»Christus will, dass sein Volk fröhlich ist. Wenn sein Volk eines Tages vollkommen gemacht ist, wie Er es zu Seiner Zeit sicherstellen wird, dann wird es auch vollkommen fröhlich sein. Der Himmel ist ein Ort reinster Heiligkeit, aber genauso ist er ein Ort ungetrübten Frohsinns. Je mehr wir für den Himmel zubereitet werden, umso mehr werden wir jene Freude besitzen, die Teil des Himmels ist. Es ist der ausdrückliche Wunsch unseres Heilandes, dass Seine Freude heute schon in uns sei, und dass unsere Freude völlig werde.« [Johannes 15,11; vgl. 17,13]
»Christ wishes his people to be happy. When they are perfect, as he will make them in due time, they shall also be perfectly happy. As heaven is the place of pure holiness, so is it the place of unalloyed happiness; and in proportion as we get ready for heaven, we shall have some of the joy which belongs to heaven, and it is our Saviour’s will that even now his joy should remain in us, and that our joy should be full.«
C. H. Spurgeon, The Metropolitan Tabernacle Pulpit Sermons, 63 Bände (London: Passmore & Alabaster, 1855–1917), Bd. 51, S. 229.
Die Liebe Gottes – Ein einfaches Thema?
D.A. Carson hielt 1998 vor Bibelstudenten vier Vorträge über The Difficult Doctrine of the Love of God (Die schwierige Lehre von der Liebe Gottes). Die Vorträge wurden als so wertvoll erachtet, dass Carson sie mit geringer Überarbeitung auch in schriftlicher Form herausgab. Der Vortragsstil ist jedoch immer noch zu spüren und erlaubt trotz der tiefen Gedanken über dieses anspruchsvolle Thema ein flüssiges Lesen.
Warum soll die „einfachste Sache der Bibel über Gott“ nun plötzlich eine „schwierige Lehre“ sein? Wir würden erwarten, dass man die Trinitätslehre, die Lehre der Schrift über das Wesen Jesu als wahrer Gott und wahrer Mensch oder die Inspirationslehre als „schwierig“ bezeichnet – aber die Lehre von der Liebe Gottes?
Carson nennt fünf Gründe, warum diese Lehre „schwierig“ ist:
- Die meisten Leute glauben „irgendwie“, dass Gott ein liebendes Wesen sei, aber dieser Glaube ist oft in anderen Annahmen und Quellen gegründet, als alleine in Gottes Wort. Wenn die gesamte Welt sich eines Tages unter einem Götzen einen wird, dann könnte dieser gut „Liebe“ heißen.
- Viele Begleitwahrheiten über Gott werden von vielen in unserem Kulturkreis (und oft auch in kirchlichen Kreisen) nicht (mehr) geglaubt.
- Der Postmodernismus fördert eine sentimentale, synkretistische und pluralistische Sicht auf Gott.
- Die Kirche hat immer mehr eine sentimentale Auffassung über die Liebe Gottes übernommen, die nicht mit dem Gott, der sich in der Bibel offenbart, übereinstimmt.
- Die Kirche stellt die Lehre von der Liebe Gottes oft als „einfache“ Wahrheit vor und übergeht (manchmal nichtsahnend) gewisse bedeutsame Wahrheiten über Gottes Wesen und Seine Liebe, die diese Lehre als „schwierig“ erweisen.
Von dieser Analyse ausgehend baut Carson seine Lektionen (Kapitel) auf:
- Die Verzerrung der Liebe Gottes,
- die Tatsache, dass Gott Liebe ist,
- der Zusammenhang von Gottes Liebe und Gottes Souveränität, sowie
- Gottes Liebe und Gottes Zorn.
Wie bei Carson gewohnt, geht er direkt zur Bibel und damit zur schriftlichen Selbst-Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift, um an ihr falsche Annahmen zu korrigieren und um eine mehr und tiefer in der Schrift gegründete Diskussion darüber zu führen, was die Liebe Gottes tatsächlich ist und mit sich bringt. Er verteidigt dabei auch die Verträglichkeit (eigentlich: Harmonie, Vortrefflichkeit oder Vollkommenheit) von angeblich widersprüchlichen Eigenschaften Gottes, wie z. B., dass Gott in Seinem Zorn gleichzeitig absolut gerecht und vollkommen liebend ist. Er untersucht auch das „Spannungsfeld“ des Verstehens, wie Gottes Liebe mit Seiner Souveränität betreffs der menschlichen Angelegenheiten zusammenhängt und verträglich ist.
Jeder Bibelleser sollte Carson folgen können, wenn er darauf aufmerksam macht, dass die Heilige Schrift die Liebe Gottes recht differenziert darstellt (auch da, wo sie nicht das Wort „Liebe“ gebraucht), z. B.:
- Die besondere Liebe, die der Vater gegenüber dem Sohn und der Sohn gegenüber dem Vater hat.
- Gottes fürsorgende und erhaltende Liebe gegenüber seiner gesamten Schöpfung.
- Gottes besorgt-liebende Einstellung als Rettergott gegenüber einer gefallenen Welt.
- Gottes besondere, wirksame und erwählende Liebe gegenüber Seinen Erwählten, seien es Einzelpersonen oder Personengruppen (wie das Volk Israel oder die Gemeinde Jesu).
- Gottes an Bedingungen (meist: des Gehorsams) geknüpfte Liebe.
Carson tritt aber sofort drei Missverständnissen entgegen, wie man mit dieser Vielfalt oder Differenziertheit der Liebe Gottes umgehen könnte. Alle diese Auffassungen sind Verirrungen in Sackgassen des Irrtums:
- Man erklärt einen der Aspekte (o. eine Art) der Liebe Gottes als absolut. Alles andere sei unwichtig oder relativ oder würde durch das Herausgenommene dominant regiert.
- Man versteht die unterschiedlichen Aspekte oder Arten der Liebe Gottes so, als seien dies voneinander unabhängige, abgetrennte Lieben (Plural!) Gottes. Weil Gott Einer ist, ist auch sein Wesen eins. Dies gilt auch für sein Sein als Liebe, das Er ewig in Perfektion ist.
- Man verkündet Aussagen über Gottes Liebe in klischeehafter Weise, wie z. B.: „Gottes Liebe setzt keine Bedingungen.“, „Liebe ist frei“, „Liebe fordert nie, sie gibt nur.“, „Gott liebt alle Menschen gleich.“ (»God loves everyone exactly the same way.«) usw.
Fazit. Carsons verschriftete Vorlesungen über die Liebe Gottes sind keine „lockere Lektüre“, sondern tiefe Gedanken, die Lernbereitschaft, Konzentration und eine aufgeschlagene Bibel erfordern. Der Vortragsstil erleichtert das gedankliche Mitgehen. Carson fordert den Bibelstudenten heraus, in klassisch-vorbildlicher „Beröer-Einstellung“ unter Gebet „täglich die Schriften [zu] untersuch[t]en, ob dies sich so verhielte.“ (Apostelgeschichte 17,11 ELBCSV). Das Ergebnis muss die alleinige Verherrlichung Gottes sein. Soli Deo Gloria.
Quellenverweise
D.A. Carson, The Difficult Doctrine of the Love of God (Crossway, 2000). Als PDF: https://s3.amazonaws.com/tgc-documents/carson/2000_difficult_doctrine_of_the_love_of_God.pdf
Siehe auch seine Vorträge über die Nächstenliebe: D.A. Carson, Love in Hard Places (Crossway, 2002). Als PDF: https://s3.amazonaws.com/tgc-documents/carson/2002_love_in_hard_places.pdf
Ohne die Wahrheit verstehen wir weder Gott, noch die Welt, noch uns selbst
Weltanschauung
Jeder Mensch braucht und hat eine generelle Vorstellung, mithilfe derer er alles, was er wahrnimmt, interpretiert, begreift und vermeintlich versteht. Wir nennen diese grundlegende, alles umfassende Vorstellung eine Weltanschauung. Manche wählen ihre Weltanschauung sehr bewusst, andere hingegen sind sich ihrer nicht bewusst oder setzen sich mit ihr nicht auseinander, aber alle haben sie als Denkrahmen (Paradigma) und persönlichen „Ich verstehe!“-Interpretationsschlüssel.
Die Sinnfrage
Warum ist das so? Weil wir Menschen nicht damit zufrieden sind zu wissen, was der Fall ist (Zahlen, Daten, Fakten), sondern danach streben, auch zu verstehen, was diese Zahlen, Daten und Fakten bedeuten. Menschen fragen nach dem Wozu, nach dem Sinn. Sinn im Sein und Tun zu suchen, ist uns Menschen ureigen, daher ist uns Sinnklärung und Sinnstiftung tiefes Bedürfnis. Wo aber diesen Sinn finden? Wer sagt uns zu Sinn und Sollen verlässlich Wahres? Wo finde ich objektive Wahrheit, die von der eigenen Existenz, Prägung und Begrenztheit unverfälscht, ungefärbt und uneingeschränkt ist?
Wissenschaft
Angesichts großartiger technischer Errungenschaften glauben viele, in einer Zeit reiner Vernunft und objektiver Wissenschaft zu leben. Der Fortschrittsglaube ist längst zur Religion vieler geworden. Und so sucht man Wahrheit und die Antwort auf die Fragen des Seins und Sollens in der angeblich neutralen Wissenschaft: Harald Lesch wird uns sicher alle Fragen objektiv beantworten können! Dieser Astrophysiker kann ja in einer Stunde so beeindruckend über 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte reden, dass man fast vergessen könnte, dass er 99,9999987 % dieser Zeit gar nicht dabei war. Das nennen wir in der Wissenschaft extrapolieren (hier mit viel Extra und –noch viel mehr– medialer Politur). Nach Max Weber kann sich die wissenschaftliche Analyse aber nur dem Seienden widmen, die Klärung von Werturteilen und das Fragen nach dem Sollen (dem „Seinsollenden“) bleibe reine Glaubenssache. Auf der Suche nach einer tragfähigen Weltanschauung müssen wir also woanders suchen. Aber wo?
Wahrheit
Wahrheit, objektive, ewige, vollständige Wahrheit, ist in der Tat die größte Mangelware unserer post-faktischen und post-postmodernen Zeit. Wir brauchen aber klare Aussagen darüber, was der Fall ist, wie alles zu verstehen ist und wie wir es zu bewerten haben. Das Fragen nach Sein, Sinn und Sollen ist uns Menschen wesenseigen, unterscheidet uns kategorial vom Tier. Wir brauchen dazu Antworten, am besten aus einer Quelle, die sich nicht täuschen kann und die nie lügen wird. Damit ist gesagt: Der Quell solcher Wahrheit kann nicht ein Mensch sein.
Weisheit
Angesichts des pervasiven (alles durchdringenden) Mangels an Wahrheit wundert es uns nicht, dass wir in einer Zeit der moralischen Beliebigkeit und des Glauben an die Konstruierbarkeit aller sozialen und ethischen Normen leben. Es fehlt nicht nur an Wissen, sondern auch an ethischer Orientierung, an sichernder Grenzziehung, an Gottesbewusstsein, an praktischem Wissen, wie das Leben gelingt. Die Alten haben das Weisheit genannt: Wissen über Gott und Mensch, Sünde und Heiligkeit, heute und morgen, angewandt im ganzheitlichen, zielorientierten Lebensvollzug. Daran mangelt es erdrückend. Die selbstgewählte Gottesfinsternis des Menschen hat seine Vernunft verhüllt, verdreht und verkrüppelt (Römer 1,21–22; Epheser 4,17–19; vgl. Johannes 3,19; Apostelgeschichte 16,18). Wir Christen leben in dieser „verdrehten (perversen) Welt“ (Philipper 2,15). Umso mehr brauchen wir die biblische Wahrheit des geschriebenen Gotteswortes, um unseren Glaubensweg coram Deo (vor dem Angesicht Gottes) in demütiger Weisheit und echter Heiligung gehen zu können (Johannes 17,17). Allein das ist menschenwürdiges Leben.
Liebe
Der dritte Mangel, den wir beklagen, ist Liebe, jene Grundessenz, die der Schöpfer in die Textur unseres Menschseins fest verwoben hat. Wie viele Verzerrungen und Karikaturen von „Liebe“ geistern umher und lassen den Menschen mit teuer glitzernden Plastikfälschungen unbefriedigt und enttäuscht zurück? Wo gibt es echte Liebe, und wie sieht sie in Wahrheit aus? Gott allein kann den Pascal’schen »unendlichen Abgrund« unserer Seele (Pensées, Sec. VII, 425) wirklich ausfüllen. Am Anfang und am Ende gilt: Gott ist Liebe (1.Johannes 4,16).
Wahre Wahrheit
Unser Fragen wirft uns wieder zurück auf Platz 1: Wo finde ich „wahre Wahrheit“? Und woher weiß ich, was wahre Wahrheit ist? Wer sich in der Beantwortung dieser Frage nur um sich selbst dreht (sein Herz, Seine Vernunft, seine Bedürfnisse usw. befragt), wird in dieser Frage nicht weiterkommen. Wie bei der Navigation brauchen wir notwendiger Weise Bezugspunkte außerhalb des eigenen Referenzsystems. Oder besser: Jemand mit Überblick muss uns von außen verlässliche Informationen geben. Anders gesagt: wir brauchen Offenbarung. Selbstreferenz liefert prinzipiell keinen Fixpunkt, keine Orientierung. (Werfen Sie doch mal ihren Anker im Boot aus!)
Das Scheitern gottloser Vernunft
Und was ist mit der Vernunft, der wir uns als „Aufgeklärte“ vertrauensvoll ausliefern sollen? Sie sei doch die verlässliche Führerin jenseits aller traditionellen Autoritäten, sagte man uns jahrhundertelang. Solcher Glaube an die Vernunft des Menschen ist 2020 aber schon längst überholt. Das Mantra der Aufklärung, das alle Winkel des Seins, des Sinns und des Sollens imperialisierte, muss als Paradigma der Gottlosigkeit an der Wirklichkeit des Größten Seins scheitern. Wenn der Physiker oder der Mathematiker plötzlich allen Ernstes den Sinn und das Sollen der Welt erklären wollen, dann sollten Alarmglocken anspringen. Teilweise sieht man es schon ein: Die Dialektik der Aufklärung hat das Projekt der Aufklärung (und damit den Modernismus und Fortschrittsglauben gleich mit) scheitern lassen: Das Rettungswort der Aufklärung liefert Schlimmeres und mehr von dem, dem man eigentlich entrinnen wollte.
Erst der Glaube ermöglicht wahre Vernunft
So bleibt es eine Frage wahren Glaubens: dem Glauben an (objektive) Wahrheit und der Quelle solchen Glaubens. Wer glaubt, kann wissen. Umgekehrt geht das nicht. Der wahre christliche Glaube ist daher so ziemlich das Gegenteil dessen, was man landläufig unter „glauben“ versteht. Als existentiell entscheidend erweist sich, was man glaubt und wem man glaubt. An der Schriftfrage entscheidet sich alles. Und die wird erst dann richtig entschieden, wenn man eine Lebensbeziehung zu der Person hat, die die Wahrheit in Person ist (Johannes 1,14; 14,6), und die stets die Wahrheit sagt (Johannes 16,7). Die Erkenntnis der Wahrheit wird den Glaubenden freimachen (Johannes 8,32; 17,17.19).
Was glauben Sie? Viel wichtiger: Wem glauben Sie?
Zum Heil wurde mir bitteres Leid…
Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid: Du zogst liebevoll meine Seele aus der Vernichtung Grube; denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen.
Jesaja 38,17
Steht Deine Hütte gerade in Flammen?
Der einzige Überlebende eines Schiffbruchs wurde an eine kleine, unbewohnte Insel gespült. Er betete intensiv zu Gott um seine Rettung. Jeden Tag suchte er den Horizont nach Hilfe ab, aber es war niemand zu erkennen. Schließlich war er ganz erschöpft, aber er schaffte es noch, aus dem angespülten Holz eine kleine Hütte zu bauen, um Schutz vor der Sonne und schlechtem Wetter zu haben und um seine wenigen Besitzstücke aufzubewahren.
An einem Tag, an dem er die Inseln wieder nach ein paar essbaren Dingen durchstreift hatte, fand er heimkommend seine Hütte lichterloh in Flammen vor. Der Rauch stieg auf zum Himmel. Das Allerschlimmste war passiert: Er hatte auch noch das Wenige, das er besaß, komplett verloren. Gebrochen von Trauer und Zorn rief er aus: »Gott, wie konntest Du mir das antun!«
Am folgenden Morgen erwachte er durch das Geräusch eines Schiffes, das sich der Insel näherte. Es kam, um ihn zu retten! »Woher wusstet ihr, dass ich hier bin?«, rief er aus. »Wir haben dein Rauchsignal gesehen!«, kam die Antwort.
Ein Mensch ist bald entmutigt, wenn es nicht gut geht. Aber wir brauchen den Mut nicht zu verlieren, denn Gott ist in unserem Leben am Werk, sogar mitten in Schmerz und Leiden. Denke einmal darüber nach, beim nächsten Mal, wenn Deine Hütte mal wieder abbrennt: Vielleicht ist es einfach ein Rauchsignal, wodurch Dir Gottes Gnade näher gebracht wird!
Nach einem Artikel (o. V.) in: Bode von het Heil in Christus (Vaassen, NL), Jg. 143, Nr. 6/7 (Juni/Juli 2000).
