{"id":4587,"date":"2026-08-27T11:18:10","date_gmt":"2026-08-27T09:18:10","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=4587"},"modified":"2026-08-27T22:21:34","modified_gmt":"2026-08-27T20:21:34","slug":"verleih-uns-frieden-gnaediglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=4587","title":{"rendered":"Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F4587&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F4587&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/logikos.club\/wp-content\/plugins\/pdf-print-pro\/images\/print.png?1054580255\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ein singbares Friedensgebet \u2013 von Luther \u00fcber Bach und Mendelssohn bis heute<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lesedauer: 12 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Friedensgebet in fremdem Land<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Babylonier im 6. Jahrhundert v. Chr. das S\u00fcdreich Juda \u00fcberw\u00e4ltigten, viele Menschen \u2013vom S\u00e4ugling \u00fcber die Schwangere bis zum Greis\u2013 ermordeten und den Rest der Bev\u00f6lkerung nach Babylon deportierte, ergriff die verschleppten Juden gro\u00dfe Trauer. Fern und zerst\u00f6rt war der Heimatort und Gottesort (Tempel), der Sehnsuchtsort ihres Volkes: Jerusalem (Zion). Psalm 137 hat die Gef\u00fchle dieser Menschen unvergesslich festgehalten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbAn den Fl\u00fcssen Babels, da sa\u00dfen wir und weinten, als wir uns an Zion erinnerten. An die Weiden in ihr h\u00e4ngten wir unsere Lauten. Denn die uns gefangen weggef\u00fchrt hatten, forderten dort von uns die Worte eines Liedes \u2026: \u203aSingt uns eins von Zions Liedern!\u2039 Wie sollten wir ein Lied Jahwes singen auf fremder Erde?\u00ab (Psalm 137,1\u20134)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Gott (Jahwe, der Bundesgott Israels) wollte nicht, dass sein Volk im fremden Land nur resignierte. Die Wegf\u00fchrung war zwar Gericht und Erziehung, aber Babylon sollte nicht die Endstation sein. Durch den Propheten Jeremia gab Gott den Weggef\u00fchrten deshalb einen bemerkenswerten Auftrag:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbUnd <strong>sucht den Frieden der Stadt<\/strong>, wohin ich euch weggef\u00fchrt habe, und betet f\u00fcr sie zu Jahwe; <strong>denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden haben<\/strong>.\u00ab (Jeremia 29,7)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist erstaunlich. Die Juden sollten nicht nur passiv auf ihre R\u00fcckkehr warten, sondern aktiv f\u00fcr den Frieden und das Wohlergehen gerade jener Stadt wirken und beten, in die sie verschleppt worden waren. Wie sollte das gehen: fremd, ohne B\u00fcrgerrechte, Unterlegene \u2013 und trotzdem im \u00bbBeten und Arbeiten\u00ab (<em>ora et labora<\/em>) den Frieden und das Wohlergehen jener Stadt aktiv suchen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wahre Christen leben als Menschen, deren eigentliches B\u00fcrgerrecht im Himmel ist, in einer Welt, die noch nicht unter der sichtbaren Herrschaft Christi steht. Das bedeutet jedoch keinen R\u00fcckzug. Christus hat seine J\u00fcnger als Licht und Salz in diese Welt gestellt. Sie sollen das Evangelium verk\u00fcndigen, Gutes tun und f\u00fcr die Menschen beten, unter denen Gott sie leben l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu diesen Gebeten geh\u00f6rt ausdr\u00fccklich die Bitte um Frieden. Paulus fordert die christliche Gemeinde auf, f\u00fcr \u00bbK\u00f6nige und alle, die in Hoheit sind\u00ab zu beten, \u00bbdamit wir ein ruhiges und stilles Leben f\u00fchren m\u00f6gen in aller Gottseligkeit und w\u00fcrdigem Ernst\u00ab (1Timotheus 2,1\u20132).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein solches Friedensgebet begleitet die christliche Kirche schon durch viele Jahrhunderte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Friedensgebet in der lateinischen Antiphon<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4testens seit dem fr\u00fchen Mittelalter ist der Antiphon\u00a0<strong>\u00bbDa pacem, Domine, in diebus nostris\u00ab<\/strong>\u00a0bekannt. Ihr Verfasser ist unbekannt. Der kurze Text lautet (im damals in der Liturgie \u00fcblichen Kirchenlatein):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Da pacem, Domine, in diebus nostris,<\/strong><br><strong>quia non est alius qui pugnet pro nobis,<\/strong><br><strong>nisi tu Deus noster.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sinngem\u00e4\u00df:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen,<\/strong><br><strong>denn es gibt keinen anderen, der f\u00fcr uns k\u00e4mpft,<\/strong><br><strong>au\u00dfer dir, unserem Gott.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen drei Zeilen steckt bereits <strong>eine kleine Theologie des Friedens<\/strong>. Wir lernen: Frieden ist letztlich keine menschliche Errungenschaft, <strong>er wird von Gott erbeten. <\/strong>Und die letzte Hoffnung des Beters liegt nicht in der menschlichen Macht, sondern allein bei Gott:\u00a0<em>nisi tu Deus noster<\/em>\u00a0\u2013 \u00bbau\u00dfer dir, unserem Gott\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gedanke hat deutlich alttestamentliches Kolorit. Am Schilfmeer sagt Mose zum hilflosen Israel: \u00bbJahwe wird f\u00fcr euch k\u00e4mpfen, und ihr werdet still sein\u00ab (2Mose 14,14). \u00c4hnlich betet Josaphat angesichts einer milit\u00e4rischen \u00dcbermacht: \u00bbIn uns ist keine Kraft vor dieser gro\u00dfen Menge \u2026 und wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet\u00ab (2Chronik 20,12).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesem alten lateinischen Gebet wurde in der Reformationszeit ein deutsches Gemeindelied.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Version Luthers (1529) \u2013 Das Friedensgebet wird deutsches Gemeindelied<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Martin Luther war nicht der urspr\u00fcngliche Dichter. Er \u00fcbertrug 1529 die alte Antiphon aber knapp und einpr\u00e4gsam ins Deutsche:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich,<\/strong><br><strong>Herr Gott, zu unsern Zeiten.<\/strong><br><strong>Es ist doch ja kein andrer nicht,<\/strong><br><strong>der f\u00fcr uns k\u00f6nnte streiten,<\/strong><br><strong>denn du, unser Gott, alleine.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Luther macht aus dem alten liturgischen Text ein Lied, das eine <strong>ganze Gemeinde gemeinsam singen und beten<\/strong> kann. Die entscheidenden Gedanken bleiben erhalten: Wir bitten Gott um Frieden, weil wir unsere letzte Hilfe nicht in menschlicher St\u00e4rke, sondern in ihm allein sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon bald wurde dieser Strophe eine zweite angef\u00fcgt. Sie stammt nicht von Luther, sondern wird seinem musikalischen Mitarbeiter\u00a0<strong>Johann Walter <\/strong>(1496\u20131570)\u00a0zugeschrieben und erschien 1566:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gib unserm F\u00fcrsten und aller Obrigkeit<\/strong><br><strong>Fried und gut Regiment,<\/strong><br><strong>dass wir unter ihnen<\/strong><br><strong>ein geruhig und stilles Leben f\u00fchren m\u00f6gen<\/strong><br><strong>in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man erkennt sofort die biblische Vorlage. Walter setzt 1Timotheus 2,1\u20132 beinahe unmittelbar in ein Gebet um. Die beiden Strophen verbinden damit <strong>zwei Anliegen<\/strong>: Gott m\u00f6ge Frieden schenken, und er m\u00f6ge den Regierenden eine solche Regierung erm\u00f6glichen, dass die Menschen in Ruhe und Gottesfurcht ihres Glaubens gem\u00e4\u00df  leben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Verbindung ist wichtig. Christliches Friedensgebet bedeutet nicht lediglich: \u00bbHerr, gib uns Ruhe!\u00ab Der erbetene Friede soll vielmehr Raum schaffen f\u00fcr Gottesfurcht, christliches Zeugnis und die Ausbreitung des Evangeliums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Luther sch\u00e4tzte die Musik au\u00dferordentlich hoch. In seiner Vorrede zu Georg Rhaus <em>Symphoniae iucundae<\/em>\u00a0von 1538 r\u00e4umte er ihr nach der Theologie den h\u00f6chsten Rang ein. F\u00fcr ihn war Musik nicht blo\u00dfe Unterhaltung. Sie war eine Gabe Gottes und in besonderer Weise geeignet, Gottes Wort ins Ged\u00e4chtnis und ins Herz zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Friedensgebet sollte deshalb nicht nur gelesen werden, die Gemeinde sollte es\u00a0<strong>singen<\/strong>. Seine Melodie klang noch stark nach der alten Vorlage: archaisch, Moll. Man meint, gregorianische Stimmung zu versp\u00fcren. Aber Gott hat 200 Jahre sp\u00e4ter der Gemeinde einen gro\u00dfen Komponisten und gl\u00e4ubigen Lutheraner gegeben, der so manches Kirchenlied aufgriff und klanglich vergoldete.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Version von J. S. Bach (1725) \u2013 Die Gemeinde in Not betet gemeinsam<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau betrachtet, ist die Situation bei Johann Sebastian Bach etwas anders als bei Luther. Bach komponierte kein gro\u00dfes eigenst\u00e4ndiges Werk \u00fcber \u00bbVerleih uns Frieden\u00ab, sondern verwendete den Text als&nbsp;<strong>Schlusschoral<\/strong>&nbsp;sowohl der&nbsp;<strong>Kantate BWV 42 \u00bbAm Abend aber desselbigen Sabbats\u00ab (1725)<\/strong>&nbsp;als auch der&nbsp;<strong>Kantate BWV 126 \u00bbErhalt uns, Herr, bei deinem Wort\u00ab (1725)<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kontext der\u00a0Verwendung in der <strong>Kantate BWV\u00a042 \u00bbAm Abend aber desselbigen Sabbats\u00ab<\/strong>\u00a0ist sehr aussagekr\u00e4ftig. Die Kantate handelt n\u00e4mlich von den\u00a0<strong>J\u00fcngern hinter verschlossenen T\u00fcren<\/strong>, von\u00a0<strong>Bedrohung und Verfolgung<\/strong>\u00a0und davon, dass\u00a0<strong>Christus dennoch mitten unter den Seinen ist<\/strong>. Unmittelbar vor dem Schlusschoral steht die Bass-Arie\u00a0<strong>\u00bbJesus ist ein Schild der Seinen\u00ab<\/strong>. Dort kontrastiert Bach musikalisch die\u00a0<strong>Unruhe der Welt\u00a0<\/strong>mit dem\u00a0<strong>Frieden bei Jesus<\/strong>. Und dann kommt der Schlusschoral\u00a0<em>\u00bb<\/em><strong>Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich\u00ab. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat Bach \u00fcberzeugend dramaturgisch gestaltet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bedrohung \u2192 Christus als Schutz \u2192 Gebet der Gemeinde um Frieden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bach behandelt die Melodie als\u00a0vierstimmigen Choralsatz:\u00a0<strong>Die Gemeinde spricht gewisserma\u00dfen gemeinsam<\/strong>. Keine einzelne Stimme steht im Vordergrund; die Harmonik vertieft vielmehr die vertraute Melodie, es ist eine\u00a0<strong><em>gemeinsame<\/em> Bitte der Gemeinde<\/strong>. Das ist typisch Bach: sein Schlusschoral ist nicht blo\u00df ein\u00a0<em>musikalischer<\/em>\u00a0Abschluss, sondern eine\u00a0<strong><em>theologisch reiche Antwort<\/em>\u00a0der Gemeinde auf das zuvor Geh\u00f6rte<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kontext der\u00a0<strong>Kantate BWV 126 \u00bbErhalt uns, Herr, bei deinem Wort\u00ab <\/strong>im selben Jahr\u00a0ist ebenfalls aufschlussreich. Sie wurde am 4. Februar 1725, dem Sonntag Sexagesimae, erstmals aufgef\u00fchrt und geh\u00f6rt zu Bachs Choralkantaten-Jahrgang 1724\/25. Die gottesdienstlichen Lesungen waren\u00a0<strong>Lukas 8,4\u201315<\/strong>, das Gleichnis vom vierfachen Ackerboden, und\u00a0<strong>2Korinther 11,19\u201312,9\u00a0<\/strong>mit dem Thema der in menschlicher Schwachheit wirksamen Kraft Gottes. Im Mittelpunkt der Kantate steht allerdings\u00a0<strong>Luthers k\u00e4mpferischer Choral \u00bbErhalt uns, Herr, bei deinem Wort\u00ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum\u00a0<strong>Sonntagsevangelium<\/strong>\u00a0besteht dennoch eine deutliche theologische Verbindung:\u00a0<strong>Gottes Wort wird ausges\u00e4t, es ist vielf\u00e4ltig bedroht, soll festgehalten werden und Frucht bringen<\/strong>. Besonders deutlich wird dies im Rezitativ der Kantate unmittelbar vor dem Schlusschoral. Dort hei\u00dft es, dass Gott \u00fcber seine Kirche wacht und \u00bbdes heilgen Wortes Lehren \/\u00a0<strong>zum Segen fruchtbar<\/strong>\u00ab macht \u2013 ein kaum zu \u00fcbersehender Anklang an den guten Ackerboden von Lukas 8,15.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Musikalisch<\/strong>&nbsp;geh\u00f6rt BWV 126 zu Bachs k\u00e4mpferischsten Kantaten. Der wuchtige Eingangschor bettet den Choral in einen kantigen Orchestersatz ein; besonders die virtuose Trompetenpartie verleiht ihm einen geradezu&nbsp;<strong>streitbaren Charakter<\/strong>. In den beiden Arien der Kantate verwendet Bach&nbsp;<strong>auff\u00e4llige Abw\u00e4rtsbewegungen<\/strong>: Sie veranschaulichen einerseits Gottes helfendes Eingreifen von oben, andererseits den Sturz der widerg\u00f6ttlichen Macht.&nbsp;<strong>Alle Rettung kommt von Gott.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann aber vollzieht die Kantate eine&nbsp;<strong>bemerkenswerte Wendung vom Streit zum Frieden<\/strong>. Das letzte Rezitativ spricht davon, dass Gottes Wort und Wahrheit offenbar werden und zum Segen Frucht bringen. Es endet mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbund willst du dich als Helfer zu uns kehren,<br>so wird uns denn <strong>in Frieden<\/strong><br>des Segens \u00dcberflu\u00df beschieden.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darauf antwortet die ganze Gemeinde im Schlusschoral&nbsp;<strong>betend<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bb<strong>Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich,<br><\/strong>Herr Gott, zu unsern Zeiten;<br>es ist doch ja kein andrer nicht,<br>der f\u00fcr uns k\u00f6nnte streiten,<br>denn du, unser Gott, alleine.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gib unsern F\u00fcrsten und aller Obrigkeit<br><\/strong>Fried und gut Regiment,<br>dass wir unter ihnen<br>ein geruhig und stilles Leben f\u00fchren m\u00f6gen<br>in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. \u2013 Amen.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schlusschoral ist deshalb kein angeh\u00e4ngtes Friedenslied, er ist der\u00a0<strong>Zielpunkt der Kantate<\/strong>. Die Gemeinde antwortet gl\u00e4ubig und verst\u00e4ndig auf das zuvor Geh\u00f6rte: Aus dem Kampf um die Bewahrung bei Gottes Wort f\u00fchrt der Weg zur Bitte um den Frieden, den allein Gott schenken kann. Dieser Friede schafft Raum f\u00fcr ein ruhiges und gottesf\u00fcrchtiges Leben und f\u00fcr den Dienst der Gemeinde am Wort Gottes. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Predigt des Wortes und geistliche Kirchenmusik erg\u00e4nzen und verst\u00e4rken sich. Bachs eigene Wertsch\u00e4tzung geistlicher Musik kommt in einer ber\u00fchmten Randbemerkung seiner Calov-Bibel zu 2Chronik 5,13 zum Ausdruck:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbBey einer and\u00e4chtig Musiq ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Theologie und Musik geh\u00f6ren auch hier eng zusammen. <strong>Musik ist nicht blo\u00dfe Versch\u00f6nerung des Wortes. Sie l\u00e4sst die Gemeinde das Wort gemeinsam bekennen und beten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Version von Mendelssohn (1831) \u2013 Das pers\u00f6nliche Gebet steckt an<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gut ein Jahrhundert sp\u00e4ter begegnet uns das Friedensgebet wieder bei&nbsp;<strong>Felix Mendelssohn Bartholdy<\/strong>. Mendelssohn hatte sich intensiv mit Bach besch\u00e4ftigt und 1829 mit der Wiederauff\u00fchrung der&nbsp;<em>Matth\u00e4us-Passion<\/em>&nbsp;wesentlich zur Bach-Renaissance beigetragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1831 komponierte er&nbsp;<strong>\u00bbVerleih uns Frieden gn\u00e4diglich\u00ab <\/strong>(MWV A 11 \/ WoO 5)&nbsp;f\u00fcr vierstimmigen Chor und Orchester. Er bezeichnete das Werk ausdr\u00fccklich als \u00bbGebet nach Lutherschen Worten\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist: Mendelssohn \u00fcbernimmt zwar Luthers Text, aber&nbsp;<strong>nicht die traditionelle Melodie<\/strong>. Er komponiert eine neue. Dadurch kann er die wenigen Worte auf seine eigene Weise musikalisch auslegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das St\u00fcck beginnt still und dem\u00fctig. Zun\u00e4chst wirkt es beinahe wie das Gebet eines Einzelnen. Dann kommen weitere Stimmen hinzu, der Klang wird voller, das Gebet w\u00e4chst. Aus dem pers\u00f6nlichen Flehen wird zunehmend die Bitte einer ganzen Gemeinschaft:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bitte \u2192 Verst\u00e4rkung \u2192 gemeinsames Bekenntnis \u2192 Ruhe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei wird die Musik trotz der Worte \u00bbder f\u00fcr uns k\u00f6nnte streiten\u00ab nicht martialisch. Keine musikalische Schlacht entsteht. Der Grundcharakter bleibt Vertrauen und Gebet. Alles l\u00e4uft vielmehr auf die letzte Aussage zu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00bbdenn du, unser Gott, alleine.\u00ab<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht menschliche St\u00e4rke ist die Antwort auf die Bedrohung, sondern Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mendelssohn ben\u00f6tigt mehrere Minuten f\u00fcr gerade einmal f\u00fcnf Textzeilen. Durch Wiederholung und \u00dcberlagerung entsteht jedoch der Eindruck, <strong>als w\u00fcrden immer mehr Menschen in dasselbe Gebet einstimmen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Robert Schumann<\/strong> war von dem Werk Mendelssohns tief beeindruckt. 1840 schrieb er: \u00bbDas kleine St\u00fcck verdient eine Weltber\u00fchmtheit und wird sie in Zukunft erlangen \u2026\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt seine besondere Sch\u00f6nheit gerade darin: Mendelssohn verbindet Schlichtheit mit gro\u00dfer Ausdruckskraft. Das Ergebnis ist weder blo\u00dfe Konzertmusik noch einfacher Gemeindegesang. <strong>Es klingt wie ein Gebet, das w\u00e4chst und schlie\u00dflich eine ganze Gemeinschaft erfasst<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Friedensgebet der Urgemeinde(n)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sch\u00f6n solche Vertonungen sind: Die h\u00f6chste Autorit\u00e4t liegt f\u00fcr Christen nicht bei Luther, Bach oder Mendelssohn, sondern im Wort Gottes. Deshalb stellt sich die entscheidende Frage:&nbsp;<strong>Wie betete die neutestamentliche Gemeinde um Frieden und Bewahrung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Antwort des Neuen Testaments<\/strong> ist aufschlussreich. Wir halten an f\u00fcnf Stellen kurz inne.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Paulus an Timotheus (1Timotheus 2,1\u20134)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die unmittelbarste Parallele zum Lied findet sich in 1Timotheus 2. Paulus fordert dazu auf, f\u00fcr alle Menschen und ausdr\u00fccklich f\u00fcr die Regierenden zu beten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bb\u2026 damit wir ein ruhiges und stilles Leben f\u00fchren m\u00f6gen in aller Gottseligkeit und w\u00fcrdigem Ernst.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau daraus entstand Walters zweite Strophe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber Paulus nennt anschlie\u00dfend den gr\u00f6\u00dferen Horizont: Gott will, \u00bbdass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen\u00ab (1Timotheus 2,4).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir bitten also nicht nur um Frieden, weil ein ruhiges Leben angenehmer ist. Wir bitten um Verh\u00e4ltnisse, in denen Christen gottesf\u00fcrchtig leben,  im Glauben wachsen und das Evangelium ungehindert verk\u00fcndigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Das Gebet der bedrohten Gemeinde (Apg 4,23\u201331)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der ersten Verfolgung der Jerusalemer Gemeinde kommen Petrus und Johannes zu den anderen Gl\u00e4ubigen zur\u00fcck. Gemeinsam beten sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist, worum sie\u00a0<strong>nicht<\/strong>\u00a0zuerst bitten. Sie verlangen nicht, dass Gott s\u00e4mtliche Gegner beseitigt oder ihnen k\u00fcnftig jede Bedrohung seitens der religi\u00f6sen und weltlichen Obrigkeit erspart. Sie beginnen mit der Gr\u00f6\u00dfe und Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbHerrscher, du, der du den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hast und alles, was in ihnen ist \u2026\u00ab (Apostelgeschichte 4,24).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann legen sie Gott ihre Bedrohung vor und bitten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbUnd nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort zu reden mit aller Freim\u00fctigkeit\u00ab (Apostelgeschichte 4,29).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist neutestamentliches Friedensgebet in einer bemerkenswerten Reihenfolge:&nbsp;<strong>Nicht zuerst \u00bbNimm die Bedrohung weg\u00ab, sondern \u00bbMach uns treu in unserem Auftrag\u00ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Das Gebet zur Bewahrung vor feindlichen Menschen (2Thessalonicher 3,1\u20132)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus bittet die Thessalonicher:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbBetet f\u00fcr uns, dass das Wort des Herrn laufe und verherrlicht werde \u2026 und dass wir errettet werden von den schlechten und b\u00f6sen Menschen.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieder geh\u00f6ren zwei Anliegen zusammen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausbreitung des Wortes + Bewahrung vor seinen Gegnern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christen d\u00fcrfen also durchaus um Schutz bitten. Aber dieser Schutz ist wiederum mit dem Auftrag verbunden: Das Wort des Herrn soll laufen und verherrlicht werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Das Gebet um Errettung von Gegnern und um Frieden (R\u00f6mer 15,30\u201333)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch den R\u00f6mern schreibt der Apostel Paulus:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bb\u2026 dass ihr mit mir k\u00e4mpft in den Gebeten f\u00fcr mich zu Gott, damit ich vor den Ungl\u00e4ubigen in Jud\u00e4a gerettet werde \u2026\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wenige S\u00e4tze sp\u00e4ter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDer Gott des Friedens aber sei mit euch allen! Amen.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche \u00bbKampf\u00ab der Gemeinde ist hier zun\u00e4chst ein&nbsp;<strong>Kampf im Gebet<\/strong>. Die Rettung von den Gegnern erwartet Paulus von Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erinnert unmittelbar an den alten Antiphon:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>quia non est alius qui pugnet pro nobis, nisi tu Deus noster<\/strong><\/em>&nbsp;\u2013<br>\u00bbdenn es gibt keinen anderen, der f\u00fcr uns k\u00e4mpft, au\u00dfer dir, unserem Gott.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Gebet um Frieden mitten in der Bedrohung (Philipper 4,6\u20137)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Philipper 4 verschiebt sich der Akzent schlie\u00dflich vom \u00e4u\u00dferen zum <strong>inneren Frieden<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbSeid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand \u00fcbersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde m\u00fcssen sich dabei nicht sofort ver\u00e4ndern. Aber mitten in ihnen \u2013seien sie auch noch so bedrohlich\u2013 schenkt Gott seinen Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gedankengang lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bedr\u00e4ngnis \u2192 Gebet \u2192 Gottes (inneren) Frieden \u2192 Bewahrung in Christus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus selbst hat f\u00fcr seine J\u00fcnger nicht darum gebetet, dass sie jeder Gefahr entnommen werden. Er sprach in jener Nacht seines Verrats zu seinem Vater:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbIch bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem B\u00f6sen.\u00ab (Johannes 17,15)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist f\u00fcr eine neutestamentliche Theologie des Friedens entscheidend.&nbsp;<strong>Frieden bedeutet nicht notwendig die Abwesenheit von Bedr\u00e4ngnis.<\/strong>&nbsp;Christus bittet um die Bewahrung seiner J\u00fcnger <strong>mitten in <\/strong>einer feindlichen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ver\u00e4ndert sich gegen\u00fcber dem alttestamentlichen Motiv auch der Akzent. Das alte&nbsp;<em>Da pacem, Domine<\/em>&nbsp;erinnert stark an Aussagen wie: \u00bbJahwe wird f\u00fcr euch k\u00e4mpfen\u00ab (2Mose 14,14). Die neutestamentliche Gemeinde darf ebenfalls um Schutz vor b\u00f6sen Menschen und um friedliche gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse bitten. Aber sie betet nicht um die milit\u00e4rische Vernichtung ihrer Gegner. Jesus lehrt vielmehr: \u00bbBittet f\u00fcr die, die euch verfolgen\u00ab (Matth\u00e4us 5,44).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So lernen wir, <strong>christlich<\/strong> um Frieden zu beten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir bitten um&nbsp;<strong>\u00e4u\u00dferen Frieden und eine gute Obrigkeit<\/strong>, damit ein ruhiges und gottesf\u00fcrchtiges Leben m\u00f6glich ist (1Timotheus 2,1\u20134).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir bitten um&nbsp;<strong>Bewahrung vor b\u00f6sen Menschen<\/strong>, damit das Wort des Herrn laufen und verherrlicht werden kann (2Thessalonicher 3,1\u20132).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir vertrauen angesichts von Bedrohungen auf den&nbsp;<strong>souver\u00e4nen Gott<\/strong>&nbsp;und bitten zuerst darum, unserem Zeugnisauftrag treu zu bleiben (Apostelgeschichte 4,23\u201331).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wir bitten um den&nbsp;<strong>Frieden Gottes in unseren Herzen<\/strong>, selbst wenn die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde unruhig bleiben (Philipper 4,6\u20137).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ist das jahrhundertealte Lied erstaunlich aktuell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei&nbsp;<strong>Luther<\/strong>&nbsp;betet die Gemeinde um Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei&nbsp;<strong>Bach<\/strong>&nbsp;bekennt die bedr\u00e4ngte Gemeinde, von wem ihr Friede kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei&nbsp;<strong>Mendelssohn<\/strong>&nbsp;kann man h\u00f6ren, wie aus einem leisen pers\u00f6nlichen Friedensgebet ein machtvolles gemeinsames Flehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und \u00fcber allen steht die Bitte, die Christen seit Jahrhunderten miteinander verbindet:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich,<\/strong><br><strong>Herr Gott, zu unsern Zeiten.<\/strong><br><strong>Es ist doch ja kein andrer nicht,<\/strong><br><strong>der f\u00fcr uns k\u00f6nnte streiten,<\/strong><br><strong>denn du, unser Gott, alleine.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6gen auch wir \u2013Christen und christliche Gemeinden\u2013 dies heute angesichts beunruhigendem S\u00e4belrasseln und peinlich-be\u00e4ngstigender Kriegsrhetorik inst\u00e4ndig und glaubend bitten! Gott will das \u2013 und Er hat uns damit schriftlich aufgefordert. Denn: Es sind nicht die politischen Demos oder die marktschreierischen Spr\u00fcche vor irgendeinem Rathaus oder Parlament, sondern das gl\u00e4ubige Beten der Gemeinde Jesu Christi, das Gottes Ohr erreichen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Soli Deo Gloria.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Disclaimer<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:13px\"><strong>Das Titelbild<\/strong> wurde aus Vorlagen, die mit Unterst\u00fctzung von KI erzeugt wurden, vom Autor erstellt. Die zentral abgebildeten Noten stammen aus <em>Der Spielmann<\/em> (1914, 1947), der eine Version mit zwei Strophen ( Nr. 2 und 3) in freier Zudichtung nach <em>Leisentritts Gesangbuch <\/em>(1567) enth\u00e4lt. Hier wurde es bildlich mit der 2. Strophe von Johann Walter (1496\u20131570) verbunden, wie es in manchen Lutherischen Gesangsb\u00fcchern noch enthalten ist. \u2013 Der Rest ist anhand des Artikels selbsterkl\u00e4rend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anhang 1: \u00dcberblick \u00fcber weitere Vertonungen<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table ;=\"\" font-size=\"13\"><thead><tr><td><strong>Komponist<\/strong><\/td><td><strong>Lebensdaten<\/strong><\/td><td><strong>Werk \/ Art der Vertonung<\/strong><strong><\/strong><\/td><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Johann Walter<\/td><td>1496\u20131570<\/td><td>vierstimmige Motette&nbsp;<em>Da pacem Domine<\/em>; 2. Teil deutsch:&nbsp;<em>Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich<\/em><\/td><\/tr><tr><td>Balthasar Resinarius<\/td><td>ca. 1485\u20131544<\/td><td>fr\u00fche mehrstimmige Vertonung des Lutherliedes<\/td><\/tr><tr><td>Michael Praetorius<\/td><td>1571\u20131621<\/td><td><em>Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich<\/em>, u. a.&nbsp;Musae Sioniae&nbsp;VIII, Nr. 120<\/td><\/tr><tr><td>Bartholom\u00e4us Gesius<\/td><td>ca. 1562\u20131613<\/td><td>mehrstimmiger Chorsatz<\/td><\/tr><tr><td>Johannes Eccard<\/td><td>1553\u20131611<\/td><td>f\u00fcnfstimmiger Chorsatz<\/td><\/tr><tr><td>Heinrich Sch\u00fctz<\/td><td>1585\u20131672<\/td><td>\u201e<em>Verleih uns Frieden gen\u00e4diglich<\/em>\u201c, SWV 372<\/td><\/tr><tr><td>Andreas Hammerschmidt<\/td><td>1611\/12\u20131675<\/td><td>eigene Vertonung<\/td><\/tr><tr><td><strong>J. S. Bach<\/strong><\/td><td>1685\u20131750<\/td><td>Chorals\u00e4tze, u. a. BWV 42 und BWV 126<\/td><\/tr><tr><td><strong>Felix Mendelssohn<\/strong><\/td><td>1809\u20131847<\/td><td>MWV A 11, 1831<\/td><\/tr><tr><td>Moritz Hauptmann<\/td><td>1792\u20131868<\/td><td>Chorsatz<\/td><\/tr><tr><td>Charles Gounod<\/td><td>1818\u20131893<\/td><td>Vertonung des Luthertextes<\/td><\/tr><tr><td>Hugo Distler<\/td><td>1908\u20131942<\/td><td>Chorsatz<\/td><\/tr><tr><td>Ernst Pepping<\/td><td>1901\u20131981<\/td><td>Bearbeitung\/Chorsatz<\/td><\/tr><tr><td>Rolf Schweizer<\/td><td>1936\u20132016<\/td><td>neuere Kirchenmusik<\/td><\/tr><tr><td>Matthias Nagel<\/td><td>*1958<\/td><td>moderne, gospelartig gepr\u00e4gte Fassung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:13px\">Die Zusammenstellung eines \u00f6kumenischen Chorbuchs nennt dar\u00fcber hinaus Arthur Eglin, Manfred Glowatzki, Lothar Kirchbaum, Colin Mawby, Volker Ochs, Wolfgang Stockmeier, Michael T\u00f6pel und Klaus Wallrath.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anhang 2: \u00c4hnliche Friedensgebete im Alten Testament<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im AT gibt es eine ganze Reihe von Friedensgebeten. Wenn wir speziell nach Parallelen zu<strong>&nbsp;\u00bb<em>Verleih uns Frieden gn\u00e4diglich \u2026 der f\u00fcr uns k\u00f6nnte streiten, denn du, unser Gott, allein<\/em>e\u00ab&nbsp;<\/strong>fragen, sind einige sogar noch unmittelbarer als die neutestamentlichen Stellen. Der&nbsp;<strong>Liedtext nach Luther<\/strong>&nbsp;steht gedanklich stark in der&nbsp;<strong>alttestamentlichen Tradition<\/strong>, siehe folgende Tabelle.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><td><strong>Stelle<\/strong><strong><\/strong><\/td><td><strong>Situation<\/strong><strong><\/strong><\/td><td><strong>Bezug zum Lutherlied<\/strong><strong><\/strong><\/td><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Psalm 122,6\u20139<\/strong><\/td><td>Gebet f\u00fcr Jerusalem<\/td><td>ausdr\u00fcckliche Bitte um Frieden<\/td><\/tr><tr><td><strong><strong>Psalm<\/strong> 29,11<\/strong><\/td><td>Schluss eines Lobpsalms<\/td><td>Gott schenkt seinem Volk Frieden<\/td><\/tr><tr><td><strong><strong>Psalm<\/strong> 85,9\u201311<\/strong><\/td><td>Bitte um Wiederherstellung<\/td><td>Gott redet Frieden zu seinem Volk<\/td><\/tr><tr><td><strong>Jesaja 26,12<\/strong><\/td><td>Gebet\/Vertrauenslied<\/td><td>Gott schafft Frieden<\/td><\/tr><tr><td><strong>2Chronik 14,10<\/strong><\/td><td>Asa angesichts milit\u00e4rischer \u00dcbermacht<\/td><td>\u00bbBei dir ist kein Unterschied \u2026\u00ab<\/td><\/tr><tr><td><strong>2Chronik 20,5\u201312<\/strong><\/td><td>Josaphat angesichts \u00fcberm\u00e4chtiger Feinde<\/td><td>\u00bbWir wissen nicht, was wir tun sollen\u00ab<\/td><\/tr><tr><td><strong><strong>Psalm<\/strong> 20<\/strong><\/td><td>Gebet angesichts des Krieges<\/td><td>Vertrauen auf Gott statt Waffen<\/td><\/tr><tr><td><strong><strong>Psalm<\/strong> 144,1\u201311<\/strong><\/td><td>Gebet um Rettung<\/td><td>Gott als Helfer im Kampf<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein singbares Friedensgebet \u2013 von Luther \u00fcber Bach und Mendelssohn bis heute Lesedauer: 12 Minuten. Das Friedensgebet in fremdem Land Als die Babylonier im 6. Jahrhundert v. Chr. das S\u00fcdreich Juda \u00fcberw\u00e4ltigten, viele Menschen \u2013vom S\u00e4ugling \u00fcber die Schwangere bis zum Greis\u2013 ermordeten und den Rest der Bev\u00f6lkerung nach Babylon deportierte, ergriff die verschleppten Juden &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=4587\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eVerleih uns Frieden gn\u00e4diglich\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4590,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[4,49],"tags":[],"class_list":["post-4587","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-andacht","category-zitate"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4587","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4587"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4587\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4615,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4587\/revisions\/4615"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4590"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4587"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4587"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4587"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}