{"id":3929,"date":"2026-02-10T13:37:31","date_gmt":"2026-02-10T12:37:31","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=3929"},"modified":"2026-04-27T09:27:24","modified_gmt":"2026-04-27T07:27:24","slug":"liebe-gerechtigkeit-und-zorn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=3929","title":{"rendered":"Liebe, Gerechtigkeit und Zorn"},"content":{"rendered":"\n<p>Francis Schaeffer forderte uns einmal auf, uns vorzustellen, wir gingen die Stra\u00dfe entlang und tr\u00e4fen auf einen jungen Mann, der auf eine \u00e4ltere Frau einschl\u00e4gt. Er schl\u00e4gt immer wieder auf sie ein, w\u00e4hrend sie sich an ihre Handtasche klammert, die er ihr entrei\u00dfen will. Schaeffer fragt: \u00bbWas bedeutet es in dieser Situation, meinen N\u00e4chsten zu lieben?\u00ab Unzweifelhaft bedeutet N\u00e4chstenliebe in diesem Fall, die (gerechte) Gewalt anzuwenden, die notwendig ist, um den (b\u00f6sen) T\u00e4ter zu \u00fcberw\u00e4ltigen und die (unschuldige) \u00e4ltere Frau zu retten (zu lieben). Liebe und Gerechtigkeit, G\u00fcte und Heiligkeit, Gnade und Zorn sind keine Gegens\u00e4tze. Sie erg\u00e4nzen einander. Letztlich sind sie voneinander abh\u00e4ngig.\u00a0<strong>Liebe ohne Gerechtigkeit ist blo\u00dfer Sentimentalismus. Gerechtigkeit ohne Liebe ist blanke Vergeltungssucht.<\/strong>\u00a0In Gott jedoch gilt: \u00bbG\u00fcte und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich gek\u00fcsst\u00ab (Psalm 85,11). Liebe sucht Gerechtigkeit f\u00fcr die Geliebten. Liebe des Guten fordert Hass alles B\u00f6sen. Gerechtigkeit sch\u00fctzt, r\u00e4cht und rechtfertigt die Geliebten. <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>Das Kreuz Christi ist der vollkommene Ausdruck sowohl der Liebe Gottes, der unw\u00fcrdige S\u00fcnder rettet, als auch der Gerechtigkeit Gottes, die fordert, dass ein gerechter Preis f\u00fcr die Erl\u00f6sung bezahlt wird.<\/strong><\/mark><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Einfachheit Gottes<\/h2>\n\n\n\n<p>Zwischen dem, was wir wegen unseres begrenzten und gefallenen Begriffsverm\u00f6gens vielleicht als \u00bbSpannungen\u00ab zwischen den verschiedenen Eigenschaften Gottes wahrnehmen, besteht vielmehr eine vollkommene Harmonie. Streng genommen gibt es gar nicht mehrere (separate) Eigenschaften bei Gott, sondern ein einziges, herrliches, g\u00f6ttliches Wesen. Die klassischen Theologen stellten die g\u00f6ttliche Einfachheit h\u00e4ufig an den Anfang ihrer Darlegungen \u00fcber die Eigenschaften Gottes, weil ein rechtes Verst\u00e4ndnis der Einfachheit grundlegend f\u00fcr ein rechtes Verst\u00e4ndnis aller Eigenschaften ist. Gott ist einfach.&nbsp;<strong>Gott ist Geist, ungeteilt, einzigartig, nicht zusammengesetzt.&nbsp;<\/strong>Er ist Einer \u2013 ohne K\u00f6rper, Teile oder \u00bbSeiten\u00ab. Wenn wir die Eigenschaften Gottes betrachten, denken wir nicht \u00fcber verschiedene \u00bbTeile\u00ab oder \u00bbSeiten\u00ab Gottes nach. Wir betrachten jede Eigenschaft gesondert aufgrund der Begrenztheit unseres Denkverm\u00f6gens. \u00bbIn Gott gibt es nicht viele Eigenschaften, sondern nur eine\u00ab, erkl\u00e4rte der englische Puritaner Lewis Bayly (1565\u20131631) im Sinne des klassischen Theismus, \u00bbn\u00e4mlich das g\u00f6ttliche Wesen selbst, gleichg\u00fcltig, wie du es nennst.\u00ab[1] Gottes&nbsp;<em>attributa divina<\/em>&nbsp;(g\u00f6ttlichen Eigenschaften) sind untrennbar von seinem&nbsp;<em>essentia Dei<\/em>&nbsp;(g\u00f6ttlichen Wesen).<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der wesentlichen Einheit der g\u00f6ttlichen Eigenschaften: Was k\u00f6nnen wir \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen den von uns als \u00bbsanfter\u00ab und \u00bbh\u00e4rter\u00ab empfundenen Auspr\u00e4gungen seines Wesens sagen \u2013 zwischen Liebe und Zorn, zwischen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit? Es kann hilfreich sein, diese Frage mit Blick auf die Liebe zu beantworten, also um jene Eigenschaft, um die sich meistens zuerst Diskussion und Kontroversen ranken. \u00bbGott ist Liebe\u00ab, hier stimmen Bibel und popul\u00e4re Meinung meist \u00fcberein. Wie sind dann seine Gerechtigkeit und sein Zorn zu verstehen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr als Liebe<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Erstens:<\/strong>&nbsp;<strong>Gott ist Liebe \u2013 und doch mehr als Liebe.<\/strong>&nbsp;Liebe wird von \u00e4lteren Theologen als Unterart des Gutseins behandelt. Gottes Gutsein \u2013 was Stephen Charnock (1628\u20131680) [2] die \u00bbLeiteigenschaft\u00ab nannte \u2013 ist die Gattung, zu der Liebe, Gnade, Barmherzigkeit, Freundlichkeit und Geduld als Arten geh\u00f6ren. Diese Klassifikation macht deutlich, dass \u00bbGott ist Liebe\u00ab nicht bedeutet, Gott sei Liebe unter Ausschluss seiner \u00fcbrigen Eigenschaften (1Johannesbrief&nbsp;4,8). Der Apostel Johannes schreibt nicht: \u00bbLiebe ist Gott\u00ab. Die biblische Aussage l\u00e4sst sich nicht umkehren. Die Bibel sagt auch, dass Gott \u00bbLicht\u00ab ist (1Johannesbrief&nbsp;1,5) und dass Gott ein \u00bbverzehrendes Feuer\u00ab ist (Hebr\u00e4er&nbsp;12,29). In all diesen F\u00e4llen wird dieselbe grammatische Konstruktion verwendet. Der Gott, der Liebe ist, ist nach Johannes auch \u00bbtreu\u00ab und \u00bbgerecht\u00ab (1Johannesbrief&nbsp;1,9). \u00bbSo unendlich wohlwollend Gott auch ist\u00ab, sagt J. W. Alexander (ein presbyterianische Theologe des 19. Jahrhunderts), \u00bbso ist unendliches Wohlwollen nicht alles an Gott.\u00ab Gottes Liebe ist eine gerechte Liebe, und seine Gerechtigkeit ist eine liebende Gerechtigkeit. Wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass eine Eigenschaft die anderen \u00fcberw\u00e4ltigt und entkr\u00e4ftet. Charles Spurgeon formulierte es so: \u00bbGott ist \u2026 so streng gerecht, als h\u00e4tte er keine Liebe, und doch so innig liebend, als h\u00e4tte er keine Gerechtigkeit.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Liebe definieren<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens muss die Bibel festlegen, was Liebe ist.<\/strong>&nbsp;Nicht selten ist die Liebe Gottes so verstanden worden, dass damit Gottes moralische Eigenschaften geleugnet werden. \u00bbIch glaube an einen Gott der Liebe\u00ab, sagt jemand \u2013 und schafft damit den Gerichtstag ab und l\u00f6scht die Feuer der H\u00f6lle. Moralische Kategorien werden im Namen der Liebe insgesamt verworfen. \u00bbEin liebender Gott w\u00fcrde niemals \u2026\u00ab, so beginnt irgendeine gutgemeinte Behauptung, und dann folgt eine Liste von Lebensstilunterschieden oder moralischen Forderungen, die Gott angeblich niemals stellen w\u00fcrde: Er w\u00fcrde mich nie verurteilen oder wollen, dass ich ungl\u00fccklich bin, oder mein Verhalten missbilligen oder meine gew\u00e4hlte Identit\u00e4t in Frage stellen. Warum nicht? Weil \u2013 so die Behauptung \u2013 Gott nur und immer alles und jeden akzeptiere. Das sei Liebe. Gott wird damit durch ein amorphes (gestaltloses) Liebesverst\u00e4ndnis neu definiert, losgel\u00f6st von Heiligkeit und von der Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift selbst. Wenn die Apostel sagen, Gott sei Liebe, meinen sie, dass er&nbsp;<em>agap\u0113<\/em>&nbsp;ist, nicht&nbsp;<em>er\u014ds<\/em>;&nbsp;<em>caritas<\/em>, nicht&nbsp;<em>amor<\/em>&nbsp;\u2013 selbsthingebende, opferbereite Liebe, nicht romantische, erotische oder blo\u00df warmherzig-sentimentale Liebe und auch keine unkritisch-alles-akzeptierende Liebe. Gottes Liebe macht Unterschiede, sie korrigiert Falsches und ist stets gerechte Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bibel offenbart einen Gott, der sowohl gut als auch gerecht ist. Er ist \u00bbbarmherzig und gn\u00e4dig\u00ab und doch \u00bbh\u00e4lt er keineswegs schuldlos\/ungestraft den Schuldigen\u00ab (2Mose&nbsp;34,6\u20137). \u00bbSiehe nun die G\u00fcte und die Strenge Gottes\u00ab, sagt der Apostel Paulus (R\u00f6mer&nbsp;11,22). W\u00e4re Gott nicht gerecht, w\u00e4re er nicht gut. W\u00fcrde er \u00fcber die S\u00fcnde hinwegsehen, das B\u00f6se ignorieren, Ungerechtigkeit dulden oder die Unschuldigen der Willk\u00fcr der Gottlosen \u00fcberlassen \u2013 ungerettet, unger\u00e4cht, unverteidigt und am Ende nicht unterschieden von den B\u00f6sen, denselben Raum, dasselbe Schicksal, dieselben Belohnungen und Strafen teilend \u2013, dann w\u00e4re Gott nicht gut oder freundlich oder gerecht oder heilig. \u00bbSeine Liebe ist nicht und kann nicht blind und nachsichtig sein\u00ab, sagt Ian Hamilton, \u00bbgenauso wenig, wie seine Gerechtigkeit und Heiligkeit nicht kalt und willk\u00fcrlich sein k\u00f6nnen oder sind.\u00ab Also: Liebe erfordert Gerechtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zur Liebe geneigt<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Drittens: Gott ist zur Liebe geneigt.<\/strong>&nbsp;Zwar d\u00fcrfen wir die Liebe nicht alle anderen Eigenschaften Gottes \u00fcberstrahlen lassen; dennoch k\u00f6nnen wir sagen, dass Liebe \u2013 und mit ihr sein Gutsein insgesamt \u2013 in gewissem Sinne \u00bbnat\u00fcrlicher\u00ab zu Gott geh\u00f6rt als sein Zorn. Er zieht es eher vor zu lieben, als denn strengere Ausdrucksformen seines Wesens zu offenbaren. Wir strapazieren mit solchen Aussagen nat\u00fcrlich die Sprache, weil Gottes Eigenschaften, wie gesagt, eine harmonische Einheit bilden. Liebe und Gerechtigkeit stehen in Gottes Wesen oder Bewusstsein nicht im Widerstreit. Doch die Bibel lehrt h\u00e4ufig, dass Gott an \u00bbbest\u00e4ndiger Gnade\/G\u00fcte\u00ab (hebr.&nbsp;<em>chesed<\/em>) Gefallen hat, w\u00e4hrend sie weniger lehrt, dass er Gefallen daran hat, Zorn zu \u00fcben. Micha&nbsp;7,18 sagt: \u00bbEr beh\u00e4lt seinen Zorn nicht auf ewig, denn er hat Gefallen an G\u00fcte\u00ab. \u00bbGott ist eher zur Barmherzigkeit geneigt als zum Zorn\u00ab, sagt Thomas Watson (um 1620\u20131686). \u00bbTaten der Strenge werden ihm gleichsam abgerungen\u00ab. Die Bibel lehrt, dass \u00bber nicht von Herzen plagt\u00ab, wohl aber willig und freudig liebt (Klagelieder&nbsp;3,33; vgl. 5Mose&nbsp;7,6\u20137). Er ist \u00bblangsam zum Zorn\u00ab und reich an best\u00e4ndiger Gnade (Psalm&nbsp;103,8; vgl. 2Mose&nbsp;34,6). Jesaja nennt Gottes Gericht sein \u00bbfremdes Werk\u00ab (Jesaja&nbsp;28,21) \u2013 das, was Theologen&nbsp;<em>opera aliena Dei<\/em>&nbsp;(\u00bbdie fremden Werke Gottes\u00ab) nannten.[3] Er ist eher ein z\u00f6gernder Richter. Gott ist eher zur Liebe geneigt \u2013 zur G\u00fcte, Gnade und Barmherzigkeit \u2013 als zu Zorn, Grimm und Gericht. Der Ausdruck der Liebe offenbart st\u00e4rker seine Neigung oder die Richtung seines Wesens als der Ausdruck seines Zorns. Ja, Gottes Liebe, so sagt der Puritaner William Gurnall (1616\u20131679), \u00bbsetzt alle seine anderen Eigenschaften in Bewegung\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Darstellung der Eigenschaften Gottes sollte stets in Demut erfolgen. So viel wir auch gesagt haben \u2013 es gibt immer mehr zu sagen. Das Endliche kann das Unendliche nicht umfassend oder ersch\u00f6pfend erkennen. Dennoch k\u00f6nnen wir Gott wahrhaft erkennen und dort reden, wo die Bibel redet: Sie offenbart einen Gott, der zugleich Liebe und Licht ist, zugleich gn\u00e4dig und barmherzig und gerecht verdammend. Am besten kann man dies in der Offenbarung Gottes in seinem Heilswerk auf Golgatha beobachten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Endenoten, Quellen und Disclaimer<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">[1]&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lewis Bayly schrieb 1613 das vielbeachtete und in viele Sprachen \u00fcbersetzte Werk:&nbsp;<em>The Practice of Piety, directing a Christian, how to walk, that he may please God<\/em>, das auch auf Deutsch herausgegeben wurde (dt. Basel 1628, L\u00fcneburg 1631): \u00bb<em>Praxis Pietatis: Das ist: Ubung der Gottseligkeit : Darinn begriffen\/ wie ein Christgl\u00e4ubiger Mensch\/ in wahrer erk\u00e4ntnu\u00df Gottes\/ und seiner selbsten\/ zunemen; sein Leben t\u00e4glich in der Forcht Gottes anstellen\/ mit ruhigem Gewissen zubringen\/ unnd nach vollendetem Lauff seliglich beschliessen kan: Sampt beygef\u00fcgten sch\u00f6nen Geist- und Trostreichen Gebetten ; Erstlich\/ in Englischer Sprach uber die dreyssig mal; hernacher Frantz\u00f6sisch zu unterschiedenen malen au\u00dfgangen: anjetzo aber &#8230; auch in die Teutsche Sprach gebracht<\/em>\u00ab (Basel: Wagner, 1630\u20131631).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">[2]&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stephen Charnock (1628\u20131680), puritanischer Theologe, war ein englischer puritanischer presbyterianischer Geistlicher, geboren in der Gemeinde St. Katherine Cree in London. Charnocks theologischer Ruhm beruht haupts\u00e4chlich auf seinen&nbsp;<em>Discourses upon the Existence and Attributes of God<\/em>&nbsp;(\u00bbAbhandlungen \u00fcber die Existenz und Eigenschaften Gottes\u00ab), einer Reihe von Vortr\u00e4gen, die er vor den Mitgliedern seiner Gemeinde in Crosby Hall hielt; leider wurden die \u00bbDiscourses\u00ab durch Charnocks Tod im Jahr 1680 unterbrochen. Die Abhandlung ist heute unter dem Titel&nbsp;<em>The Existence and Attributes of God<\/em>&nbsp;(\u00bbDie Existenz und Eigenschaften Gottes\u00ab) erhalten, die erstmals 1682 posthum ver\u00f6ffentlicht wurde. (<a href=\"https:\/\/www.monergism.com\/thethreshold\/sdg\/charnock\/The%20Existence%20and%20Attributes%20of%20-%20Charnock.pdf\">Online PDF<\/a> auf www.monergism.com)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">[3] In der klassischen christlichen Theologie unterscheidet man zwischen den <em>Opera propria Dei<\/em> (den \u00bbGott eigenen Werken\u00ab), die seinem Wesen im engeren Sinn entsprechen, also \u00bbIhm gem\u00e4\u00dfe Werke\u00ab sind. Darunter z\u00e4hlt man seine Gnade, Barmherzigkeit, G\u00fcte, Liebe und das Errettungswerk, wobei diese alle der moralischen Vollkommenheit Gottes Liebe (\u00bbGott IST Liebe\u00ab!) zugeordnet sind. \u2013 Die <em>Opera aliena Dei<\/em> (die \u00bbGott fremden Werke\u00ab) sind dann jene Werke Gottes, die Gott nicht um ihrer selbst willen tut, sondern als Antwort auf S\u00fcnde und Schuld. Darunter z\u00e4hlt man das Gericht, die Verdammnis, die Z\u00fcchtigung, den Zorn, den Grimm u.\u00e4., wobei diese alle der moralischen Vollkommenheit Gottes Licht (\u00bbGott IST Licht\u00ab) zugeordnet sind. \u00bbFremd\u00ab hei\u00dft hier also nicht, das diese Werke un-g\u00f6ttlich oder dem Wesen Gottes widerspr\u00fcchlich w\u00e4ren, sie sind vielmehr wesensgem\u00e4\u00df m\u00f6glich und notwendig und heilig, aber nicht wesensgem\u00e4\u00df bevorzugt. Etwas platt formuliert: Gott richtet wirklich, aber ungern. Gott rettet wirklich, aber gern. Als erste Bibelreferenzen w\u00e4ren Jesaja 28,21, Klagelieder 3,33, Micha 7,18 und Hesekiel 33,11 zu \u00fcberdenken. \u2013 Warum man diese theologische Unterscheidung einf\u00fchrte ist der Beobachtung in der Heiligen Schrift geschuldet, dass einerseits Gott wirklich gerecht ist und wirklich wirksam richtet, sein Gericht(reden) also nicht blo\u00df p\u00e4dagogisches Symbol, sondern reale g\u00f6ttliche Handlung ist. Andererseits sehen wir in der Heiligen Schrift ebenso, dass Gottes innerste Neigung Gnade ist und nicht der Zorn. Gericht ist bei Gott nicht Selbstzweck oder Ziel in sich selbst, sondern angesichts der S\u00fcnde ein absolut notwendiges, aber nicht das bevorzugte, Handeln Gottes. \u2013 Auch Martin Luther hat diese Unterscheidung genutzt, um zu zeigen, dass Gott durch das Gesetz (Zorn, Gericht, Verdammung; sog. <em>Opus alienum<\/em>) wirkt, um damit zum Evangelium (Gnade, Rechtfertigung vor Gott; sog. <em>Opus proprium<\/em>) zu f\u00fchren. \u2013 <strong>Festzuhalten ist dogmatisch (theologisch), dass Gottes Wesen, seine g\u00f6ttlichen Vollkommenheiten, eine Einheit darstellen und dass Gottes Zorn nicht ein Gegenpol zur Liebe, sondern deren notwendige Ausdrucksform gegen\u00fcber dem B\u00f6sen ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Der Beitrag wurde \u00fcbersetzt, adaptiert und mit Endenoten versehen von grace@logikos.club, basierend auf einem Artikel von Terry L. Johnson:\u00a0<em>Love, Justice, and\u00a0Wrath<\/em> in TableTalk Mai 2022, S.\u00a014\u201316. Dr. Terry L. Johnson ist leitender Gemeindehirte der\u00a0<em>Independent Presbyterian Church<\/em>\u00a0in Savannah, Georgia (UAS). Er ist Autor der B\u00fccher\u00a0<em>The Case for Traditional Protestantism<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Reformed Worship<\/em>. Die Verwendung seines Beitrags hier bedeutet nicht ein Endorsement (bef\u00fcrwortende Annahme) aller seiner Lehren durch logikos.club.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Francis Schaeffer forderte uns einmal auf, uns vorzustellen, wir gingen die Stra\u00dfe entlang und tr\u00e4fen auf einen jungen Mann, der auf eine \u00e4ltere Frau einschl\u00e4gt. Er schl\u00e4gt immer wieder auf sie ein, w\u00e4hrend sie sich an ihre Handtasche klammert, die er ihr entrei\u00dfen will. 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