Allein zu Deiner Ehre hast Du die Welt gemacht,
zum Lobpreis Deiner Herrlichkeit Dir jeden Teil erdacht.
Allein um Deine Ehre, allein um Deinen Ruhm
dreht sich all dein Handeln, dreht sich all Dein Tun.
Allein Deine Ehre, Deine Herrlichkeit,
ist, was wir suchen wollen, schon jetzt in dieser Zeit.
Nimm Du unsre Herzen, reiß sie zu Dir empor,
dass unser Leben Dich verherrlicht mehr als je zuvor.
Soli Deo Gloria!
Allein zu Deiner Ehre hast Du uns, Herr, erlöst,
durch Christi Tod und Auferstehn uns mit Dir selbst versöhnt.
Zum Lobpreis Deiner Gnade und Barmherzigkeit
hast Du uns vorherbestimmt in Ihm vor aller Zeit.
Allein zu Deiner Ehre soll unser Leben sein,
ein Opfer, das Dir wohlgefällt, durch das Dein Wesen scheint.
Allein um Deine Ehre, allein um Deinen Ruhm,
soll sich unser Denken drehn, Fühlen und auch Tun.
© Rudolf Tissen (2016) | zitiert nach: Einklang (2. Aufl., Bielefeld: CLV, 2019), Nr. 235.
Bildquelle: Johann Michael Funcke, Buchschmuck (de.wikipedia.org).
Das mittige Sigel enthält im Zentrum ein Sonnensymbol mit dem hebr. Tetragrammaton (JHWH=Jahwe), daneben der lat. Ausspruch »HOC DUCE« = »unter diesem Führer« (hoc = Ablativ von hic (»dieser«), duce = Ablativ von dux (»Führer«, »Leiter«, »Anführer«); zus. bildet das einen Ablativus absolutus) und darunter eine blühende Sonnenblume, die unter den Sonnenstrahlen offenbar gut gedeiht.
Der Schriftzug inmitten des Sonnensymbols zeigt, dass nicht die Sonne selbst das Göttliche ist, sondern der treue Bundesgott Israels, der hier symbolisiert wird: die Sonne steht als Offenbarungslicht, Lebensspender und Herrlichkeitszeichen für Gott selbst.
Diese protestantisch-barocke Emblematik aus dem frühen 18. Jahrhundert spielt wahrscheinlich u.a. auf die biblischen Aussagen in Maleachi 1,11 und 3,20 (4,2) an. Der Gläubige richtet sich unter Gottes Führung ganz auf Gott aus und entfaltet unter seinem Licht Leben, Blüte und Fruchtbarkeit.
Die Sonnenblume wurde im 17.–18. Jahrhundert häufig auch zum Symbol eines treuen Christen, gehorsamen Dieners oder allgemeiner: eines auf Gott ausgerichteten Herzens. Man findet ähnliche Embleme auch im Pietismus, bei den Herrnhutern, in Emblembüchern und gelegentlich auf Kanzeln oder Grabsteinen.
Vielleicht wollte der Erfurter Buchdrucker und Verleger Funcke damit sagen: »Soli Deo Gloria — hoc duce floreo.«, also: »Gott allein die Ehre — unter seiner Führung blühe ich.« Das wäre ganz typisch für die protestantisch-barocke Frömmigkeitssymbolik.

