{"id":4303,"date":"2026-05-14T16:25:31","date_gmt":"2026-05-14T14:25:31","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=4303"},"modified":"2026-05-14T21:32:27","modified_gmt":"2026-05-14T19:32:27","slug":"die-autoritaet-eines-aeltesten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=4303","title":{"rendered":"Die Autorit\u00e4t eines \u00c4ltesten"},"content":{"rendered":"\n<p>Lesedauer: 13 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die christliche Gemeinde&nbsp;<em>Grace Community Church<\/em>&nbsp;in Sun Valley, CA (USA) versammelt sich regelm\u00e4\u00dfig zu Fragestunden (Q&amp;A) f\u00fcr ihre Gemeindeglieder. Die Fragen werden ungeskriptet direkt an Saal-Mikrophonen gestellt. Der Hirten-Lehrer der Gemeinde, einer von ca. 36 \u00c4ltesten, steht am Pult und beantwortet sie spontan.&nbsp;Dabei werden oft interessante Fragen gestellt, die auch f\u00fcr Christen anderer Gemeinden interessant sind. Eine der Fragen war:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:20px\"><strong><em><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Wie viel Autorit\u00e4t hat ein \u00c4ltester (Aufseher, Gemeindehirte, Pastor) <\/mark><\/em><\/strong><br><strong><em><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">im Leben seiner Gemeindeglieder?&nbsp;<\/mark><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>John F. MacArthur (1939\u20132025) beantwortete diese Frage wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbKeine. Gar keine Autorit\u00e4t. Ich habe pers\u00f6nlich keine Autorit\u00e4t in dieser Gemeinde. Meine Erfahrung verleiht mir keine Autorit\u00e4t. Mein Wissen verleiht mir keine Autorit\u00e4t. Meine Ausbildung verleiht mir keine Autorit\u00e4t. Ich habe keine Autorit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Position verleiht mir keine Autorit\u00e4t. Mein Titel verleiht mir keine Autorit\u00e4t \u2013deshalb mag ich Titel nicht.&nbsp;<strong>Nur das Wort Gottes hat Autorit\u00e4t.&nbsp;<\/strong>Christus ist das Haupt der Gemeinde, und Er \u00fcbt seine Herrschaft in der Gemeinde durch sein Wort aus. Ich habe keine Autorit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe keine Autorit\u00e4t \u00fcber die Schrift hinaus. Ich darf niemals \u00fcber das hinausgehen, was geschrieben steht (1.Korinther 4,6). Das zu tun w\u00fcrde, wie Paulus sagt, bedeuten, hochm\u00fctig (w\u00f6rtl.: arrogant) zu sein und sich selbst f\u00fcr \u00fcberlegen zu halten. Ich habe Ihnen (der Fragerin) nichts zu sagen, was irgendeinen Anspruch an Sie stellt, wenn es nicht aus dem Wort Gottes kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich sprechen Sie aus irgendeiner Erfahrung heraus, in der Sie empfanden, dass ein Gemeindehirte (\u00c4ltester) Ihnen \u2013&nbsp;oder jemandem, den Sie kennen&nbsp;\u2013 gegen\u00fcber ungeb\u00fchrliche Autorit\u00e4t ausge\u00fcbt hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen uns als Gemeindehirte daran erinnern, dass wir \u2013 obwohl der Herr uns erhoben und uns diese Art von Verantwortung gegeben hat \u2013 keine pers\u00f6nliche Autorit\u00e4t besitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich Ihnen sage,&nbsp;<strong>was Gott in seinem Wort gesagt hat<\/strong>, dann besitzt dies Autorit\u00e4t, nicht wahr?! Aber ich darf nicht \u00fcber das hinausgehen, was geschrieben steht. Ich kann Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie Ihr Leben zu f\u00fchren haben. Ich kann Ihnen mit Weisheit dienen, wenn Sie darum bitten; aber vielleicht habe ich nicht mehr Weisheit als sonst jemand.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei vielen Fragen w\u00fcrden Sie von meiner geliebten Patricia (seine Ehefrau) mehr Weisheit erhalten als von mir. Sie steht zwar nicht auf der Kanzel, aber sie besitzt geistliche Einsicht und geistliche Weisheit; und wenn Sie Rat oder Weisheit suchen, dann w\u00fcrde ihre Weisheit in vielen F\u00e4llen meine \u00fcbertreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pastor besitzt also in sich selbst keine Autorit\u00e4t. H\u00f6ren Sie, was Paulus sagt:&nbsp;&nbsp;Wer ist denn Paulus? Wer ist Apollos? Wer ist Kephas? Wir sind nichts. (vgl. 1Korinther 1,12\u201313; 3,4\u20137).&nbsp;<strong>Alles ist von Christus, alles ist vom Heiligen Geist, alles ist von der Schrift.&nbsp;<\/strong>Okay?\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ein paar Nachbetrachtungen<\/h1>\n\n\n\n<p>Diese wohltuend klare Stellungnahme eines \u00e4u\u00dferst bekannten und von Gott reich gesegneten \u00bbF\u00fchrers\u00ab in der Gemeinde Gottes regt zum Nachdenken an. In der Frage nach Autorit\u00e4t und F\u00fchrung in einer christlichen Gemeinde sollte Klarheit herrschen, um biblisch richtig denken, reden und als Gemeinde leben zu k\u00f6nnen. Eine Reihe solcher \u00dcberlegungen aus speziell <em>deutscher<\/em> Sicht folgt und k\u00f6nnte \u2013in aller noch bestehenden Unreife und Unvollst\u00e4ndigkeit \u2013 als Input f\u00fcr <em>br\u00fcderlichen<\/em> Austausch dienen. (Nur so als <em>Vorschlag<\/em>&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1 F\u00fchrer-Sehnsucht<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Deutschen scheinen sich trotz \u00fcbelster Erfahrungen in ihrer Geschichte immer noch gern und unheilbar nach einem \u00bbF\u00fchrer\u00ab zu sehnen, dessen Befehlen sie gehorsamst folgen wollen. Auch Mitglieder von christlichen Kirchen und Gemeinden waren in jenen unseligen Zeiten der Vergangenheit nicht ausgenommen. Leider griffen sie in dieser Sehnsucht voll daneben. Vielfach ist dokumentiert, dass das \u00bbF\u00fchrerprinzip\u00ab auch innerhalb der Kirche und den christlichen Gemeinschaften angenommen wurde. Wir lesen sogar von uns heute sehr peinlichen Huldigungsadressen an den damaligen \u00bbF\u00fchrer\u00ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gab es in Politik und Kirche auch einige Ausnahmepersonen, die entweder zu M\u00e4rtyrern wurden oder flohen oder in den Untergrund gingen. Das \u00bbgute Bekenntnis\u00ab \u00fcber Jesu Christi abzulegen (n\u00e4mlich, dass Er der K\u00f6nig der K\u00f6nige und Herr der Herren ist; 1Timotheus&nbsp;6,12\u201316; Matth\u00e4us&nbsp;27,11; Johannes&nbsp;18:37) und nicht \u00fcber irgendeinen anderen \u00bbF\u00fchrer\u00ab, kann in solchen Tagen den Bekenner einiges kosten. \u2013 Wie sieht es heute aus, in der Gemeinde Jesu Christi?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2 Der Oberste F\u00fchrer<\/h2>\n\n\n\n<p>Schon immer galt und gilt, dass die&nbsp;<strong>Oberste Autorit\u00e4t in der Gemeinde Jesu Christi<\/strong>&nbsp;der Sohn Gottes selbst ist. Er \u00fcbt seine Autorit\u00e4t aus durch sein Wort (die&nbsp;<strong>Heilige Schrift<\/strong>), wenn es mittels der Bef\u00e4higung durch den Heiligen Geist richtig ausgelegt und angewendet wird. Da hapert es leider oft an Bibelkenntnis, Ausbildung und Bef\u00e4higung (Charisma). Schon Jesaja klagte: \u00bbDarum wird mein Volk&nbsp;<em>weggef\u00fchrt<\/em>&nbsp;aus Mangel an Erkenntnis\u00ab (Jesaja&nbsp;5,13). Und Hosea f\u00fcgte hinzu: \u00bbMein Volk wird&nbsp;<em>vertilgt<\/em>&nbsp;aus Mangel an Erkenntnis\u00ab (Hosea&nbsp;4,6).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist aber, wenn die verborgene Ursache tiefer als die Erkenntnisfrage liegt, wenn S\u00fcnde geduldet wird, die himmlische Berufung nur noch Lippenbekenntnis ist, wenn das irdische \u00bbHeil\u00ab, die Leidensscheue oder gar die Herrschsucht unter dem Zuckerguss frommer Worte dominieren? Wie sollen wir dann Gottes Willen wissen, gar anstreben? Wie unterscheiden wir, ob der Oberste F\u00fchrer der Gemeinde seine \u00f6rtliche Gemeinde(n) leitet, oder ob wir von innovativen Vorschl\u00e4gen, Gewohnheiten gut gemeinter Traditionen oder b\u00f6sartigem Macht- und Kontrollverlangen (u. dgl. mehr) gef\u00fchrt werden?&nbsp;<strong>Wie unterscheiden wir von Gott eingerichtete F\u00fchrung von einer menschlich zu Unrecht eingesetzten? Wann sollen wir \u00bbim Herrn\u00ab gehorchen, wann nicht? Hat der Oberste Herr dazu etwas gesagt?&nbsp;<\/strong>Wissen wir das? Wenden wir es an?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3 F\u00fchrergehorsam<\/h2>\n\n\n\n<p>Die den Hebr\u00e4ern gegebene Anweisung, ihren \u00bbF\u00fchrern\u00ab gehorsam zu sein und sich ihnen zu f\u00fcgen (Hebr\u00e4er 13,17), wurde immer wieder missbraucht mit einer Deutung, als sei der \u00bbF\u00fchrer\u00ab Gottes Stimme und jeder Widerspruch (Ungehorsam) eine Rebellion gegen Gott. Das ist nicht nur in charismatisch verirrten Gemeinden zu sehen, sondern auch besonders in traditionell akzentuierten Gemeinden. Machtmenschen gibt es allerdings \u00fcberall.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist es \u00fcberaus tragisch, dass das \u00bbF\u00fchrergehorsam\u00ab-Gebot aus Hebr\u00e4er\u00a013,17 immer wieder zitiert wird, ohne die beigef\u00fcgten qualifizierenden Angaben zum\u00a0<strong>Dienst<\/strong>\u00a0und zum\u00a0<strong>Dienstherrn<\/strong>\u00a0der gemeinten \u00bbF\u00fchrer\u00ab zu nennen: (1.)\u00a0sie\u00a0<strong>wachen<\/strong>\u00a0\u00fcber die Seelen und (2.)\u00a0sie stehen unter der Autorit\u00e4t und\u00a0<strong>Verantwortung<\/strong>\u00a0des Oberhirten, sie sind nur \u00f6rtlich wirksame Unterhirten. Vers 7 desselben Kapitels hatte vorher bereits klargemacht, dass die F\u00fchrung dieser F\u00fchrer durch\u00a0<strong>Vorbild sein im Glaubensleben<\/strong> geschieht, Kapitel\u00a011 hatte dies zigfach historisch belegt. Im Umkehrschluss wird klar:\u00a0<strong>Wer sich nicht wie ein Hirte aus Liebe best\u00e4ndig um die Seelen der anvertrauten Schafe<\/strong>\u00a0(den Gemeindegliedern der \u00f6rtlichen Gemeinde; vgl. 1.Petrus 5,2\u20133)\u00a0<strong>k\u00fcmmert, ist kein vom Herrn autorisierter F\u00fchrer<\/strong>, m\u00f6gen auch Menschen (\u00c4lteste, Gemeindeglieder) diesen Mann einst als \u00c4ltesten benannt oder eingesetzt haben.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4 Erkennungsproblem: Wer ist \u00bbF\u00fchrer\u00ab?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen aus leidvoller Vergangenheit bezeugen, dass es auch ein falsches Erkennen, ein falsches Anerkennen und ein folgendes falsches Benennen von \u00bbF\u00fchrern\u00ab gibt. Das flehentliche Gebet einer Gemeinde muss sein, sich in dieser Sache nicht t\u00e4uschen zu lassen, sondern Gottes Willen und Handeln sicher und klar zu erkennen. Dies f\u00fchrt direkt zur Motivation, zuerst den verschrifteten Willen Gottes (in der\u00a0<strong>Heiligen Schrift<\/strong>) intensiv zu studieren, damit der Willen Gottes <em>im Grunds\u00e4tzlichen <\/em>erkannt werden kann. Unter <strong>einm\u00fctigem<\/strong>\u00a0<strong>Gebet<\/strong>\u00a0wird Gott auch den <em>konkreten<\/em> Willen bzgl. konkreter Personen offenbaren. Interessanterweise waren diese beiden Aufgaben die Hauptsachen des Dienstes der Apostel und \u00c4ltesten der Ur-Gemeinde (vgl. Apostelgeschichte\u00a06,4). Man kann auch heute vom Herrn eingesetzte \u00c4lteste an diesen Priorit\u00e4ten erkennen und ihnen als \u00bbF\u00fchrern\u00ab folgen. Aber wie weit?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5 Geltungsbereich: Wann ist zu \u00bbgehorchen\u00ab?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen das biblische Gehorsamsgebot gegen\u00fcber religi\u00f6sen F\u00fchrern in der \u00f6rtlichen Gemeinde stets zusammen mit der Angabe des\u00a0<strong>biblisch angegebenen Geltungsbereichs<\/strong>\u00a0zitieren. Im juristischen Denken schafft diese Angabe Klarheit dar\u00fcber, welches der Bereich ist, innerhalb dessen eine Norm rechtliche G\u00fcltigkeit beansprucht und zur Anwendung kommen darf. Das kann tatbestandlich, sachlich, pers\u00f6nlich und auch r\u00e4umlich formuliert sein. Wer diese Angabe beim Gehorsamsgebot gg. \u00bbF\u00fchrern\u00ab ignoriert oder verschweigt, verabsolutiert das Gebot und schafft damit eine Konkurrenzautorit\u00e4t gegen\u00fcber dem Obersten Herrn, biblisch gesprochen also einen G\u00f6tzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon fr\u00fch in der Geschichte der christlichen Kirche (Apostelgeschichte) wurde daher f\u00fcr alle Zeiten klar angegeben, dass das Gehorsamsgebot gegen\u00fcber f\u00fchrenden Menschen nie absolut, sondern immer nur begrenzt ist. Nur der Oberste Herr hat oberste Autorit\u00e4t, kann rechtm\u00e4\u00dfig absoluten Gehorsam fordern. Das zu bekennen ist ein konstituierendes Kennzeichen eines jeden wahren Christen (R\u00f6mer\u00a010,9).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6 Die \u00bbClausula Petri\u00ab<\/h2>\n\n\n\n<p>Als die Apostel von den religi\u00f6sen Autorit\u00e4ten und F\u00fchrern ihres Ortes (Jerusalem) h\u00f6rten: \u00bbWir haben euch streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren\u00ab (Apg\u00a05,28), sagten Petrus und die Apostel: \u00bb<strong>Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.<\/strong>\u00ab (Apg\u00a05,29). Dieses Prinzip bricht die Autorit\u00e4t aller \u00f6rtlichen und \u00fcber\u00f6rtlichen Gemeinde-\u00bbF\u00fchrer\u00ab, um der Autorit\u00e4t Christi bedingungslos Raum zu schaffen. Die Kirche hat seitdem diese sog. \u00bbClausula Petri\u00ab (Petrus-Klausel) als\u00a0<strong>Grenzbestimmung menschlicher Autorit\u00e4t<\/strong>\u00a0festgehalten. Sie sagt: Staatliche, religi\u00f6se,\u00a0<strong>kirchliche<\/strong>, famili\u00e4re oder sonstige menschliche Autorit\u00e4t ist nicht absolut, sondern steht unter Gottes h\u00f6herem Willen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Christ ist grunds\u00e4tzlich zum Gehorsam verpflichtet gegen\u00fcber Obrigkeit (R\u00f6mer\u00a013,1ff), \u00bbF\u00fchrern\u00ab in der Gemeinde (Hebr 13,17), Eltern usw., weil (und nur insofern) dies von Gott verordnete Ordnungs- und Segenseinrichtungen sind (z.B. R\u00f6mer\u00a013,3\u20134). Wenn aber menschliche Autorit\u00e4t etwas fordert, das Gott verbietet, oder etwas verbietet, das Gott gebietet, beendet dies die von Gott verliehene Legitimit\u00e4t dieser Autorit\u00e4t. Wer deutsche Karten kennt, wei\u00df: Ober sticht Unter.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6 Biblische Vorbilder<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bibel liefert viele lehrhafte Beispiele aus unterschiedlichsten Zeiten und Hintergr\u00fcnden: (1.)\u00a0Die\u00a0<strong>Hebammen<\/strong>\u00a0in Exodus 1, die sich weigerten, den Befehl des Pharao, alle m\u00e4nnlichen Babys zu ermorden, auzuf\u00fchren. Gott lobt sie daf\u00fcr. (2.)\u00a0<strong>Daniel und seine Freunde<\/strong>\u00a0verweigern die Anbetung des Standbildes (Daniel 3) und Daniel betet trotz k\u00f6niglichem Verbot weiter zu Gott, koste es, was es wolle (Daniel 6). (3.)\u00a0<strong>Die Apostel<\/strong>\u00a0predigen trotz des Verbots der Obersten des Volkes weiter (s.o.). (4.)\u00a0Der\u00a0<strong>Apostel Paulus<\/strong> arbeitete st\u00e4ndig weiter als Missionar und Verk\u00fcndiger des Evangeliums von Jesus Christus, auch wenn dies ihm viel Verfolgung (2.Korinther\u00a011,23ff) und letztlich seinen Kopf kostete (2.Timotheus\u00a04,6f). Zuk\u00fcnftig: (5.)\u00a0Die\u00a0<strong>M\u00e4rtyrer<\/strong>, die sich weigern werden, das \u00bbBild des Tieres\u00ab, des angeblich \u00bbobersten F\u00fchrers\u00ab, anzubeten (Offenbarung\u00a013,15ff), was uns an Daniel und seine Freunde (Nr. 2 oben) erinnert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7 Die \u00bbClausula Petri\u00ab und ihre Anwendung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Clausula Petri ist&nbsp;<strong>kein Freibrief f\u00fcr Anarchismus<\/strong>, Autorit\u00e4tsbruch oder \u00fcbersteigerten Individualismus (Autonomie). Es geht nicht um das Durchsetzen pers\u00f6nlicher Vorlieben, sondern um den Schutz eines Gewissens, das sich vor Gott gebunden sieht. Nat\u00fcrlich ist anzustreben, dass dieses ge\u00fcbte Gewissen von Gottes Wort richtig belehrt und geformt wurde, aber dies ist keine einzufordernde Bedingung zur Validierung einer Gewissensnot.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anwendung der Clausula Petri mag zu\u00a0<strong>Leiden von Seiten der beleidigten Autorit\u00e4t<\/strong>\u00a0f\u00fchren. Der Christ begleitet seinen Gewissensgehorsam mit Demut vor Gott, er entz\u00fcndet nicht einen psychologischen oder gar physischen Machtkampf oder plant eine Racheaktion. Im Wissen um den Obersten F\u00fchrer reagiert er vielmehr wie sein Meister (Johannes\u00a018,11.36f): Er befiehlt sich im Leiden Gott an, \u00bbder gerecht richtet\u00ab (1.Petrus\u00a02,23). Der Apostel Petrus wies die Nachfolger Christi an: \u00bbDaher sollen auch die, die nach dem Willen Gottes leiden, einem treuen Sch\u00f6pfer ihre Seelen anbefehlen <strong>im Gutestun<\/strong>.\u00ab (1.Petrus 4,19). <\/p>\n\n\n\n<p>Solch ein Christ kann seinen Peinigern sogar <strong>Gutes tun und w\u00fcnschen<\/strong>. Daniel verweigerte das Gebetsverbot, aber er diente weiterhin dem Staat (Babylon!), als er das nach seinem Leiden wieder konnte. Die fr\u00fchen Christen verweigerten dem Kaiser (C\u00e4sar) die g\u00f6ttliche Verehrung und opferten ihm nicht, was oft ihre staatlich verordnete Ermordung als M\u00e4rtyrer ausl\u00f6ste, aber sie griffen nicht zu den Waffen. Wir wissen: Gott wird sie r\u00e4chen. Es mag Raum zur Selbstverteidigung geben, wenn massenweise Gl\u00e4ubige umgebracht werden; die Hugenotten (franz\u00f6s. Protestanten) sahen es jedenfalls als ihre Pflicht und ihr Recht an, sich gegen eine tyrannische und gottlose Obrigkeit zu wehren. Katholische Truppen unter dem Herzog von Guise t\u00f6teten damals massenhaft protestantische Gottesdienstbesucher (Massaker von Vassy, 1562), zehn Jahre sp\u00e4ter wurden in Frankreich zigtausende von Hugenotten umgebracht (Bartholom\u00e4usnacht, 1572). Im Grundsatz gilt aber:\u00a0<strong>Wir \u00fcben nicht selbst Rache, sondern geben Gottes Rache Raum<\/strong> (R\u00f6mer\u00a012,19).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">8 Eine frappierende Selbstvergessenheit<\/h2>\n\n\n\n<p>Peinlich und geradezu ironisch wird es, wenn Christen, die selbst im Ungehorsam gegen\u00fcber den religi\u00f6sen \u00bbF\u00fchrern\u00ab ihrer christlichen Kirche oder Glaubensgemeinschaft neue Gemeinschaften\/Gemeinden gegr\u00fcndet haben, dann sp\u00e4ter von ihren Mitgliedern wiederum entschiedenen Gehorsam gegen\u00fcber den in ihren neuen Gemeinschaften wirkenden \u00bbF\u00fchrern\u00ab (meist: \u00c4ltesten, Pastoren=Gemeindehirten) einfordern. Dabei zitieren sie gerne die oben angef\u00fchrten, einschl\u00e4gigen Bibelstellen. In alter \u00dcbung wird nur ein Teilsatz zitiert und die qualifizierenden Aussagen im Gesamtsatz weggelassen. Man gibt sich auch keine M\u00fche zu kl\u00e4ren, wer denn in diesem Hebr\u00e4er-Brief mit \u00bbF\u00fchrer\u00ab gemeint gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Gehorsamsforderung funktioniert ja nur, wenn der Gehorsamsheischende (d.i.: Gehorsam Einfordernde, auf Unterwerfung Bestehende) auf absolute Geschichtsvergessenheit bei den Geg\u00e4ngelten vertraut, also darauf hofft, dass keiner&nbsp;<strong>die selbstverurteilende Qualit\u00e4t der erneuten absoluten Gehorsamsforderung<\/strong>&nbsp;erkennt. Besser w\u00e4re es, wenn der Gehorsamsheischende erkennen w\u00fcrde, dass schon damals bei dem historischen (und oft der Gruppe neue Identit\u00e4t verleihenden) Ungehorsam die \u00bbClausula Petri\u00ab galt \u2013&nbsp;&nbsp;und daher nun auch allen folgenden, aktuellen Gehorsamsaufrufen explizit beif\u00fcgt werden m\u00fcsste. Mit vollst\u00e4ndiger Nennung des Schriftwortes und der Befolgung nach biblischer Vorgabe und Beispiel w\u00fcrde die Autorit\u00e4t Christi in der Gemeinde und im Glaubensleben eines jedes Gemeindegliedes realisiert und dem diotrephischen Machtgehabe manches \u00bbF\u00fchrers\u00ab das Zaumzeug angelegt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom Geist Gottes durch Gottes Wort geleitet<\/strong>&nbsp;zu werden f\u00fchrt zu echter Einm\u00fctigkeit im Reden und Handeln. Das ist das Gegenteil von Kadavergehorsam. Der wurde von den Jesuiten erfunden, die von den Ordensangeh\u00f6rigen forderten (und fordern), dass sie \u00bbwie ein Leichnam, ein Stock oder ein Werkzeug in der Hand des Oberen\u00ab zu gehorchen hatten (<em>perinde ac&nbsp;<\/em>cadaver = gleichsam wie ein Leichnam; Ignatius von Loyola). Bewahre uns Gott vor den gottlosen Grunds\u00e4tzen jener \u00bbGesellschaft Jesu\u00ab!<\/p>\n\n\n\n<p>Das mag der geneigte protestantische Leser einmal gedanklich anhand der Reformation vor 500 Jahren durchspielen, oder der US-B\u00fcrger einmal politisch anhand der Gr\u00fcndung der Vereinigten Staaten vor 250 Jahren durchdenken, oder irgendein \u00bbFreikirchenchrist\u00ab anhand der eigenen Gemeindegeschichte realisieren, deren konstituierender \u00bbUngehorsam\u00ab vielleicht erst eine Generation zur\u00fcckliegt. Vermutlich muss man dazu immer wieder auffordern, denn der \u00bb<strong>Blinde Fleck<\/strong>\u00ab ist bekanntlich bei den Betroffenen immer am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt (Johari-Fenster der Pers\u00f6nlichkeit, 1955). Davon redet die Heilige Schrift ja schon seit Jahrtausenden: \u00bbVerirrungen, wer sieht sie ein? Von verborgenen S\u00fcnden reinige mich!\u00ab (Psalm&nbsp;19,13); \u00bbArglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es; wer mag es kennen? Ich, Jahwe, erforsche das Herz und pr\u00fcfe die Nieren, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen, nach der Frucht seiner Handlungen.\u00ab (Jeremia&nbsp;17,9\u201310).&nbsp;<strong>Ein \u00bbblinder Fleck\u00ab kann nur kleiner werden, wenn ehrliches Feedback kommt, dem\u00fctige Selbstreflexion erfolgt und liebevolle Offenheit gelebt wird.<\/strong>&nbsp;Gerade auch und vorbildhaft in der Gemeinde Jesu Christi.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h1>\n\n\n\n<p>Christen leben schon immer in einer Welt, die nicht nur von Christus und Wahrheit, sondern auch von Usurpatoren und B\u00f6sen, von L\u00fcge, Halbwahrheiten und Irrtum regiert wird. Daher ergab sich historisch schon immer eine Spannung zwischen legitimer Unterordnung (so, wie sie Gott verordnet hat) und blindem Autoritarismus und entsprechender Untert\u00e4nigkeit und Unterwerfung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reformatoren haben uns darauf hingewiesen, (1.)\u00a0dass unser Gewissen allein an Gottes Wort gebunden ist, (2.)\u00a0dass wir alle Lehre(n) an Gottes Wort pr\u00fcfen m\u00fcssen und (3.)\u00a0dass jede menschliche Autorit\u00e4t begrenzt ist (und sein muss). Der Luther zu geschriebene Satz vor dem Reichstag zu Worms steht jedem biblisch denkenden Christen gut an: \u00bb<strong>Mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort!<\/strong>\u00ab. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb<strong>Das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit!<\/strong>\u00ab (Jesaja\u00a040,8b mit 1.Petrus\u00a01,25). Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>S.D.G.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Quellenangabe und Disclaimer<\/h1>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">John MacArthur,<em>&nbsp;How Much Authority Does A Pastor Have In The Lives Of His Congregants?<\/em>. YouTube-Video, URL:&nbsp;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/cgMhrDjDAnI\">https:\/\/youtu.be\/cgMhrDjDAnI<\/a>&nbsp;[abgerufen: 12.05.2026].<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Die eingangs gelieferte \u00dcbersetzung ist eine direkte Wiedergabe der Q&amp;A (Copyright GTY; \u00dcbersetzung durch&nbsp;<a href=\"mailto:grace@logikos.club\">grace@logikos.club<\/a>). Die folgenden \u00bbNachbetrachtungen\u00ab verantwortet als Urheber allein grace@logikos.club.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesedauer: 13 Minuten. Die christliche Gemeinde&nbsp;Grace Community Church&nbsp;in Sun Valley, CA (USA) versammelt sich regelm\u00e4\u00dfig zu Fragestunden (Q&amp;A) f\u00fcr ihre Gemeindeglieder. Die Fragen werden ungeskriptet direkt an Saal-Mikrophonen gestellt. 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