{"id":4055,"date":"2026-03-28T19:42:46","date_gmt":"2026-03-28T18:42:46","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=4055"},"modified":"2026-03-30T11:51:34","modified_gmt":"2026-03-30T09:51:34","slug":"harte-worte-sind-lieblose-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=4055","title":{"rendered":"Harte Worte sind lieblose Worte!?"},"content":{"rendered":"\n<p>Lesedauer: 22\u00a0Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen, die in der <strong>Verk\u00fcndigung einer christlichen Gemeinde <\/strong>aktiv sind, zum Beispiel predigen, lehren, Andacht oder Jugendstunde halten, sind in der Regel recht unterschiedlich. Das betrifft ihr Anliegen, ihre Inhalte, ihre Sprache, ihre Redeweise und manche andere formale und inhaltliche Aspekte mehr. Vielfalt in der Verk\u00fcndigung kann der Vielzahl der Bed\u00fcrfnisse der H\u00f6rer manchmal entgegenkommen. Aber wie bei jedem \u00bb<strong>Dienst des Wortes<\/strong>\u00ab sind Vielfalt und Kreativit\u00e4t kein Ziel an sich, vielmehr sind bestimmte Grenzen und Zielsetzungen zu beachten, die Gottes Wort vorgibt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Dies geht jeden Christen an. Aber insbesondere f\u00fcr den Prediger ist es ein wichtiges praktisches Thema, Teil der\u00a0<strong>Homiletik<\/strong>, der biblischen Lehre von der Verk\u00fcndigung. Prediger m\u00fcssen wissen,\u00a0<strong>wie<\/strong>\u00a0sie reden sollen, nicht nur,\u00a0<strong>was<\/strong>\u00a0sie reden sollen. Sie werden diesbez\u00fcglich angesprochen werden. Viele einschl\u00e4gige Beispiele und personenbezogene Studien liegen dem Homiletikstudenten vor. <\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Fragestellung ist jedoch konkreter und eingeschr\u00e4nkter: <strong>Sind harte Worte <em>per se<\/em> <\/strong>(in sich, wesenseigen) <strong>lieblose Worte? <\/strong>Dabei wird implizit angenommen, dass lieblose Worte stets christlich verbotene Worte seien, denn \u00bbGott ist Liebe!\u00ab. Wir verstehen hier unter \u00bbWorte\u00ab Ausspr\u00fcche, also ganze S\u00e4tze, aber untersuchen dabei auch den Gebrauch der \u00bbW\u00f6rter\u00ab. Wir wollen nun als Hilfe f\u00fcr diese \u00dcberlegungen ein <strong>Fallbeispiel<\/strong> skizzieren. Es soll die Fragestellung illustrieren und ein <strong>Diskussionsobjekt<\/strong> bieten. Ersch\u00f6pfende Bearbeitung der Thematik ist nicht angezielt und in diesem Rahmen auch nicht realisierbar. Nach Diskussion des Fallbeispiels sollen die Ergebnisse aber in gr\u00f6\u00dferen Rahmen gesetzt werden, um den <strong>Anwendungsbereich<\/strong> zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fallbeispiel: <\/strong>Ein christlicher Prediger bekam folgendes Feedback: \u00bbIch habe oft das Gef\u00fchl, dass in der Art der Kommunikation die Liebe fehlt. Die Tonart und abf\u00e4llige Worte (wie \u00bbirre\u00ab, \u00bbpervers\u00ab, \u00bbabsurd\u00ab &#8211; Menschen gegen\u00fcber) haben nichts mit liebevollem Umgang zu tun.\u00ab Die Person bezog sich dabei auf Verk\u00fcndigungsereignisse, die sie h\u00f6rend miterlebt hatte. Sie meinte nicht Momente, wo aktuelle Zuh\u00f6rer auf diese Weise direkt angesprochen oder beurteilt (abgeurteilt) wurden. Es ging wohl darum, dass andere Menschen und Ideen, die im Verlauf einer Predigt im Text der Bibel selbst erw\u00e4hnt oder in der Kirchen- oder Weltgeschichte real auftraten, vom Prediger so bezeichnet wurden. Die reklamierten \u00bblieblosen\u00ab Attribute bezogen sich zum Beispiel wertend auf widerg\u00f6ttliche Ordnungen, Prinzipien oder Praktiken, die Menschen vertreten, propagieren oder auch demonstrativ ausleben. Zuh\u00f6rer waren nicht gemeint. Diese Unterscheidung ist wesentlich, wie wir weiter unten noch zeigen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein christlicher Verk\u00fcndiger und Nachfolger Jesu wird von dieser Fragestellung zurecht zum Nachdenken und zur Diskussionen herausgefordert:\u00a0<strong>Wie hat es Jesus Christus damit gehalten, wie die Apostel Jesu?\u00a0<\/strong>Ein \u00c4ltester beantwortete diese Frage damit, dass Jesus nie grobe Worte \u00fcber Dritte (nicht Anwesende) gesagt habe. Er habe immer nur die Betreffenden direkt ins Gesicht angesprochen, zuweilen auch mit harten Worten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Schrift gelesen hat, wei\u00df, dass dies nicht stimmt. Man sollte diese Fragestellung also nochmals gr\u00fcndlich anhand der Heiligen Schrift untersuchen. Vielleicht hilft die Beantwortung der folgenden <strong>Fragenliste<\/strong> als Leitfaden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Hat Jesus \u00fcberhaupt harte Worte ausgesprochen oder ist das immer S\u00fcnde?<\/li>\n\n\n\n<li>Hat Jesus harte Worte Menschen direkt ins Gesicht gesagt?<\/li>\n\n\n\n<li>Hat Jesus zu anderen \u00fcber Nichtanwesende mit harten Worten geredet?<\/li>\n\n\n\n<li>Hat Jesus stets zwischen Sache und Person getrennt, also die S\u00fcnde hart bezeichnet, aber den S\u00fcnder ohne verbale Konfrontation stehen gelassen?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Wie redete Jesus?<\/h1>\n\n\n\n<p>Um zu beurteilen und zu beobachten, wie man als Christ leben soll, ist die Beobachtung Christi zu seiner irdischen Lebenszeit anhand der Schrift unumg\u00e4nglich und normativ (d.h., er definiert, was christlich ist). Dazu geh\u00f6rt sein Leben wie sein Reden, besonders, falls er ausdr\u00fccklich \u00fcber das vorliegende Thema direkt redete.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Evangelien<\/strong>&nbsp;zeigen, dass Jesus nicht nur&nbsp;<strong>Menschen direkt konfrontiert<\/strong>, sondern gelegentlich auch&nbsp;<strong>\u00fcber bestimmte Gruppen oder Personen in deren Abwesenheit spricht<\/strong>&nbsp;und dabei durchaus&nbsp;<strong>scharfe, teilweise drastische Sprache<\/strong>verwendet. Allerdings ist diese Sprache fast immer&nbsp;<strong>funktional<\/strong>&nbsp;(prophetische Kritik, Warnung, Entlarvung von Heuchelei), nicht blo\u00df menschlich abwertend im modernen Sinn. Hier sind die wichtigsten Kategorien mit Beispielen:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten (auch in ihrer Abwesenheit)<\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders deutlich ist das in den Synoptikern:, wo Jesus \u00fcber die religi\u00f6sen F\u00fchrer redet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>\u00bbBlinde F\u00fchrer\u00ab<\/strong>&nbsp;(Mt 15,14; Mt 23,16)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>\u00bbHeuchler\u00ab (<\/strong><strong>\u1f51<\/strong><strong>\u03c0\u03bf\u03ba\u03c1\u03b9\u03c4\u03b1\u03af)<\/strong>&nbsp;\u2013 sehr h\u00e4ufig (z. B. Mt 23)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>\u00bbSchlangen, Otterngez\u00fccht\u00ab<\/strong>&nbsp;(Mt 23,33)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>\u00bb\u00dcbert\u00fcnchte Gr\u00e4ber\u00ab<\/strong>&nbsp;(Mt 23,27)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Formulierungen tauchen zwar oft in direkter Rede auf, aber auch in&nbsp;<strong>lehrhaften Kontexten gegen\u00fcber den J\u00fcngern<\/strong>, wo Jesus \u00fcber diese Gruppen beispielsweise spricht: \u00bbH\u00fctet euch vor dem Sauerteig der Pharis\u00e4er\u00ab (Mt 16,6). Sauerteig ist hier ein Bild f\u00fcr&nbsp;<strong>verderblichen Einfluss; das ist<\/strong><strong>&nbsp;<\/strong>indirekt, aber&nbsp;<strong>klar und deutlich negativ<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber Herodes Antipas, einem politischen Herrscher<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein besonders markantes Beispiel steht in&nbsp;<strong>Lk 13,32<\/strong>, Hier&nbsp;nennt Jesus den Herrscher Herodes Antipas einen \u00bbFuchs\u00ab: \u00bbGeht hin und sagt diesem Fuchs\u2026\u00ab. \u00bbFuchs\u00ab (griech.&nbsp;<em>al\u014dp\u0113x<\/em>) steht hier f\u00fcr&nbsp;<strong>List, moralische Fragw\u00fcrdigkeit und Schw\u00e4che<\/strong>&nbsp;\u2014 eine&nbsp;<strong>abwertende, aber pr\u00e4zise Charakterisierung<\/strong>, ge\u00e4u\u00dfert gegen\u00fcber Dritten. (NB.: Paulus hatte sp\u00e4ter im R\u00f6merbrief nicht vor, Jesus daf\u00fcr zu kritisieren (R\u00f6m&nbsp;13,1ff; vgl. Tit&nbsp;3,1).)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber \u00bbdiese Generation\u00ab<\/h2>\n\n\n\n<p>Jesus spricht wiederholt&nbsp;<em>generalisierend<\/em>&nbsp;\u00fcber seine Zeitgenossen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>ein \u00bbb\u00f6ses und ehebrecherisches Geschlecht\u00ab<\/strong>&nbsp;(Mt 12,39; 16,4)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>eine \u00bbungl\u00e4ubige und verkehrte Generation\u00ab<\/strong>&nbsp;(Mt 17,17)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Dies ist keine neutrale Diagnose, sondern eine&nbsp;<strong>prophetische Anklageformel<\/strong>, \u00e4hnlich wie bei den alttestamentlichen Propheten. Christus hat gezeigt, dass solche Redeweise&nbsp;&nbsp;tadellos zur christlichen Rede geh\u00f6ren kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber falsche Lehrer \/ religi\u00f6se F\u00fchrer allgemein<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch ohne konkrete Namensnennung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>\u00bbblinde Blindenf\u00fchrer\u00ab<\/strong>&nbsp;(Mt 15,14)<\/li>\n\n\n\n<li>Warnung vor \u00bb<strong>W\u00f6lfen im Schafspelz<\/strong>\u00ab (Mt 7,15)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das sind&nbsp;<strong>metaphorisch scharfe Bilder<\/strong>, die klar negativ konnotiert sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber einzelne J\u00fcnger (auch indirekt)<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Grenzfall:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Zu den J\u00fcngern \u00fcber den ungl\u00e4ubigen Zustand (Mt 17,17)<\/li>\n\n\n\n<li>Zu Simon Peter direkt: \u00bbGeh hinter mich,&nbsp;<strong>Satan<\/strong>!\u00ab (Mk 8,33)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Letzteres ist direkt, aber zeigt, dass Jesus&nbsp;<strong>auch im engeren Kreis drastische Sprache verwendet<\/strong>, wenn es um Fehlorientierung in Zentralfragen geht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einordnung: Ton und Funktion<\/h2>\n\n\n\n<p>Wichtig f\u00fcr die Bewertung sind folgende Beobachtungen und \u00dcberlegungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Sprache ist oft&nbsp;<strong>prophetisch zugespitzt<\/strong>&nbsp;(vgl. Jeremia, Jesaja).<\/li>\n\n\n\n<li>Das Ziel ist meist die<strong>&nbsp;Aufdeckung von Heuchelei<\/strong>, die <strong>Warnung vor Fehlleitung<\/strong> und der <strong>Aufruf zur Umkehr.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Sie richtet sich vor allem gegen die&nbsp;<strong>religi\u00f6se Elite<\/strong>, die&nbsp;<strong>Machttr\u00e4ger und F\u00fchrer<\/strong>&nbsp;und gegen <strong>kollektive<\/strong>&nbsp;<strong>Verstocktheit.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Der Herr Jesus Christus leistete sich nie ein triviales \u00bb<strong>L\u00e4stern<\/strong>\u00ab \u00fcber Einzelpersonen oder eine&nbsp;<strong>pers\u00f6nliche Beleidigung<\/strong>&nbsp;ohne inhaltlichen Bezug.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Jesus spricht durchaus auch zu Anwesenden \u00fcber Nichtanwesende<strong>, auch mit&nbsp;<\/strong>teilweise&nbsp;<strong>deftigen, scharf zugespitzten Begriffen<\/strong>&nbsp;(z. B. \u00bbFuchs\u00ab, \u00bbOtterngez\u00fccht\u00ab, \u00bbb\u00f6ses Geschlecht\u00ab). Seine Sprache ist stets heilig und passend, dabei&nbsp;<strong>kontextgebunden, theologisch aufgeladen und zielgerichtet (Umkehr, Entlarvung). Man erkennt Unterschiede, je nachdem, ob Jesus seelsorgerlich mit einem bu\u00dfbereiten S\u00fcnder redet oder \u00fcber s\u00fcndig verh\u00e4rtete Menschen, die sich als Heilige, Gerechte und Gute darstellen, aber S\u00fcnde praktizieren und Falsches lehren. \u2013 <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Wir sollten in unserer Rede nicht gr\u00f6ber aber auch nicht \u00bbheiliger\u00ab oder \u00bblieber\u00ab als Jesus sein wollen.<\/mark><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Heilige Wortwahl<\/h1>\n\n\n\n<p>Nachdem die Frage, ob Jesus harte Worte verwendet hatte, mit Ja beantwortet werden muss, k\u00f6nnen wir noch allgemeiner die Heilige Schrift befragen, ob sie irgendwo sonst Menschen mit Attributen der Art: \u00bbirre\u00ab, \u00bbpervers\u00ab oder \u00bbabsurd\u00ab bezeichnet. Weiter gefragt: Ist dies in Ordnung (nach biblischen Ma\u00dfst\u00e4ben) oder ist das ein nicht hinnehmbarer&nbsp;<strong>Mangel an Liebe<\/strong>? (Weitergefragt: Kann man das&nbsp;<em>\u00fcberhaupt<\/em>&nbsp;beantworten?)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier kommt aus der Heilige Schrift eine klare Antwort:&nbsp;<strong>Die Bibel verwendet teilweise sehr scharfe, auch abwertend klingende Begriffe f\u00fcr Menschen oder ihr Verhalten<\/strong>.<strong>&nbsp;<\/strong>Sie tut dies aber nie im Sinne einer beliebigen Beschimpfung, sondern fast immer als moralisch-theologische Diagnose. Gleichzeitig setzt sie klare Grenzen f\u00fcr Sprache, die nur aus der Verachtung oder verletzender Gesinnung entsteht. Das wollen wir im Folgenden noch fallweise belegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gibt es Begriffe wie \u00bbirre\u00ab, \u00bbNarr\u00ab oder \u00bbTor\u00ab in der Bibel?<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Begriffe treten h\u00e4ufig, aber differenziert auf:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Im AT: \u00bbDer&nbsp;<strong>Tor<\/strong>&nbsp;spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott\u00ab (Ps 14,1)<\/li>\n\n\n\n<li>Im Neuen Testament warnt Jesus ausdr\u00fccklich: \u00bbWer zu seinem Bruder sagt: \u201aDu Narr!\u2018, wird dem Feuer der H\u00f6lle verfallen\u00ab (Mt 5,22). Hier steht griechisch \u03bc\u03c9\u03c1\u03cc\u03c2 (<em>moros<\/em>), also \u00bbt\u00f6richt, geistlich blind\u00ab.<br>(<strong>NB:&nbsp;<\/strong>\u00bbmoron\u00ab ist in der englischen Umgangssprache ein abwertendes Nomen, das einen sehr dummen Menschen bezeichnet; am g\u00e4ngigsten \u00fcbersetzt ins Deutsche mit: \u00bbIdiot, Trottel, Depp, Schwachkopf oder Vollidiot\u00ab.)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Stellt man beide Stellen nebeneinander, so scheint Jesus das leichtfertige Beschimpfen als \u00bbNarr\u00ab zu verbieten, aber er verwendet dieses Wort in Lehrzusammenh\u00e4ngen selbst:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bbDu&nbsp;<strong>Narr<\/strong>!\u00ab (Lk 12,20 \u2013 Gleichnis)<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bbIhr&nbsp;<strong>unverst\u00e4ndigen<\/strong>&nbsp;(\u1f00\u03bd\u03cc\u03b7\u03c4\u03bf\u03b9) und tr\u00e4gen Herzens!\u00ab (Lk 24,25)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Es passt also manchmal, aber nicht immer. Der Unterschied nach Herzenshaltung und Kontext ist zu beachten. Aber man kann nicht behaupten, Jesus h\u00e4tte diese Begriffe nicht verwendet, sie seien verboten. Nein, sie sind beim trefflichen Gebrauch&nbsp;<strong>christlich<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gibt es Begriffe wie \u00bbpervers\u00ab, \u00bbverkehrt\u00ab oder \u00bbverdorben\u00ab in der Bibel?<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Begriffe kommen ebenfalls in der Heiligen Schrift vor. Man muss aber beachten, dass die Bedeutung dieser Begriffe einem Wandel unterzogen war: Wir verstehen darunter teilweise etwas anderes, als die Schreiber der Heiligen Schrift damals:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bb<strong>verdrehte und verkehrte<\/strong>&nbsp;Generation\u00bb (Phil 2,15; vgl. Mt 17,17); griech.&nbsp;<em>diastreph\u014d<\/em>&nbsp;bedeutet:&nbsp;\u00bbverdreht, moralisch verzogen, korrupt\u00ab<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist dies ein Zitat aus den Abschiedspredigten des Mose:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bbein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht\u00ab (5Mose 32,5)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das meint nicht prim\u00e4r \u00bbsexuell pervers\u00ab, sondern moralisch verdreht, vom rechten Weg abgewichen. Wo die Heilige Schrift die Umkehrung (das Auf-den-Kopf-Stellen) der von Gott vorgegebenen Sch\u00f6pfungsordnung anklagt, verwendet sie folglich trefflich das Wort \u00bbpervers\u00ab. Dieses Fremdwort kommt aus dem Lateinischen&nbsp;<em>pervertere<\/em>&nbsp;= \u00bbumdrehen, verdrehen, umst\u00fcrzen\u00ab und bedeutet in seinem Partizip&nbsp;<em>perversus<\/em>: \u00bbumgekehrt, verdreht, verkehrt\u00ab. Damit bezeichnet man die&nbsp;<strong>Tatsache, dass eine zielgerichtete Struktur oder Ordnung bewusst oder faktisch gegen ihren eigenen Sinn verwendet wird<\/strong>. Das \u00bbverdrehte [<em>skolios<\/em>] und verkehrte [<em>diastreph\u014d<\/em>] Geschlecht\u00ab (Php 2,15) ist in der Tat eine \u00bbperverse Generation\u00ab! Im R\u00f6merbrief passt dann sogar die neuerdings st\u00e4rker sexuelle Konnotation des Begriffs dazu (aber nicht immer!). Wer beispielsweise \u00fcber R\u00f6mer&nbsp;1 predigt, w\u00e4re mit den oben genannten Begriffen voll in sicherem Fahrwasser.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gibt es Begriffe wie \u00bbabsurd\u00ab oder \u00bbsinnlos\u00ab&nbsp;in der Bibel?<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch hier gilt: Es gibt sie nicht als direktes Schimpfwort f\u00fcr Personen, aber im Sinne von:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Prediger: \u00bb<strong>Nichtigkeit<\/strong>\u00ab, \u00bbWindhauch\u00ab (hebr.&nbsp;<em>hevel<\/em>)<\/li>\n\n\n\n<li>Paulus: Der Apostel spricht von \u00bb<strong>nichtigen<\/strong>&nbsp;Gedanken\u00ab (R\u00f6m 1,21) und \u00bb<strong>t\u00f6richten<\/strong>&nbsp;Spekulationen\u00ab.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der Fokus liegt meist auf&nbsp;<strong>Denken und Verhalten<\/strong>, nicht zuerst auf dem Wert der Person.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weitere sehr robuste und starke Wortwahl<\/h2>\n\n\n\n<p>Die beispielhaft genannten W\u00f6rter, die angeblich unchristliche Lieblosigkeit belegen sollen, sind also in der Schrift enthalten und bei Jesus Christus anzutreffen. Aber man sollte den Blick weiten, wenn man den Wortgebrauch der Schrift untersucht. Man findet, dass die Schrift sogar noch&nbsp;<strong>deutlich h\u00e4rtere W\u00f6rter<\/strong>&nbsp;verwendet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bb<strong>Otterngez\u00fccht<\/strong>\u00ab (Mt 23,33)<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bb<strong>Hunde<\/strong>\u00ab (Mt 7,6; Phil 3,2)<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bb<strong>W\u00f6lfe<\/strong>\u00ab (Mt 7,15)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das sind&nbsp;<strong>extrem scharfe Metaphern<\/strong>, die sich fast immer gegen religi\u00f6se Verf\u00fchrer oder zerst\u00f6rerisches Verhalten richten, also meist in&nbsp;<strong>prophetischem (predigendem) Kontext<\/strong>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beantworten wir nun aufgrund dieser Untersuchung die Grundfrage:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ist solche robuste, harte Sprache f\u00fcr Christen in Ordnung?<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Herr Jesus lehrt in der \u00bbBergpredigt\u00ab (Mt&nbsp;5,22):&nbsp;<strong>Beschimpfung aus ver\u00e4chtlichem Herzen<\/strong>&nbsp;ist zu verurteilen, egal mit welchen Worten sie ausgesprochen wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unsere Wortwahl<\/strong>&nbsp;ist vor Gott (und Mensch, s.u.) justiziabel: \u00bbVon jedem&nbsp;<strong>unn\u00fctzen Wort<\/strong>, das die Menschen reden werden, werden sie Rechenschaft geben am Tag des Gerichts; denn aus deinen Worten wirst du&nbsp;<strong>gerechtfertigt<\/strong>&nbsp;werden, und aus deinen Worten wirst du&nbsp;<strong>verurteilt<\/strong>&nbsp;werden\u00ab (Mt&nbsp;12,36\u201337).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Christ wei\u00df zudem um&nbsp;<strong>Jesu Befehl<\/strong>&nbsp;durch Paulus: \u00bbKein&nbsp;<strong>faules Wort<\/strong>&nbsp;komme aus eurem Mund\u00ab (Eph 4,29), vielmehr: \u00bbEuer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gew\u00fcrzt, so dass ihr wisst, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt\u00ab (Kol 4,6). Der Begriff \u00bbmit Salz gew\u00fcrzt\u00ab deutet bestimmt nicht auf eine s\u00fc\u00dflich-schleimige oder rein auf Nettigkeit bedachte Wortwahl. Die Anspielung mit \u00bbSalz\u00ab mag eher daraufhin deuten, dass unsere Rede nichts Verderbliches enthalten soll.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der&nbsp;<strong>Grundsatz<\/strong>&nbsp;kann damit versuchsweise so formuliert werden:&nbsp;<strong>Sprache darf nicht aus Verachtung, Hass oder \u00dcberheblichkeit kommen.<\/strong>&nbsp;Da dies ein Herzenskriterium formuliert, entzieht es sich unserem direkten Zugriff und Urteil, Gott allein ist der \u00bbHerzenskenner\u00ab (Lk 16,15; Apg 1,24; 15,8). Unser Urteil muss daher mit Vorsicht getroffen und mit Vorbehalt versehen sein. Nach dem Frucht-Baum-Metapher gilt aber grunds\u00e4tzlich: \u00bbAus der F\u00fclle des Herzens redet der Mund\u00ab (Mt 12,34b).&nbsp;<strong>Custodi cor tuum<\/strong><strong>!<\/strong>&nbsp;(Spr&nbsp;4,23).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es ist Raum f\u00fcr scharf gesagte Wahrheit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bibel erlaubt und nutzt&nbsp;<strong>diagnostische Sprache<\/strong>&nbsp;(d.h., sie benennt S\u00fcnde klar). Sie nutzt auch deutlich&nbsp;<strong>warnende Sprache<\/strong>&nbsp;(und sch\u00fctzt damit andere). Und sie scheut auch nicht vor&nbsp;<strong>prophetischer Zuspitzung<\/strong>&nbsp;zur\u00fcck. <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Der Prediger heute darf und muss manchmal die angemessen scharfe Sprache des Propheten verwenden.<\/mark><\/strong> Wir sehen das an Jesus in seinen Worten gegen die Heuchelei und Heuchler, aber auch bei Paulus gegen\u00fcber falschen Lehrern (z.B. Gal 5,12, sehr scharf!).<\/p>\n\n\n\n<p>Anders gesagt: Da das Wort Gottes das \u00bbSchwert des Geistes\u00ab (Eph 6,17) ist, das \u00bbsch\u00e4rfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist\u00ab ist (Heb 4,12\u201313), ist zu erwarten, dass seine (rechtm\u00e4\u00dfige) Anwendung zu \u00bbSpitzen\u00ab, \u00bbSchnitten\u00ab, \u00bbVerletzungen\u00ab und \u00bbDurchbohrungen\u00ab (Apg 5,33, 7:54) f\u00fchrt.&nbsp;<strong>Dies ist nicht ein Unfall, sondern der Betriebsfall.<\/strong>&nbsp;Der zeitgeistige Vorwurf \u00bbDu hast mich verletzt!\u00ab im Klischee der Opfer-T\u00e4ter-Umkehr konstatiert also im betreffenden Fall kein \u00dcbel, sondern den zu begr\u00fc\u00dfenden chirurgischen Eingriff oder milit\u00e4rischen Angriff gegen das \u00dcbel<strong>&nbsp;<\/strong>(2Kor 11,4; Hebr 4,12; Eph 6,17).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der entscheidende Unterschied<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bibel unterscheidet nicht einfach zwischen \u00bbnetter\u00ab und \u00bblieblos-harter\u00ab Wortwahl, sondern sagt deutlich, dass eine Beschimpfung aus Stolz, Hass oder Geringsch\u00e4tzung der Person unzul\u00e4ssig ist, wohingegen harte Worte v\u00f6llig am Platz sind, um der Wahrheit, der Verantwortung oder dem Ziel einer Umkehr (Bu\u00dfe) zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders gesagt:&nbsp;<strong>Die Bibel erlaubt scharfe moralische Urteile \u00fcber Menschen, aber sie verbietet entw\u00fcrdigende Herabsetzung der Person.&nbsp;<\/strong>Wir d\u00fcrfen S\u00fcnde benennen, aber in der Regel Menschen, deren Herzen wir nicht kennen, nicht ver\u00e4chtlich machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht es um die&nbsp;<strong>Beurteilung von Lehren und Ideen<\/strong>, darf robuste Sprache verwendet werden, die auch die Grenzen zu Spott, Ironie, Polemik und Satire \u00fcberschreiten darf. Die Bibel macht das oftmals vor.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Ethik der Sprache<\/h1>\n\n\n\n<p>Wenn wir vom anfangs geschilderten Fall zur\u00fccktreten und die Thematik grunds\u00e4tzlicher betrachten, landen wir beim Thema der Sprachethik. Was lehrt die Schrift dazu? Mit Blick auf den Rahmen der begonnenen Diskussion soll Folgendes gesagt werden, das nat\u00fcrlich (an anderer Stelle) noch der Erg\u00e4nzung bedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bibel hat eine&nbsp;<strong>koh\u00e4rente Sprachethik<\/strong>, die sich aus mehreren Textschichten ergibt. Man kann dies nach vier zusammenh\u00e4ngenden Aspekten betrachten:&nbsp;<strong>Quelle&nbsp;<\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>&nbsp;Inhalt&nbsp;<\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>&nbsp;Form&nbsp;<\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>&nbsp;Ziel<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Quelle der Rede: Das Herz als Ursprung<\/h2>\n\n\n\n<p>Den zentralen Gedanken liefert der Sohn Gottes: \u00bbWovon das Herz voll ist, davon redet der Mund\u00ab (Mt 12,34). Sprache ist also kein neutrales Werkzeug, sondern&nbsp;<strong>Ausdruck innerer Disposition<\/strong>. Das Reden offenbart (in der Regel) den verborgenen Herzenszustand. So lesen wir: \u00bbAus dem Herzen kommen \u2026 L\u00e4sterungen\u00ab (Mt 15,19) und in Jakobus 3 wird die Zunge (metonymisch: das Reden) als \u00bbFeuer\u00ab bezeichnet, das gro\u00dfe zerst\u00f6rerische Wirkung entfalten kann und die den ganzen Menschen pr\u00e4gt. Die Konsequenz daraus ist: Das Problem unzul\u00e4ssig harter Worte sind nicht prim\u00e4r die \u00bbharten Worte\u00ab, sondern&nbsp;<strong>das&nbsp;<\/strong><strong>harte<\/strong><strong>&nbsp;Herz hinter den Worten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Inhalt der Rede: Wahrheit oder Nettigkeit?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Diktat der \u00bbNettigkeit\u00ab f\u00fchrt in die Irre. (<strong>Nettigkeit<\/strong>&nbsp;ist ein Verhalten, das darauf abzielt, anderen durch&nbsp;<strong>freundliche, konfliktarme und angenehme Interaktion&nbsp;<\/strong>das Gef\u00fchl von Wohlbefinden zu geben, ohne notwendigerweise auf Wahrheit oder tiefere Verantwortung ausgerichtet zu sein.) Die Bibel fordert nicht rigoros \u00bbNettigkeit\u00ab, sondern&nbsp;<strong>zu allererst&nbsp;Wahrhaftigkeit<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bbdie&nbsp;<strong>Wahrheit<\/strong>&nbsp;festhaltend in Liebe, lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus\u00ab (Eph 4,15)<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bbLegt die L\u00fcge ab und redet&nbsp;<strong>Wahrheit<\/strong>\u00ab (Eph 4,25)<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bbLiebe freut sich an der&nbsp;<strong>Wahrheit<\/strong>\u00ab (1Kor 13,6)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wahrheit muss \u00bbfestgehalten\u00ab werden. Wie dies \u00bbin Liebe\u00ab geschieht, hat der Christus vollkommen vorgemacht. Daran hat der Christ sich zu orientieren, nicht an selbstgemachten oder traditionellen Normen, wenn diese die Wahrheit unterdr\u00fccken (Scham-Kultur, L\u00fcgen-Kultur, Heuchelei, Betrug usw.). Das bedeutet, dass&nbsp;<strong>S\u00fcnde benannt werden darf und muss<\/strong>, und dass&nbsp;<strong>falsche Lehre scharf kritisiert<\/strong>&nbsp;werden darf und muss. Daraus folgt ggf. eine nicht-schonende, \u00bbnicht-nette\u00ab Sprachwahl:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Jesus redet von \u00bb<strong>Heuchler<\/strong>\u00ab, \u00bb<strong>blinde F\u00fchrer<\/strong>\u00ab<\/li>\n\n\n\n<li>Paulus redet oft mit deutlicher Polemik gegen&nbsp;<strong>Irrlehrer<\/strong>&nbsp;(z. B.: \u00bbich wollte, dass sie sich selbst kastrierten\u00ab in einem scharfen Wortspiel in Gal 5,12)<\/li>\n\n\n\n<li>Paulus kritisierte&nbsp;<strong>Fehlverhalten<\/strong>&nbsp;mit drastischen Worten (z.B.: \u00bbWenn ihr aber einander bei\u00dft und fresst\u00ab; Gal 5,15)<\/li>\n\n\n\n<li>Paulus bezeichnet die widerg\u00f6ttlichen Ideen und Lebensstile in R\u00f6mer&nbsp;1\u20133 sachlich mit \u00bbGottlosigkeit\u00ab und \u00bbUngerechtigkeit\u00ab (was f\u00fcr das Rechtsgef\u00fchl der R\u00f6mer ein Nogo war). Aber dann bezeichnet er die Verbreiter falscher Ideen in robuster Sprache als \u00bb<strong>Toren<\/strong>\u00ab (R\u00f6m 1,22;&nbsp;<em>mataio\u014d<\/em>, \u00bbIdioten\u00ab), die ihre \u00bb<strong>Torheiten<\/strong>\u00ab mit&nbsp;<strong>unverst\u00e4ndigen<\/strong>&nbsp;(<em>asynetos<\/em>) Herzen verbreiteten. (vgl. seine Liste in R\u00f6m 1,28\u201332).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Und die Gef\u00fchle?&nbsp;<\/strong>Entscheiden nicht diese letztendlich (gelesen als \u00bbentscheidend\u00ab!) \u00fcber richtig und falsch? Sie sind doch so authentisch und direkt? Hier haben wir das&nbsp;<strong>biblische Menschenbild<\/strong>&nbsp;zu beachten, sonst antworten wir \u00bbaus dem Bauch\u00ab, also falsch. Pointiertes Zitat dazu: \u00bbIch wei\u00df, dass es nicht so gut (will sagen: total falsch) war, aber es <strong><em>f\u00fchlte<\/em><\/strong> sich so gut an, also habe ich es getan!\u00ab (Assoziationen mit 1Mo&nbsp;3 w\u00e4ren hier ganz erhellend). Der Geist des Menschen ist es, der mit dem Geist Gottes in Verbindung (Kommunikation) tritt (treten soll). Es l\u00e4uft \u00fcber das Wort, nicht das Gef\u00fchl. Alles andere <em>folgt<\/em>, aber innerhalb des \u00bbgeistlichen Rahmens\u00ab des Wortes Gottes (<em>logikos<\/em>!). Die Gef\u00fchle (viele verstehen hier Seele oder Herz darunter, was teilweise problematisch ist) stehen beim Christen unter der Zucht des Geistes, des \u00bberneuerten Sinnes\u00ab (R\u00f6m 12,2). Analoges gilt f\u00fcr den K\u00f6rper. Vertauscht oder verdreht (ja: \u00bbpervertiert\u00ab!) man diese Ordnung des Sch\u00f6pfers, die Er in der Erl\u00f6sung wiederhergestellt hat, l\u00e4uft es schief. Sch\u00f6pfungslogisch! Erl\u00f6sungslogisch!<\/p>\n\n\n\n<p>Also:&nbsp;<strong>Wahrheit kann&nbsp;verletzend klingen,&nbsp;aber sie ist deswegen nicht automatisch falsch oder lieblos.<\/strong>&nbsp;Gef\u00fchle als Reaktion auf eine Ansprache oder ein Urteil liegen immer noch im Verantwortungsbereich des F\u00fchlenden, nicht des Redenden.&nbsp;<strong>Ob ich mich provozieren lasse oder nicht, ist meine pers\u00f6nliche Entscheidung.&nbsp;<\/strong>Der Redner ist Ausl\u00f6ser, aber nicht Verantwortlicher der Gef\u00fchle der Zuh\u00f6rer, und damit auch nicht deren Schuldner. Das kann man alleine mit Durchdenken des ABC-Modells erkennen: Derselbe Ausl\u00f6ser (zB Aussage eines Redners) kann von unterschiedlichen Empf\u00e4ngern (H\u00f6rern) ganz unterschiedlich bewertet und verstanden werden, was dann zu v\u00f6llig unterschiedlichen Gef\u00fchlsreaktionen bei den Empf\u00e4ngern f\u00fchren kann.&nbsp;<strong>Es gib keine direkte Ursache-Wirkungs-Kette, die Schuld zeitigte.<\/strong>&nbsp;Damit wird nicht geleugnet, sondern anerkannt, dass Kommunikation in sozialen Geflechten erfolgt, nicht im luftleeren Raum. Die sozialen Geflechte eignen aber nicht eine T\u00e4ter-Opfer-Umkehr.&nbsp;<strong>Nochmals: Wie ich gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig reagiere, ist vor allem meine Verantwortung.<\/strong>&nbsp;(F\u00fcr Belege m\u00f6ge man die Verk\u00fcndigungs-Episoden in Apg&nbsp;2,37 mit Apg&nbsp;5,33; 7,54 vergleichen.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Form der Rede: Wie gesprochen wird<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier m\u00fcssen wir differenzieren. Die Bibel setzt klare Kriterien f\u00fcr erlaubte Redeformen und verbotene Formen der Rede.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verbotene Formen<\/strong>&nbsp;werden immer wieder in der Schrift erw\u00e4hnt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bbfaules \/ verderbliches Wort\u00ab (Eph 4,29)<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bbL\u00e4sterung, Zorn, Geschrei\u00ab (Eph 4,31)<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bbZunge voll t\u00f6dlichen Giftes\u00ab (Jak 3,8)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Damit ist&nbsp;<strong>destruktive, abwertende, eskalierende Rede<\/strong>&nbsp;nur im Krisenfall erlaubt, ansonsten soll Sprache kl\u00e4ren, nicht zerst\u00f6ren. Aber es gibt klare Ausnahmen, wo Sch\u00e4rfe und zerst\u00f6rerische H\u00e4rte nicht aus dem s\u00fcndigen Fleisch, sondern dem Geist Gottes stammt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bb Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, k\u00e4mpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind&nbsp;<strong>nicht fleischlich<\/strong>, sondern g\u00f6ttlich m\u00e4chtig zur&nbsp;<strong>Zerst\u00f6rung<\/strong>&nbsp;von Festungen, indem wir Vernunftschl\u00fcsse&nbsp;<strong>zerst\u00f6ren<\/strong>&nbsp;und jede H\u00f6he, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken&nbsp;<strong>gefangen nehmen<\/strong>unter den Gehorsam des Christus und bereit stehen, allen Ungehorsam zu&nbsp;<strong>strafen<\/strong>, wenn euer Gehorsam erf\u00fcllt sein wird.\u00ab (2Kor 11,3\u20136)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>gebotenen Formen<\/strong>&nbsp;kann man umrei\u00dfen mit folgenden Beispielen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00bb<strong>sanftm\u00fctig<\/strong>\u00ab (2Tim 2,25) \u2013 Jesu harte Rede kam von jemand, der ohne Widerspruch sagen konnte: \u00bbich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig\u00ab (Mt 11,29).<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bb<strong>mit Gnade, mit Salz gew\u00fcrzt<\/strong>\u00ab (Kol 4,6) \u2013 \u00bbSalz\u00ab deutet auf wahr, klar, pointiert, nicht weichgesp\u00fclt, Korruption bek\u00e4mpfend (erhaltende Wirkung!).<\/li>\n\n\n\n<li>\u00bb<strong>zur Erbauung<\/strong>\u00ab (Eph 4,29); dieses Beispiel leitet zum letzten Aspekt:<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Ziel der Rede: Wozu wird gesprochen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Jeder muss sich die Frage vorlegen, warum er was (Inhalt), wann (Zeitpunkt), warum (Motivation) und&nbsp;<strong>wozu (Zielsetzung)<\/strong>&nbsp;spricht. Ziel darf nie sein, sich \u00fcber andere zu erheben, den anderen grundlos zu verletzen oder blo\u00dfzustellen oder einfach Frust abzuladen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Biblisch zul\u00e4ssige Ziele<\/strong>&nbsp;sind hingegen: Auferbauung (Eph 4,29; s.o.), Korrektur (2Tim 2,25), Warnung (Jesus gegen\u00fcber religi\u00f6sen F\u00fchrern, Paulus gegen\u00fcber Irrlehre) und Aufruf zur Umkehr. Dabei ist auch prophetische Sprache erlaubt und manchmal geboten, die oft absichtlich scharf ist, um&nbsp;die&nbsp;<strong>Gewissen aufzur\u00fctteln.&nbsp;<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jesu teilweise drastische Rede richtete sich&nbsp;<\/strong>gegen&nbsp;<strong>verfestigte Heuchelei,&nbsp;<\/strong>gegen&nbsp;<strong>geistlichen Machtmissbrauch <\/strong>und f\u00fcr den <strong>Schutz anderer. <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Wenn er von Otterngez\u00fccht, blinden F\u00fchrern und Fuchs (f\u00fcr einen Herrscher, Herodes Antipas) sprach, war das keine impulsive Beleidigung, sondern eine gezielte, wahrheitsorientierte Entlarvung.<\/mark> In der Bergpredigt macht Jesus klar: Nicht die Sch\u00e4rfe ist das Problem, sondern die Verachtung (Herzenshaltung).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Die biblische Sprach-Ethik<\/strong>&nbsp;l\u00e4sst sich so zusammenfassen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wahrheit ist Pflicht<\/strong>, auch wenn sie hart ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Liebe ist Ma\u00dfstab<\/strong>, auch wenn sie korrigiert.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die<\/strong>&nbsp;<strong>W\u00fcrde der Person bleibt unantastbar<\/strong>, auch wenn Verhalten scharf verurteilt wird. Der Herr wird jede&nbsp;<strong>Person<\/strong>&nbsp;gerecht richten, anhand deren Worte, Taten und Herz (Motive).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Absicht<\/strong>&nbsp;(Intention, Zielsetzung) entscheidet: Aufbau oder Zerst\u00f6rung?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Praxistipp: Bevor ich etwas Hartes sage, sollte ich \u00fcberdenken:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ist es&nbsp;<strong>wahr<\/strong>?<\/li>\n\n\n\n<li>Ist es&nbsp;<strong>notwendig<\/strong>?<\/li>\n\n\n\n<li>Dient es dem&nbsp;<strong>Gegen\u00fcber<\/strong>&nbsp;oder nur meinem \u00c4rger?<\/li>\n\n\n\n<li>Spreche ich aus&nbsp;<strong>Liebe oder \u00dcberlegenheit<\/strong>?<\/li>\n\n\n\n<li>W\u00fcrde&nbsp;<strong>Jesus<\/strong>&nbsp;diese Sch\u00e4rfe in dieser Situation einsetzen?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das alles kostet Zeit. Das mahnt uns, nicht schnell in Rede oder Gegenrede zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb<strong>Daher, meine geliebten Br\u00fcder, sei jeder Mensch schnell zum H\u00f6ren,&nbsp;<br>langsam zum Reden, langsam zum Zorn.<\/strong>\u00ab (Jakobus 1,19)<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Der Grenzfall: Die Straftat<\/h1>\n\n\n\n<p>Ein \u00f6ffentlich justiziabler Sprachgebrauch liegt (in der BRD) vor, wenn damit&nbsp;<strong>Personen<\/strong>&nbsp;beleidigt oder verleumdet werden.&nbsp;<strong>Ideen oder Aussagen<\/strong>&nbsp;kann man nicht beleidigen. Reine&nbsp;<strong>Sachkritik<\/strong>&nbsp;(Ideen, Meinungen, Konzepte) ist grunds\u00e4tzlich erlaubt, auch scharf formulierte. Zu sagen: \u00bbDiese Theorie ist Unsinn!\u00bb oder \u00bbDas ist absurd!\u00ab oder \u00bbDiese Argumentation ist falsch\/gef\u00e4hrlich!\u00ab ist keine Beleidigung, da keine konkrete Person herabgesetzt wird, sondern eine&nbsp;<strong>Sache bewertet wird<\/strong>. Die&nbsp;<strong>Meinungsfreiheit<\/strong>&nbsp;(Art. 5 GG) sch\u00fctzt ausdr\u00fccklich auch&nbsp;<strong>\u00fcberspitzte, emotionale und harte Kritik<\/strong>, aber sie endet dort, wo die&nbsp;<strong>Menschenw\u00fcrde oder pers\u00f6nliche Ehre<\/strong>&nbsp;verletzt wird. Unzul\u00e4ssige Schm\u00e4hkritik liegt vor, wenn&nbsp;<strong>nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache<\/strong>, sondern&nbsp;<strong>die Diffamierung der Person im Vordergrund steht.&nbsp;<\/strong>Ideen darf man jederzeit radikal kritisieren, Personen hingegen darf man nicht herabw\u00fcrdigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier verlassen wir die biblischen direkt gegebenen Vorgaben und sehen uns die verbindlichen Rechtsnormen der BRD an, denen alle Christen in der BRD unterliegen und biblisch verhaftet sind. Folgende drei&nbsp;<strong>Straftatbest\u00e4nde<\/strong>&nbsp;kennt das Strafgesetzbuch, die hier gem\u00e4\u00df ihrer Schwere geordnet aufgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beleidigung (\u00a7 185 StGB)<\/h2>\n\n\n\n<p>Beleidigung ist die Kundgabe der Missachtung oder Nichtachtung gegen\u00fcber einer anderen Person. Das kann geschehen durch Worte (\u00bbIdiot\u00ab, \u00bbpervers\u00ab u.a.), durch Gesten oder Schriftworte (auch online).&nbsp;<strong>Entscheidend ist nicht prim\u00e4r, ob die Aussage wahr ist, sondern ob sie die Ehre verletzt<\/strong>, denn&nbsp;<strong>auch wahre Aussagen k\u00f6nnen eine Beleidigung sein<\/strong>, wenn sie mit herabsetzender Absicht get\u00e4tigt werden. \u2013&nbsp;<strong>Strafma\u00dfe<\/strong>&nbsp;sind Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr (bei T\u00e4tlichkeit auch bis 2 Jahre).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcble Nachrede (\u00a7 186 StGB)<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00dcble Nachrede ist die Behauptung oder Verbreitung einer Tatsache \u00fcber jemanden, die geeignet ist, ihn&nbsp;<strong>ver\u00e4chtlich zu machen oder herabzuw\u00fcrdigen<\/strong>, und wenn die Wahrheit der behaupteten Tatsache&nbsp;<strong>nicht bewiesen<\/strong>&nbsp;werden kann. Ist die get\u00e4tigte Behauptung \u00bbnicht erweislich wahr\u00ab, ist es \u00fcble Nachrede, sonst nicht. Es k\u00f6nnte dann aber z.B. noch Beleidigung sein. \u2013&nbsp;<strong>Strafma\u00dfe<\/strong>&nbsp;sind Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr (bei \u00f6ffentlicher Verbreitung auch bis zu 2 Jahre). Meist h\u00f6her als bei Beleidigung, da L\u00fcge verbreitet wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verleumdung (\u00a7 187 StGB)<\/h2>\n\n\n\n<p>Verleumdung ist eine&nbsp;<em>bewusst falsche<\/em>&nbsp;Tatsachenbehauptung mit dem Ziel oder Effekt der Ehrsch\u00e4digung. Hier ist wesentliches Merkmal, dass der T\u00e4ter&nbsp;<strong>wei\u00df<\/strong>, dass seine&nbsp;<strong>behauptete Tatsache unwahr<\/strong>&nbsp;ist. Ist die Aussage hingegen wahr, ist es keine Verleumdung, sondern ggf. ein anderer Straftatbestand. Wei\u00df der T\u00e4ter, dass seine Aussage falsch ist, ist sie strafbar. \u2013&nbsp;<strong>Strafma\u00dfe<\/strong>&nbsp;sind Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahre (bei \u00f6ffentlicher Verbreitung auch bis zu 5 Jahre).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der springende Punkt (nach StGB)<\/h2>\n\n\n\n<p>Das deutsche Strafrecht sch\u00fctzt&nbsp;<strong>die pers\u00f6nliche Ehre<\/strong>, nicht nur die faktische Wahrheit. Deshalb gilt: Wahrheit allein reicht nicht, entscheidend sind auch Form, Kontext und Zweck der Aussage. Die Schwere und damit das Strafma\u00df steigt von Beleidigung&nbsp;zur&nbsp;\u00fcblen Nachrede&nbsp;zur&nbsp;Verleumdung. Eine \u00f6ffentliche Verbreitung (v. a. online) wirkt immer stark strafversch\u00e4rfend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zul\u00e4ssig<\/strong>&nbsp;sind stets sachliche, wahre Kritik, Berichterstattung oder berechtigte Warnung.&nbsp;<strong>Strafbar&nbsp;<\/strong>hingegen sind reine Herabw\u00fcrdigungen, unn\u00f6tige Blo\u00dfstellung und andere \u00bbPranger\u00ab-artige Aussagen ohne gerechten Anlass. Dabei kann auch bei wahrer Behauptung eine Strafbarkeit vorliegen.&nbsp;<strong>Mit Wahrheit kann man beleidigen \u2013 aber nicht verleumden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bewertung<\/h2>\n\n\n\n<p>Interessanterweise liegen die Rechtsnormen der Bibel und des StGB sehr nahe beieinander, was die Trennung von Person und Sache angeht und was den Freiheitsgrad in der Rede diesbez\u00fcglich angeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zentrale Unterschied ist darin zu erkennen, dass die Bibel einen&nbsp;<strong>inneren Ma\u00dfstab (Herz)<\/strong>&nbsp;anlegt, und das Herz, die Motivation, die Absicht und die geistliche Verantwortung des Einzelnen, also&nbsp;<em>subjektiv<\/em>, anspricht. Denn Jesus pr\u00fcft so. Nur Er. Entscheidend ist der Tatbestand, ob die Rede aus Liebe oder aus Verachtung kommt, und ob das Angegriffene biblisch nachweisbar S\u00fcnde ist oder nicht. Das Strafrecht hingegen beschr\u00e4nkt sich auf einen&nbsp;<strong>\u00e4u\u00dferen Ma\u00dfstab (Tat, Wort)<\/strong>&nbsp;und pr\u00fcft die Form der Aussage, den Kontext und die Wirkung nach au\u00dfen. Entscheidend ist hier, ob die Ehre eines Menschen&nbsp;<em>objektiv<\/em>&nbsp;verletzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberspitzt gesagt regelt das&nbsp;<strong>Strafrecht<\/strong>&nbsp;das&nbsp;<strong>Minimum<\/strong>&nbsp;an respektvoller Kommunikation, wohingegen die Bibel ein&nbsp;<strong>Maximum<\/strong>&nbsp;an verantwortlicher Kommunikation fordert. Was strafbar ist, ist fast immer auch biblisch problematisch. Was biblisch problematisch ist, ist oft noch nicht strafbar.<\/p>\n\n\n\n<p>(Dieser <strong>Entwurf<\/strong> wird ggf. fortgef\u00fchrt und mit Verweisen zu vertiefendem Lesematerial versehen werden.)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\"><strong>Bildquelle: <\/strong>Generiert mit KI und manuell nachbearbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesedauer: 22\u00a0Minuten. Menschen, die in der Verk\u00fcndigung einer christlichen Gemeinde aktiv sind, zum Beispiel predigen, lehren, Andacht oder Jugendstunde halten, sind in der Regel recht unterschiedlich. Das betrifft ihr Anliegen, ihre Inhalte, ihre Sprache, ihre Redeweise und manche andere formale und inhaltliche Aspekte mehr. Vielfalt in der Verk\u00fcndigung kann der Vielzahl der Bed\u00fcrfnisse der H\u00f6rer &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=4055\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eHarte Worte sind lieblose Worte!?\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4075,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[132,13],"tags":[106,215,214],"class_list":["post-4055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-practical","category-predigten","tag-homiletik","tag-kommunikationsmodelle","tag-sprachethik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4055"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4080,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4055\/revisions\/4080"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}