Zum Herzen predigen – Was heißt das?

Lesedauer: 8 Minuten.

1983 erschien eine bedeutsame Schrift von Jay E. Adams: »Preaching to The Heart – A Heart-to-heart Discussion with Preachers of The Word« (Phillipsburg, NJ: P&P, 1983). Das Büchlein hatte nur 35 Seiten, ist aber ein Augenöffner und eine Herausforderung, was biblisches Predigen angeht. Viel zu viele »Prediger«/»Verkündiger« halten »Vorträge« in den Gemeinden, werden gar als »Referenten« vorgestellt, wenn doch der biblische Verkündigungsauftrag »Predige das Wort!« lautet (2Timotheus 4,2). Der Kontext dieser Bibelstelle macht deutlich, dass es dabei nicht nur um Informationsvermittlung geht: »Predige das Wort, halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise ernstlich zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre.« Das bedeutet, dass es über die Ohren zum Verstand und dann zum Herzen gehen muss: zum Zentrum unserer Persönlichkeit, zur »Schaltzentrale«, zum Willen, Gemüt, Verstand und Wesen – und damit hinein ins Leben. – Genau hier setzt folgende Einleitung von Jay E. Adams an. – Eine kurze Diskussion samt Buchempfehlung folgen unten.

»Seit Jahren ermahnen Homiletiker [Predigtlehrer] angehende Prediger, »zum Herzen zu predigen«. Was meinen sie damit eigentlich? Wissen Sie es? Wissen die Predigtlehrer es? Ist dieses Konzept biblisch, und wenn ja, wie setzt man es um? Diese und ähnliche Fragen bleiben oft unbeantwortet, und der durchschnittliche Prediger macht einfach weiter wie bisher, ergeben in die Annahme: »Ich werde nie ein großer Prediger sein; ich schätze, ich werde nie in der Lage sein, zum Herzen zu predigen.«

Ist das wahr? Gehört die Fähigkeit, zum Herzen zu predigen, nur den außergewöhnlich Begabten? Oder ist das Predigen zum Herzen vielmehr eine entwickelte Fertigkeit, die Prediger großartig macht? Das ganze Konzept wurde so vage und verschwommen dargestellt, dass jeder, der damit nicht vertraut ist, es schwierig oder sogar unmöglich finden würde, dieser Aufforderung nachzukommen.

Die Schuld an der Verwirrung darüber, was es bedeutet, »zum Herzen zu predigen«, liegt nicht allein bei den Homiletikern; auch die Prediger kommen nicht ungeschoren davon. Homiletiker sollten sich klar ausdrücken. Tun sie das nicht, dann ist es die Verantwortung der Prediger, so lange an deren Türen zu klopfen, bis sie es tun. Deshalb ist keine Seite schuldlos. Es hat eine Art Verschwörung der Unwissenheit gegeben, bei der Worte und Redewendungen immer wieder ausgesprochen wurden, als ob Sprecher und Zuhörer genau wüssten, wovon die Rede sei, obwohl sie es tatsächlich nicht wussten.

Als Homiletiker, der in dieser Angelegenheit selbst nicht frei von Schuld ist, glaube ich, dass etwas unternommen werden muss. Es ist an der Zeit, die ganze Sache aufzuklären. Genau darum geht es in diesem Buch.

Mein Ziel ist zu zeigen, dass das Predigen zum Herzen biblisch und deshalb notwendig ist, und dass jeder Mann, der die Gaben und die Berufung zum Predigen besitzt, klar darin unterwiesen werden kann, wie man dies tut. Mehr noch: Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen, genau das zu lehren.

Das Konzept ist biblisch

Die erste christliche Predigt, die am Pfingsttag vom Apostel Petrus gehalten wurde, war eine Predigt zum Herzen. Lukas schreibt:

»Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz [1], und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?« (Apostelgeschichte 2,37)

Die Reaktion dieser Menschenmenge war das fruchtbare Ergebnis einer wirksamen Predigt, die durch den Heiligen Geist befähigt wurde. Doch wirksame, das Herz durchdringende Predigt kann auch die entgegengesetzte Reaktion hervorrufen:

»Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt [2], und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn.« (Apostelgeschichte 7,54)

Als Petrus predigte, taten große Menschenmengen Buße und glaubten dem Evangelium; als Stephanus predigte, töteten seine Zuhörer ihn. Dennoch waren beide Prediger vom Geist erfüllt und predigten zum Herzen. Diese doppelte und gegensätzliche Reaktion macht von Anfang an eines deutlich: Obwohl das Predigen zum Herzen eine erstrebenswerte Wirkung ist, die durch die Kraft des Geistes hervorgebracht wird, kann die genaue Art dieser Wirkung auf den Zuhörer sehr unterschiedlich ausfallen und nicht im Voraus vorhergesagt werden.

In jedem Fall trifft geistgewirkte, biblische Predigt das Herz direkt. Sie ruft eine Reaktion hervor. Kein Zuhörer kann gleichgültig bleiben, er muss reagieren. Von einer Predigt zum Herzen zu sprechen bedeutet also, von einer Predigt zu sprechen, die eine eindeutige Reaktion hervorbringt. Es ist eine Predigt, die Worte und Handlungen beim Zuhörer hervorruft.

Stell Dir das einmal vor: Eine Predigt, die zum Handeln bewegt! Eine Predigt, die Wirkung zeigt! Eine Predigt, die den Zuhörer so aufrüttelt, dass er reagieren muss! Genau das brauchen wir heute.

Gibt es einen Leser, der nicht gern so predigen oder eine solche Predigt hören wollte? Gibt es einen Leser, der bereits viele Predigten gehört hat, die so beschaffen waren? Irgendetwas stimmt nicht. Was ist mit unserer Verkündigung geschehen? Warum ist solches Predigen praktisch unbekannt? Das müssen wir untersuchen und entscheiden, was Gott von uns erwartet.«

Fußnoten

[1] Das Verb katanyssō ist ein starkes Wort mit der Bedeutung »stechen, betäuben, schlagen, verwunden«. Dieses zusammengesetzte Wort verbindet nyssō (»durchbohren, punktieren«) mit kata, einer Präposition, die die Handlung verstärkt. Die Passivform des Verbs bezeichnet ein »Ins-Herz-Gestochen-« oder »Ins-Herz-Getroffenwerden«.

[2] Das Verb diapriō, hier mit »durchbohrt« bzw. »durchdrungen« übersetzt, wird auch in Apostelgeschichte 5,33 verwendet. Es enthält die Vorstellung des »Durchsägens« (priō = »sägen, zerschneiden, beißen«; dia = »durch«) und trägt häufig die Bedeutung von »das Herz durchschneiden«“ oder »bis ins Herz schneiden«).


Diskussion

Jay E. Adams argumentiert bereits in der Einleitung mit der unverkennbaren Handschrift seines nouthetischen Ansatzes (s.u.):

  • Betonung von klaren Definitionen statt Schlagworten.
  • Ablehnung vager homiletischer Formeln (»predige zum Herzen«) ohne konkrete Anleitung.
  • Starker Fokus auf Veränderung und Reaktion.
  • Die Überzeugung, dass biblische Verkündigung nicht nur informiert, sondern den Hörer zu einer Antwort zwingt.
  • Die Verbindung von Predigt und Seelsorge: Das Wort Gottes zielt auf das Herz des Menschen und damit auf Denken, Wollen und Handeln.

Entscheidend wichtig ist, dass Adams den Begriff »zum Herzen predigen« nicht primär emotional versteht. Viele moderne Leser würden darunter spontan eine gefühlsbetonte, Emotionen auslösende, »bewegende« Predigt verstehen. Adams meint jedoch etwas anderes:

Eine Predigt trifft das Herz dann, wenn sie den inneren Menschen erreicht und eine konkrete Reaktion hervorruft.

Deshalb stellt er Apostelgeschichte 2,37 und 7,54 im Vergleich nebeneinander:

  • Petrus predigt → Menschen werden getroffen und tun Buße.
  • Stephanus predigt → Menschen werden getroffen und töten den Prediger.

In beiden Fällen wurde »zum Herzen« gepredigt. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität der Predigt oder des Predigers, sondern in der Reaktion des Herzens des Zuhörers: Der Zuhörer offenbart in seiner Reaktion, was für ein Herz, welche Herzenshaltung, er hat.

Das ist ein wichtiger Punkt, weil Adams damit eine verbreitete Vorstellung korrigiert: »Zum Herzen predigen« bedeutet nicht, dass die Zuhörer emotional bewegt werden, sondern: »Zum Herzen predigen« bedeutet, dass Gottes Wort den inneren Menschen erreicht und eine Entscheidung, Stellungnahme oder Handlung hervorruft.

Hiermit steht Adams in einer langen Tradition. Man kann sich die Entwicklung in Kürze so vorstellen: Von den Puritanern (Richard Baxter (1615–1691), John Owen (1616–1683), zu Thomas Watson (ca. 1620–1686)): Predige zum Gewissen, zu Jonathan Edwards (1703–1758): Predige zu Verstand und Affekten zu Martyn Lloyd-Jones (1899–1981): Predige den ganzen Menschen an. Und schließlich Jay Adams (1929–2020): Predige zum Herzen.

Die Genannten sind überzeugt, dass biblische Predigt mehr sein muss als reine Informationsvermittlung (Wortstudien, Bibellexikon-Vorträge usw.). Sie soll vielmehr den inneren Menschen vor Gott zur Entscheidung und Reaktion bringen. Aber sie fallen mit dieser Zielsetzung nicht auf der emotionalen Seite vom Pferd. Für sie ist das »Herz« nicht primär Sitz der Gefühle, sondern in biblisch korrektem Verständnis das Zentrum der Person, mithin Verstand, Gewissen, Wille und Neigungen. Gottes Wort meint die ganze Person – daher spricht sie das Zentrum der Person an.

Versuchen wir abschließend eine Definition, was »zum Herzen predigen« heißt. Es ist weder »emotionale Ansprache« und »gefühlsvolles Abholen« noch »Bibelschulvortrag« oder bloße »Informationsvermittlung«. Vielmehr gilt:

Herzorientierte Predigt ist biblische Verkündigung, die durch die Kraft des Heiligen Geistes den inneren Menschen so anspricht, dass der Hörer sich nicht gleichgültig Gottes Wahrheit entziehen kann, sondern zu Glauben, Buße, Gehorsam oder aber zum Gegenangriff, Verleumdung oder bloßer Ablehnung herausgefordert wird.

Damit ist klar, dass effektive Predigt ein göttliches Wunder ist. Schon deswegen erfordert sie anhaltendes, demütiges und gläubiges Gebet: vom Prediger, vom Hörer, von der gesamten hörenden Gemeinde »unter Gottes Wort«.

Tipps für Prediger

  • Predige nicht nur zum Verstand.
  • Predige nicht primär zur Unterhaltung oder Bildung.
  • Predige so, dass das Gewissen vor Gott angesprochen wird.
  • Dränge die Wahrheit auf Herz, Gewissen und Willen des Hörers.

Wenn sich dann deine Zuhörer »getroffen«, »verletzt« oder »durchbohrt« fühlen, hat das Wort nach Hebräer 4,12 sein göttliches Wesen entfaltet, was ein wahres und gnädiges Wunderwirken Gottes ist (siehe auch diesen Beitrag). Das gilt auch, wenn Ablehnung und Hass entstehen. Prediger leben gefährlich. Bergrettern, SAR-Teams und Rettungsschwimmern der Küstenwache geht es nicht anders.

Buchempfehlung: Jay E. Adams, Predigten. Zielbewusst – anschaulich – überzeugend: Handbuch für biblische Verkündigung, 2. Auflage (Bielefeld: CMV, 2013), 176 Seiten. Originaltitel: Preaching with purpose.

Nouthetische Seelsorge (Jay E. Adams)

Jay Adams prägte in den 1970er Jahren den Ausdruck »Nouthetic Counseling« (»nouthetische Seelsorge«). Der Begriff »nouthetisch« geht auf das griechische Verb noutheteō (νουθετέω) zurück, das im Neuen Testament mit »ermahnen«, »zurechtweisen«, »warnen« oder »unterweisen« wiedergegeben wird (z. B. Apg 20,31; Röm 15,14; Kol 1,28; 3,16; 1Thess 5,12.14).

Eine Definition könnte lauten:

Nouthetische Seelsorge ist die persönliche, auf die Heilige Schrift gegründete Konfrontation eines Menschen mit Gottes Wahrheit, unter der Leitung des Heiligen Geistes, mit dem Ziel von Buße, Glauben, Gehorsam und geistlicher Veränderung. Diese Seelsorge arbeitet mit der liebevollen, direkten und biblisch fundierten Anwendung der Heiligen Schrift auf Denken, Herz und Verhalten eines Menschen, damit dieser Gott verherrlicht und Christus ähnlicher wird.

Buchempfehlungen: Jay E. Adams, Befreiende Seelsorge. Theorie und Praxis einer biblischen Lebensberatung. 8. Auflage (Gießen/Basel: Brunnen, 1988). Originaltitel: Competent to Counsel. Derselbe: Grundlagen biblischer Lebensberatung. Beiträge zu einer Theorie der Seelsorge. (Gießen: Brunnen, 1983). Originaltitel: More than Redemption. – Beide deutschsprachigen Werke sind antiquarisch erhältlich, die Originaltitel auch im Buchhandel.

Das Wort, das schneidet (Kostprobe)

John F. MacArthur
Das Herzstück der Bibel
52 Schlüsselabschnitte zum Nachsinnen und Auswendiglernen

EBTC, 2024, geb., 200 Seiten | ISBN: 978-3969571279

Im Folgenden eine »Kostprobe« aus einem klug aufgebauten und erbauend zu lesenden Streifzug durch die Schätze der biblischen Lehre, sozusagen eine »Systematische Theologie« in Andachtsform. Das sind »Herzstücke« für jeden, der Gott und Seine Heilige Schrift liebt.

Lesedauer: 3 Minuten.

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens. (Hebräer 4,12)

Hältst du die Bibel für ein nettes Buch? Viele halten sie für ein Buch religiöser Geschichten. Christen halten die Bibel oft für ein tröstliches Buch, ein ermutigendes Buch, ein Buch, das einen erbaut. Aber die Bibel selbst erhebt den Anspruch, ein Schwert zu sein – lebendig, wirksam und scharf. Sie schneidet wie das Skalpell eines Chirurgen, es dringt in die Tiefen deiner Seele und deines Geistes vor, es schneidet deine Gelenke und dein Knochenmark. Das ist ein lebhaftes Bild. Es hört sich ganz so an, als würde es wehtun. Die Bibel ist nicht nur ein Balsam, das wir auftragen, um Linderung zu bekommen. Sie ist eine Klinge, die tief in uns eindringt. Sie kennt unsere Gedanken und Absichten besser als wir selbst.

Nichts schneidet und durchdringt so wie Gottes Wahrheit. Alle Psychologie und Philosophie der Welt sind nicht imstande, in die Tiefen der Seele einzudringen, wie es das Wort Gottes kann. Kein Psychologe oder Philosoph ist jemals in der Lage, dich so zu kennen, wie Gott dich kennt. Johannes sagt, dass Jesus es nicht nötig hatte, dass ihm jemand sagte, was sich im Herzen des Menschen befindet, weil er bereits wusste, was darin war (Johannes 2,25). Dein Herz ist vor Gott völlig offengelegt. Er kann in dich hineinsehen. Er hat einen tiefen Einblick in deine Seele.

Niemand kennt dich so gut, wie Gott. Kein Buch dringt so zum Kern deines Herzens vor, wie die Bibel – sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht. Wenn wir niedergeschlagen sind, weiß die Bibel uns aufzumuntern, zu trösten und aufzubauen. Doch wenn wir uns auf unserem hohen Ross des Stolzes oder menschlicher Weisheit befinden, dann versteht sich die Bibel darauf, uns herunterzuholen, indem sie unsere Sünde bloßstellt, unsere Heuchelei entlarvt und unseren Eigensinn niederreißt.

Das Lesen der Bibel ist kein ungefährliches Unterfangen. Es kann eine beängstigende Erfahrung sein. Doch überall, wo Gott [bei einem Glaubenden] mit seinem Wort schneidet, heilt er auch. Alles, was er offenbart, legt er frei, um die Stelle zu reinigen. Jesus sagte, dass wir wie Reben an einem Weinstock sind, die vom Weingärtner gereinigt werden (Johannes 15,2). Wir müssen gereinigt bzw. beschnitten werden, damit wir Frucht bringen können. Diese Beschneidung geschieht durch das Wort Gottes.

Ich bin dankbar für das Wort Gottes als Quelle des Trostes, der Hoffnung, der Freude, der Anbetung und des Lobes. Darüber hinaus bin ich dankbar für das Wort Gottes als durchdringendes, überführendes, unterscheidendes Schwert, das mich mit nichts davonkommen lässt. Indem ich mein Leben dem Wort Gottes aussetze, wird meine Sünde aufgedeckt. Wenn meine Sünde auf-gedeckt wird, kann sie ausgeräumt werden. Dabei handelt es sich um die Reinigung, die mich befähigt, zu meiner eigenen Freude und zur Ehre Gottes mehr Frucht zu bringen.

Die Frucht des Geistes (Galater 5)

Lesedauer: 2 Minuten.

Der Apostel Paulus setzt die sündigen, todbringenden »Werke des Fleisches« in Kontrast zu der geistbewirkten, lebenbringenden »Frucht des Geistes«. Diese »Frucht des Geistes« entfaltet sich in neun »Geschmacksrichtungen«:

»Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit« (Galater 5,22–23a)

Man kann diese neunfältige Geistesfrucht unterschiedlich strukturieren. Einen Vorschlag zur Einteilung ist in folgende drei Dreiergruppen: (1) Beziehung zu Gott; (2) Beziehung zu anderen; sowie (3) Selbstführung. Alle drei Beziehungs- und Lebensaspekte sind vom Geist Gottes gestiftet und werden von Ihm im Gläubigen fruchtbar geprägt. Im Einzelnen:

1. Gottbezogene Dimension

Hier geht es um die innere Ausrichtung auf Gott. Dies muss die erste Überlegung sein, sie hat oberste Priorität. Denn Gott zu lieben ist das oberste, erste Gebot und bewirkt die größte Erfüllung des glaubenden Menschen.

  • Liebe (agápē) – grundlegende, göttliche Liebe als Quelle
  • Freude (chara) – geistgewirkte Freude unabhängig von Umständen
  • Friede (eirēnē) – innerer Zustand des Versöhntseins mit Gott

Dieser Dreiklang markiert den Grundzustand des glaubenden Herzens vor Gott.

2. Zwischenmenschliche Dimension

Hier geht es um das Verhalten anderen gegenüber. Der Geist Gottes bewirkt im Glaubenden, dass auch dieser zweite Aspekt des göttlichen Liebesgebotes fruchtbar erfüllt werden kann: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Galater 5,14)

  • Geduld (makrothymía) – Langmut gegenüber Menschen
  • Freundlichkeit (chrēstótēs) – wohlwollendes, mildes Verhalten
  • Güte (agathōsýnē) – aktives, moralisch gutes Handeln

Dieser Dreiklang markiert die soziale Auswirkung des geistlichen Lebens.

3. Selbstbezogene Dimension

Hier geht es um die Verwandlung des geistbewohnten Gläubigen ins Bild Jesu Christi, also um Heiligung in Charakter und Selbstdisziplin.

  • Treue (pístis) – Zuverlässigkeit / Vertrauenswürdigkeit
  • Sanftmut (praýtēs) – kontrollierte Stärke, Demut
  • Selbstbeherrschung (enkráteia) – Kontrolle über eigene Impulse

Dieser finale Dreiklang markiert die innere Stabilität und Charakterfestigkeit des Glaubenden.

Die systematische Logik

Diese Dreiteilung in Dreiergruppen folgt einer Logik, die sich weder explizit noch aus der Textstruktur selbst ergibt (diese ist ja einfach eine geordnete Aufzählung ohne Prioritätsangaben). Ohne dogmatischen Anspruch folgt die obige Einteilung den Aspekten: Sein–Wirken–Charakter. Diese Aspekte markieren die drei Ebenen, in denen Gott Frieden und Wohlstand als einheitliche Realität stiften will und wird:

  • vertikal. Die Grundlage bildet die Gottesbeziehung.
  • horizontal. Darauf aufbauend die Beziehung zum Nächsten als Ausdruck der guten Gottesbeziehung.
  • intrapersonal. Drittens sehen wir eine Stabilisierung auf der intrapersonalen Ebene, indem der geistbewohnte Mensch in sich tiefen inneren Frieden und Heilung erfahren darf, und so Stück um Stück seine alte, sündige Zerrissenheit und Entfremdung verliert.

»Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder! Amen.« (Galater 6,18)

Deus spes nostra est – Gott ist unsere Hoffnung

Gestern entdeckte ich einen alten Metallknopf, der wohl einmal an einem alpenländischen Janker hing, den ich als Kind getragen hatte. Die Mitte dieses kreisrunden Knopfes ziert ein (Reichs-)Adler, wie man ihn überall als Wappentier sehen kann. Das Besondere ist: Rings herum steht in Großbuchstaben: »DEUS SPES NOSTRA EST«. Das hat mich neugierig gemacht: Wie gerät eine solche Glaubensaussage auf einen Knopf einer einfachen Trachtenjacke?

Und siehe da: Der Knopf ist ein (reproduziertes) Relikt aus jener Zeit und Gegend, wo der christliche Glaube allgemeines, öffentliches Gut und alltägliche Selbstverständlichkeit einer Gesellschaft war. So findet man diesen Spruch (u.a.) als Hoffnungs-Wahlspruch im Schaffhausener Standeswappen. So berichtet es der Jahresbericht des Schweizerischen Landesmuseums von 1896 auf Seite 116. Es war seit dem ausgehenden Mittelalter in der Eidgenossenschaft üblich, im Stadt- und Standeswappen Glaubenssätze und Bekenntnisse des christlichen Glaubens zu zeigen, nur wenige Kantone verzichteten darauf. Auch auf Münzen fanden diese Sätze Verbreitung (s. Abb. unten) und wurden so ubiquitäres Allgemeingut. Einzig das eidgenössische Wappen wurde eingefasst mit den Worten: »Einer für Alle, Alle für Einen« in Deutsch, Französisch und Italienisch, dem inoffiziellen nationalen Motto der Schweiz, das den bundesgenossenschaftlichen Zusammenhalt ausdrückt und am Bundeshaus in Bern eingemeißelt steht. Die einzelnen Wahlsprüche der Kantone lauten:

Kanton

Wahlspruch

Übersetzung ins Deutsche

Zürich 

Domine conserva nos in pace

Herr, erhalte uns in Frieden

Bern 

Deus providebit

Gott wird sorgen

Luzern 

Dominus illuminatio mea

Der Herr ist mein Licht

Uri 

Soli Deo gloria

Allein Gott die Ehre

Schwyz 

Turris fortissima nomen Domini

Der Name des Herrn ist ein starker Turm

Obwalden 

Dilexit Dominus decorem justitiae

Der Herr liebt die Zierde der Gerechtigkeit

Nidwalden 

Pro fide et patria

Für Glaube und Vaterland

Zug 

Cum his qui oderant pacem eram pacificus

Mit denen, die Frieden hassen, war ich friedlich

Freiburg 

Esto nobis Domine turris fortitudinis a facie inimici

Sei uns, Herr, ein starker Turm gegen den Feind

Solothurn 

Cuncta per Deum

Alles durch Gott

Baselstadt 

Domine conserva nos in pace

Herr, erhalte uns in Frieden

Schaffhausen 

Deus spes nostra est

Gott ist unsere Hoffnung

Appenzell I.Rh.

Super omnia libertas

Freiheit über alles

Appenzell A.Rh.

Jedem das Seinige

 

Graubünden 

Hie alt fry Rhätia

Hier altes freies Rätien

Waadt 

Liberté et patrie

Freiheit und Vaterland

Wallis 

Soli Deo gloria

Allein Gott die Ehre

Genf 

Post tenebras lux

Nach der Dunkelheit das Licht

Der Kanton Schaffhausen trug seinen Wahlspruch ganz bewusst durch die Jahrhunderte. Der Wappenexperte (Heraldiker) Adolphe Gautier schrieb in seinem Wappenbuch der Schweizer Kantone 1878 folgendes fest: «La devise de Schaffhouse est: Deus spes nostra est. Elle est beaucoup plus usitée que toutes celles que nous avons vues jusqui’ici« (Adolphe Gautier, Les armoiries et les couleurs de la Confédération et des Cantons Suisses, Genève et Bâle, 1878, S. 82. Verdeutscht: »Der Wahlspruch von Schaffhausen lautet: Deus spes nostra est. Er wird viel häufiger verwendet als alle anderen, die wir bisher gesehen haben«.).

Auch auf Münzen wurde der schöne Denkspruch verwendet. So wird berichtet, dass er schon 1550 auf einem Thaler zu finden war, und seitdem auf beinahe allen Schaffhausener Münzen: Halb- und Viertelthaler (gleichwertig zum Viertelthaler: der Örter = ein Viertelgulden), Batzen (4 Kreuzer) und Kreuzer (1 Gulden = 60 Kreuzer). Dies war üblich bis letztmalig 1677.

Vorher war der Spruch »O rex gloriæ Christe veni cum pace« (»O König der Herrlichkeit, Christus, komm mit Frieden«) üblich gewesen, ein traditioneller liturgischer Ruf, der aber nach der Reformation nicht mehr verwendet wurde. Der neue Spruch war auf Deutsch schon in Konstanz verwendet worden auf dem sog. »Konstanzer Reformationsthaler«: »Got ist unser aller Hail und Hofnung« (1537–1541). Weil Münzen natürlich in aller Hand waren, fand der aufgeprägte Spruch weite Verbreitung und wurde im Lauf der Zeit zum offiziellen Schaffhauser Wahlspruch.

Nebst auf Münzen wurde der Wahlspruch von der Hoffnung in Gott auch auf anderen öffentlichen Gegenständen und Gebäuden angebracht, wie Glocken, öffentliche Gebäude, Deckengemälde (vor allem in Kirchen), Standarten, Schiffe (z.B. beim ersten Raddampfschiff »Stadt Schaffhausen«, das 1851–1892 fuhr) u.Ä. Auch in anderen christlichen Ländern sind noch Spuren davon zu finden. So findet man den Sinnspruch »In te Domine speravi« (»Auf Dich, o Herr, habe ich gehofft«; aus Psalm 31,2; 71,1) über den beiden Portalen des Hochtor-Tunnels auf der Scheitelstrecke der Großglockner Hochalpenstraße, auf 2.504 Metern Seehöhe, an der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten.

Leider ist sowohl der Denkspruch als auch der lebendige christliche Glaube, der ihn zeitigte und ihn in der Lebensrealität der Menschen verankerte, verblasst und fast in Vergessenheit geraten. Nur gelegentlich wird der Denkspruch von der wahren Hoffnung des Menschen bei Reden, in Chroniken oder kirchlichen Veranstaltungen wieder hervorgeholt. Die Reformation –und mit ihr die im absolut Guten, Gott,– verankerten Güter Glaube, Wahrheit, Freiheit, Solidarität, Nächstenliebe, Erlösung und Verantwortung vor Gott– hat scheinbar die abendländische Welt längst verlassen.

Und in der Bundesrepublik Deutschland

Im (anderen) »Land der Reformation«, Deutschland, gab es in den letzten Jahren heftige Debatten um die weithin sichtbare Inschrift an der Außenseite der restaurierten Kuppel des Berliner Schlosses. Da steht in goldenen Lettern zu lesen: »Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.« Dies ist ein Text, der aus den neutestamentlichen Bibelversen Apostelgeschichte 4,12 und Philipperbrief 2,10 zusammengesetzt wurde. König Friedrich Wilhelm IV. hatte ihn für die 1845 bis 1854 durch den Architekten Friedrich August Stüler errichtete Kuppelkonstruktion über der Westfassade von Schlüters barockem Schlossbau, der preußischen Residenz in Berlin, vorgegeben. Das Haupt der Kuppel ziert ein großes goldenes Kreuz.

© dpa / Bernd von Jutrczenka

Im Schloss ist heute nach der Rekonstruktion das »Humboldt Forum« beheimatet, das einen Ort für den Dialog der Weltkulturen bieten will. Wie verträgt sich das mit den klaren, positiven Aussagen des Evangeliums Gottes? Es wundert fast nicht, dass Claudia Roth (*1955; Bündnis 90/Die Grünen), Staatsministerin beim Bundeskanzler von 2021 bis 2025 und Beauftragte der Bundesregierung der BRD für Kultur und Medien, an vorderster Front der ablehnenden Kritiker stand. Klare christliche Aussagen, sogar zentrale Inhalte der »Guten Botschaft« (Evangelium) aus berufener Quelle, den christlichen Aposteln Petrus und Paulus, dürfen nicht mehr Teil der öffentlichen Kultur der BRD sein. Zumindest müssen sie »kontextualisiert« werden, was hier offenbar bedeutet, dass die »frohe Botschaft Gottes« an alle Menschen umgedeutet und eingegrenzt wird auf die angeblich rein politische Absicht dieser Verse und deren symbolhaften, öffentlichen Anbringung durch den damaligen Monarchen. Das ist ärmlich und verarmend.

Und es ist kindisch-leugnend, wie der sprichwörtliche Vogel Strauß. Diese Inschrift gehört zur deutschen Geschichte. Definitiv. Man mag gerne die Intention des Preußenkönigs zur Anbringung dieser Bibelverse »kontextualisieren«, aber nur Dummen oder Geblendeten kann man unterjubeln, dass damit auch die ewige Rettungskraft und Wahrheit dieses Gotteswortes in Frage gestellt worden sei. Mögen der Bote und der Anlass auch zurecht kritikwürdig sein, was da nach sozialistischem Raubbau und ideologischer Selbstverherrlichung jetzt wieder steht, ist über Politik, Kultur und Zeit erhaben gültig, denn der Autor ist der Schöpfer-Gott, der sich uns Menschen in Jesus Christus als Retter-Gott nahte und noch nahe ist. (Ja, Jesus, der Gesalbte, war kein Preuße, sondern »Retter der Welt«; Johannes 4,42.) Wird dieser Retter-Gott aus Politik und Kultur (und Glaube!) der Gesellschaft verdrängt, bleiben am Ende nur noch die Heilsversprechen der Politiker, der Ideologen und der Sekten. Leugnet eine Gemeinschaft Gott, oder –gleichwertig– macht ihn beliebig, macht sich diese Gesellschaft selbst zu Gott, zum letzten Ziel, Sinn und Wert. Die Bibel bezeichnet solche selbstgewählte Verblendung krass und richtig als »Torheit« (Psalm 14). Glaubende Christen jedoch wissen um diese Problematik und beten daher inständig und anhaltend für ihr Volk und dessen Repräsentanten zu Dem, der alle Macht hat und alle Ehre gebührt (1.Timotheus 2,1–7).

Nachdem die Entfernung des Spruches als offensichtliche Geschichtsklitterung und Denkmalszerstörung zurückgewiesen wurde, befürwortete Frau StM’in Claudia Roth, die auch Vorsitzende des Stiftungsrates des Humboldt Forums ist, Kunstprojekte, die die Texte nachts in LED-Technik mit alternativen, kommentierenden und reflektierenden Laufschrifttexten (z.B. aus dem Grundgesetz oder der Menschenrechtserklärung) überstrahlen sollten. Die Stiftung Humboldt Forum distanziert sich mit Tafeln von der ursprünglichen Botschaft des Kuppeltextes: »Alle Institutionen im Humboldt Forum distanzieren sich ausdrücklich von dem Allgemeingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums.« Als »Kunstprojekt« inszeniert sollen anstatt der »Guten Nachricht« von Gott Werte des Humanismus und des Menschen leuchtend sichtbar werden. Dies wiederum empörte etliche Rekonstruktionsbefürworter und Spender. Der Vorsitzende des »Förderverein Berliner Schloss«, der über 100 Mio. Euro Spendengelder für die rekonstruierte Barockfassade gesammelt hat, nannte die Pläne, die Inschrift abändern zu wollen, »einen kulturellen Bruch, wie wir ihn in unserer Geschichte noch nie hatten – die Herrschaft der Säkularisierung über unsere zweitausend Jahre alten Wurzeln im Christentum«. So hören wir lautstark und manchmal schrill die Stimmen der Politik, der Kultur und des Zeitgeists. Aber wo war die Stimme der Gemeinde Jesu Christi?

Der Kunsthistoriker Peter Stephan versuchte, die Rauchschwaden der oft entrüsteten und verdrehten Debatte wegzupusten. Er schrieb, dass die Schlosskuppel vielmehr der Abgrenzung gegen Cäsarenwahn und absolutistische Herrschaftsansprüche diene. König Friedrich Wilhelm IV. hätte darin zum Ausdruck bringen wollen, dass kein Herrscher und kein Staat sich als Heilsbringer betrachten solle. Die Preußen sollten nicht vor ihrem König, sondern gemeinsam mit ihm vor Gott niederfallen. Das ist durchaus bedenkenswert in einer Zeit, wo immer wieder Politiker mit Anwandlungen politischer Allmacht letztlich infrage stellen, dass nicht Cäsar, sondern Christus, das Haupt der Gemeinde Gottes und Schöpfer und Gebieter jedes Menschen ist. Auch jedes Politikers. Daher beten glaubende Christen auch explizit für sie vor Dem Höchsten. Denn dort ist allein Hoffnung zu finden für alle Fragen, deren Beantwortung und Bewältigung der Mensch offenbar nicht mächtig ist.

Fazit

Die Säkularisierung und Wendung zu Naturreligionen und zur gottlosen Zivilreligion (s. klassisch bei Jean-Jacques Rousseau, Du contrat social, 1762; vgl. kontemporär bei Robert N. Bellah, Civil Religion in America, 1967) ist weit vorangeschritten. Der Baum der Völker versucht, ohne glaubensstarke Wurzeln in Gott den globalen Stürmen zu trotzen. Er wird fallen (Daniel 4,6ff). Dauerhafter Friede wird erst dann kommen, wenn anerkannt wird, »dass die Himmel [=der Schöpfer-Gott] herrschen.« (Daniel 4,23b). Er wird kommen. Genau so, wie Er gesagt hat.

Egal, wie säkularisiert unser Denken und Glauben wird; egal, welche Machtphantasien ideologisch und pseudo-religiös verklärt mit massenmedialem Nachdruck verbreitet werden; egal, wie sehr die Nationen toben und die Völkerschaftes Eitles [=Nichtiges, Hohles, Leeres] sinnen (Psalm 2): Der Gläubige blickt wie seit Jahrtausenden auch heute auf und weiß: »Deus spes nostra est!«: »Es ist in keinem andern Heil … denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters.« »Glückselig alle, die zu ihm Zuflucht nehmen!« (Psalm 2,12).

Ich erhebe meine Augen zu den Bergen:
Woher wird meine Hilfe kommen?
Meine Hilfe kommt von dem Ewigen,
der Himmel und Erde gemacht hat.

(Psalm 121,1–2)

Thaler der Stadt Schaffhausen (1620-1624)
Auf der Rückseite ist deutlich zu lesen: “DEVS SPES NOSTRA EST”. Silbermünze, groß, mit dem doppelköpfigen Reichsadler.

Dicken der Stadt Schaffhausen (1631)
Auch diese Münze trägt auf der Rückseite “DEVS SPES NOSTRA EST”. Der »Dicken« ist eine kleinere Silbermünze (in Schaffhausen etwa 1/5 eines Thalers).

Schönheit – Eine biblische Besinnung

Wir leben in einer Welt, die von Bildern, Filmen und äußerem Glanz bestimmt ist. Werbung, soziale Medien, Mode, sogar manche Kirchenveranstaltungen, folgen einem klaren Trend: Schön ist, was sichtbar beeindruckt. Wir leben in einer Augenkultur. Das Bild erschlägt das Wort (Wolfgang Zöller, 1986). Wer das Auge lenken kann, kann auch die Gedanken lenken, Gefühle erzeugen, Entscheidungen beeinflussen, Menschen manipulieren. 

Die Frage in dieser kurzen Besinnung soll aber vor allem positiv sein: Was ist eigentlich Schönheit in Gottes AugenGibt es eine biblische Lehre von der Schönheit? Und woran orientiert sich unser eigenes Denken und Empfinden, wenn es um das Schöne geht? Es geht hier nicht um eine Abrechnung mit äußerlicher Schönheit, gar eine rein moralisierende Betrachtung. Dazu ist an anderer Stelle manches gesagt worden. Auch die Heilige Schrift hat viel Praktisches hierzu zu sagen, was Väter und Mütter ihren Söhnen und Töchtern erziehend zu vermitteln haben. Vielmehr geht es hier darum, die biblische Sicht auf Schönheit zu entdecken – eine Sicht, die tiefer geht, als das Auge reicht, und gleichzeitig für das Gotteskind erhebender ist. Wir dürfen erkennen, wie wunderbar und herrlich unser Gott ist, und wie die Gotteskinder diese wahre Schönheit widerspiegeln dürfen. Die angegebenen Bibelstellen können dem Leser als Wanderführer für eine erste Erforschung dieses Themas in der Bibel dienen.

1 Die Quelle aller Schönheit: Gott selbst

Leitverse: Psalm 27,4; Psalm 96,6; Jesaja 33,17; 1. Chronika 16,29

Gott selbst ist die Quelle aller wahren Schönheit. Seine Heiligkeit, seine Majestät, seine Gnade – das alles ist von unbeschreiblicher Herrlichkeit und Schönheit. Die Bibel spricht immer wieder davon, dass Gott »herrlich« ist. Herrlichkeit und Schönheit gehören zusammen.

Schönheit ist bei Gott keine oberflächliche Eigenschaft, sondern Ausdruck seiner Vollkommenheit. Wenn wir also nach wahrer Schönheit suchen, müssen wir bei Gott anfangen. Er ist die Quelle aller wahren Schönheit (diese Aussage ist analytisch wahr). Er ist intrinsisch schön, aber Er verkörpert Schönheit auch in seinem Sohn und in allen seinen Werken.

2 Die Schönheit der Schöpfung – Spiegel seiner Herrlichkeit

Leitverse: 1. Mose 1,31; Psalm 19,2; Prediger 3,11; Römer 1,20

Die Schöpfung ist wunderschön. Vom Sternenhimmel bis zum Detail einer Blume erkennen wir etwas von Gottes kreativer Kraft. Die Bibel nennt dies »das Unsichtbare von ihm«, das »von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen« wird (Römer 1,20).

Doch die Schönheit der Natur ist nicht Selbstzweck. Sie verweist auf den Schöpfer. Sie ruft zur Anbetung.

Frage an uns: Welche Haltung haben wir gegenüber Kunst, Natur, Musik? Sehen wir im Schönen den Hinweis auf den Herrlichen? Führt es uns zur Anbetung Gottes? Oder bleiben wir bei der Form stehen und vergessen den Urheber?

3 Der Mensch als Abbild Gottes: Schönheit im Ebenbild

Leitverse: 1. Mose 1,26–27; Psalm 139,14; 1. Samuel 16,7; Sprüche 31,30

Der Mensch wurde als Abbild Gottes geschaffen. Das heißt: Der Mensch ist Träger einer von Gott gegebenen Würde und Schönheit.

Aber – und das ist entscheidend – Gott sieht tiefer: Er sieht ins Zentrum der Persönlichkeit, ins Herz. »Denn der Mensch sieht auf das Äußere, aber Jahwe sieht auf das Herz«. Die Quelle wahrer Schönheit ist unter der Haut.

Innere Schönheit ist bei Gott entscheidend. Charakter, Frucht des Geistes, Heiligkeit, Gottesfurcht – das sind die Elemente wahrer Schönheit.

Wie oft lassen wir uns von äußerer Erscheinung beeinflussen? Und wie oft vergessen wir, das Herz zu sehen?

4 Die durch die Sünde verzerrte Schönheit

Leitverse: Hesekiel 28,12–17; Jesaja 3,16–24; Römer 1,23-25

Sünde hat unsere Sicht auf Schönheit pervertiert. Luzifer, vom dem letztlich in Hesekiel 28 geredet wird, war ursprünglich »vollkommen an Schönheit« (Hes 28,12), doch sein Stolz (»Dein Herz hat sich erhoben wegen deiner Schönheit«) führte zur Selbstvergottung und damit zum endgültigen Fall. Statt Schönheit als Geschenk zu bewahren, sie als Motiv zur Anbetung des Gebers dieser Schönheit zu verwenden, machte er sie zum Werkzeug der Erhebung und Verführung anderer.

Auch wir Menschen haben die Herrlichkeit Gottes vertauscht gegen Abbilder (Götzen, Ersatzgötter, Surrogate), gegen äußeren (= hohlen, eitlen) Glanz, gegen Selbstvergottung (das ist der Kern der Ursünde).

Wenn Schönheit zur Selbstinszenierung wird, statt zur Anbetung Gottes zu führen, wird sie zum Götzen. Da diese Perversion (Umkehrung) die Herrlichkeit Gottes herabsetzt, wird der Selbstverliebte unausweichlich zum Götzendiener, dem unerlöst ewiges Gericht seitens Gottes sicher ist. Nur in der gnädigen Erlösung durch Jesus Christus wird ein Mensch wieder wahrhaft schön.

Herzensfrage: Wo haben wir Schönheit von Gott gelöst und ihr einen selbstsüchtigen (=sündigen!) Zweck gegeben?

5 Die wahre Schönheit in Christus

Leitverse: Jesaja 53,2–3; Hebräer 1,3; 2. Korinther 4,6

Jesus war nicht äußerlich schön, er war die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes. In ihm erstrahlt die höchste Schönheit, die Schönheit Gottes in Gnade, Wahrheit, Liebe, Demut, Gehorsam, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Gott-Vater bezeugte: »Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.« (Mt 3,17; vgl. Mt 12,18; 17,5).

Im Kreuz Christi sehen wir hässlichste Grausamkeit und gleichzeitig höchste Herrlichkeit. Das Kreuz ist der Wendepunkt unserer Sicht: Christus macht hässlich Gewordenes und Gemeintes zum Wendepunkt und führt es zum Siegesglanz. Er macht alles neu (2Kor 5,17; Offb 21,5), er macht alles wieder schön.

Lernen wir, wahre Schönheit in Christus zu finden und an Christus zu messen – nicht an äußeren Maßstäben.

Schönster Herr Jesus, / Herrscher aller Enden,
Gottes und Marien Sohn!
Dich will ich lieben, 
Dich will ich ehren,
Du meiner Seele Freud und Kron!

Alle die Schönheit / Himmels und der Erden
ist gefasst in Dir allein. 
Nichts soll auf Erden
lieber mir werden,
als Du, Herr Jesus Christe mein.

(Autor unbekannt, aus dem 12. Jhdt.)

6 Die Schönheit im Leben der Gläubigen

Leitverse: 1. Petrus 3,3-4; Galater 5,22–23; Titus 2,10

Der Heilige Geist bewirkt in uns eine Schönheit, die von innen kommt, die ganzheitlich ist, uns immer mehr durchdringt: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung – das ist wahrlich himmlische Anziehungskraft.

Auch eine christliche Gemeinde wird nicht durch äußeres Design von Gebäude und Einrichtung schön, sondern durch Heiligkeit, Wahrhaftigkeit, Demut und Liebe der Erlösten.

Lasst uns nach jener Schönheit streben, die Gott gefällt. Diese bleibt.

7 Die ewige Schönheit in Gottes neuer Welt

Leitverse: Offenbarung 21,2.11; Psalm 50,2

Die Gemeinde Gottes erscheint als geschmückte Braut ihres Herrn Jesus Christus. Das neue Jerusalem strahlt in unbeschreiblicher Schönheit. Alles Wertvolle und Glänzende muss zur Vermittlung des Unvergleichlichen herhalten.

Das ist unser Ziel: Schön gemacht durch Christus, vollendet in der Herrlichkeit Gottes. Dort wird alles, was jetzt zerbricht, entstellt oder vergeht, vollkommen schön sein.

Unsere Sehnsucht nach Schönheit findet ihre Erfüllung bei ihm.

8 Schlussgedanken und Anwendung

Fragen wir ganz persönlich:

  • Woran orientierst Du dein Verständnis von Schönheit?
  • Welche Schönheit strebst Du an?
  • Führt Dich Schönheit in Schöpfung und Kunst zur Anbetung Gottes?
  • Welche Schönheit realisierst Du in deiner Familie, deiner Gemeinde, deinem (Gottes-) Dienst?

Möge Gott unsere Augen schärfen und unsere Ästhetik (Schönheitsempfinden) so verändern, dass wir Schönheit so sehen wie Er.

9 Ideen für weitere Überlegungen

Die Gehirnforschung hat uns vermittelt, dass jeder Mensch im Gehirn vernetzte Bereiche (vor allem orbitofrontaler und frontaler Kortex) bekommen hat , die sich dem logisch-faktischen Wahren (wahr, falsch, sowie abstrakte Regeln), dem ethisch Richtigen (richtig, verwerflich) und ästhetisch Schönen (schön, hässlich) widmen. So ist dem (gereiften) Menschen möglich, wertgeleitetet zu handeln (anstatt kurzfristigen Bedürfnisse direkt zu folgen und sie zu befriedigen, werden vielmehr langfristige Ziele verfolgt). Gott hat den Mensch »in seinem Bilde« offenbar so angelegt und begabt, dass er kein rein instinkt- oder lustgesteuertes Tier ist, sondern ein auf Gott und Gottes Schönheit ausgerichtetes Wesen ist (sein sollte). »Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, ohne dass der Mensch das Werk, das Gott gewirkt hat, von Anfang bis Ende zu erfassen vermag.« (Prediger 3,11).

Das alles hat wichtige Implikationen für Erziehung, persönliche Reifung und charakterliche Bildung, letztlich für das Menschsein. Aber es hat auch für den Glauben und das Glaubensgut wichtigste Implikationen. Die Schrift sagt viel zu diesen drei o.g. elementaren Bereichen, auch bezüglich der wahren Anbetung Gottes. Alle diese Dinge haben bei Gott ihre Quelle, sind Gottes Wesen eigen. Wir verehren Gott nur recht mit dem, das wahr, richtig und schön ist. Darauf sollten wir anhand der Offenbarung Gottes in Schöpfung und Gottes Wort sorgfältig achten.

Aber Achtung, man kann auch hier auf beiden Seiten vom Pferd fallen. Beachten wir: Das „Äußerliche“ ist weder das Wesentliche noch das (in platonischer Verirrung) zu Vernachlässigende. Das Schöne ist weder zu vergotten noch zu verteufeln.

Von Gefühlen getäuscht (Burk Parsons)

Als Gott uns nach seinem Ebenbild schuf, gab er uns die Fähigkeit zu fühlen und zu denken. Unsere Fähigkeit, Gefühle, Wünsche und Emotionen zu haben, stammt von Gott, daher sind unsere Gefühle, Wünsche und Emotionen bedeutsam für unser Menschsein. Gleichzeitig hat Gott uns auch mit der Fähigkeit zu denken, zu beurteilen und zu entscheiden gesegnet.

Ein Problem entsteht jedoch, wenn wir Denken und Fühlen verwechseln. Viele Menschen scheinen heute den Unterschied zwischen Denken und Fühlen nicht zu verstehen. Darüber hinaus sind viele im Unklaren, wie sie im Leben die richtigen Entscheidungen treffen und die richtigen Schlüsse ziehen können. In früheren Generationen wurde gesagt: „Tu, was recht ist!“ Seit Jahrzehnten jedoch fordert unsere Kultur die Menschen auf: „Tu, was sich gut anfühlt!“ Den Menschen wird dabei vermittelt, dass wahre Freiheit darin bestünde, das zu tun, was sich richtig anfühlt. Anstatt dessen sollten sie gelernt haben, dass wahre Freiheit die Fähigkeit ist, das zu tun, was wir als richtig erkennen.

Es überrascht nicht, dass viele Menschen in unserer Zeit ihre Identität, Sexualität und ihr Geschlecht aufgrund bloßen Fühlens in Frage stellen. Dies sollte uns zutiefst traurig stimmen und uns dazu veranlassen, allen Menschen mit Mitgefühl und Fürsorge das Evangelium zu verkünden. Menschen, die auf solche Weise verwirrt sind, müssen die Gnade Gottes in der Guten Nachricht von Jesus Christus erkennen lernen.

Wenn Ungläubige die Wahrheit über Gott gegen eine Lüge eintauschen, werden sie natürlich das, was sie wissen, gegen das eintauschen, was sie fühlen. Sie werden ihr Wissen über das, was sie für wahr und richtig halten, gegen ihre niedrigsten Gefühle eintauschen, von denen sie erhoffen, dass diese ihnen den besten Genuss bereiten. Am Ende werden Menschen, die von Christus getrennt sind, das tun, was ihnen die angenehmsten Gefühle hervorruft. Der Zeitgeist ermutigt sie darin mit dem verrückten Rat, dass sie ihre Gefühle nicht mit der Realität in Einklang bringen müssten, sondern die Realität mit ihren Gefühlen.

Selbst wir Christen können manchmal von unseren Gefühlen getäuscht werden. Wir können in tiefe Unzufriedenheit, Einsamkeit, Verzweiflung oder Scham verfallen und das Gefühl haben, nicht wirklich gerettet zu sein. Dies kann besonders dann geschehen, wenn wir uns von unserer Sünde erdrückt fühlen und wenn unser Feind uns anklagt. Wir müssen uns dann daran erinnern, dass unsere Gefühle manchmal die größten Lügner sind. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gefühle das, was wir [aus Gottes Wort] als wahr und recht erkannt haben, außer Kraft setzen. Wir müssen unseren Gefühlen das Evangelium predigen und den Herrn bitten, uns zu helfen, nie zu vergessen, dass wir in Christus sind. Wir dürfen niemals zulassen, dass sich unsere Lehre unseren Gefühlen beugt, sondern müssen vielmehr mit Sorgfalt darauf achten, dass unsere Gefühle der biblischen Wahrheit entsprechen.

Ein Beitrag von Burk Parsons in Tabletalk Vol. 48, Nr. 6 (Juni 2024), S. 2. Dr. Burk Parsons ist Herausgeber des Magazins Tabletalk und leitender Pastor der Saint Andrew’s Chapel in Sanford, Florida (USA). Eigene Adaptierung und Übertragung ins Deutsche.

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Ohne Glauben aber…

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen;
denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist
und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist.

Hebräerbrief 11,6

Du sagst: Es ist unmöglich.
Gott sagt: Alle Dinge sind möglich! (Lukas 18,27)

Du sagst: Ich bin zu müde.
Gott sagt: Ich will Dir Ruhe geben! (Matthäus 11,28–30)

Du sagst: Niemand mag mich.
Gott sagt: Ich liebe Dich! (Johannes 3,16; 13,34)

Du sagst: Ich kann nicht mehr.
Gott sagt: Meine Gnade genügt Dir! (2. Korinther 12,9; Psalm 91,15)

Du sagst: Ich komme hier nicht mehr raus.
Gott sagt: Ich werde Deine Schritte leiten! (Sprüche 3,5f)

Du sagst: Ich kann das nicht.
Gott sagt: Du kannst alles! (Philipper 4,13)

Du sagst: Ich bin dazu nicht fähig.
Gott sagt: Du bist sehr wohl dazu befähigt! (2. Korinther 9,8)

Du sagst: Es ist die Sache nicht wert.
Gott sagt: Sie ist es doch wert! (Römer 8,28)

Du sagst: Ich kann mir selbst nicht vergeben.
Gott sagt: Ich vergebe Dir! (1. Johannes 1,9; Römer 8,1)

Du sagst: Ich kriege es nicht geregelt.
Gott sagt: Ich werde mich um alle Deine Bedürfnisse kümmern! (Philipper 4,19)

Du sagst: Ich habe Angst.
Gott sagt: Ich habe Dir nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben! (2. Timotheus 1,7)

Du sagst: Ich fühle mich besorgt und frustriert.
Gott sagt: Wirf alle Deine Sorgen auf mich! (1. Petrus 5,7)

Du sagst: Ich habe nicht genug Glauben.
Gott sagt: Ich habe jedem sein Maß an Glauben gegeben! (Römer 12,3)

Du sagst: Ich verstehe nicht genug.
Gott sagt: Ich werde Dir Weisheit geben! (1. Korinther 1,30)

Du sagst: Ich fühle mich allein.
Gott sagt: Ich werde Dich niemals versäumen noch verlassen! (Hebräer 13,5)


Nach einem Artikel (o. V.) in: Bode von het Heil in Christus (Vaassen, NL), Jg. 143, Nr. 6/7 (Juni/Juli 2000).

Christus, das Licht der Welt

Bibelarbeit zur Motivation und Förderung der Anbetung und Evangelisation. Advent 2010.

Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis 
wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben
.

Johannes-Evangelium 8,12

Die Situation aller Menschen von Geburt an

  • Wir leben in einer dunklen Welt, verfinstert durch den langen Schatten und die Nacht der Sünde. 
  • Aber die Finsternis in unserer Welt ist nicht nur extern, sondern intern: der Mensch ohne Christus ist geistlich blind, eine große Finsternis erfüllt seine Leere, und seine Taten sind „unfruchtbare Werke der Finsternis“ (Epheser 5,11).
  • Die Bibel beschreibt Sünder als solche, „die da verlassen die geraden Pfade, um auf finsteren Wegen zu gehen“ (Sprüche 2,13). Entsprechend ist „der Weg der Gottlosen wie das Dunkel; sie erkennen nicht, worüber sie stürzen“ (Sprüche 4,19), „der Tor geht in der Finsternis“ (Prediger 2,14). „Wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an.“ (Johannes 12,35). 
  • Für diesen Weg sind sie nicht zu entschuldigen, „weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde“ (Römer 1,21). Sie sind „verfinstert am Verstand, fremd dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens“ (Epheser 4,18). 

Christus, das Licht der Welt, kommt in unsere Dunkelheit

  • In diese von der Sünde verfinsterte und geistlich tote Welt kommt Jesus Christus als „das Licht der Menschen“ (Johannes 1,4) und „scheint in der Finsternis“ (Johannes 1,5). Er ist „das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet [in das Licht stellt]“ (Johannes 1,9). 
  • Schon als neugeborenes Kind wird Er von Simeon als „ein Licht zur Offenbarung für die Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel“ (Lukas 2,32) bezeichnet.
  • Matthäus beschreibt später Christi Dienst in der Gegend von Galiläa so: „damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet worden ist, der sagt:»Land Sebulon und Land Naftali, gegen den See hin, jenseits des Jordan, Galiläa der Nationen: Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land und Schatten des Todes saßen, ist Licht aufgegangen.«“ (Matthäus 4,14–16).
  • Christus ist das Licht der Welt; das sagte Er (Sein Wort) selbst mehrfach.
    • „Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8,12)
    • „Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.“ (Johannes 3,19)
    • „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ (Johannes 9,5)
    • „Er wurde vor ihnen umgestaltet. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht“ (Matthäus 17,2)
    • „Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht unter euch. Wandelt, während ihr das Licht habt, damit nicht Finsternis euch ergreife! Und wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht. Während ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes werdet!“ (Johannes 12,35–36)
    • „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe“ (Johannes 12,46)
  • Als das Licht der Welt erweist sich Jesus Christus als der wahre Gott: „Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist.“ (1Johannes 1,5).
  • Weil die Auserwählten ausnahmslos in der Finsternis gebunden waren, musste Christus dorthin gehen, um sie herauszuretten. Wie ein wehrloses, stummes Lamm (Jesaja 53,3–7) erlebte er die finstere Gewalt der religiösen, bösen Menschen: „dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis“ (Lukas 22,53). Aber viel schlimmer als die Bosheit des Menschen: Christus hing am Kreuz vor Gott mit den Sünden aller Gläubigen beladen (1Petrus 2,24) und erlitt als ihr Stellvertreter die Finsternis des Gottesgerichts und die Gottesferne der Strafe, die diese verdient hatten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,45–46). „Der Ewige lies ihn treffen unser aller Schuld“ (Jesaja 53,6). Jesus Christus war in der Finsternis, damit die Erlösten ins Licht können: „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“ (2Korinther 5,21). 
  • Christus musste nach den Voraussagen der AT-lichen Propheten und Moses leiden, aber sollte nach dem Todesleiden auch wieder auferstehen, um „als Erster durch Totenauferstehung Licht verkündigen, sowohl dem Volk als auch den Nationen“ (Apostelgeschichte 26,23)

Die Reaktion und Zukunft derer, die verloren gehen

  • Man würde erwarten, dass jeder der blinden, verfinsterten Menschen, die hoffnungslos in der Finsternis sitzen, zu Jesus Christus, dem Licht der Welt, kommt und um Wegnahme von Finsternis und Blindheit bittet. Es ist aber nicht so, und das hat einen Grund: „Die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden“ (Johannes 3,19).
  • Die Ungläubigen lehnen den allein wahren Gott, der allein das Licht ist und geben kann, ab. Was bleibt dann als Alternative? Die Blindheit und Finsternis und der Träger derselben, Satan! Sie sind solche, „bei denen der Gott dieser Welt  [=Satan] den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen.“ (2Korinther 4,4). 
  • Wer meint, seinen Weg alleine und selbstgerecht gehen zu können, weiß nicht, dass Satan und das Heer seiner abgefallenen Engel „Gewalten [sind], … Mächte, … Weltbeherrscher dieser Finsternis, … geistige Mächte der Bosheit in der Himmelswelt“ (Epheser 6,12 ). Gegen sie kann der Mensch nicht bestehen ohne Gottes Schutz. Viele wollen das gar nicht.
  • Als „Vater der Lüge“ und „Menschenmörder“ lockt Satan suchende Menschen vom wahren Licht weg in sein Irrlicht. Dazu bedient er sich vieler Verführer, die als religiöse, fromme Menschen, als Gesandte der Kirche, auftreten: „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an; es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeitannehmen; und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen.“ (2Korinther 11,13–15) Wer Gott als Retter ablehnt, wer Gottes Licht im Evangelium verwirft, dem bleibt nur das Irrlicht, der Irrglaube und dann das Gericht.
  • „Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft werden.“ „Ihnen ist das Dunkel der Finsternis aufbewahrt.“ (2Petrus 2,9.17). Sie „werden hinausgeworfen werden in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein“ (Matthäus 8,12; vgl. Matthäus 22,13; 25,30).Wer kann solchen Schrecken wollen?
  • Dieses „Dunkel der Finsternis“ ist ihnen „in Ewigkeit aufbewahrt“ (Judas 13), ohne Ende, ohne Erlösung, ohne Licht. „Und die Stimme der Harfensänger und Musiker und Flötenspieler und Trompeter wird nie mehr in dir gehört und nie mehr ein Künstler irgendeiner Kunst in dir gefunden und das Geräusch des Mühlsteins nie mehr in dir gehört werden, und das Licht einer Lampe wird nie mehr in dir scheinen und die Stimme von Bräutigam und Braut nie mehr in dir gehört werden…“ (Offenbarung 18,22–23)

Das Werk Gottes an denen, die errettet werden

  • Gott sandte das Evangelium durch seinen Sohn, „durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, der den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium“ (2Timotheus 1,10).
  • Gott sendet auch heute noch Prediger des Evangeliums zu allen Menschen, um „ihre Augen zu öffnen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an [Gott] geheiligt sind“ (Apostelgeschichte 26,18). Sie sehen das wahre Licht durch Gottes Wirken in Jesus Christus: „Denn Gott, der gesagt hat: Aus Finsternis wird Licht leuchten! er <ist es>, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“ (2Korinther 4,6).
  • Gott ist es, der „uns errettet hat aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe“ (Kolosser 1,13). Durch Gottes Handeln wird wahr, dass die Gläubigen „Söhne des Lichtes und Söhne des Tages“ sind, „wir gehören nicht [länger mehr] der Nacht und nicht der Finsternis“ (1Thessalonicher 5,5), sondern zur Familie des „Vaters der Lichter“ (Jakobus 1,17). Durch Gottes Ruf sind die Gläubigen „ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat“ (1Petrus 2,9).
  • Diese gläubig gewordenen Menschen kennen nicht nur ein erschreckendes Einst, sondern in Jesus auch ein ganz anderes, beglückendes Jetzt: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn.“ (Epheser 5,8).
  • Solche Gläubigen wandeln „als Kinder des Lichts– denn die Frucht des Lichts besteht in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit“ indem sie „prüfen, was dem Herrn wohlgefällig ist.“ (Epheser 5,9–10). Sein Wille wird oberstes Ziel und Gebot.
  • Solche Gläubigen wandeln in einer Gemeinschaft mit den anderen Kindern Gottes, in der Sünde keine dominante Rolle mehr spielt: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde.“ (1Johannes 1,7)
  • Solche Gläubigen offenbaren in ihren Werken ihr ganz neues, von Gott empfangenes Wesen:  „Wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.“ (Johannes 3,21). Christi Nachfolger hören vom Meister: „Ihr seid das Licht der Welt“ und daher „soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ (Matthäus 5,16). Es geht beim Licht und beim Scheinen unserer Guten Werke nicht um uns, sondern die Ehre und Herrlichkeit des himmlischen Vaters.
  • Solche Gläubigen wissen: „Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.“ Daher legen sie „die Werke der Finsternis ab“ und „ziehen die Waffen des Lichts an!“ (Römer 13,12). Sie wandeln und kämpfen in Erwartung der Offenbarung durch das Licht: „So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbaren wird! Und dann wird jedem sein Lob werden von Gott.“ (1Korinther 4,5)
  • Wer auf diesem Weg durch Einwilligung und Rückkehr zur Sünde müde und schläfrig wird, dem ruft Gott zu: „Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten! und der Christus wird dir aufleuchten!“ (Epheser 5,14).
  • Solche Gläubigen leben nun „tadellos und lauter“ als „unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts“ und leuchten in ihrer finsteren Umgebung „wie Himmelslichter in der Welt“ (Philipper 2,15).
  • Die himmlische Zukunft der Gläubigen ist „im Licht“. Dort werden alle Gläubigen „die Braut, das Weib des Lammes“ sein. „Die heilige Stadt Jerusalem … hatte die Herrlichkeit Gottes. Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein“ (Offenbarung 21,9–11). „Und Nacht wird nicht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichtes einer Lampe und des Lichtes der Sonne, denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Offenbarung 22,5).

Die Antwort: Hymnen der Erlösten und Erleuchteten

Centre éclatant de lumière infinie,
Soleil divin dont la face reluit,
Sous tes clartés nous naissons à la vie
Et de nos cœurs l’obscurité s’enfuit.

Henri Rossier (1835–1928)

[Strahlendes Zentrum unendlichen Lichts,
Göttliche Sonne, deren Antlitz scheint,
Unter Deinen Strahlen werden wir zum Leben geboren
Und aus unseren Herzen entflieht die Finsternis.

Übertragen in deutschen Reim:
Strahlende Sonne voll Pracht und voll Leben,
Lichtglanz, der bis in die Ewigkeit reicht,
wenn wir die Herzen zu Dir hin erheben,
machst Du uns licht, dass die Dunkelheit weicht.]

Das Zeugnis der Schrift: Scheinen und Erscheinen des Höchsten

Danke, Glaubensschwester!

Immer wieder vergesse ich in dieser schnelllebigen Zeit »Danke!« zu sagen. Oft bin ich wirklich dankbar, aber manchmal vergesse ich einfach, dies die Leute auch wissen zu lassen. So nehme mir heute einmal die Zeit, Dir, meiner Schwester in der Familie Gottes, ein herzliches Dankeschön zu sagen.

Hebräer 10,25 sagt uns, dass wir die Zusammenkünfte nicht versäumen sollen, und Du hast Dir diesen Vers zu Herzen genommen. Woche für Woche sehe ich Dich in den Versammlungsstunden der Gemeinde. Das ist für mich eine echte Ermutigung. Ich weiß, dass einige von Euch ungläubige Ehemänner haben und dass Eure Umstände nicht immer die einfachsten sind. Ich schätze Deinen Einsatz und die Opfer, die Du bringst. Noch besser sieht und bewertet dies unser Herr und Heiland Jesus Christus.

In 1Thessalonicher 5,17 werden wir angehalten, ohne Unterlass zu beten. Ich weiß, dass einige von Euch für mich beten. So steht über meinem Leben die beständige Herausforderung, ein Leben zu leben, das sich Deines Einsatzes im Gebet für mich als würdig erweist. Ganz besonders möchte ich Dir dafür danken, dass Du für mich betest, wenn ich lehre oder predige. Die Verantwortung, das Wort Gottes klar und praktisch verpflichtend weiterzugeben, ist zu groß für mich, als dass ich sie ohne Dein Gebet tragen könnte.

In Römer 12,13 wird uns gesagt, dass wir Gastfreundschaft üben sollen. Ein Mahl mit Gläubigen zu teilen hat für mich immer etwas ganz Besonderes. Ich weiß noch, wie ich als Student und Junggeselle die Gastfreundschaft von Geschwistern im Herrn so positiv erfahren durfte. Das traf auch —oder gerade— auf die einfachsten Mahlzeiten zu, die wir teilen durften. Gastfreundschaft hat mir viel gegeben, teilweise lebenslange Freundschaften und Erinnerungen. Deswegen preise ich mich auch glücklich, dass der Herr Jesus mir eine gastfreundliche Ehefrau zur Seite gestellt hat, und dass ich mit ihr dem Herrn und den Seinen etwas davon zurückgeben darf. Danke, liebe Glaubensschwester, dass Du ebenfalls von Herzen mit der Pflege der Gastfreundschaft »gute Werke« tun willst (1Timotheus 5,10).

In Philemon 1,7 sagt der Apostel Paulus zu seinem Freund »ich hatte große Freude und großen Trost durch deine Liebe«. Das trifft auch auf mich zu. Deine christliche Liebe hat mir Freude und Trost gebracht — auch wenn ich einmal nicht gerade sehr liebenswert war. Auch nach Versagen und Rückschlägen versuche ich immer wieder, »mein Bestes« für Christus und Seine Gemeinde zu geben, und Du hast mir oft mit einem Wort der Ermutigung dabei geholfen.

1Korinther 14,34 sagt, dass die Frauen in den Gemeindeversammlungen schweigen sollen. Ich habe gelernt, Deine aktive, aber stille, Beteiligung an den Versammlungen wertzuschätzen. Ich vermute, dass es oft Dein stilles Gebet ist, das die Atmosphäre beim Brotbrechen bestimmt. Vielleicht bekomme ich nie die Chance, alle diese Gebete zu hören, aber ich weiß ganz sicher, dass sie alle gehört werden! Ich weiß, dass Deine Gebete einen wichtigen Beitrag zur Anbetung leisten und ich danke Dir dafür. Dein aktives Stillesein ist mir ein gutes Vorbild. Ich selbst erlebe nicht selten, dass mir die Worte fehlen, um zu sagen, was mich im Herzen bewegt. Du bist ein lebendiges Beispiel dafür, dass geistlich gesonnene Menschen ihr Herz auch schweigend im Gebet vor unserem himmlischen Vater ausschütten können.

1Korinther 11,3 spricht von Haupt-sein. Deine feine und sanfte Unterordnung unter Dein Haupt ist für mich eine beständige Erinnerung daran, dass auch ich mich meinem Haupt –Jesus Christus– unterwerfen muss. Dein Beispiel hat mir dabei geholfen. Früher, als Kind, gehorchte ich meinen Eltern. Heute ordne ich mich den Ältesten der Gemeinde unter. Selbst in meinem »weltlichen« Beruf muss ich mich meinem Vorgesetzten unterordnen. Du hast demonstriert, dass sich eine Person unterordnen kann, ohne in irgendeiner Weise deswegen geringwertiger zu sein. Du bist genauso im Bilde Gottes geschaffen, würdig und wertvoll, wie jedermann. Es tut mir leid, wenn irgendein Mann diese Lektion (immer) noch nicht verstanden hat.

Ich lese in Sprüche 31 von der tüchtigen Frau. In verschiedener Hinsicht habe ich ihre Qualitäten auch in Deinem Leben gesehen. Auch Du arbeitest hart und fleißig. Auch Du bist gütig und herzlich. In Sprüche 31,23 sehen wir, dass ihr Ehemann unter dem Volk und bei den Führern des Volkes geachtet war. Ein Gutteil des Respekts, den ich bezüglich mancher Männer in der Gemeinde empfinde, hat seine Ursache in den feinen, christlichen Qualitäten, die deren Ehefrauen offenbaren. Damit hat sich manche Ehe­frau als doppeltes »Schmuckstück« (Sprüche 12,4) erwiesen.

Wir leben in einer sexuell aufgeladenen Atmosphäre und von Zeit zu Zeit ist es für einen Mann nicht leicht, seine Gedanken von sündigen Dingen abzuhalten. Du folgst in der Wahl und Gestaltung Deines Äußeren 1Timotheus 2,9 und ich schätze Deine Schamhaftigkeit und Sittsamkeit. Es ist leicht, mit Unanständigkeit Aufsehen zu erregen, aber Du fällst auf wegen Deiner Schicklichkeit.

Zum Schluss möchte ich Dir, liebe gläubige Mutter, für die harte Arbeit danken, die Du im Aufziehen der nächsten Generation der Heiligen leistest. Wie bei einer Lois oder Eunice (2Timotheus 1,5) kann  sich Dein ungeheuchelter Glaube in Deinen Kindern wieder zeigen. Wir leben in einer Welt, die auf Mütter wie auf Aschenbrödel »mitleidig« herabschaut, aber ich sehe oft mit Bewunderung auf Dich.

Vielen Dank, Schwester! Gott segne Dich!

Dein Glaubensbruder 

Warum sind wir unruhig?

Du selbst reizest an, dass Dich zu preisen Freude ist;
denn geschaffen hast Du uns zu Dir,
und ruhelos ist unser Herz,
bis dass es seine Ruhe hat in Dir.

Tu excitas, ut laudare te delectet,
quia fecisti nos ad te
et inquietum est cor nostrum,
donec requiescat in te.

Augustinus von Hippo (354–430) in: Confessiones, Liber Primus (I,1) (geschrieben ca. 397–400)