{"id":2965,"date":"2023-01-08T14:27:51","date_gmt":"2023-01-08T13:27:51","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=2965"},"modified":"2024-03-20T14:02:15","modified_gmt":"2024-03-20T13:02:15","slug":"die-verfaelschung-der-biblischen-heilslehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=2965","title":{"rendered":"Die Verf\u00e4lschung der biblischen Heilslehre"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Heil (die Errettung) und das Wesen des Heils wurde seit der Fr\u00fchkirche immer wieder angegriffen, unterschiedlich interpretiert und widerspr\u00fcchlich gelehrt. Neben einigen \u201egeringf\u00fcgigen\u201c Varianten kamen sehr fr\u00fch auch schwerwiegende Irrlehren auf, die das Urteil der Verdammnis seitens des Apostels auf sich zogen, da sie es verunm\u00f6glichten, das g\u00f6ttliche Heil zu erkennen, zu glauben und zu bekommen.&nbsp;Wir \u201everdanken\u201c diesen Irrt\u00fcmern und Irrlehrern einige fundamental kl\u00e4rende Texte im Neuen Testament.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden soll ein <strong>\u00dcberblick \u00fcber das breite Spektrum falscher Heilslehren innerhalb des christlichen Bekenntnisses<\/strong> versucht werden. Dieser begrenzt sich aus Platzgr\u00fcnden auf <strong>f\u00fcnf Schlaglichter.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">R\u00f6misch-Katholische Kirche<\/h3>\n\n\n\n<p>Die R\u00f6misch-Katholische Kirche<strong>&nbsp;<\/strong>(RKK) lehrte zur Reformationszeit (also vor 500 Jahren) wie heute, dass der Mensch trotz seines gefallenen Zustands bei seiner Erl\u00f6sung <strong>mitwirken<\/strong> kann. Gott schenke ihm seine Gnade (zuvorkommend!) und der Mensch antworte mit Glauben. Die Reformatoren verwarfen diese Idee und betonten, dass die Erl\u00f6sung ein reines Geschenk Gottes ist, denn der Mensch ist geistlich tot und er muss deshalb wiedergeboren werden; sein Verstand, sein Herz und sein Wille m\u00fcssen komplett erneuert werden, bevor er sich entscheiden kann.<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die RKK<strong>&nbsp;<\/strong>hat in ihr System die Sakramente eingebaut, deren formgerechter Gebrauch in seiner Anwendung (<em>ex opere operato<\/em>) Gnade vermittelt, z.B. in Taufe, Bu\u00dfe, Messe. Die Heilslehre der RKK ist stets&nbsp;<strong>synergistisch<\/strong>, d.h. sie lehrt ein heilserbringendes Zusammenwirken des Handelns Gottes und des Menschen.&nbsp;<strong>Prinzip: Das Heil kommt durch Gnade&nbsp;<em>und<\/em>&nbsp;Werke.<\/strong>&nbsp;Das 2. Vatikanische Konzil f\u00fchrte zu einer Neudefinition des Heils mit dem Effekt, dass alle Nicht-Christen und sogar Atheisten ebenfalls ins Heil kommen bzw. sind. Die RKK ist seit dieser Zeit von der Lehrgrundlage her&nbsp;<strong>universalistisch<\/strong>&nbsp;(d.h. letztlich werden alle gerettet werden).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Theologischer Liberalismus<\/h3>\n\n\n\n<p>Im sog. \u201eTheologischen Liberalismus\u201c wird gem\u00e4\u00df des Denkrahmens der Aufkl\u00e4rung alles \u00dcbernat\u00fcrliche geleugnet, mithin alle Wunder Gottes, die g\u00f6ttliche Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift und andere klassischen Hauptlehren der Schrift. Die Heilslehre des sog. \u201e<strong>Sozialen Evangeliums<\/strong>\u201c definierte das Heil als&nbsp;<strong>die Transformation der menschlichen Gesellschaft durch Erziehung, sozialen Wandel und politische Aktion, die durch die Ideale und die Ethik Jesu Christi motiviert wird<\/strong>. Der Mensch soll sich im Diesseitigen \u201echristlich\u201c (d.i.: humanistisch) verwirklichen und ein diesseitiges Paradies erschaffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Christlicher Existenzialismus<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Lehrer des \u201eChristlichen Existenzialismus\u201c glauben, dass sich der Mensch durch reine Objektbezogenheit von seinem Wesen und der Realit\u00e4t entfremdet habe, weil Dinge keine Hingabe, kein Risiko und keine Entscheidung abverlangten. <strong>Der Mensch verstehe sich selber aber nur im Erleben seiner selbst, es gebe keine vorige Setzung seines Wesens oder seiner Bestimmung.<\/strong> Daher will man der Entfremdung, der Angst und Hoffnungslosigkeit in pers\u00f6nlichen Beziehungen und pers\u00f6nlichen Erlebnissen entgehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Reiner \u201eDing-Glaube\u201c (z.B. an Glaubensbekenntnisse und Lehren) rette nicht, sondern sei nur ein \u201ebilliger Glaube\u201c.&nbsp;<strong>Rettender Glaube sei der Akt des Glaubens mit tiefer innerer Leidenschaft und radikalem Engagement; es sei ein Glaube, der sich selbst f\u00fcr ein Leben kostspieliger J\u00fcngerschaft hingibt.<\/strong> Das Ergebnis dieser alles kostenden Entscheidung ist die Gegenwart Christi im Herzen und die pers\u00f6nliche Wahrnehmung einer authentischen <strong>Existenz<\/strong>, n\u00e4mlich die Beseitigung der Angst, die Vergebung der S\u00fcnden, die Realisierung des vollen Potentials, das im Menschen steckt, und die Umgestaltung des Lebens.&nbsp;<strong>Der Glaube selbst wird zum existentiellen Erleben<\/strong>. Er wird nicht in Glaubensbekenntnissen, sondern im (Er-)Leben festgemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Verf\u00e4lschung findet man in manchen&nbsp;<strong>J\u00fcngerschaftsbewegungen<\/strong>, auch bei dem Theologen und Pionier der Existenzphilosophie, S\u00f8ren Aabye Kierkegaard (1813\u20131855). Seine berechtigte Kritik am toten, rein theoretischen \u201eKopf-Glauben\u201c seiner Landsleute und Zeitgenossen (\u201eHauptsache, man unterzeichnet das richtige Glaubensbekenntnis\u201c) geriet zur Verirrung in das entgegengesetzte Extrem (\u201eHauptsache, man erlebt Christ- und Menschsein\u201c). Nicht ohne Grund geh\u00f6rt zur Glaubenslehre auch immer die entsprechende Glaubenspraxis \u2013 <em>et<\/em> <em>vice versa<\/em>: Orthodoxie und Orthopraxis sind im christlichen Glauben zwei Seiten derselben Medaille.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Befreiungstheologie<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Befreiungstheologie&nbsp;ist eine praxisorientierte Theologie, die im wesentlichen auf der&nbsp;<strong>marxistischen Interpretation der Kultur&nbsp;<\/strong>beruht. Diese Bewegung will weg vom individuellen, pers\u00f6nlichen, innerlichen Glauben, hin zu kollektiven, \u00e4u\u00dferen und strukturellen Angelegenheiten. In der Regel geht man davon aus, dass alle Menschen \u201ein Christus\u201c seien (vgl. <em>Universalismus<\/em>), dass aber die Zust\u00e4nde in der Gesellschaft die Menschen verbogen und entmenschlicht habe.&nbsp;<strong>Das Heil wird daher im gemeinsamen Umsturz aller ungerechten Regimes und sozialen Strukturen gesehen, notfalls durch Revolution und Gewalt.<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Exodus Israels muss f\u00fcr die \u201eBefreiung\u201c als Paradigma herhalten. Die verschiedenen \u201eunterdr\u00fcckten\u201c V\u00f6lker h\u00e4tten ihre eigene Version der Heilslehre entwickelt, z.B. die Schwarzen (Angela Davis). <strong>Die Einheit des Heilswerks Gottes f\u00fcr <em>alle<\/em> Menschen gleicherma\u00dfen, weil alle gleicherma\u00dfen (!) verloren sind, wird damit <em>en passant<\/em> auch geleugnet. <\/strong>Die Lehren der Heiligen Schrift \u00fcber das erl\u00f6sende, stellvertretende, s\u00fchnende Werk Jesu Christi werden missachtet, ebenso wie die Tatsache des Verlorenseins ohne den Heiland Jesus Christus. Das Heil wird vor allem diesseitig und damit zeitlich gesehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neoorthodoxie (Barth)<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Neoorthodoxie Barths&nbsp;nahm Stellung gegen Bultmann und die Existenzialisten, und versuchte das Heilshandeln wieder voll in die H\u00e4nde Gottes zu legen.&nbsp;<strong>Das Heil ist bei Barth ein rein objektives Ereignis und hat mit dem Einzelmenschen wenig zu tun.<\/strong>&nbsp;Als Jesus Christus in diese Welt kam, habe er sich mit der Menschheit (<em>humanum<\/em>&nbsp;= die&nbsp;<strong><em>gesamte<\/em><\/strong>&nbsp;menschliche Rasse) vereinigt und so f\u00fcr sie am Kreuz objektiv das Heil erworben. Durch Christi Tod sei die S\u00fcnde der Welt gerichtet wurden und durch sein Auferstehen sei der Sieg zu&nbsp;<em>allen<\/em>&nbsp;Menschen gekommen.&nbsp;<strong>Rettung und Heil ist also etwas, das alleine Gott gemacht hat, und zwar mit&nbsp;<em>allen<\/em>&nbsp;Menschen; der einzelne Mensch hat damit praktisch nichts zu tun.<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Barth lehrte, dass Glaube, Bu\u00dfe, Umkehr und Gehorsam nur die&nbsp;<em>Sichtbarwerdung<\/em>&nbsp;(Manifestation) des <em>bereits erhaltenen<\/em> Heils seien, nicht die&nbsp;<em>Mittel<\/em>, durch die das Heil pers\u00f6nlich ergriffen werde. Positiv ist das Bem\u00fchen, Gott als den Hauptagenten des Heilshandelns zur\u00fcck zu gewinnen. Irrlehre ist seine Heilslehre aber schon allein durch die Aussage, dass <em>alle<\/em> Menschen \u201ein Christus\u201c seien (auch wenn Christus noch nicht in allen Menschen sei, sondern der Mensch aus seinem geistlichen Schlaf aufwachen m\u00fcsse); Barth ist damit ein weiterer&nbsp;<strong>Universalist<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Evangelikale Arminianer<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Heilsabsicht Gottes. <\/strong>Die \u201eevangelikalen\u201c Arminianer&nbsp;(viele sog. Freikirchen) lehren, dass Gott aus Liebe Christus in die Welt sandte, mit dem Ziel, die Menschheit, also <em>alle<\/em> Menschen, von dem Ruin der S\u00fcnde zu erretten (<strong>universale Vers\u00f6hnung<\/strong>). Gott wolle die Errettung aller und jedes Menschen (bezugsnehmend auf 1Tim 2:4; 2Pet 3:9). Dass dies nicht zustande komme, sei alleine dem freien Willen und Widerstand des Menschen zuzurechnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heilsergreifung. <\/strong>Sie lehren, dass eine universale, \u201evorlaufende\u201c Gnade vom Kreuz Christi gleicherma\u00dfen zu <em>allen<\/em> s\u00fcndigen Menschen flie\u00dfe und diese durch moralisches Licht in einen Stand versetze, in dem er seine moralische Blind- und Taubheit gegen\u00fcber dem Heilsangebot Gottes verliere, er in <em>wiederhergestelltem freien und moralischen Willen<\/em> von der S\u00fcnde \u00fcberf\u00fchrt werde und in freier, ureigener Entscheidung dem Ruf zum Heil folgen k\u00f6nne. Die derart erweckte und ber\u00fchrte Seele&nbsp;<strong>kooperiere<\/strong>&nbsp;dabei aus freiem Verm\u00f6gen mit Gott, bekenne ihre S\u00fcnden und vertraue Christus als ihrem Heiland. Viele Arminianer sehen die<strong>&nbsp;Wiedergeburt synergistisch als das Ergebnis des Zusammenwirkens von menschlicher Willigkeit und g\u00f6ttlichem Wirken<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heils(un)sicherheit.<\/strong> Die evangelikalen Arminianer betonen, dass<strong>&nbsp;<\/strong>der Gnade und der Berufung Gottes<strong>&nbsp;effektiv und letztg\u00fcltig Widerstand&nbsp;<\/strong>geleistet werden k\u00f6nne. Der neugeborene Christ k\u00f6nne sich jederzeit frei entscheiden, Christus zu verwerfen, in seiner S\u00fcnde fortzufahren und damit effektiv das ewige Heil (wieder!) zu verlieren. Die Arminianer verleugnen damit das&nbsp;<strong>Ausharren der Heiligen<\/strong>, wie es in der Schrift gelehrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erw\u00e4hlung. <\/strong>Arminianer lehren die Lehre der&nbsp;<strong>Erw\u00e4hlung&nbsp;<\/strong>so, dass Gott nur jene Menschen zum Heil erw\u00e4hlte, von denen er&nbsp;voraussah, dass sie auf sein Gnadenangebot positiv reagieren und Christus annehmen w\u00fcrden (dies meine die Schrift mit dem Begriff \u201eVorkenntnis Gottes\u201c; sog. Erw\u00e4hlung <em>ex fide praevisa<\/em>). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Methodismus (Perfektionismus). <\/strong>Einige Arminianer lehren, dass Gott sein heiligendes Handeln durch ein&nbsp;<strong>zweites Werk der Gnade<\/strong>&nbsp;vollkommen machen wolle, das dann die s\u00fcndige Natur und die s\u00fcndigen W\u00fcnsche des Menschen ausrei\u00dfe und das Herz mit vollkommener Liebe gegen\u00fcber Gott erf\u00fclle (sog. Volle Errettung, Volles Heil, S\u00fcndlose Vollkommenheit; vgl. <em>Wesleyanischen<\/em> <em>Methodismus<\/em>, <em>Charismatische<\/em> und <em>Pfingstler-Bewegung<\/em>). &nbsp;<strong>Dieses Heilsverst\u00e4ndnis ist im Prinzip synergistisch, es ist ein Zusammenwirken einer g\u00f6ttlichen Gnade (welcher?) und des befreiten menschlichen Willens<\/strong>, wobei der Mensch der alles entscheidende Handelnde ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie Wolfgang Nestvogel belegt, greift diese&nbsp;<strong>Rekatholisierung der Heilslehre<\/strong>&nbsp;im arminianischen Gedankengut immer mehr Raum bei den Evangelischen und leider auch bei den (ehemals) \u201eEvangelikalen\u201c (Freikirchen). [1] <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hyper-Calvinisten<\/h3>\n\n\n\n<p>Die sog. Hyper-Calvinisten [2] verdrehen die biblische Heilslehre dahingehend, dass sie&nbsp;<strong>die Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes im Heilshandeln so extrem betonen und so einseitig darstellen, dass bei ihnen die moralische und geistliche Verantwortung des Menschen v\u00f6llig geleugnet wird.<\/strong>&nbsp;Folglich lehnen sie ab, dass den Nicht-Erw\u00e4hlten in der Predigt die Gute Botschaft frei angeboten wird oder anzubieten sei. Sie glauben nicht, dass im Evangelium&nbsp;<em>allen<\/em>&nbsp;S\u00fcndern&nbsp;<em>ein ernst gemeintes<\/em>&nbsp;Angebot der Retterliebe Gottes unterbreitet werden soll und unterbreitet wird. Andererseits leugnen sie die allgemeine Pflicht jedes S\u00fcnders, dem Evangelium zu glauben, Bu\u00dfe zu tun und an Jesus als ihrem Herrn und Heiland zu glauben (Sie meinen: \u201eEr kann ja nicht, wenn er nicht wei\u00df, ob er auserw\u00e4hlt ist.\u201c). <\/p>\n\n\n\n<p>Damit lenken sie den Blick statt auf Christus auf sich selbst, um nachzuforschen, ob sie erw\u00e4hlt seien, die \u201eGabe\u201c des Heils von Gott erhalten h\u00e4tten usw. Hyper-Calvinisten unterscheiden nicht zwischen dem <em>allgemeinen<\/em> und <em>speziellen<\/em> Willen Gottes, also zwischen einerseits seinen Geboten, seinem <strong>w\u00fcnschenden Wollen<\/strong>, dem der Mensch Widerstand und Ungehorsam entgegen bringen kann, und andererseits seinem <strong>feststehenden Willen<\/strong> in seinen Ratschl\u00fcssen, die unbereubar und durch den Menschen unaufhaltbar, unbeeinflussbar und fest sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Hyper-Calvinisten glauben alle an eine \u201e<strong>doppelte Pr\u00e4destination<\/strong>\u201c (Vorherbestimmung): nicht nur der Erw\u00e4hlten zum Heil, sondern gleicherweise auch der Nicht-Erw\u00e4hlten (sog. <em>Abgefallene<\/em>) zum Verderben.[3] Der Unterschied zwischen Hyper-Calvinisten und biblisch-reformiert denkenden Christen lieg hier darin, dass erstere die \u201edoppelte Pr\u00e4destination\u201c symmetrisch und als unbedingt denken (als ob Gott Beides sich gleich aktiv zuschreibe), letztere jedoch im Sinne von R\u00f6mer 9,22\u201323 als <strong>a<\/strong>symmetrisch: die \u201eGef\u00e4\u00dfe des Zorns\u201c sind zubereitet zum Verderben (<strong>passiv<\/strong>), die \u201eGef\u00e4\u00dfe der Herrlichkeit\u201c werden von Gott zur Herrlichkeit bereitet (<strong>aktiv<\/strong>) [4].<\/p>\n\n\n\n<p>Hyper-Calvinismus\u00a0kam und kommt in <strong>verschiedenen Varianten<\/strong> vor, aber man kann dieses <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>unbiblische<\/strong><\/mark> Lehrsystem anhand einer (oder mehrerer) der folgenden <strong>Merkmale<\/strong>\u00a0erkennen:\u00a0<strong>Hyper-Calvinisten verleugnen<\/strong>:\u00a0<strong>1)<\/strong>\u00a0dass der Ruf des Evangeliums\u00a0<em>alle<\/em>\u00a0Zuh\u00f6rer angeht (Mt 11,28\u201329; Jes 45,22; 55,1\u20137; Offb 22,17); oder:\u00a0<strong>2)<\/strong>\u00a0dass der Glaube\u00a0<em>Pflicht eines jeden S\u00fcnders<\/em>\u00a0ist (Mk 1,15; Apg 15,17; vgl. 17,30; seine moralische Unf\u00e4higkeit beraubt ihn nicht seiner Verantwortung!); oder\u00a0<strong>3)<\/strong>\u00a0dass das Evangelium\u00a0<em>auch<\/em>\u00a0den Nichterw\u00e4hlten Christus, das Heil und die Barmherzigkeit anbietet (oder dass das Angebot der Gnade Gottes frei und universal ist); oder\u00a0<strong>4)<\/strong>\u00a0dass es so etwas wie \u201e<em>Allgemeine Gnade<\/em>\u201c gibt (vgl. 5Mo 10,18; Mt 5,44\u201345; Apg 14,17); oder\u00a0<strong>5)<\/strong>\u00a0dass Gott irgendeine Art Liebe auch f\u00fcr die Nicht-Erw\u00e4hlten hat (vgl. aber seine Hingabe in der Feindesliebe!). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese Verleugnungen der Hyper-Calvinisten unterminieren und verdrehen das Evangelium Gottes.<\/strong>&nbsp;Eine typische Kurzfassung des Evangeliums Gottes seitens eines Hyper-Calvinisten k\u00f6nnte lauten:&nbsp;<em>\u201eDie Botschaft des Evangeliums ist, dass Gott die rettet, die sein Eigen sind und dass Er die verdammt, die es nicht sind.\u201c<\/em>&nbsp;So wird die Gute Nachricht unseres Heiland-Gottes, der in echter Retterliebe auf diese Erde kam, \u201eum zu suchen und zu retten, was verloren ist\u201c (Lukas 19,10) reduziert auf eine Sache von Erw\u00e4hlung und Verdammung. Ein Ringen und flehentliches Bitten um unsere verlorenen Mitmenschen, wie es die Schrift allen Christen als \u201eDienst der Vers\u00f6hnung\u201c auferlegt (2Korinther 5,20), kennen sie nicht, sie verleugnen dies vielmehr.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Endnoten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[1] Nestvogel, Wolfgang:&nbsp;<em>Wann ist ein Christ ein Christ? Der Kampf um die Rechtfertigung&nbsp;<\/em>(2018). \u2013 Vertreter arminianistischer Gedanken in der deutschsprachigen, evangelikalen Gemeindewelt sind z. B. Prof. Herbert Jantzen (anabaptistische Mennoniten-Br\u00fcder) und Thomas Jettel (<em>Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?<\/em>); Prof. Armin Mauerhofer (auch seine Br\u00fcder Walter und Erich), der Christliche Missions-Verlag Bielefeld (CMV), die Mission \u201eEvangelium-f\u00fcr-alle\u201c (EfA) in Stuttgart-Bad Cannstatt unter Michael Happle, der Prediger Karl-Hermann Kauffmann u.v.a.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[2] Wir verwenden diese Bezeichnung im Sinne des Artikels von Phil Johnson,<em>&nbsp;A Primer on Hyper-Calvinism<\/em>. Shepherds Conference March 2003, Sun Valley, CA. Der Begriff ist trotzdem nicht \u00fcberall gleich bekannt und wird unscharf verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[3] Es lohnt sich, einmal die Ausf\u00fchrungen Calvins selbst [http:\/\/www.calvin-institutio.de] samt seinen deutlichen Warnungen zu lesen (<em>Institutio<\/em>, Buch III, Kap. 21, Pkt. 1\u20132). Zur Pr\u00e4destination schreibt Calvin u.a.:<em> \u201eUnter\u00a0<strong>Vorbestimmung<\/strong>\u00a0verstehen wir Gottes ewige Anordnung, verm\u00f6ge deren er bei sich beschlo\u00df, was nach seinem Willen aus jedem einzelnen Menschen werden sollte! Denn die Menschen werden nicht alle mit der gleichen Bestimmung erschaffen, sondern den einen wird das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis vorher zugeordnet. Wie also nun der einzelne zu dem einen oder anderen Zweck\u00a0<strong>geschaffen<\/strong>\u00a0ist, so \u2013 sagen wir \u2013 ist er zum Leben oder zum Tode <strong>vorbestimmt<\/strong><\/em>\u201c. (<em>Institutio<\/em>, Buch III, Kap. 21, Pkt. 5. \u00dcbers. v. Otto Weber, Neukirchener Verlag, 1955. Betonung im Original.). Und:\u00a0<em>\u201eWas demnach die Schrift klar zeigt, das sagen wir auch: Gott hat in seinem ewigen und unwandelbaren Ratschlu\u00df\u00a0<strong>einmal<\/strong>\u00a0festgestellt, welche er einst zum Heil annehmen und welche er andererseits dem Verderben anheimgeben will. Dieser Ratschlu\u00df ist, das behaupten wir, hinsichtlich der\u00a0<strong>Erw\u00e4hlten<\/strong>\u00a0auf Gottes unverdientes\u00a0<strong>Erbarmen<\/strong>\u00a0begr\u00fcndet, ohne jede R\u00fccksicht auf menschliche W\u00fcrdigkeit. Den Menschen aber, die er der Verdammnis \u00fcberantwortet, denen schlie\u00dft er nach seinem zwar gerechten und unwiderruflichen, aber unbegreiflichen Gericht den Zugang zum Leben zu!\u201c<\/em>\u00a0(<em>op. cit.<\/em>, Kap. 21, Pkt. 7).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[4] <strong>R. C. Sproul<\/strong>, reformierter Theologe, hat den Unterschied sehr gut dargestellt in: <em>Double Predestination<\/em> (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.monergism.com\/thethreshold\/sdg\/Double-Predestination.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.monergism.com\/thethreshold\/sdg\/Double-Predestination.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a>). Einleitend schreibt er dort: \u201eThe distortion of double predestination looks like this: <strong>There is a symmetry that exists between election and reprobation.<\/strong> God WORKS in the same way and same manner with respect to the elect and to the reprobate. That is to say, from all eternity God decreed some to election and by divine initiative works faith in their hearts and brings them actively to salvation. By the same token, from all eternity God decrees some to sin and damnation (<em>destinare ad peccatum<\/em>) and actively intervenes to work sin in their lives, bringing them to damnation by divine initiative. In the case of the elect, <em>regeneration<\/em> is the monergistic work of God. In the case of the reprobate, sin and <em>degeneration<\/em> are the monergistic work of God. Stated another way, we can establish a parallelism of foreordination and predestination by means of a <strong><em>positive<\/em> symmetry<\/strong>. We can call this a positive-positive view of predestination. This is, God <em>positively<\/em> and <em>actively<\/em> intervenes in the lives of the elect to bring them to salvation. In the same way God <em>positively<\/em> and <em>actively<\/em> intervenes in the life of the reprobate to bring him to sin. &#8230; <strong>Such a view of predestination has been virtually universally and monolithically rejected by Reformed thinkers.<\/strong>\u201c [Fettdruck hinzugef\u00fcgt] \u201eSproul stellt zu Recht fest, dass diese Lehre mit dem Hyper-Calvinismus gleichzusetzen ist, den er lieber \u00bbSub-Calvinismus\u00ab oder \u00bbAnti-Calvinismus\u00ab nennt. R. C. Sproul, <em>Chosen by God<\/em> (Wheaton, IL: Tyndale House, 1986), S. 142.\u201c<strong><br>John MacArthur,<\/strong> der kein reformierter Theologe ist (und keiner Denomination angeh\u00f6rt), schreibt zusammen mit Richard Mayhue in <em>Biblische Lehre<\/em> \u00fcber Gottes Erw\u00e4hlen: \u201eDer Ratschluss der Erw\u00e4hlung ist die freie und souver\u00e4ne Wahl Gottes, die er in der Ewigkeit vor aller Zeit getroffen hat, seine Liebe auf bestimmte Einzelpersonen zu richten, und \u2013 auf der Grundlage von nichts in ihnen selbst, sondern allein wegen des Wohlgefallens seines Willens \u2013 zu beschlie\u00dfen, dass sie von der S\u00fcnde und Verdammnis errettet werden und durch das Werk Jesu Christi als Mittler die  Segnungen des ewigen Lebens ererben sollten.\u201c (2. Aufl., Berlin: EBTC, 2021, S. 654). \u00dcber die <em>Verwerfung<\/em> siehe <em>op. cit.<\/em>, S. 669ff. Auszug: \u201eObwohl dies die Vorstellung ist, an die viele denken, wenn sie die Begriffe Verwerfung oder doppelte Pr\u00e4destination h\u00f6ren, ist dies <strong>eine grobe Karikatur der biblischen Lehre von der Verwerfung, die der Schrift absolut fremd und der Liebe und Gerechtigkeit Gottes zuwider ist; es ist eine Verirrung des historischen Calvinismus, die von der reformierten Orthodoxie durchg\u00e4ngig verworfen wurde und wird<\/strong>.\u201c<br>Im Widerspruch zur symmetrischen Sicht der R\u00f6misch-katholischen Lehre und der Arminianer (doppeltes Vorhersehen), als auch zur Sicht der Hyper-Calvinisten und der Barthianer (doppelte Pr\u00e4destination), f\u00fchrt uns der biblische Befund dazu, an einer <strong>asymmetrischen Sicht der Erw\u00e4hlung<\/strong> festzuhalten, n\u00e4mlich einer vorbedingungslosen (o. <em>unbedingten<\/em>) Erw\u00e4hlung zum Leben (auf dem Grundsatz der Gnade) und einer bedingten Erw\u00e4hlung zur Verdammnis (auf dem Grundsatz der Gerechtigkeit). Wenn wir von einer \u00bbErw\u00e4hlung zur Verdammnis\u00ab reden, meinen wir damit nicht, dass Gott Personen zur S\u00fcnde und zum Ungehorsam vorherbestimmt habe, sondern zur Verurteilung (und <em>Verdammung<\/em>), die zwangsweise jeder S\u00fcnde folgen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Heil (die Errettung) und das Wesen des Heils wurde seit der Fr\u00fchkirche immer wieder angegriffen, unterschiedlich interpretiert und widerspr\u00fcchlich gelehrt. Neben einigen \u201egeringf\u00fcgigen\u201c Varianten kamen sehr fr\u00fch auch schwerwiegende Irrlehren auf, die das Urteil der Verdammnis seitens des Apostels auf sich zogen, da sie es verunm\u00f6glichten, das g\u00f6ttliche Heil zu erkennen, zu glauben und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=2965\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Verf\u00e4lschung der biblischen Heilslehre\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17,11],"tags":[120,119,121],"class_list":["post-2965","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-falschlehre","category-hall-of-shame","tag-haeresie","tag-irrlehre","tag-konzilien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2965","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2965"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2965\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3388,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2965\/revisions\/3388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}