{"id":4807,"date":"2026-09-30T00:33:28","date_gmt":"2026-09-29T22:33:28","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=4807"},"modified":"2026-09-30T00:40:36","modified_gmt":"2026-09-29T22:40:36","slug":"der-missionsbefehl-ist-ein-juengermachenbefehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=4807","title":{"rendered":"Der Missionsbefehl ist ein J\u00fcngermachenbefehl"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F4807&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F4807&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/logikos.club\/wp-content\/plugins\/pdf-print-pro\/images\/print.png?1054580255\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lesedauer: 9 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">In eine Bank kam ein Mann und wollte einen Hundert-Euro-Schein auf sein Konto einzahlen. Er \u00fcbergab den Schein der Kassiererin und wartete. Die Kassiererin pr\u00fcfte den Schein kurz und sagte dann zum Kunden: \u00bbDas ist Falschgeld! Wo haben sie das her?\u00ab Der Kunde sagte: \u00bbDas kann nicht sein! Das ist echtes Geld! Ich stehe dazu! Was unterstehen Sie sich, das in Zweifel zu ziehen!\u00ab Die Kassiererin zeigte auf ein gro\u00dfes Plakat im Kundenraum: \u00bbDa, da k\u00f6nnen Sie lesen, was die Echtheitszeichen eines Geldscheines sind! Man muss nur vergleichen und dann erkennt man objektiv, dass dies kein echter Schein ist!\u00ab Der Kunde str\u00e4ubte sich und bestand: \u00bbAber ich stehe zu diesem Schein! <strong>Ich bin \u00fcberzeugt: er ist echt!<\/strong>\u00ab \u2013 Er war schwer zu \u00fcberzeugen, aber die Bank nahm den Schein nicht an. Es hatte nichts mit dem Kunden zu tun. Sie wollten ihn behalten, er war immer nett und ehrlich gewesen. Aber der vorliegende Schein war <strong>objektiv<\/strong> falsch. Und so wurde er nicht aufs Konto gutgeschrieben.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hier als Illustration erfunden wurde, mag sich real immer wieder einmal, aber selten, ereignen. Es passiert aber im \u00fcbertragenen Sinn immer wieder in Freikirchen, denen sich \u00bbChristen\u00ab aus kirchlicher Herkunft anschlie\u00dfen wollen. Sie waren in der R\u00f6m.-kath Kirche oder der Evang.-luth. Kirche als Babys \u00bbkirchlich getauft\u00ab worden (hatten nat\u00fcrlich keine Erinnerung mehr daran) und \u00bbstehen nun dazu\u00ab. Eine Firmung oder Konfirmation, die erfunden wurde, um den offensichtlichen Mangel des kirchlichen \u00bbTauf\u00ab-Aktes nachzubessern, wird als G\u00fcltigmachung des Falschgeldes beansprucht. Falschgeld wird aber nie durch nachtr\u00e4gliche Beteuerungen und Bekenntnisse oder \u00bbIch-stehe-dazu\u00ab g\u00fcltig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die nackte biblische Tatsache ist: Diese Personen wurden <strong>noch nie <\/strong>im biblischen Sinne getauft. Die Konsequenzen daraus: Sie sind offiziell noch keine Nachfolger Jesu, noch keine J\u00fcnger des Herrn Jesus Christus, keine \u00bbChristen\u00ab dem Bekenntnis nach. Das sollte verhindern, dass solche Menschen in einer Gemeinde Jesu Mitglied werden, gar dort Dienste tun, predigen, Gottesdienste leiten oder Anbeter anf\u00fchren. Zumindest in einer dem Neuen Testament verpflichteten Gemeinde Jesu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle soll das Sakraments- und Lehrverst\u00e4ndnis der erw\u00e4hnten Gro\u00dfkirchen nicht detailliert untersucht und diskutiert werden. Es reicht anzugeben, dass sowohl die R\u00f6m.-kath Kirche als auch die Evang.-luth. Kirche lehren, dass ein Baby bei seiner \u00bbTaufe\u00ab sowohl wiedergeboren wird, als auch den Heiligen Geist empf\u00e4ngt und somit  als lebendiges Glied auch in die Kirche Jesu integriert wird. Das ist alles nicht tolerierbare Irrlehre, die durch eine \u00bbKonfirmation\u00ab (\u00bbBefestigung\u00ab) oder \u00bbFirmung\u00ab nicht gebessert wird. Bibeltreue Christen sind keine \u00bbWiedert\u00e4ufer\u00ab, sondern bitten solche Bekehrten zu ihrer ersten biblisch, also vor Gott, g\u00fcltigen Taufe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine v\u00f6llig andere Sache, ob diese Person ohne \u00f6ffentlichen \u00dcbertritt zu Christus vielleicht schon innerlich in Bu\u00dfe und Glauben zu Jesus gekommen und Vergebung der S\u00fcnden und das ewige Leben erhalten hat. All diese Voraussetzungen dr\u00e4ngen ja geradezu danach, dies auch \u00f6ffentlich in der Taufe zu bekennen, es ist kein Ersatz f\u00fcr die christliche Taufe, noch kann sie eine biblisch falsche \u00bbTaufe\u00ab im nachhinein f\u00fcr g\u00fcltig erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der J\u00fcngerschafts-Befehl des Herrn Jesus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Herr Jesus hat nach seiner Auferstehung und kurz vor seiner Himmelfahrt seinen J\u00fcngern einen Befehl gegeben, der bis heute g\u00fcltig ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u03c0\u03bf\u03c1\u03b5\u03c5\u03b8\u03ad\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2 \u03bf\u1f56\u03bd \u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c3\u03b1\u03c4\u03b5 \u03c0\u03ac\u03bd\u03c4\u03b1 \u03c4\u1f70 \u1f14\u03b8\u03bd\u03b7,<br>\u03b2\u03b1\u03c0\u03c4\u03af\u03b6\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2 \u03b1\u1f50\u03c4\u03bf\u1f7a\u03c2 \u03b5\u1f30\u03c2 \u03c4\u1f78 \u1f44\u03bd\u03bf\u03bc\u03b1 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03a0\u03b1\u03c4\u03c1\u1f78\u03c2<br>\u03ba\u03b1\u1f76 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03a5\u1f31\u03bf\u1fe6 \u03ba\u03b1\u1f76 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u1f09\u03b3\u03af\u03bf\u03c5 \u03a0\u03bd\u03b5\u03cd\u03bc\u03b1\u03c4\u03bf\u03c2,<br>\u03b4\u03b9\u03b4\u03ac\u03c3\u03ba\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2 \u03b1\u1f50\u03c4\u03bf\u1f7a\u03c2 \u03c4\u03b7\u03c1\u03b5\u1fd6\u03bd \u03c0\u03ac\u03bd\u03c4\u03b1 \u1f45\u03c3\u03b1 \u1f10\u03bd\u03b5\u03c4\u03b5\u03b9\u03bb\u03ac\u03bc\u03b7\u03bd \u1f51\u03bc\u1fd6\u03bd\u00b7<br>\u03ba\u03b1\u1f76 \u1f30\u03b4\u03bf\u1f7a \u1f10\u03b3\u1f7c \u03bc\u03b5\u03b8\u2019 \u1f51\u03bc\u1ff6\u03bd \u03b5\u1f30\u03bc\u03b9 \u03c0\u03ac\u03c3\u03b1\u03c2 \u03c4\u1f70\u03c2 \u1f21\u03bc\u03ad\u03c1\u03b1\u03c2<br>\u1f15\u03c9\u03c2 \u03c4\u1fc6\u03c2 \u03c3\u03c5\u03bd\u03c4\u03b5\u03bb\u03b5\u03af\u03b1\u03c2 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03b1\u1f30\u1ff6\u03bd\u03bf\u03c2.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us 28,19\u201320<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Verben im Einzelnen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wollen diesen Text untersuchen und dabei besonders auf die&nbsp;<strong>Verben und ihre grammatische Funktion<\/strong> achthaben. Dabei ist die Unterscheidung zwischen&nbsp;<strong>Hauptverb<\/strong>&nbsp;und den davon abh\u00e4ngigen <strong>Partizipien<\/strong> im Text sehr aufschlussreich. Hier ein tabellarischer \u00dcberblick:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Verb<\/strong><\/td><td><strong>Form<\/strong><\/td><td><strong>Grundform<\/strong><\/td><td><strong>Bedeutung\/Funktion<\/strong><\/td><\/tr><tr><td><strong>\u03c0\u03bf\u03c1\u03b5\u03c5\u03b8\u03ad\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong><\/td><td>Aorist, Partizip, Nom. Pl.<\/td><td>\u03c0\u03bf\u03c1\u03b5\u03cd\u03bf\u03bc\u03b1\u03b9<\/td><td>hingehend \/ wenn ihr geht<\/td><\/tr><tr><td><strong>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c3\u03b1\u03c4\u03b5<\/strong><\/td><td>Aorist, <strong>Imperativ<\/strong>, 2. Pl.<\/td><td>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c9<\/td><td>macht zu J\u00fcngern<\/td><\/tr><tr><td><strong>\u03b2\u03b1\u03c0\u03c4\u03af\u03b6\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong><\/td><td>Pr\u00e4sens, Partizip, Nom. Pl.<\/td><td>\u03b2\u03b1\u03c0\u03c4\u03af\u03b6\u03c9<\/td><td>taufend<\/td><\/tr><tr><td><strong>\u03b4\u03b9\u03b4\u03ac\u03c3\u03ba\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong><\/td><td>Pr\u00e4sens, Partizip, Nom. Pl.<\/td><td>\u03b4\u03b9\u03b4\u03ac\u03c3\u03ba\u03c9<\/td><td>lehrend<\/td><\/tr><tr><td><strong>\u03c4\u03b7\u03c1\u03b5\u1fd6\u03bd<\/strong><\/td><td>Pr\u00e4sens, Infinitiv<\/td><td>\u03c4\u03b7\u03c1\u03ad\u03c9<\/td><td>halten \/ bewahren \/ befolgen<\/td><\/tr><tr><td><strong>\u1f10\u03bd\u03b5\u03c4\u03b5\u03b9\u03bb\u03ac\u03bc\u03b7\u03bd<\/strong><\/td><td>Aorist, Indikativ, 1. Sg.<\/td><td>\u1f10\u03bd\u03c4\u03ad\u03bb\u03bb\u03bf\u03bc\u03b1\u03b9<\/td><td>ich habe geboten<\/td><\/tr><tr><td><strong>\u03b5\u1f30\u03bc\u03b9<\/strong><\/td><td>Pr\u00e4sens, Indikativ, 1. Sg.<\/td><td>\u03b5\u1f30\u03bc\u03af<\/td><td>ich bin<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Punkt: <strong>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c3\u03b1\u03c4\u03b5 ist Imperativ<\/strong>, \u00fcbrigens der einzige im Satz. W\u00f6rtlich etwa: <strong>\u00bbMacht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker!<\/strong>\u00ab. Daran h\u00e4ngen&nbsp;<strong>\u03b2\u03b1\u03c0\u03c4\u03af\u03b6\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>\u03b4\u03b9\u03b4\u03ac\u03c3\u03ba\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>: \u00bb\u2026 indem ihr sie tauft \u2026 und indem ihr sie lehrt \u2026\u00ab ( zwei Partizipien). Das bedeutet grammatisch:&nbsp;<strong>Taufen und Lehren beschreiben, wie der Auftrag des J\u00fcngermachens konkret ausgef\u00fchrt wird.<\/strong> Die Partizipien beschreiben instrumentell, wie der Befehl umgesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00bbGehet hin!\u00ab \u2013 ist das \u00fcberhaupt ein eigener Befehl?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine interessante Stelle: <strong>\u03c0\u03bf\u03c1\u03b5\u03c5\u03b8\u03ad\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>&nbsp;steht formal als Aorist-Partizip da, w\u00e4hrend&nbsp;<strong>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c3\u03b1\u03c4\u03b5<\/strong>&nbsp;der Imperativ ist. Deshalb wird verbreitet wiedergegeben: \u00bb<strong>Gehet hin<\/strong> und machet zu J\u00fcngern \u2026\u00ab, man macht also aus dem Aorist-Partizip einen Befehl. Das ist aber grammatisch etwas st\u00e4rker, als der griechische Satz es zwingend verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte den Gedanken auch wiedergeben als: <strong>\u00bbWenn ihr hingeht \/ indem ihr hingeht, macht alle V\u00f6lker zu J\u00fcngern \u2026<\/strong>\u00ab<strong>. <\/strong>Das bedeutet nicht, dass das \u00bbGehen\u00ab unwichtig w\u00e4re. Aber der&nbsp;<strong>eigentliche Imperativ<\/strong>&nbsp;lautet nicht \u00bbGeht!\u00ab, sondern: <strong>\u00bbMacht zu J\u00fcngern!\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Missionsauftrag ist also grammatisch nicht prim\u00e4r ein Auftrag, irgendwohin zu reisen, sondern ein <strong>Auftrag zur&nbsp;J\u00fcngerschaftsgewinnung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet \u00bbJ\u00fcnger machen\u00ab?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verb&nbsp;<strong>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c9 (math\u0113teu\u014d)<\/strong>&nbsp;ist hier zentral. Es bedeutet nicht lediglich: \u00bbMenschen f\u00fcr Jesus interessieren\u00ab und auch nicht blo\u00df: \u00bbMenschen bekehren\u00ab. Ein&nbsp;<strong>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03ae\u03c2 (math\u0113t\u0113s)<\/strong>&nbsp;ist ein&nbsp;<strong>J\u00fcnger<\/strong>, also jemand, der Jesus als seinen Lehrer und Herrn annimmt und ihm folgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist deshalb der Zusammenhang mit V. 20: \u00bb<strong>\u03b4\u03b9\u03b4\u03ac\u03c3\u03ba\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2 \u03b1\u1f50\u03c4\u03bf\u1f7a\u03c2 \u03c4\u03b7\u03c1\u03b5\u1fd6\u03bd \u03c0\u03ac\u03bd\u03c4\u03b1\u2026<\/strong>\u00ab = \u00bb\u2026 indem ihr sie lehrt,&nbsp;<strong>alles zu halten<\/strong>, was ich euch geboten habe\u00ab. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00fcngerschaft umfasst damit nicht nur eine einmalige Entscheidung, sondern einen <strong>lebenslangen Lern- und Gehorsamsweg<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00bbTaufend\u00ab und \u00bblehrend\u00ab \u2013 zwei Aspekte desselben Auftrags<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Pr\u00e4senspartizipien sind: <strong>\u03b2\u03b1\u03c0\u03c4\u03af\u03b6\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>&nbsp;= taufend und <strong>\u03b4\u03b9\u03b4\u03ac\u03c3\u03ba\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>&nbsp;= lehrend. Beide beziehen sich auf&nbsp;<strong>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c3\u03b1\u03c4\u03b5<\/strong> = macht zu J\u00fcngern. Daraus ergibt sich eine bemerkenswerte Struktur:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>J\u00fcnger machen<\/strong><br>\u2192&nbsp;<strong>taufen<\/strong>(d)<br>\u2192&nbsp;<strong>lehren<\/strong>(d), alles zu halten, was Christus geboten hat<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist das \u201eLehren\u201c ausdr\u00fccklich umfassend: \u00bb<strong>\u03c0\u03ac\u03bd\u03c4\u03b1 \u1f45\u03c3\u03b1 \u1f10\u03bd\u03b5\u03c4\u03b5\u03b9\u03bb\u03ac\u03bc\u03b7\u03bd \u1f51\u03bc\u1fd6\u03bd<\/strong>\u00ab = \u00bballes, was ich euch geboten habe\u00ab. Nicht nur einige Lieblingslehren Jesu, sondern&nbsp;<strong>alles<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Besonders wichtig: \u03c4\u03b7\u03c1\u03b5\u1fd6\u03bd = \u00bbhalten\u00ab<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verb&nbsp;<strong>\u03c4\u03b7\u03c1\u03ad\u03c9<\/strong>&nbsp;kann bedeuten: bewahren, halten, beachten und befolgen. Hier geht es deshalb nicht nur um intellektuelles Wissen. Jesus sagt nicht: \u00bbLehrt sie, alles zu&nbsp;<strong>wissen<\/strong>, was ich euch geboten habe.\u00ab, sondern: \u00bbLehrt sie, alles zu&nbsp;<strong>halten\/befolgen<\/strong>, was ich euch geboten habe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die christliche Lehre zielt also auf&nbsp;<strong>Glauben und Leben<\/strong>, auf Erkenntnis und Gehorsam.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Missionsbefehl beginnt aber mit Jesu Vollmacht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sollte V. 19 nicht isoliert betrachten. Vers 18 sagte: \u00bb<strong>\u1f10\u03b4\u03cc\u03b8\u03b7 \u03bc\u03bf\u03b9 \u03c0\u1fb6\u03c3\u03b1 \u1f10\u03be\u03bf\u03c5\u03c3\u03af\u03b1 \u1f10\u03bd \u03bf\u1f50\u03c1\u03b1\u03bd\u1ff7 \u03ba\u03b1\u1f76 \u1f10\u03c0\u1f76 \u03b3\u1fc6\u03c2<\/strong>\u00ab = \u00bbMir ist alle Vollmacht gegeben worden im Himmel und auf Erden\u00ab. Das Verb&nbsp;<strong>\u1f10\u03b4\u03cc\u03b8\u03b7<\/strong>&nbsp;(\u00bbwurde gegeben\u00ab) steht im Aorist Passiv. Und dann: \u00bb<strong>\u03bc\u03b1\u03b8\u03b7\u03c4\u03b5\u03cd\u03c3\u03b1\u03c4\u03b5<\/strong>\u00ab = \u00bbmacht zu J\u00fcngern!\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mission der Kirche beginnt also&nbsp;<strong>nicht mit menschlicher Initiative<\/strong>, sondern mit der&nbsp;<strong>Herrschaft und Vollmacht des auferstandenen Christus<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und sie endet mit: \u00bb<strong>\u1f10\u03b3\u1f7c \u03bc\u03b5\u03b8\u2019 \u1f51\u03bc\u1ff6\u03bd \u03b5\u1f30\u03bc\u03b9<\/strong>\u00ab = \u00bbIch bin bei euch\u00ab. Das&nbsp;\u00bb<strong>\u03b5\u1f30\u03bc\u03b9<\/strong>\u00ab&nbsp;steht im Pr\u00e4sens: \u00bb<strong>Ich bin\u00ab \/ \u00bbIch bin gegenw\u00e4rtig bei euch\u00ab<\/strong>. Der Auftrag steht damit zwischen zwei gro\u00dfen Zusagen: \u00bb<strong>Christus hat alle Vollmacht<\/strong>\u00ab. Darum:  \u00bb<strong>Macht zu J\u00fcnger<\/strong>n\u00ab. Beachtet: \u00bb<strong>Christus ist bei seiner Gemeinde\u00ab<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ergibt sich daraus?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird es besonders interessant, weil die Grammatik sehr gut zu klassischen biblischen Grund\u00fcberzeugungen passt.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mission ist Christus\u2019 Auftrag an seine Gemeinde<\/strong>. Der Ausgangspunkt ist nicht: \u00bbDie Gemeinde muss wachsen!\u00ab, sondern: <strong>Christus ist Herr und sendet seine Gemeindeglieder (Nachfolger).<\/strong> Das entspricht dem reformierten Verst\u00e4ndnis der Kirche als einer von Christus regierten und seinem Wort untergeordneten Gemeinschaft. Die Gemeinde besitzt also&nbsp;<strong>keine eigene Missionsbotschaft<\/strong>. Sie hat zu verk\u00fcndigen, was Christus geboten hat.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das Ziel ist J\u00fcngerschaft, nicht blo\u00df Entscheidung<\/strong>. Biblisch betrachtet w\u00e4re es problematisch, Mission ausschlie\u00dflich auf eine <em>einmalige<\/em> \u00bbEntscheidung f\u00fcr Jesus\u00ab zu reduzieren. Matth\u00e4us 28 beschreibt vielmehr einen <strong>Prozess<\/strong>: <strong>Menschen werden zu J\u00fcngern gemacht, dann getauft (einmalig), dann (best\u00e4ndig) gelehrt und zum Gehorsam gegen\u00fcber Christus gef\u00fchrt.<\/strong>  Das passt zur biblischen Betonung der&nbsp;<strong>Heiligung<\/strong>: Der Christ wird nicht dadurch zum J\u00fcnger, dass er lediglich eine richtige Entscheidung getroffen hat. J\u00fcngerschaft umfasst das ganze Leben.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Taufe geh\u00f6rt wesentlich zum Missionsauftrag<\/strong>.<strong>  <\/strong>Das Partizip&nbsp;<strong>\u03b2\u03b1\u03c0\u03c4\u03af\u03b6\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>&nbsp;(\u00bbtaufend\u00ab) steht unmittelbar im Zusammenhang mit dem J\u00fcngermachen. Aus biblischer Perspektive ist dabei wichtig: Die Taufe ist<strong> ein \u00f6ffentliches Symbol menschlicher Entscheidung<\/strong>, das von Christus selbst eingesetzt wurde. <\/li>\n\n\n\n<li>Deshalb geh\u00f6rt die Taufe als \u00f6ffentlicher und \u00f6ffentlich von der Gemeinde Jesu best\u00e4tigter Akt wesentlich zur <strong>Eingliederung in die sichtbare Gemeinschaft der Gemeinde<\/strong> <strong>Jesu<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Aber: Taufe ist nicht das Ende der Mission<\/strong>. Das ist vielleicht einer der wichtigsten Punkte des Textes. Nach \u00bb<strong>\u03b2\u03b1\u03c0\u03c4\u03af\u03b6\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>\u00ab kommt: \u00bb<strong>\u03b4\u03b9\u03b4\u03ac\u03c3\u03ba\u03bf\u03bd\u03c4\u03b5\u03c2<\/strong>\u00ab. Die Taufe wird also unmittelbar mit der&nbsp;<strong>fortgesetzten Unterweisung<\/strong>&nbsp;verbunden. Mission ist deshalb nicht: <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Evangelisation \u2192 Bekehrung \u2192 Taufe \u2192 fertig.<\/mark><\/strong> Sondern: <strong>Evangelium \u2192 J\u00fcngerschaft \u2192 Taufe \u2192 Lehre \u2192 Gehorsam \u2192 lebenslange Nachfolge.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich ist das keine lineare zeitliche Formel. In der biblischen Anweisung geh\u00f6ren Verk\u00fcndigung, Glaube und Unterweisung eng zusammen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Besonders wichtig: \u00bballes, was ich euch geboten habe\u00ab<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier liegt ein wichtiger Gegensatz zu einem blo\u00df individualistischen Christentum. Jesus sagt nicht: \u00bbLehrt sie, was sie pers\u00f6nlich f\u00fcr richtig halten.\u00ab Sondern: \u00bb<strong>Lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.<\/strong>\u00ab Der Ma\u00dfstab der Gemeinde ist deshalb&nbsp;<strong>Christi Wort<\/strong>, nicht die wechselnde gesellschaftliche oder gro\u00dfkirchliche Meinung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das passt unmittelbar zum reformatorischen Prinzip \u00bb<strong><em>sola Scriptura<\/em><\/strong>\u00ab. Allerdings sollte man \u00bbsola Scriptura\u00ab nicht verk\u00fcrzt als \u00bbnur die Bibel lesen\u00ab verstehen. Es bedeutet vielmehr:&nbsp;<strong>Die Gemeinde Jesu steht unter der Autorit\u00e4t des Wortes Gottes und kann nicht aus eigener Vollmacht neue verbindliche Offenbarung schaffen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der letzte Vers ist f\u00fcr Mission vielleicht der wichtigste<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Missionsauftrag endet nicht mit: \u00bbPasst auf, dass ihr erfolgreich seid!\u00ab, sondern: \u00bb<strong>Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende des Zeitalters<\/strong>\u00ab. Das ist enorm wichtig: Der Erfolg der Mission liegt letztlich&nbsp;<strong>nicht in der Kraft der J\u00fcnger<\/strong>, sondern in der <strong>Gegenwart Christi<\/strong>. Wir betreiben Sein Werk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte den Text so zusammenfassen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Christus hat alle Vollmacht und Autorit\u00e4t.<br>Deshalb sendet er die Gemeinde seiner J\u00fcnger (Mission).<br>Die <strong>Gemeinde<\/strong> macht Menschen zu J\u00fcngern (J\u00fcngerschaft).<br>Sie tut dies durch Taufe, Verk\u00fcndigung und Lehre.<br>Das Ziel ist ein Leben im Gehorsam gegen\u00fcber Christus.<br>Und Christus selbst bleibt bei seinerGemeinde (R\u00fcckversicherung).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die Verbindung von&nbsp;<strong>\u00bbJ\u00fcnger machen\u00ab<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>\u00bballes halten lehren\u00ab<\/strong>&nbsp;verhindert ein rein quantitatives Verst\u00e4ndnis von Mission: Es geht bei Matth\u00e4us 28 nicht lediglich darum,&nbsp;<strong>mehr Christen zu bekommen<\/strong>, sondern darum,&nbsp;<strong>Menschen unter die Herrschaft und Lehre des auferstandenen Christus zu bringen<\/strong>. Das hat etwas mit Qualit\u00e4t zu tun, nicht Quantit\u00e4t. Das hat etwas mit Lehre und Praxis zu tun, mit \u00bbGlaubensgehorsam\u00ab, wie es der Apostel Paulus dann den R\u00f6mern schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles geht nur auf dem vom Meister selbst gewiesenen Weg, nicht in Befolgung oder \u00bbIch-stehe-dazu\u00ab-Beteuerungen kirchlich verfehlter Riten und Sakramente. <strong>Zur\u00fcck zur Schrift!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesedauer: 9 Minuten. In eine Bank kam ein Mann und wollte einen Hundert-Euro-Schein auf sein Konto einzahlen. Er \u00fcbergab den Schein der Kassiererin und wartete. Die Kassiererin pr\u00fcfte den Schein kurz und sagte dann zum Kunden: \u00bbDas ist Falschgeld! Wo haben sie das her?\u00ab Der Kunde sagte: \u00bbDas kann nicht sein! 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