{"id":520,"date":"2020-07-20T22:14:49","date_gmt":"2020-07-20T20:14:49","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=520"},"modified":"2020-07-21T11:00:20","modified_gmt":"2020-07-21T09:00:20","slug":"von-der-toerichten-vermessenheit-gott-rechtfertigen-zu-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=520","title":{"rendered":"Von der Vermessenheit, Gott rechtfertigen zu wollen"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00bb<strong>Der alte Drang der Vernunft, Ma\u00df aller Dinge zu sein, erhebt auch in unserem Theologisieren das Haupt.<\/strong> Gott soll sich selbst und sein Tun an unseren Normen ausweisen, soll sich vor unserem Forum rechtfertigen. Die Vernunft wei\u00df, was gerecht ist, und Gott hat sich, will er sich nicht selbst disqualifizieren, nach diesem Kriterium (=Merkmal, Kennzeichen) zu richten. &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der \u201egesunde Menschenverstand&#8220; will Gott messen; wenn das nicht vermessen ist!<\/strong><br>Ger\u00e4t die Vernunft ins Theologisieren, wird sie \u201efromm&#8220;, so will sie (statt Gott anzugreifen) <strong>Gott verteidigen<\/strong>, geb\u00e4rden sich als sein Advokat: Nein, sagt sie, nicht Gott ist Schuld; nicht an ihm liegt es, sondern am Menschen. Herr X h\u00e4tte glauben sollen, aber er hat eben nicht \u201edas Seine&#8220; getan. So unternimmt es die Vernunft, \u201eGott zu entschuldigen und den freien Willen zu beschuldigen&#8220; (LD 271\/M\u00fc 135). Sie will Gottes Handeln einsichtig und plausibel machen. Wem? Sich selbst, der Vernunft! Sie will nachweisen, wie \u201evern\u00fcnftig&#8220;, \u201ehuman&#8220;, \u201egerecht&#8220; Gott doch handelt, will ihn nicht nur freisprechen, sondern ihm ein \u201eVerdienstkreuz&#8220; verleihen. <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Dabei merkt die verblendete Vernunft nicht, dass eine Verteidigung Gottes nicht weniger \u00fcberheblich, ja gottesl\u00e4sterlich ist, wie ein Angriff auf seine Ehre!<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDahin kommt es, wenn wir mit menschlicher Vernunft Gott messen und rechtfertigen wollen, wenn wir die Geheimnisse der Majest\u00e4t nicht ehrf\u00fcrchtig verehren, sondern forschend in sie eindringen, dass wir, von Scheinruhm erdr\u00fcckt, statt einer Entschuldigung tausend Gottesl\u00e4sterungen von uns geben&#8220; (<em>LD 272f\/M\u00fc 137<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freilich meint sie es gut, die Vernunft. Aber mit wem? Mit sich selbst! Sie merkt in ihrer Verblendung nicht, dass es ihr nur scheinbar um Gott geht, in Wahrheit aber um die Selbstbehauptung, um ihr eigenes \u00dcberleben. <\/strong>Denn das g\u00e4be der Vernunft den Todessto\u00df, wenn sie vor der Souver\u00e4nit\u00e4t (=Herrschaftsgewalt, Unabh\u00e4ngigkeit, \u00dcberlegenheit) Gottes ihre Waffen strecken m\u00fcsste, gerade auch ihre scheinfrommen Verteidigungswaffen! Wenn sie sich so beugen m\u00fcsste, dass sie alle ihre Normen und Anspr\u00fcche aus der Hand legte und <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Gott wahrhaft Gott sein lie\u00dfe<\/span><\/strong>: Herr Gott, was \u201egerecht&#8220;, was \u201egut&#8220; ist, das wei\u00dft und bestimmst du allein. Was du tust, das ist heilig, gerecht und gut! Nicht, weil ich es einsehen k\u00f6nnte, weil es mir plausibel w\u00e4re, sondern <strong>weil du GOTT bist<\/strong> (\u201eGlaube und Geist urteilen\u2026 dass Gott gut sei, und wenn er auch alle Menschen verd\u00fcrbe&#8220;, LD 274\/M\u00fc 132).<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade bei der Erw\u00e4hlungsfrage geht es um die entscheidende Probe: Wollen wir recht bekommen in und bei Gott? Oder soll Gott endlich bei uns zu seinem Recht kommen? K\u00f6nnen wir uns ganz Gott ausliefern, uns Gott ganz anheim geben \u2013 auf Gedeih und Verderb? <strong>Wenn Gnade wirklich Gnade ist, dann ist sie v\u00f6llig frei und souver\u00e4n, kann weder ergr\u00fcndet, noch auf irgend eine Weise gefordert werden. Einen Anspruch auf Gnade kann es nicht geben, das w\u00e4re reiner Widersinn!<\/strong> Ist Gnade reines, unvorhersehbares, ja undenkbares Wunder, dann kann es ihr gegen\u00fcber weder moralische (\u201eVerdienst&#8220;) noch intellektuelle (\u201eVernunft&#8220;) Forderungen geben. <strong>Gerade an der Erw\u00e4hlungsfrage kommt es heraus, ob die Vernunft sich unter das Kreuz Christi beugt<\/strong>, ihr Todesurteil (Kreuz) auf sich nimmt, bedingungslos kapituliert und spricht: \u201eWir k\u00f6nnen\u2019s (wollen\u2019s) nicht ergr\u00fcnden, wir k\u00f6nnen (wollen) nur vertrauen.&#8220; Da ist die Wiedergeburt geschehen: <strong>Da ist die Vernunft vom \u201eBaum der Erkenntnis&#8220; hin zum Kreuzesstamm gef\u00fchrt worden.<\/strong> Da gehen ihr die Augen auf:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nicht unsere Aufgabe, das (die Geheimnisse der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t) wissen zu wollen, sondern vielmehr, diese Geheimnisse anzubeten.&#8220; Glauben hei\u00dft f\u00fcr Luther <strong><em>Deum justificare<\/em>: Gott recht geben, nur ihm, ihm ganz und gar<\/strong>.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Erw\u00e4hnte Referenzen: <\/strong>LD =&nbsp;<em>Luther deutsch<\/em>&nbsp;(10 Bd., hg. von Kurt Aland 1957\u20131974); M\u00fc =&nbsp;<em>M\u00fcnchener Lutherausgabe<\/em>&nbsp;(6 Bd. plus 7 Erg\u00e4nz.bd., 1948\u20131965).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><strong>Quelle:<\/strong> Siegfried Kettling: <em>Was kann der menschliche Wille leisten?<\/em> (Ennepetal: Mission zur Verbreitung des Wortes Gottes, 2013), S. 49\u201352. Textquelle: https:\/\/info2.sermon-online.com\/german\/SiegfriedKettling\/Vom_Unfreien_Wille.pdf [abgerufen am 20.07.2020; Fett-, Farb- und Kursivdruck hinzugef\u00fcgt]<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Das o. g. Buch von Siegfried Kettling ist eine redaktionell gek\u00fcrzte Ausgabe des dritten Kapitels <em>Vom unfreien Willen<\/em> des Buches <em>Typisch evangelisch \u2013 Grundbegriffe des Glaubens<\/em> vom gleichen Autor (TVG Brunnen\/Brockhaus, 1992).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbDer alte Drang der Vernunft, Ma\u00df aller Dinge zu sein, erhebt auch in unserem Theologisieren das Haupt. Gott soll sich selbst und sein Tun an unseren Normen ausweisen, soll sich vor unserem Forum rechtfertigen. 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