sinne von:

  • Prediger: »Nichtigkeit«, »Windhauch« (hebr. hevel)
  • Paulus: Der Apostel spricht von »nichtigen Gedanken« (Röm 1,21) und »törichten Spekulationen«.

Der Fokus liegt meist auf Denken und Verhalten, nicht zuerst auf dem Wert der Person.

Weitere sehr robuste und starke Wortwahl

Die beispielhaft genannten Wörter, die angeblich unchristliche Lieblosigkeit belegen sollen, sind also in der Schrift enthalten und bei Jesus Christus anzutreffen. Aber man sollte den Blick weiten, wenn man den Wortgebrauch der Schrift untersucht. Man findet, dass die Schrift sogar noch deutlich härtere Wörter verwendet:

  • »Otterngezücht« (Mt 23,33)
  • »Hunde« (Mt 7,6; Phil 3,2)
  • »Wölfe« (Mt 7,15)

Das sind extrem scharfe Metaphern, die sich fast immer gegen religiöse Verführer oder zerstörerisches Verhalten richten, also meist in prophetischem (predigendem) Kontext

Beantworten wir nun aufgrund dieser Untersuchung die Grundfrage:

Ist solche robuste, harte Sprache für Christen in Ordnung?

Der Herr Jesus lehrt in der »Bergpredigt« (Mt 5,22): Beschimpfung aus verächtlichem Herzen ist zu verurteilen, egal mit welchen Worten sie ausgesprochen wird. 

Unsere Wortwahl ist vor Gott (und Mensch, s.u.) justiziabel: »Von jedem unnützen Wort, das die Menschen reden werden, werden sie Rechenschaft geben am Tag des Gerichts; denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden« (Mt 12,36–37).

Der Christ weiß zudem um Jesu Befehl durch Paulus: »Kein faules Wort komme aus eurem Mund« (Eph 4,29), vielmehr: »Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, so dass ihr wisst, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt« (Kol 4,6). Der Begriff »mit Salz gewürzt« deutet bestimmt nicht auf eine süßlich-schleimige oder rein auf Nettigkeit bedachte Wortwahl. Die Anspielung mit »Salz« mag eher daraufhin deuten, dass unsere Rede nichts Verderbliches enthalten soll. 

Der Grundsatz kann damit versuchsweise so formuliert werden: Sprache darf nicht aus Verachtung, Hass oder Überheblichkeit kommen. Da dies ein Herzenskriterium formuliert, entzieht es sich unserem direkten Zugriff und Urteil, Gott allein ist der »Herzenskenner« (Lk 16,15; Apg 1,24; 15,8). Unser Urteil muss daher mit Vorsicht getroffen und mit Vorbehalt versehen sein. Nach dem Frucht-Baum-Metapher gilt aber grundsätzlich: »Aus der Fülle des Herzens redet der Mund« (Mt 12,34b). Custodi cor tuum! (Spr 4,23).

Es ist Raum für scharf gesagte Wahrheit

Die Bibel erlaubt und nutzt diagnostische Sprache (d.h., sie benennt Sünde klar). Sie nutzt auch deutlich warnende Sprache (und schützt damit andere). Und sie scheut auch nicht vor prophetischer Zuspitzung zurück. Der Prediger heute darf und muss manchmal die angemessen scharfe Sprache des Propheten verwenden. Wir sehen das an Jesus in seinen Worten gegen die Heuchelei und Heuchler, aber auch bei Paulus gegenüber falschen Lehrern (z.B. Gal 5,12, sehr scharf!).

Anders gesagt: Da das Wort Gottes das »Schwert des Geistes« (Eph 6,17) ist, das »schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist« ist (Heb 4,12–13), ist zu erwarten, dass seine (rechtmäßige) Anwendung zu »Spitzen«, »Schnitten«, »Verletzungen« und »Durchbohrungen« (Apg 5,33, 7:54) führt. Dies ist nicht ein Unfall, sondern der Betriebsfall. Der zeitgeistige Vorwurf »Du hast mich verletzt!« im Klischee der Opfer-Täter-Umkehr konstatiert also im betreffenden Fall kein Übel, sondern den zu begrüßenden chirurgischen Eingriff oder militärischen Angriff gegen das Übel (2Kor 11,4; Hebr 4,12; Eph 6,17).

Der entscheidende Unterschied

Die Bibel unterscheidet nicht einfach zwischen »netter« und »lieblos-harter« Wortwahl, sondern sagt deutlich, dass eine Beschimpfung aus Stolz, Hass oder Geringschätzung der Person unzulässig ist, wohingegen harte Worte völlig am Platz sind, um der Wahrheit, der Verantwortung oder dem Ziel einer Umkehr (Buße) zu dienen.

Anders gesagt: Die Bibel erlaubt scharfe moralische Urteile über Menschen, aber sie verbietet entwürdigende Herabsetzung der Person. Wir dürfen Sünde benennen, aber in der Regel Menschen, deren Herzen wir nicht kennen, nicht verächtlich machen.

Geht es um die Beurteilung von Lehren und Ideen, darf robuste Sprache verwendet werden, die auch die Grenzen zu Spott, Ironie, Polemik und Satire überschreiten darf. Die Bibel macht das oftmals vor.

Die Ethik der Sprache

Wenn wir vom anfangs geschilderten Fall zurücktreten und die Thematik grundsätzlicher betrachten, landen wir beim Thema der Sprachethik. Was lehrt die Schrift dazu? Mit Blick auf den Rahmen der begonnenen Diskussion soll Folgendes gesagt werden, das natürlich (an anderer Stelle) noch der Ergänzung bedarf.

Die Bibel hat eine kohärente Sprachethik, die sich aus mehreren Textschichten ergibt. Man kann dies nach vier zusammenhängenden Aspekten betrachten: Quelle  Inhalt  Form  Ziel.

1. Quelle der Rede: Das Herz als Ursprung

Den zentralen Gedanken liefert der Sohn Gottes: »Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund« (Mt 12,34). Sprache ist also kein neutrales Werkzeug, sondern Ausdruck innerer Disposition. Das Reden offenbart (in der Regel) den verborgenen Herzenszustand. So lesen wir: »Aus dem Herzen kommen … Lästerungen« (Mt 15,19) und in Jakobus 3 wird die Zunge (metonymisch: das Reden) als »Feuer« bezeichnet, das große zerstörerische Wirkung entfalten kann und die den ganzen Menschen prägt. Die Konsequenz daraus ist: Das Problem unzulässig harter Worte sind nicht primär die »harten Worte«, sondern das harte Herz hinter den Worten.

2. Inhalt der Rede: Wahrheit oder Nettigkeit?

Das Diktat der »Nettigkeit« führt in die Irre. (Nettigkeit ist ein Verhalten, das darauf abzielt, anderen durch freundliche, konfliktarme und angenehme Interaktion das Gefühl von Wohlbefinden zu geben, ohne notwendigerweise auf Wahrheit oder tiefere Verantwortung ausgerichtet zu sein.) Die Bibel fordert nicht rigoros »Nettigkeit«, sondern zu allererst Wahrhaftigkeit:

  • »die Wahrheit festhaltend in Liebe, lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus« (Eph 4,15)
  • »Legt die Lüge ab und redet Wahrheit« (Eph 4,25)
  • »Liebe freut sich an der Wahrheit« (1Kor 13,6)

Wahrheit muss »festgehalten« werden. Wie dies »in Liebe« geschieht, hat der Christus vollkommen vorgemacht. Daran hat der Christ sich zu orientieren, nicht an selbstgemachten oder traditionellen Normen, wenn diese die Wahrheit unterdrücken (Scham-Kultur, Lügen-Kultur, Heuchelei, Betrug usw.). Das bedeutet, dass Sünde benannt werden darf und muss, und dass falsche Lehre scharf kritisiert werden darf und muss. Daraus folgt ggf. eine nicht-schonende, »nicht-nette« Sprachwahl:

  • Jesus redet von »Heuchler«, »blinde Führer«
  • Paulus redet oft mit deutlicher Polemik gegen Irrlehrer (z. B.: »ich wollte, dass sie sich selbst kastrierten« in einem scharfen Wortspiel in Gal 5,12)
  • Paulus kritisierte Fehlverhalten mit drastischen Worten (z.B.: »Wenn ihr aber einander beißt und fresst«; Gal 5,15)
  • Paulus bezeichnet die widergöttlichen Ideen und Lebensstile in Römer 1–3 sachlich mit »Gottlosigkeit« und »Ungerechtigkeit« (was für das Rechtsgefühl der Römer ein Nogo war). Aber dann bezeichnet er die Verbreiter falscher Ideen in robuster Sprache als »Toren« (Röm 1,22; mataioō, »Idioten«), die ihre »Torheiten« mit unverständigen (asynetos) Herzen verbreiteten. (vgl. seine Liste in Röm 1,28–32).

Und die Gefühle? Entscheiden nicht diese letztendlich (gelesen als »entscheidend«!) über richtig und falsch? Sie sind doch so authentisch und direkt? Hier haben wir das biblische Menschenbild zu beachten, sonst antworten wir »aus dem Bauch«, also falsch. Pointiertes Zitat dazu: »Ich weiß, dass es nicht so gut (will sagen: total falsch) war, aber es fühlte sich so gut an, also habe ich es getan!« (Assoziationen mit 1Mo 3 wären hier ganz erhellend). Der Geist des Menschen ist es, der mit dem Geist Gottes in Verbindung (Kommunikation) tritt (treten soll). Es läuft über das Wort, nicht das Gefühl. Alles andere folgt, aber innerhalb des »geistlichen Rahmens« des Wortes Gottes (logikos!). Die Gefühle (viele verstehen hier Seele oder Herz darunter, was teilweise problematisch ist) stehen beim Christen unter der Zucht des Geistes, des »erneuerten Sinnes« (Röm 12,2). Analoges gilt für den Körper. Vertauscht oder verdreht (ja: »pervertiert«!) man diese Ordnung des Schöpfers, die Er in der Erlösung wiederhergestellt hat, läuft es schief. Schöpfungslogisch! Erlösungslogisch!

Also: Wahrheit kann verletzend klingen, aber sie ist deswegen nicht automatisch falsch oder lieblos. Gefühle als Reaktion auf eine Ansprache oder ein Urteil liegen immer noch im Verantwortungsbereich des Fühlenden, nicht des Redenden. Ob ich mich provozieren lasse oder nicht, ist meine persönliche Entscheidung. Der Redner ist Auslöser, aber nicht Verantwortlicher der Gefühle der Zuhörer, und damit auch nicht deren Schuldner. Das kann man alleine mit Durchdenken des ABC-Modells erkennen: Derselbe Auslöser (zB Aussage eines Redners) kann von unterschiedlichen Empfängern (Hörern) ganz unterschiedlich bewertet und verstanden werden, was dann zu völlig unterschiedlichen Gefühlsreaktionen bei den Empfängern führen kann. Es gib keine direkte Ursache-Wirkungs-Kette, die Schuld zeitigte. Damit wird nicht geleugnet, sondern anerkannt, dass Kommunikation in sozialen Geflechten erfolgt, nicht im luftleeren Raum. Die sozialen Geflechte eignen aber nicht eine Täter-Opfer-Umkehr. Nochmals: Wie ich gefühlsmäßig reagiere, ist vor allem meine Verantwortung. (Für Belege möge man die Verkündigungs-Episoden in Apg 2,37 mit Apg 5,33; 7,54 vergleichen.)

3. Form der Rede: Wie gesprochen wird

Hier müssen wir differenzieren. Die Bibel setzt klare Kriterien für erlaubte Redeformen und verbotene Formen der Rede. 

Verbotene Formen werden immer wieder in der Schrift erwähnt:

  • »faules / verderbliches Wort« (Eph 4,29)
  • »Lästerung, Zorn, Geschrei« (Eph 4,31)
  • »Zunge voll tödlichen Giftes« (Jak 3,8)

Damit ist destruktive, abwertende, eskalierende Rede nur im Krisenfall erlaubt, ansonsten soll Sprache klären, nicht zerstören. Aber es gibt klare Ausnahmen, wo Schärfe und zerstörerische Härte nicht aus dem sündigen Fleisch, sondern dem Geist Gottes stammt:

  • » Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich mächtig zur Zerstörung von Festungen, indem wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken gefangen nehmenunter den Gehorsam des Christus und bereit stehen, allen Ungehorsam zu strafen, wenn euer Gehorsam erfüllt sein wird.« (2Kor 11,3–6)

Die gebotenen Formen kann man umreißen mit folgenden Beispielen:

  • »sanftmütig« (2Tim 2,25) – Jesu harte Rede kam von jemand, der ohne Widerspruch sagen konnte: »ich bin sanftmütig und von Herzen demütig« (Mt 11,29).
  • »mit Gnade, mit Salz gewürzt« (Kol 4,6) – »Salz« deutet auf wahr, klar, pointiert, nicht weichgespült, Korruption bekämpfend (erhaltende Wirkung!).
  • »zur Erbauung« (Eph 4,29); dieses Beispiel leitet zum letzten Aspekt:

4. Ziel der Rede: Wozu wird gesprochen?

Jeder muss sich die Frage vorlegen, warum er was (Inhalt), wann (Zeitpunkt), warum (Motivation) und wozu (Zielsetzung) spricht. Ziel darf nie sein, sich über andere zu erheben, den anderen grundlos zu verletzen oder bloßzustellen oder einfach Frust abzuladen.

Biblisch zulässige Ziele sind hingegen: Auferbauung (Eph 4,29; s.o.), Korrektur (2Tim 2,25), Warnung (Jesus gegenüber religiösen Führern, Paulus gegenüber Irrlehre) und Aufruf zur Umkehr. Dabei ist auch prophetische Sprache erlaubt und manchmal geboten, die oft absichtlich scharf ist, um die Gewissen aufzurütteln. 

Jesu teilweise drastische Rede richtete sich gegen verfestigte Heuchelei, gegen geistlichen Machtmissbrauch und für den Schutz anderer. Wenn er von Otterngezücht, blinden Führern und Fuchs (für einen Herrscher, Herodes Antipas) sprach, war das keine impulsive Beleidigung, sondern eine gezielte, wahrheitsorientierte Entlarvung. In der Bergpredigt macht Jesus klar: Nicht die Schärfe ist das Problem, sondern die Verachtung (Herzenshaltung).

Zusammenfassung

Die biblische Sprach-Ethik lässt sich so zusammenfassen:

  • Wahrheit ist Pflicht, auch wenn sie hart ist.
  • Liebe ist Maßstab, auch wenn sie korrigiert.
  • Die Würde der Person bleibt unantastbar, auch wenn Verhalten scharf verurteilt wird. Der Herr wird jede Person gerecht richten, anhand deren Worte, Taten und Herz (Motive).
  • Die Absicht (Intention, Zielsetzung) entscheidet: Aufbau oder Zerstörung?

Praxistipp: Bevor ich etwas Hartes sage, sollte ich überdenken:

  • Ist es wahr?
  • Ist es notwendig?
  • Dient es dem Gegenüber oder nur meinem Ärger?
  • Spreche ich aus Liebe oder Überlegenheit?
  • Würde Jesus diese Schärfe in dieser Situation einsetzen?

Das alles kostet Zeit. Das mahnt uns, nicht schnell in Rede oder Gegenrede zu sein.

»Daher, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, 
langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
« (Jakobus 1,19)

Der Grenzfall: Die Straftat

Ein öffentlich justiziabler Sprachgebrauch liegt (in der BRD) vor, wenn damit Personen beleidigt oder verleumdet werden. Ideen oder Aussagen kann man nicht beleidigen. Reine Sachkritik (Ideen, Meinungen, Konzepte) ist grundsätzlich erlaubt, auch scharf formulierte. Zu sagen: »Diese Theorie ist Unsinn!» oder »Das ist absurd!« oder »Diese Argumentation ist falsch/gefährlich!« ist keine Beleidigung, da keine konkrete Person herabgesetzt wird, sondern eine Sache bewertet wird. Die Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) schützt ausdrücklich auch überspitzte, emotionale und harte Kritik, aber sie endet dort, wo die Menschenwürde oder persönliche Ehre verletzt wird. Unzulässige Schmähkritik liegt vor, wenn nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht. Ideen darf man jederzeit radikal kritisieren, Personen hingegen darf man nicht herabwürdigen.

Hier verlassen wir die biblischen direkt gegebenen Vorgaben und sehen uns die verbindlichen Rechtsnormen der BRD an, denen alle Christen in der BRD unterliegen und biblisch verhaftet sind. Folgende drei Straftatbestände kennt das Strafgesetzbuch, die hier gemäß ihrer Schwere geordnet aufgeführt werden.

Beleidigung (§ 185 StGB)

Beleidigung ist die Kundgabe der Missachtung oder Nichtachtung gegenüber einer anderen Person. Das kann geschehen durch Worte (»Idiot«, »pervers« u.a.), durch Gesten oder Schriftworte (auch online). Entscheidend ist nicht primär, ob die Aussage wahr ist, sondern ob sie die Ehre verletzt, denn auch wahre Aussagen können eine Beleidigung sein, wenn sie mit herabsetzender Absicht getätigt werden. – Strafmaße sind Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr (bei Tätlichkeit auch bis 2 Jahre).

Üble Nachrede (§ 186 StGB)

Üble Nachrede ist die Behauptung oder Verbreitung einer Tatsache über jemanden, die geeignet ist, ihn verächtlich zu machen oder herabzuwürdigen, und wenn die Wahrheit der behaupteten Tatsache nicht bewiesen werden kann. Ist die getätigte Behauptung »nicht erweislich wahr«, ist es üble Nachrede, sonst nicht. Es könnte dann aber z.B. noch Beleidigung sein. – Strafmaße sind Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr (bei öffentlicher Verbreitung auch bis zu 2 Jahre). Meist höher als bei Beleidigung, da Lüge verbreitet wird.

Verleumdung (§ 187 StGB)

Verleumdung ist eine bewusst falsche Tatsachenbehauptung mit dem Ziel oder Effekt der Ehrschädigung. Hier ist wesentliches Merkmal, dass der Täter weiß, dass seine behauptete Tatsache unwahr ist. Ist die Aussage hingegen wahr, ist es keine Verleumdung, sondern ggf. ein anderer Straftatbestand. Weiß der Täter, dass seine Aussage falsch ist, ist sie strafbar. – Strafmaße sind Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahre (bei öffentlicher Verbreitung auch bis zu 5 Jahre).

Der springende Punkt (nach StGB)

Das deutsche Strafrecht schützt die persönliche Ehre, nicht nur die faktische Wahrheit. Deshalb gilt: Wahrheit allein reicht nicht, entscheidend sind auch Form, Kontext und Zweck der Aussage. Die Schwere und damit das Strafmaß steigt von Beleidigung zur üblen Nachrede zur Verleumdung. Eine öffentliche Verbreitung (v. a. online) wirkt immer stark strafverschärfend.

Zulässig sind stets sachliche, wahre Kritik, Berichterstattung oder berechtigte Warnung. Strafbar hingegen sind reine Herabwürdigungen, unnötige Bloßstellung und andere »Pranger«-artige Aussagen ohne gerechten Anlass. Dabei kann auch bei wahrer Behauptung eine Strafbarkeit vorliegen. Mit Wahrheit kann man beleidigen – aber nicht verleumden.

Bewertung

Interessanterweise liegen die Rechtsnormen der Bibel und des StGB sehr nahe beieinander, was die Trennung von Person und Sache angeht und was den Freiheitsgrad in der Rede diesbezüglich angeht.

Der zentrale Unterschied ist darin zu erkennen, dass die Bibel einen inneren Maßstab (Herz) anlegt, und das Herz, die Motivation, die Absicht und die geistliche Verantwortung des Einzelnen, also subjektiv, anspricht. Denn Jesus prüft so. Nur Er. Entscheidend ist der Tatbestand, ob die Rede aus Liebe oder aus Verachtung kommt, und ob das Angegriffene biblisch nachweisbar Sünde ist oder nicht. Das Strafrecht hingegen beschränkt sich auf einen äußeren Maßstab (Tat, Wort) und prüft die Form der Aussage, den Kontext und die Wirkung nach außen. Entscheidend ist hier, ob die Ehre eines Menschen objektiv verletzt wurde.

Überspitzt gesagt regelt das Strafrecht das Minimum an respektvoller Kommunikation, wohingegen die Bibel ein Maximum an verantwortlicher Kommunikation fordert. Was strafbar ist, ist fast immer auch biblisch problematisch. Was biblisch problematisch ist, ist oft noch nicht strafbar.

(Dieser Entwurf wird ggf. fortgeführt und mit Verweisen zu vertiefendem Lesematerial versehen werden.)

Bildquelle: Generiert mit KI und manuell nachbearbeitet.

Biblische Ältestenschaft (Alexander Strauch)

13 Minuten Lesezeit.

Alexander Strauch
Biblische Ältestenschaft. Handbuch für schriftgemäße Gemeindeleitung.
Überarb. u. erw. Neuausgabe
(Dillenburg: CVD, 2025), 608 Seiten.

Alexander Strauch ist seit mindestens 30 Jahren bekannter Autor und Seminarleiter zum Thema Biblische Ältestenschaft. Sein gleichnamiges Buch ist Lehrunterlage in vielen Gemeinden und Bibelseminaren. Etliche Studienführer und Kursunterlagen beziehen sich ganz konkret auf die Lektüre in diesem Buch. Es wird seit langem in einigen christlichen Gemeinden und Bibelschulen verwendet. Zuletzt sprach Alexander Strauch 2025 in Deutschland auf einer »Hirtenkonferenz« (EBTC, Wittenberg) zum Thema (Videos auf YouTube).

Nun ist sein Standardwerk 2025 in überarbeiteter und erweiterter Auflage auf Deutsch herausgekommen (CV Dillenburg). Das Wichtigste des umfangreichen Materials fasst Strauch in Kapitel 30 zusammen in Form einer kommentierten Inhaltsangabe mit 53 Punkten. Im Folgenden wird als Kurzfassung der Verlagstext und anschließend »Das Wichtigste« (Kapitel 30) wiedergegeben (Hervorhebungen teilweise hinzugefügt).

Buchbeschreibung (Verlagstext)

»Biblische Ältestenschaft ist seit 30 Jahren das Standardwerk zur biblischen Lehre über Ältestenschaft: der gemeinschaftlichen pastoralen Leitung einer Gemeinde durch eine biblisch qualifizierte, vom Geist eingesetzte Ältestenschaft. Das Buch hat ein weltweites Erwachen zu diesem oft vernachlässigten und missverstandenen Thema bewirkt. Die Neuausgabe wurde umfassend überarbeitet und erweitert. Alle, die solide Bibelexegese lieben, werden dankbar dafür sein. Jede neutestamentliche Stelle zum Thema wird sorgfältig erklärt und interpretiert, sodass die biblischen Autoren selbst zu Wort kommen. Alle Schlüsselfragen werden angesprochen, neueste bibelwissenschaftliche Erkenntnisse werden dabei beachtet. So dient dieses Handbuch als Kommentar, Ressource und Lehrbuch zur Förderung von Ältesten als Hirten. Es wird auch in den kommenden Jahren das Standardwerk sein.«

Das Wichtigste (Kapitel 30)

1. Biblische Ältestenschaft beruht auf der Überzeugung, dass die von Gott eingegebene Heilige Schrift ausreicht, um die Ordnungen und Leitungsstrukturen unserer Gemeinden zu gestalten.

2. Dieses Buch soll dazu beitragen, die biblische Lehre von der Ältestenschaft als Gemeindeleitung wiederherzustellen und klar zu definieren. Dabei handelt es sich um die gemeinschaftliche Leitung durch ein Team von biblisch qualifizierten und vom Heiligen Geist eingesetzten Ältesten. Einleitung.

3. Jesus Christus lehrte seine Jünger die Prinzipien von Demut, Dienstbereitschaft, brüderlicher Gleichheit und Liebe. Jesus lehrte „dienende Führung“ und lehnte das Modell des „starken Mannes„ als Führungsstil ab. Kapitel 1.

4. Jesus Christus gab seiner Gemeinde in den zwölf Aposteln eine Leitung durch mehrere Männer – nicht einen leitenden Apostel, der von elf Assistenten unterstützt wird, sondem zwölf an der Zahl, alle gleichermaßen Apostel und Brüder, die in Harmonie zusammenarbeiten, um die erste christliche Gemeinschaft zu leiten und zu belehren. Kapitel 1.

5. Unter den zwölf Aposteln stechen besonders Petrus, Jakobus und Johannes als Schlüsselfiguren hervor, wobei Petrus·der markanteste Leiter und Wortführer der Gruppe ist. Jesus hatte offensichtlich keine Schwierigkeiten, die Gleichheit der Zwölf zu lehren und gleichzeitig ihre unterschiedlichen Begabungen und Führungsfähigkeiten anzuerkennen. Kapitel 1.

6. Petrus wurde kein besonderer oder exklusiver Titel verliehen, der ihn von den anderen unterschieden hätte. Er besaß keinen kirchlichen oder offiziellen Rang und stand nicht über den anderen elf Aposteln. Sie waren nicht seine Untergebenen. Kapitel 3.

7. Die ersten judenchristlichen Ältesten empfingen und verwalteten Spendengelder für die Gemeinde, halfen bei der Lösung von Konflikten, beurteilten kritische Lehrfragen und schützten die Gemeinde vor Irrlehrern. Kapitel 6.

8. Die Leitung durch ein Gremium von Männern, die die Ältesten (presbyteroi) genannt wurden, war den Juden und den Lesern des griechischen Alten Testaments gut bekannt. Der Ältestenrat war eine der frühesten und grundlegendsten Institutionen in Israel. Älteste waren in erster Linie als Männer mit Erfahrung und Weisheit bekannt. Israels Älteste besaßen erhebliche Autorität in bestimmten zivilen, häuslichen und religiösen Angelegenheiten. Kapitel 6.

9. Der Begriff Ältester (presbyteros) steht für einen Leiter, der von derGemeinschaft respektiert wird und Reife, Erfahrung und Weisheit besitzt. Wenn der Begriff für die Gemeindeleitung verwendet wird, steht er fast immer im Plural: die Ältesten. Das liegt daran, dass die Ältestenstruktur eine gemeinschaftliche Leitung durch ein Gremium von Funktionsträgern ist, nicht die Leitung durch eine Einzelperson. Ein Ältester ist immer Teil eines Gremiums. Kapitel 6.

10. Paulus und Barnabas ernannten ein Team von Ältesten, nicht einen einzelnen Pastor, um jede ihrer neu gegründeten Gemeinden zu leiten (Apg 14,23). Das griechische Wort für ,,wählen“ (cheirotoneo) bedeutet „ernennen“, „einsetzen“ oder „auswählen“. Grammatik und Kontext weisen eindeutig darauf hin, dass Paulus und Barnabas die Auswahl vornahmen, nicht die Gemeinde. Kapitel 7.

11. In einem persönlichen Gespräch ermahnte Paulus die Ältesten in Ephesus, sein Beispiel nachzuahmen: Er forderte von ihnen (1) einen demütigen, sklavenähnlichen Dienst für den Herrn Jesus Christus, (2)  eine gründliche Belehrung über „den ganzen Ratschluss Gottes“, (3) eine völlige Hingabe an die Verkündigung des Evangeliums der Gnade Gottes, (4) harte Arbeit und Selbstversorgung und (5) eine großzügige Versorgung der armen und bedürftigen Mitglieder der Gemeinde (Apg 20,18–21). Kapitel 8, 10.

12. Paulus forderte alle Ältesten auf, sorgfältig auf ihr eigenes geistliches Leben zu achten und die Herde Gottes wachsam vor Irrlehrern zu schützen – die sowohl von außerhalb der Gemeinde als auch von innen auftreten konnten (Apg 20,28). Alle Ältesten werden vom Geist angewiesen, auf die ständige Gefahr durch Wolfe zu achten, die die Schafe fressen wollen. Kapitel 9.

13. Der Heilige Geist Gottes ernennt die Ältesten zu „Aufsehern“, die die ausdrückliche Aufgabe bekleiden, die Gemeinde Gottes zu hüten (Apg 20,28). Kapitel 9.

14. In Anlehnung an das Bild des Hirten bestehen die Aufgaben der Ältesten im Großen und Ganzen darin, (1) die Herde mit reichhaltiger Nahrung aus der von Gott inspirierten Schrift zu ernähren, (2) die Herde vor wolfsähnlichen Irrlehrern zu schützen, (3) die Herde durch die Stürme des Lebens und zu grünen Weiden zu führen und (4) für die praktischen Bedürfnisse der Gemeinde Gottes zu sorgen. Ein wichtiger Grundsatz der biblischen Ältestenschaft ist, dass man sie als Team von Leitern der Gemeinde betrachten sollte, nicht als einen Vereinsvorstand. Kapitel 2, 9, 10.

15. So wie es eine Vielzahl von Ältesten gibt, gibt es auch eine Vielzahl von Aufsehern; tatsachlich werden die Begriffe synonym verwendet (Phil 1,1). Kapitel 11.

16. Das griechische Wort für Aufseher ist episkopos, das allgemein als Bezeichnung für verschiedene Arten von Amtsträgern verwendet wurde. Das Wort beschreibt einen Wächter, einen Vorgesetzten, einen Vormund, einen Beamten mit Machtbefugnissen. Aufseher betont den funktionalen Aspekt der Ältestenschaft, während Ältester den Status und die Würde der Ältesten hervorhebt. Kapitel 11.

17. Die Diakone (diakonoi) sind die offiziellen Assistenten der Aufseher. Sie unterstützen die Aufseher/Ältesten am besten dadurch, dass sie ihnen helfen, sich auf ihre Hauptaufgaben zu konzentrieren: die Herde Gottes zu ernähren, zu führen und zu schützen. Kapitel 11.

18. Laut Neuem Testament gibt es in einer Ortsgemeinde nur zwei anerkannte Gruppen von Funktionsträgern: Aufseher/Älteste und Diakone. Über ihnen gibt es keinen übergeordneten Dienst oder Funktionsträger, weder einen leitenden Pastor noch einen ordinierten Geistlichen oder einen Bischof. Kapitel 11.

19. Das Neue Testament legt großen Wert auf die moralischen und geistlichen Qualifikationen derer, die als Älteste dienen. Das Neue Testament enthalt mehr Anweisungen über die Qualifikationen von Ältesten als über jeden anderen Aspekt des Ältestendienstes. Kapitel 4, 12–13.

20. Ein Ältester muss in ehelicher Treue leben und seine Familie gut führen (1Tim 3,2–5). Kapitel 14, 21.

21. Alle Ältesten müssen die biblischen Qualifikationen für den Dienst erfüllen, unabhängig davon, ob sie der Gemeinde hauptamtlich oder nebenberuflich dienen. Kapitel 4.

22. Nichts ist in den Augen vieler Zeitgenossen anstößiger als die biblische Forderung nach einer ausschließlich männlichen Ältestenschaft (1Tim 2,8–3,13). Eine biblische Ältestenschaft ist jedoch eine rein männliche. Kapitel 5.

23. Sowohl Älteste als auch Diakone müssen öffentlich auf ihre Qualifikation und Eignung für den Dienst geprüft werden (1Tim 3,10). Die ordnungsgemäße Prüfung eines Ältestenkandidaten ist genau der Punkt, an dem viele Gemeinden versagen. Das Verfahren erfordert Zeit und Mühe, und viele Gemeinden meinen, sie seien zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, um sich diese Mühe zu machen. Ein großer Fehler! Kapitel 15, 28.

24. Als das offiziell anerkannte Leitungsgremium der Gemeinde beauftragte „die Ältestenschaft“ Timotheus durch Handauflegung mit der vollzeitlichen Arbeit am Evangelium (1Tim 4,14). Kapitel 15.

25. Obwohl alle Ältesten dasselbe Amt, denselben Titel, dieselbe Verantwortung und Aufgabe haben, gibt es unter ihnen eine reiche Vielfalt an Begabungen, Lebenserfahrung und individueller Lebensführung durch den Herrn. Älteste unterscheiden sich in Bezug auf ihre Verfügbarkeit, ihre rhetorischen Fähigkeiten, ihre Führungsqualitäten, ihre Bibelkenntnisse und ihre Lehrkompetenzen. Kapitel 3, 17.

26. Älteste, die der Gemeinde eine klare Führung gebenbesonders diejenigen, die sich in der Verkündigung und Lehre des Wortes abmühen, verdienen eine doppelte Ehre durch die Gemeinde. Die doppelte Ehre kann sowohl Respekt als auch finanzielle Entschädigung einschließen (1Tim 5,17–18). Kapitel 16–17.

27. Obwohl alle Ältesten in der Lage sein müssen, zu lehren, haben nicht alle die geistliche Gabe des Lehrens oder den gleichen Grad an Befähigung zum Lehren oder zur Verkündigung des Evangeliums. Die Gabe der Lehre gibt es in vielen Stilen und Varianten. Das bedeutet, dass einige Älteste eine wichtigere Rolle im öffentlichen Lehrdienst haben werden. Bemerkenswert ist, dass Paulus diesen Ältesten keinen besonderen Titel zuweist. Kapitel 17.

28. Eine weitere Möglichkeit, wie die Gemeinde ihre Ältesten ehrt, ist der Schutz vor böswilliger Verleumdung und unbegründeten Anschuldigungen (1Tim 5,19). Kapitel 18.

29. Wenn die Anschuldigung gegen einen Ältesten, dass er gesündigt hat, durch Zeugen bestätigt wird, der Älteste sich aber der Zurechtweisung widersetzt und weiter sündigt, dann soll er vor der ganzen Gemeinde zurechtgewiesen werden, damit die anderen sich fürchten (1Tim 5,20). Kapitel 18.

30. Da die Bibel die menschliche Neigung kennt, harten Tatsachen und unangenehmen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, befiehlt sie den Ältesten und der Gemeinde, bei der öffentlichen Zurechtweisung von sündigenden Ältesten mutig und unparteiisch zu handeln (1Tim 5,21). Kapitel 19.

31. Eine Möglichkeit, traumatische Situationen wie die Zurechtweisung von Gemeindeleitern für die Ältesten zu minimieren, besteht darin, die voreilige Ernennung neuer Ältester zu vermeiden: „Die Hände lege niemand schnell auf“ (1Tim 5,22). Die Folge einer zu schnellen, unbedachten Ernennung eines Ältesten könnte bedeuten, dass man mitschuldig ,,an fremden Sünden“ wird, die ein unqualifizierter, ungeeigneter Ältester verursacht. Kapitel 19.i

32. Wenn eine ehrliche, sorgfältige Prüfung des Charakters und des Lebenswandels einer Person geschieht, spricht alles dafür, dass Gründe für eine eventuelle Untauglichkeit aufgedeckt oder gute Führungsqualitäten offenbart werden (1Tim 5,24–25). Kapitel 19.

33. Titus sollte das, was in den Gemeinden mangelte, in Ordnung bringen und an jedem Ort, an dem es eine Zusammenkunft von Christen gab, Älteste einsetzen (Tit 1,5). Titus sollte dies genau so tun, wie Paulus es ihm ,,geboten“ hatte. Kapitel 20.

34. Ein Ältester/Verwalter ist Gottes Verwalter und hat somit eine höchst verantwortungsvolle Position, die sowohl einen vertrauenswürdigen Charakter als auch administrative Kompetenzen erfordert (Tit 1,7). Kapitel 22.

35. Ein Ältester muss sich mit ganzem Herzen für die Wahrheiten des Evangeliums einsetzen (Tit 1,9). Kapitel 23.

36. Alle Ältesten müssen in der Lage sein, andere in gesunder Lehre zu unterweisen, falsche Lehrer zu entlarven und sie mutig zurechtzuweisen (Tit 1,9). Kapitel 23.

37. Die Ältesten sollen die Herde Gottes hüten und die geistliche Aufsicht über die Herde ausüben. Sie sind die Unterhirten des „Oberhirten“ (1Petr 5,4). Kapitel 24.

38. Die Ältesten sollen die Aufsicht für die Gesamtgemeinde in einer Weise ausüben, die Gott gutheißen kann: (1) nicht unter Zwang, sondern freiwillig, (2) nicht aus schändlicher Gewinnsucht, sondern bereitwillig, und (3) nicht, indem sie die Herde beherrschen, sondern indem sie ihr ein Vorbild sind (1Petr 5,2–3). Kapitel 24.

39. Der Tag der Belohnung wird kommen: „Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen.“ Welch eine Zeit des Sieges, der Anerkennung, der Herrlichkeit und der Freude wird das Erscheinen Christi den bescheidenen, unbeachteten Ältesten bringen, die treu die Herde Gottes gehütet haben (1Petr 5,4). Kapitel 24.

40. Die Ältesten sollen das Volk Gottes in einem Geist der Demut leiten, sonst werden sie unweigerlich ihre Autorität missbrauchen und Spaltungen verursachen. Kapitel 24.

41. Da die beiden bekanntesten Apostel die Ältesten – und keine andere Person oder Gruppe – beauftragt haben, die Herde Gottes zu hüten, können wir daraus schließen, dass generell Älteste nach biblischen Maßstäben für die geistliche Aufsicht über die einzelne Herde verantwortlich sind, die Gott ihnen zugewiesen hat Kapitel 9, 24.

42. Manche Leute sagen: „Man kann doch nicht erwarten, dass ein Mann den ganzen Tag arbeitet, eine Familie versorgt und auch noch einer Gemeinde als Ältester dient.“ Aber das ist nicht wahr. Viele Menschen gründen Familien, haben einen Job und engagieren sich in erheblichem Umfang in der Gemeinde, beim Sport, beim Hausbau oder in anderen Bereichen. Das eigentliche Problem liegt nicht in unserer begrenzten Zeit, sondern in falschen Vorstellungen über die Arbeit, das christliche Leben und die Lebensprioritäten. Kapitel 2.

43. In Zeiten schwerer Krankheit soll man die Ältesten der Gemeinde rufen, damit sie für die kranke Person beten und sie mit Öl salben (Jak 5,14–15). Wenn die Krankheit auf Sünde zurückzuführen ist, sollen die Ältesten dem leidenden Gläubigen eine geistliche Begleitung und guten Rat geben. Kapitel 25.

44. Die Ältesten in Thessalonich arbeiteten eifrig, um die neue Gemeinde zu führen, zu korrigieren und zu unterweisen (1Thes 5,12–13). Kapitel 26.

45. Die Gemeinde soll ihre tüchtigen und fleißigen Ältesten anerkennen und ihnen im Geiste der christlichen Liebe mit großer Wertschätzung begegnen (1Thes 5,12–13). Kapitel 26.

46. Die Ältesten und die Gemeinde sollen sich gemeinsam um Frieden bemühen (1Thes 5,13). Kapitel 26.

47. Die Ältesten sind geistliche Wächter und schützen die Gläubigen. Außerdem müssen sie vor Gott Rechenschaft ablegen, ob sie ihrer Verantwortung nachgekommen sind, über die Seelen der Kinder Gottes zu wachen (Hebr 13,17). Kapitel 27.

48. Wenn sich die Mitglieder der Gemeinde weigern, auf die Warnungen der Ältesten vor falschen Lehren und inakzeptablem Verhalten zu hören, „seufzen und stöhnen“ die Leiter darüber. Wer sich weigert, auf die Rufe und Bitten seiner geistlichen Leiter zu hören, verliert die von Gott gegebenen Segnungen des Hirtendienstes. … [In der Tat berauben sie sich wegen ihres Ungehorsams gegenüber den von Gott eingesetzten Leitern des Nutzens deren Dienstes (Hebr 13,17; ELBCSV; korr. gg. dt. Fassung)]. Kapitel 27.

49. Die Ältesten einer Gemeinde und die Gemeinde sind auf eine Weise miteinander verbunden, die manchmal schwer zu beschreiben ist. In der Beziehung zwischen ihnen kann es zu Spannungen und Missverständnissen kommen, die im Neuen Testament nicht im Einzelnen behandelt werden. Als Gottes Verwalter haben die Ältesten die Freiheit, die Beziehung zwischen ihnen und der Gemeinde so zu gestalten, dass sie effektiv zusammenarbeiten und als Einheit gute Entscheidungen treffen können. Kapitel 28.

50. Allein mehrere Älteste zu haben, reicht nicht aus. Die Ältesten müssen ihre Aufgabe, Gottes Herde zu hüten, effektiv erfüllen, oder die Herde wird leiden. Eine gemeinsame geistliche Leitung kann sich in der Theorie gut anhören, die Umsetzung in der Praxis kann aber eine Herausforderung sein. Kapitel 29.

51. Älteste sind Verwalter von Gottes Haus (Tit 1,7). Deshalb müssen sie solide organisatorische Prinzipien und klareKommunikationswege festlegen, sonst wird die Gemeinde leiden. Eine unorganisierte und undisziplinierte Ältestenschaft wird sich mit der Zeit als Hindernis für das Wohlergehen von Gottes Herde und Gottes Haus erweisen. Kapitel 29.

52. Einer der wichtigsten Faktoren bei der Gestaltung einer effektiven Ältestenschaft ist Schulung, Schulung und nochmal Schulung. Die Ausbildung, Begleitung und Forderung künftiger Leiter und Lehrer muss für jede Ältestenschaft Priorität haben. Das Christentum betont die intensive Arbeit der Nachfolge, dazu gehört die Lehre und das vorbildliche Leben, sodass man einem geistlich gereiften Menschen gern nacheifern möchte. Kapitel 29.

53. Gott hat seine Gemeinde mit einer passenden Leitungsstruktur für die Ortsgemeinde ausgestattet – die geistliche Aufsicht durch mehrere biblisch qualifizierte Manner, die vom Heiligen Geist eingesetzt wurden. Die Ältesten arbeiten als wirklich Gleichgestellte zusammen und bringen ihre reiche Vielfalt an individuellen Begabungen und Funktionen in den Dienst ein. In den Worten der Heiligen Schrift bilden sie „die Ältestenschaft“ (vgl. 1Tim 4,14). Dies ist die konsistente Lehre der Heiligen Schrift: Apg 14,23; 15,2–16,4; 20,17–38; 21,18–25; Phil 1,1; 1Thes 5,12–13; 1Tim 3,1–7; 5,17–25; Tit 1,5–9; Hebr 13,17; Jak 5,14–15; 1Petr 5,1–5. Kapitel 28.

Warum bei Gemeindeämtern Erprobung wichtig ist

Lesedauer: 12 Minuten.

Christliche Gemeinden, die bekennen, dass sie sich in Lehre und Praxis an Gottes Wort halten wollen, dieses Wort des Höchsten sogar als oberste Autorität benennen, müssen manchmal beweisen, dass sie dies über das Lippenbekenntnis hinaus auch verbindlich tun. Das gilt natürlich besonders für Bereiche und Fragen, wo der Zeitgeist oder die Tradition gegen den Willen Gottes gerichtet sind. Es gilt aber auch da, wo durch mangelnde Kenntnis des Wortes Gottes Sein Wille gar nicht ausreichend bekannt ist (oft unbewusst, Gefahr eines »Blinden Flecks«). Es gilt auch da, wo besondere Vorlieben, Ängste oder sogar sündige Einstellungen Gottes Wort entgegenstehen.

Eine lebendige, entstehende oder wachsende Ortsgemeinde ist beständig herausgefordert, geeignete Leiterpersonen auszurüsten, einzusetzen und zu unterhalten. Aufgrund der großen geistlichen Verantwortung, die solche geistlichen Führungspersonen haben, ist doppelte Vorsicht walten zu lassen, bevor man jemand in ein solches Amt als Ältester oder Diakon einsetzt. Ältestenämter sind ja keine kündbarem Zweijahres-Jobs (auch wenn in manchen Gemeindearten die Ältesten alle zwei Jahre »gewählt« oder »bestätigt« werden; dies wurde sicher nicht dem NT entnommen), sondern erzeugen in der Regel lebenslange Führungs- und Über- bzw. Unterstellungsverhältnisse. Es gibt Bücherregale voll mit Berichten von Machtmenschen in der Gemeinde, von Korruption, Unsittlichkeit, Geldliebe, Missbrauch usw. und auf der Opferseite von Glaubensaufgabe, Spaltung, Verletzung und »ekklesiogenen Neurosen«.

Schon der reine Hausverstand (in D: »gesunder Menschenverstand«) gebietet, hier bedächtig und sorgsam vorzugehen und nichts zu überhasten, egal wie dringend der Bedarf plötzlich auch zu sein scheint. Ein Sprichwort sagt: »Gott hat die Zeit gemacht, von Eile hat er nichts gesagt.«. Mancher übersteigert dies zu: »Alle Eile ist vom Teufel«. Das kann im Einzelfall stimmen, aber in anderen Fällen auch nicht. Ein guter »Hausverstand« ist sicher notwendig, aber er ist in den Sachen der Gemeinde Gottes nicht hinreichend. Es geht vielmehr zuerst um Gottes Willen, wie er uns schriftlich anvertraut vorliegt. Argumente aus Tradition und Gewohnheit und weltlichem Vorbild sind höchstens zweitrangig. Zwei Punkte sollen dies aufzeigen: unbiblischer Zeitdruck sowie mangelnde Zurüstung, Erprobung und Prüfung von Kandidaten.

Unheilige Eile

Die Ermahnung, bei der Einsetzung von Ältesten und Diakonen nichts überhastet zu tun, sondern ausreichend lange Vorbereitungs- und Bedenkzeit vorzusehen, ist keine Meinung oder Tradition einer bestimmten Gemeindeart oder Lehrschule, sondern universell Gebot des Herrn. Dies gilt auch und besonders, wo der Bedarf groß ist und als Not empfunden wird. Die Heilige Schrift sagt hierzu grundsätzlich:

»Die Hände lege niemand schnell auf,
und habe nicht teil an fremden Sünden
(1Timotheus 5,22).

Das Handauflegen ist eine symbolische Handlung, mit der jemand öffentlich in einen Dienst oder eine bestimmte Aufgabe eingesetzt oder beauftragt wird (vgl. 4Mo 27,18–23; Apg 6,6; 13,1–3; 1Tim 4,14). Alexander Strauch, ein weltweit bekannter Schreiber und Seminarleiter zum Thema biblischer Diakonen- und Ältestendienst aus der amerikanischen »Brüderbewegung« schreibt dazu trefflich:

Die Aufforderung des Paulus lautet wie folgt: Ernenne niemanden »allzu schnell, übereilt, leichtfertig« (284) zum Ältesten. Das ist ein weiser Rat und eine gute Vorbeugungsmaßnahme: Weil es einen großen Bedarf an Hirtenältesten gibt, ist die Versuchung groß, übereilte Ernennungen vorzunehmen. Aber wenn man das tut, schafft man ernsthaftere, langanhaltende Probleme für die Leitung der Gemeinde. Die besten Grundsätze für die Ernennung von Ältesten sind immer noch Zeit, Erprobung, Schulung und Gebet. 

(Biblische Ältestenschaft, 5. Aufl., 2025, S. 334. Die Fn. 284 lautet: »BAUER: s. v. ταχέως, Sp. 1609. Siehe auch Gal 1,6; 2Thes 2,2.«; Fettdruck hinzugefügt)

Das vom Apostel Paulus hier gebrauchte Wort »schnell« lautet im Grundtext ταχέως. Dieses Adverb bedeutet: »schnell, bald, sofort (οὕτως τ. so schnell Gal 1,6); rasch, übereilt, zu schnell.« (Kassühlke, Rudolf ; Newman, Barclay M.: Kleines Wörterbuch zum Neuen Testament: Griechisch-Deutsch).

Nehmen wir einmal an, einer Gemeinde würden überraschend einige Männer der Gemeinde mit guter Lebensführung von der Gemeindeleitung vorgestellt, die nun nach Willen der Ältesten nach ein, zwei Wochen Bedenkzeit für die Gemeinde als neue Älteste dienen sollen. Nehmen wir zusätzlich an, dass diese Kandidaten bzgl. der Ältestenaufgaben weder ausgebildet, noch angeleitet, noch Praxisreife nachgewiesen haben. Dann wird niemand daran zweifeln können, dass genau solche Eile von Gott durch den Apostel Paulus untersagt wurde. Das sollte nicht schwer zu erkennen sein.

Auch wenn die bisherigen Gemeindeleiter längere Zeit um Nachfolger gebeten haben, auch wenn sie manche Kandidaten immer wieder angefragt haben, bis einzelne dann ihr Ja gaben, gibt es bei der dann öffentlichen Erprobung, Bewährung und Diensteinsetzung keinen Grund dafür, dies dann in einer Woche durchzuziehen. Gefragt ist eine verantwortungsvolle Mitbeteiligung der Gemeindeglieder am biblisch vorgegebenen Prozess ohne Zeitdruck. Er hat ja meist jahrzehntelange Konsequenzen für alle nach innen und außen. Es geht nicht um das Einführen bibelfremder, demokratischer Strukturen in die Gemeinde Gottes, sondern um situative Partizipation der Gemeinde (vgl. Apostelgeschichte 6), es geht nicht um demokratische Abstimmung, sondern um geistliche Konsensbildung und Einmütigkeit. Das braucht Zeit. Es ist aber gut angelegte Zeit. Wer hier den Kurzschluss versucht, wird Rauch ernten und später viel in Reparaturaufwand investieren müssen.

Erprobung, Bewährung und öffentliche Prüfung

Christus weist uns ebenfalls –und in ergänzender Sicht– durch den Apostel Paulus an, dass Kandidaten für das Ältesten- oder das Diakone-Amt biblische Qualifikationskriterien erfüllen müssen. Dies ist hier besonders wichtig, da diese Dienste auch öffentlich sind, die Gemeinde und den Namen Christus vor den Außenstehenden repräsentieren. Paulus sagt zusammenfassend:

»Lass diese aber auch zuerst erprobt werden, 
dann lass sie dienen, wenn sie untadelig sind.«
(1Timotheus 3,10).

Alexander Strauch erklärt diese Stelle wie folgt:

Nachdem Paulus die jeweiligen Qualifikationen aufgezählt hat, verlangt er, dass sowohl die Ältesten als auch die Diakone öffentlich geprüft werden, bevor sie in ihren jeweiligen Ämtern dienen: »Auch sie aber sollen zuerst erprobt werden, dann sollen sie dienen, wenn sie untadelig sind« (1Tim 3,10).

(Biblische Ältestenschaft, 5. Aufl., 2025, S. 334.; Hervorhebung hinzugefügt.)

Die Anweisung Gottes in 1Timotheus 3,10 schreibt eine Reihenfolge in der Vorgehensweise vor, was man an den Wörtern »zuerst« und »dann« klar erkennen kann. Das Wörtchen »auch« markiert, dass diese Anweisung nicht nur für Diakon-Kandidaten, sondern auch für die kurz zuvor genannten Ältestenkandidaten gilt. Es ist ein weiterreichender Grundsatz für die Gemeinde. Das »wenn« gibt eine Bedingung an, deren Erfüllung ernsthaft geprüft werden muss.

Erprobung

Nach der von den Gemeindeleitern unter Gebet getroffenen Vorauswahl von Kandidaten, die die biblischen Qualifikationen sicher erfüllen, die selbst dieses Amt anstreben (oregomai; »sich danach ausstrecken«, danach »trachten«, was daran sichtbar wird, dass sie bereits Ältestendienste tun, auch ohne bereits im öffentlichen Amt zu sein; seelsorgerliche Dienste an Erwachsenen, Predigten zur Darstellung oder Verteidigung der biblischen Lehre, Leitung eines Dienstbereiches der Gemeinde zum Beispiel) und begehren (epithymeō; »(innerlich) begehren«, »gelüsten«; 1Timotheus 3,1), müssen diese Kandidaten nun »zuerst erprobt« werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie »zuerst« im Rahmen ihrer Erprobung (ggf. inkl. Ausbildung) für das vorgesehene Amt tätig werden, nun aber im öffentlich bekannten und geschützten Modus. Selbstverständlich (aber nicht jedem einsichtig) kann eine Erprobung für den Ältestendienst nur in ältestentypischen Aufgaben erfolgen. Das kann unterschiedlich lang dauern, ist aber nicht in einer Woche zu schaffen. Sind die vorgeschlagenen Kandidaten jene, die der Heilige Geist haben will, dann werden diese durch das in ihnen geweckte Begehren bereits im tätigen Ausstrecken nach ältestentypischen Aufgaben sichtbar werden (1Timotheus 3,1). Wenn diese aber bei Ernennung »bei Null« anfangen, ist etwas gründlich schief gelaufen.

Die Erprobung muss natürlich in Begleitung und in einer Jüngerschaftsbeziehung durch die bereits eingesetzten Ältesten geschehen. Es ist das biblische Vorbild, das der Herr Jesus und der Apostel Paulus vorgelegt haben. Selbst bei dem besten Lehrer und »Jüngerschaftsausbilder« (Rabbi) Jesus Christus dauerte das über 3 Jahre. Alle Beteiligten und auch die Gemeinde können dann sehen, wie die Kandidaten in den einschlägigen Aufgaben und Herausforderungen wachsen, fruchtbar sind und sich bewähren. So kann man erkennen, ob die Bereiche, die ihnen anvertraut werden (vor allem in der Erwachsenenarbeit!), anhaltend gesund wachsen und inhaltlich sowie charaktermäßig nach biblischen Maßstäben geleitet werden. Nur so kann man erkennen, ob Gott sie als geistliche Vorbilder und als Leiter verwendet, segnet und im Amt haben will. Und um den Willen Gottes geht es hier, nicht um die Wünsche oder Vorlieben der Gemeinde oder der bisherigen Gemeindeleiter. Zumindest, wenn das Bekenntnis zur Schrift als Norm für alles ein wahrhaftiges ist.

Bewährung und öffentliche Prüfung

Nach einer gewissen Zeit, die natürlich jeweils unterschiedlich lang sein kann, kann man dann hoffentlich die Bewährung zweifelsfrei erkennen, dass Gott sie also in den ihnen jeweils anvertrauten Bereichen des Ältestendienstes in Zusammenarbeit mit den bestehenden Ältesten segnet und sie als geistliche Leiterpersonen bestätigt.

Bewährung kann man besonders gut in Krisensituationen beobachten: Werden sie sich auf Gottes Wort stützen und dabei bleiben? Lieben sie die Geschwister und den Herrn über alles? Oder werden sie traditionell denken, politisch taktieren, ausfällig werden, psychische oder physische Gewalt anwenden? Werden sie sich zurückziehen, statt Stellung zu beziehen und Schutz zu bieten? Werden sie einer Partei oder Sippe verpflichtet sein, oder der Gesamtgemeinde, über allem aber dem Herrn Jesus und Seinem Wort? Werden sie die Gerüchteküche dulden (gar fördern), oder aktiv diese trockenlegen (Sprüche 6,16–19)? Werden sie in Liebe und Langmut nachhaltig den Willen des Herr in der Gemeinde umzusetzen suchen? Kennen sie diesen Willen überhaupt, können sie ihn aus Gottes Wort überzeugend darlegen und verteidigen? Werden sie unter den Herausforderungen einer Krise oder eines Konflikts geistliche Zucht, Gottvertrauen und Hingabe an das Wort beweisen (usw.)? Eine Gemeinde braucht eben nicht nur bei lauem Lüftchen und Sonnenschein rechte Hirten, sondern auch im Sturm und beim nächtlichen Wolfsangriffen (s. Apostelgeschichte 20,28–35). Und zwar verkündigend und lehrend »öffentlich und in den Häusern« (Apostelgeschichte 20,20).

Erst dann, nach diesem einmütigen Erkennen seitens der Gemeinde, darf nach Gottes Willen der Schritt vollzogen werden, sie »dienen zu lassen«, nämlich als offizielle Amtsträger und Diener jener Ortsgemeinde (nochmals: »Amt« bezeichnet einen Dienst, der auf den Rahmen einer definierten, örtlichen Gemeindeherde begrenzt ist). Jeder wird sich dann bereitwillig diesen vom Herrn gebrauchten Führern unterordnen, weil sie sicher sind, dass sie sich geistlich in die richtige Richtung entwickeln, wenn sie dem Vorbild und Glauben dieser Männer (Hebräer 13,7) nachfolgen. Sie werden akzeptiert und geehrt als wahre »Minister« (=Diener) der Gemeinde Jesu. Man wird erfahren, dass sie nicht nur den Titel und die Macht als »Führer« haben wollen, sondern sich hingegeben haben, »über die Seelen zu wachen« (Hebräer 13,17; das ist die Aufgabe eines Hirten als »Aufseher« seiner »Schafherde« am Ort; 1Timotheus 3,1f; Titus 1,7).

Muss ein Kandidat die biblischen Kriterien optimal erfüllen? Muss er ein »perfekter Christ« sein? Natürlich nicht – diesseits des Himmels! Es gibt klare Muss-Kriterien, andere sind wachstümliche Merkmale. Aber es gibt zwei Grenzen, innerhalb man dies ausdeuten darf: (1.) Er darf kein »Neugepflanzter« (Neuling) sein, also jemand, der erst kurze Zeit gläubig ist (1Timotheus 3,6); (2.) Er muss »Vorbild der Herde« sein (1Petrus 5,3); d.h. dass er den meisten an Reife und Glauben so weit voraus ist, so dass sie sich an ihm orientieren können (Hebräer 13,7b). Es geht also um »hervorragende, gläubige Männer«! Denn Führung geht nicht durch »managen« oder »herrschen«, wie über eigenen Besitz, sondern durch Vorbild. Älteste verfügen nicht über die Gemeindeglieder wie über eigenen Besitz. Sie sind vielmehr vom Oberhirten beauftragte Unterhirten, also Verwalter, die Schafe gehören nicht ihnen (1Petrus 5,3; Hebräer 13,17).

Wenn alles unter Gottes Geist und Fürsorge gut läuft, werden sich die neuen Ältesten dann hoffentlich auch in Zukunft weiterentwickeln, wie das von allen Christen erwartet werden darf, aber bei Ältesten vorbildhaft zu sehen sein muss. Ein Ältester, der nicht laufend dazulernen will und reift, kann schwerlich Vorbild sein. Ein Ältester (oder Kandidat), der nicht regelmäßig Fortbildungen besucht und veranstaltet, weist einen nicht geringen Mangel auf. Warum? Weil erstens »Jünger Jesu« sein bedeutet, lebenslang ein »Schüler« zu sein (das ist die Wortbedeutung von mathētēs, »Jünger«). Und weil zweitens der Missionsauftrag des Herrn fordert: »Lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe« (Matthäus 28,20).

Älteste genießen ihres Amtes wegen besonderen Schutz in ihrem Dienst, sind zu achten und zu ehren und –in manchen Fällen– auch zu honorieren. Sie unterliegen der besonderen Beurteilung der Gemeinde, da sie diese öffentlich vertreten und leiten (s. 1Timotheus 5,17–22). Dazu wäre vieles mehr zu sagen, sprengte aber den Rahmen dieser kurzen Rückbesinnung.

Diese Vorgehensweise ist weder eine Angelegenheit von Vorlieben oder Meinungen, sondern im biblischen Gebot mit festem Rahmen, Inhalten und Reihenfolge vorgegeben. Darüber hinaus bestehen viele Möglichkeiten der Ausgestaltung, so dass diese Vorgaben in unterschiedlichen Kulturen und Zeiten und Situationen effektiv umgesetzt werden können.

Eine Mahnung, diese göttlich vorgegebene Vorgehensweise zu beachten und zu beschreiten, ist jedenfalls biblisch geboten. Nur so kann Gottes Segen erwartet werden. Und den will hoffentlich niemand vermissen.

Einige hilfreiche Zitate

Alexander Strauch liefert einige Aussagen aus seinem riesigen Erfahrungsschatz, die es wert sind, bedacht zu werden. Die folgende Auwahl stammt aus Kapitel 30 »Das Wichtigste in Kürze«, das eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte seines einschlägigen Standardwerks Biblische Ältestenschaft (2025) ist (alle Hervorhebungen hinzugefügt). Die vollständige Liste ist an anderer Stelle zu finden.

  • »(14) In Anlehnung an das Bild des Hirten bestehen die Aufgaben der Ältesten im Großen und Ganzen darin, (1) die Herde mit reichhaltiger Nahrung aus der von Gott inspirierten Schrift zu ernähren, (2) die Herde vor wolfsähnlichen Irrlehrern zu schützen, (3) die Herde durch die Stürme des Lebens und zu grünen Weiden zu führen und ( 4) für die praktischen Bedürfnisse der Gemeinde Gottes zu sorgen. Ein wichtiger Grundsatz der biblischen Ältestenschaft ist, dass man sie als Team von Leitern der Gemeinde betrachten sollte, nicht als einen Vereinsvorstand.«
  • »(23) Sowohl Älteste als auch Diakone müssen öffentlich auf ihre Qualifikation und Eignung für den Dienst geprüft werden (1 Tim 3,10). Die ordnungsgemäße Prüfung eines Ältestenkandidaten ist genau der Punkt, an dem viele Gemeinden versagen. Das Verfahren erfordert Zeit und Mühe, und viele Gemeinden meinen, sie seien zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, um sich diese Mühe zu machen. Ein großer Fehler!«
  • »(35) Ein Ältester muss sich mit ganzem Herzen für die Wahrheiten des Evangeliums einsetzen (Tit 1,9).«
  • »(36) Alle Ältesten müssen in der Lage sein, andere in gesunder Lehre zu unterweisen, falsche Lehrer zu entlarven und sie mutig zurechtzuweisen (Tit 1,9).«
  • »(51) Älteste sind Verwalter von Gottes Haus (Tit 1,7). Deshalb müssen sie solide organisatorische Prinzipien und Kommunikationswege festlegen, sonst wird die Gemeinde leiden. Eine unorganisierte und undisziplinierte Ältestenschaft wird sich mit der Zeit als Hindernis für das Wohlergehen von Gottes Herde und Gottes Haus erweisen.«
  • »(52) Einer der wichtigsten Faktoren bei der Gestaltung einer effektiven Ältestenschaft ist Schulung, Schulung und nochmal Schulung. Die Ausbildung, Begleitung und Förderung künftiger Leiter und Lehrer muss für jede Ältestenschaft Priorität haben. Das Christentum betont die intensive Arbeit der Nachfolge, dazu gehört die Lehre und das vorbildliche Leben, sodass man einem geistlich gereiften Menschen gern nacheifern möchte.«

Literatur- und Medienhinweise

Alexander Strauch, Biblische Ältestenschaft. Handbuch für schriftgemäße Gemeindeleitung, überarbeitet. u. erw. Neuausgabe (Dillenburg: CVD, 2025), 608 Seiten. – Verlagstext: »Biblische Ältestenschaft ist seit 30 Jahren das Standardwerk zur biblischen Lehre über Ältestenschaft: der gemeinschaftlichen pastoralen Leitung einer Gemeinde durch eine biblisch qualifizierte, vom Geist eingesetzte Ältestenschaft. Das Buch hat ein weltweites Erwachen zu diesem oft vernachlässigten und missverstandenen Thema bewirkt. Die Neuausgabe wurde umfassend überarbeitet und erweitert. Alle, die solide Bibelexegese lieben, werden dankbar dafür sein. Jede neutestamentliche Stelle zum Thema wird sorgfältig erklärt und interpretiert, sodass die biblischen Autoren selbst zu Wort kommen. Alle Schlüsselfragen werden angesprochen, neueste bibelwissenschaftliche Erkenntnisse werden dabei beachtet. So dient dieses Handbuch als Kommentar, Ressource und Lehrbuch zur Förderung von Ältesten als Hirten. Es wird auch in den kommenden Jahren das Standardwerk sein.«

Alexander Strauch, Biblische Ältestenschaft. Studienführer, 3. Aufl. (Dillenburg: CVD, 2025), 192 Seiten. – Verlagstext: »Dieser Studienführer ergänzt und vertieft einzigartig die Lektüre des Hauptbuches. Durch zielgerichtete Fragen (jeweils mit Seitenverweis aufs Buch) können die Gedanken kapitelweise für die eigene Gemeinde und die dortige Leitungspraxis erarbeitet werden. Das kann sowohl in der Gruppe (z. B. im Ältestenteam) geschehen als auch in der persönlichen Stillen Zeit. Für Letzteres wurden die Abschnitte extra in „Stille-Zeit-Portionen“ eingeteilt, die sich in ca. 20 Minuten bearbeiten lassen.«

Hirtenkonferenz 2025 »Ältestenschaft« (EBTC). 10 Vorträge als Video auf YouTube. Augenöffend und seelengewinnend, vom Herrn bewährte Gemeindehirten über dieses hohe Amt reden zu hören!

David A. Harrell, Hirtendienst. 7 biblische Prinzipien für den Dienst als Leiter in Gottes Gemeinde (Berlin: EBTC, 2023).

Jeramie Rinne, Leitung durch Älteste. Wie man Gottes Volk wie Jesus als Hirten leitet (Serie: 9 Merkmale gesunder Gemeinden) (Augustdorf: Betanien, 2022).

Paul David Tripp, Leiten. 12 Prinzipien des Evangeliums für Leiterschaft in der Gemeinde (Berlin: EBTC, 2022).

Für Diakone:
Alexander Strauch, Gottes Gemeinde unterstützen. Paulus Sicht vom Dienst des Diakons (Dillenburg: CVD, 2019), 192 Seiten. – Verlagstext: »Die Ansichten über die Rolle der Diakone sind unter den evangelikalen Christen sehr unterschiedlich. Was lehrt die Schrift eigentlich über Diakone und ihre Rolle in der Gemeinde? Die Ansichten reichen vom Diakon als Gemeindevorstand bis hin zum Ausführenden von Bauvorhaben. Strauch erklärt, dass sein Ziel beim Schreiben dieses Buches darin besteht, den Diakonen und Ältesten von Gemeinden zu ermutigen, kritischer darüber nachzudenken, was sie sagen, was sie tun und was die Schrift tatsächlich über Diakone lehrt. Was auch immer wir über Diakone denken mögen, diese Studie wird uns helfen, die biblischen Fakten über Diakone im Detail zu untersuchen, sodass unser Nachdenken über Gemeindefragen von zuverlässigen Informationen genährt wird. – Dieses Buch bietet die Möglichkeit, eine breitere Übereinstimmung in bibeltreuen Gemeinden darüber herzustellen, was Diakone tun. Bekannt für seine tiefe Liebe zu Gottes Gemeinde und für seine sorgfältige Bibelauslegung, kann Strauchs neue Studie nicht ignoriert werden von denen, die sich dafür einsetzen wollen, einem biblischen Modell von Gemeinde zu folgen.«
Auch dazu gibt es einen Studienführer.

2026: Ein Jahr der Heiligung durch Gottes Wort

Das neue Jahr steht vor der Tür, und ich hoffe, dass wir uns für 2026 vorgenommen haben, uns in Gottes Wort zu vertiefen. In der gesamten Kirchengeschichte haben Christen, die der Heiligen Schrift mächtig waren, systematisch Jahr für Jahr in der Heiligen Schrift gelesen. Ein neues Jahr ist eine großartige Gelegenheit für einen Neuanfang, und deshalb sollten wir uns (wieder) fest und planvoll vornehmen, fleißig, regelmäßig und diszipliniert in der Bibel zu lesen.

Zunächst sollten wir zwei falsche Beweggründe für das Lesen des Wortes Gottes bedenken. Wir dürfen die Bibel nicht einfach nur lesen, um Informationen anzuhäufen. Es gibt Millionen von unerweckten Menschen in Bibelstudien, Kirchen, Universitäten und Seminaren, die Gott nicht kennen und die durch ihr Studium nicht im Geringsten verändert worden sind. Wir sollten die Bibel auch nicht einfach als eine weitere Aufgabe auf unserer täglichen Aufgabenliste lesen. 

Wenn wir über das Bibelstudium und das Bibellesen im Jahr 2026 nachdenken, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir zwar jeden Tag die Lektüre abhaken, aber keinen Nutzen aus unserer Zeit im Wort Gottes ziehen können. Deshalb müssen wir an die Bibel herangehen, nicht als ob wir etwas für Gott tun, indem wir sein Wort lesen, sondern als Menschen, die danach hungern, dass er etwas in uns tut. Das Ziel des Bibellesens ist Heiligung, Verwandlung und Wachstum in der Heiligkeit.

Die Worte Jesu in Johannes 17,17 helfen, diese Wahrheiten in unserem Bewusstsein zu festigen. Hier betete Jesus: »Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit«. Dies ist eine wunderbare Bitte, die Jesus an den Vater richtet. Er bittet den Vater, alle Gläubigen in der Wahrheit zu heiligen, welche er mit dem Wort Gottes gleichsetzt. Es gibt drei Dinge, über die wir nachdenken sollten, wenn wir diese Bitte unseres Herrn betrachten.

1  Zunächst sollten wir über die Wichtigkeit der Heiligung nachdenken

Auf der grundlegendsten Ebene bedeutet Heiligung, abgetrennt und heilig gemacht zu werden. Zum Beispiel sollte der Sabbat im Alten Testament heilig sein. Auch Menschen konnten heilig sein, wie wir in Jeremia 1,5 lesen: »Bevor ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Zum Propheten an die Nationen habe ich dich bestellt«. Das Wort »geheiligt« hat die Bedeutung von „abgesondert sein“. Jeremia war für den Dienst an Gott als Prophet für die Völker bestimmt und abgesondert, bevor er überhaupt geboren wurde. 

Die Heilige Schrift macht deutlich, dass Heiligung sowohl eine feste, frei zugesprochene Stellung als auch ein anstrengender Prozess mit vielen Einzelschritten ist. Man kann sagen, dass ein Mensch geheiligt ist, während er gleichzeitig noch geheiligt wird. Gott sondert Menschen für seinen eigenen Gebrauch aus und diese Menschen wachsen allmählich in ihrer Nützlichkeit für Gott, wenn sie lernen, den Charakter Jesu, des Gesalbten, nachzuahmen, indem sie praktisch umsetzen, dass sie Gott gehören. Sie tun dies durch den Glauben, der sich in einem durch Liebe motivierten Gehorsam ausdrückt.  

Heiligung ist nicht nur etwas Äußerliches. Es geht dabei auch nicht nur um eine Veränderung unseres Verhaltens. Menschen, die nicht für Gott ausgesondert sind – also Ungläubige – erfüllen die Begierden ihres angeborenen sündigen Wesens und leben für ihre egoistischen Wünsche, Werte und Sehnsüchte. Glaubende hingegen lassen ihr Leben nicht von solchen Begierden beherrschen. Sie kämpfen immer noch mit ihren alten, ungöttlichen Begierden; sie wollen lernen, diese zu verleugnen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass im Glaubenden andere, neue Begierden auftauchen und wachsen, nämlich Gott zu gefallen, den Willen Gottes zu tun, die Ehre unseres Herrn Jesus Christus zu suchen und zum Wohl anderer zu leben und die Gnade unseres Gottes zu verherrlichen.

2  Zweitens sollten wir den Prozess der Heiligung gut verstehen

Heiligung ist Gottes gnädiges Wirken im Leben eines Glaubenden. Keiner verdient es, von Gott geheiligt zu werden. Wir haben in uns selbst keinen Anspruch Gott gegenüber, mit dem wir zu ihm kommen und verlangen könnten, dass er uns heilige. Insofern ist es reines Gnadengeschenk.

Die Tatsache, dass die Heiligung ein Werk Gottes ist, wird im gesamten Neuen Testament hervorgehoben und allen drei Personen des dreieinigen Gottes zugeschrieben. In 1. Thessalonicher 5,23 heißt es: »Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde untadelig bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.« Die Heiligung wird in Epheser 5,26 auch Jesus Christus zugeschrieben, wo es von Ihm bzgl. seiner Gemeinde heißt: »damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort«. Außerdem sehen wir in 2. Thessalonicher 2,13, dass der Heilige Geist uns heiligt. Paulus schreibt: »Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit«. Der dreieinige Gott ist bei unserer Heiligung am Werk. 

Das bedeutet nicht, dass wir bei unserer Heiligung rein passiv bleiben dürften. Die Heilige Schrift ist voll von Geboten, Gott zu gehorchen, uns zu reinigen, uns der Ungerechtigkeit zu enthalten, die Unzucht zu fliehen, gottlose Begierden zu verleugnen, der Gerechtigkeit und der Frömmigkeit nachzujagen. Uns wird gesagt, dass wir unser (praktisches) Heil mit Furcht und Zittern bewirken (o. hervorbringen; Philipper 2,13) sollen. Wir müssen jedoch immer daran denken, dass wir, selbst wenn wir uns mehr als alle anderen anstrengen und eine Heiligkeit erlangen, die alle anderen Sünder übertrifft, dies nur der Gnade und Macht Gottes in unserem Leben zu verdanken ist und nicht unserer Kraft, unserer Macht oder unserer Anstrengung. 

Wie heiligt Gott uns? Heiligung hat zwei Bedeutungen: die eine geschieht bei der Bekehrung und ist ein einmaliges Ereignis, die andere schreitet im Laufe unseres Lebens voran. Beide Aspekte der Heiligung geschehen durch die Wahrheit, durch Gottes Wort

(1) Gott heiligt uns zunächst durch die Wahrheit seines Wortes, setzt uns für sich selbst zur Seite. Wir wissen, dass der Glaube durch das Hören der Verkündigung kommt und die Verkündigung durch das Wort Gottes (Römer 10,17). Oder wie Jakobus es ausdrückt: »Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien« (Jakobus 1,18). Petrus sagt dasselbe in 1. Petrus 1,23, wo er schreibt: »die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes«.

(2) Die fortschreitende Heiligung verwendet dasselbe Mittel, wie schon bei unserer ewigen Errettung: das Wort Gottes. Der Geist Gottes benutzt das Wort Gottes, um uns heiliger zu machen. Neben Johannes 17,17 steht eine der klarsten Aussagen in diesem Sinne in Apostelgeschichte 20,32, wo Paulus, als er mit den Ältesten von Ephesus zum letzten Mal sprach und ihnen als sein Vermächtnis ans Herz legte: »Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das vermag, aufzuerbauen und das Erbe zu geben unter allen Geheiligten«. Paulus war sich sicher, dass die Glaubenden der Gemeinde in Ephesus im Wort Gottes alles hatten, was sie brauchten, um den Wettlauf als Glaubende und Heilige stark zu vollenden.

Einige der beliebtesten Verse zu diesem Thema finden sich im Psalm 119, wo uns ein wunderbares Zeugnis für die Macht des Wortes Gottes bei der Heiligung gegeben wird. In Versen 104f sagt der Psalmist: »Aus deinen Vorschriften empfange ich Einsicht; darum hasse ich jeden Lügenpfad. Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad.« Beachten wir hier, dass der Mensch, der im Glauben zu Gottes Wort kommt, Verständnis für Wahrheit, Gerechtigkeit, Recht, Weisheit, Heiligkeit, Sünde und Errettung erlangt. Das Wort Gottes zieht uns zu sich, indem es uns die Wahrheit offenbart. Der Geist Gottes wirkt in unseren Herzen durch dieses Wort. Und so wollen wir keine Lügen, keine Philosophien der Welt und keine Ratschläge der Gottlosen. Wir Glaubenden wollen nur die Wahrheit.

3  Schließlich müssen wir den Prozess der Heiligung anwenden 

Wie lesen wir die Bibel so, dass Gottes Kraft uns durch sein Wort verwandelt? Fünf Hinweise:

Erstens: Wertschätze das Wort Gottes. Wenn wir durch Gottes Wort verändert werden wollen, müssen wir es lieben und uns daran erfreuen. Es ist ein Wunder, dass der ewige Gott uns überhaupt etwas offenbart, geschweige denn eine so vollständige und umfassende Offenbarung seiner selbst in seinem Wort gibt!

Zweitens: Lese Gottes Wort unter Gebet. Unser Lesen sollte sozusagen in Gebet gebettet und gebadet sein. Wir sollten Gott bitten, unsere Herzen zu prüfen, unsere Sünde aufzudecken und uns in unseren Entmutigungen und Nöten zu trösten und aufzurichten. 

Drittens: Lese Gottes Wort im Glauben. Die Verheißungen Gottes gehören allen an Christus Jesus Glaubenden. Daher können wir glauben und seinen Worten friedvoll vertrauen.

Viertens: Lese Gottes Wort in Demut. Wir können Gottes Wort nicht so verändern, dass es das sagt, was wir es sagen lassen wollen. Vielmehr wir müssen das, was es sagt, ohne Rücksicht auf unsere eigenen vorgefassten Meinungen annehmen.  Nicht wir sitzen über Gottes Wort zu Gericht, sondern Gottes Wort beurteilt uns.

Fünftens: Lese das Wort Gottes mit dem Wunsch, ihm zu gehorchen. Wir kommen nicht zum Wort, um bloß Informationen zu erhalten, sondern vielmehr, um verwandelt zu werden! Wir müssen das Wort Gottes mit dem Willen lesen, es zu befolgen. 

Wenn wir das Wort mit diesen Prinzipien im Herzen lesen, wird Gott treu in uns wirken und uns durch sein Wort heiligen. Werden wir treu sein und jeden Tag demütig und treu zu Gottes Wort kommen, mit einem Herzen, das nach Heiligkeit verlangt? Ich bete, dass dies unser Herzenswunsch ist, während wir ein weiteres Jahr beginnen, das der Herr uns so gnädig geschenkt hat. 

Ein frohes neues Jahr!

Denn sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, sind alle von einem ; um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen. … Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird. (Hebräer 2,11; 12,14)

Quellen & Disclaimer

Text im Dezember 2025 adaptiert für 2026 von: Robb Brunansky: 2024: A Year of Sanctification Through God’s Word, thecripplegate.com, 3. Januar 2024 (https://thecripplegate.com/2024-a-year-of-sanctification-through-gods-word/; 03.01.2024); übersetzt und adaptiert von Grace@logikos.club.

Bild erstellt aus KI-generierter Vorlage (de.freepik.com/pikaso) mittels Photoshop 2026 durch Grace@logikos.club.
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