{"id":2861,"date":"2022-12-02T21:08:52","date_gmt":"2022-12-02T20:08:52","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=2861"},"modified":"2023-01-04T09:59:24","modified_gmt":"2023-01-04T08:59:24","slug":"bleibe-beim-text-prediger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=2861","title":{"rendered":"Bleibe beim Text, Prediger!"},"content":{"rendered":"\n<p>In 1Timotheus 4,13 sagt Paulus zu Timotheus: \u00bbBis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren.\u00ab Beachten Sie, dass die Worte der Heiligen Schrift laut gesprochen (\u00bb<strong>Vorlesen<\/strong>\u00ab) werden, die Menschen werden aufgefordert, dem Wort Gottes zu gehorchen (\u00bb<strong>Ermahnen<\/strong>\u00ab), und die Wahrheit des Textes wird sorgf\u00e4ltig und gr\u00fcndlich erkl\u00e4rt (\u00bb<strong>Lehren<\/strong>\u00ab). Dies sind die Kernelemente einer guten Auslegungspredigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist bezeichnend, dass die Heilige Schrift den Predigern stets die gleichen Anweisungen gibt: Sie sollen das gewisse Wort Gottes predigen \u2013 und nichts anderes: nicht unsere Meinungen, Popkultur, politische Agenden, Tr\u00e4ume, pers\u00f6nliche Visionen oder andere spekulative Vorstellungen. Sie sollen die Schrift treu verk\u00fcndigen (2Timotheus 4,2), ob dies leicht oder schwer ist, ob die Menschen begeistert reagieren oder auch nicht. <strong>Die Bibel ist die einzige Botschaft, die wir im Namen Christi verk\u00fcnden d\u00fcrfen. Alles andere ist Verrat an der der hohen Berufung des Predigers.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man eine Predigt damit beginnt, dass man die Versammelten dazu auffordert, in ihrer Bibel ein bestimmtes Kapitel und einen bestimmten Vers aufzuschlagen, dann muss man bei diesem Abschnitt bleiben, bis man gr\u00fcndlich erkl\u00e4rt hat, was der Sinn dieses Bibeltextes ist. Der Prediger muss den Text sprechen lassen, ohne zu versuchen, ihn abzuschw\u00e4chen oder dessen Autorit\u00e4t unter dem Deckmantel der sog. <em>politischen Korrektheit<\/em> abzuschw\u00e4chen. Man sollte auch nie versuchen, die Bibel an die eigenen, mitgebrachten Vorstellungen anzupassen. Niemals sollte man eine Bibelstelle auf Kosten ihrer wahren Bedeutung \u00bbauszulegen\u00ab [oder \u00bbanzuwenden\u00ab].<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sch\u00e4me mich, es zuzugeben, aber die erste Predigt, die ich je gehalten hatte, war ein trauriges Beispiel daf\u00fcr, was man mit der Schrift nicht machen darf. Ich bin so froh, dass es davon keine Aufzeichnung gibt. Mein Text war: \u00bbUnd siehe, \u2026 ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel herab und \u2026 w\u00e4lzte den Stein weg\u00ab aus Matth\u00e4us 28,2. Ich gab meiner Predigt den Titel: \u00bbDie Steine in deinem Leben wegrollen\u00ab. Ich sprach \u00fcber den Stein des Zweifels, den Stein der Angst und den Stein des Zorns. <strong>Zweifel, Angst und Zorn sind alles legitime Themen, aber sie haben nichts mit diesem Vers zu tun! <\/strong>Ich erschaudere, wenn ich daran zur\u00fcckdenke. Aber ich erschaudere auch heute noch, wenn ich h\u00f6re, wie Prediger ihren Text auf \u00e4hnliche Weise behandeln. Traurigerweise ist diese Art des Predigens so \u00fcblich geworden, dass der normale Kirchg\u00e4nger (Gottesdienstbesucher) inzwischen meint, dass eine Predigt genau so aussehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die evangelikalen [dem Wort Gottes verpflichtete] Christen haben nun jahrzehntelang solches Predigen begr\u00fc\u00dft und gef\u00f6rdert. Die gro\u00dfe Mehrheit der heutigen Predigten ist so oberfl\u00e4chlich, dass es den Anschein hat, der Prediger wolle wohl vermeiden, irgend etwas etwas in Frage zu stellen, was seine Zuh\u00f6rer bisher glaubten. Und besonders verbl\u00fcffend ist, wie schnell Prediger sich von ihrem Bibeltext abwenden und sich Geschichten und Geschichtchen, Allegorien, weit hergeholten Anwendungen und schlimmerem Unsinn zuwenden. (Das muss man nat\u00fcrlich tun, wenn man entschlossen ist, allen Wahrheiten der Schrift aus dem Weg zu gehen, die mit den Werten und Glaubenssystemen unserer Kultur im Widerspruch stehen k\u00f6nnten.)<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der beunruhigendsten Trends auf den Kanzeln heute ist die beliebte Praxis der <strong>Personalisierung und der \u00dcberkontextualisierung der Schrift<\/strong>, so dass jeder Text letztlich vom Prediger selbst handelt. Wenn er die Geschichte von David und Goliath behandelt, wird er sie veranschaulichen, indem er berichtet, wie er in seinem eigenen Leben ein Goliath-gro\u00dfes, bedrohliches Problem siegreich \u00fcberwunden hat. Wenn er \u00fcber Mose und dessen Konfrontation mit dem Pharao lehrt, wird er eine Geschichte \u00fcber einen symbolischen Pharao, den er \u00fcberlebt und besiegt hat, erz\u00e4hlen. Mein Vater pflegte zu sagen: <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">\u00bbH\u00fcte dich vor Predigern, die stets der Held ihrer eigenen Illustrationen sind!\u00ab<\/mark><\/strong> Wir m\u00fcssen heute vor jenen Narzissten warnen, die sich selbst zum Subjekt jedes biblischen Textes machen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bleibe dem Text treu.<\/strong> Es ist schlie\u00dflich das Wort Gottes und nicht ein Drehbuch f\u00fcr Menschen, das sie \u00fcberarbeiten und mit dem sie sich am\u00fcsieren k\u00f6nnten. Mit Paulus gesagt: \u00bbDenn wir verf\u00e4lschen nicht, wie die Vielen, das Wort Gottes, sondern als aus Lauterkeit, sondern als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christus.\u00ab (2Kor 2,17). Das Wort, das hier mit \u00bbverf\u00e4lschen\u00ab \u00fcbersetzt wird, ist im Urtext das Verb&nbsp;<em>kap\u0113leu\u014d<\/em> (\u00bbverschachern\u00ab), eine Ableitung von&nbsp;<em>kap\u0113los<\/em>&nbsp;, dem griechischen Wort f\u00fcr \u00bbKr\u00e4mer\u00ab. Es hat eine klare Konnotation von Unaufrichtigkeit und Betrug [aus Geldgier]. Es bezeichnet einen zwielichtigen Verk\u00e4ufer von minderwertigen Waren, der nur darauf aus ist, schnellen Profit zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Prediger, der Christus wirklich liebt, m\u00f6chte das kirchliche \u00c4quivalent eines Schlangen\u00f6lverk\u00e4ufers (Quacksalbers) sein. Aber seien wir ehrlich: Die Neigungen unseres gefallenen Fleisches machen auch uns anf\u00e4llig dazu, nachl\u00e4ssig, oberfl\u00e4chlich, unaufmerksam und faul im vorbereitenden Schriftstudium zu sein. Die harten Anforderungen des Lebens und des Dienstes verleitet uns dazu, Abk\u00fcrzungen zu nehmen, die wir nie nehmen sollten. Wir m\u00fcssen diese Neigungen im Ansatz t\u00f6ten, m\u00fcssen best\u00e4ndig flei\u00dfig bleiben und uns daran erinnern, dass wir es mit dem Wort Gottes zu tun haben. Uns bleibt keine Entschuldigung, wenn wir es nicht mit \u00e4u\u00dferster Sorgfalt behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Quelle: Auszug aus: John MacArthur: <em>The Preacher And His Bible<\/em> (Der Prediger und seine Bibel), in: <em>Expositor Magazine<\/em>, Nr. 6 (Jul\/Aug 2015) vom 20.07.2015, S. 14\u201315. (Eigene \u00dcbersetzung)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In 1Timotheus 4,13 sagt Paulus zu Timotheus: \u00bbBis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren.\u00ab Beachten Sie, dass die Worte der Heiligen Schrift laut gesprochen (\u00bbVorlesen\u00ab) werden, die Menschen werden aufgefordert, dem Wort Gottes zu gehorchen (\u00bbErmahnen\u00ab), und die Wahrheit des Textes wird sorgf\u00e4ltig und gr\u00fcndlich erkl\u00e4rt (\u00bbLehren\u00ab). Dies &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=2861\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBleibe beim Text, Prediger!\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[116],"class_list":["post-2861","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","tag-predigen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2861"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2896,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2861\/revisions\/2896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}