{"id":1883,"date":"2021-03-16T16:40:12","date_gmt":"2021-03-16T15:40:12","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=1883"},"modified":"2021-03-17T12:25:54","modified_gmt":"2021-03-17T11:25:54","slug":"vor-500-jahren-luther-auf-dem-reichstag-zu-worms","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=1883","title":{"rendered":"Vor 500 Jahren: Luther auf dem Reichstag zu Worms"},"content":{"rendered":"\n<p>Am <strong>18. April 1521<\/strong> stand der Wittenberger Professor und Reformator Dr. <strong>Martin Luther<\/strong> vor dem jungen r\u00f6misch-deutschen K\u00f6nig und Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches <strong>Karl V. <\/strong>(1500\u20131558), der ihn zum Reichstag nach Worms eingeladen hatte. Dieser Reichstag ist einer der gro\u00dfen Wendepunkte der deutschen Geschichte. Er steht am Ende der verfassungsgebenden Reichsversammlungen, auf denen seit dem Wormser Tag von 1495 die zerr\u00fctteten Ordnungen des Reiches im Sinne der st\u00e4ndischen Gewalten neu verhandelt wurde (Paul Kalkoff, S. 6). Der Reichstag verhandelte also bedeutsame Sachen und tagte daher recht lange (27.01.\u201326.05.1521). Auch Vertreter des r\u00f6mischen Papstes waren anwesend, unter anderem Hieronymus Alexander, seit 1520 au\u00dferordentlicher Nuntius bei Karl V. Die r\u00f6mische Kirche wollte Karl V. bewegen, sich der <em>Causa <\/em><i>Luther<\/i> anzunehmen und die Bannandrohungsbulle&nbsp;<em>Exsurge <\/em><i>Domino<\/i>&nbsp;des Papstes gegen Martin Luther in Deutschland zu publizieren. Am 6. M\u00e4rz 1521 lud Karl V. Luther mit Dreiwochenfrist ab Kenntnisnahme vor und sicherte ihm das freie kaiserliche Geleit zu. Reichsherold <strong>Kaspar Sturm<\/strong> \u00fcbergab Luther die Vorladung am 29. M\u00e4rz 1521. Die Zusicherung freien Geleits war nat\u00fcrlich in Erinnerung an das Schicksal des b\u00f6hmischen Reformators <strong>Jan Hus<\/strong> einhundert Jahre vorher nicht \u00fcberzeugend: Dieser wurde trotz entsprechender Zusicherung des deutschen K\u00f6nigs Sigismund nach dem Konzil zu Konstanz am 6. Juli 1415 nach langer Inhaftierung als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Trotz \u00e4hnlicher Gefahrenlage machte sich Luther mit Begleitern am 2. April 1521 auf den langen Weg von Wittenberg nach Worms.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaiser sprach nicht selbst mit dem vor ihm stehenden Luther. Soweit die gew\u00e4hlte Sprache Deutsch war, konnte er sowieso nur mittels Dolmetscher folgen. Er bediente sich eines Redners (\u201eOrator\u201c), <strong>Johann von Eck<\/strong>, Offizial des Erzbischofs von Trier, also einem Vertreter der Gegenpartei Luthers. \u00dcberhaupt war der Kaiser derart entschieden gegen Luther voreingenommen, dass er bereits vor der Anh\u00f6rung und ohne die Einwilligung der St\u00e4nde ein \u201eSequestrationsmandat\u201c erlassen hatte (26\/27. M\u00e4rz 1521), das die Vernichtung der Schriften Luthers befahl und damit Luther schon im Voraus verurteilte. Johann von Eck stellte Luther am ersten Verh\u00f6rtag <strong>17. April 1521<\/strong> (eine Disputation war von Luthers Gegenseite gar nicht vorgesehen) im Wesentlichen zwei Fragen: Ob die ausgelegten Schriften und B\u00fccher die seinen w\u00e4ren und ob er diese widerrufe. Luther bejahte das Erste und verneinte das Zweite. Er verlangte und bekam daraufhin einen Tag Bedenkfrist.<\/p>\n\n\n\n<p>Am <strong>18. April 1521<\/strong> wurden von Johann von Eck die Fragen des Vortags wiederholt. Luther antwortete nochmals ausf\u00fchrlich. Nach einer l\u00e4ngeren Gegenrede von Ecks befragte dieser Luther abschlie\u00dfend nochmals, ob er seine Schriften widerrufe. Luther antwortete (auf Lateinisch) mit:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00bb\u2026 wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgr\u00fcnde \u00fcberzeugt werde, denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, da\u00df sie \u00f6fter geirrt und sich selbst widersprochen haben, <strong>so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angef\u00fchrt habe, \u00fcberwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes<\/strong>. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!\u00ab<\/p><cite><em>Deutsche Reichstagsakten<\/em>, J\u00fcngere Reihe, Band II: Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. [Der Reichstag zu Worms 1521]. Bearbeitet von Adolf&nbsp;<strong>Wrede<\/strong>. Gotha 1896.], Rede Luthers ab S. 551; siehe auch Nr. 80, S.&nbsp;569\u2013582. [Link digitale Kopie: https:\/\/archive.org\/details\/deutschereichst07kommgoog\/page\/n8\/mode\/2up]<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Am <strong>19. April 1521 <\/strong>gab Karl V. nach Verhandlungen mit den Reichsst\u00e4nden eine Erkl\u00e4rung ab, in der er sich zur tausendj\u00e4hrigen christlichen Tradition, zur Treue gegen\u00fcber Rom und zum Schutz der r\u00f6mischen Kirche bekannte. In Luther sah er nur einen H\u00e4retiker, gegen den vorzugehen sei. Dass sich jemand <strong>nur<\/strong> auf das Wort Gottes als letzter Instanz berief, war trotz Hus (u. a. Vorreformatoren) noch ungewohnt und aus Sicht der Herrschenden unakzeptabel und provokativ. Auf den Inhalt der Lehre Luthers ging der Kaiser nicht ein. Er war in den machtpolitischen Umw\u00e4lzungen seiner Zeit zwischen den Reichsst\u00e4nden, dem Papst (R\u00f6misch-katholische Kirche, Kurie) und der um sich greifenden Reformation und deren Vertretern in Politik und Kirche stark gefordert und auch gef\u00e4hrdet. Der Reichstag hatte diese machtpolitischen Fragen bez\u00fcglich der Reichsreform als Hauptgegensstand, aber im R\u00fcckblick war die <em>Causa Luther<\/em> die alles \u00fcberragende Frage des Reichstags zu Worms. <\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte nur acht Jahre, bis auf dem Reichstag zu Speyer (<strong>19. April 1529<\/strong>) sechs F\u00fcrsten und die Bevollm\u00e4chtigten von 14 Reichsst\u00e4dten gegen die Reichsacht \u00fcber Martin Luther und die \u00c4chtung seiner Schriften und Lehre offiziell protestierten. Sie \u00fcberreichten eine <em>Protestationsschrift<\/em>, aber der Leiter des Reichstags, <strong>Ferdinand I.<\/strong> (ab 1558 Kaiser des HRR), der seinen Bruder Kaiser Karl V. auf dem Reichstag vertrat, verweigerte die Annahme. Vielmehr wurde in der Schlusssitzung am 24. April 1529 nochmals die alte Reichsacht als geltendes Recht verlesen, die <i>Protestatio<\/i>n wurde mit keinem Wort erw\u00e4hnt. Die \u201eProtestanten\u201c nahmen dies so nicht hin, sondern verfassten am n\u00e4chsten Tag das sog. <em>Instrumentum Appellationis<\/em>, in dem sie ihre Beschwerde gegen diesen Endbescheid des Reichstag (den sog. <em>Reichsabschied<\/em>) nochmals zusammenfassten. <\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem tragen die Anh\u00e4nger der reformatorischen Bewegung die Bezeichnung \u201e<strong>Protestanten<\/strong>\u201c. Die grundlegende Argumentation Luthers begr\u00fcndet die Bezeichnung \u201e<strong>Evangelische<\/strong>\u201c, denn er beruft sich zuoberst und alleine auf das Evangelium, die Lehre Christi, die Heilige Schrift, welche Gottes Wort und damit \u2013nach Aussage des Sohnes Gottes (Johannes 17,17)\u2013 die Wahrheit ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Luthers Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms (18. April 1521)<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00bb<em>Allergn\u00e4digster Herr und Kaiser!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Durchlauchtigste F\u00fcrsten! Gn\u00e4digste Herrn!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich erscheine gehorsam zu dem Zeitpunkt, der mir gestern abend bestimmt worden ist, und bitte die allergn\u00e4digste Majest\u00e4t und die durchlauchtigsten F\u00fcrsten und Herren um Gottes Barmherzigkeit wollen, sie m\u00f6chten meine Sache, die hoffe ich, gerecht und wahrhaftig ist, in Gnaden anh\u00f6ren. Und wenn ich aus Unkenntnis irgend jemand nicht in der richtigen Form anreden oder sonst in irgendeiner Weise gegen h\u00f6fischen Brauch und Benehmen versto\u00dfen sollte, so bitte ich, mir dies freundlich zu verzeihen; denn ich bin nicht bei Hofe, sondern im engen m\u00f6nchischen Winkel aufgewachsen und <strong>kann von mir nur dies sagen, da\u00df ich bis auf diesen Tag mit meinen Lehren und Schriften einzig Gottes Ruhm und die redliche Unterweisung der Christen einf\u00e4ltigen Herzens erstrebt habe<\/strong>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Allergn\u00e4digster Kaiser, durchlauchtigste F\u00fcrsten! Mir waren gestern durch Eure allergn\u00e4digste Majest\u00e4t zwei Fragen vorgelegt worden, n\u00e4mlich ob ich die genannten, unter meinem Namen ver\u00f6ffentlichten B\u00fccher als meine B\u00fccher anerkennen wollte, und ob ich dabei bleiben wollte, sie zu verteidigen, oder bereit sei, sie zu widerrufen. Zu dem ersten Punkt habe ich sofort eine unverhohlene Antwort gegeben, zu der ich noch stehe und in Ewigkeit stehen werde: <strong>Es sind meine B\u00fccher, die ich selbst unter meinem Namen ver\u00f6ffentlicht habe, vorausgesetzt, da\u00df die T\u00fccke meiner Feinde oder eine unzeitige Klugheit darin nicht etwa nachtr\u00e4glich etwas ge\u00e4ndert oder f\u00e4lschlich gestrichen hat. Denn ich erkenne schlechterdings nur das an, was allein mein eigen und von mir allein geschrieben ist, aber keine weisen Auslegungen von anderer Seite.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinsichtlich der zweiten Frage bitte ich aber Euer allergn\u00e4digste Majest\u00e4t und f\u00fcrstliche Gnaden dies beachten zu wollen, da\u00df meine B\u00fccher nicht alle den gleichen Charakter tragen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die erste Gruppe umfa\u00dft die Schriften, in denen ich \u00fcber den rechten Glauben und rechtes Leben so schlicht und evangelisch gehandelt habe, da\u00df sogar meine Gegner zugeben m\u00fcssen, sie seien n\u00fctzlich, ungef\u00e4hrlich und durchaus lesenswert f\u00fcr einen Christen. Ja, auch die Bulle erkl\u00e4rt ihrer wilden Gegnerschaft zum Trotz einige meiner B\u00fccher f\u00fcr unsch\u00e4dlich, obschon sie sie dann in einem abenteuerlichen Urteil dennoch verdammt. Wollte ich also anfangen, diese B\u00fccher zu widerrufen &#8211; wohin, frag ich, sollte das f\u00fchren? Ich w\u00e4re dann der einzige Sterbliche, der eine Wahrheit verdammte, die Freund und Feind gleicherma\u00dfen bekennen, der einzige, der sich gegen das einm\u00fctige Bekenntnis aller Welt stellen w\u00fcrde!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die zweite Gruppe greift das Papsttum und die Taten seiner Anh\u00e4nger an, weil ihre Lehren und ihr schlechtes Beispiel die ganze Christenheit sowohl geistlich wie leiblich verst\u00f6rt hat. Das kann niemand leugnen oder \u00fcbersehen wollen. <strong>Denn jedermann macht die Erfahrung, und die allgemeine Unzufriedenheit kann es bezeugen, da\u00df p\u00e4pstliche Gesetze und Menschenlehren die Gewissen der Gl\u00e4ubigen aufs j\u00e4mmerlichste verstrickt, beschwert und gequ\u00e4lt haben, da\u00df aber die unglaubliche Tyrannei auch Hab und Gut verschlungen hat und fort und fort auf emp\u00f6rende Weise weiter verschlingt, ganz besonders in unserer hochber\u00fchmten deutschen Nation.<\/strong> Und doch sehen sie in ihren Dekreten selbst vor, wie Distinctio 9 und 25, quaestio 1 und 9, zu lesen steht: P\u00e4pstliche Gesetze, die der Lehre des Evangeliums und den S\u00e4tzen des Evangeliums und den S\u00e4tzen der Kirchenv\u00e4ter widerspr\u00e4chen, seien f\u00fcr irrig und ung\u00fcltig anzusehen. Wollte ich also diese B\u00fccher widerrufen, so w\u00fcrde ich die Tyrannei damit geradezu kr\u00e4ftigen und st\u00fctzen, ich w\u00fcrde dieser Gottlosigkeit f\u00fcr ihr Zerst\u00f6rungswerk nicht mehr ein kleines Fenster, sondern T\u00fcr und Tor auftun, weiter und bequemer, als sie es bisher je vermocht hat. So w\u00fcrde mein Widerruf ihrer grenzenlosen, schamlosen Bosheit zugute kommen, und ihre Herrschaft w\u00fcrde das arme Volk noch unertr\u00e4glicher bedr\u00fccken, und nun erst recht gesichert und gegr\u00fcndet sein, und das um so mehr, als man prahlen wird, ich h\u00e4tte das auf Wunsch Eurer allergn\u00e4digsten Majest\u00e4t getan und des ganzen R\u00f6mischen Reiches. Guter Gott, wie w\u00fcrde ich da aller Bosheit und Tyrannei zur Deckung dienen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die dritte Gruppe sind die B\u00fccher, die ich gegen einige sozusagen f\u00fcr sich stehende Einzelpersonen geschrieben habe, die den Versuch machten, die r\u00f6mische Tyrannei zu sch\u00fctzen und das Christentum, wie ich es lehre, zu ersch\u00fcttern. Ich bekenne, da\u00df ich gegen diese Leute heftiger vorgegangen bin, als in Sachen des Glaubens und bei meinem Stande schicklich war. <strong>Denn ich mache mich nicht zu einem Heiligen und trete hier nicht f\u00fcr meinen Lebenswandel ein, sondern f\u00fcr die Lehre Christi. <\/strong>Trotzdem w\u00e4re mein Widerruf auch f\u00fcr diese B\u00fccher nicht statthaft; denn er w\u00fcrde wieder die Folge haben, da\u00df sich die gottlose Tyrannei auf mich berufen k\u00f6nnte und das Volk so grausamer beherrschen und mi\u00dfhandeln w\u00fcrde denn je zuvor.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber ich bin ein Mensch und nicht Gott. So kann ich meinen Schriften auch nicht anders beistehen, als wie mein Herr Christus selbst seiner Lehre beigestanden hat. Als ihn Hannas nach seiner Lehre fragte und der Diener ihm einen Backenstreich gegeben hatte, sprach er: \u00abHabe ich \u00fcbel geredet, so beweise, da\u00df es b\u00f6se gewesen sei.\u00bb Der Herr selbst, der doch wu\u00dfte, da\u00df er nicht irren k\u00f6nnte, hat also nicht verschm\u00e4ht, einen Beweis wider seine Lehre anzuh\u00f6ren, dazu noch von einem elenden Knecht. Wieviel mehr mu\u00df ich erb\u00e4rmlicher Mensch, der nur irren kann, da bereit sein, jedes Zeugnis wider meine Lehre, das sich vorbringen l\u00e4\u00dft, zu erbitten und zu erwarten. Darum bitte ich um der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit willen, Eure allergn\u00e4digste Majest\u00e4t, durchlauchtigste f\u00fcrstliche Gnaden oder wer es sonst vermag, er sei h\u00f6chsten oder niedersten Standes, m\u00f6chte mir Beweise vorlegen, mich des Irrtums \u00fcberf\u00fchren und <strong>mich durch das Zeugnis der prophetischen oder evangelischen Schriften \u00fcberwinden<\/strong>. Ich werde v\u00f6llig bereit sein, jeden Irrtum, den man mir nachweisen wird, zu widerrufen, ja, werde der erste sein, der meine Schriften ins Feuer wirft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es wird hiernach klar sein, da\u00df ich die N\u00f6te und Gefahren, die Unruhe und Zwietracht, die sich um meiner Lehre willen in aller Welt erhoben haben, und die man mir gestern hier mit Ernst und Nachdruck vorgehalten hat, sorgsam genug bedacht und erwogen habe. <strong>F\u00fcr mich ist es ein denkbar erfreulicher Anblick, zu sehen, wie um Gottes Wort Unruhe und Zwietracht entsteht. <\/strong>Denn das ist der Lauf, Weg und Erfolg, den Gottes Wort zu nehmen pflegt, wie Christus spricht: \u00abIch bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert; denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater usw.\u00bb Darum m\u00fcssen wir bedenken, wie Gott wunderbar und schrecklich ist in seinen Ratschl\u00fcssen, da\u00df nicht am Ende das, was wir ins Werk setzen, um der Unruhe zu steuern, damit anf\u00e4ngt, da\u00df wir Gottes Wort verdammen, und so viel mehr einer neuen Sintflut ganz unertr\u00e4gliche Leiden zustrebt. Wir m\u00fcssen sagen, da\u00df die Regierung unseres jungen, vortrefflichen Kaisers Karl, auf dem n\u00e4chst Gott die meisten Hoffnungen ruhen, nicht eine unselige, verh\u00e4ngnisvolle Wendung nehme. Ich k\u00f6nnte es hier mit vielen Beispielen aus der Schrift vom Pharao, vom K\u00f6nig Babylons und den K\u00f6nigen Israels veranschaulichen, wie sich gerade dann am sichersten zugrunde richteten, wenn sie mit besonders klugen Pl\u00e4nen darauf ausgingen, Ruhe und Ordnung in ihren Reichen zu behaupten. Denn er, Gott, f\u00e4ngt die Schlauen in ihrer Schlauheit und kehret die Berge um, ehe sie es inne waren. Darum ist&#8217;s die Furcht Gottes, deren wir bed\u00fcrfen. Ich sage das nicht in der Meinung, so hohe H\u00e4upter h\u00e4tten meine Belehrung oder Ermahnung n\u00f6tig, sondern weil ich meinem lieben Deutschland den Dienst nicht versagen wollte, den ich ihm schuldig bin. Hiermit will ich mich Euer allergn\u00e4digsten kaiserlichen Majest\u00e4t und f\u00fcrstlichen Gnaden dem\u00fctig befohlen und gebeten haben, sie wollten sich von meinen eifrigen Widersachern nicht ohne Grund gegen mich einnehmen lassen. Ich bin zu Ende &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Weil denn Eure allergn\u00e4digste Majest\u00e4t und f\u00fcrstlichen Gnaden eine einfache Antwort verlangen, will ich sie ohne Spitzfindigkeiten und unverf\u00e4nglich erteilen, n\u00e4mlich so:&nbsp;<strong>Wenn ich nicht mit Zeugnissen der Schrift oder mit offenbaren Vernunftgr\u00fcnden besiegt werde, so bleibe ich von den Schriftstellen besiegt, die ich angef\u00fchrt habe, und mein Gewissen bleibt gefangen in Gottes Wort.&nbsp;<\/strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien allein, weil es offenkundig ist, da\u00df sie \u00f6fters geirrt und sich selbst widersprochen haben.&nbsp;<\/span>Widerrufen kann und will ich nichts, weil es weder sicher noch geraten ist, etwas gegen sein Gewissen zu tun.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Gott helfe mir, Amen.<\/em>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Textquelle:&nbsp;<\/strong>https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/luther\/misc\/chap008.html [Farb- und Fettdruck hinzugef\u00fcgt]<br><strong>Bildquelle:<\/strong>&nbsp;Anton Werner (1843\u20131915),&nbsp;<em>Luther at the Diet of Worms<\/em>&nbsp;(1877), im Auftrag des K\u00f6nigreiches Preu\u00dfen f\u00fcr die Aula der Kieler Gelehrtenschule. Erworben 1883, wegen Zerst\u00f6rung eigenh\u00e4ndige Replik (1944),&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.staatsgalerie.de\/en\/g\/collection\/digital-collection\/einzelansicht\/sgs\/werk\/einzelansicht\/0B0D3C944C3810077954978B36F59919.html\" target=\"_blank\">Staatsgalerie Stuttgart<\/a>&nbsp;(\u00d6l auf Leinwand, 66 cm x 125 cm, Inv. Nr. 876). (Digitalbild:&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Luther_auf_dem_Reichstag_zu_Worms_1521\" target=\"_blank\">wikipedia.de<\/a>; gemeinfrei)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Paul Kalkoff, <em>Der Wormser Reichstag von 1521 \u2013 Biographische und quellenkritische Studien zur Reformationsgeschichte.<\/em> M\u00fcnchen und Berlin: R. Oldenburg, 1922.<\/li><li><em>Deutsche Reichstagsakten<\/em>, J\u00fcngere Reihe, Band II [Der Reichstag zu Worms 1521]. Bearbeitet von Adolf&nbsp;<strong>Wrede<\/strong>. Gotha, 1896.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. April 1521 stand der Wittenberger Professor und Reformator Dr. Martin Luther vor dem jungen r\u00f6misch-deutschen K\u00f6nig und Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Karl V. (1500\u20131558), der ihn zum Reichstag nach Worms eingeladen hatte. Dieser Reichstag ist einer der gro\u00dfen Wendepunkte der deutschen Geschichte. 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