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Jeder hat schon erlebt, dass sich Gemeindeglieder beschweren, dass eine Predigt (oder andere verbale Äußerungen) sie »verletzt« habe. In der Tat gibt es schlechte »Predigten« und auch übergriffige Prediger. Aber manchmal liegt der Grund der Kritik beim Zuhörer selbst.
Eine interessante Analyse liefert Jay E. Adams in seinem Buch »Befreiende Seelsorge«: Beim Beschwerdeführer liegt vielleicht unbewältigte eigene Schuld vor. Wo das der Fall ist, ist nicht über die Predigt zu reden, sondern dem Kläger dabei zu helfen, seine Schuld zu erkennen und abzulegen. So kann er seine Dünnhäutigkeit, sein Mimosenwesen und sein Schuldweiterschieben aufgeben und wieder empfangsbereit für ein korrigierendes Wort Gottes werden. Hier der Auszug von Jay E. Adams:
»Sprüche 28,1 drückt sehr anschaulich aus, welche Folgen ein von Schuld geplagtes Gewissen hat: ›Der Frevler flieht, auch wenn ihn niemand verfolgt, der Gerechte aber ist unerschrocken wie ein Löwe.‹
Ein schlechtes Gewissen bringt Angst, ein gutes Gewissen dagegen Unerschrockenheit.
Der Schuldbeladene ist auf der Flucht. Menschen, die unvergebene Schuld mit sich tragen, sind leicht verletzlich. Häufig sind sie in hohem Maße befangen und unfrei. Beiläufige harmlose Bemerkungen werden als persönliche Angriffe und Beleidigungen ausgelegt. Ein schuldbeladener Mensch kann behaupten, daß eine Predigt ein persönlicher Angriff gegen ihn gewesen sei. Wenn ihm der Mut dazu fehlt, kritisiert er Kleinigkeiten an der Predigt oder den Prediger selbst. Eine solche Person als paranoisch (= geistesgestört, verwirrt) zu bezeichnen, geht am eigentlichen Problem vorbei.
Andererseits ist ein Mensch, der im Frieden mit Gott lebt, unverwundbar, und er kann so unerschrocken wie ein Löwe sein.«
Predigthören verlangt geistliche Vorbereitung (siehe Spurgeon zum Thema). Denn es steht viel auf dem Spiel: geistlicher Gewinn – oder aber Verlust. Jesus Christus hat es uns so hinterlassen:
»Gebt nun Acht, wie ihr hört; denn wer irgend hat, dem wird gegeben werden, und wer irgend nicht hat, von dem wird selbst das, was er zu haben meint, weggenommen werden.« (Lukas 8,18).
»Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: ›Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht‹« (Hebräer 3,7f).
Quelle
Jay E. Adams, Befreiende Seelsorge. Theorie und Praxis einer biblischen Lebensberatung. 8. Auflage (Gießen: Brunnen, 1988), S. 101 Fn.
