{"id":2488,"date":"2022-03-20T12:19:13","date_gmt":"2022-03-20T11:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=2488"},"modified":"2022-09-06T18:54:31","modified_gmt":"2022-09-06T16:54:31","slug":"kein-koenig-ausser-dem-kaiser-stefan-felber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=2488","title":{"rendered":"Rezension: Kein K\u00f6nig au\u00dfer dem Kaiser? (Stefan Felber)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:18% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"396\" src=\"https:\/\/logikos.club\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Felber-Stefan_Kein_Koenig_Cover_kl.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2489 size-full\" srcset=\"https:\/\/logikos.club\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Felber-Stefan_Kein_Koenig_Cover_kl.png 250w, https:\/\/logikos.club\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Felber-Stefan_Kein_Koenig_Cover_kl-189x300.png 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Stefan Felber<\/span><br><font size=\"+2\"><strong>Kein K\u00f6nig au\u00dfer dem Kaiser? \u2013<\/strong><\/font><strong><br><font size=\"+1\">Warum Kirche und Staat durch Zivilreligion ihr Wesen verfehlen<\/font><\/strong><br>Freimund Verlag, 2. Aufl., 2021. Brosch., 244 Seiten | <br>ISBN 978-3946083603<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Herausgeber<\/strong> des Buchs ist ein kleiner Verlag im mittelfr\u00e4nkischen Neuendettelsau, der vor allem B\u00fccher und Kleinschriften lutherischer Pr\u00e4gung erscheinen l\u00e4sst (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/freimund-verlag.de\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/freimund-verlag.de\" target=\"_blank\">Website<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum Autor.<\/strong> Pfr. Dr. Stefan Felber hat in Deutschland und Kanada evangelische Theologie studiert und 1997 mit einer Arbeit \u00fcber das Christuszeugnis im Alten Testament promoviert. Er ist (bis Sommer 2020) Dozent f\u00fcr Altes Testament am Theologischen Seminars St. Chrischona (CH) und seit 2016 Gastdozent f\u00fcr Altes Testament an der Staatsunabh\u00e4ngigen Hochschule Basel. Seit Juni 2022 leitet er den <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gemeindehilfsbund.de\/index.php?id=3\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/gemeindehilfsbund.de\/index.php?id=3\" target=\"_blank\">Gemeindehilfsbund<\/a><\/em> in Deutschland. Seine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.stefan-felber.ch\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.stefan-felber.ch\" target=\"_blank\">Website<\/a> gibt detaillierter Auskunft \u00fcber seine Ver\u00f6ffentlichungen und Vortr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum Inhalt.<\/strong> Stefan Felber belegt und diskutiert, warum und inwiefern sowohl die Gemeinde Gottes als auch der Staat (die \u201eObrigkeit\u201c) ihr jeweils von Gott zugewiesenes Wesen \u2013 und mithin g\u00f6ttliches Mandat mit Auftrag und Autorit\u00e4t \u2013 gef\u00e4hrden oder gar verlieren, wenn sie ihre gottgegebenen Mandatsgrenzen \u00fcberschreiten: In solcher Entartung und Perversion wird <strong>Kirche dann zur diesseitigen, politischen Veranstaltung und der Staat zur Ersatzreligion mit immer gr\u00f6\u00dferem Absolutheitsanspruch, zur sog. <em>Zivilreligion<\/em>. <\/strong>Die bittere Ironie ist greifbar: Ein Staat, der seine Legitimierung durch den einen wahren Gott leugnet und in einem falschem Verst\u00e4ndnis der Trennung von Kirche und Staat Gott als ganz entbehrlich (oder gar sch\u00e4dlich) deklariert, macht sich unausweichlich selbst zu Gott, denn ein gottloses Vakuum bietet dem Menschen und seinem friedvollen Miteinander keine \u00dcberlebensatmosph\u00e4re. Unsere Freiheit und Menschenw\u00fcrde ist nicht realisierbar getrennt von Dem, der uns diese Freiheit und Menschenw\u00fcrde gegeben und anvertraut hat, damit wir sie leben, wahren und besch\u00fctzen. Es ist alarmierend, wenn Vertreter des Staates davon sprechen, dass sie (zumal unbescholtenen) B\u00fcrgern deren (gottgegebenen  und damit vor-politischen und unver\u00e4u\u00dferlichen) Grundrechte \u201ewieder geben\u201c oder \u201eeinschr\u00e4nken\/nehmen\u201c wollen. <br>Karl Baral, der Autor von <em>Zivilreligion oder Christusnachfolge? <\/em>(N\u00fcrnberg 2019)&nbsp;schreibt \u00fcber dieses sachliche und gut fundierte Buch: \u00bbManche Vorg\u00e4nge sind hochwirksam, aber wenig bekannt und selten benannt. Dazu z\u00e4hlt auch \u201eZivilreligion\u201c, wodurch Staat und Kirche vermischt werden. Dabei sieht eine breite Zeugenschaft aus Bibel, Luther, Barmen 1934 und die deutsche Verfassung eine klare Unterscheidung vor. <strong>Staat und Kirche sind unaustauschbar und unersetzlich, doch Zivilreligion verwischt die Grenzen mit fatalen Folgen.<\/strong> Es ist Felber sehr zu danken, wie er in diese Problematik einf\u00fchrt. Sein Weg zur Kl\u00e4rung verdient breite Beachtung!\u00ab [Fettdruck hinzugef\u00fcgt].<br>Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter, Philosoph und Theologe, bringt den Inhalt so auf den Punkt: \u00bb<strong>Viele Staaten entfalten in unserer Zeit einen religi\u00f6sen Charakter wie einen Gottesersatz oder Heilsbringer. <\/strong>Sogar Kirchen dienen sich solchen Staaten an. Stefan Felber hilft dem Leser, sich dar\u00fcber im Lichte des Alten und des Neuen Testaments ein Urteil zu bilden. Hochaktuell!\u00ab [Fettdruck hinzugef\u00fcgt].<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Merk-Punkte aus der biblisch-theologischen Besinnung (Langzitat)<\/h3>\n\n\n\n<p>Stefan Felber liefert nach ausf\u00fchrlicher Analyse und biblischer Begr\u00fcndung eine Zusammenfassung seiner (Zwischen-) Ergebnisse in 16 Punkten, die m. E. wert sind, gelesen zu werden. Ich erlaube mir daher ein Langzitat, empfehle jedoch dem Interessierten unbedingt die Lekt\u00fcre des gesamten Buches, da es neben der wertvollen Herleitung auch viele Referenzen und weiterf\u00fchrende Zitate bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eIch bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus \u00c4gyptenland, aus der Knechtschaft, gef\u00fchrt habe\u201c (2. Mose 20,2): Gott offenbart sich, sein Recht und sein Heil nicht nur einzelnen Menschen, sondern gerade auch im Gegen\u00fcber zum Staat und zu Staaten. Er kann sein Volk preisgeben oder befreien und erretten aus der Hand aller Gro\u00dfm\u00e4chte der biblischen Zeit: der \u00c4gypter, Assyrer, Babyionier, Perser und R\u00f6mer (von den kleineren Nachbarstaaten Israels abgesehen<sup>189<\/sup>). [Endnoten s. u.]<\/p>\n\n\n\n<p>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Glaube, den das Volk Israel, gepr\u00e4gt durch seine Zeit in \u00c4gypten, durch die Erfahrungen der Plagen, des Auszugs, gepr\u00e4gt vor allem durch die Sinai-Offenbarung und die W\u00fcstenwanderung \u2013 bzw. in Gestalt des Pentateuch \u2013 mitbrachte, unterscheidet sich von der \u00e4gyptischen Religion markant: Israel war viel diesseitiger orientiert, pflegte keinen Totenkult, keinen Herrscherkult, kein weibliches Priestertum. Die v\u00f6llig andere Gestalt der israelitischen gegen\u00fcber der \u00e4gyptischen Religion gegen alle religionswissenschaftliche Wahrscheinlichkeit ist ein starkes Indiz f\u00fcr das Eingreifen des redenden Gottes in einem Meer von stummen, aber politisch und religi\u00f6s sehr einflu\u00dfreichen G\u00f6tzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach dem Neuen Testament sind die dem B\u00fcrger \u00fcbergeordneten M\u00e4chte gottgegebene, aber vorl\u00e4ufige, ja im Argen liegende Gebilde (Eph 6,12; 1. Joh 5,19). Sie werden von Christen also weder prinzipiell negiert noch kritiklos hingenommen. Anders als die Zeloten zahlen Christen Steuern nicht z\u00e4hneknirschend, sondern als Gottesdienst. Die Steuer dem Staat, das Leben Gott: Von Gleichrangigkeit beider kann keine Rede sein, ein staatlicher Totalit\u00e4tsanspruch ist von vornherein abgewiesen.<sup>190<\/sup>&nbsp;\u201eMan mu\u00df Gott mehr gehorchen als den Menschen!\u201c (Apg 4,19; 5,29)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Von Staatsbeamten mu\u00df nicht F\u00f6rderung und Privilegierung des christlichen Glaubens erwartet werden. Religion ist nicht Aufgabe der Herrschenden! Auch ein heidnischer Staat besitzt ein relatives Wissen um Gut und B\u00f6se. Was das Gute und das B\u00f6se ist, ist dem Staat im Wesentlichen vorgegeben und nicht neu zu erfinden (R\u00f6m 13,3f., Konkretion durch die Gebote des Dekalogs: V. 8-10).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Damit k\u00f6nnen nur&nbsp;<em>Recht und Gerechtigkeit<\/em>&nbsp;die Legitimationsgrundlage des Staates bilden, nicht ein K\u00f6nig, der angeblich das Heil bringt wie in \u00c4gypten oder Rom, nicht das Volk (wie im konsenstheoretischen Ansatz, siehe das folgende Kapitel), kein Nationalismus und keine Geschichtsphilosophie (wie im Marxismus). Anerkennt der Staat diese Vorgegebenheit, dann kann er sein, was er im Wesen sein soll:&nbsp;<em>Rechtsstaat<\/em>&nbsp;(wie Augustin betonte) und darin Gottes Diener. F\u00fcr das Recht, f\u00fcr das Gute und gegen das B\u00f6se ist ihm Macht (griech. exousia) von oben her gegeben (Joh 19,11; R\u00f6m 13,1), also nicht von unten her, sei es vom Volk oder in der besonderen Eignung einzelner F\u00fchrer. Das Recht begrenzt den Staat nicht nur, sondern konstituiert ihn auch. Solange der Staat dies anerkennt, haben Christen in ihm jedenfalls f\u00fcr ihr Christsein nichts zu f\u00fcrchten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er ist von oben her, aber sein Standort ist nicht oben, sondern unten. Die Moseb\u00fccher erwuchsen in Abgrenzung zur pharaonischen Selbstvergottung, das Neue Testament in Abgrenzung zum r\u00f6mischen Kaiserkult, um dessentwillen ungez\u00e4hlte Christen in den Tod gingen. Man denke auch an den kommunistischen Personen-und Parteikult! Diese Staats\u00fcberh\u00f6hungen waren Versuche, den eigenen Standort ins \u00fcberirdische zu erheben, und sie sind zugleich modellhaft f\u00fcr das Wirken der antichristlichen Tiere von Offb 13ff.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>7.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein guter Staat ist nicht&nbsp;<em>Wohlfahrts-oder Sozialstaat<\/em>, der eine gleichm\u00e4\u00dfigere Verteilung von G\u00fctern, Bildung oder die Hebung der Gesundheit erzwingt (Nanny- oder Bevormundungsstaat, \u201eNudging\u201c). Hier w\u00fcrde das Gewaltmonopol f\u00fcr alle m\u00f6glichen, auch wechselnden Zwecke mi\u00dfbraucht werden, die willk\u00fcrlich von Obrigkeit oder Volk festgelegt werden.&nbsp;<br>Die christliche Erwartung an den Staat wirkt im Vergleich zum antiken wie zum heutigen Gef\u00fcge h\u00f6chst sparsam. Wie beim rechtstheoretischen Ansatz (s. 3.2.1) sieht Paulus das staatliche Gewaltmonopol begrenzt auf die Durchsetzung von Recht und Frieden. Der Kult geh\u00f6rt definitiv nicht zu den staatlichen Aufgaben.<\/p>\n\n\n\n<p>8.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christen werden ihrem Staat in kritischer Solidarit\u00e4t&nbsp;&nbsp;zugewandt sein, d. h. ein W\u00e4chteramt wahrnehmen, wie er sich zu den g\u00f6ttlichen Ordnungen verh\u00e4lt. Es ist der Liebesdienst der Kirche am Staat, seinen Vertretern die g\u00f6ttliche Sch\u00f6pfungs- und Erhaltungsordnung mit allem Ernst der Gebote zu sagen, sie \u00fcber das Gesetz staunen (5. Mose 4) oder daran scheitern zu lassen (2. K\u00f6n 17; 24f.).<\/p>\n\n\n\n<p>9.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Verhaltensweisen des Pilatus und des Judentums beim Proze\u00df Jesu offenbaren Abgr\u00fcnde des Menschseins: Abgr\u00fcnde, die der Religion wie dem Staat m\u00f6glich werden, wenn ihre Vertreter die Verpflichtung zur Wahrheit \u2013&nbsp;hier: die Unschuld des Angeklagten&nbsp;\u2013 unter die Verpflichtung zum sozialen Frieden stellen. Pilatus f\u00fcrchtet Menschen mehr als er dem Recht Ehre gibt; so wird sein Staat zum Spielball wechselnder Interessen. Nicht mehr das Recht, sondern die Gunst regiert.<\/p>\n\n\n\n<p>10.&nbsp;&nbsp;Indem die j\u00fcdischen F\u00fchrer sagen \u201eWir haben keinen K\u00f6nig au\u00dfer dem Kaiser\u201c (Joh 19,15), verabschieden sie sich von der Messias-und Erl\u00f6sungshoffnung des Alten Testaments. Sie legen ihre Zukunft in die Hand eines heidnischen Staates. Jesu Tr\u00e4nen \u00fcber sein Volk und die herannahende Zerst\u00f6rung Jerusalems sind wohlbegr\u00fcndet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>11.&nbsp;&nbsp;Der Staat \u00fcberschreitet seine Grenzen, wenn er religi\u00f6s-ideologisch auf Glauben und Gewissen seiner B\u00fcrger zugreift (Staatsreligion, Zivilreligion), sein Gewaltmonopol zur Expansion der Landesgrenzen mi\u00dfbraucht oder seine Zust\u00e4ndigkeit auf immer mehr Felder von Gesellschaft, Familie und erst recht bei Eingriffen in den Gottesdienst ausdehnt. Aus dem Rechtsstaat wird dann der Gewaltstaat. Seien wir wachsam!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>12.&nbsp;&nbsp;Jesu Ank\u00fcndigung, da\u00df die J\u00fcnger vor F\u00fcrsten und K\u00f6nige geschleppt werden \u201eum meinetwillen, ihnen und den V\u00f6lkern zum Zeugnis\u201c (Mt 10,18) besagt nicht, die Kirche werde immer vom Staat verfolgt werden, wohl aber, da\u00df sie immer damit zu rechnen hat. Tut sie es?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>13.&nbsp;&nbsp;Alle M\u00e4chte dieser Erde stehen unter dem Auferstandenen, der sie ihrer Macht entkleidet hat (Kol 2,15; vgl. 1. Kor 15). Das durch die Menschwerdung Jesu nahe gekommene Gottesreich stellt alle weltlichen Ordnungen unter einen \u201eeschatologischen Vorbehalt\u201c, ihre Legitimit\u00e4t bleibt vorl\u00e4ufig, ja auf g\u00f6ttlichem Pr\u00fcfstand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>14.&nbsp;&nbsp;Der christliche Gehorsam gegen\u00fcber dem Staat ist also unbedingt hinsichtlich des vorfindlichen Staates als Institution, aber inhaltlich nicht unbegrenzt, sondern konkretisiert durch die Gebote (R\u00f6m 13,8-10), ferner zeitlich begrenzt durch den bald wiederkommenden Christus als Herrn aller Herren (V. 11-14).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>15.&nbsp;&nbsp;In der Obrigkeit begegnen uns fehlbare und sterbliche Menschen, auf die Juden und Christen nicht vertrauen sollen.<sup>191<\/sup>&nbsp;Politik ist ein menschliches, irdisches Gesch\u00e4ft, nicht ein religi\u00f6ses. Beanspruchen Herrscher und Staaten die Stelle Gottes, z. B. indem sie das kirchliche Personal bestimmen, gottesdienstliches Leben inhaltlich f\u00fcllen, reglementieren oder auch verhindern wollen, werden sie zu D\u00e4monen, gewinnen antichristliehe Z\u00fcge, und verfallen dem Gericht.<sup>192<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>16.&nbsp;&nbsp;R\u00f6m 13 und Offb 13 bilden, wie Cullmann gezeigt hat, keinen Gegensatz. Unsere Deutung der Vorgegebenheit von Gut und B\u00f6se f\u00fcr den Staat bei R\u00f6m 13 bew\u00e4hrt sich bei Offb 13. Die christliche Haltung zur Obrigkeit wird gem\u00e4\u00df beiden Kapiteln von \u201eGeduld und Glaube\u201c (Offb 13,10) gepr\u00e4gt sein, von kritischer Vorsicht gegen\u00fcber einer Obrigkeit, die Gott dienen kann, aber einst gewaltig \u00fcber ihre Grenzen hinauswachsen und so zum endzeitlichen Instrument antichristlicher Verf\u00fchrung und Verfolgung werden wird. Dem Staat der Gegenwart sollen Christen mit kritischer Solidarit\u00e4t begegnen, dem Verfolgerstaat der Endzeit mit der Bereitschaft zum Martyrium (Offb 12,11; vgl. unten Epilog).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der sp\u00e4tmodernen Theologie werden diese Ergebnisse der biblischen Besinnung vielfach unwirksam gemacht, weil man die eigene Zeit und Erkenntnislage als eine h\u00f6here Norm ansieht.<sup>193<\/sup>&nbsp;Damit \u00f6ffnen sich die Kirchentore und lassen die kalte Luft der zivilreligi\u00f6sen Moden hereinstr\u00f6men&#8230;\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Trost und eine Aufgabe.<\/strong> Wer bzgl. der \u00f6ffentlichen Verlautbarungen der Obrigkeit frustrierend wiederkehrend Psalm 5,10 erlebt hat, muss unbedingt auch die Verse 12\u201313 lesen. Der gottesf\u00fcrchtige Bibelleser wei\u00df: Die Rettung wird nicht von irgendeiner \u201eObrigkeit\u201c kommen, sondern \u201evon Oben\u201c! Der Ausgang des \u201eEndspiels\u201c steht n\u00e4mlich g\u00f6ttlich fixiert fest, siehe Psalm 2. Bis dahin gilt f\u00fcr alle Glaubenden der dringende Appell des Apostels Paulus: \u00bb<em>Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, F\u00fcrbitten, Danksagungen getan werden f\u00fcr alle Menschen, f\u00fcr K\u00f6nige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben f\u00fchren m\u00f6gen in aller Gottseligkeit und w\u00fcrdigem Ernst.<\/em>\u00ab (1.Timotheus 2,1-2). Solche Glaubenden sind die besten B\u00fcrger, die sich eine Obrigkeit w\u00fcnschen kann \u2013 und w\u00fcnschen und besch\u00fctzen sollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Endnoten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">189&nbsp;&nbsp;Vgl. Ps 136,10-24; die Geschichtspsalmen (bes. 78; 105; 106) und die weitgespannten und kritischen Blicke der Propheten \u00fcber die Nachbarn Israels.<br>190&nbsp;&nbsp;Cullmann aaO. 25f.<br>191&nbsp;&nbsp;Ps 62,10; 118,8-9; 146,3; Jes 2,22; 30,2; 31 ,1; 36,6; Hes 29,7; Has 5,13; Hiab 12,21 ; 34,18.<br>192&nbsp;&nbsp;Vgl. Dan 3+6; 2. Thess 2; Offb 13.<br>193&nbsp;&nbsp;\u00dcber den Progressivismus ausf\u00fchrlich: Martin Erdmanns \u201eSiegeszug des Fortschrittsglaubens\u201c, vier B\u00e4nde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan FelberKein K\u00f6nig au\u00dfer dem Kaiser? \u2013Warum Kirche und Staat durch Zivilreligion ihr Wesen verfehlenFreimund Verlag, 2. Aufl., 2021. Brosch., 244 Seiten | ISBN 978-3946083603 Herausgeber des Buchs ist ein kleiner Verlag im mittelfr\u00e4nkischen Neuendettelsau, der vor allem B\u00fccher und Kleinschriften lutherischer Pr\u00e4gung erscheinen l\u00e4sst (Website). Zum Autor. Pfr. Dr. Stefan Felber hat in Deutschland &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=2488\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRezension: Kein K\u00f6nig au\u00dfer dem Kaiser? 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