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Der Apostel Paulus setzt die sündigen, todbringenden »Werke des Fleisches« in Kontrast zu der geistbewirkten, lebenbringenden »Frucht des Geistes«. Diese »Frucht des Geistes« entfaltet sich in neun »Geschmacksrichtungen«:
»Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit« (Galater 5,22–23a)
Man kann diese neunfältige Geistesfrucht unterschiedlich strukturieren. Einen Vorschlag zur Einteilung ist in folgende drei Dreiergruppen: (1) Beziehung zu Gott; (2) Beziehung zu anderen; sowie (3) Selbstführung. Alle drei Beziehungs- und Lebensaspekte sind vom Geist Gottes gestiftet und werden von Ihm im Gläubigen fruchtbar geprägt. Im Einzelnen:
1. Gottbezogene Dimension
Hier geht es um die innere Ausrichtung auf Gott. Dies muss die erste Überlegung sein, sie hat oberste Priorität. Denn Gott zu lieben ist das oberste, erste Gebot und bewirkt die größte Erfüllung des glaubenden Menschen.
- Liebe (agápē) – grundlegende, göttliche Liebe als Quelle
- Freude (chara) – geistgewirkte Freude unabhängig von Umständen
- Friede (eirēnē) – innerer Zustand des Versöhntseins mit Gott
Dieser Dreiklang markiert den Grundzustand des glaubenden Herzens vor Gott.
2. Zwischenmenschliche Dimension
Hier geht es um das Verhalten anderen gegenüber. Der Geist Gottes bewirkt im Glaubenden, dass auch dieser zweite Aspekt des göttlichen Liebesgebotes fruchtbar erfüllt werden kann: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Galater 5,14)
- Geduld (makrothymía) – Langmut gegenüber Menschen
- Freundlichkeit (chrēstótēs) – wohlwollendes, mildes Verhalten
- Güte (agathōsýnē) – aktives, moralisch gutes Handeln
Dieser Dreiklang markiert die soziale Auswirkung des geistlichen Lebens.
3. Selbstbezogene Dimension
Hier geht es um die Verwandlung des geistbewohnten Gläubigen ins Bild Jesu Christi, also um Heiligung in Charakter und Selbstdisziplin.
- Treue (pístis) – Zuverlässigkeit / Vertrauenswürdigkeit
- Sanftmut (praýtēs) – kontrollierte Stärke, Demut
- Selbstbeherrschung (enkráteia) – Kontrolle über eigene Impulse
Dieser finale Dreiklang markiert die innere Stabilität und Charakterfestigkeit des Glaubenden.
Die systematische Logik
Diese Dreiteilung in Dreiergruppen folgt einer Logik, die sich weder explizit noch aus der Textstruktur selbst ergibt (diese ist ja einfach eine geordnete Aufzählung ohne Prioritätsangaben). Ohne dogmatischen Anspruch folgt die obige Einteilung den Aspekten: Sein–Wirken–Charakter. Diese Aspekte markieren die drei Ebenen, in denen Gott Frieden und Wohlstand als einheitliche Realität stiften will und wird:
- vertikal. Die Grundlage bildet die Gottesbeziehung.
- horizontal. Darauf aufbauend die Beziehung zum Nächsten als Ausdruck der guten Gottesbeziehung.
- intrapersonal. Drittens sehen wir eine Stabilisierung auf der intrapersonalen Ebene, indem der geistbewohnte Mensch in sich tiefen inneren Frieden und Heilung erfahren darf, und so Stück um Stück seine alte, sündige Zerrissenheit und Entfremdung verliert.
»Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder! Amen.« (Galater 6,18)
