{"id":670,"date":"2020-07-28T20:46:43","date_gmt":"2020-07-28T18:46:43","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=670"},"modified":"2025-10-28T17:57:24","modified_gmt":"2025-10-28T16:57:24","slug":"wenn-worte-ihren-sinn-verlieren-der-erwaehlungsbegriff-der-arminianer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=670","title":{"rendered":"Wenn W\u00f6rter ihren Sinn verlieren \u2013 Der Erw\u00e4hlungsbegriff der \u201eArminianer\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein alter Trick, um bei feststehenden Begriffen oder Konzepten neue Inhalte oder Deutungen einzuf\u00fchren, ohne sich einer Konfrontation zu stellen oder eine Begr\u00fcndung zu liefern, ist die <strong>\u00c4quivokation<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em><strong>\u00c4quivokation<\/strong><\/em> ist das Substantiv zum Adjektiv <em>\u00e4quivok<\/em>. Die etymologische Abstammung liefert: sp\u00e4tlateinisch <em>aequivocus<\/em> <em>\u201e<\/em>gleichlautend, mehrdeutig&#8220;, aus <em>aequus<\/em> \u201egleich&#8220; und <em>vocare<\/em> \u201enennen, lauten&#8220;.<\/p>\n<cite><em>Wikipedia<\/em> und Wiktionary (https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/\u00e4quivok [28.07.2020])<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Bei der \u00c4quivokation beh\u00e4lt man das (vertraute und akzeptierte) Wort bei, ordnet ihm aber abweichende neue Inhalte und Bedeutungen zu.<\/strong> Man bezeichnet also letztlich zwei unterschiedliche, oft sogar widerspr\u00fcchliche, Inhalte mit dem selben Begriff. Dass dies zum Missverst\u00e4ndnis f\u00fchren muss, leuchtet ein: <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Wo die Begriffe nicht gekl\u00e4rt sind, ist das Gesagte nicht das Gemeinte und das Verstandene nicht das Mitgeteilte.<\/mark><\/strong> Dies geschieht manchmal unbewusst, manchmal absichtlich, meistens jedoch schleichend langsam und sprachlich verdeckt. So k\u00f6nnen entgegenstehende Parteien dasselbe Wort verwenden und damit den Eindruck von \u00dcbereinstimmung erzeugen, aber trotzdem unterschiedliche Inhalte meinen und festhalten. Ursachen oder Beweggr\u00fcnde f\u00fcr solches Reden k\u00f6nnen beispielsweise sein: <strong>Irrtum<\/strong> (Unwissenheit \u00fcber den Begriff), <strong>Irref\u00fchrungsabsicht<\/strong> (T\u00e4uschung \u00fcber das Gemeinte), <strong>Vermeidung von Konfrontation<\/strong> (scheinbare \u00dcbereinstimmung), <strong>Wunsch nach Umdeutung<\/strong> von stehenden Begriffen (Aussagever\u00e4nderung). Die Sprache der <em>Diplomatie<\/em>, die Sprachvorschriften der <em>Political Correctness<\/em>, viele <em>Euphemismen<\/em> und die Erzeuger von <em>Fake News<\/em> bedienen sich immer wieder der \u00c4quivokation.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber leider zeigt auch die Kirchen- und Dogmengeschichte der Christenheit, dass sich \u201einnovative Lehrer\u201c und Falschlehrer gerne des Tricks der \u00c4quivokation bedienen, um falsche Ideen in der Kirche verbreiten zu k\u00f6nnen, ohne sofort erkannt und bek\u00e4mpft zu werden (Taktik \u201eT\u00e4uschen und Tarnen\u201c). Sie verwenden einen bekannten und anerkannten Begriff der Bibel und f\u00fcllen ihn schleichend mit neuen Inhalten. So gebrauchen r\u00f6misch-katholische Lehrer wie protestantische Lehrer den Begriff der <em>\u201e<\/em>Gnade\u201c (Gottes), aber verbinden damit sp\u00e4testens seit dem Gegenreformations-Konzil zu Trient (1545) einander unvertr\u00e4gliche, widerspr\u00fcchliche Inhalte. Trotzdem sagen manche, dass \u00dcbereinstimmung dieser Konfessionen darin best\u00fcnde, dass doch beide lehrten, dass es ohne <em>\u201e<\/em>Gnade\u201c kein Heil gebe, man also eigentlich einer Meinung sei (<em>\u00bbGemeinsam bekennen wir: allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns bef\u00e4higt und aufruft zu guten Werken.\u00ab <\/em><a href=\"https:\/\/www.augsburg-evangelisch.de\/gemeinsame-erklaerung-zur-rechtfertigungslehre\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.augsburg-evangelisch.de\/gemeinsame-erklaerung-zur-rechtfertigungslehre\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gemeinsame Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre<\/a>, 15). <strong>Das trifft aber nicht zu!<\/strong> (Hilfreich hierzu: Wolfgang Nestvogel, <em><a href=\"https:\/\/shop.ebtc.org\/products\/wann-ist-ein-christ-ein-christ\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/shop.ebtc.org\/products\/wann-ist-ein-christ-ein-christ\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wann ist ein Christ ein Christ?<\/a><\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">\u00c4hnliches geschieht bei den Romanisierungsans\u00e4tzen der arminianisch denkenden Protestanten (sog. <em>\u201e<\/em>Remonstranten\u201c, <em>vulgo<\/em> \u201eAnti-Calvinisten\u201c). <\/mark><\/strong>Wenn sie beispielsweise von <em>\u201e<\/em>Gnade\u201c oder <em>\u201e<\/em>(Aus-) Erw\u00e4hlung\u201c reden, muss man genau aufpassen, was sie damit meinen. Dies ist n\u00e4mlich klassisch meist etwas anderes, als das, was die <strong>Heilige Schrift<\/strong> mit diesen Begriffen fest verbindet. Gehen wir in diesem Beitrag also einmal dem Begriff der <em>\u201e<\/em>Auserw\u00e4hlung\/Erw\u00e4hlung\/Wahl\u201c im Heil nach.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei der arminianischen Vorstellung der <em>\u201e<\/em>Auserw\u00e4hlung\u201c von Menschen durch Gott trifft Gott \u00fcberhaupt keine Auswahl von Menschen, weder individuell noch kollektiv. <\/strong><br>(1) Bei einer h\u00e4ufig anzutreffenden Variante dieser Vorstellungen sieht Gott in Seiner Allwissenheit \u201eim Korridor der Zeit nach vorne\u201c (was <em>per se<\/em> eine absurde Vorstellung von der Erkenntnis des Ewigen ist!) und stellt dabei fest, was Menschen denken, entscheiden, sagen und tun (werden) und sich damit <em>selbst<\/em> erw\u00e4hlen bzw. einer heilsrelevanten Gruppe oder Kategorie von Menschen <em>selbst<\/em> zuordnen. <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Diesem <em>\u201e<\/em>allwissenden Beobachten&#8220; entsprechend ist Gott dann verpflichtet\/gebunden, einem Menschen das Heil in Christus zu geben oder aber ihm dieses Heil vorzuenthalten.<\/mark><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>(2) Nach einer anderen Variante legt Gott allen Menschen ohne Ausnahme das Heil zum Ergreifen vor. Wer es ergreift, hat es dann (zumindest bis auf weiteres) erst einmal im Besitz; <strong>die Wahl liegt also alleine auf Seiten des Menschen, nicht bei Gott<\/strong>. Die notwendigen Qualifikationen und Bedingungen, die das Heil erm\u00f6glichen (!), wurden nach diesen Ansichten von Gott \u201e(aus)gew\u00e4hlt\u201c. Sie sind von Ihm im Evangelium benannt worden, z. B.: \u00bbKehret um, glaubt dem Evangelium!\u00ab (Markus 1,15) oder \u00bbNachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit \u00fcbersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle \u00fcberall Bu\u00dfe tun sollen\u00ab (Apostelgeschichte 17,30).&nbsp;Gott darf auch noch <em>\u201e<\/em>auserw\u00e4hlen\u201c, wer der <em>\u201e<\/em>Retter der Welt\u201c ist, n\u00e4mlich Christus, der menschgewordene Sohn Gottes. Aber dann ist auch schon Schluss mit seinem <em>\u201e<\/em>W\u00e4hlen\u201c. <strong>Ihm bleibt der Zwang zur g\u00f6ttlich-ewigen Ratifizierung des zeitlichen Entschlusses v\u00f6llig autonomer Menschen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wann diese Ratifizierung stattfindet<\/strong>, wird unterschiedlich gesehen: Authentische Nachfolger der arminianischen Lehre sehen dies erst bei Eintritt in die Ewigkeit (beim Tod des hoffenden, aber ungewissen, Glaubenden) als gesichert an. Andere wollen diese g\u00f6ttliche Best\u00e4tigung vorziehen in die Lebenszeit nach der Bekehrung (sog. \u201eEin-Punkt-Calvinisten\u201c), oder zumindest (tempor\u00e4r) in jene Lebensphasen eines best\u00e4ndigen Bew\u00e4hrungslebens, in denen keine (anhaltend) ungebeichteten (groben) S\u00fcnden vorliegen (so oft in der sog. \u201eHeiligungsbewegung\u201c). Gemeinsam ist diesen Ansichten, dass es keine absolute Sicherheit des Heils (mithin keine Gewissheit des Heils) w\u00e4hrend der Lebenszeit gibt: Es kann immer noch jederzeit \u201eschief gehen\u201c, denn alles h\u00e4ngt am zur S\u00fcnde noch f\u00e4higen Menschen. (Dass dies <em>contra Scriptura<\/em> ist, kann jeder Leser der Schriften des Apostels Johannes wissen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Gottes \u201eEntscheidung\u201c oder <em>\u201e<\/em>Wahl\u201c wird hier also v\u00f6llig bestimmt (determiniert) von der \u201erettenden Tat\u201c, dem \u201eBekenntnis\u201c, dem \u201eGlauben\u201c, der \u201etreuen Nachfolge\u201c des  betreffenden <strong>Menschen<\/strong>. <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Gott vollzieht in seinem Wollen, W\u00e4hlen und Entscheiden nur noch das Wollen, W\u00e4hlen und Entscheiden des\/der Betreffenden nach.<\/mark><\/strong> Er bringt keine eigene, unabh\u00e4ngige oder vorzeitliche Wahl mit ein oder setzt diese gar urs\u00e4chlich und\/oder monergistisch-souver\u00e4n ein. Eine Freiheit, anders zu handeln, gibt es f\u00fcr Gott nicht, sonst w\u00e4re die Bedeutsamkeit der Entscheidung des Menschen prinzipiell untergraben und der Mensch nicht \u00bbder Herr seines Schicksals, der Kapit\u00e4n seiner Seele\u00ab (Henley, <em>Invictus<\/em>). Und das ist nat\u00fcrlich f\u00fcr den sich autonom d\u00fcnkenden Menschen eine Horrorvorstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles, wozu <strong>Gott<\/strong> noch frei ist, ist das Liefern von <em>allgemeiner<\/em> (also allen Menschen gleich gegebener, mithin nicht-diskriminierender, nicht-erw\u00e4hlender) Gnade, evtl. in Form der allgemeinen Evangeliumspredigt (welche imenschheitsgeschichtlich und geografisch aber nie oder seltenst real <em>allgemein<\/em> gegeben war) oder im nicht-diskriminierenden Ziehen <em>aller<\/em> Menschen zu Christus durch den Vater (Johannes 6,44) oder im nicht-diskriminierenden Wirken des Heiligen Geistes (Johannes 16,8\u201310; diese Stelle redet allerdings nur von der Zeit <em>ab und nach<\/em> Pfingsten, erkl\u00e4rt also zu wenig). Das Entscheidende tut hier der Mensch, es ist eine \u201e<strong>mensch-zentrierte Heilslehre<\/strong>\u201c: sowohl Heilsaneignung wie Heilsbewahrung h\u00e4ngen zentral und alleine am Menschen und seinem Willen. Mit dieser Ausrichtung soll dann auch die Erw\u00e4hlung des Menschen seitens Gottes gedeutet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Wie kann man dieses mechanische Nachvollziehen der Entscheidung einzelner Menschen (S\u00fcnder!) durch Gott eine Erw\u00e4hlung\/Auserw\u00e4hlung\/Wahl seitens Gottes nennen? <\/span><\/strong>Sklavisch-mechanisches Nachvollziehen ist keine (Aus-)Wahl. <strong>Hier wird etwas Wahl genannt, das keine Wahl ist.<\/strong> Der Trick der \u00c4quivokation besteht darin, dass man noch den gleichen Begriff verwendet, ihn aber heimlich und schleichend mit anderen Inhalten gef\u00fcllt hat. Das hat die R\u00f6m.-kath. Kirche, wie oben gesagt, recht erfolgreich mit dem Begriff der Gnade gemacht (nebenbei: auch der Gnadenbegriff der <strong><em>\u201e<\/em><\/strong>Arminianer<strong>\u201c<\/strong> ist ein anderer, als der der Bibel). Arminianisch denkende Menschen verwenden den Begriff der Wahl f\u00fcr das strikte, unfreie Nachvollziehen der Entscheidung eines anderen (also einer extern vorgegebenen Entscheidung). Sie unterwerfen Gott damit einem <em><strong>menschlich gesteuerten Determinismus<\/strong><\/em> und nennen ihre Erfindung dann dreist <strong><em>\u201e<\/em><\/strong>Erw\u00e4hlung<strong>\u201c<\/strong>. <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Das ist ein Widerspruch in den Begriffen, eine\u00a0<em>contradictio in adiecto<\/em>. Sie \u00a0liefert nichts Besseres als z. B. der Begriff <em>\u201erundes Quadrat<\/em>\u201c.\u00a0Die damit verbundenen Behauptungen sind also zwingend analytisch falsch.<\/span><\/strong> Es ist erstaunlich, dass Christen auf so etwas hereinfallen. Haben Sie nicht das Wort der Wahrheit?! Kann es sein, dass es dem Mahlwerk des Denkens nicht gut tut, wenn man es mit Kieselsteinen des Irrtums f\u00fcttert? Oder anders gesagt: <strong>Auf dem Boden der Selbstvergottung w\u00e4chst kein wahrer Gottesdienst. <\/strong>(Die Schlange l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen!) Wer hingegen Gott Gott sein l\u00e4sst (und selbst sich nicht vergottet), der hat keine Probleme mit der biblischen Heilslehre. Diese setzt stets die g\u00f6ttliche Souver\u00e4nit\u00e4t voraus \u2013 und tut dies, ohne irgendeinen Widerspruch zur menschlichen Verantwortung zu behaupten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine einfache Veranschaulichung<\/strong> f\u00fcr Leute, die gerne mal <em>\u00e0 la carte<\/em> Essengehen. Nehmen wir an, ich gehe in ein Restaurant, weil ich Appetit auf ein gutes Essen habe. Ich lasse mir die Speisekarte geben, auf der alle Wahlm\u00f6glichkeiten vermerkt sind. Das Sch\u00f6ne als Gast ist \u00fcblicher Weise, dass ich v\u00f6llig frei aus der aktuellen Speisekarte w\u00e4hlen und bestellen kann und dann nach einer Zubereitungszeit genau das Gew\u00e4hlte erhalten werde. Das ist meine Freiheit als <em>\u201e<\/em>K\u00f6nig Gast\u201c: Der Wirt wird mir <em>das<\/em> zubereiten (lassen), <em>was ich will<\/em>, wozu <em>ich<\/em> mich entschieden habe, was <em>ich<\/em> bestelle. Ich entscheide mich f\u00fcr Cordon Bleu. So weit, so gut. Nun kommt der Wirt zu mir an den Tisch und sagt: \u201eSch\u00f6n, dass sie heute da sind. Ich habe f\u00fcr sie entschieden: Sie bekommen Bockwurst mit Senf und Brot, die K\u00fcche ist schon beauftragt. Im \u00fcbrigen: Ich bin hier der Chef, tun Sie mir den Gefallen, die Bockwurst zu nehmen. Wenn ihnen das nicht gef\u00e4llt, k\u00f6nnen sie ja gehen!\u201c Und genau das tun sie dann auch, denn so eine Behandlung l\u00e4sst sich kein \u201eK\u00f6nig Gast\u201c in unserem Kulturkreis gefallen. Da gilt: Der Kunde ist K\u00f6nig und der Wirt Dienstleister. \u2013 Wenden wir das auf die arminianische Verwendung des Begriffs \u201eAuserw\u00e4hlung\/Erw\u00e4hlung\/Wahl\u201c\u00a0 an. Und zwar so verkehrt herum, wie es dieses Konzept offenbar haben will: <strong>Gott ist hier der Gast und der Mensch spielt sich als Wirt auf.<\/strong> Gott als Gast\/Kunde wird im arminianischen Denken keine Wahl gelassen (sie wird ihm nur vorgegaukelt), obwohl er der K\u00f6nig ist, der gem\u00e4\u00df seines freien Willens und seiner eigenen Wahl zu bedienen w\u00e4re. Der S\u00fcnder aber tritt als Wirt auf, der seinem Gast vorschreibt, was dieser bekommt, und ihm damit alle Wahlfreiheit nimmt. Am Ende behauptet der Wirt sogar noch frech, dass es der Wille und die Auswahl des Gastes\/Kunden\u00a0 gewesen w\u00e4re: dieser habe ja Bockwurst mit Senf und Brot \u201eausgew\u00e4hlt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine zweite Veranschaulichung<\/strong>, eine etwas k\u00fcrzere, f\u00fcr technisch Denkende: Wenn ich im Stromlaufpfad zwischen Sicherung und Lampe einen Ein\/Aus-Schalter anbringe, dann wird (ohne weiteres) die Bet\u00e4tigung des Schalters dazu f\u00fchren, dass\u00a0 die Lampe entweder aufleuchtet oder ausgeht. Welche \u201eFreiheit\u201c und \u201eWahl\u201c hat nun die Lampe? Sie kann naturgesetzlich nur das tun, was der Schalter vorgibt. Die Lampe folgt rein \u201emechanisch\u201c (nat\u00fcrlich: elektrisch!) den elektrischen Gegebenheiten der Schalterstellung bzw. der Schalterbet\u00e4tigung. <strong>Im arminianischen Denken agiert der S\u00fcnder frei durch Bet\u00e4tigung des Schalters, Gott reagiert sklavisch mit erleuchtender oder verdunkelnder Lampe. <\/strong>Der arminianisch Argumentierende behauptet aber, dass die Lampe \u201egew\u00e4hlt\u201c habe, ob sie brenne oder nicht, <strong>und zwar im Vorausblick auf die Bet\u00e4tigung des Schalters durch den S\u00fcnder<\/strong> \u2013 und dass die Lampe stets so \u201ew\u00e4hle\u201c, dass Schalterbet\u00e4tigung und Lampenzustand zusammenpassen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn jetzt jemand bemerkt, dass hier <strong>Ursache und Wirkung vertauscht <\/strong>wurden, dann wird er wohl nicht sehr daneben liegen. <strong>Im biblischen Denken ist eben die Auserw\u00e4hlung die UR-Sache (die erste Sache), gewollt und gesetzt von einem mit Willen, Liebe und Weisheit ausgestatteten, vollkommenen Wesen<\/strong>. Die Auswirkungen dieser UR-Sache in der Zeit sind einerseits <em>einseitige<\/em> (sog. monergistische) Wirkungen und souver\u00e4ne Gaben Gottes (wie Geburt-von-oben, Augen-\u00d6ffnung, Glaube, Bu\u00dfe usw.) sind, aber auch <em>zweiseitige<\/em>, die den erneuerten Menschen ganz in die Verantwortung und Reaktion auf das g\u00f6ttliche Neumachen und best\u00e4ndige g\u00f6ttliche Wirken am Menschen hereinnehmen. Von \u201eHeil\u201c (!) (von der <em>prozesshaften<\/em> Heiligung, also nicht dem monergistischen, ewigen Erw\u00e4hlen und Heil) redet folgende Stelle:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDaher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Anwesenheit, sondern jetzt viel mehr in meiner Abwesenheit, <strong>bewirkt<\/strong> euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern; denn <strong>Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken<\/strong>, <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">zu seinem Wohlgefallen<\/span><\/strong>.\u00ab<\/p>\n<cite>Philipper 2:12-13 (ELBCSV)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der biblische Begriff der (Aus-) Erw\u00e4hlung hat bei (wie oben dargestellt) arminianisch (meist anti-calvinistisch) Redenden <strong>den biblischen, mithin wahren, Sinn verloren<\/strong>. <em>Iam pridem equidem nos vera vocabula rerum amisimus<\/em> (Sallus, <em>De Coniuratio Catilinae<\/em>, Kap. 52 aus Catos Rede: <em>\u201eSchon l\u00e4ngst haben wir doch die rechten Bezeichnungen f\u00fcr die Dinge verloren.\u201c<\/em>). Sprache ist aber (mit <em>Humboldt<\/em>) \u201edas bildende Organ des Gedankens\u201c. <strong>Wenn die W\u00f6rter\u00a0nicht\u00a0stimmen, nicht mehr den biblischen Inhalt transportieren, dann\u00a0ist\u00a0nicht nur das\u00a0menschlich Gesagte\u00a0nicht\u00a0mehr das\u00a0g\u00f6ttlich Gemeinte, sondern damit grundlegend die Kommunikation der Wahrheit verunm\u00f6glicht und verungl\u00fcckt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um einem <strong><em>vermeintlichen, g\u00f6ttlich vorgegebenen Determinismus<\/em><\/strong> des Menschen in der Heilserlangung zu entgehen, weil dies ihrer Vorstellung von der Freiheit des Menschen widerspricht, unterwerfen arminianisch denkende Menschen Gott einem <strong><em>menschlich induzierten Determinismus<\/em><\/strong>. <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Gott wird entpersonalisiert und zum himmlischen Heilsautomaten degradiert, der mechanisch auf das Bet\u00e4tigen der Stellhebel durch Menschen reagiert.<\/mark><\/strong> Das ist provokant gesagt, aber trifft letztlich den Kern: Der Mensch macht sich dabei n\u00e4mlich zur Schaltzentrale des Heilsgeschehens. Das ist Anma\u00dfung und Perversion des Gesch\u00f6pfes gegen\u00fcber seinem Sch\u00f6pfer und HErrn. Noch immer geistert die verf\u00fchrerischste aller L\u00fcgen und Illusionen durch die Philosophien der Menschen: <strong>\u00bbIhr werdet sein wie Gott!\u00ab<\/strong> (1.Mose 3,5).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Glaubende jedoch erkennt aus der Heiligen Schrift, dass Gott <strong>das freieste Wesen<\/strong> ist, und dass <strong>Sein Wille stets gut, wohlgef\u00e4llig und vollkommen<\/strong> ist. Gott handelt <strong><em>stets<\/em> mit Vorsatz<\/strong> und <strong>wirkt <em>alles<\/em> nach dem Rat seines Willens<\/strong> (Epheser 1,11), sei es im Sch\u00f6pfungswerk oder im Heilswerk. Die Schrift bezeugt, dass die Summe und der Gipfel des Evangeliums Gottes mit Recht lautet:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbO Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unergr\u00fcndlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden?<br><strong>Denn <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">von ihm<\/span> und <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">durch ihn<\/span> und <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">f\u00fcr ihn<\/span> sind ALLE Dinge.<br><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.<\/span>\u00ab<\/strong><\/p>\n<cite>R\u00f6mer 11:33-36 (ELBCSV)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weiterf\u00fchrende<\/strong> <strong>Hinweise<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Folgende Hinweise sind geeignet, das Nachdenken der Gedanken Gottes bez\u00fcglich der (Aus-) Erw\u00e4hlung anhand des \u201eWortes der Wahrheit\u201c (Bibel) zu f\u00f6rdern:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Sowohl beim Heil (Errettung) als auch beim Unheil (Gericht) geht es zuallererst nicht um den Menschen, sondern um <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Gottes Verherrlichung<\/mark>.<\/strong> Es geht Gott <em>stets<\/em> darum, dass sein Name (seine Person und seine Herrlichkeit) vor allen Gesch\u00f6pfen aufstrahle und verehrt werde. \u2013 Dies ist z. B. im Drama der Zehn Plagen im Buch Exodus gut zu verfolgen (s. z. B. 2Mose 7,3\u20135.16; 9,16; 10,1\u20132 usw.), aber auch explizite Lehre im Neuen Testament (z. B. Philipper 2,9\u201311; R\u00f6mer 11,33\u201336; Offb 15,3\u20134; 19,1\u20135; 22,13).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die (Aus-) Erw\u00e4hlung durch Gott zum Heil ist als <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Liebeshandeln Gottes<\/mark> zu verstehen.<\/strong> Die von Gott selbst gegebene Begr\u00fcndung f\u00fcr die Sonderbehandlung einiger, dass sie eben nicht gerechterweise verdammt, sondern gn\u00e4dig gerettet und als Kinder angenommen werden, lautet: \u00bbICH habe &#8230; <strong>geliebt<\/strong>\u00ab. \u2013 Das ist im AT bzgl. Israel zu beobachten (z. B. 5Mose 4,37; 7,8; 10,15 usw.), und im NT f\u00fcr jeden Glaubenden (Galater 2,20b) als auch f\u00fcr die christliche Gesamtgemeinde (Epheser 1,4 \u00bbauserw\u00e4hlt &#8230; in Liebe\u00ab; 5,2.25\u201332).<\/li>\n\n\n\n<li>Siehe auch Beitrag \u00bb<strong><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=2131\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/logikos.club\/?p=2131\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Auserw\u00e4hlung \u2013 Fragen \u00fcber Fragen<\/a><\/strong>\u00ab<\/li>\n\n\n\n<li>Siehe auch Beitrag \u00bb<strong><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1064\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1064\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eine schwierige Lehre \u2013 Erw\u00e4hlung und Vorherbestimmung<\/a><\/strong>\u00ab<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein alter Trick, um bei feststehenden Begriffen oder Konzepten neue Inhalte oder Deutungen einzuf\u00fchren, ohne sich einer Konfrontation zu stellen oder eine Begr\u00fcndung zu liefern, ist die \u00c4quivokation. \u00c4quivokation ist das Substantiv zum Adjektiv \u00e4quivok. Die etymologische Abstammung liefert: sp\u00e4tlateinisch aequivocus \u201egleichlautend, mehrdeutig&#8220;, aus aequus \u201egleich&#8220; und vocare \u201enennen, lauten&#8220;. Wikipedia und Wiktionary (https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/\u00e4quivok [28.07.2020]) &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=670\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWenn W\u00f6rter ihren Sinn verlieren \u2013 Der Erw\u00e4hlungsbegriff der \u201eArminianer\u201c\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17,11,7],"tags":[],"class_list":["post-670","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-falschlehre","category-hall-of-shame","category-polemics"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=670"}],"version-history":[{"count":68,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3788,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/670\/revisions\/3788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}