{"id":4081,"date":"2026-04-09T16:02:19","date_gmt":"2026-04-09T14:02:19","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=4081"},"modified":"2026-04-09T16:02:19","modified_gmt":"2026-04-09T14:02:19","slug":"das-buch-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=4081","title":{"rendered":"Das Buch des Lebens"},"content":{"rendered":"\n<p>Lesedauer: 31 Minuten, Langstudie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Heilige Schrift, selbst eine Bibliothek einiger zig B\u00fccher (lat.<em>\u00a0Biblia<\/em>\u00a0= \u00bbB\u00fccher\u00ab), erw\u00e4hnt auch andere B\u00fccher, teilweise namentlich, teilweise anspielend. Eines davon spielt eine herausragende Rolle in der gesamten Heilsgeschichte: Das <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">\u00bb<strong>Buch des Lebens<\/strong>\u00ab<\/mark> (es wird auch mit anderen und verk\u00fcrzten Titeln bezeichnet, es mag auch mehrere B\u00fccher diesen Titels geben). Beim \u00bbBuch des Lebens\u00ab handelt sich nicht um ein physisches Buch, sondern um ein theologisches Bild mit starker symbolischer Bedeutung: Gott offenbart mit der schriftlichen Fixierung einer Namensliste von Menschen die\u00a0<strong>Unver\u00e4nderlichkeit seines Heils- und damit Lebensplanes<\/strong>. Aber es gibt be\u00e4ngstigende Anspielungen und Vorstellungen, dass diese Unver\u00e4nderlichkeit doch nicht sicher garantiert sei. Entsprechend f\u00e4chern sich die Deutungen bzgl. dieses \u00bbBuch des Lebens\u00ab auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorgehensweise:<\/strong>\u00a0(I) Die Erw\u00e4hnungen des \u00bbBuches des Lebens\u00ab sollen zuerst mit einer Zitatensammlung aus AT und NT \u00fcberblicksartig gezeigt und kommentiert werden. (II)\u00a0Da dieses Buch in der christlichen Lehrtradition sehr unterschiedlich verstanden wurde, m\u00fcssen wir uns in einem zweiten Schritt einen \u00dcberblick \u00fcber die unterschiedlichen Deutungen und deren Begr\u00fcndungen verschaffen. Dabei kann man erkennen, dass diese jeweiligen Deutungen oft in die Gesamttheologie der Deutenden eingepasst wird. (III)\u00a0Drittens werden wir eine Deutung vertieft darstellen, von der wir \u00fcberzeugt sind, dass sie dem Gesamtzeugnis der Schrift am besten entspricht. (IV)\u00a0Eine Kostprobe von Zitaten soll die letzten beiden Punkte erg\u00e4nzend illustrieren. \u2013 Da dies eine l\u00e4ngere Untersuchung wird, hier vorweg eine Zusammenfassung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Summary<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Buch des Lebens ist\u00a0<strong>ein himmlisches Register<\/strong>, das Gottes Beziehung zu seinem Volk dokumentiert. Gott wird dargestellt als jemand, der eine Aufzeichnung aller f\u00fchrt, die unter seiner besonderen F\u00fcrsorge und Obhut stehen. Die Bedeutung dieses Konzepts entfaltet sich auf zwei Ebenen: einer unmittelbaren und einer eschatologischen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>(1)&nbsp;<\/strong>In der&nbsp;<strong>unmittelbaren Dimension<\/strong>&nbsp;symbolisiert das Buch des Lebens Gottes Schutz und Anerkennung. Im Alten Testament bedeutet die Ausl\u00f6schung aus dem Buch des Lebens, dass jemand physisch stirbt, w\u00e4hrend das Eingetragensein Gottes Gunst signalisiert. Aus diesem Register gel\u00f6scht zu werden bedeutet, von Gottes Gunst abgeschnitten zu sein und einen vorzeitigen&nbsp;<strong>physischen<\/strong>&nbsp;Tod zu erleiden. Im Neuen Testament erh\u00e4lt dieses Bild neue Tiefe: F\u00fcr verfolgte Christen, deren Namen m\u00f6glicherweise aus lokalen Synagogenregistern gel\u00f6scht wurden, verhei\u00dft Jesus, dass ihre Namen niemals aus dem himmlischen Register, das die Ewigkeitszuordnung des&nbsp;<strong>ewigen Lebens<\/strong>&nbsp;festh\u00e4lt, entfernt werden\u2014eine Zusicherung der Zugeh\u00f6rigkeit zur himmlischen Stadt und Zukunft, selbst wenn sie irdische Ablehnung erfahren. \u2013&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li><strong>(2)&nbsp;Eschatologisch betrachtet<\/strong>&nbsp;wird das Buch des Lebens zum entscheidenden Dokument des letzten Gerichts. Wer in diesem Buch nicht verzeichnet ist, erf\u00e4hrt wegen seiner Werke endg\u00fcltiges Gericht im Feuer der H\u00f6lle.&nbsp;<strong>Die Namen der Auserw\u00e4hlten stehen aber schon bei Grundlegung der Welt in diesem Buch des Lebens des Lammes, ihr Eintrag wurde also bereits vorweltlich von Gott festgesetzt.<\/strong>&nbsp;Dies verbindet Gottes ewige Souver\u00e4nit\u00e4t und Heilsvorsatz mit der gegenw\u00e4rtigen Sicherheit der Gl\u00e4ubigen\u2014eine Zusicherung, dass ihre gegenw\u00e4rtige Treue zu Christus mit ihrer ewigen Bestimmung \u00fcbereinstimmt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1 Das Zeugnis der Schrift<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1.1 Altes Testament<\/h2>\n\n\n\n<p>Die folgenden Stelle beziehen sich auf die Situation der Menschen in vorchristlicher Zeit. Unsere Situation wird im Neuen Testament beschrieben, siehe unten (Abschnitt\u00a01.2).<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Psalm 69,28<\/strong>&nbsp;&nbsp;Lass sie ausgel\u00f6scht werden aus dem&nbsp;<strong>Buche des Lebens<\/strong>, und nicht eingeschrieben mit den Gerechten!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>David schreibt hier einen Klage- und Rachepsalm. Er wusste, dass er ein S\u00fcnder war (69,6), aber er litt von Menschenhand f\u00fcr Unrecht, das er nicht begangen hatte. Die Anklagen standen in Verbindung mit Gott und Gottes Tempel. Entsprechend klagt er und fordert von Gott Rache. In diesem Bereich steht der zitierte Vers.\u00a0<strong>Es ist Davids emotionale Verw\u00fcnschung seiner Feinde und Hasser.<\/strong>\u00a0Er findet aber in seiner Klage auch Formulierungen, die \u00fcber seine Situation hinaus auf Jesus Christus deuten. \u2013 Sprachlich gesehen wird hier also nichts gelehrt oder objektiv festgestellt, sondern emotional von einem Menschen eine Bitte ge\u00e4u\u00dfert. Weiterhin machen die Parallelzeilen der Poesie deutlich, dass es um das\u00a0<strong>physische Leben<\/strong>\u00a0geht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Psalm 139,15-16.&nbsp;<\/strong>Nicht verhohlen war mein Gebein vor dir, als ich gemacht ward im Verborgenen, gewirkt wie ein Stickwerk in den untersten \u00d6rtern der Erde. Meinen Keim sahen deine Augen, und in&nbsp;<strong>dein Buch<\/strong>&nbsp;waren sie alle eingeschrieben; w\u00e4hrend vieler Tage wurden sie gebildet, als nicht eines von ihnen war.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In Psalm 139 geht es darum, dass Gott, der Sch\u00f6pfer, jeden Menschen und alle Menschen will, kennt und formt. Das gilt \u00fcberall und stets, Gottes Allgegenwart und Allwissen leuchten poetisch auf. Sogar in den \u00bbuntersten \u00d6rtern\u00ab (euphemistisch f\u00fcr den Uterus der Mutter), wo niemand das heranreifende Baby sieht, ist Gott sehend (\u00fcberwachend) und aktiv gestaltend \u00bbkunsthandwerklich\u00ab anwesend: Ein Wunder Gottes geschieht. David legt poetisch den Gedanken nahe, dass im Mutterleib nichts Zuf\u00e4lliges, sondern g\u00f6ttlich Verordnetes passiert: Alles geht nach dem g\u00f6ttlichen \u00bbBuch\u00ab, nichts ist zuf\u00e4llig oder wertlos. Die Verbindung zwischen diesem \u00bbBuch\u00ab und dem irdischen, physischen \u00bbLeben\u00ab ist offenbar: hier stehen\u00a0<strong>alle Menschen, die je gelebt haben<\/strong>. Vom Heil ist nicht die Rede.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Psalm 87,5f.&nbsp;&nbsp;<\/strong>Und von Zion wird gesagt werden: Der und der ist darin geboren; und der H\u00f6chste, er wird es befestigen. Jahwe wird&nbsp;<strong>schreiben<\/strong>&nbsp;beim&nbsp;<strong>Verzeichnen der V\u00f6lker<\/strong>: Dieser ist daselbst geboren.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dieser Psalm der S\u00f6hne Korahs feiert Zion als erw\u00e4hlte Stadt Gottes. Dort stand das Heiligtum, dort wohnte Gott. Wer in dieser Stadt geboren ist und dort wohnt, ist Mitbewohner und Nachbar Gottes. Das bedeutet gr\u00f6\u00dfte Ehre. Aber man muss seinen Anspruch nachweisen k\u00f6nnen im&nbsp;<strong>Geburts-\/Abstammungsregister<\/strong>. Im Millennium \u2013und ggf. dar\u00fcber hinaus\u2013 werden auch die Nationen (V\u00f6lker) dorthin gehen, um Segen zu empfangen. Im NT wird dieser Vorsatz Gottes offenbarend gedeutet auf die Glieder der Gemeinde Jesu (Eph 3:4ff), wo die Abstammung nicht per Blutlinie Abrahams, sondern weitergehend per \u00bbBlutlinie\u00ab Jesu Christi festgelegt wird (vgl. Gal&nbsp;3,7.14.29; Heb&nbsp;2,16). Dieser Vorsatz Gottes fand seine erste explizite Offenbarung im Abrahamischen Bund in 1Mose&nbsp;12. Dieses Verzeichnis ist also wichtig f\u00fcr die&nbsp;<strong>Bundeszusagen Gottes an Israel<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Jesaja 4,3<\/strong>&nbsp;&nbsp;Und es wird geschehen, wer in Zion \u00fcbriggeblieben und wer in Jerusalem \u00fcbriggelassen ist, wird heilig hei\u00dfen, ein jeder, der&nbsp;<strong>zum Leben eingeschrieben<\/strong>&nbsp;ist in Jerusalem.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Prophet Jesaja, der dem Volk Israel die Anklage Gottes, aber auch die Verhei\u00dfung Gottes, vor allem aber die Gute Nachricht der Wiederherstellung bringt (s. ab Kap.&nbsp;40), bringt schon in der Einleitung diesen Lichtblick auf die verhei\u00dfenen Segnungen f\u00fcr Jerusalem und seine rechtm\u00e4\u00dfigen Bewohner. \u2013 Ansonsten gilt das zu Psalm 87,5f Gesagte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>2Mose&nbsp;32:32f<\/strong>&nbsp;&nbsp;Und nun, wenn du ihre S\u00fcnde vergeben wolltest! Wenn aber nicht, so l\u00f6sche mich doch aus&nbsp;<strong>deinem Buch<\/strong>, das du geschrieben hast. Und Jahwe sprach zu Mose: Wer gegen mich ges\u00fcndigt hat, den werde ich aus&nbsp;<strong>meinem Buch<\/strong>&nbsp;ausl\u00f6schen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mose reagiert hier vorbildlich auf die eklatante S\u00fcnde des Volkes, das sich unter der Leitung des sp\u00e4teren Hohenpriesters Aaron ein goldenes Kalb gemacht und unter Verwendung des Namens des Ewigen angebetet hatte. Damit waren gleich die wichtigsten Gebote Gottes im Dekalog gebrochen worden, bevor sie von Gott&nbsp;&nbsp;in Stein geschrieben das Volk erreichten. Mose war klar: Darauf konnte nur der Tod als Strafe folgen, Gott hatte es so gesagt. Und so versucht er als gro\u00dfer Stellvertreter seines Volkes die Schuld und Strafe auf sich zu nehmen. Das war menschlich vorbildlich gef\u00fchlt, aber g\u00f6ttlich gesehen ein absolut unm\u00f6glicher Vorschlag (<em>per impossibile<\/em>). Das w\u00fcrde Gott in den n\u00e4chsten Monaten noch deutlich machen. \u2013 Auch&nbsp;<strong>Paulus<\/strong>&nbsp;hatte \u00e4hnliche Gef\u00fchle der gerichtlichen Stellvertretung f\u00fcr sein Volk, die Juden, aber er redete in der Wunschform (R\u00f6mer&nbsp;9,2\u20133; vgl. 10,1). Er wusste:&nbsp;<strong>ein Anderer, ein Schuldloser<\/strong>, musste kommen, um sein Volk von ihren S\u00fcnden zu erretten (Mt&nbsp;1,21).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der kurze Dialog in 2Mose stellt zwar einen Zusammenhang zwischen den Eintr\u00e4gen in einem Buch und S\u00fcndern dar, aber das Buch wird&nbsp;<strong>nicht identifiziert als \u00bbBuch des Lebens\u00ab<\/strong>. Sprachlich ist die zeitliche Einordnung nicht eindeutig gekl\u00e4rt. Zudem: Wenn Gott sagt, dass er jeden, der gegen ihn ges\u00fcndigt hat, aus diesem Buch ausl\u00f6schen wird, dann sind die Seiten dieses Buches&nbsp;<strong>bis auf einen Namen leer<\/strong>, denn \u00bballe haben ges\u00fcndigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes\u00ab (R\u00f6m&nbsp;3,23a). Dann stand eben auch Mose nicht drin, denn er war ein M\u00f6rder. Hatte er das vergessen?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Daniel&nbsp;12:1<\/strong>&nbsp;&nbsp;Und in jener Zeit wird Michael aufstehen, der gro\u00dfe F\u00fcrst, der f\u00fcr die Kinder deines Volkes steht; und es wird eine Zeit der Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, ein jeder,&nbsp;<strong>der im Buche geschrieben gefunden wird<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In jener Zukunftsvision des Propheten Daniel werden Ereignisse beschrieben, die im folgenden Text f\u00fcr Daniel in weite Ferne gelegt werden, in die (auch f\u00fcr uns noch zuk\u00fcnftigen) 3,5 Jahre der Gro\u00dfen Drangsal Israels (12,1.7ff). Das Buch wird nicht identifiziert als \u00bbBuch des Lebens\u00ab. Es ist die Rede von \u00bbdein Volk\u00ab, also Daniels Volk, also das Volk Israel, nicht von allen Menschen. Der nach gr\u00f6\u00dfter Drangsal auf Erden\u00a0<strong>gerettete \u00bb\u00dcberrest\u00ab Israels<\/strong>\u00a0steht offenbar in diesem Buch. Das bedeutet, dass deren (zuk\u00fcnftige) Errettung durch g\u00f6ttliche Festlegung bereits feststeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1.2 Neues Testament<\/h2>\n\n\n\n<p>Siebenmal kommt das Buch des Lebens begriffsm\u00e4\u00dfig im NT vor, einmal in Philipper, sechsmal in der Offenbarung. Daneben gibt es Anspielungen auf andere B\u00fccher \u00e4hnlicher oder gleicher Bedeutung. Das Verst\u00e4ndnis dieses Begriffes baut auf dem AT auf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Buch des Lebens, positiver Eintrag<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Philipper 4,3<\/strong>&nbsp;Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Mitknecht, stehe ihnen bei, die in dem Evangelium mit mir gek\u00e4mpft haben, auch mit Clemens und meinen \u00fcbrigen Mitarbeitern, deren Namen&nbsp;<strong>im Buche des Lebens<\/strong>&nbsp;sind.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mitarbeiter im Reich Gottes stehen auch im&nbsp;<strong>Buch des Lebens<\/strong>&nbsp;(griech.&nbsp;<em>b\u00edblos z\u014d<\/em><em>\u1e17<\/em><em>s<\/em>]). In Verbindung mit der Aussage des Herrn in Lukas 10,20 bedeutet es f\u00fcr&nbsp;<strong>Mitarbeiter im Reich Gottes<\/strong>&nbsp;wohl eine besondere Sicherheit und einen festen Trost, zu wissen, dass man im Himmel fest verankert ist (was das ewige Heil betrifft), auch wenn die \u00bbErfolge\u00ab und \u00bbMisserfolge\u00ab im Dienst hier Zweifel \u00fcber die Quelle der Heilssicherheit aufkommen lassen m\u00f6gen. \u2013&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Offenbarung 3,5<\/strong>&nbsp;&nbsp;Wer \u00fcberwindet, der wird mit wei\u00dfen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen nicht ausl\u00f6schen aus dem&nbsp;<strong>Buche des Lebens<\/strong>&nbsp;und werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Den \u00dcberwindern der Gemeinde in Sardes wurde diese Verhei\u00dfung ausgesprochen. Verse 4\u20135 verwenden dreimal den Begriff \u00bbNamen\u00ab, alle drei Verwendungen stehen im Zusammenhang mit positiven, mit dem Heil verbundenen Aussagen. Insbesondere steht hier nicht ausdr\u00fccklich, dass jemand aus dem Buch des Lebens ausgel\u00f6scht werden w\u00fcrde. Diese Stelle darf also nicht als (m\u00f6glicher) Fakt oder als prinzipielle Wahrheitsaussage zur Behauptung des Ausl\u00f6schens verstanden werden. Vielmehr wird versichert, dass dieses Ausl\u00f6schen\u00a0<strong>nicht<\/strong>\u00a0vorkommt. Daher ergibt sich f\u00fcr die Auslegung die Frage, ob es sich hier (1)\u00a0um die Sprache einer Gerichtsandrohung handelt, die zwar (gerechte) Straffolgen androht, welche aber im Ratschluss Gottes nicht vorkommen, oder (2)\u00a0ob man diese Drohung umkehren und als Lehraussage auffassen darf (\u00fcbliches Argument: Es w\u00e4re keine Drohung, wenn das angedrohte \u00dcbel nicht eintreffen k\u00f6nnte).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Offenbarung 21,27<\/strong>&nbsp;&nbsp;Und nicht wird in sie eingehen irgend etwas Gemeines und was Gr\u00e4uel und L\u00fcge tut, sondern nur die geschrieben sind in dem&nbsp;<strong>Buche des Lebens des Lammes<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Buch des Lebens, kein Eintrag<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Offenbarung 13,8<\/strong>&nbsp;&nbsp;Und alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, ein jeder, dessen Name&nbsp;<strong>nicht<\/strong>&nbsp;geschrieben ist in dem&nbsp;<strong>Buche des Lebens des geschlachteten Lammes<\/strong>&nbsp;von Grundlegung der Welt an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Offenbarung 17,8<\/strong>&nbsp;&nbsp;Das Tier, welches du sahst, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und ins Verderben gehen; und die auf der Erde wohnen, deren Namen&nbsp;<strong>nicht<\/strong>&nbsp;in dem&nbsp;<strong>Buche des Lebens<\/strong>&nbsp;geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, dass es war und nicht ist und da sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Offenbarung 20,12.15<\/strong>&nbsp;&nbsp;Und ich sah die Toten, die Gro\u00dfen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und B\u00fccher wurden aufgetan; und&nbsp;<strong>ein anderes Buch<\/strong>&nbsp;ward aufgetan, welches&nbsp;<strong>das des Lebens<\/strong>&nbsp;ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den B\u00fcchern geschrieben war, nach ihren Werken. &#8230; Und wenn jemand&nbsp;<strong>nicht<\/strong>&nbsp;geschrieben gefunden wurde in dem&nbsp;<strong>Buche des Lebens<\/strong>, so wurde er in den Feuersee geworfen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese drei Stellen geh\u00f6ren zu Szenen des&nbsp;<strong>endg\u00fcltigen Gerichts<\/strong>, auch wenn sie zeitlich getrennt liegen. Wer nicht im Buch des Lebens steht, wird von Satans Agenten zur g\u00f6tzendienerischen Anbetung verf\u00fchrt werden. Sie sind die Erdbehafteten, die dem Tier (und damit Satan) ins Verderben folgen: ins ewige Gericht Gottes. Jene Menschen, die unerl\u00f6st bereits den k\u00f6rperlichen Tod erlitten haben, m\u00fcssen alle am&nbsp;<strong>Gerichtstag des Gro\u00dfen Wei\u00dfen Thrones<\/strong>&nbsp;auferstehen. Sie tun das, wie Daniel schon wusste,&nbsp;&nbsp;zur \u00bbewigen Abscheu\u00ab (Daniel 12,2).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besonderheit ist, dass Offb&nbsp;13,8 dieses \u00bbBuch des Lebens\u00ab mit Christus verbindet, mit dem \u00bbgeschlachteten Lamm\u00ab. Damit wird die Namensliste jenes Buches zu einer&nbsp;<strong>Namensliste der im Opfer Jesu ewig Geretteten<\/strong>, nicht nur jener, die zeitweilig oder rein irdisch Rettung(en) seitens Gott erfahren haben. Jesus Christus hat \u00bbmit einem Opfer \u2026&nbsp;<strong>auf immerdar<\/strong>die vollkommen gemacht, die geheiligt werden\u00ab (Hebr&nbsp;10,14), so dass hier kein nur zeitweiliger, aufk\u00fcndbarer, bereubarer Rettungszustand gemeint sein kann, der in jenem Buch dokumentiert ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Andere Erw\u00e4hnungen eines Lebens- oder Heilsbuches im NT<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Lukas 10,20<\/strong>&nbsp;&nbsp;Doch dar\u00fcber freuet euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freuet euch aber, dass eure Namen&nbsp;<strong>in den Himmeln angeschrieben<\/strong>&nbsp;sind.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier ist ohne ausf\u00fchrliche Namensnennung wohl dasselbe Buch gemeint, wie in Philipper 4,3 (s.o.). Wiederum: Wichtiger als jeder Dienst, jeder Erfolg im Dienst, ist, dass man durch Gottes Willen und Beschluss ewig gerettet ist. Der Nachweis f\u00fcr diesen unwandelbaren Beschluss liefern die schriftlich fixierten Eintr\u00e4ge in diesem&nbsp;<strong>Buch \u00bbim Himmel\u00ab<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Hebr\u00e4er 12,23<\/strong>&nbsp;&nbsp;&#8230;und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die&nbsp;<strong>in den Himmeln angeschrieben<\/strong>&nbsp;sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten&#8230;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese Stelle erg\u00e4nzt Philipper&nbsp;4,3 und Lukas&nbsp;10,20 mit dem Gedanken, dass es ein Buch gibt, in dem&nbsp;<strong>alle Gl\u00e4ubigen<\/strong>, die Gesamtheit der ewig Geretteten,&nbsp;<strong>fix eingetragen<\/strong>&nbsp;sind. \u2013 Sie stehen dort nach&nbsp;<strong>g\u00f6ttlichem Vorsatz und Beschluss<\/strong>; alle die dort stehen, werden in der Zeit mit wirksamem Ruf zum Glauben gerufen: \u00bbAls aber die aus den Nationen es h\u00f6rten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten,&nbsp;<strong>so viele zum ewigen Leben bestimmt waren<\/strong>.\u00ab (Apostelgeschichte&nbsp;13,48).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1.3\u00a0 Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n<p>Das \u00bbBuch des Lebens\u00ab ist ein metaphorisches Register Gottes, das im Alten Testament angedeutet wird, im Neuen Testament zentral f\u00fcr das Endgericht ist und das eng mit Christus und der ewigen Erl\u00f6sung verbunden ist. Am Ende wird dieser Eintrag f\u00fcr jeden Menschen ewigkeitsentscheidend sein:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Offenbarung 20,12.15 \u2013 In das Buch eingeschrieben zu sein bedeutet,&nbsp;<strong>ewiges Leben<\/strong>&nbsp;zu haben.<\/li>\n\n\n\n<li>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Offenbarung 21,27 \u2013 In das Buch eingeschrieben zu sein bedeutet, dass man in die&nbsp;<strong>Stadt Gottes<\/strong>&nbsp;eintritt.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Offenbarung 3,5 \u2013 Gott wird den, der&nbsp;<strong>bis zum Ende standhaft bleibt<\/strong>, nicht aus dem Buch ausl\u00f6schen.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Offenbarung 13,8 \u2013 Diejenigen, die das Tier anbeten,&nbsp;<strong>waren nie<\/strong>&nbsp;in das Buch eingeschrieben.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Offenbarung 17,8 \u2013 Auch hier gilt: Diejenigen, die das Tier bewundern,&nbsp;<strong>waren nie<\/strong>&nbsp;in das Buch eingeschrieben.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lukas 10,20 \u2013&nbsp;<strong>Unsere gesamte Sicherheit vor der H\u00f6lle und vor den Dingen, die uns in die H\u00f6lle bringen, liegt darin, dass unsere Namen in das Buch des Lebens bleibend (fix) eingeschrieben sind<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">2 Unterschiedlichen Deutungen<\/h1>\n\n\n\n<p>Immer wieder fragen sich Christen, ob sie aus diesem \u00bbBuch des Lebens\u00ab ausgel\u00f6scht werden k\u00f6nnen. Die Stelle in 2Mose\u00a032,33 wird herbeigezogen als positives Beispiel einer Eintragsl\u00f6schung, Offenbarung\u00a03,5 wird als implizite M\u00f6glichkeit einer solchen L\u00f6schung verstanden. Die anderen beziehen sich u.a. auf Offenbarung\u00a013,8, wo ausdr\u00fccklich steht, dass die Eintragung \u00bbvon Grundlegung der Welt\u00ab bereits feststand, also vor-weltlich entschieden wurde. Die Spannung entsteht also zwischen den Polen \u00bbunverlierbares Heil\u00ab versus \u00bbverlierbares Heil\u00ab. Dies ist in der Tat eine \u00fcberaus wichtige, alles entscheidende Frage.\u00a0<strong>Wie haben unterschiedliche christliche Traditionen sie beantwortet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2.1 Die r\u00f6misch-katholische Sicht (Lehre)<\/h2>\n\n\n\n<p>De&nbsp;<strong>Kerngedanke<\/strong>&nbsp;der RKK (R\u00f6m.-kath. Kirche) ist, dass das \u00bbBuch des Lebens\u00ab alle enthalte,&nbsp;<strong>die aktuell in der Gnade Gottes stehe<\/strong>n, wobei dieser Zustand verlierbar ist. Ein vorhandener Eintrag dokumentiert also, dass ein Mensch momentan im Stand der heiligmachenden Gnade ist. Da der Mensch aber einen \u00bbechten, freien Willen\u00ab hat, kann eine bestimmte Klasse schwerer S\u00fcnden (die sog. \u00bbTods\u00fcnden\u00ab) zur Ausl\u00f6schung des Eintrags f\u00fchren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Konsequenzen<\/strong>\u00a0dieser Ansicht: Rettung ist ein dynamischer (stetig wechselnder) Zustand, kein einmaliges Ereignis, das zu einem festen Heilsstand f\u00fchrte. Die Sakramente (v. a. Beichte, Eucharistie) spielen eine zentrale Rolle in der Dynamik des Heils und damit der Eintragung.\u00a0<strong>Endg\u00fcltige Sicherheit besteht erst nach dem Tod<\/strong>. \u2013 Das \u00bbBuch des Lebens\u00ab ist hier also ein reales, aber ver\u00e4nderbares Register des aktuellen Heilsstandes und der Gottesbeziehung. Mangelnde Heilsgewissheit treibt den suchenden Menschen zu den gnadenvermittelnden Heils-\u00bbSakramenten\u00ab der RKK.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2.2 Die reformierte Sicht (Lehre)<\/h2>\n\n\n\n<p>Der&nbsp;<strong>Kerngedanke<\/strong>&nbsp;der Heilslehre der Reformatoren ist, dass das \u00bbBuch des Lebens\u00ab die&nbsp;<strong>Liste der von Gott vor Grundlegung der Welt zum ewigen Heil Erw\u00e4hlten<\/strong>&nbsp;ist. Dieses Lehrverst\u00e4ndnis ergibt sich in Harmonie (sog. \u00bbAnalogie der Schrift\u00ab) zu den anderen Lehrpositionen der Reformation (insbesondere deren Heilslehre), n\u00e4mlich dass Gott souver\u00e4n \u00fcber das Heil entscheidet (Pr\u00e4destination, Erw\u00e4hlung), dass somit die Eintragungen unver\u00e4nderlich sind, und es kein \u00bbAusl\u00f6schen\u00ab im eigentlichen Sinn gibt (auch wenn diese mit prophetischer Mahnung angedroht wird). Das \u00bbAusl\u00f6schen\u00ab wird also als (aus menschlicher Perspektive) scheinbar verstanden, oder als prophetische Warnsprache verstanden. Im lutherischen Zweig der Reformation wird sp\u00e4ter jedoch einger\u00e4umt, dass der Mensch sich durch anhaltenden Unglauben selbst wieder aus dem Buch l\u00f6schen k\u00f6nne. Hier sehen wir eine arminianisch anmutende Verfremdung der Heilslehre (Abfall vom rettenden Glauben sei m\u00f6glich).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Konsequenzen<\/strong>&nbsp;dieser Ansicht: Der durch Gottes vorweltlichem Beschluss und durch Christi Opfer \u00bbauf immerdar\u00ab Gerettete ist tats\u00e4chlich&nbsp;<strong>f\u00fcr immer<\/strong>&nbsp;gerettet, steht nicht l\u00e4nger auf einem Bew\u00e4hrungs-Pr\u00fcfstand, was seine ewige Errettung angeht. Wer so gerettet wurde, ist sicher&nbsp;<strong>auf ewig<\/strong>&nbsp;errettet (sog. \u00bbAusharren der Heiligen\u00ab). Wer ins \u00bbBuch des Lebens\u00ab eingetragen wurde, wird bis zum Ende, bis zur ewigen Gl\u00fcckseligkeit, bewahrt bleiben.&nbsp;<strong>Das Buch dokumentiert also den ewigen, unver\u00e4nderlichen Heilsbeschluss Gottes, der auch zur Vollendung f\u00fchren wird<\/strong>: der Verherrlichung aller zuvor von Gott Erkannten, Bestimmten und Berufenen (R\u00f6mer&nbsp;8,29\u201330). Folglich ist es f\u00fcr die Glaubenden gr\u00f6\u00dfter Trost und Motivation, \u00bbdass eure Namen&nbsp;<strong>in den Himmeln angeschrieben<\/strong>&nbsp;sind\u00ab (Lukas&nbsp;10,20).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2.3 Adventistische Sicht (Lehre)<\/h2>\n\n\n\n<p>Der<strong>&nbsp;Kerngedanke<\/strong>&nbsp;der Sekte der Adventisten (Milleriten, Siebenten-Tags-Adventisten STA) ist, dass das \u00bbBuch des Lebens\u00ab Teil eines himmlischen Gerichtsprozesses sei. Sie haben die Sonderlehre eines \u00bbUntersuchungsgerichts\u00ab, das seit 1844 als \u00bbVoruntersuchungsgericht\u00ab laufe. Dabei werden die Namen einzeln gepr\u00fcft und bleiben dann entweder bestehen oder werden gel\u00f6scht. (Dieses Datum wurde genannt, nachdem drei konkrete Zeitangaben f\u00fcr die R\u00fcckkehr Jesu sich als falsch erwiesen hatten: Herbst 1843, 21.03.1844, 22.10.1844.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Konsequenzen<\/strong>&nbsp;dieser Ansicht: Diese Lehre ist eine Vermischung von Gnade Gottes mit realer Bewertung des Lebens unter extremer Betonung der Endzeit. Ein entscheidendes Bewertungskriterium der Treue eines Christen ist die&nbsp;<strong>Beachtung des Sabbats<\/strong>&nbsp;als biblischem Ruhetag. Dies geht auf eine (okkulte) Vision ihrer Hauptlehrerin Ellen G. White am 03.04.1847 zur\u00fcck, die sie angeblich in Topsham, Maine (USA) hatte. In dieser Vision sah sie die Bundeslade im Allerheiligsten, darin die 10 Gebote , wobei das 4. Gebot (Sabbatgebot) mit besonderem Licht hervorgehoben wurde (Quelle:&nbsp;<em>A Word to the Little Flock<\/em>, 1847).&nbsp;<strong>Das Buch ist hier ein aktuelles, \u00fcberpr\u00fcftes Register des himmlischen Gerichts.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2.4 Freikirchlich-evangelikale Sicht (Lehre)<\/h2>\n\n\n\n<p>Der<strong>&nbsp;Kerngedanke<\/strong>&nbsp;der Freikirchen, die sich aus dem Strom des Protestantismus entwickelt hatten, bietet zwei Versionen als Hauptstr\u00f6mungen an. Die eine Sicht ist \u00e4hnlich zur reformiert-calvinistischen Sicht, dass die Bucheintr\u00e4ge endg\u00fcltig seien. Die andere Sicht ist \u00e4hnlich zur arminianisch-lutherischen Sicht, dass echter, rettender Glaube auch verloren gehen k\u00f6nne. Der gemeinsame Nenner ist, dass die Eintragung ins Buch durch Glauben an Jesus Christus erfolgt, eine Ausl\u00f6schung ist je nach Auffassung unm\u00f6glich oder m\u00f6glich, je nach Treue, Willen und Ausharren des Eingetragenen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Konsequenzen<\/strong>&nbsp;dieser Ansicht: Hier wird die \u00bbpers\u00f6nliche Entscheidung\u00ab des Menschen zum Heil zum entscheidenden Kriterium f\u00fcr Eintragung und Ausl\u00f6schung. Das Buch dokumentiert also eng die individuelle Bekehrungserfahrung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zentrale Streitpunkte<\/h2>\n\n\n\n<p>Alle Lehrtraditionen stimmen darin \u00fcberein, dass das \u00bbBuch des Lebens\u00ab f\u00fcr Gottes Heilsanerkennung gg. individuellen Menschen steht (Namensliste!). Aber sie unterscheiden sich z.T. radikal darin, wie man in dieses Buch&nbsp;<strong>kommt<\/strong>, ob man darin&nbsp;<strong>bleibt<\/strong>&nbsp;und wer letztlich \u00fcber Eintrag und Verbleiben&nbsp;<strong>entscheidet<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterschiede der Lehransichten drehen sich im Kern um drei gro\u00dfe Lehrfragen: (1)&nbsp;<strong>&nbsp;Pr\u00e4destination vs. freier Wille<\/strong>(Entscheidet Gott alleine \u00fcber das Heil oder ist es der Mensch, der das Heil ergreift?); (2)&nbsp;<strong>Sicherheit der Rettung<\/strong>&nbsp;(Ist das Heil absolut sicher oder ist es gef\u00e4hrdet wegen Untreue und Abfall des Menschen?); (3)&nbsp;<strong>Verh\u00e4ltnis von Gnade und Werken<\/strong>&nbsp;(Wird das Heil vom Menschen rein passiv empfangen, also von Gott aktiv erhalten, oder steht der Mensch in der Verantwortung, sich mit guten Werken und Treue als w\u00fcrdig des Heils zu erweisen?).<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">3 Die Lehrtradition der \u00bbPlymouth Br\u00fcder\u00ab (D: Christliche Versammlung)<\/h1>\n\n\n\n<p>Die \u00bbPlymouth Br\u00fcder\u00ab (heute oft nur: \u00bbBr\u00fcderbewegung\u00ab) entstanden in Irland in den 1820er Jahren. Sie kamen in Erwartung der Wiederkunft Jesu in Hauskreisen zum Bibelstudium und Abendmahl zusammen. Durch eifrigen Missionsdienst hat sich diese Bewegung in aller Welt ausgebreitet und hat viele in Splittergruppen und Sekten getrennte Sonderkirchen erzeugt. Pr\u00e4gende Theologen der Bewegung waren die Iren&nbsp;<strong>John Nelson Darby<\/strong>&nbsp;(1800\u20131882), ein anglikanischer Geistlicher aus h\u00f6chsten gesellschaftlichen Kreisen und herausragender Bildung, sowie&nbsp;<strong>William Kelly<\/strong>(1821\u20131906), ebenfalls ein Spezialist f\u00fcr alte Sprachen, Bibelausleger, Autor und Prediger, der das Gesamtwerk Darbys (z.T. stark) lektorierte und herausgab. Das Verst\u00e4ndnis des \u00bbBuch des Lebens\u00ab wurde ma\u00dfgeblich von diesen Bibellehrern gepr\u00e4gt. Inzwischen sind jedoch viele alternative Lehrmeinungen entstanden, die sich denen anderer Freikirchen angeglichen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grundverst\u00e4ndnis.&nbsp;<\/strong>Die Br\u00fcderbewegung liest das \u00bbBuch des Lebens\u00ab nicht als eigenst\u00e4ndiges Dogma, sondern als integrierten Teil ihres Verst\u00e4ndnisses von Erw\u00e4hlung, Wiedergeburt, ewigem Leben, Heilssicherheit und Heilsgewissheit. Der entscheidende Punkt:&nbsp;<strong>Wer wirklich gerettet ist, ist endg\u00fcltig gerettet \u2013 und steht damit&nbsp;<em>f\u00fcr immer<\/em>&nbsp;im Buch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klassische Linie (J.N. Darby).<\/strong>&nbsp;Der Kerngedanke von Darby und der fr\u00fchen Bewegung war: Es gibt aufgrund der Heiligen Schrift objektiv absolute&nbsp;<strong>Heilssicherheit<\/strong>&nbsp;sowie subjektiv wirkende&nbsp;<strong>Heilsgewissheit<\/strong>&nbsp;f\u00fcr jeden Glaubenden. Die Erw\u00e4hlung zum ewigen Heil fand&nbsp;<strong>vor Grundlegung der Welt<\/strong>&nbsp;statt und gr\u00fcndet sich im vorausgesetzten vollendeten Heilswerk Christi. Erw\u00e4hlung ist \u00bbewiger Ratschluss Gottes\u00ab, ewige Rettung basiert vollst\u00e4ndig auf dem Kreuz und ist abgeschlossen.&nbsp;<strong>Wichtig: Ewiges Leben ist nicht verlierbar, sonst w\u00e4re es nicht \u00bbewig\u00ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konsequenz f\u00fcr das \u00bbBuch des Lebens\u00ab:<\/strong>&nbsp;Der Eintrag ist Ergebnis g\u00f6ttlicher Erw\u00e4hlung, daher&nbsp;<strong>unumkehrbar<\/strong>. Das \u00bbAusl\u00f6schen\u00ab wird rhetorisch (prophetische Sprache) oder als scheinbar (rein menschliche Perspektive) verstanden. \u2013 Das entspricht stark der reformierten Position, aber mit st\u00e4rkerer Betonung der pers\u00f6nlichen Gewissheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einbettung in die Heilslehre der \u00bbBr\u00fcderbewegung\u00ab.<\/strong>&nbsp;<strong>(1)<\/strong>&nbsp;<strong>Die<\/strong>&nbsp;<strong>Heilsgewissheit<\/strong>&nbsp;ist ein zentrales Merkmal (\u00bbfull assurance of salvation\u00ab, basierend u.a. auf 1.&nbsp;Johannes&nbsp;5,13: \u00bbDies habe ich euch geschrieben, damit ihr&nbsp;<strong>wisst<\/strong>, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes\u00ab.) Das ist entscheidend: Ein Christ&nbsp;<strong>wei\u00df sicher<\/strong>, dass er gerettet ist. Diese Gewissheit basiert auf dem Wort Gottes, dem vollbrachten Werk Christi und dem Zeugnis des Heiligen Geistes.&nbsp;<strong>Daher ist das \u00bbBuch des Lebens\u00ab ist kein unsicheres Register, sondern Ausdruck einer bereits feststehenden Realit\u00e4t<\/strong>. \u2013&nbsp;<strong>(2)&nbsp;Die Heilssicherheit&nbsp;<\/strong>(\u00bbeternal security\u00ab) ist objektiv im vollbrachten und vollkommenen S\u00fchnungsopfer Jesu am Kreuz gegeben, sie h\u00e4ngt nicht subjektiv vom Glaubenden ab. Die Aussage der Schrift ist klar:&nbsp;<strong>Ein echter Gl\u00e4ubiger kann nicht verloren gehen<\/strong>&nbsp;(Joh&nbsp;3,15f; 10,28ff). Das Heil und die Vollendung ist so sicher, dass der Hebr\u00e4erbrief es in der Vergangenheitsform als bereits vollendet darstellt: \u00bbindem er viele S\u00f6hne zur Herrlichkeit&nbsp;<strong>brachte<\/strong>\u00ab (Hebr&nbsp;2,10). \u2013&nbsp;<strong>(3)&nbsp;Die Warnstellen<\/strong>&nbsp;werden in der \u00bbBr\u00fcderbewegung\u00ab klassisch so gelesen: Weil es Scheinchristen gibt, wird festgestellt (oder stark vermutet), dass \u00bbAbgefallene\u00ab, bei denen man keine Zuchtma\u00dfnahmen Gottes feststellt, wahrscheinlich nie wirklich in diesem \u00bbBuch des Lebens\u00ab eingetragen waren, sie geh\u00f6rten nie zu Familie Gottes: \u00bbSie sind von uns ausgegangen, aber&nbsp;<strong>sie waren nicht von uns<\/strong>; denn wenn sie von uns gewesen w\u00e4ren, so w\u00fcrden sie wohl bei uns geblieben sein; aber&nbsp;<strong>damit sie offenbar w\u00fcrden, dass sie alle nicht von uns sind<\/strong>.\u00ab (1.Johannes&nbsp;2,19).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Variationen und Abweichungen.<\/strong>&nbsp;Innerhalb der Br\u00fcderbewegung haben sich Differenzen in der Lehre entwickelt.&nbsp;<strong>(1)&nbsp;Die eher Darby<\/strong>&nbsp;lehrhaft folgenden \u00bbBr\u00fcder\u00ab gehen immer noch davon aus, dass der g\u00f6ttliche, personale Wille alles entscheidend pr\u00e4gt, was sie aus Sicht der Gegenseite als \u00bbcalvinistisch\u00ab erscheinen l\u00e4sst (allein ihre Eschatologie zeigt aber schon auf, dass diese \u00bbBr\u00fcder\u00ab keine Calvinisten sind; sie lehnen dieses Etikett vehement ab). F\u00fcr sie ist das \u00bbBuch des Lebens\u00ab ein festes, g\u00f6ttliches, ewiges Register. \u2013&nbsp;<strong>(2)&nbsp;Die sog. \u00bbOffenen Br\u00fcder<\/strong>\u00ab haben eine viel gr\u00f6\u00dfere Bandbreite in der Lehre entwickelt, die mit ihren Urspr\u00fcngen und Wurzeln manchmal nur wenig noch zu tun haben. Sie sehen teilweise mehr Raum f\u00fcr die Verantwortung des Menschen und daher f\u00fcr kraftvolle praktische Warnungen. Aber auch hier gilt in der Regel noch: Wer eine echte Wiedergeburt erlebt hat, der hat bleibende Rettung.&nbsp;<strong>Die Unterschiede sind eher pastoral, noch nicht fundamental.<\/strong>&nbsp;Das Ganze ist jedoch in Bewegung, da es in diesen Freikirchen kein verbindliches \u00bbCredo\u00ab gibt. \u2013 Die Grundlagenliteratur findet man bei John Nelson Darby (<em>Collected Writings<\/em>, zu Themen wie: election, eternal life, assurance), William Kelly, C. H. Mackintosh und (amerikanisch) F. W. Grant, H.A. Ironside. Typische Titel lauten: \u00bb<em>Eternal Security of the Believer<\/em>\u00ab oder \u00bb<em>Assurance of Salvation<\/em>\u00ab (Onlinequellen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/plymouthbrethren.org\/article\/182\"><em>Plymouth Brethren Writings<\/em><\/a><em>,<\/em><a href=\"https:\/\/www.stempublishing.com\/\"><em>stempublishing.com<\/em><\/a><em>, oder:&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.bibelkommentare.de\/\"><em>bibelkommentare.de<\/em><\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zu Offenbarung 3,5<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbWer \u00fcberwindet, der wird mit wei\u00dfen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen nicht ausl\u00f6schen aus dem Buch des Lebens\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Darby und Kelly stellen am Text fest, dass hier nicht eine Drohung steht, sondern eine Verhei\u00dfung. Es steht nicht da: \u00bbIch k\u00f6nnte Dich ausl\u00f6schen\u00ab, was die M\u00f6glichkeitsform w\u00e4re. Hermeneutisch liest Darby die Sendschreiben als moralische Appelle an Bekenner, nicht als metaphysischer Aussagen \u00fcber den Verlust des Heils.&nbsp;<strong>Fazit: Die Aussage st\u00e4rkt die Gewissheit der \u00dcberwinder, sie beschreibt keine reale M\u00f6glichkeit des Ausl\u00f6schens echter Glaubender.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zu Offenbarung 13,8<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbUnd alle, die auf der Erde wohnen, werden es anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist in dem Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier wird die Position der urspr\u00fcnglichen \u00bbBr\u00fcderbewegung\u00ab besonders deutlich. Die&nbsp;<strong>zeitliche Zuordnung<\/strong>&nbsp;(Eintragung vor der Sch\u00f6pfung) bedeutet, sie ist vollst\u00e4ndig unabh\u00e4ngig vom menschlichen Verhalten. Die&nbsp;<strong>systematische Konsequenz<\/strong>&nbsp;daraus ist: Das Buch ist Ausdruck der ewigen Erw\u00e4hlung, nicht eines sp\u00e4teren Prozesses. Und letztlich die&nbsp;<strong>Christuszentralit\u00e4t<\/strong>: Hier steht eine Zuspitzung auf Jesus Christus, denn es ist das \u00bbBuch des Lebens des Lammes\u00ab. Erw\u00e4hlung, Kreuz und Erl\u00f6sung liegen auf einer ewigen Linie.&nbsp;<strong>Fazit;<\/strong>&nbsp;F\u00fcr Darby ist das eine der st\u00e4rksten Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Auslegung:&nbsp;<strong>Dieses Buch ist ewig festgelegt, nicht dynamisch ver\u00e4nderbar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sprachlich-thelogische Bemerkungen.<\/strong>&nbsp;Der griechische Text von Offenbarung 13,8 enth\u00e4lt&nbsp;<em>apo katabol\u0113s kosmou<\/em>. Das bedeutet w\u00f6rtlich \u00bb<strong>von<\/strong>&nbsp;Grundlegung der Welt an\u00ab, also \u00bbseit Beginn der Weltzeit\u00ab. Das Griechische sagt nicht ausdr\u00fccklich \u00bbvor\u00ab (<em>pro<\/em>). Warum lesen\/verstehen es Darby u.a. trotzdem wie ein \u00bbvor\u00ab? \u2013 Dazu gibt es&nbsp;<strong>drei Gr\u00fcnde<\/strong>:&nbsp;<strong>(1)&nbsp;<\/strong>In Verbindung mit Offenbarung&nbsp;17,8 (\u00bbnicht geschrieben sind seit\u2026\u00ab) kann man argumentieren: Wenn Namen schon&nbsp;<strong>von<\/strong>&nbsp;Beginn der Welt drinstehen oder fehlen, dann lag die Entscheidung f\u00fcr die Eintragung&nbsp;<strong>vor<\/strong>&nbsp;diesem Zeitpunkt, also in der Ewigkeit vor der Zeit. Das ist ein logischer Schluss, kein rein grammatischer.&nbsp;<strong>(2)&nbsp;<\/strong>In Verbindung mit Epheser 1,4 (\u00bberw\u00e4hlt&nbsp;<strong>vor<\/strong>&nbsp;Grundlegung der Welt\u00ab) und Johannes&nbsp;17,24 (\u00bbgeliebt&nbsp;<strong>vor<\/strong>&nbsp;Grundlegung der Welt\u00ab, i.V.m. der Einsmachung in Joh&nbsp;17) ist systematisch zu schlie\u00dfen, dass die Bibel eine&nbsp;<strong>vorweltliche<\/strong>&nbsp;Erw\u00e4hlung lehrt, mit der auch Offenbarung&nbsp;13,8 \u00fcbereinstimmen muss. Daraus ergibt sich:&nbsp;<strong>(3)&nbsp;<\/strong>Eine zeitliche Eintragung (erst \u00bb<strong>seit<\/strong>&nbsp;Beginn\u00ab der Erde) w\u00e4re unvereinbar mit der Lehre der Erw\u00e4hlung. Da die Erw\u00e4hlung ewig ist, ebenso die Erw\u00e4hlung des Sohnes Gottes zum rettenden \u00bbLamm Gottes\u00ab, und das \u00bbBuch des Lebens\u00ab ein Namensregister der zum Heil Erw\u00e4hlten darstellt, muss dieses Buch samt Inhalt&nbsp;<strong>ewigen Charakter<\/strong>&nbsp;haben. Dies folgt keinem philologisch-sprachlichen Zwang, sondern ist ein dogmatisch notwendiger Schluss, wenn man von theologischer Koh\u00e4renz und Wahrheit der biblischen Lehre ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den weiteren sprachlichen Streitpunkt, ob sich das \u00bb<strong>von<\/strong>&nbsp;Grundlegung der Welt an\u00ab \u00fcberhaupt auf das \u00bbgeschrieben\u00ab bezieht, und nicht auf das \u00bbgeschlachtet\u00ab bzgl. des Lammes, gehe ich hier nicht weiter ein. Beides ist grammatisch m\u00f6glich, die Mehrdeutigkeit ist im Griechischen real. Die Entscheidung f\u00fcr das erstere Verst\u00e4ndnis ist theologisch begr\u00fcndet. Es scheint in der \u00bbBr\u00fcderbewegung\u00ab noch das \u00fcbliche Verst\u00e4ndnis zu sein (so wiedergegeben in nichtrevELB, ELBCSV, SCHL2000, LUT, KJV, NKJV, ESV, NASB). Die Hermeneutik der Reformation enth\u00e4lt die Grundregel:&nbsp;<strong>Unklare Stellen werden durch klare Lehre entschieden.&nbsp;<\/strong>Der historisch-kritische Ansatz hingegen nimmt jede Stelle f\u00fcr sich und gibt (hier) der Syntax Vorrang vor der theologischen Systematik und Widerspruchsfreiheit. Bindung an \u00bbgeschlachtet\u00ab liefern: Einheits\u00fcbersetzung, NG\u00dc, Z\u00fcrcher Bibel, BasisBibel, neuere ELBREV, NIV, NRSV. \u2013 Die grundtextnahe ESV hat trotzdem \u00bb<strong>written<\/strong>&nbsp;before the foundation\u00ab, die NIV dagegen: \u00bbLamb&nbsp;<strong>slain<\/strong>&nbsp;from the foundation\u00ab, die LUTH2017 l\u00e4sst die Zuordnung offen.&nbsp;<strong>Fazit:&nbsp;<\/strong>Offenbarung&nbsp;13,8 ist kein Fall, wo die Grammatik die Theologie diktiert, sondern&nbsp;<strong>ein Fall, wo die Theologie die \u00dcbersetzung lenkt<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zu Offenbarung 20,12\u201315<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bb Und ich sah die Toten, die Gro\u00dfen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und B\u00fccher wurden ge\u00f6ffnet; und ein anderes Buch wurde ge\u00f6ffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden&nbsp;<strong>gerichtet nach dem, was in den B\u00fcchern geschrieben war, nach ihren Werken<\/strong>. \u2026 Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die \u00bbBr\u00fcder\u00ab haben hingewiesen, dass es&nbsp;<strong>zwei Kategorien von B\u00fcchern<\/strong>&nbsp;gibt: eines zeichnet die Werke der Menschen auf, das andere deren g\u00f6ttliche Zugeh\u00f6rigkeit (im Heil). Beide sind strikt zu unterscheiden. Kelly und Darby weisen darauf hin, dass die Funktion des \u00bbBuches des Lebens\u00ab nicht eines der Pr\u00fcfung ist, sondern als eine Art Best\u00e4tigungsregister. Das Urteil erfolgt alleine nach den Werken des Menschen. Zudem: Wer vor diesem Gericht steht, ist bereits verloren! Dieses \u00bbGericht der Toten\u00ab entscheidet nicht erst \u00fcber das Heil jener \u00bbToten\u00ab, es offenbart richterlich den bereits feststehenden Zustand.&nbsp;<strong>Im Gericht am Ende entscheidet Gott nicht erst, sondern er offenbart, was f\u00fcr ihn feststand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zu Lukas 10,20<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bb[F]reut euch vielmehr, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>C.H. Mackintosh betont, wie wichtig diese Stelle pastoral ist. Hier zeigt sich die praktische Seite der \u00bbBr\u00fcderbewegung\u00ab. Sie nimmt den Impuls der&nbsp;<strong>Heilsgewissheit<\/strong>&nbsp;im Hier und Jetzt auf, und zwar nicht spekulativ, sondern existenziell.&nbsp;<strong>Der Gl\u00e4ubige soll wissen, dass sein Name geschrieben ist. Das ist das Entscheidende. Das ist von Menschen nicht wegzunehmen.<\/strong>&nbsp;Egal, ob man im Dienst f\u00fcr Gott Erfolg hat (wie hier) oder keinen \u00bbErfolg\u00ab hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Lehrv\u00e4ter der \u00bbBr\u00fcderbewegung\u00ab lehrten:&nbsp;<strong>Das \u00bbBuch des Lebens\u00ab ist kein offenes Register, sondern der Ausdruck der ewigen, unwiderruflichen Erw\u00e4hlung Gottes, sichtbar gemacht im Heil der Gl\u00e4ubigen und best\u00e4tigt im Gericht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4 Zitate<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4.1 Begriffslexikon, 2005.<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDieser Ausdruck kommt nur in der Offenbarung (7x) und in Phil 4,3 vor. Es wird als das Lebensbuch des Lammes bezeichnet und enth\u00e4lt seit Anbeginn der Welt&nbsp;<strong>die Namen aller, die gerettet sind<\/strong>. Wer dort nicht verzeichnet ist, wird in den Feuersee geworfen werden (Offb 20,15). Es wird auch von anderen \u201eB\u00fcchern\u201c gesprochen. Mose erw\u00e4hnt eines in 2. Mose 32,32; Daniel in Kap. 12,1; und in Offb. 20,12 finden wir, dass es B\u00fccher der Werke gibt, anhand derer die Verlorenen gerichtet werden. Aber die Gesegneten werden niemals vor das Gericht kommen (Joh. 5,24 w\u00f6rtlich), und das Buch des Lebens enth\u00e4lt allein deren Namen.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\"><em>A Dictionary Of Some Of The More Common Biblical Words And Phrases<\/em>&nbsp;(Galaxie Software, 2005), s.v. Book of Life. Eigene \u00dcbersetzung, Fettdruck hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurzkommentar:<\/strong>&nbsp;Der Lexikoneintrag beschr\u00e4nkt sich auf die Vorkommnisse des vollen Namens \u00bbBuch des Lebens\u00ab. Dieser kommt nur im NT vor. Die Deutung ist, dass dort&nbsp;<strong>die Namen aller (nach Vorsatz Gottes bereits) Geretteten<\/strong>stehen, der Namenseintrag in diesem Buch insofern als Sicherung vor dem Gericht Gottes dienen kann. Die Namensliste ist schon seit Anbeginn der Welt statisch&nbsp;<strong>fest und g\u00fcltig<\/strong>, insofern ist weder \u00bbEintragen\u00ab noch \u00bbL\u00f6schen\u00ab in der Zeit m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4.2 Roger Liebi,\u00a0<em>Das Buch des Lebens<\/em>. Seminarvorlage, 1998.<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbGott liebt alle Menschen und m\u00f6chte das Leben f\u00fcr jeden einzelnen von ihnen (lTim 2:4; 2Pet 3:9). Deshalb schrieb er alle Menschen zur Zeit der Erschaffung der Welt (\u201evon Grundlegung der Welt an\u201c) in das Buch des Lebens. Durch den S\u00fcndenfall kam jedoch das Verh\u00e4ngnis des Todes: \u201eDer Lohn der S\u00fcnde ist der Tod\u201c (R\u00f6m 6:23). Der stellvertretende Tod des Herrn Jesus als Lamm Gottes brachte aber die L\u00f6sung: \u201edie Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;(R\u00f6m 6:23).<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch, der im Mutterleib gebildet wird, steht bereits im Lebensbuch. Wenn er jedoch in seinem Leben Gottes Angebot zur Vergebung seiner S\u00fcnden nicht in Anspruch nimmt, wird er nach Ablauf seiner Gnadenzeit aus dem Buch des Lebens getilgt. Die Gnadenzeit f\u00fcr den einzelnen Menschen l\u00e4uft sp\u00e4testens mit seinem Tod ab (vgl. Mark 2:10; Heb 9:27; 2Mos 9:12).<\/p>\n\n\n\n<p>Beim letzten Gericht vor dem grossen, weissen Thron wird den Verlorenen mit dem Buch des Lebens deklariert werden: Gott wollte euch das Leben geben, ihr aber habt es von euch gewiesen. Eure Namen sind nicht mehr darin. Die Konsequenz davon wird die ewige Pein sein.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Roger Liebi,<em>\u00a0Das Buch des Lebens<\/em>. Seminarvorlage mit Datum 02.06.1998.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurzkommentar:<\/strong>&nbsp;Gott ist hier kein ewig und frei erw\u00e4hlender Gott mehr, wie es die Bibel vielfach bezeugt, sondern&nbsp;<strong>ein Gott guter Absichten<\/strong>, der aber letztlich hilflos zusehen und abwarten muss, ob die Menschen sich f\u00fcr Gottes Heilsangebot entscheiden werden. Der Mensch allein entscheidet \u00fcber sein ewiges Gl\u00fcck. Den aktuellen Stand, den aktuellen Umsetzungserfolg des ewigen Rettungswillens Gottes, zeigen die Eintr\u00e4ge im \u00bbBuch des Lebens\u00ab. Als Buchhalter greift Gott ggf. zum g\u00f6ttlichen Radiergummi, um seine eigenen (irrt\u00fcmlichen?) \u00bbEintragungen auf Probe\u00ab wieder zu entfernen. Das Buch des Lebens reduziert sich zu einem Ausweis, dass Gott&nbsp;<em>im Prinzip<\/em>&nbsp;rettende Absichten hat. \u2013 Soll hier wieder einmal Gott davor bewahrt werden, dass Er wie Gott handelt (R\u00f6mer&nbsp;9,15\u201324)? Der Entwurf hat Ankl\u00e4nge zu Ideen im Judentum, im Arminianismus und im Semi-Pelagianismus. Die Schrift hingegen sagt: \u00bbAlso liegt es nun nicht an dem Wollenden noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott.\u00ab (R\u00f6mer&nbsp;9,16).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4.3 John MacArthur,\u00a0<em>Divine Immutability and the Doctrines of Grace<\/em>, 2006.<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDer Plan Gottes war von Ewigkeit her, einen Teil der gefallenen Menschheit durch das Werk des Sohnes und zur Ehre des Sohnes zu erl\u00f6sen (vgl. 2Tim&nbsp;4,18). Es gab einen Moment in der Ewigkeit vor der Zeit (wenn wir so in unvollkommen zeitlichen Begriffen von der Ewigkeit sprechen d\u00fcrfen), als der Vater seine vollkommene und unbegreifliche Liebe zum Sohn zum Ausdruck bringen wollte. Um dies zu tun, beschloss er, dem Sohn eine erl\u00f6ste Menschheit als Liebesgabe zu geben&nbsp;\u2013&nbsp;eine Schar von M\u00e4nnern und Frauen, deren Aufgabe es sein sollte, den Sohn w\u00e4hrend aller \u00c4onen der Ewigkeit zu preisen und zu verherrlichen und ihm vollkommen zu dienen. Engel allein w\u00fcrden in dieser Hinsicht nicht ausreichen, denn es gibt Eigenschaften des Sohnes, f\u00fcr die Engel ihn nicht richtig preisen k\u00f6nnen, da sie die Erl\u00f6sung nie erfahren haben. Aber eine erl\u00f6ste Menschheit, als direkte Empf\u00e4nger seiner unverdienten Gunst, w\u00fcrde f\u00fcr immer als ein ewiges Zeugnis f\u00fcr die unendliche Gr\u00f6\u00dfe seiner Barmherzigkeit und Gnade stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater beschloss daher, dem Sohn eine erl\u00f6ste Menschheit als sichtbaren Ausdruck seiner unendlichen Liebe zu geben. Dabei w\u00e4hlte er alle aus, die diese erl\u00f6ste Menschheit bilden sollten, und schrieb, bevor die Welt begann, ihre Namen in das&nbsp;<strong>Buch des Lebens<\/strong>&nbsp;(Offb&nbsp;13,8; 17,8). Sein Geschenk an den Sohn besteht aus denjenigen, deren Namen in diesem Buch stehen&nbsp;\u2013&nbsp;eine freudige Gemeinde unverdienter Heiliger, die den Sohn f\u00fcr immer preisen und ihm dienen werden.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">John MacArthur,&nbsp;<em>Divine Immutability and the Doctrines of Grace.&nbsp;<\/em>Vorwort in: Steven J. Lawson,&nbsp;<em>Foundations of Grace (A Long Line of Godly Men),&nbsp;<\/em>Lake Mary, FL: Ligonier Ministries, 2006.&nbsp;Eigene \u00dcbersetzung, Fettdruck hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurzkommentar:<\/strong>&nbsp;Das Buch des Lebens enth\u00e4lt hier alle vorzeitlich zur Gemeinschaft mit dem Sohn und damit zum Heil erw\u00e4hlten Menschen, und zwar \u00abbevor die Welt begann\u00ab (daher k\u00f6nnen die Namen dann auch \u00bbseit\u00ab Anbeginn der Welt im Buch stehen, und zwar statisch).&nbsp;<strong>Die Liste ist fix<\/strong>, es gibt in der Zeit weder einen Neueintrag noch eine L\u00f6schung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesedauer: 31 Minuten, Langstudie. Die Heilige Schrift, selbst eine Bibliothek einiger zig B\u00fccher (lat.\u00a0Biblia\u00a0= \u00bbB\u00fccher\u00ab), erw\u00e4hnt auch andere B\u00fccher, teilweise namentlich, teilweise anspielend. Eines davon spielt eine herausragende Rolle in der gesamten Heilsgeschichte: Das \u00bbBuch des Lebens\u00ab (es wird auch mit anderen und verk\u00fcrzten Titeln bezeichnet, es mag auch mehrere B\u00fccher diesen Titels geben). 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