{"id":2275,"date":"2021-09-29T20:37:59","date_gmt":"2021-09-29T18:37:59","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=2275"},"modified":"2022-04-05T18:48:00","modified_gmt":"2022-04-05T16:48:00","slug":"concursus-dei-die-goettliche-mitwirkung-in-allen-dingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=2275","title":{"rendered":"Concursus Dei \u2013 Die g\u00f6ttliche Mitwirkung in allen Dingen"},"content":{"rendered":"\n<p>Aufmerksamen Bibellesern entgeht nicht, dass bestimmte Taten und Vorkommnisse sowohl Menschen als auch Gott zugeschrieben werden. Dies zu verstehen ist nicht leicht. Wie kann es zum Beispiel sein, dass die Heilige Schrift einerseits Gott als souver\u00e4n (ohne Ansto\u00df oder Hilfe von au\u00dfen, also monergistisch) Handelnden beschreibt, gleichzeitig aber die Schrift Menschen dieselbe Handlung gebietet oder gestattet und damit (moralisch) diese Tat voll in die menschliche Verantwortung legt? Wer ist dann letztlich der verantwortlich Handelnde? Der Mensch oder Gott? Wer ist der effektiv Handelnde? Der Mensch oder Gott? <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sache wurde schon lange erkannt, beschrieben und erforscht. Die Theologen nennen es den <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Concursus Dei <\/span><\/strong>oder <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Concursus Divinus<\/span><\/strong>. <strong>Gemeint ist damit die Kongruenz (das Zusammenfallen) von g\u00f6ttlichem und menschlichem Handeln.<\/strong> Dabei geht es bei den unterschiedlichen Akteuren zwar um das selbe Geschehnis, aber nicht zwingend um die gleichen Motive der Handelnden. <\/p>\n\n\n\n<p>Am <strong>Beispiel des Leidens des Hiob<\/strong> (Hiob\/Job 1) ist dies gut zu erkennen. Drei Handelnde sind klar benannt: (1) <strong>Satan<\/strong> l\u00f6ste das Leiden Hiobs aus, weil er Gott herausfordern wollte mit der Behauptung, dass Hiob nur deswegen gottesf\u00fcrchtig lebe, weil Gott ihn segne und Hiob um dieses Segens Gottes (Reichtums, Gesundheit usw.) willen \u2013also rein opportunistisch\u2013 Fr\u00f6mmigkeit spiele. (2) <strong>Die Sab\u00e4er und die Chald\u00e4er<\/strong> griffen aus reiner Beutelust die Herden Hiobs an und raubten die Tiere. (3) <strong>Gott<\/strong> erlaubte Satan durch vollm\u00e4chtige Anweisung, dass er Hiob bis zur jeweils festgesetzten Grenze schaden d\u00fcrfe. \u2013 Hinzu kommt ein Sturm, der \u201ewie zuf\u00e4llig\u201c ein Haus zum Einst\u00fcrzen und alle Kinder Hiobs zu Tode brachte. \u2013 Wer war nun jeweils der Handelnde, wer war der moralisch Verantwortliche: Gott, Satan, die Sab\u00e4er\/Chald\u00e4er, jemand anders \u2013 oder keiner der Genannten?<\/p>\n\n\n\n<p>Festhalten kann man: Drei Parteien verursachten das Leiden des Hiob, aber ihre Absichten (Motive) waren sehr unterschiedlich: (1) <strong>Satan<\/strong> wollte Hiob \u2013und damit dessen Gott\u2013 diskreditieren. (2) <strong>Die Sab\u00e4er\/Chald\u00e4er<\/strong> wollten sich am Gut anderer gewaltt\u00e4tig bereichern. (3) <strong>Gott<\/strong> wollte den Glauben des Hiob offenbaren und beweisen. \u2013 Jeder der Handelnden war am Leiden Hiobs aktiv beteiligt, aber jeder auf unterschiedlicher Ebene und mit unterschiedlichem Beweggrund. Der Beweggrund Gottes war absolut rein und gut, der Beweggrund der anderen zweifelsohne b\u00f6sartig. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Differenzierung ist notwendig f\u00fcr das Verstehen eines <em>Concursus Dei<\/em> in der Heiligen Schrift. <strong>Sie erkl\u00e4rt uns, wie Gott selbst B\u00f6ses vorherbestimmen (ordinieren) kann, ohne selbst des B\u00f6sen schuldig zu werden.<\/strong> B\u00f6ses ist stets b\u00f6se (und Gott legt daf\u00fcr den Ma\u00dfstab fest). <strong>Gott hat aber niemals b\u00f6se Absichten und er tut niemals B\u00f6ses. Er erf\u00e4hrt noch nicht einmal ein Verlangen danach, hat vielmehr gr\u00f6\u00dfte heilige Abscheu vor allem B\u00f6sen.<\/strong> Aber Gott kann durch die b\u00f6sen Absichten und die daraus folgenden Handlungen anderer dergestalt wirken, dass seine <strong>guten<\/strong> Absichten zustande kommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wer das nicht verstanden hat, geht leicht an zentraler Stelle (bez\u00fcglich des Wesens und Handelns Gottes, also in der Fundamentaltheologie) in die Irre. Dies wird sehr deutlich an der denkbar b\u00f6sesten Tat aller Zeiten: an der Ermordung des menschgewordenen Sohnes Gottes durch gesetzlose, b\u00f6se Menschen, die aber gleichzeitig nach dem festen Ratschluss und Vorsatz Gottes geschah:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>M\u00e4nner von Israel, h\u00f6rt diese Worte: Jesus, &#8230; hingegeben nach dem <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">bestimmten<\/span> Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes, habt <strong>ihr<\/strong> durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht.<\/p><cite>Apostelgeschichte 2,22-23 (ELB03)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, <strong>sowohl Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den V\u00f6lkern Israels<\/strong>, um alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">bestimmt<\/span> hat, dass es geschehen <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">sollte<\/span>.<\/p><cite>Apostelgeschichte 4,27-28 (ELB03)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Freiheit Gottes. <\/strong>Auch jenseits der oben gegebenen Einzelbeispiele lehrt die Heilige Schrift, dass <strong>alles<\/strong> in der Sch\u00f6pfung Geschehende im Rahmen und gem\u00e4\u00df der Zielsetzung der g\u00f6ttlichen Vorsehung und Zuvorbestimmung erfolgt. <strong>Auch im ewigen Heilswerk Gottes geht alles \u00bbnach dem Vorsatz dessen, der <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">alles<\/mark> wirkt nach dem Rat seines Willens\u00ab<\/strong> (Epheser 1,11b). Kein geschaffenes Wesen wirkt mithin v\u00f6llig autonom, denn daf\u00fcr mangelt diesem die Macht (etwas zu tun), die Autorit\u00e4t (etwas zu veranlassen) und das Wesen (der autonomen Souver\u00e4nit\u00e4t). <strong>Nur Gott ist und wirkt \u201eaus sich selbst heraus\u201c <\/strong>(sog. Aseit\u00e4t Gottes)<strong>, alle Gesch\u00f6pfe hingegen existieren  urspr\u00fcnglich und best\u00e4ndig alleine durch den Willen und die Erhaltung seitens ihres Sch\u00f6pfers<\/strong> (vgl. Hebr\u00e4er 1,3). Mit einem technischen Metapher platt gesagt: Jedes Gesch\u00f6pf h\u00e4ngt existenziell und lebensenergetisch an der Steckdose des Sch\u00f6pfers. Gott hat das Wesen und den Lebenskontakt selbst hergestellt, niemand anderes. Zieht Gott den Stecker, f\u00e4llt das Gesch\u00f6pf ins Nichts (Tod), in die Wirkungslosigkeit; die menschliche Seele jedoch ist unsterblich. Jede Lebens\u00e4u\u00dferung, auch die b\u00f6se Tat, ist nur m\u00f6glich, solange Gott dem Gesch\u00f6pf den Lebensodem erh\u00e4lt. Kein Gesch\u00f6pf ist mit eigenem Batteriesatz oder Kraftwerk lebens-autonom, auch nicht eine Sekunde, nur der Sch\u00f6pfergott lebt aus sich ewig. (Dies zu bedenken geh\u00f6rt u. a. zur Theodizee-Frage.) <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verantwortung von Mensch und Engeln. <\/strong>Die Heilige Schrift lehrt, dass Gott den von ihm geschaffenen Engeln und Menschen im Rahmen der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfungsordnung Aufgaben und die zu deren Erledigung  notwendigen F\u00e4higkeiten, Freiheiten, Kr\u00e4fte und Autorit\u00e4ten verliehen hat. Verantwortung als ethisches Prinzip ist ein Dreiklang von Subjekt, Objekt und Instanz: <strong>Gott macht seine Gesch\u00f6pfe (Subjekt) Ihm gegen\u00fcber (Instanz) verantwortlich f\u00fcr alle ihre Taten und Absichten (Objekt). <\/strong>Versucht ein Gesch\u00f6pf, seine von Gott gesetzten Grenzen zu \u00fcberschreiten, ist es ohne Ausweg dem g\u00f6ttlichen Urteil unterworfen und \u2013 nach g\u00f6ttlichem Wort \u2013 dem Tod geweiht. Die Schrift lehrt deutlich die <strong>pers\u00f6nliche Verantwortung<\/strong> vor Gott, u. a. hier:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Denn es steht geschrieben: \u201eSo wahr ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen\u201c [Jesaja 45,23.]. So wird nun <strong>jeder<\/strong> von uns f\u00fcr sich selbst Gott Rechenschaft geben.<\/p><cite>R\u00f6merbrief 14,11-12 (ELB03) [Fettdruck hinzugef\u00fcgt]<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Beispiele <\/strong>zum Zusammenwirken menschlich verantwortlichen Tuns und g\u00f6ttlich souver\u00e4nen Handelns im selben Geschehen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1) Wer bewirkt die geistliche Herzensbeschneidung (Bekehrung)?: <\/strong>Gott befiehlt seinem erw\u00e4hlten Volk Israel: \u00bbSo beschneidet denn die Vorhaut eures Herzens!\u00ab (5. Mose 10,16a). Gleichzeitig gilt die g\u00f6ttliche Verhei\u00dfung: \u00bbUnd JHWH, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, damit du JHWH, deinen Gott, liebst mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, damit du am Leben bleibst.\u00ab (5. Mose 30,6). \u2013 <strong>Was menschliche Tat und Verantwortung ist, ist <em>vorlaufend und begleitend <\/em>ebenso Gottes souver\u00e4ne Tat und gn\u00e4diges Geschenk<\/strong>. Der Apostel Paulus erkl\u00e4rt diesen Zusammenhang und die Priorit\u00e4t des g\u00f6ttlichen Wirkens im <strong>zeitlichen, praktischen Heil<\/strong> u. a. in Philipper 2,12\u201313 und betreffs des <strong>ewigen Heils<\/strong> u. a. in Epheser 2,1\u201310 (zusammengefasst in 2,8\u201310; vgl. R\u00f6mer 2,29; Philipper 3,3). Schon Jeremia hatte diese Priorit\u00e4ten und Zusammenh\u00e4nge richtig erkannt: \u00bbBekehre mich, dass ich mich bekehre, denn du bist JHWH, mein Gott\u00ab (Jeremia 31,18b).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2) Was motiviert zum christlichen Dienst?:<\/strong> Paulus bezeugt: \u00bbAber durch <strong>Gottes Gnade<\/strong> bin ich, was ich bin; und <strong>seine Gnade<\/strong> gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern <strong>ich<\/strong> habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern <strong>die Gnade Gottes<\/strong>, die mit mir war.\u00ab (1. Korintherbrief 15,10). Die Gnade Gottes ist nicht passiv bleibendes Geschenk, sondern aktive, lebensver\u00e4ndernde Kraft im Glaubenden. Der von der Gnade Ver\u00e4nderte offenbart diese Ver\u00e4nderung in flei\u00dfigem, Gott hingegebenem Dienst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(3) Wer hat unsere Werke getan und vollendet?:<\/strong> \u00bbJHWH, du wirst uns Frieden geben, denn du hast ja alle unsere Werke f\u00fcr uns vollendet.\u00ab (Jesaja 26,12). Ein Mensch betreibt <em>seine eigenen <\/em>Werke, aber Gott vollendet sie<em> f\u00fcr ihn<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Beispiele<\/strong> f\u00fcr <em>Concursus Dei<\/em> in der Sch\u00f6pfung und im Heilswerk Gottes samt Erl\u00e4uterungen sind <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=183\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/logikos.club\/?p=183\" target=\"_blank\">hier<\/a> aufgez\u00e4hlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufmerksamen Bibellesern entgeht nicht, dass bestimmte Taten und Vorkommnisse sowohl Menschen als auch Gott zugeschrieben werden. Dies zu verstehen ist nicht leicht. Wie kann es zum Beispiel sein, dass die Heilige Schrift einerseits Gott als souver\u00e4n (ohne Ansto\u00df oder Hilfe von au\u00dfen, also monergistisch) Handelnden beschreibt, gleichzeitig aber die Schrift Menschen dieselbe Handlung gebietet oder &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=2275\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eConcursus Dei \u2013 Die g\u00f6ttliche Mitwirkung in allen Dingen\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[10,93],"tags":[],"class_list":["post-2275","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-theologie","category-top12"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2275"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2629,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275\/revisions\/2629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}