{"id":1733,"date":"2021-01-20T23:55:00","date_gmt":"2021-01-20T22:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=1733"},"modified":"2023-01-11T16:52:41","modified_gmt":"2023-01-11T15:52:41","slug":"die-intolerante-toleranz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=1733","title":{"rendered":"Die intolerante Toleranz"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bb<em>Der Begriff Toleranz hat sich im letzten Jahrhundert subtil ver\u00e4ndert. Verstand man darunter fr\u00fcher die Haltung eines Menschen, der selbst einer von ihm als richtig erkannten Ansicht anh\u00e4ngt, aber das Vorhandensein und Artikulieren anderer, aus seiner Sicht falscher Ansichten akzeptiert, so fordert die \u201eneue Toleranz\u201c, <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">jegliche Ansicht als gleich g\u00fcltig zu akzeptieren \u2013 alles ist gleich \u201erichtig\u201c<\/span><\/strong>. Die Kehrseite ist, dass es nur noch einen Unwert gibt, n\u00e4mlich die Intoleranz. Als solche gilt die \u00dcberzeugung, dass tats\u00e4chlich nicht alle Standpunkte gleich richtig sind. Wo solche \u201eIntoleranz\u201c gewittert wird, zeigen sich die Verfechter der Toleranz meist au\u00dferordentlich intolerant.<\/em>\u00ab<\/p>\n<cite>D. A. Carson: <em>Die intolerante Toleranz<\/em>, (Waldems: 3L Verlag, 2014), S. 13\u201314.25. Orig.: <em>The Intolerance of Tolerance<\/em>, Grand Rapids, MI (USA) und Cambridge, England: William B. Eerdmans Publishing, 2012. Paperback-Edition 2013.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nichts ist wohl intoleranter als eine Toleranz, die die Aufgabe aller \u00dcberzeugungen verlangt, insbesondere jener \u00dcberzeugungen, die der Toleranzfordernde selbst nicht vertritt. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Toleranz auf Kosten der Wahrheit (i.S.d. \u00dcbereinstimmung mit der Realit\u00e4t) zu fordern, kann nur nach <em>Irrealis<\/em> oder <em>Dystopia <\/em>f\u00fchren und markiert das Ende der Rationalit\u00e4t.<\/span> Rationaler Diskurs und Fortschritt in Wissenschaft und Denken kann nur im freien Austausch gegens\u00e4tzlicher Theorien und Meinungen gedeihen. (Nat\u00fcrlich reden wir hier ausdr\u00fccklich <em>nicht<\/em> von Aufforderungen zu strafbaren oder unmoralischen Handlungen.) Der Angriff auf die Freiheit des Menschen, insbesondere seiner Denk- und Redefreiheit, f\u00f6rdert weder Freiheit noch Demokratie, sondern f\u00fchrt, wie viele rote und braune Beispiele zeigen, in den ideologischen und tyrannischen Staat. <\/p>\n\n\n\n<p>In einem Interview mit John Starke erkl\u00e4rte Carson den Unterschied zwischen <em>\u201e<\/em>alter Toleranz<em>\u201c<\/em> und <em>\u201e<\/em>neuer Toleranz<em>\u201c<\/em> und das unvermeidliche Paradox der <em>\u201e<\/em>neuen Toleranz<em>\u201c<\/em>, das aber im Denken der Postmoderne nicht als sch\u00e4dlich erkannt, sondern vielmehr als wertvoll begr\u00fc\u00dft wird:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbThe old tolerance presupposed another system of thought already in place\u2014Christianity, communism, Naziism, Buddhism, secularism\u2014whatever. The issue then became how much deviation from that system could be tolerated before coercive force is applied. To the extent that one allowed deviation, one was tolerant; correspondingly, where one judges that deviation has gone too far (e.g., almost everyone agrees, even today, that pedophilia goes beyond the pale), then coercive force\u2014in short, intolerance\u2014is a virtue. It was quite possible to disagree strongly with what a person was saying, but still tolerate the opinion that was perceived to be aberrant, on the ground that it was better for society to allow such opinions than to coerce silence from those articulating them.<br><br>But invariably, tolerance has its limits. The new tolerance (1) tends to insist that those who&nbsp;<em>merely <strong>disagree<\/strong><\/em>&nbsp;with others, at least in several spheres, are intolerant, even if no coercive force is applied; (2) tends to <strong>make such tolerance the supreme good<\/strong>, independently of surrounding systems of thought; and (3) tends to be <strong>remarkably blind in regard to its own intolerant condemnation<\/strong> of everyone who disagrees with its own definition of tolerance. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">The result is that in many domains, in many discussions, <strong>the question is rarely \u201cIs this true?\u201d but \u201cIs anyone offended?\u201d<\/strong> Rigorous discussion of content soon shuts down; truth is demoted; various forms of class warfare are encouraged; in some domains it becomes wrong (supreme irony) to say that anyone is wrong.<\/span>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Zitiert nach: https:\/\/www.thegospelcoalition.org\/blogs\/justin-taylor\/the-intolerance-of-tolerance\/ [19.02.2021] Fett- und Farbschrift hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Antike verstanden die Menschen Wahrheit als Angleichung des Verstandes an das Sein (Wirklichkeit). Bibelkennende Christen wissen, dass es Gott Selbst ist, der <strong>Sein<\/strong> und <strong>Wirklichkeit<\/strong> in Raum, Zeit und Materie erschaffen hat (1Mose 1,1) und diese h\u00f6chstpers\u00f6nlich und best\u00e4ndig aufrecht erh\u00e4lt (Hebr\u00e4er 1,3). Christen glauben auch, dass die Heilige Schrift Gottes Wort und mithin die Wahrheit ist, stammend aus einer zur L\u00fcge und T\u00e4uschung unf\u00e4higen Quelle (5Mose 32,4; 1Petrus 2,22): Was Gott mitteilt, ist <strong>Wahrheit<\/strong> (Psalm 119,60; Johannes 17,17). Die Wahrheit ist erkennbar (R\u00f6mer 1,19ff; 1Korinther 2,12\u201316) und diese Wahrheit macht <strong>frei<\/strong>, sagte der Sohn Gottes (Johannes 8,32). Diese Fakten widerlegen die Grundannahmen von Atheismus und Agnostizismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong>radikale Konstruktivismus<\/strong> und die <strong><em>\u201e<\/em>neue Toleranz<em>\u201c<\/em><\/strong> hingegen leugnen sowohl die Existenz objektiver Wahrheit als auch die Erkenntnism\u00f6glichkeit derselben. <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>Damit sind wir scheinbar in subjektive Beliebigkeit und Gleich-G\u00fcltigkeit entlassen<\/strong>, bemerken aber bald, dass dieses Wahrheitsvakuum schnell und oppressiv von der herrschenden Klasse mit <strong><em>Ideologie<\/em><\/strong> und <strong><em>Narrativen<\/em><\/strong> (samt unterst\u00fctzenden <em>Fake-News<\/em>) gef\u00fcllt wird.<\/mark> Die modernen Massenmedien verst\u00e4rken diese Wirkkr\u00e4fte ungemein. Die Quelle und das Interesse solcher Leugnung ist unschwer zu erkennen (Johannes 8,44). <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Ergebnis ist stets <strong>Versklavung<\/strong>.<\/mark><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbDer Begriff Toleranz hat sich im letzten Jahrhundert subtil ver\u00e4ndert. 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