{"id":4390,"date":"2026-06-10T16:06:02","date_gmt":"2026-06-10T14:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=4390"},"modified":"2026-06-10T16:06:02","modified_gmt":"2026-06-10T14:06:02","slug":"es-frauscht-im-blaetterwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=4390","title":{"rendered":"Es frauscht im Bl\u00e4tterwald"},"content":{"rendered":"\n<p>Lesedauer: 9 Min.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">In meiner \u00bbKruscht- &amp; Fun-Kiste\u00ab fiel mir neulich ein \u00fcber 30 Jahre alter Artikel in die H\u00e4nde \u00fcber einen sprachlichen Irrsinn, f\u00fcr den manche mit gro\u00dfem Ernst und Wahn auch sterben w\u00fcrden (alternativ reicht auch das Superkleben an ein Redaktionsgeb\u00e4ude). Der Autor war jahrelang Redakteur einer Zeitschrift, ist ein Sprachgenie, vielfacher Autor und \u00dcbersetzer. Er schreibt hier mit bemerkenswerter Bissigkeit und Sarkasmus, aber erzeugt damit bei einigen ein entspanntes Schmunzeln. Wie anders, als mit Humor, sollte man die militanten Sprach:vergewalt:gender:Innen-Szene sonst ertragen k\u00f6nnen? Hier kommt ein echter \u00bbOldie-but-Goodie\u00ab:<\/p>\n\n\n\n<p>Das hatte gerade noch gefehlt! Da ringt man seit Jahren, was sage ich? seit Jahrzehnten, mit sich selbst und hadert mit dem Schicksal, das einem wie ein schadenfreudiger Pauker ausgerechnet Deutsch als lebenslange Hausaufgabe vor die F\u00fcsse geschmissen hat. Als ob diese Sprache, mit der sich so Tiefes und Dunkles, so Lichtvolles und Erhabenes ausdr\u00fccken l\u00e4sst, wie es das ber\u00fchmte deutsche Gem\u00fct ja nur sein kann, ja, als ob diese Sprache nicht schon der T\u00fccken und Fallen genug bes\u00e4sse!<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist passiert? Um es kurz und m\u00f6glichst schmerzlos zu machen, dies: Man (frau?). Nein. es war kein unpers\u00f6nlicher Jemand, sondern ein m\u00fcndiger, denkender \u2013 wiewohl schadenfreudiger \u2013 Mensch, der, oder die oder geschlechtsneutral &#8230; eine Mannfrau, nein: eine Mann\/Frau. Wieso der Mann zuerst? Typisch Mann! Also besser: ein Fraumann \u2013 oder heisst es: eine Fraum\u00e4nnin? Sehen Sie, sogar ich habe mich verfangen! Dabei habe ich inzwischen einiges Brainstorming hinter mir. Ich denke, Sie ahnen das Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Jemand \u2013 das ist unschuldig, oder? Oder doch nicht? Jemand, &#8211;<em>mand!<\/em>&nbsp;Ist&nbsp;<em>mand<\/em>&nbsp;am Ende ein verkappter Mann, ein garstiger, hinterh\u00e4ltiger, arroganter Misogyne, ein Pascha?! Das w\u00e4re ja doch allerhand. Jahrhundertelang redet und tut alle Welt so unschuldig, redet frischfr\u00f6hlich ganz einfach von&nbsp;<em>jemand<\/em>, immer und \u00fcberall heisst es schlicht&nbsp;<em>jemand<\/em>, und das mit allen Schikanen des Dativs und Akkusativs, und man tut die ganze Zeit, als ob nichts w\u00e4re. Es ist nicht mehr als gerecht, hier aufzur\u00e4umen. Also: Jefrau hat&#8230; Halt! Wollen Sie damit behaupten, die&nbsp;<em>Frau<\/em>&nbsp;sei schuld? Wir kennen den Dreh.&nbsp;<em>Cherchez la femme!<\/em>&nbsp;Ja,ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer dieses alte Lied. Also gut, wir m\u00fcssen ein anderes Wort einf\u00fchren, denn Gerechtigkeit muss sein. Sollen wir einfach sagen, ein&nbsp;<em>body<\/em>&nbsp;wie die Engl\u00e4nder? Vielleicht ein wenig geistlos, nur ein body; ich auf alle F\u00e4lle sehe da nur Muskeln und Rundungen vor mir. Wie w\u00e4re es mit&nbsp;<em>jemensch<\/em>? Gef\u00e4llt mir nicht schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe den Faden verloren. Wo waren wir stehengeblieben? Auf alle F\u00e4lle bei einem Ungl\u00fcck, bei einer Heimsuchung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal von Anfang an. Eine Person \u2013 aber warum&nbsp;<em>eine<\/em>&nbsp;Person? Finden Sie&nbsp;<em>das<\/em>&nbsp;gerecht? Wieso ausgerechnet&nbsp;<em>eine<\/em>? Warum nicht&nbsp;<em>ein<\/em>&nbsp;Person? Geht nicht? Also gut, Grammatik ist Grammatik. Aber manchmal ist Deutsch eben doch ein Gl\u00fccksfall: Sagen wir doch&nbsp;<em>ein Pers\u00f6nchen<\/em>. Das ist wunderbar neutral. Mit besagtem Pers\u00f6nchen begann das Unheil:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist entdeckt worden. Jetzt hab ich&#8217;s, ich f\u00fchle mich wie Archimedes in der Badewanne, als er seinen unsterblich gewordenen Urschrei aller F\u00fcndiggewordenen in die Stille der sizilianischen Nacht hinaustrompetete. Es lebe das unpers\u00f6nliche und so herrlich unverf\u00e4ngliche Passiv! Das prophezeie ich Ihnen:&nbsp;<em>Das Passiv ist die Ausdrucksweise der Zukunft<\/em>! Also: Es ist entdeckt worden, dass unsere Sprache sexistisch verseucht ist, jawohl:&nbsp;<em>sexistisch<\/em>&nbsp;<em>verseucht<\/em>. Keine Angst, sexistisch hat nichts mit unbotm\u00e4ssigem Sex zu tun, wir sind hier anst\u00e4ndige Leute; es geht dennoch um etwas Ungeheuerliches:&nbsp;<em>die sprachliche Diskriminierung zwischen den Geschlechtern!<\/em>&nbsp;Wer h\u00e4tte der scheinbar so unschuldigen Sprache so etwas Niedertr\u00e4chtiges zugetraut? Damit auch die begriffsstutzigsten Gem\u00fcter \u2013 ich sehe nach allem, was ich bisher erfahren musste, ein, dass auch ich zu diesen geh\u00f6re \u2013 ein Einsehen h\u00e4tten, begann man gleich eine wahre Sturzflut von Belegen zu liefern. Workshops wirkten, Zeitschriften wurden zu Dutzenden aus der Taufe gehoben, zuhauf&nbsp;fanden&nbsp;sich sexistisch&nbsp;Aufgebrachte&nbsp;zu&nbsp;Zirkeln zusammen,&nbsp;Kommissionen&nbsp;tagten,&nbsp;kurz&nbsp;und gut: Man&nbsp;r\u00fcckte&nbsp;dem&nbsp;sexistischen&nbsp;Ungeheuer, das&nbsp;sich&nbsp;jahrtausendelang wie ein fetter&nbsp;Parasit in unserem&nbsp;sch\u00f6nen&nbsp;Sprachk\u00f6rper&nbsp;eingenistet&nbsp;hatte, zu&nbsp;Leibe. Schliesslich&nbsp;sollte&nbsp;man,&nbsp;pardon!&nbsp;frau&nbsp;oder&nbsp;man\/frau&nbsp;oder&nbsp;frau\/man, nein: hier und&nbsp;in diesem Fall&nbsp;eindeutig man&nbsp;\u2013&nbsp;die&nbsp;sind&nbsp;ja&nbsp;das Problem! \u2013 wissen,&nbsp;wie&nbsp;ernst die Sache&nbsp;ist. Und nun&nbsp;einige&nbsp;Belege:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein&nbsp;erstes&nbsp;Beispiel: Im&nbsp;Zeitalter bemannter&nbsp;Raumfl\u00fcge&nbsp;hinkt&nbsp;die Sprache wie&nbsp;ein&nbsp;alter&nbsp;Patriarch,&nbsp;schlimmer&nbsp;als&nbsp;der neunhundertj\u00e4hrige&nbsp;Methusalem, hinter&nbsp;der Entwicklung&nbsp;her;&nbsp;sie&nbsp;hat&nbsp;noch&nbsp;nicht kapiert, dass&nbsp;auch&nbsp;<em>Frauen<\/em>&nbsp;den&nbsp;Raum&nbsp;erobert&nbsp;haben.&nbsp;Fortan hat&nbsp;es zu&nbsp;heissen:&nbsp;<em>befraute<\/em>&nbsp;Raumfl\u00fcge. Protest von der M\u00e4nnerseite. Wird&nbsp;akzeptiert; also&nbsp;in&nbsp;Zukunft&nbsp;sind solche&nbsp;Fl\u00fcge&nbsp;als&nbsp;<em>bemenscht<\/em>&nbsp;zu bezeichnen. Die&nbsp;NASA&nbsp;nennt&nbsp;sie seit&nbsp;einiger Zeit&nbsp;<em>habitated<\/em>. Na&nbsp;ja,&nbsp;bewohnt, warum&nbsp;nicht, immer noch&nbsp;besser&nbsp;als dieses patriarchalisch fixierte&nbsp;<em>manned<\/em>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Oder&nbsp;dies: Da&nbsp;konnte&nbsp;man in den&nbsp;zahllosen&nbsp;Zeitungen deutschsprachiger Lande&nbsp;jahraus&nbsp;jahrein&nbsp;S\u00e4tze wie&nbsp;den&nbsp;folgenden&nbsp;lesen:&nbsp;\u00abUnter&nbsp;den Konferenzteilnehmern&nbsp;herrschte&nbsp;einhellig&nbsp;die&nbsp;Meinung&nbsp;&#8230;\u00bb&nbsp;Ist Ihnen&nbsp;etwas aufgefallen?&nbsp;Wahrscheinlich&nbsp;nicht,&nbsp;und&nbsp;damit&nbsp;sind&nbsp;Sie der beste&nbsp;Beweis daf\u00fcr, wie n\u00f6tig hier Aufkl\u00e4rung ist: Es&nbsp;<em>herr<\/em>scht immer&nbsp;jemand&nbsp;\u2013 Verzeihung, wir&nbsp;hatten uns ja&nbsp;auf&nbsp;<em>jemensch<\/em>&nbsp;geeinigt \u2013&nbsp;oder&nbsp;etwas,&nbsp;sogar&nbsp;etwas&nbsp;scheinbar so&nbsp;Unschuldiges&nbsp;wie&nbsp;das Wetter&nbsp;oder eine&nbsp;modische Meinung. Dem hat man, nein&nbsp;\u2013&nbsp;wann kapierst du&nbsp;es&nbsp;endlich?&nbsp;\u2013,&nbsp;frau abgeholfen. Seither&nbsp;frauscht&nbsp;es&nbsp;im Bl\u00e4tterwald. Das ist nicht mehr&nbsp;als&nbsp;recht,&nbsp;oder?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus&nbsp;naheliegenden&nbsp;Gr\u00fcnden&nbsp;wird sich&nbsp;die M\u00e4nnerwelt problemlos mit den Klabauter-, Hampel- und Buhfrauen anfreunden, pardon,&nbsp;anfreundinnen,&nbsp;sind&nbsp;wir&nbsp;doch&nbsp;ganz&nbsp;froh,&nbsp;wenn&nbsp;nicht&nbsp;ewig den&nbsp;M\u00e4nnern die&nbsp;schwarze&nbsp;Petra&nbsp;(diesmal&nbsp;bin ich nicht hereingefallen!) zugeschoben&nbsp;wird.&nbsp;Denn das muss&nbsp;um&nbsp;der&nbsp;Gerechtigkeit willen auch&nbsp;einmal gesagt sein:&nbsp;In&nbsp;der Schweiz&nbsp;drohen \u2013&nbsp;gewiss,&nbsp;p\u00e4dagogisch unterbelichtete, mit&nbsp;denen wir alle&nbsp;Geduld&nbsp;haben&nbsp;wollen \u2013&nbsp;Eltern&nbsp;seit&nbsp;Jahrhunderten ihren Spr\u00f6sslingen,&nbsp;der&nbsp;<em>B\u00f6\u00f6limaa<\/em>&nbsp;sperre sie&nbsp;in den Keller,&nbsp;wenn sie nicht sofort Ruhe geben und einschlafen. Ich habe nie geh\u00f6rt. dass mit dem&nbsp;<em>B\u00f6\u00f6liwiib<\/em>&nbsp;gedroht worden w\u00e4re.&nbsp;Aber&nbsp;da d\u00fcrfen&nbsp;wir&nbsp;jetzt&nbsp;auf&nbsp;\u00c4nderung&nbsp;dieses untragbaren&nbsp;Zustandes&nbsp;hoffen. Auch ans&nbsp;Strichfr\u00e4ulein werden&nbsp;wir&nbsp;uns&nbsp;gew\u00f6hnen,&nbsp;aber den&nbsp;Mann im Mond,&nbsp;den lassen wir&nbsp;uns nicht&nbsp;kampflos nehmen, und&nbsp;wenn&#8217;s&nbsp;den&nbsp;Herrinnen&nbsp;der Sch\u00f6pfung&nbsp;nicht&nbsp;passt,&nbsp;dann&nbsp;haben&nbsp;sie&nbsp;ja immer&nbsp;noch&nbsp;das&nbsp;geschlechtsneutrale&nbsp;Mondkalb.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Verzeihen&nbsp;Sie,&nbsp;ich&nbsp;bin&nbsp;ein wenig abgeschweift.&nbsp;Es&nbsp;ging&nbsp;ja um Belege f\u00fcr&nbsp;die&nbsp;patriarchalisch beherrschte \u2013&nbsp;sic!&nbsp;denn&nbsp;hier&nbsp;geht&nbsp;aus offensichtlichen Gr\u00fcnden&nbsp;\u00abbefrauscht\u00bb&nbsp;nicht \u2013&nbsp;Sprache.&nbsp;Die&nbsp;sind&nbsp;nun&nbsp;einmal&nbsp;nicht&nbsp;von der&nbsp;Hand&nbsp;zu weisen,&nbsp;aber&nbsp;ich&nbsp;habe&nbsp;trotzdem&nbsp;noch&nbsp;Bauchweh. Sch\u00fcchtern&nbsp;und&nbsp;vorsichtig&nbsp;\u2013&nbsp;man&nbsp;(immer&nbsp;noch nicht&nbsp;kapiert?&nbsp;man\/frau!)&nbsp;kann heutzutage&nbsp;nicht&nbsp;vorsichtig&nbsp;genug sein \u2013&nbsp;frage&nbsp;ich&nbsp;immer noch,&nbsp;ob denn die Sprache nicht&nbsp;auch so kompliziert&nbsp;genug sei. Auf diesem&nbsp;Schlachtfeld&nbsp;voller&nbsp;sexistischer&nbsp;Tretminen&nbsp;muss man ja h\u00f6llisch aufpassen.&nbsp;Dieser&nbsp;sprachliche&nbsp;Sexismus ist zwar&nbsp;ersch\u00fctternd,&nbsp;das will ich nicht abstreiten,&nbsp;aber&nbsp;sehen&nbsp;Sie,&nbsp;ich bin&nbsp;kein&nbsp;J\u00fcngling&nbsp;mehr,&nbsp;und&nbsp;einem&nbsp;alten&nbsp;Hund&nbsp;bringt&nbsp;man nicht mehr&nbsp;so&nbsp;leicht&nbsp;das&nbsp;Sitzen bei. Da kann es einem&nbsp;sonst vor&nbsp;lauter&nbsp;Aufpassen&nbsp;ergehen&nbsp;wie einem&nbsp;leibhaftigen&nbsp;bundesdeutschen Minister. Er wandte&nbsp;sich&nbsp;mit&nbsp;diesen Worten&nbsp;an&nbsp;eine&nbsp;vor&nbsp;ihm&nbsp;versammelte Kinderschar:&nbsp;\u00abLiebe&nbsp;Kindinnen, liebe Kinder\u00bb. Der&nbsp;arme Mann, er&nbsp;h\u00e4tte&nbsp;sich&nbsp;die&nbsp;Zunge abbeissen&nbsp;m\u00f6gen,&nbsp;als er&nbsp;seinen&nbsp;Ausrutscher&nbsp;bemerkte.&nbsp;Am&nbsp;andern Tag&nbsp;zitierte ihn&nbsp;nicht&nbsp;nur&nbsp;die Lokalpresse,&nbsp;sondern&nbsp;zu&nbsp;seinem Entsetzen musste er&nbsp;seinen&nbsp;Versprecher&nbsp;auch&nbsp;noch&nbsp;in&nbsp;der&nbsp;<em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em>&nbsp;lesen.&nbsp;Also,&nbsp;seien&nbsp;wir doch nicht&nbsp;so&nbsp;stur,&nbsp;lassen&nbsp;wir&nbsp;die&nbsp;Sprache&nbsp;Sprache&nbsp;sein.&nbsp;Ho, da machen&nbsp;wir&nbsp;die Rechnung&nbsp;aber&nbsp;ohne den&nbsp;Wirt,&nbsp;pardon,&nbsp;ohne&nbsp;die&nbsp;Wirtin! Sie&nbsp;stemmt&nbsp;die&nbsp;F\u00e4uste&nbsp;in&nbsp;die&nbsp;H\u00fcften und&nbsp;verschiesst&nbsp;mit&nbsp;ihren&nbsp;Augen&nbsp;so&nbsp;w\u00fctende&nbsp;Blitze, dass&nbsp;ich&nbsp;schnell&nbsp;den Kopf&nbsp;einziehe: Auch&nbsp;diese letzte Bastion der Ungleichheit muss&nbsp;fallen!&nbsp;Und&nbsp;sie&nbsp;wird&nbsp;fallen!&nbsp;Wenn frau&nbsp;will, steht&nbsp;sogar&nbsp;die Sonne&nbsp;still!&nbsp;Ich&nbsp;wage es ganz&nbsp;vorsichtig&nbsp;und&nbsp;strecke&nbsp;noch&nbsp;einmal einen&nbsp;Finger in die Luft;&nbsp;denn ich&nbsp;habe ein Problem. Hoffentlich merkt&nbsp;es&nbsp;die Wirtin nicht,&nbsp;aber&nbsp;ich&nbsp;wende&nbsp;mich jetzt&nbsp;an&nbsp;Sie,&nbsp;liebe&nbsp;Leserinnen.&nbsp;Zuerst&nbsp;dachte ich&nbsp;auch,&nbsp;das&nbsp;sei&nbsp;ein ungeheurer&nbsp;Fortschritt,&nbsp;eine&nbsp;historische&nbsp;Befreiungstat, als man&nbsp;von&nbsp;Kolleglnnen,&nbsp;FahrerInnen.&nbsp;Partnerlnnen&nbsp;usw.&nbsp;zu&nbsp;schreiben anfing.&nbsp;Endlich Gerechtigkeit!&nbsp;Aber&nbsp;wissen&nbsp;Sie, liebeR&nbsp;LeserIn,&nbsp;wie&nbsp;man all&nbsp;diese -Innen&nbsp;liest, ich&nbsp;meine nicht leise und nur&nbsp;mit den Augen,&nbsp;sondern&nbsp;<em>laut<\/em>? Wie&nbsp;lauten die Dinger,&nbsp;diese&nbsp;verflixten Hermaphroditen.&nbsp;diese&nbsp;doppelgeschlechtigen Ungeheuer, die&nbsp;\u2013 seien wir&nbsp;ehrlich&nbsp;\u2013&nbsp;noch&nbsp;kein Mensch gesehen&nbsp;hat? Wie&nbsp;heissen&nbsp;sie. wenn&nbsp;man&nbsp;von&nbsp;ihnen&nbsp;<em>spricht<\/em>?&nbsp;Muss man&nbsp;bei GenossInnen bei&nbsp;Genoss-&nbsp;die Stimme&nbsp;heben und&nbsp;dann bei&nbsp;-Innen&nbsp;senken. zwischen&nbsp;beiden absetzen oder&nbsp;nicht absetzen,&nbsp;zuerst senken,&nbsp;dann heben.&nbsp;oder&nbsp;am&nbsp;Ende&nbsp;keines&nbsp;von&nbsp;beiden? Ich&nbsp;bin&nbsp;ratlos. Wer hilft&nbsp;mir?&nbsp;\u25a0<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quelle und Disclaimer<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\"><strong>Textquelle: <\/strong>Benedikt Peters \u2013 factum November\/Dezember 1992 (S. 28\u201330)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\"><strong>Disclaimer. <\/strong>Dieser Beitrag wird mit seiner Wiedergabe hier weder vereinnahmt noch zu eigen gemacht. Lustig ist er trotzdem! Und lehrhaft. Sogar ernst! <\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Schon vor Hunderten von Jahren hatten kluge F\u00fcrsten Hofnarren. Der englische K\u00f6nig <strong>Henry VIII <\/strong>hatte seinen Will Sommers. Der franz\u00f6sische K\u00f6nig <strong>Francis I of France<\/strong> hatte seinen Triboulet. Man g\u00f6nnte sich also seinen \u00bbJester\u00ab. Keineswegs nur zur Unterhaltung. Der Hofnarr erf\u00fcllte oft eine wichtige politische und soziale Funktion. Denn er durfte die Wahrheit sagen. Er durfte Dinge aussprechen, die sonst niemand zu sagen wagte. Ein F\u00fcrst lebte oft in einer Welt von Schmeichlern, H\u00f6flingen und abh\u00e4ngigen Beamten. Wer offen Kritik \u00fcbte, riskierte Karriere, Freiheit oder sogar sein Leben. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Der Hofnarr hingegen genoss Narrenfreiheit. Unter dem Deckmantel des Witzes konnte er zum Beispiel sagen: \u00bbMajest\u00e4t, Ihr seid heute wieder so weise wie gestern \u2013 und gestern habt Ihr Euch geirrt.\u00ab \u2013 Als Triboulet eines Tages seinen K\u00f6nig grob beleidigte, wurde er vom K\u00f6nig zum Tode verurteilt. Als letzte Gnade durfte Triboulet die Art seines Todes w\u00e4hlen. Da sagte Triboulet: \u00bbSire, ich m\u00f6chte an Altersschw\u00e4che sterben.\u00ab Der K\u00f6nig musste lachen und begnadigte ihn.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Mit der Abschaffung der Hofnarren im 17.\u201318. Jahrhundert kam es zum Aufstieg moderner B\u00fcrokratien. Aber es galt weiter: Der kluge Herrscher\/Minister\/F\u00fchrer suchte sich Menschen, die ihm widersprachen. Der dumme Herrscher umgab sich mit Menschen, die ihm zustimmten. \u2013 Das kann man bis heute in Politik, Wirtschaft und Kirche\/Gemeinde beobachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesedauer: 9 Min. In meiner \u00bbKruscht- &amp; Fun-Kiste\u00ab fiel mir neulich ein \u00fcber 30 Jahre alter Artikel in die H\u00e4nde \u00fcber einen sprachlichen Irrsinn, f\u00fcr den manche mit gro\u00dfem Ernst und Wahn auch sterben w\u00fcrden (alternativ reicht auch das Superkleben an ein Redaktionsgeb\u00e4ude). Der Autor war jahrelang Redakteur einer Zeitschrift, ist ein Sprachgenie, vielfacher Autor &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=4390\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEs frauscht im Bl\u00e4tterwald\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4394,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[8,18],"tags":[],"class_list":["post-4390","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fun","category-gute-muse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4390"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4390\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4395,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4390\/revisions\/4395"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}