{"id":4035,"date":"2026-03-03T22:43:23","date_gmt":"2026-03-03T21:43:23","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=4035"},"modified":"2026-03-30T12:17:53","modified_gmt":"2026-03-30T10:17:53","slug":"gesagt-ist-nicht-gehoert-kommunikation-als-stolperfalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=4035","title":{"rendered":"Gesagt ist nicht geh\u00f6rt | Kommunikation als Stolperfalle"},"content":{"rendered":"\n<p>Lesezeit: 24 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast jeder hat schon einmal die Formel: \u00bb<strong>Gesagt ist nicht geh\u00f6rt. Geh\u00f6rt ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden<\/strong>\u00ab geh\u00f6rt, die teilweise erweitert und umformuliert wird. Trotz ihrer K\u00fcrze ist sie aus Erfahrung und Kommunikationsforschung gut belegt. Damit wird Kommunikation zwischen Menschen nicht als prinzipiell problematisch erkl\u00e4rt, sondern nach Ursachen geforscht, warum Kommunikation auch eine Stolperfalle f\u00fcr Beziehungen sein kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist unvermeidbar, bei dieser Sache \u00fcber das&nbsp;<strong>Wesen der Seele<\/strong>&nbsp;zu reden, denn bei manchen \u00bbStolperfallen\u00ab sind&nbsp;<strong>stabile psychologische Muster<\/strong>&nbsp;erkennbar. Werden sie erkannt und deren \u00bbTeufelskreislauf\u00ab unterbrochen, kann Gemeinschaft (<em>communio<\/em>) wieder durch Kommunikation gestiftet und gepflegt werden. Das gilt f\u00fcr alle menschliche Beziehungen, insbesondere, wo Beziehungen politischer, sozialer oder kirchlicher Art soziale Gruppen formen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden \u00dcberlegungen sind daher&nbsp;<strong>sehr allgemein<\/strong>, aber auch f\u00fcr christliche Gemeinden zutreffend, was ihre Wiedergabe auf diesem Blog evtl. erkl\u00e4rlich und n\u00fctzlich macht. Der \u00fcberaus st\u00f6rende Mangel einer christlichen Beurteilung und entsprechenden Erg\u00e4nzung dieser Besinnung ist bewusst gew\u00e4hlt und der Einsicht geschuldet, dass es dazu sehr gutes und ausf\u00fchrliches Material gibt, dessen Konsultation vorrangig und ausdr\u00fccklich empfohlen wird.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Kommunikationsproblem und seine Deutung<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Problemstellung:<\/strong>&nbsp;Warum kommen Aussagen bei manchen Zuh\u00f6rern v\u00f6llig anders \u2013insbesondere negativ emotional\u2013 an, obwohl objektiv etwas anderes gesagt wurde?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine g\u00fcltige, sachliche Antwort auf dieses Problem muss einiges aus Kommunikationswissenschaft, Sozialpsychologie und Kognitionspsychologie sch\u00f6pfen, man muss die Sache also systematisch betrachten. Dazu sollen folgende \u00bbHighlights\u00ab Gedankenanst\u00f6\u00dfe geben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Unterschied zwischen&nbsp;Gesagtem und Verstandenem<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Grundprinzip der Kommunikation lautet: \u00bbBedeutung entsteht beim Empf\u00e4nger, nicht beim Sender.\u00ab <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Damit meint man, dass ein Sprecher (<strong>Sender<\/strong>) ein Signal (Worte, Tonfall, Kontext) sendet, dabei benutzt er einen bestimmten&nbsp;<strong>Kanal<\/strong>, und dann interpretiert der&nbsp;<strong>Empf\u00e4nger<\/strong>&nbsp;(Zuh\u00f6rer) dieses Signal anhand von <strong>Vereinbarungen<\/strong> (implizit, explizit, Sprache, Code, Grammatik, Syntax), eigener Erfahrungen, Erwartungen, Emotionen, Beziehungseinsch\u00e4tzungen und spontanen Annahmen aus der Situation heraus<\/mark>. Auf diese Weise entsteht die&nbsp;<strong>Bedeutung<\/strong> beim Empf\u00e4nger (Gedanken, Gef\u00fchle).<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen wird h\u00e4ufig mit dem&nbsp;<strong>Vier-Seiten-Modell der Kommunikation&nbsp;<\/strong>erkl\u00e4rt, das Friedemann Schulz von Thun entwickelt hat. Kurz gesagt enth\u00e4lt sein Modell vier \u00bbSeiten\u00ab (Aspekte), die aber meist als \u00bbEbenen\u00ab dargestellt werden (s. auch das Ende des Artikels):<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Sachinhalt<\/strong>&nbsp;\u2013 die objektive Information<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Selbstoffenbarung<\/strong>&nbsp;\u2013 was der Sprecher \u00fcber sich zeigt<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Beziehungsebene<\/strong>&nbsp;\u2013 wie der Sprecher zum Zuh\u00f6rer steht<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Appell<\/strong>&nbsp;\u2013 wozu der Sprecher den Zuh\u00f6rer bewegen will<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Anhand dieses Modells kann man erkl\u00e4ren, warum ein Empf\u00e4nger eine sachliche Aussage eines Senders als&nbsp;<strong>Kritik, Angriff oder Abwertung<\/strong>&nbsp;interpretiert: Der Zuh\u00f6rer hat z.B. \u00fcber das Beziehungsohr geh\u00f6rt und damit an der Sache vorbei-geh\u00f6rt. Machen wir ein einfaches Beispiel: Jemand sagt zum Kollegen: \u00bbDer Bericht enth\u00e4lt noch zwei Fehler!\u00ab (sachliche Aussage). Der Empf\u00e4nger h\u00f6rt sie aber mit seinem Beziehungsohr so: \u00bbDu arbeitest schlampig!\u00ab. \u2013 \u00c4hnliches gilt auch f\u00fcr anderes \u00bbAneinander-vorbei-H\u00f6ren\u00ab in diesem Schema.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Projektion eigener Emotionen<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein h\u00e4ufiger psychologischer Mechanismus ist die emotionale Projektion. Dies geschieht (meist unbewusst) so: Der Zuh\u00f6rer erlebt innerlich bereits vorher (und manchmal aus anderen Zusammenh\u00e4ngen heraus) Gef\u00fchle, wie beispielsweise&nbsp;<strong>Unsicherheit, Angst vor Kritik, \u00c4rger oder Kr\u00e4nkung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Emotionen werden dann in die Aussage <strong>hineingelesen<\/strong>, obwohl sie objektiv nicht enthalten sind. Das Gehirn erg\u00e4nzt gewisserma\u00dfen: \u00bbDas hat er\/sie bestimmt so gemeint!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Best\u00e4tigungsfehler (<em>Confirmation Bias<\/em>)<\/h2>\n\n\n\n<p>Bestimmte Menschen neigen dazu, Informationen so zu interpretieren, dass sie ihre schon <strong>vorher bestehenden Erwartungen<\/strong> best\u00e4tigen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie bestimmte objektiv ge\u00e4u\u00dferten Aussagen \u00bb\u00fcberh\u00f6ren\u00ab, wenn diese <em>nicht<\/em> in ihre Erwartungshaltung passen (s.a. \u00bbKognitive Dissonanzen\u00ab). Beispielsweise m\u00f6ge jemand glauben: \u00bbDer kritisiert mich st\u00e4ndig\u00ab oder \u00bbDer ist arrogant\u00ab. Der seelische Mechanismus der best\u00e4ndigen Selbstbest\u00e4tigung wird dann selbst neutrale Aussagen leicht so deuten, dass es eine Best\u00e4tigung der eigenen Vorannahmen (Vorurteile) liefert. In der Natur der Sache liegt, dass dies in sachlich oder emotional positive wie auch negative Richtung gehen kann. Entscheidend ist wieder, dass dieses Missverst\u00e4ndnis vor allem auf Empf\u00e4ngerseite entsteht. (Vorbeugende Ma\u00dfnahmen werden weiter unten besprochen.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Negativit\u00e4tsbias<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Mensch reagiert besonders stark auf&nbsp;<strong><em>potenziell<\/em>&nbsp;negative Signale<\/strong>. Dies gilt vor allem bei unerl\u00f6sten Menschen. Solchem Reagieren kann man einen positiven Sinn abgewinnen (\u00bbMisstrauen erh\u00f6ht im Gegensatz zum Vertrauen die \u00dcberlebenschancen\u00ab), wenn man es als \u00dcberbleibsel einer angenommenen Evolution interpretiert.&nbsp;(Dieser Blog geht davon aus, dass die Grundannahme dieser Erkl\u00e4rung prinzipiell falsch ist.) <\/p>\n\n\n\n<p>Mitnehmen kann man aber, dass es hilft zu verstehen, warum manche Menschen eine Aussage oft&nbsp;<em>vorsichtshalber<\/em>&nbsp;lieber negativer interpretieren, als sie vom Sender gemeint war. Vorerfahrung spielt nat\u00fcrlich eine vor-pr\u00e4gende Rolle, es kommt sogar zu \u00bbselbsterf\u00fcllenden Prophezeiungen\u00ab: Man erwartet Negatives, verh\u00e4lt sich entsprechend falsch, und erzeugt damit selbst das Eintreffen von Negativem, was wieder den&nbsp;<em>Confirmation Bias<\/em>&nbsp;verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Emotionale Aktivierung (Amygdala-Reaktion)<\/h2>\n\n\n\n<p>(Vorbem.: Die&nbsp;<strong>Amygdala<\/strong>&nbsp;ist ein paariges Kerngebiet des Gehirns und Teil des limbischen Systems, das die Verarbeitung von Emotionen und das Entstehung von&nbsp;<strong>Triebverhalten<\/strong>&nbsp;zust\u00e4ndig ist. Sie ist an der&nbsp;<em>Furchtkonditionierung<\/em>&nbsp;beteiligt und spielt allgemein eine wichtige Rolle bei der&nbsp;<em>emotionalen Bewertung<\/em>&nbsp;und Wiedererkennung von Situationen sowie der&nbsp;<em>Analyse m\u00f6glicher<\/em>&nbsp;<em>Gefahren<\/em>.)<br>Wenn eine sachliche Aussage einen emotional empfindlichen Punkt beim Empf\u00e4nger ber\u00fchrt, kann eine schnell ablaufende Reaktion entstehen: Die Amygdala bewertet die Situation als Bedrohung, Emotionen (\u00c4rger, Angst, Kr\u00e4nkung) werden aktiviert und die&nbsp;<strong>kognitive Verarbeitung wird verzerrt<\/strong>&nbsp;(Fehlurteile, Denkfehler). Man spricht hier manchmal von \u00bbemotionaler \u00dcbersteuerung\u00ab. Der Empf\u00e4nger reagiert dann auf das&nbsp;<strong><em>gef\u00fchlte<\/em>&nbsp;Signal<\/strong>, nicht auf den tats\u00e4chlichen Inhalt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Unterschiedliche Bedeutungsr\u00e4ume von Sprache<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier kommen wir zu einem semantischen Problem:&nbsp;<strong>W\u00f6rter haben keine festen Bedeutungen, sondern Bedeutungsfelder.<\/strong>&nbsp;Die Deutung (also das Finden der gemeinten Bedeutung seitens des Senders) wird am Kontext entschieden, weil Sprache das Wesen eines Textes hat, also innere Zusammenh\u00e4nge aufweist. Verwendet beispielsweise jemand das Wort \u00bbinteressant\u00ab in der Aussage: \u00bbDas ist aber interessant!\u00ab, dann interpretiert dies der eine positiv (\u00bbspannend\u00ab), der andere neutral, der n\u00e4chste ironisch (also zB als \u00bbtotal uninteressant\u00ab). Die jeweilige Interpretation h\u00e4ngt stark von Kontext und Beziehung ab. Wenn der Sender allerdings unangek\u00fcndigt Gedankenspr\u00fcnge macht, zerst\u00f6rt er den Text-Charakter seiner Aussage(n) und f\u00f6rdert so entsprechende Fehlinterpretation(en).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Kommunikationsrauschen<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Kommunikation ist grunds\u00e4tzlich st\u00f6ranf\u00e4llig<\/strong>. St\u00f6rungen k\u00f6nnen auftreten beim Sender (Codierung, Formulierung, also Grammatik und Semantik; Sicherheitsredundanz), auf dem \u00dcbertragungskanal (Nachricht wird fehlerbehaftet oder auf ungeeignetem Medium  \u00fcbermittelt) und beim Empf\u00e4nger (Interpretation, Grammatik, Semantik, Fehlertoleranz).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00f6gliche St\u00f6rquellen<\/strong> bei menschlicher Kommunikation sind: Tonfall, Aussprache, K\u00f6rpersprache (mithin alle nonverbale Kommunikation), Vorwissen (liefert Kontext f\u00fcr die Deutung), Stress, M\u00fcdigkeit, kulturelle Unterschiede und weiteres. Beobachtet wird, dass selbst kleine St\u00f6rsignale Bedeutungen verschieben und somit das Verstehen erschweren oder verunm\u00f6glichen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Not-FunFact:&nbsp;<\/strong>Am 4. Juni 1996 explodierte die erste Ariane-5-Rakete nur 37 Sekunden nach dem Start. Ursache war die ungepr\u00fcfte \u00dcbernahme von Software aus dem Ariane&nbsp;4-Programm, wo eine hochgenaue Flie\u00dfkommazahl in eine kleine Ganzzahl umgewandelt wurde. Es kam zu einem Ausnahmefehler, das Navigationssystem schaltete ab, falsche Steuerdaten entstanden und Sprengung der Rakete war die einzige sichernde Ma\u00dfnahme, also Totalverlust! Besonders kritisch sind Fehler in Steuerungsanweisungen; das wissen Softwerker, die Kontrollstrukturen programmieren (Klassiker: Edsger W. Dijkstra,&nbsp;<em>Goto Considered Harmful<\/em>, 1968), das wissen aber auch Gemeindeglieder mit Blick auf steuernde Vorgaben seitens der Gemeindeleitung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">8. Attributionsfehler<\/h2>\n\n\n\n<p>Menschen erkl\u00e4ren Verhalten anderer oft durch deren&nbsp;<strong>Charaktereigenschaften<\/strong>, nicht durch die vorliegende Situation. Beispielsweise behauptet jemand: \u00bbDer und der ist \u00fcberheblich!\u00ab, statt sachlich die Situation miteinzubeziehen: \u00bbVielleicht wollte er nur informieren\u00ab. Das nennt man&nbsp;<strong>fundamentalen Attributionsfehler<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">9. Beziehungsgeschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Vorherige Erfahrungen mit einer Person wirken stark auf den Kommunikationsvorgang. Wenn fr\u00fchere Kommunikation negativ erlebt wurde, interpretiert man sp\u00e4tere Aussagen schneller negativ. Dies ist beim Empf\u00e4nger sozusagen \u00bbeingeschrieben\u00ab, entsprechend spricht man von \u00bb<strong>kommunikativen Skripten<\/strong>\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Kommunikationsproblem und seine Ursachen<\/h1>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Kommunikation ist kein Transport von Bedeutung, sondern ein&nbsp;<strong>Interpretationsprozess<\/strong>. <\/mark>Interpretation findet beim Empf\u00e4nger (Zuh\u00f6rer) statt, man muss also dort zuerst hinsehen. Man beobachtet dann, dass manche Menschen besonders h\u00e4ufig Aussagen&nbsp;<strong>falsch negativ interpretieren<\/strong>. Die Forschung hat gezeigt, dass dies viel mit&nbsp;<strong>Selbstwert<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Bedrohungswahrnehmung<\/strong>&nbsp;zu tun hat. Anders gesagt: Dass manche Menschen besonders h\u00e4ufig sachliche Aussagen&nbsp;<strong>negativ interpretieren<\/strong>, obwohl sie objektiv neutral oder sogar wohlmeinend sind, hat seine Ursache meist in&nbsp;<strong>dahinterstehenden, stabilen psychologischen Mustern<\/strong> beim Zuh\u00f6rer. Dies ist unbestritten Stand der Forschung und Praxis.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der bibellesende Christ wei\u00df dar\u00fcber hinaus viel Genaueres \u00fcber das Wesen des Menschen und die Auswirkungen seiner Gefallenheit. Die sich von daher aufn\u00f6tigende Interpretation durch einschl\u00e4gige Bibelstellen und Lehren soll aber, wie eingangs gesagt,  in dieser Betrachtung nicht weiter verfolgt werden, das ist gr\u00fcndlicherer Darstellung wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier nun einige&nbsp;<strong>meist stabile psychologische Muster<\/strong>, wie sie Stand allgemeiner Erkenntnis sind:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Niedrige Bedrohungsschwelle des Selbstwerts<\/h2>\n\n\n\n<p>Menschen mit einem&nbsp;<strong>fragilen Selbstwertgef\u00fchl<\/strong>&nbsp;reagieren besonders sensibel auf m\u00f6gliche Kritik. Die Person (Gedanken,Gef\u00fchle) pr\u00fcft st\u00e4ndig unbewusst: \u00bbWerde ich gerade bewertet?\u00ab, \u00bbWerde ich kritisiert?\u00ab oder \u00bbVerliere ich gerade Status, Macht, Akzeptanz oder Anerkennung?\u00ab. Wenn der Selbstwert eines Menschen wegen seiner niedrigen Bedrohungsschwelle schon durch Geringes als bedroht wahrgenommen wird (das ist nat\u00fcrlich die Interpretation des Empf\u00e4ngers!), wird dieser Mensch eine Aussage schneller als&nbsp;<strong>Angriff oder Abwertung<\/strong>&nbsp;interpretieren: \u00abDas war bestimmt gegen mich gerichtet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Negative Erwartungsschemata<\/h2>\n\n\n\n<p>Menschen entwickeln \u00fcber die Zeit&nbsp;<strong>mentale Schemata<\/strong>&nbsp;\u00fcber andere Personen oder Situationen, diese k\u00f6nnen auch ausgepr\u00e4gt negativ sein: \u00bbAutorit\u00e4tspersonen kritisieren mich\u00ab, \u00bbKollegen suchen meine Fehler\u00ab oder \u00bbAndere halten mich f\u00fcr unf\u00e4hig\u00ab. Solche Schemata wirken wie&nbsp;<strong>Interpretationsfilter<\/strong>: neue Informationen werden so gedeutet, dass sie ins Schema passen. Psychologisch nennt man das&nbsp;<strong>Schema-konsistente Wahrnehmung<\/strong>. Etwas platter: \u00bbSchablonen-Denken\u00ab, Vorurteile (sehr verbreitet), <em>Bias Confirmation<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Hypervigilanz f\u00fcr soziale Signale<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit \u00bb<strong>soziale Hypervigilanz<\/strong>\u00ab bezeichnet man das Verhalten von Personen, die soziale Hinweise <strong>besonders intensiv <\/strong>beobachten: den&nbsp;<strong>Tonfall<\/strong>&nbsp;des Senders, dessen&nbsp;<strong>Gesichtsausdruck<\/strong>,&nbsp;<strong>Wortwahl<\/strong>, sogar seine&nbsp;<strong>Redepausen<\/strong>. Der Nachteil, den Personen mit dieser Neigung haben, liegt darin, dass ihr Denken und F\u00fchlen&nbsp;<strong>Muster oder Bedeutungen wahrnimmt, die gar nicht vorhanden sind<\/strong>. Eine Versch\u00e4rfung des Konflikts aufgrund dieser Wahrnehmungsst\u00f6rung ist zu erwarten, wenn der Sender entsprechend missachtet oder angegriffen wird, statt auf der Beziehungsebene angenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Fr\u00fchere negative Erfahrungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer wiederholt negativ nachh\u00e4ngend erlebt hat, kritisiert zu werden, besch\u00e4mt zu werden oder unfair behandelt zu werden, entwickelt h\u00e4ufig eine&nbsp;<strong>Schutzstrategie<\/strong>. Sein Denken und F\u00fchlen arbeitet dann nach dem Prinzip: \u00bbLieber einmal zu viel etwas als Angriff erkennen, als einmal zu wenig.\u00ab Diese Schutzstrategie kann zu&nbsp;<strong>\u00dcberinterpretation<\/strong>&nbsp;und entsprechender <strong>\u00dcberreaktion<\/strong> f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Emotionale Grundstimmung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>aktuelle emotionale Lage<\/strong>&nbsp;eines Empf\u00e4ngers (Zuh\u00f6rers) beeinflusst stark, ob und wie Aussagen verstanden werden. Bei Stress, M\u00fcdigkeit, Frustration oder \u00dcberforderung interpretiert das Gehirn Botschaften tendenziell&nbsp;<strong>pessimistischer<\/strong>. Die aktuelle Stimmung f\u00e4rbt die Wahrnehmung, man spricht dann vom&nbsp;<strong>affect-as-information effect<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Unbalancierte Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale<\/h2>\n\n\n\n<p>Bestimmte Pers\u00f6nlichkeitsdimensionen erh\u00f6hen die Wahrscheinlichkeit negativer Interpretation. Zum Beispiel&nbsp;<strong>hoher Neurotizismus<\/strong>&nbsp;(erh\u00f6hte Empfindlichkeit f\u00fcr Bedrohung, starke, \u00fcbertriebene emotionale Reaktionen),&nbsp;<strong>hohe Kr\u00e4nkbarkeit<\/strong>&nbsp;(schnelle Wahrnehmung von Respektverlust, bei Macht- und Egomenschen h\u00e4ufig) oder&nbsp;<strong>hohe soziale Unsicherheit<\/strong>&nbsp;(Angst vor Bewertung).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Macht- und Statusdynamik<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch&nbsp;<strong>hierarchische Situationen<\/strong>&nbsp;spielen eine Rolle, auch und besonders in christlichen Kirchen und Freikirchen, die wegen verblassender Geisterf\u00fcllung sich mehr und mehr menschlicher Machtstrukturen bedienen, die vom selektiven (politisch opportunen) Umgang mit Gottes Gebot bis zum Machmenschentum reichen. Wenn jemand glaubt, die andere Person hat Macht \u00fcber mich, oder \u00bbich werde beurteilt\u00ab, werden Aussagen eher als&nbsp;<strong>implizite Bewertung<\/strong>&nbsp;verstanden, auch wenn sie dies inhaltlich nicht sind (vgl. <em>Vier Ebenen der Kommunikation<\/em>). Selbst ausgeprochen neutrale Hinweise k\u00f6nnen dann wie Kritik interpretiert werden und wirken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">8. Sprachliche Minimalreize<\/h2>\n\n\n\n<p>Manchmal reicht schon ein kleines sprachliches Signal, beispielweise ein bestimmtes Wort, ein Nebensatz, eine Betonung. Diese werden als \u00bbSpitze\u00ab (also Angriff) empfunden und wirken dann als&nbsp;<strong>Trigger<\/strong>, die eine ganze Interpretation ausl\u00f6sen und leiten. Sagt jemand: \u00bbInteressant, dass du das so gemacht hast!\u00ab, dann kann das je nach Begleitumst\u00e4nden interpretiert werden als echtes Interesse oder als verdeckte Kritik. Der \u00bbKlassiker\u00ab ist, dass dann die gesamte Aussage und Botschaft aufgrund der sprachlichen Minimalreize (o. Trigger, die individuell verschieden sein k\u00f6nnen) abgelehnt oder negativ interpretiert wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">9. Selbstverst\u00e4rkende Kommunikationsspiralen<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein besonders \u00fcbler Effekt ist die&nbsp;<strong>kommunikative Eskalationsspirale<\/strong>. Sie l\u00e4uft ungef\u00e4hr so ab: (1.)&nbsp;Person A sagt etwas neutral. (2.)&nbsp;Person B interpretiert es negativ. (3)&nbsp;Person B reagiert defensiv oder gereizt. (4)&nbsp;Person A f\u00fchlt sich missverstanden und reagiert ebenfalls gereizt. Damit ist der Kreis geschlossen und es ist eine&nbsp;<strong>selbstverst\u00e4rkende Fehlinterpretation<\/strong>&nbsp;in Gang gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein&nbsp;<strong>zentraler Satz aus der Kommunikationspsychologie<\/strong>&nbsp;lautet: \u00bb<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Menschen reagieren selten auf das, was gesagt wurde, sondern auf das, was sie glauben geh\u00f6rt zu haben<\/mark><\/strong>.\u00ab Oder, wie oben bereits angef\u00fchrt: \u00bb<strong>Bedeutung einer Nachricht entsteht durch Bewertung und Interpretation beim Empf\u00e4nge<\/strong>r.\u00ab Insofern kann ein Sender (Redner) nur Impulse und Ausl\u00f6ser erzeugen, die letztendliche Reaktion beim Empf\u00e4nger wird aber durch den Empf\u00e4nger selbst bestimmt. <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>Die emotionale Reaktion auf etwas Gesagtes, selbst wenn es b\u00f6se oder abf\u00e4llig w\u00e4re, ist und bleibt Verantwortung des Empfangenden (Zuh\u00f6rers).<\/strong><\/mark>&nbsp;<strong>Er kann w\u00e4hlen, wie er mit dem Geh\u00f6rten umgeht, daher ist es seine Verantwortung, die er nicht abschieben kann.&nbsp;<\/strong>Die zeitgeistige Schuldumkehr im Rahmen eines Opfer-T\u00e4ter-Schemas, wie es die links-woke Ideologie f\u00fcr ihre Zwecke manipulativ einsetzt, ist tatsachenfremd und b\u00f6sartig und Teil einer Dominanzmethode (muss man noch hinzuf\u00fcgen: Sie ist auch abgrundtief&nbsp;<strong>unchristlich<\/strong>?). Dieser Grundsatz wird nicht dadurch entkr\u00e4ftigt, dass man mit Recht darauf hinweist, dass Kommunikation immer in sozialen Kontexten und Beziehungen stattfindet und daher immer <em>alle<\/em> Beteiligten angeht. Dies wird noch deutlicher, wenn weiter unten einfache Standard-Modelle der Kommunikation skizziert werden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Kommunikationsproblem und sein Paradox<\/h1>\n\n\n\n<p>Weil relevant, muss man noch kurz ein sehr interessantes, wenn auch leidvolles Ph\u00e4nomen erkl\u00e4ren:&nbsp;<strong>Warum besonders intelligente oder sprachlich pr\u00e4zise Menschen oft h\u00e4ufiger missverstanden werden.<\/strong>&nbsp;Das wirkt zun\u00e4chst paradox, ist aber gut erforschte Tatsache.<\/p>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>Hohe kognitive Pr\u00e4zision auf Senderseite erh\u00f6ht nicht automatisch die Anschlussf\u00e4higkeit beim Empf\u00e4nger. <\/strong><\/mark>Im Gegenteil, sie kann Missverst\u00e4ndnisse sogar beg\u00fcnstigen. Mehrere Mechanismen greifen hier ineinander. Diese sollen in diesem Abschnitt anhand von 9 Aspekten kurz skizziert werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. \u00bbIllusion of Transparency\u00ab und Fluch des Wissens<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Forschung von&nbsp;Thomas Gilovich und Nicholas Epley zeigt: <strong>Sprecher \u00fcbersch\u00e4tzen systematisch, wie gut andere ihre Intention verstehen. <\/strong>Sehr pr\u00e4zise Menschen denken oft: \u00bbIch habe es logisch und klar formuliert\u00ab, oder: \u00bbDie Bedeutung ist eindeutig\u00ab. Tats\u00e4chlich fehlt beim Zuh\u00f6rer aber der beim Sprecher vorliegende Wissensstand, Kontext und die impliziten (unausgesprochenen) Annahmen. Das nennt man auch \u00bb<strong>Curse of Knowledge<\/strong>\u00ab (\u00bbFluch des Wissens\u00ab). Man kann eben schwer \u00bbvergessen\u00ab, was man sicher wei\u00df. Der gut gemeinte Vorsatz des Lehrers Professor Dr. Creyin in der Feuerzangenbowle: \u00bb<strong>Da stellen wir uns mal janz dumm<\/strong>\u00ab funktioniert eben nicht immer, weder beim Lehrer (Sender) noch beim Sch\u00fcler (Empf\u00e4nger). Das mag sachliche Gr\u00fcnde haben, aber in unserer emotionalisiert-sensiblen Zeit ist dieser Ansatz (oder seine Ank\u00fcndigung) manchmal schon deshalb unwillkommen, weil mancher Zuh\u00f6rer sich damit f\u00fcr dumm erkl\u00e4rt h\u00e4lt und \u00bbzumacht\u00ab (Provokation durch angenommene implizite Bewertung). Ein unschuldiges \u00bbIch muss das erkl\u00e4ren\u00ab f\u00fcr zum Beispiel eine Aussage oder ein Fremdwort wird auf Empf\u00e4ngerseite dann als Abkanzelung als Dummer empfunden. Dass solche Reaktion viel \u00fcber den Empf\u00e4nger und sein Selbstbild (Eigenwert) sagt, ist einigerma\u00dfen einsichtig (s.o.).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Komplexit\u00e4t \u00fcberfordert Verarbeitungskapazit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Sprachliche Pr\u00e4zision geht oft mit hoher Dichte und Differenzierung einher. Das erh\u00f6ht die <strong>kognitive Last beim Zuh\u00f6rer<\/strong> durch (ggf. eine Vielzahl) unbekannte Begriffe, feinere Unterscheidungen, verschachtelte S\u00e4tze. Wenn die Verarbeitungskapazit\u00e4t \u00fcberschritten wird, vereinfacht der Zuh\u00f6rer das Gesagte (oft unzul\u00e4ssig) und verliert damit evtl. wichtige Bedeutungsnuancen.<strong>Das Ergebnis ist eine verzerrte Kurzinterpretation<\/strong>: Das Geh\u00f6rte ist nicht das Gesagte, beide Seiten f\u00fchlen sich unverstanden und m\u00f6glicherweise frustriert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Unterschiedliche Abstraktionsebenen<\/h2>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4zise Denker operieren h\u00e4ufig auf einer h\u00f6heren Abstraktionsebene. Ein Sprecher mag zum Beispiel gut differenzieren zwischen \u00bbKritik am Argument\u00ab und \u00bbBewertung der Person\u00ab. Der Zuh\u00f6rer kann dies (warum auch immer, s.o.) nicht, und h\u00f6rt nur die \u00bbpers\u00f6nliche Kritik\u00ab heraus. Die feine Trennung auf Senderseite wird nicht wahrgenommen oder nicht beibehalten, <strong>dem Sprecher werden Aussagen zugesprochen, die dieser (objektiv) nicht gesagt und (subjektiv) nicht beabsichtigt hat<\/strong>, also nicht der Fall sind. Man kann nachvollziehen, dass damit Kommunikations- und Beziehungsprobleme entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Implizite vs. explizite Bedeutung<\/h2>\n\n\n\n<p>Sehr sprachlich versierte Menschen arbeiten oft mit impliziten Pr\u00e4missen, logischen Verkettungen und nicht ausgesprochenen Zwischenschritten (sie \u00fcberspringen etwas, das ihnen klar ist, dem Gegen\u00fcber aber nicht). Der Zuh\u00f6rer \u00bbf\u00fcllt die L\u00fccken\u00ab mit <em>eigenen<\/em> Annahmen. Das kann gutgehen oder zur mehr oder weniger fatalen Fehlinterpretation f\u00fchren. D<strong>ie Sache k\u00f6nnte sofort beseitigt werden, wenn die empfangende Seite dem Mut h\u00e4tte, den Empf\u00e4nger um weitere Erkl\u00e4rung zu bitten<\/strong>. In dieser Frage sollte der Empf\u00e4nger mit eigenen Worten formulieren, was er bisher verstanden hat und wo die \u00bbL\u00fccke\u00ab versp\u00fcrt wird. Das w\u00e4re ein T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr gelungene Kommunikation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Fehlende Redundanz<\/h2>\n\n\n\n<p>Alltagssprache enth\u00e4lt viel Redundanz (Wiederholung, Umformulierung, Beispiele). Pr\u00e4zise Sprecher vermeiden aber Redundanz oft bewusst, weil sie dies als \u00bbunn\u00f6tig\u00ab oder \u00bbungenau\u00ab oder \u00bbablenkend\u00ab empfinden (sie wollen vlt. dem Vorwurf \u00bbSchwafler\u00ab entgehen). Jeder Lehrer kennt die Wahrheit: \u00bb<strong>Wiederholung ist die Mutter der Didaktik<\/strong>\u00ab (Johann Amos Comenius (1592\u20131670)&nbsp;zugeschrieben, aber \u00e4lter als: <em>Repetitio est mater studiorum<\/em>). Auch in anderen Kommunikationsanl\u00e4ssen mit stark unterschiedlichem Sprachniveau oder Fachniveau der Kommunikationspartner ist Redundanz hilfreich: <strong>Umformulierung<\/strong> hilft bei mangelndem Begriffs- oder Satzverst\u00e4ndnis, <strong>Beispiele<\/strong> binden die Alltagserfahrung oder den Anwendungsbereich mit ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu beachten ist:&nbsp;<strong>Redundanz ist kein Fehler, sondern ein Mechanismus zum Sichern des Verst\u00e4ndnisses<\/strong>. Ohne Redundanz steigt die Wahrscheinlichkeit von Missverst\u00e4ndnissen. Eine Konsequenz daraus ist, dass man dem Redner (Sender) mehr Zeit geben muss, was automatisch auch mehr Zeit zum H\u00f6ren und Verstehen bereitstellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Pragmatik vs. Logik<\/h2>\n\n\n\n<p>Kommunikation folgt nicht nur der Logik, sondern auch der Pragmatik (der. handlungsorientierten, sozialen Bedeutung). Forschung zur Sprachpragmatik (z. B.&nbsp;Herbert H. Clark) zeigt:&nbsp;<strong>Menschen interpretieren Aussagen immer auch im Hinblick auf Beziehung, Absicht, Kontext und implizite Signale.&nbsp;<\/strong>Ein logisch pr\u00e4ziser Satz kann pragmatisch anders verstanden werden, als sachlich gegeben. Wenn jemand sagt: \u00bbDiese Schlussfolgerung ist nicht korrekt!\u00ab, so ist dies eine wahrheits-logische Aussage \u00fcber das Argument (und kann insofern die Wahrheitswerte wahr oder falsch annehmen). Pragmatisch kann das aber verstanden werden als: \u00bb<strong>Du<\/strong>&nbsp;liegst falsch!\u00ab (s. Vier-Ebenen-Modell).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Status- und Distanzsignale<\/h2>\n\n\n\n<p>Sehr pr\u00e4zise Sprache kann ungewollt intellektuelle \u00dcberlegenheit, Distanz und Bewertung signalisieren. Das ver\u00e4ndert die Wahrnehmung in die Richtung, dass Inhalte weniger analysiert, daf\u00fcr aber&nbsp;<strong>st\u00e4rker emotional bewertet<\/strong>&nbsp;werden. Der H\u00f6rer, der sich nicht auf gleichem Niveau befindlich einsch\u00e4tzt, kann dies als befremdend und distanzierend bewerten und sogar zur Wahrung des Selbstwertgef\u00fchls versuchen, das Gegen\u00fcber (Sender) in anderer Sache herabzuw\u00fcrdigen oder anzugreifen (Stoff und Motiv f\u00fcr manche \u00fcble Nachrede).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">8. Asymmetrie der Anstrengung<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei den meisten Lehrkommunikationen (Rede, Lehre, Predigt usw.) gilt wohl, dass der Sprecher viel Zeit zum Denken gehabt hatte (sonst sollte man ihm nicht zuh\u00f6ren, oder?!). Der Zuh\u00f6rer muss nun aber in Echtzeit (Redetempo) verstehen und \u00bbmitkommen\u00ab. Das f\u00fchrt zu einer strukturellen Asymmetrie: <strong>Auf Senderseite haben wir Pr\u00e4zision, auf der Empf\u00e4ngerseite f\u00fchrt dies nicht automatisch zu Verstehbarkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">9. Gemeinsamer Bedeutungsraum fehlt<\/h2>\n\n\n\n<p>Kommunikation funktioniert am besten, wenn beide Seiten Kontext(e) teilen (\u00bbgemeinsames Verst\u00e4ndnis\u00ab, \u00bb<em>common ground<\/em>\u00ab). Fehlt dieser, gilt: Je pr\u00e4ziser die Aussage intern ist, desto gr\u00f6\u00dfer kann die L\u00fccke nach au\u00dfen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus allem oben Angef\u00fchrtem k\u00f6nnte man die&nbsp;<strong>praktische Konsequenz<\/strong>&nbsp;ziehen: Sehr gute Kommunikatoren sind nicht nur pr\u00e4zise, sondern auch adaptiv, redundant und \u00bbanschlussf\u00e4hig\u00ab. Als Maxime formuliert: <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">\u00bb<strong>Nicht maximale Pr\u00e4zision anstreben, sondern optimale Verst\u00e4ndlichkeit.<\/strong>\u00ab<\/mark> Dies kann aber nur gelingen, wenn die&nbsp;<strong>Kommunikation in beide Richtungen frei flie\u00dfen<\/strong>&nbsp;kann (Feedback-Kultur), denn nur so kann Anpassung realisiert und gesteuert werden. Und: Die Maxime gilt nicht bei allen Kommunikationsgegenst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">\u00bbDeine Gef\u00fchle sind <em>deine<\/em> Verantwortung!\u00ab<\/h1>\n\n\n\n<p>Diese manchmal getroffene Aussage hat tats\u00e4chlich eine fundierte psychologische Grundlage, kann aber auch verk\u00fcrzt oder missverst\u00e4ndlich verwendet werden. Man muss diese Aussage also sachlich fundiert und in diesem Sinne vorsichtig verwenden. Seri\u00f6se Psychologie macht klar:&nbsp;<strong>Gef\u00fchle entstehen aus dem Zusammenspiel von Ereignis, Bewertung und pers\u00f6nlicher Geschichte.<\/strong>&nbsp;Deshalb kann eine andere Person zwar Gef\u00fchle&nbsp;<strong>ausl\u00f6sen<\/strong>, aber nicht schuldhaft&nbsp;<strong>verursachen<\/strong>. Daraus ergeben sich Konsequenzen f\u00fcr Schuldzuschreibungen (z.B. T\u00e4ter-Opfer-Umkehr).<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreich ist eine Anzahl&nbsp;<strong>einfacher, grundlegender Modelle<\/strong>, die die Forschung und Wissenschaft f\u00fcr den Praxiseinsatz erforscht hat. Einige Modelle folgen nun skizzenhaft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Das kognitiv-emotionale Modell (ABC-Modell)<\/h2>\n\n\n\n<p>In der kognitiven Psychologie, besonders bei Albert Ellis und sp\u00e4ter Aaron T. Beck, wird Emotion so erkl\u00e4rt:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A \u2013 Activating Event.&nbsp;<\/strong>Ein Ereignis passiert (z. B. eine Aussage).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B \u2013 Belief.&nbsp;<\/strong>Die Person interpretiert und bewertet das Ereignis.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>C \u2013 Consequence.&nbsp;<\/strong>Gef\u00fchle und Reaktionen entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum Beispiel<\/strong>&nbsp;sagt jemand (A): \u00bbDieser Bericht enth\u00e4lt zwei Fehler.\u00ab Nun hat B die Freiheit, diesen Ausl\u00f6ser unterschiedlich zu interpretieren und zu bewerten, zum Beispiel B1: \u00bbEr h\u00e4lt mich f\u00fcr unf\u00e4hig.\u00ab, woraus die Konsequenz C1: Kr\u00e4nkung, \u00c4rger folgt. Der Empf\u00e4nger B2 k\u00f6nnte aber anders interpretieren: \u00bbGut, ich kann das korrigieren.\u00ab, was zu C2: eine neutrale Reaktion, f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gleiche Ausl\u00f6se-Ereignis durch denselben Sender f\u00fchrt also zu&nbsp;<strong>verschiedenen Gef\u00fchlen<\/strong>, weil die&nbsp;<strong>Interpretation und Bewertung <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">des Empf\u00e4ngers<\/mark><\/strong>&nbsp;<strong>unterschiedlich ist<\/strong>. Daraus l\u00e4sst sich direkt die Kernaussage ableiten:&nbsp;<strong>Gef\u00fchle entstehen nicht direkt durch das ausl\u00f6sende Ereignis, sondern durch dessen Interpretation auf Seiten des Empf\u00e4ngers.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Kognitive Bewertungstheorie der Emotion<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch die Emotionsforschung (z. B. bei Richard Lazarus) zeigt, dass Emotionen durch zwei unterschiedliche Bewertungen (Interpretationen) <em>auf Empf\u00e4ngerseite<\/em> entstehen:&nbsp;<strong>(1)&nbsp;Die prim\u00e4re Bewertung<\/strong>&nbsp;(Ist das Ereignis f\u00fcr mich relevant oder bedrohlich?) und&nbsp;<strong>(2)&nbsp;Die sekund\u00e4re Bewertung<\/strong>&nbsp;(Kann&nbsp;<strong>ich<\/strong>&nbsp;damit umgehen?). \u2013 Beide Bewertungen sind&nbsp;<strong>subjektiv und individuell<\/strong>. Daher reagieren Menschen auf dieselbe Aussage (Ausl\u00f6ser) oft v\u00f6llig unterschiedlich. Das kl\u00e4rt, wo die Hauptverantwortung f\u00fcr emotionale Reaktionen liegt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Projektion und pers\u00f6nliche Geschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Emotionen kommen bei einigerma\u00dfen stabilen Personen nicht zuf\u00e4llig, sondern sind konditioniert durch fr\u00fchere Erfahrungen, Selbstwert, Beziehungsgeschichte, aktuelle Emotionslage und die Erwartungshaltung. Eine Aussage (Ausl\u00f6ser) kann deshalb&nbsp;<strong>alte emotionale Muster des Empf\u00e4ngers aktivieren<\/strong>. Das kl\u00e4rt, dass der Sender dann&nbsp;<strong>Ausl\u00f6ser<\/strong> ist, aber&nbsp;<strong>nicht<\/strong> <strong>haupts\u00e4chlich verantwortlich<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Verantwortung vs. Ausl\u00f6ser<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch diese Erkenntnis kann hilfreich sein, differenzierter \u00fcber Kommunikationsprobleme nachzudenken, wie oben schon mehrfach belegt. Psychologisch wird unterschieden zwischen&nbsp;<strong>Trigger (Ausl\u00f6ser)<\/strong>, also dem \u00e4u\u00dferen Ereignis, das beim anderen etwas ausl\u00f6st, und der&nbsp;<strong>Responsibility (Verantwortung)<\/strong>, also dem Umgang des Empf\u00e4ngers mit der Emotion. Aus dieser Erkenntnis folgt direkt eine pr\u00e4zisere Formulierung des Problems:&nbsp;<strong>Andere Menschen k\u00f6nnen Gef\u00fchle ausl\u00f6sen, aber wie wir sie interpretieren und damit umgehen, liegt in unserer Verantwortung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Problem des reinen T\u00e4ter-Opfer-Schemas<\/h2>\n\n\n\n<p>Die oft fast reflexartig anerzogene Behauptung: \u00bbDu hast mich verletzt\u00bb (in sich selbst ein Angriff) kann problematisch sein, da sie meist&nbsp;<strong>komplexe emotionale Prozesse vereinfacht<\/strong>. Die Aussage unterstellt folgende Verantwortungskette: Aussage&nbsp;\u2192&nbsp;Gef\u00fchl&nbsp;\u2192&nbsp;Schuld des anderen. Tats\u00e4chlich handelt es sich aber meist um diese Kette: Aussage&nbsp;\u2192&nbsp;Interpretation&nbsp;\u2192&nbsp;Emotion. Was ist daraus zu lernen? Zumindest dieses: Wenn Interpretation nicht reflektiert wird, kann leicht ein&nbsp;<strong>Schuldnarrativ<\/strong>&nbsp;entstehen. Je nach \u00e4u\u00dferem (oder innerlich empfundenen) Druck wird das dann als richtig und zutreffend aufgepresst werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Grenzen: Verantwortung bedeutet nicht v\u00f6llige Unabh\u00e4ngigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Aussage \u00bbDeine Gef\u00fchle sind deine Verantwortung\u00ab darf nicht \u00fcbertrieben werden, denn Menschen beeinflussen sich emotional stark. Zum Beispiel k\u00f6nnen bestimmte Handlungen auch&nbsp;<strong>objektiv verletzend<\/strong>&nbsp;sein: Dem\u00fctigung, Beleidigung, Betrug oder soziale Ausgrenzung. Hier w\u00e4re es psychologisch falsch zu sagen: \u00bbDeine Gef\u00fchle sind <em>allein<\/em> dein Problem!\u00ab, denn menschliche Emotionen sind&nbsp;<strong>sozial reguliert<\/strong>.<br>Das alles ruft zu einer differenzierten, ausgewogenen Sichtweise auf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Balance: Verantwortung und Wirkung<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine differenzierte Sicht ber\u00fccksichtigt beide Seiten, Sender wie Empf\u00e4nger, Ausl\u00f6ser wie Bewerter.&nbsp;<strong>Der Sprecher&nbsp;<\/strong>(Sender) ist verantwortlich f\u00fcr seine Worte, seine Absicht und seine R\u00fccksicht (<strong>dass<\/strong> er etwas sagt, <strong>was<\/strong> er sagt, <strong>wie<\/strong> er es sagt).&nbsp;<strong>Der Zuh\u00f6rer&nbsp;<\/strong>&nbsp;(Empf\u00e4nger) ist verantwortlich f\u00fcr seine Interpretation und Bewertung, seine emotionale Regulation (Selbstbeherrschung) und letztlich seine Reaktion. \u2013 Beide Seiten tragen also einen Anteil am Ganzen. Gef\u00fchle entstehen im Inneren einer Person, aber sie entstehen oft im&nbsp;<strong>Kontext von Beziehungen<\/strong>. Je nach&nbsp;<strong>Pers\u00f6nlichkeit<\/strong>&nbsp;\u00fcberwiegt die Beziehung oder die Sachaussage. Dies ist auch&nbsp;<strong>geschlechtsspezifisch<\/strong>&nbsp;unterschiedlich ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>wesentlichen Erkenntnisse&nbsp;aus diesen sieben Aspekten<\/strong> sind Folgende:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Emotionen entstehen durch&nbsp;<strong>Interpretation<\/strong>&nbsp;von Ereignissen.<\/li>\n\n\n\n<li>Deshalb sind Gef\u00fchle nicht wesentlich von anderen verursacht.<\/li>\n\n\n\n<li>Menschen k\u00f6nnen Emotionen&nbsp;<strong>ausl\u00f6sen<\/strong>, aber nicht vollst\u00e4ndig kontrollieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein reines&nbsp;<strong>T\u00e4ter-Opfer-Schema<\/strong>&nbsp;vereinfacht unzul\u00e4ssig die komplexen emotionalen Prozesse.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichzeitig bleibt soziale Verantwortung f\u00fcr&nbsp;<strong>respektvolles Verhalten<\/strong>&nbsp;bestehen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>In einem Satz:&nbsp;<strong>Andere Menschen k\u00f6nnen unsere Gef\u00fchle&nbsp;<em>ausl\u00f6sen<\/em>, aber sie bestimmen nicht allein, wie wir sie erleben oder darauf reagieren; die Hauptverantwortung liegt beim Empf\u00e4nger selbst, denn er bewertet und interpretiert das, was der Ausl\u00f6ser gesagt hat.&nbsp;<\/strong>Darum haben&nbsp;beide Seiten&nbsp;je ihren&nbsp;Anteil:&nbsp;der Sender an der Wirkung seiner Worte, der Empf\u00e4nger an der Interpretation und Verarbeitung. Der Sender als Ausl\u00f6ser definiert nicht, welche emotionale Reaktion beim Empf\u00e4nger entsteht.<strong>&nbsp;<\/strong>Das stimmt sogar, wenn es um kritisierende, negativ-emotionale oder \u00e4hnliche Aussagen beim Ausl\u00f6ser handelt. Deutlich markieren muss man den Bereich, wo der Ausl\u00f6ser strafrechtlich relevante Beleidigungen oder Verleumdungen \u00e4u\u00dfert (vgl. StGB) .<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Vier-Seiten-Modell der Kommunikation<\/h1>\n\n\n\n<p>Da wir oben mehrfach das&nbsp;<strong>Vier-Seiten-Modell der Kommunikation<\/strong>&nbsp;von Friedemann Schulz von Thun zitiert haben, wollen wir es hier nochmals skizzieren und veranschaulichen. Es liefert uns weitere Einblicke \u00fcber Missverst\u00e4ndnisse, Beziehungsebene und Interpretation. Nochmals die vier Seiten, die meist als \u00bbEbenen\u00ab bezeichnet werden, wie das in Kommunikationsmodellen \u00fcblich ist.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Sachinhalt<\/li>\n\n\n\n<li>Selbstoffenbarung<\/li>\n\n\n\n<li>Beziehung<\/li>\n\n\n\n<li>Appell<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Auch damit l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, warum eine&nbsp;<strong>sachliche Aussage emotional negativ interpretiert werden kann<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel:&nbsp;<\/strong>Ein Gemeindeglied einer Freikirche sagt in einer Gemeindeversammlung: \u00bb<strong>Die angedachte Vorgehensweise ist schriftwidrig, das k\u00f6nnen wir nicht tun.<\/strong>\u00ab Das trifft jeden in der Gemeindeversammlung, aber insbesondere den Leiter, der diese Vorgehensweise durchschreiten will.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sender:&nbsp;<\/strong>Gehen wir nun die vier Seiten\/Ebenen dieser Aussage\/Nachricht aus&nbsp;<strong>Sender-Perspektive<\/strong>&nbsp;durch:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Sachinhalt (Wor\u00fcber informiere ich?)<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Objektive Information:&nbsp;<\/strong>Die angedachte Vorgehensweise ist schriftwidrig. \u2013 Das ist rein faktisch und sachlich gemeint: Es ist schriftwidrig (f\u00fcr Christen also nicht gangbar).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Selbstoffenbarung (Was zeige ich von mir?)<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Sprecher gibt \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 etwas \u00fcber sich preis: \u00bbIch habe diese Vorgehensweise gepr\u00fcft\u00ab, \u00bbMir ist Gehorsam gegen\u00fcber Gottes Wort wichtig.\u00ab und \u00bbIch achte genau auf Gottes Willen\u00ab. Die m\u00f6gliche Botschaft: \u00bbIch achte sorgf\u00e4ltig auf Gottes Willen und w\u00fcnsche dies auch f\u00fcr die gesamte Gemeinde.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Beziehungsebene (Wie sehe ich dich?)<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier wird es kritisch: Der Empf\u00e4nger \u00bbh\u00f6rt\u00ab fast immer etwas \u00fcber sich auf der Beziehungsebene, zum Beispiel: \u00bbDu hast nicht schriftbasiert gearbeitet\u00ab (Kompetenzanfrage), \u00bbIch traue dir in dieser Sache nicht\u00ab (Vertrauensanfrage), \u00bbIch zweifle Deine Leiterqualit\u00e4t an\u00ab (Machtfrage, Autorit\u00e4tsanfrage), selbst v\u00f6llig abwegig: \u00bbIch bin dir \u00fcberlegen\u00ab (Machtkampf). Das alles, obwohl es nicht gesagt und (evtl.) nicht beabsichtigt war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Appell (Was m\u00f6chte ich erreichen?)<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier wird die Sachaussage als Aufforderung zum Handeln aufgenommen: Was soll ich (Empf\u00e4nger) tun? M\u00f6glicherweise: \u00bbNimm diesen Vorschlag zur\u00fcck\u00ab oder \u00bbBitte korrigiere diese Vorgehensweise\u00ab oder \u00bbAchte k\u00fcnftig genauer darauf, dass Du als Leiter sachlich richtige Vorschl\u00e4ge machst.\u00ab<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Empf\u00e4nger (\u00bbVier Ohren\u00ab):&nbsp;<\/strong>Der Zuh\u00f6rer kann dieselbe Aussage unterschiedlich \u00bbh\u00f6ren\u00ab. Gehen wir die vier Ohren der&nbsp;<strong>Sender-Perspektive<\/strong>&nbsp;anhand des oben skizzierten Falles durch:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Sachohr<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Ohr h\u00f6rt sachlich: \u00bbAh, die Vorgehensweise ist nicht biblisch.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Folge:&nbsp;<\/strong>Liefert eine sachliche Verarbeitung und erzeugt daher kein Problem.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Selbstoffenbarungsohr<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Ohr h\u00f6rt eine Selbstoffenbarung des Senders: \u00bbDieses Gemeindeglied legt Wert auf Beachtung der Heiligen Schrift in allem, was wir tun.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Folge:&nbsp;<\/strong>Wer so h\u00f6rt, reagiert eher neutral bis positiv. Selbstoffenbarung kann beziehungsf\u00f6rderlich sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;Beziehungsohr&nbsp;(h\u00e4ufigste Konfliktquelle)<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Ohr h\u00f6rt eine Beziehungsaussage heraus:&nbsp;\u00bbEr h\u00e4lt mich f\u00fcr nicht kompetent, spricht mir meine Autorit\u00e4t als Leiter ab.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Folge:&nbsp;<\/strong>Emotionen springen auf (auch wenn sie geleugnet und kaschiert werden, sie sind doch dominant): Kr\u00e4nkung, \u00c4rger, Verteidigung, Rache, Gegendruck, Verf\u00e4lschung der Aussage des Senders, Angriff auf die Integrit\u00e4t des Senders (klassisch).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Appellohr<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Ohr h\u00f6rt eine Aufforderung zum Handeln heraus: \u00bbIch soll das sofort nachbessern.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Folge<\/strong>: Diese Interpretation kann beim kritisierten Empf\u00e4nger Druck oder ablehnende Gegenreaktion erzeugen.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schlussbetrachtung: Warum Missverst\u00e4ndnisse entstehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Sprecher meint vielleicht&nbsp;<strong>Sachinhalt + Appell<\/strong>, aber der Zuh\u00f6rer h\u00f6rt:&nbsp;<strong>Beziehung + Bewertung.&nbsp;<\/strong>&nbsp;Damit ergibt sich typischerweise eine&nbsp;<strong>Eskalation:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Aussage (neutral gemeint)<\/li>\n\n\n\n<li>Interpretation \u00fcber Beziehungsohr<\/li>\n\n\n\n<li>Emotion (\u00bbIch werde kritisiert\u00ab)<\/li>\n\n\n\n<li>Reaktion: \u00bbSo schlimm ist das doch nicht!\u00ab, \u00bbDas war so abgesprochen!\u00ab<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Es entsteht ein <strong>Konflikt in der Beziehung<\/strong>, obwohl die Aussage sachlich war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verbesserung und Abhilfe<\/strong>&nbsp;kann evtl. geschaffen werden, wenn ganz bewusst diese vier Ebenen getrennt werden.&nbsp;Dazu ein <strong>Beispiel<\/strong> aus einer christlichen Gemeinde mit Leitung durch ein Presbyterium (\u00c4ltestenrat):<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Gemeindversammlung (die erste nach vielen Jahren) wird der Versammlung von einem Gemeindeleiter mitgeteilt: \u00bbWir haben drei M\u00e4nner, die nun mit uns in der Leitung als \u00c4lteste dienen werden.  Da das auch eine Sache der Gemeinde ist, geben wir Euch eine Woche Zeit, um das festzumachen.\u00ab Einer der Zuh\u00f6rer erkennt, dass diese Vorgehensweise schriftwidrig ist (1.Timotheus 3,10). Eine g\u00fcnstig formulierte Wortmeldung w\u00e4re dann:  <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">\u00bb<strong>Ich habe verstanden, dass wir k\u00fcnftig so und so vorgehen wollen<\/strong> (Sachinhalt konkretisiert).<strong> Ich muss offen sagen, dass ich dabei inhaltlich an einen Punkt komme, wo ich einige Aspekte und Aussagen in der Heiligen Schrift sehe, die aus meiner Sicht nicht ohne Weiteres mit dem vorgeschlagenen Vorgehen zusammenpassen<\/strong> (Selbstoffenbarung explizit gemacht). <strong>Mir ist wichtig zu sagen: Mir geht es nicht darum, damit die Leiterschaft infrage zu stellen, sondern weil mir die Grundlage unserer Entscheidungen wirklich am Herzen liegt und weil ich m\u00f6chte, dass wir gemeinsam einen Weg finden, der f\u00fcr uns alle als schriftgem\u00e4\u00df richtig und vor Gott verantwortbar ist<\/strong> (Beziehung entsch\u00e4rft). <strong>Deshalb w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass wir diesen Punkt noch einmal gemeinsam ohne Zeitdruck sorgf\u00e4ltig anhand der Bibel pr\u00fcfen<\/strong>. (Appell klar formuliert).\u00ab<\/mark><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesezeit: 24 Minuten. Fast jeder hat schon einmal die Formel: \u00bbGesagt ist nicht geh\u00f6rt. Geh\u00f6rt ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden\u00ab geh\u00f6rt, die teilweise erweitert und umformuliert wird. Trotz ihrer K\u00fcrze ist sie aus Erfahrung und Kommunikationsforschung gut belegt. Damit wird Kommunikation zwischen Menschen nicht als prinzipiell problematisch erkl\u00e4rt, sondern nach Ursachen geforscht, warum &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=4035\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGesagt ist nicht geh\u00f6rt | Kommunikation als Stolperfalle\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4036,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[1,19,20],"tags":[212,211,213],"class_list":["post-4035","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeines","category-denken","category-strukturen","tag-fuehrungsstil","tag-kommunikationstheorie","tag-sender-empfaenger-modell"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4035","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4035"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4035\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4085,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4035\/revisions\/4085"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4035"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4035"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}