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Der an der Seite des Reformators Dr. Martin Luther wirkende Johann Walter (1496–1570) aus Kahla in Thüringen war Komponist, Kantor und Herausgeber von Gesangbüchern. Er wirkte als Hofkomponist des katholischen Kurfürsten Friedrich III. (Fr. der Weise; 1463–1525) von Sachsen, der 1502 die Universität Wittenberg gegründet hatte, welche weltbekannter Ausgangspunkt und Lehrstätte der Reformation wurde. Walter vertonte einige deutsche Liedtexte Luthers (z. B. »Ein feste Burg ist unser Gott«, »Mitten wir im Leben sind«) und arbeitete an der Deutschen Messe (Gottesdienstordnung der Reformationszeit) mit. Darüber hinaus schrieb er Lieder und Motetten und lieferte einen maßgeblichen Beitrag für die evangelische Kirchenmusik.
Das unten in Auszügen abgedruckte Lied »Wach auf, wach auf, du deutsches Land« (das eigentlich den Titel »Ein newes Christlichs Lied / Dadurch Deudschland zur Busse vermanet« trug) ist ein lutherisches geistliches Lied, welches das in geistlichem Schlaf liegende Deutschland aufwecken soll. Johann Walter schuf es mit Text und Melodie im Jahr 1561, also als Fünfundsechzigjähriger. Es schrieb insgesamt 26 Strophen, von denen es aber nur rund ein Viertel in unterschiedliche Gesangsbücher schaffte. Im Evang. Kirchengesangbuch für Hessen und Nassau (1. Aufl. 1951) wird »Wach auf, wach auf, du deutsches Land« als Wochenlied zum 10. Sonntag nach Trinitatis angegeben (Nr. 390).
Im 16. und 17. Jahrhundert entstanden etliche kirchliche Lieder und Choräle, die sowohl der geistig-geistlichen als auch der politischen Erneuerung des innerlich geschwächten Deutschlands dienen sollten. Man war in Sorge, ob das »Reich der Deutschen« das »Abendland« vor den Bedrohungen aus dem Orient schützen könne (1529 belagerten die Osmanen unter Sultan Süleyman I. Wien, die erste Wiener Türkenbelagerung). Diese »Endzeitstimmung« wird im Lied spürbar, verbunden mit der Ahnung, dass Gottes Zuchtrute am Werke war für das unchristliche Leben der Regierenden und des Volkes. Das frisch in der Reformation wiederentdeckte biblische Evangelium wurde noch als großes, exklusives Gottesgeschenk verstanden, das es unbedingt zu schützen galt. Man war noch nicht in den Wahn verfallen, der Islam gehöre zu Deutschland (u. a. Schäuble, Wulff, Merkel, Seibert).
Biblisch gestaltete christliche Toleranz heißt Menschen aller Hintergründe willkommen – und lebt ihnen ein Leben christlicher Nächstenliebe vor, zu dem eine unverrückbare Verankerung im christlichen Glauben und die Verkündigung der Guten Nachricht, des Evangeliums Gottes über seinen Sohn Jesu Christus, wesenseigen gehören. Wer gut verankert ist, kann sich weit hinauslehnen. Bis an die Enden der Erde.
Inwieweit die unten abgedruckten Zeilen des Lieds auch nach über 450 Jahren noch relevant sind, mag jeder selbst beurteilen – und als Christ entsprechend handeln. Die Evangelischen hatten es jedenfalls 2009 noch in ihren Liederbüchern (Nr. 145), interessanterweise und passend für den Bußtag: »Dadurch Deudschland zur Busse vermanet« (J. Walter).
1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen,
bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen!
2. Gott hat dich, Deutschland, hoch geehrt
mit seinem Wort der Gnaden.
Ein großes Licht dir auch beschert
und hat dich lassen laden
zu seinem Reich, welchs ewig ist,
dazu du denn geladen bist,
will heilen deinen Schaden.
3. Gott hat dir Christum, seinen Sohn,
die Wahrheit und das Leben,
sein liebes Evangelium
aus lauter Gnad gegeben;
denn Christus ist allein der Mann,
der für der Welt Sünd gnug getan,
kein Werk hilft sonst daneben.
7. Für solche Gnad und Güte groß
sollst du Gott billig danken.
Nicht laufen aus sei’m Gnaden Schoß
von seinem Wort nicht wanken!
Dich halten wie sein Wort dich lehrt.
Dadurch wird Gottes Reich gemehrt,
geholfen auch den Kranken.
8. Du solltest bringen gute Frucht,
so du rechtgläubig wärest.
In Lieb und Treu, in Scham und Zucht,
wie du solch’s selbst begehrest.
In Gottes Furcht dich halten fein
und suchen Gottes Ehr allein,
dass du niemand beschwerest.
18. Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht’,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.
22. Wach auf, Deutschland, ’s ist hohe Zeit,
du wirst sonst übereilet,
die Straf dir auf dem Halse leit,
ob sich’s gleich jetzt verweilet.
Fürwahr, die Axt ist angesetzt
und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
was gilt’s, ob sie dein fehlet.
23. Gott warnet täglich für und für,
das zeugen seine Zeichen,
denn Gottes Straf ist vor der Tür;
Deutschland, lass dich erweichen,
tu rechte Buße in der Zeit,
weil Gott dir noch sein Gnad anbeut
und tut sein Hand dir reichen.
24. Das helfe Gott uns allen gleich,
dass wir von Sünden lassen,
und führe uns zu seinem Reich,
dass wir das Unrecht hassen.
Herr Jesu Christe, hilf uns nu’
und gib uns deinen Geist dazu,
dass wir dein Warnung fassen.

