{"id":1680,"date":"2021-02-17T23:57:26","date_gmt":"2021-02-17T22:57:26","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=1680"},"modified":"2022-03-28T11:07:14","modified_gmt":"2022-03-28T09:07:14","slug":"zwei-reiche-auf-kollisionskurs-das-oeffentliches-singen-der-gemeinde-angesichts-uebergriffiger-verbote-des-staates","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=1680","title":{"rendered":"Zwei Reiche auf Kollisionskurs: Das gemeinsame Singen der Gemeinde angesichts \u00fcbergriffiger Verbote des Staates"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu den Auflagen von Regierungen und nachgeordneten Stellen wegen der  sog. \u201eCOVID-19-Krise\u201c geh\u00f6r(t)en auch Verbote oder Einschr\u00e4nkungen bzgl. der Gemeindeversammlung und speziell des Gemeindegesangs. W\u00e4hrend einschr\u00e4nkende Gesetze bzgl. der Religionsaus\u00fcbung in den USA verfassungswidrig sind (First Amendment: \u00bbCongress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof\u00ab), ist die Gesetzeslage und Rechtsprechung in den Staaten der EU und der Schweiz weniger \u00fcbersichtlich. Die Situation und die vielen Auflagen werden inzwischen \u2013wie auch in den Parlamenten beklagt\u2013 als widerspr\u00fcchlich und volatil wahrgenommen, was den Verordnungen und Gesetzen teilweise jene \u00dcberzeugungskraft raubt, die aus Sachlichkeit, Faktengebundenheit und Angemessenheit erw\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Gemeinde Gottes l\u00f6s(t)en die Verordnungen und Verbote des Staates aufgrund dieser (keineswegs neuen) Infektionskrankheit Diskussionen aus. Leider sind auch innerkirchlich nicht alle Diskussionen und Stellungnahmen von Sachlichkeit, Sachkenntnis oder Br\u00fcderlichkeit gekennzeichnet. Bei aller Wertsch\u00e4tzung der Beteiligten sind die vorgebrachten Argumente und Aussagen wegen ihrer weitreichenden Wirkungen und Potentiale genau zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00f6ffentliche Position vertritt der Schweizer <strong>Roger Liebi<\/strong> (s. z.B. auf der deutschen Website <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.soundwords.de\/a12898.html\" data-type=\"URL\" target=\"_blank\">soundwords.de<\/a>). Er vertritt seine Meinung mit der Ansicht, dass das gemeinsame laute Singen im Gottesdienst nicht biblisch geboten und daher nicht notwendig sei, und versucht dies aus einer Reihe von Bibelstellen sowie rabbinischen \u00dcberlegungen zu begr\u00fcnden. Praktisch gibt Liebi f\u00fcr die COVID-Zeiten \u2013mit entsprechenden obrigkeitlichen Einschr\u00e4nkungen des Grundrechtes auf freie Religionsaus\u00fcbung\u2013 den Rat, dass es reiche, wenn jemand die erste Strophe eines Liedes vorliest und dann ein Instrument ohne weitere Textlesung und ohne Mitsingen der Gemeinde noch so oft die Liedmelodie spielt, wie Strophen \u00fcbrig bleiben. Die Gottesdienstmitglieder werden angehalten, w\u00e4hrenddessen den Text f\u00fcr sich im Liederbuch synchron stumm mitzulesen. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur Begr\u00fcndung behauptet Liebi eine <strong>Hierarchie der Gebote Gottes<\/strong> dergestalt, dass das Leben und die Gesundheit\/Genesung eines Menschen h\u00f6her zu werten seien, als ein ihr entgegenstehendes Zeremonial- oder Ritualgebot, wie beispielsweise das Sabbatruhegebot. Dem ist mit Blick auf die entsprechenden Ausf\u00fchrungen <strong>Jesu Christi<\/strong> anl\u00e4sslich akuter oder chronischer menschlicher Not durch Hunger, Krankheit und Unfall (u. \u00e4.) soweit zu folgen (s. z. B. Matth\u00e4us 12,1\u201314; Markus 2,23\u201328; <strong>3,4<\/strong>; Lukas 6,1\u201311; 13,14\u201317). Schon seit der Gesetzgebung am Sinai galt nach Christi autoritativer Interpretation des Gesetzes, dass der Sabbath <strong>um des Menschen willen gegeben<\/strong> war, und nicht umgekehrt (Markus 2,27). Diese Einsicht war offenbar bei den \u201eH\u00fctern des Sabbaths\u201c verloren gegangen. Eine fast un\u00fcberschaubare Diskussionsgeschichte und Regelungsdichte umwob zu Jesu Zeiten das Sabbathgebot und f\u00fchrte zu etlichen Konflikten der \u201eH\u00fcter des Sabbaths\u201c mit Dem, der sowohl \u201eHerr des Sabbaths\u201c als auch Geber jenes Gebotes ist. In seinen Weherufen gegen die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er, den Deutungs- und Fr\u00f6mmigkeitsexperten jener Tage, lehrte der Sohn Gottes, dass es im Gesetz Gottes (zwar nichts Unwichtiges (Lukas 16,17), aber durchaus) \u00bb<strong>wichtigere<\/strong> Dinge\u00ab gibt, n\u00e4mlich \u00bbdas Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben\u00ab (Matth\u00e4us 23,23). Diese Lehre Jesu steht fest.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1) <\/strong>Liebi bringt als Beleg seiner Ansicht leider auch Au\u00dferbiblisches  aus der Zeit des Makkab\u00e4eraufstandes (1. Makkab\u00e4er 2:31ff): Als die Staatsexekutive des heidnischen Seleukiden <strong>Antiochus IV. Epiphanes<\/strong> aufst\u00e4ndische religi\u00f6se Juden in ihren Fluchtorten aufsuchten und aufforderten, den g\u00f6tzendienerischen Forderungen des K\u00f6nigs Folge zu leisten, was diese aber als Abfall vom <strong>Gesetz<\/strong> Gottes verstanden (2,15), beschlossen diese: \u00bbWir alle wollen lieber schuldlos sterben&#8230; So wurden sie am Sabbath \u00fcberfallen und sie und ihre Frauen und Kinder samt dem Vieh umgebracht, an die tausend Personen.\u00ab (1.Makkab\u00e4er 2,37\u201338 LUT1984). Der j\u00fcdische Priester Mattatias und seine Freunde beschlossen nach diesem staatlichen Massenmord: \u00bbWenn man uns am Sabbath angreift, so wollen wir uns wehren, damit wir nicht alle umkommen, wie unsere Br\u00fcder in den H\u00f6hlen ermordet worden sind.\u00ab (2,41). Die Verabsolutierung des Sabbathgebots in der damaligen Tradition hatte sich f\u00fcr die aufst\u00e4ndischen Juden also als t\u00f6dlich erwiesen. Die nun erfolgte Aufhebung des Sabbathgebotes im Verteidigungsfall erwuchs mithin nicht aus rein theologischen \u00dcberlegungen zum Sabbath oder gar einer pl\u00f6tzlich entdeckten Hierarchie im Dekalog, sondern offenbar aus existenzieller Not, die nicht nur zum Verlust ihrer Identit\u00e4t als Gottesvolk JHWHs, sondern auch zum Holocaust h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen. \u2013 Auch in der <strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.qumran.org\/js\/qumran\/hss\/cd\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.qumran.org\/js\/qumran\/hss\/cd\" target=\"_blank\">Damaskusschrift<\/a><\/strong>, einer Schriftrolle vom Toten Meer (Qumran) aus dem 1.\u20132. Jhdt. v. Chr., wird festgehalten, dass das Retten von Menschenleben Vorrang hat vor der Einhaltung des Sabbaths (CD 11,16\u201317). Diese Regelung war ausdr\u00fccklich auf Notf\u00e4lle eines Menschen begrenzt. Einem Tier beim Wurf oder aus einer Grube heraus zu helfen, war hingegen verboten (11,13ff). \u2013 Wie diese au\u00dferbiblische, wenngleich wohl geschichtliche, Begebenheit der j\u00fcdischen Aufst\u00e4ndischen um Mattatias zur <em>biblischen<\/em> Begr\u00fcndung der Existenz einer <strong>Hierarchie in den Geboten Gottes<\/strong> beitragen soll, ist nicht nachvollziehbar. Wie Liebi dann von dort ohne weiteres den Sprung zur Frage der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Verbotes des gemeinsamen Singens der <em>neutestamentlichen<\/em> Gemeinde seitens der \u201eObrigkeit\u201c schafft, ist erstaunlich \u2013 aber keinesfalls \u00fcberzeugend. Jemand anders k\u00f6nnte anhand der Geschichte um Mattatias mit genau so viel oder wenig Recht argumentieren, dass es recht sei, dass man den Anordnungen der heidnischen Obrigkeit <strong>nicht<\/strong> Folge leistet, sondern entschieden Widerstand leistet, um seine Identit\u00e4t als Gottesvolk, das Gottes Willen tut, nicht zu verlieren. Dazu m\u00fcsste man aber den gemeinsamen Gesang der Gemeinde Gottes zum Lob Gottes als unverzichtbares Element des Gottesdienstes in der Schrift erkennen, und darin nicht nur verzichtbares Beiwerk sehen. Eine solche Untersuchung fehlt erstaunlicher Weise in den o. g. Ausf\u00fchrungen des Theologen und Musikers Liebi.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2)<\/strong> Diesem anschlie\u00dfend muss ein Zweites untersucht werden. Wenn es denn eine Hierarchie in den Geboten Gottes gibt (so verstanden, wie <em>Christus<\/em> dar\u00fcber lehrt): Ist Liebis Argumentation trefflich und  richtig, wenn er <strong>das Lob und die Erhebung Gottes<\/strong> im gemeinsamen Lied der Gemeinde <strong>einer angeblichen Gesundheitssicherung der Gemeindeglieder unterordnet<\/strong>? Hinkt hier der Vergleich? Oder sind die Gewichte zur Abw\u00e4gung der Alternativen biblisch anders verteilt? Liebi scheint dies keine Frage zu sein. Die Schrift sagt: \u00bb<strong>Doch du bist heilig, der du wohnst bei den Lobges\u00e4ngen Israels.<\/strong>\u00ab (Psalm 22,4 ELBCSV 2003). Sie sagt vom Haupt der Gemeinde, dem Sohn Gottes: \u00bbInmitten der Versammlung will <strong>ich<\/strong> dir lobsingen\u00ab (Hebr\u00e4er 2,12b; vgl. Psalm 22,23 ELBCSV 2003). D\u00fcrfen wir den Lobgesang des Hauptes der Gemeinde, Christi, <em>in<\/em> und <em>durch<\/em> seine Gemeinde behindern mit Blick auf m\u00f6gliche (und \u00e4u\u00dferst geringe) Gesundheitsgefahren? Galt dieses Prinzip des Primats der Gesundheit auch f\u00fcr die geheimen Versammlungen der verfolgten christlichen Gemeinden unter kommunistischen Regierungen, die stets konkrete Gefahr f\u00fcr Leib und Leben darstell(t)en? Man darf und muss sich an dieser Stelle doch einmal die Frage stellen, um <strong>Wen<\/strong> es in der Gemeinde Gottes geht, <strong>Wer<\/strong> im Mittelpunkt steht und unter <strong>Wessen<\/strong> Leitung der Gottesdienst steht. Viele Christen beantworten diese Frage anders als Liebi, siehe dazu z. B. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1369\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1369\" target=\"_blank\">hier<\/a>. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">\u00bbHauptsache gesund!\u00ab ist eine Pr\u00e4misse, die man schwerlich in der Bibel als Leitprinzip der Gemeinde Jesu ausmachen kann.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(3)<\/strong> In Verbindung damit l\u00f6st sich der Musiker Liebi (Studium von Klavier und Violine) leider auch vom biblisch begr\u00fcndeten, reformatorischen Verst\u00e4ndnis des Gemeindegesangs und der Funktion der Gottesdienstmusik. Der Reformator Martin Luther betrachtete Musik als eine Gabe Gottes, die \u2013gleich nach der Theologie eingeordnet\u2013 zum Nutzen der Gemeinde gegeben wurde. <strong>Musik war f\u00fcr ihn ein wichtiges Mittel, um den pers\u00f6nlichen und gemeinsamen Glauben miteinander \u00f6ffentlich zum Ausdruck zu bringen. <\/strong>Daher bediente sich Luther eing\u00e4ngiger Melodien und einfacher, allgemein verst\u00e4ndlicher (also deutscher, nicht lateinischer) Texte. Gemeinsame Lieder sollten zuerst Gottes Lob und Anbetung dienen und ebenso gemeinsame Gebete der Gemeinde zu Gott sein. Mit dieser Motivation schrieb Luther metrische Versionen verdeutschter Psalmen, \u00fcbersetzte Lieder der lateinischen Messe und dar\u00fcber hinaus \u00fcber drei Dutzend freie, biblisch fundierte Lieder. <em>\u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c<\/em> (1529; Anspielungen an Psalm 46), <em>\u201eAus tiefer Not schrei ich zu dir\u201c<\/em> (Psalm 130) sind bis heute Schatz der bibelgl\u00e4ubigen Gemeinden (vgl. auch seine Lieder zu Psalmen 12, 14, 67 und 124). Die Hymne <em>\u201eEin feste Burg\u201c<\/em>&nbsp; bezeugt das Vertrauen in Gott in Zeiten von Gefahr und Widerstreit gegen die Wahrheit Gottes. Man kann diese Hymne fast als gesungene Predigt \u00fcber Psalm 46 auffassen. Christuszentrierte Predigt war stets das Anliegen Luthers, und er zeigt dies im Hymnus mit der ber\u00fchmten Frage der zweiten Strophe: \u201eFragst du, wer der ist? Er heisst Jesus Christ\u201c. So redet die Gemeinde <strong>in \u00f6ffentlicher, h\u00f6rbarer Weise<\/strong> glaubensst\u00e4rkend mit Gott und zueinander. Die von Liebi angef\u00fchrte klassische Stelle in Kolosser 3,16: <em><strong>\u00bbLasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade\u00ab <\/strong><\/em>enth\u00e4lt  ja nicht nur die vielleicht auf Sprach- und Musiklosigkeit deutende Passage \u201ein euren Herzen\u201c, sondern <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">auch das \u00f6ffentliche, laute <strong>gegenseitige Lehren und Ermahnen<\/strong> \u201emit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern\u201c, welches nur als <strong>wahrnehmbar laute<\/strong> Veranstaltung gedacht sein kann.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Luther verstand, dass Text und Melodie\/Musik zusammen geh\u00f6ren und daher gut gepaart im \u00f6ffentlichen Gottesdienst einzusetzen sind. Seiner Meinung nach gilt als Grundsatz guter Komposition: <em>\u201eDie Noten machen den Text lebendig\u201c<\/em>, aber niemals k\u00f6nnen die Noten die Botschaft des Texts ersetzen. Bei der Kirchenmusik <strong>Johann Sebastian Bachs<\/strong> ist es vornehmste Aufgabe des Komponisten, das von der Kanzel gepredigte Wort im Kantatentext und durch die Mittel der Musikkomposition darzustellen und auszudeuten, und so das gesprochene Wort der Verk\u00fcndigung zu begleiten und durch Pr\u00e4sentation und gemeinsames Bekenntnis (Chor\u00e4le, meist Kirchenlieder) und Reflexion (Arien, Rezitative) zu verst\u00e4rken. Bekannt ist die \u00dcbertreibung: \u00bbBach ist der 5. Evangelist.\u00ab Leider ist heute diese integrative \u201eKirchenmusik\u201c zur alleinigen Anbetung Gottes (und Erquickung der Seele) aufgeteilt in eher sp\u00e4rlich-\u00e4rmlichen Gesang im Gottesdienst, dies zur Verehrung Gottes, und exzellente Kirchenkonzerte mit stark s\u00e4kularer Pr\u00e4gung und anhaltender Verehrung der Darbietenden. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Nehmen wir uns lieber ein Vorbild an solchen Gemeinden, die mit Herzblut Gemeindegesangspflege als Mittel zur F\u00f6rderung des gemeinsamen Glaubenszeugnisses und zur gemeinsamen Verehrung Gottes im Sinne eines <em><strong>Soli Deo Gloria<\/strong><\/em> betreiben (Kolosser 3,16\u201317).<\/span> <\/p>\n\n\n\n<p>Die Predigt und Wortverk\u00fcndigung (samt Lesung) durch Personen mit entsprechenden Geistesgaben und \u00c4mtern war nach Luther also nicht die einzige Weise, mit der das Evangelium in der Gemeinde verk\u00fcndet wird. <strong>Er sah vielmehr die Gemeinde einbezogen in die Bezeugung und Verk\u00fcndigung der Wahrheit des Evangeliums. <\/strong>Die Versammelten sind nach seinem Verst\u00e4ndnis nicht rein passive Zuh\u00f6rer, Beobachter und Empf\u00e4nger des Gottesdienstes, sondern miteinander auch aktive Teilnehmer, insbesondere im gemeinsamen Lied und Gebet. F\u00fcr Luther war dies ein unverzichtbarer Teil des Gottesdienstablaufs. Im Gegensatz zur r\u00f6misch-katholischen Tradition k\u00fcmmerte sich Luther darum, dass auch \u201eeinfache Leute\u201c und junge Menschen aktiv in den gemeinsamen Gottesdienst in Familie und Kirche eingebunden wurden. Daher f\u00f6rderte er die Polyphonie, bei der sich jeder entsprechend seiner\/ihrer Stimmlage einbringen konnte, zudem auch choral\u00e4hnliche Kompositionen, die einstimmig und im Stil der Volksmusik didaktisch komponiert waren. Der mehrstimmige gemeinsame Gesang im Gottesdienst kann biblisch bis in die Zeit Asaphs unter K\u00f6nig David r\u00fcckverfolgt werden (z. B. 1. Chronik 15,17\u201322; 2. Chronik 5,11\u201314): <em>\u00bbAls die Leviten, die S\u00e4nger, <strong>sie alle<\/strong>, &#8230; mit Zimbeln und mit Harfen und Lauten auf der Ostseite des Altars standen, und mit ihnen 120 Priester, <strong>die mit Trompeten schmetterten<\/strong> \u2013 es geschah, als die Trompeter und die S\u00e4nger wie ein Mann waren, um <strong>eine Stimme ert\u00f6nen zu lassen, den HERRN zu loben und zu preisen<\/strong>, und als sie <strong>die Stimme erhoben mit Trompeten und mit Zimbeln und mit Musikinstrumenten<\/strong> und mit dem Lob des Ewigen, weil er gut ist, weil seine G\u00fcte ewig w\u00e4hrt: <strong>da<\/strong> wurde das Haus, das Haus des Ewigen, mit einer Wolke erf\u00fcllt.\u00ab <\/em>(2. Chronik 5:12-13). <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Das <strong>gemeinsame Lied<\/strong> war f\u00fcr Gottes gerettetes Volk <strong>Ausdruck ihres gemeinsamen Glaubens und dankbaren Gotteslobes<\/strong><\/span>: \u00bbEr &#8230; erl\u00f6ste sie aus der Hand des Feindes. &#8230; Da <strong>glaubten<\/strong> sie seinen Worten, <strong>sie sangen sein Lob<\/strong>.\u00ab (Psalm 106, 10\u201312). \u00bbDamals sangen Mose und die Kinder Israel dem HERRN dieses Lied und sprachen so: <strong>Singen will ich dem JHWH<\/strong>, denn hoch erhaben ist er; &#8230; Meine St\u00e4rke und <strong>mein Gesang ist Jah<\/strong>, denn er ist mir zur Rettung geworden; dieser ist mein Gott, und<strong> ich will ihn verherrlichen<\/strong>, meines Vaters Gott, und <strong>ich will ihn erheben<\/strong>.\u00ab (Das <em>\u201e<\/em>Lied des Mose<em>\u201c<\/em>, 2.Mose 15,1\u20132).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entartung des Gottesdienstes zu reinen Musikveranstaltungen und Theaterauff\u00fchrungen unter der r\u00f6misch-katholischen Kirchenkultur (und deren R\u00fcckschnitt gem\u00e4\u00df den Forderungen des gegenreformatorischen Konzils von Trient 1562) zeigt auf, dass man immer von beiden Seiten vom Pferd fallen kann. Der italienische Komponist der Renaissance <strong>Giovanni Pierluigi da&nbsp;Palestrina<\/strong>&nbsp;(ca. 1525\u20131594) rettete den polyphonen Gesang in der r\u00f6m.-kath. Kirche. Der Schweizer Reformator <strong>Huldrych<\/strong>&nbsp;<strong>Zwingli<\/strong> (1484\u20131531) hingegen widerstand unter dem Eindruck des Missbrauchs zeitlebens dem Gebrauch von Musikinstrumenten im Gottesdienst, obwohl er pers\u00f6nlich und zuhause ein gro\u00dfer Freund und F\u00f6rderer der gemeinsamen Musik war. Zum Gl\u00fcck und Segen der Nachgeborenen konnte sich seine Ablehnung der Musik zur Verehrung Gottes im Gottesdienst nicht dauerhaft durchsetzen. <em>Abusus&nbsp;non&nbsp;tollit usum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(4) Der Beitrag Luthers zur F\u00f6rderung des gemeinsamen Liedes der Gemeinde im Gottesdienst als freudige Glaubensbezeugung und ausdrucksstarkes Gebet war einer der bedeutendsten Beitr\u00e4ge der Reformation. <\/strong>Es ist schade und traurig, wenn dies aktuell nach wenigen Monaten der Oppression seitens bestimmter staatlicher Stellen kampflos aufgegeben wird. Viele Gerichtsurteile bis auf die Ebene der Verfassungsgerichte haben inzwischen solche Oppressionen mangels Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, Begr\u00fcndung, Wirksamkeit o. a. zur\u00fcckgewiesen oder eingeschr\u00e4nkt. Wir d\u00fcrfen f\u00fcr die Gewaltenteilung an dieser Stelle also dankbar sein. Liebis Argument, dass Gesundheit und Leben eines Menschen vor (allen?) anderen Geboten der Schrift Vorrang habe, muss jedoch nach biblischer \u00dcberpr\u00fcfung auch mit Ma\u00df und Zahl bewertet werden. Ansteckung ist niemals auszuschlie\u00dfen, wenn sich Menschen real treffen und nicht-virtuell und ohne seuchenhygienische Distanzierung Gemeinschaft pflegen. <strong>Also ist es eine Frage der Risikoabw\u00e4gung, des praktischen Glaubens und der Wahl angemessener Verhaltensregeln. <\/strong>Vor diesem Hintergrund ist es bedenklich, wenn man bei Liebi h\u00f6ren muss, dass er sich der ma\u00dflosen \u00dcbertreibung bedient, indem er die Ma\u00dfnahmen wegen COVID-19 (Sterberate weltweit zur Zeit 0,031%; <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/covid19.who.int\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/covid19.who.int\" target=\"_blank\">Feb. 2021<\/a>) mit Ma\u00dfnahmen gegen das Ebolavirus (initiale Sterberate am Fluss Ebola 88%; im Kongo bis Juni 2020 66%; Varianz lt. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.who.int\/en\/news-room\/fact-sheets\/detail\/ebola-virus-disease\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.who.int\/en\/news-room\/fact-sheets\/detail\/ebola-virus-disease\" target=\"_blank\">WHO<\/a> 25%\u201390%; Liebi spricht von \u00bb7 aus 10\u00ab) vergleicht. Da werden also Dinge verglichen, die mindestens drei Gr\u00f6\u00dfenordnungen auseinander liegen. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Dieser Mangel an Wahrheit und Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit hilft sicher nicht dabei, seine Schlussfolgerungen und Handlungsvorschl\u00e4ge dem Mitdenkenden einsichtig zu machen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das vernachl\u00e4ssigte Auslegungsproblem zum biblischen Mandat des modernen Verfassungsstaates<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Interpretation und Anwendung der Lehrtexte des Neuen Testaments zum Mandat (Beauftragung\/Weisung von h\u00f6herer Stelle mit vorgegebener Rolle und Autorit\u00e4t) der \u00bbobrigkeitlichen Gewalten\u00ab nach R\u00f6mer 13,1\u20137, der \u00bbObrigkeiten und Gewalten\u00ab nach Titus 3,1 und der \u00bbmenschlichen Einrichtungen\u00ab nach 1. Petrus 2,13\u201317 f\u00fcr die heute gegebene Situation von demokratischen Verfassungsstaaten bedarf dringend sorgf\u00e4ltiger Exegese- und Transferarbeit. In unseren demokratischen Staaten wird die Staatsgewalt meist dem Volk zugeordnet. Liebi ist wohl Schweizer, aber der oben angef\u00fchrte Beitrag von ihm wird auf einer <strong>deutschen<\/strong> Website ohne weiteren Kommentar zum Ursprungsort dargestellt und vom Ver\u00f6ffentlicher f\u00fcr die deutsche Situation verwendet. Tippen wir nur ein paar Dinge f\u00fcr den Bereich der BRD an, die in den Ausf\u00fchrungen Liebis v\u00f6llig \u00fcbersehen oder \u00fcbergangen werden. (\u00dcberlegungen zur speziellen Rechtslage in der Schweiz oder den Vereinigten Staaten von Amerika w\u00e4ren an anderer Stelle anzustellen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst einmal haben wir es bei der BRD mit einem modernen demokratischen Staatswesen zu tun, nicht mit dem r\u00f6mischen Nero-Kaiserreich vor 2.000 Jahren: \u00bb<strong>Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaa<\/strong>t.\u00ab (GG Art 20 (1)). Hier gilt: \u00bbAlle Staatsgewalt geht vom Volk aus.\u00ab (GG Art 20, (2)). <strong>Der Souver\u00e4n (Unumschr\u00e4nkte) in der BRD ist also nicht der Kaiser, sondern das Volk.<\/strong> Die hier als Grundgesetz verankerte Volkssouver\u00e4nit\u00e4t bedeutet: \u00bb<em>Jede staatliche Machtaus\u00fcbung muss durch das Volk legitimiert sein. &#8230; Die Amtsinhaber sind dem Volk bzw. seinen Repr\u00e4sentanten verantwortlich und k\u00f6nnen aus ihrem Amt entfernt werden.<\/em>\u00ab (DDD, S. 7). Das Volk \u00fcbt seine Staatsgewalt \u00bbin Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung aus\u00ab (Art 20 (2)). In diesem Satz ist die geltende <strong>Gewaltenteilung<\/strong> bereits enthalten. Dieses alles ist wesensm\u00e4\u00dfig anders, als es im r\u00f6mischen Reich des 1. Jhdt. nach Christus war. Auch so zu reden, als sei die amtierende Bundeskanzlerin <em>Dr. Angela Merkel <\/em>gleichzusetzen mit Kaiser <em>Friedrich I Barbarossa<\/em> oder Kaiser <em>Wilhelm I. Friedrich Ludwig von Preu\u00dfen<\/em>, ist weder \u00fcberzeugend noch f\u00fcr unsere Situation heute hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb<em><strong>Grundrechte<\/strong> sch\u00fctzen den Freiheitsraum des Einzelnen vor \u00dcbergriffen der \u00f6ffentlichen Gewalt, es sind <strong>Abwehrrechte des B\u00fcrgers gegen den Staat<\/strong>. Zugleich sind sie Grundlage der Wertordnung der Bundesrepublik Deutschland, sie geh\u00f6ren zum Kern der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes.<\/em> &#8230; <em><strong>Menschenrechte<\/strong> sind \u00fcberstaatliche Rechte, sie geh\u00f6ren zur Natur des Menschen, es sind nat\u00fcrliche, angeborene Rechte. Dazu geh\u00f6ren die meisten Freiheitsrechte oder Grundfreiheiten, wie Freiheit der Person, Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit.<\/em>\u00ab (DDD, S. 15). Kommt es zu Verletzungen der Grundrechte eines B\u00fcrgers der BRD, so gilt: \u00bbWird jemand durch die \u00f6ffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht ihm der Rechtsweg offen.\u00ab (Art 19 (4)). Auch dies war im R\u00f6mischen Reich&nbsp; so allgemein nicht gegeben, Privilegierte konnten sich hingegen auf Sonderrechte berufen. <strong>F\u00fcr einen Deutschen gilt also, dass die Beschreitung des Klageweges keine \u201eAuflehnung\u201c oder mangelnde Unterordnung gegen\u00fcber \u00bbDenen in Hoheit\u00ab ist, sondern vielmehr sein Recht und ggf. seine moralische Pflicht als B\u00fcrger. <\/strong>\u00bb<em>Jeder B\u00fcrger hat das Recht, bei einer Verwaltungsbeh\u00f6rde einen f\u00f6rmlichen Widerspruch einzureichen, wenn er sich durch deren Ma\u00dfnahmen zu Unrecht belastet bzw. in seinen Rechten unmittelbar und pers\u00f6nlich verletzt sieht. F\u00fchrt der Widerspruch nicht zum Erfolg, hat der B\u00fcrger das Recht, die Gerichte anzurufen. Diese Rechtsweggarantie beseitigt die \u201eSelbstherrlichkeit der vollziehenden Gewalt im Verh\u00e4ltnis zum B\u00fcrger\u201c (Bundesverfassungsgericht), <strong>der Einzelne steht nicht als \u201eUntertan\u201c einer nach Belieben handelnden \u201eObrigkeit\u201c<\/strong><\/em> <strong><em>gegen\u00fcber<\/em><\/strong>\u00ab (DDD, S. 28).<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder B\u00fcrger ist den f\u00fcr ihn geltenden <em>Gesetzen<\/em> unterworfen, hingegen nicht <em>per se <\/em>bestimmten Einzelpersonen (f\u00fcr Soldaten, Arbeitnehmer u.a. gelten (auch) andere Normen). In der BRD gilt: \u00bb<strong>die ungest\u00f6rte Religionsaus\u00fcbung wird gew\u00e4hrleistet<\/strong>\u00ab (Art 4, (2)). \u00bbDie Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.\u00ab (Art 8, (1)). Solange dies nicht unter freiem Himmel erfolgt, vermerkt das GG keine M\u00f6glichkeit, dies durch Gesetz einzuschr\u00e4nken, au\u00dfer man missbraucht dieses Recht zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, was wohl bei einer Gemeinde des Christus nicht gegeben ist. Art. 19 nennt weiteres.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Begriff der \u201eObrigkeit\u201c <\/strong>ist dem Text des GG fremd (und nicht enthalten), ebenso die Begriffe \u201eAutorit\u00e4t\u201c, \u201eUntertan\u201c oder \u201eGehorsam\u201c. Der Begriff \u201ehoheitlich\/Hoheit\u201c taucht vielfach auf und bezeichnet Aufgaben und Rechte des Staates als solchem, die aber auch zwischenstaatlichen Institutionen oder Einzelnen, die in einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverh\u00e4ltnis zum Staat stehen, \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.  Das wirtschaftlich aufstrebende B\u00fcrgertum hat im GG die Prinzipien des liberalen Rechtsstaats \u00bb<em>im Kampf gegen den monarchischen Obrigkeitsstaat, <strong>der die B\u00fcrger als Untertanen bevormundete<\/strong>, durchgesetzt<\/em>\u00ab (DDD, S. 26). <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Mit Verwendung des biblischen Ausdrucks der \u201eObrigkeit\u201c bei der Diskussion der Grundordnung und Grundrechte der B\u00fcrger der BRD besteht also zumindest <strong>gr\u00fcndlicher Erkl\u00e4rungs- und Definitionsbedarf, der von Liebi (und \u00c4hnlichdenkenden) nicht geliefert wird<\/strong>.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der zivilreligi\u00f6se Aspekt<\/strong> des heute meist s\u00e4kular interpretierten Grundgesetzes kommt vor allem in seiner Pr\u00e4ambel zum Ausdruck. Dort wurde von den Verfassern angesichts der grausamen Ursachen, Taten und Folgen des 2. Weltkrieges formuliert, dass sich das Deutsche Volk \u00bbIm Bewusstsein seiner Verantwortung <strong>vor Gott<\/strong> und den Menschen\u00ab dieses GG gegeben habe. Welcher Gott gemeint ist, und wie der Atheist damit umzugehen hat, wird heute offen gelassen. <strong>Wie soll aber eine Verantwortung real und greifbar sein, wenn die Instanz nicht gekl\u00e4rt ist?<\/strong> Weiter steht, dass das GG \u00bbf\u00fcr das gesamte Deutsche Volk\u00ab gelte. Die Deutschen in der sowjetischen Besatzungszone, sp\u00e4terer DDR, waren mitgemeint, aber nicht miteingebunden, vielmehr wurden sie ca. 40 Jahre sp\u00e4ter blo\u00dfes Beitrittsgebiet (Anhang EV von 1990). Das GG funktioniert mangels Verfassung, wie freie V\u00f6lker sie sich selbst geben (vgl. Art. 146), praktisch wie eine solche und verwendet den Begriff  im Text auch vielfach. Die Pr\u00e4ambel des GG ist also als Versuch zu werten, das aufzurufen, was Grundlage zum Funktionieren jeder Demokratie ist, was aber die Demokratie selbst weder liefern noch sichern kann. Ob die Regierung der BRD sich heute im Mandat seitens Gottes und in konkreter Verantwortung vor Gott (dem Gott, den die Grundgesetzschreiber 1949 meinten!) sieht, muss mangels Bekenntnis und Evidenz wohl verneint werden. Wenigstens hier ist eine Parallele zum alten r\u00f6mischen Reich zur Zeitenwende.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zusammenfassend<\/strong> muss festgestellt werden, dass die Situation und Rechtsstruktur im demokratischen Staatswesen der BRD eine v\u00f6llig andere ist, als zur Zeit des Paulus im R\u00f6mischen Reich, und dass dies in den Ausf\u00fchrungen von Liebi leider \u00fcberhaupt nicht bedacht wird. Er nennt zwar den <em>historischen<\/em> Kontext zu Paulus Zeiten unter Nero (was f\u00fcr das Verstehen der <strong>damaligen<\/strong> Ermahnungen des Paulus unverzichtbar wichtig ist), aber bleibt nach dieser Betrachtung in der Luft h\u00e4ngen. Er schafft es nicht, biblische Vorgaben korrekt in die tats\u00e4chliche, aktuelle Situation seiner Zuh\u00f6rer, die so sehr un\u00e4hnlich zu der des Ursprungstextes ist, hinein zu denken. So zu tun, als sei unsere Rechtssituation vergleichbar mit der Zeit des R\u00f6mischen Reiches unter Kaiser <em>Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus,<\/em> muss als falsch und irref\u00fchrend beklagt werden.\u00a0Das selbe gilt, wenn wir die politischen Ver\u00e4nderungen ignorieren oder als irrelevant beurteilen. <strong>Dieses staatswissenschaftliche wie pastorale Zukurzspringen schreit nach sorgf\u00e4ltiger Grundlagenarbeit: Wie sind die Bibeltexte aus einer Kaiserreichskultur in unser demokratisches Staatswesen zu \u00fcbertragen, wo es nicht l\u00e4nger \u201eUntertane\u201c gibt, sondern wahlberechtigte, m\u00fcndige und verantwortliche B\u00fcrger, denen als Volk grundgesetzlich die Staatsgewalt und Souver\u00e4nit\u00e4t im Staat zugeordnet ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die besondere deutsche Situation<\/h3>\n\n\n\n<p>Es mag sein, dass Christen in Deutschland mit gr\u00f6\u00dferer Sorgfalt als andere Nationen bedenken sollten, dass es in ihrem Land vor nicht allzu langer Zeit \u201edeutsche Christen\u201c gab, die dem braunen Regime mit seiner brutal-heidnischen Religion mit feigem Schweigen, stiller Duldung bis hin zu enthusiastischer F\u00fchrertreue begegneten. Die damaligen Argumente der Kirche zur Vertretung von \u201eStaatstreue\u201c und \u201eF\u00fchrergehorsam\u201c sollten in unseren Gewissen brennend best\u00e4ndiges Mahnmal sein. Der evangelische Theologe (!) Emanuel Hirsch schrieb z. B. nach der Machtergreifung Hitlers: \u00bbKein einziges Volk der Welt hat so wie das unsere einen Staatsmann, dem es so ernst um das Christliche ist; als Adolf Hitler am 1.\u00a0Mai seine gro\u00dfe Rede mit einem Gebet schlo\u00df, hat die ganze Welt die wunderbare Aufrichtigkeit darin gesp\u00fcrt.\u00ab (Emanuel Hirsch, <em>Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen<\/em> (Berlin-Charlottenburg, 1933), S. 24. Lt. <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emanuel_Hirsch\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emanuel_Hirsch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">de.wikipedia.org<\/a><\/em> trat Hirsch 1937 in die NSDAP ein, wurde f\u00f6rderndes Mitglied der SS und denunzierte Kollegen und Studenten.). Besser kann man die Verf\u00fchrtheit und Perversion der Christen in ihrem Verh\u00e4ltnis zu Gott und Staat nicht dokumentieren. <strong>M\u00fcssen wir heute wieder die Notwendigkeit f\u00fcr eine \u201eBekennende Kirche\u201c konstatieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zur Veranschaulichung der \u201edeutschen Erblast\u201c sei anekdotisch ein Blick auf  <strong>Wilhelm St\u00fccher<\/strong> (1898\u20131969)&nbsp;aus Eiserfeld (Siegen) eingef\u00fcgt, der im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Christen in Kirchen und Freikirchen den antichristlichen Charakter des Nationalsozialismus schon fr\u00fch durchschaute, entsprechend redete, lehrte und handelte und folglich zahlreiche Oppressionen und Strafen seitens der \u201eObrigkeit\u201c erduldete: Die Propaganda der Parteileute stellte ihn als \u00bbVolksverr\u00e4ter\u00ab dar, die Gestapo spionierte ihn aus, bedrohte ihn und beschlagnahmte alle seine Schriften. Kirchenintern verwies ihn ein f\u00fchrender Mann auf \u00bbdie Pflicht des Christen zum Gehorsam gegen\u00fcber der Obrigkeit\u00ab hin. Eine angemessene Ber\u00fccksichtigung der <em>clausula <\/em><i>Petri<\/i> (Apostelgeschichte 4,19; 5,29) vermisste man leider auch damals schon, entsprechenden Mangel muss man auch bzgl. einer trefflichen Auslegung und Anwendung  von R\u00f6mer 13 beklagen. In seinen <em>Erinnerungen<\/em> (nach Tonbandaufzeichnungen, Eiserfeld, 1972) liest man, dass St\u00fccher z. B. eine Beteiligung an den Reichstagswahlen 1933 kategorisch ablehnte: Die Schrift spreche nicht davon, \u00bbdie Obrigkeit tatkr\u00e4ftig zu unterst\u00fctzen\u00ab,&nbsp;sondern ihr unterworfen zu sein, was einen betr\u00e4chtlichen Unterschied darstelle. <\/p>\n\n\n\n<p>St\u00fcchers Ausf\u00fchrungen zum Widerstandsrecht geh\u00f6ren zum Besten, was je von Mitgliedern der sog. \u201eBr\u00fcderbewegung\u201c in Deutschland verfasst wurde: <strong>Die Autorit\u00e4t und Macht der \u201eObrigkeit\u201c sei ihr von Gott gegeben, wobei nicht gesagt sei, dass jede obrigkeitliche Institution von Gott eingesetzt sei.<\/strong> Das haben heute offenbar einige wieder vergessen. St\u00fccher meinte, der Christ solle die obrigkeitliche Gewalt allgemein anerkennen, so wie er Gottes Autorit\u00e4t anerkenne. <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Gott habe jedoch der Obrigkeit Grenzen zugeordnet, wie sie in R\u00f6mer 13,7 zu lesen sind<\/span><\/strong>: \u00bbGebt allen, was ihnen geb\u00fchrt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre [geb\u00fchrt].\u00ab \u00bb<strong>Wenn sie diese Grenzen \u00fcberschreite und in einen Bereich vordringe, den Gott, der allein Autorit\u00e4t \u00fcber die Gewissen habe, sich selbst vorbehalten habe, hei\u00dfe es zu widerstehen, was die Heiligen zu allen Zeiten getan h\u00e4tten.<\/strong>\u00ab Er warnte die \u201eBr\u00fcder\u201c seiner Glaubensgemeinschaft, nicht zur Hure des Staates zu werden, wie es die Bekennende Kirche in Deutschland bereits mutig formuliert hatte. Dergestalt klar biblisch positioniert erkl\u00e4rte er einmal einem Vernehmungsbeamten, der ihn mit Gef\u00e4ngnisandrohung einsch\u00fcchtern wollte: <strong>\u00bbIch m\u00f6chte lieber mit gutem Gewissen im Gef\u00e4ngnis sein als mit schlechtem Gewissen in Freiheit.\u00ab<\/strong> Er erl\u00e4uterte sp\u00e4ter in seinen <em>Erinnerungen<\/em>: \u00bb\u201eStaatsbejahung\u201c  [die der Staat und Bundesleiter Dr. Becker forderte] &#8230; war nicht das, was nach R\u00f6mer 13 jedem Christen oblag, sondern bedeutete eine Bejahung des Nazi-Regimes! \u2013 und das war gottlos, antichristlich.\u00ab (Quelle: Volker Jordan, <em>Die \u00bbChristliche Versammlung\u00ab in Deutschland von den Anf\u00e4ngen bis 1945<\/em>, 3. Auflage, 2006; zit. n. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bruederbewegung.de\/pdf\/jordan.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bruederbewegung.de\/pdf\/jordan.pdf\" target=\"_blank\">PDF-Ausgabe<\/a>, S. 64ff.) Einigen Pastoren und Missionaren ergeht es in der Welt des Jahres 2021 bereits \u00e4hnlich, nicht nur im Morgen-, sondern auch im Abendland. Antichristliche Oppression kennzeichnet sowohl braune wie rote, sozialistische wie kapitalistische Ideologien.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerstand gegen \u00dcbergriffe des Staates in die Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit des Menschen wird auf beiden Seiten schnell missverstanden: die einen wollen den politischen oder weltanschaulichen Gegner d\u00e4monisieren, die anderen die Beweggr\u00fcnde des andersdenkenden \u201eGlaubensbruders\u201c diskreditieren. <strong>Verweigerung gegen\u00fcber \u00fcbergriffigen Anordnungen eines s\u00e4kularen oder andersgl\u00e4ubigen Staates bedeutet f\u00fcr den Christen aber nie die Flucht in die Anarchie, sondern Anerkennung, dass da Ein H\u00f6chster ist, der auch Oberstes Haupt seiner Gemeinde wie auch Mandatsgeber aller staatlichen Autorit\u00e4t und Gewalt ist. <\/strong>Der Gehorsam gegen\u00fcber Jesus Christus, dem Sohn Gottes, zwingt den Christen vielleicht ins Gef\u00e4ngnis oder in die Hand staatlich sanktionierter oder eigenm\u00e4chtiger M\u00f6rder (wie die Inquisitionsgeschichte und noch heute manche muslimischen L\u00e4nder zeigen), jedenfalls aber auf die Knie vor dem Allm\u00e4chtigen, der in Seiner Autorit\u00e4t alles regiert und erh\u00e4lt und in Seiner Vorsehung alles lenkt und leitet. Die Psalmen geben uns hier gute Ausdrucksmittel des Glaubens, der Prophet Daniel beeindruckendes Anschauungsmaterial, der Apostel Petrus praktischen Lehrunterricht. <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Die Hoffnung auf eine vollkommene Regierung und ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit bleibt dem Glaubenden f\u00fcr Christi Reich reserviert und fixiert.<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Vordenker-Stimme der Kirche der Reformation<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Johannes Calvin<\/strong> hatte sich angesichts der Verweigerung der Religionsfreiheit durch den Staat intensiv mit den biblischen Texten und damaligen Gegebenheiten besch\u00e4ftigt. Er lebte ja selbst noch in einer Zeit der K\u00f6nige und Kaiser und lehrte dementsprechend: \u00bbDie Schrift &#8230; betont &#8230; ausdr\u00fccklich, es sei die Vorsehung g\u00f6ttlicher Weisheit, da\u00df die K\u00f6nige herrschen, und gebietet uns besonders, den K\u00f6nig zu ehren (Spr\u00fcche 8,35; 1. Petrus 2,17).\u00ab (Institutio, IV, 20, 7). Calvin war jedoch auch bei den besten Lehrern und Vordenkern Frankreichs in die Lehre gegangen: Erasmus, Le Fevre, Wolmar, Rabelais und Peter de L&#8217;Etoile, seinem Lehrer in Orleans. Schon zwei Jahrhunderte vor Montesquieus Idee der Gewaltenteilung f\u00fchrte er in der Stadt Genf den republikanischen Grundsatz ein, dass mehrere Ratsversammlungen sich gegenseitig kontrollierten, damit niemals Macht zentralisiert und damit unausweichlich Tyrannei gef\u00f6rdert w\u00fcrde (1543). Die R\u00e4te wurden von den B\u00fcrgern f\u00fcr eine begrenzte Amtszeit gew\u00e4hlt, wobei die Liste der w\u00e4hlbaren Kandidaten vom Rat vorbereitet wurde. Die Gew\u00e4hlten mussten sich regelm\u00e4\u00dfig vor dem Volk verantworten. Dies alles sind wichtige Grundelemente der Demokratie. Calvin verband so Ideale der Aristokratie (Herrschaft aufgrund charakterlicher Exzellenz) mit Idealen der Demokratie (Herrschaft aufgrund der Freiheitsidee). W\u00e4hrend seiner Zeit in Basel musste er erfahren, dass etliche franz\u00f6sische Protestanten von ihrem Staat (!) lebendig verbrannt worden waren. Calvin lag es daher sehr am Herzen, jede Form der Tyrannei zu verhindern. <strong>Seine Regelungen in Genf erwuchsen unmittelbar aus dem biblisch-realistischen Menschenbild, dass der Mensch in seiner Gefallenheit zu \u00fcbelstem Machtmissbrauch f\u00e4hig ist, und aus dem biblischen Mandat des Staates nach Calvins Verst\u00e4ndnis.<\/strong>  Viele seiner sp\u00e4teren Ideen wurden auch politisch in der Schweiz und sp\u00e4ter in der Republik der USA umgesetzt. (John T. McNeill: <em>Calvin&#8217;s Ideas Still Politically Relevant Today.<\/em> In: Robert M. Kingdom, Robert D. Linder: <em>Calvin and Calvinism: Sources of Democracy?<\/em> (Lexington, MA: D. C. Heath and Company, 1970), S. 72\u201376.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Frage der geeignetsten Staatsform<\/strong> hatte sich Calvin also gr\u00fcndliche Gedanken gemacht und diese in seiner <strong>Institutio<\/strong> (Buch IV, Kap. 20 <em>Vom b\u00fcrgerlichen Regiment<\/em>, 8) niedergelegt. Die Frage nach der besten Staatsform ist au\u00dferhalb der \u00dcberlegungen an dieser Stelle. Seine klaren Aussagen dazu (unten meist mit Fettdruck markiert) sind jedoch f\u00fcr die heute wieder notwendige Diskussion der Rolle und des Mandates des Staates nach R\u00f6mer 13 fruchtbar. \u00bbFreilich, wenn man jene drei Regierungsformen, die die Philosophen aufstellen (Monarchie, Aristokratie, Demokratie) an und f\u00fcr sich betrachtet, so w\u00fcrde ich durchaus nicht leugnen, da\u00df die Aristokratie oder ein aus ihr und der b\u00fcrgerlichen Gewalt gemischter Zustand weit \u00fcber allen anderen steht, zwar nicht aus sich heraus, sondern weil es sehr selten vorkommt, da\u00df die K\u00f6nige sich so viel Ma\u00df auferlegen, da\u00df ihr Wille niemals von Recht und Gerechtigkeit abweicht, und weil sie ferner auch sehr selten mit solchem Scharfsinn und solcher Vorsicht begabt sind, da\u00df jeder einzelne K\u00f6nig soviel sieht, wie es zureichend ist. <strong>So bringt es also die Gebrechlichkeit und Mangelhaftigkeit der Menschen mit sich, da\u00df es sicherer und ertr\u00e4glicher ist, wenn mehrere das Steuerruder halten, so da\u00df sie also einander gegenseitig beistehen, sich gegenseitig belehren und ermahnen, und wenn sich einer mehr als billig erhebt, mehrere Aufseher und Meister da sind, um seine Willk\u00fcr im Zaume zu halten.<\/strong> Das hat einerseits die Erfahrung selbst allezeit bewiesen, andererseits hat es auch der Herr mit seiner Autorit\u00e4t bekr\u00e4ftigt, indem er bei den Israeliten, als er sie, bis er in David das Ebenbild Christi hervortreten lie\u00df, in dem bestm\u00f6glichen Zustande halten wollte, eine Aristokratie einrichtete, die an die b\u00fcrgerliche Regierungsform angrenzte. Und wie ich gerne zugebe, da\u00df es keine gl\u00fccklichere Art der Regierung gibt als die, wo die Freiheit die geb\u00fchrende M\u00e4\u00dfigung erf\u00e4hrt und in rechter Weise auf best\u00e4ndige Dauer eingerichtet ist, so halte ich auch die f\u00fcr die gl\u00fccklichsten, denen es erlaubt ist, diesen Zustand zu genie\u00dfen, und gebe zu, da\u00df sie nichts tun, was ihrer Pflicht nicht entspr\u00e4che, wenn sie sich wacker und best\u00e4ndig bem\u00fchen, ihn zu bewahren und aufrechtzuerhalten. <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Ja, die Obrigkeiten m\u00fcssen mit h\u00f6chster Anstrengung danach streben, da\u00df sie es nicht zulassen, da\u00df die Freiheit, zu deren Besch\u00fctzern sie eingesetzt sind, in irgendeinem St\u00fcck gemindert, geschweige denn verletzt wird; wenn sie dabei zu nachl\u00e4ssig sind oder zu wenig Sorgfalt walten lassen, dann sind sie treulos in ihrem Amte und Verr\u00e4ter an ihrem Vaterlande.<\/span><\/strong>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Calvin f\u00e4hrt fort (IV, 20, 9): \u00bbNun haben wir an dieser Stelle noch kurz darzulegen, <strong>was f\u00fcr eine Amtspflicht <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">die Obrigkeit nach der Beschreibung des Wortes Gottes<\/span> hat <\/strong>und in welchen Dingen diese besteht. Da\u00df sich diese Amtspflicht auf beide Tafeln des Gesetzes erstreckt, das k\u00f6nnte man, wenn es die Schrift nicht lehrte, bei den weltlichen Schriftstellern erfahren. Denn keiner hat \u00fcber die Amtspflicht der Obrigkeiten, \u00fcber die Gesetzgebung und die \u00f6ffentliche Ordnung Er\u00f6rterungen angestellt, der nicht mit der Religion und der Gottesverehrung den Anfang machte. <strong>Und so haben sie alle bekannt, da\u00df keine b\u00fcrgerliche Ordnung gl\u00fccklich eingerichtet werden kann, wenn nicht an erster Stelle die Sorge f\u00fcr die Fr\u00f6mmigkeit steht, und <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">da\u00df alle Gesetze verkehrt sind, die Gottes Recht beiseite lassen und allein f\u00fcr die Menschen sorgen<\/span>. <\/strong>Da also bei allen Philosophen die Religion auf der h\u00f6chsten Stufe steht und man das auch allezeit bei allen V\u00f6lkern in allgemeiner \u00dcbereinstimmung so gehalten hat, so sollten sich christliche F\u00fcrsten und Obrigkeiten ihrer Tr\u00e4gheit sch\u00e4men, wenn sie sich dieser F\u00fcrsorge nicht mit Eifer widmen wollten. Auch haben wir bereits gezeigt, <strong>da\u00df ihnen diese Aufgabe <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">von Gott in besonderer Weise auferlegt<\/span> wird, wie es ja auch billig ist, da\u00df sie ihre M\u00fche daran wenden, die Ehre dessen zu sch\u00fctzen und zu verteidigen, dessen Statthalter sie sind und durch dessen Wohltat sie ihre Herrschaft innehaben<\/strong>. Deshalb werden auch die heiligen K\u00f6nige <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">in der Schrift<\/span><\/strong> ausdr\u00fccklich deshalb aufs h\u00f6chste gepriesen, weil sie die verderbte oder hinf\u00e4llig gewordene Verehrung Gottes wiederhergestellt oder <strong>f\u00fcr die Religion Sorge getragen haben, damit sie unter ihnen rein und unbeeintr\u00e4chtigt bl\u00fchte.<\/strong>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und letztlich noch hier (IV, 20, 31): \u00bbAber wie man auch die Taten der Menschen selbst beurteilen mag, so f\u00fchrte der Herr doch durch diese Taten gleicherma\u00dfen sein Werk aus, indem er das blutige Zepter schamloser K\u00f6nige zerbrach und manch unertr\u00e4gliche Herrschaft st\u00fcrzte. <strong>Das sollen die F\u00fcrsten h\u00f6ren \u2013 und darob erschrecken!<\/strong><br><br>Wir aber sollen uns unterdessen nachdr\u00fccklichst h\u00fcten, diese Autorit\u00e4t der Obrigkeit, die mit verehrungsw\u00fcrdiger Majest\u00e4t erf\u00fcllt ist und die Gott durch die ernstesten Gebote bekr\u00e4ftigt hat, zu verachten oder zu sch\u00e4nden \u2013 selbst wenn sie bei ganz unw\u00fcrdigen Menschen liegt und bei solchen, die sie durch ihre Bosheit, soviel an ihnen ist, mit Schmutz bewerfen! Denn wenn auch die Z\u00fcchtigung einer z\u00fcgellosen Herrschaft Gottes Rache ist, so sollen wir deshalb doch nicht gleich meinen, solche g\u00f6ttliche Rache sei uns aufgetragen \u2013 denn wir haben keine andere Weisung, als zu gehorchen und zu leiden.<br><br>Dabei rede ich aber stets von amtlosen Leuten. <strong>Anders steht nun die Sache, wo Volksbeh\u00f6rden eingesetzt sind, um die Willk\u00fcr der K\u00f6nige zu m\u00e4\u00dfigen<\/strong>; von dieser Art waren z.B. vorzeiten die \u201eEphoren\u201c [f\u00fcnf Aufsichtsbeamte im antiken Sparta, die jedes Jahr neu gew\u00e4hlt wurden], die den laked\u00e4monischen K\u00f6nigen, oder die Volkstribunen, die den r\u00f6mischen Konsuln, oder auch die \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Demarchie\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Demarchie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Demarchen<\/a>\u201c, die dem Senat der Athener gegen\u00fcbergestellt waren; diese Gewalt besitzen, wie die Dinge heute liegen, vielleicht auch die drei St\u00e4nde in den einzelnen K\u00f6nigreichen, wenn sie ihre wichtigsten Versammlungen halten. <strong>Wo das also so ist, da verbiete ich diesen M\u00e4nnern nicht etwa, der wilden Ungebundenheit der K\u00f6nige <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">pflichtgem\u00e4\u00df<\/span> entgegenzutreten, nein, ich behaupte geradezu: wenn sie K\u00f6nigen, die ma\u00dflos w\u00fcten und das niedrige Volk qu\u00e4len, durch die Finger sehen, so ist solch ihr absichtliches \u00dcbersehen immerhin nicht frei von sch\u00e4ndlicher Treulosigkeit; denn sie verraten ja in schn\u00f6dem Betrug die Freiheit des Volkes, zu deren H\u00fctern sie, wie sie wohl wissen, <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">durch Gottes Anordnung eingesetzt<\/span> sind!<\/strong>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter betonte Calvin die <strong>stete Oberherrschaft Christi<\/strong>, die nicht nur \u00fcber Seiner Kirche, sondern auch \u00fcber alle s\u00e4kularen Staaten und \u201eObrigkeiten\u201c besteht. <strong>Die \u201eObrigkeit\u201c muss, <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">wenn sie im Rahmen ihres g\u00f6ttlichen Mandats bleiben will<\/span>, den Willen Gottes als h\u00f6chsten beachten<\/strong>, wenngleich in der Amtsausf\u00fchrung keine Perfektion verlangt werden kann (IV, 20, 32): \u00bbAber bei diesem Gehorsam, der, wie wir festgestellt haben, den Weisungen der Oberen zukommt, <strong>ist stets eine Ausnahme zu machen, ja, es ist vor allem anderen auf eines zu achten, n\u00e4mlich da\u00df er uns nicht von dem Gehorsam gegen den wegf\u00fchrt, dessen Willen billigerweise aller K\u00f6nige Begehren untertan sein mu\u00df, dessen Ratschl\u00fcssen ihre Befehle weichen und vor dessen Majest\u00e4t ihre Zepter niedergelegt werden m\u00fcssen<\/strong>. Und wahrlich, was w\u00e4re das f\u00fcr eine Torheit, wenn man, um den Menschen Gen\u00fcge zu tun, den zu beleidigen untern\u00e4hme, um des willen man eben den Menschen gehorcht? <strong>Der Herr also ist der K\u00f6nig der K\u00f6nige, und <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">wo er seinen heiligen Mund aufgetan hat<\/span>, da mu\u00df er allein vor allen und \u00fcber alle geh\u00f6rt werden; dann sind wir auch den Menschen unterstellt, die uns vorgesetzt sind, aber <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">allein in ihm<\/span>. Wenn sie etwas gegen ihn befehlen, so ist dem kein Raum zu g\u00f6nnen und z\u00e4hlt es nicht.<\/strong>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zum guten Schluss<\/h3>\n\n\n\n<p>Es mag sein, dass eine anti-calvinistische Einstellung selbst einem B\u00fcrger eines Landes der Reformation den Blick auf jene gro\u00dfartigen und seiner Zeit weit vorauseilenden Ideen des Schweizer Reformators Calvin zur Rolle und zum Mandat des Staates verh\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Halten wir es doch mit dem alten Reformator Luther, der uns den Herzenskompass und die Blicke wieder auf das Zentrum alles Seins und aller wahren Freude richtet, und uns den Mund <strong>zum gemeinsamen, \u00f6ffentlichen Singen zur Ehre Gottes<\/strong> \u00f6ffnet:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Nun frewdt euch lieben Christen gemayn<br>Und la\u00dft uns fr\u00f6hlich spryngen<br><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>Das wir getr\u00f6st unnd all in eyn<br>Mit lust unn lyebe singen<\/strong><\/span><br>Was Gott an unns gewendet hatt<br>Und seyn syesse wunder thatt<br>Gar theuwr hatt ers erworben.<\/p><cite>Martin Luther (1483\u20131546) 1523. Text nach dem Wittenberger <em>Achtliederbuch<\/em> (1524). Hauptlied am Reformationstag.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einige Quellen zum Weiterlesen und Anh\u00f6ren<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Grundlagen. <\/strong>Nachdem einige Schreiber und Redner deutliche Kenntnism\u00e4ngel \u00fcber das Grundgesetz der BRD, wie es \u201efunktioniert\u201c und wie es zu verstehen ist, haben, sei das Grundgesetz selbst und folgendes Dossier der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung als Erstlekt\u00fcre empfohlen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>[DDD]<\/strong> <span><span style=\"font-weight: 600;\"><i>Dossier Deutsche Demokratie<\/i><\/span><\/span> der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, 2010 (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.bpb.de\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.bpb.de\" target=\"_blank\">www.bpb.de<\/a>; <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/pdf_pdflib\/pdflib-39285.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/pdf_pdflib\/pdflib-39285.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a>). Die Texte stammen von P\u00f6tzsch, Horst: <em>Die Deutsche Demokratie<\/em>. 5. \u00fcberarb. u. akt. Aufl., Bonn: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, 2009.<\/li><li>Die Bundeszentrale hat eine Reihe von <strong>Lernmaterialien f\u00fcr den Unterricht \u00fcber das Grundgesetz<\/strong> auf ihrer <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bpb.de\/lernen\/themen-im-unterricht\/215246\/grundgesetz\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bpb.de\/lernen\/themen-im-unterricht\/215246\/grundgesetz\" target=\"_blank\">Website<\/a>. Es w\u00e4re empfehlenswert und respektf\u00f6rdernd, sich mit den Grundlagen der Materie vertraut zu machen, bevor man dar\u00fcber redet oder schreibt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die auf allerlei Ebenen der \u201eObrigkeit\u201c veranlassten Beschr\u00e4nkungen betreffs der Gottesdienste (Religions- und Versammlungsfreiheit) hat die berechtigte Sorge ausgel\u00f6st, ob durch die unterschiedlichen Beurteilungen der Situation innerhalb der Gemeinden nicht eine <strong>Gef\u00e4hrdung der inner- und intergemeindlichen Einheit der Christen<\/strong> darstellt. Dies ist wohl leider zu bejahen. Auch hier sollte man sich die alte Gerichtsfrage stellen: <em>Cui bono<\/em> \u2013 <em>Wem n\u00fctzt es?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Folgende zwei Stellungnahmen aus Deutschland sind lesenswert, weil sie die unterschiedlichen Sichtweisen und Einstellungen im Freikirchenbereich deutlich zu erkennen geben. Die besseren Argumente hat wohl das Papier der ERB Frankfurt, das lehrhafte Fundament dazu liefert die ebenfalls angegebene Predigt von T. Riemenschneider:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong><em>Jesus im Mittelpunkt behalten \u2013 trotz Corona<\/em><\/strong> (backup <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/logikos.club\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/145-Michael_Kotsch_und_andere-Jesus_im_Mittelpunkt_behalten-trotz_Corona.pdf\" data-type=\"URL\" target=\"_blank\">PDF<\/a>) von Michael Kotsch u.a. vom 04.01.2021, der auch in der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/kfg.org\/zeitschrift\/\" target=\"_blank\">Zeitschrift der KfG<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/li><li><strong><em>Jesus im Mittelpunkt behalten \u2013 trotz Corona. Biblische Widerlegung des Thesenpapiers \u201eJesus im Mittelpunkt behalten \u2013 trotz Corona\u201c<\/em><\/strong> (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.erb-frankfurt.de\/uploads\/7\/2\/8\/8\/72886935\/stellungnahme_corona-thesenpapier__9.3.2021_.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.erb-frankfurt.de\/uploads\/7\/2\/8\/8\/72886935\/stellungnahme_corona-thesenpapier__9.3.2021_.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a>) der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.erb-frankfurt.de\/aktuelles.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.erb-frankfurt.de\/aktuelles.html\" target=\"_blank\">ERB Frankfurt<\/a>  vom 09.03.2021.<\/li><li><strong><em>Unterordnung und Widerstand (R\u00f6mer 13, 1\u20137)<\/em><\/strong> (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/youtu.be\/A51QQl6t9f0\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/youtu.be\/A51QQl6t9f0\" target=\"_blank\">Video<\/a> auf YouTube) \u2013 Eine <strong>sehr empfehlenswerte Predigt<\/strong> von Tobias Riemenschneider zu einem der am h\u00e4ufigsten missbrauchten Texte zum Thema &#8222;Christ und Staat&#8220;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Nach Erscheinen dieses BLOGS hat sich ein sehr guter, anonymer Diskussionsbeitrag in der Zeitschrift \u201efest und treu\u201c (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/clv.de\/fest-treu-1-2021\/2552101\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/clv.de\/fest-treu-1-2021\/2552101\" target=\"_blank\">No. 173, 01\/2021<\/a>) mit dem <strong>be\u00e4ngstigend geschichtsblinden <em>vorlaufenden Gehorsam<\/em><\/strong>  in allerlei Gemeindekreisen gegen\u00fcber \u201eobrigkeitlichen\u201c Anordnungen unserer Zeit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die verfassungsm\u00e4\u00dfige Fehlbehandlung durch Angeh\u00f6rige des Bundestags wird  in folgendem Beitrag von Professor Lepsius deutlich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em><strong>Das verfassungsrechtliche Argument hat es schwer<\/strong><\/em> von Prof. Dr. Oliver Lepsius, LL.M. (Chicago), Lehrstuhl f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht und Verfassungstheorie an der WWU M\u00fcnster, als Gastbeitrag f\u00fcr die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/corona-verfassungsrecht-kritik-hirte-kingreen-tweet-rechtswissenschaft-bundestag-experten\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/corona-verfassungsrecht-kritik-hirte-kingreen-tweet-rechtswissenschaft-bundestag-experten\/\" target=\"_blank\">Legal Tribune Online (LTO) vom 05.02.2021<\/a>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Die Diskussion von \u00bbKirche und Staat in Deutschland\u00ab<\/strong> ist u. a. seit vielen Jahren Gegenstand der sog. Essener Gespr\u00e4che (s. insbes. Essener Gespr\u00e4che 39 (2005)). Es muss daran erinnert werden, dass die Situation in Deutschland bez\u00fcglich des Kirchenrechts eine besondere ist, und dass die Vorgaben der Weimarer Verfassung (WRV) bez\u00fcglich der gleichzeitigen Trennung <em>und<\/em> Kooperation von Kirche und Staat in einem s\u00e4kularen freiheitlichen Staat ohne Staatskirche(n) explizit in das Grundgesetz \u00fcbernommen wurden (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_140.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_140.html\" target=\"_blank\">Art. 140 GG<\/a>: \u00bbDie Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.\u00ab). Das GG schlie\u00dft mit der Neutralit\u00e4t des Staates einerseits eine Staatskirche f\u00fcr die BRD aus, andererseits realisiert es keinen laizistischen Staat (wie z. B. Frankreich). Religion darf auch im \u00f6ffentlichen Raum sichtbar sein (und die Pr\u00e4gung der Rechtskultur der BRD durch das Christentum ist immer noch wahrnehmbar), aber der deutsche Staat legitimiert sich und sein Recht nicht mehr unter Bezugnahme auf die christliche (oder eine andere) Religion. <strong>Das aus der Wahrheit der Heiligen Schrift entnommene Mandat des Staates (\u201eObrigkeit\u201c) seitens Gottes wird im Prinzip vom Staat geleugnet, die \u00bbVerantwortung vor Gott\u00ab (Pr\u00e4ambel des GG) ist damit eine leere Formel. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gottesanma\u00dfung #1. <\/strong>Insofern der Staat sich f\u00fcr das \u201eirdische Heil\u201c seiner B\u00fcrger zust\u00e4ndig erkl\u00e4rt (die Kirchen wirken arbeitsteilig f\u00fcr das \u201ehimmlische Heil\u201c, d\u00fcrfen sich aber auch in Diakonie\/Caritas und Ausbildung engagieren), und den Wohlfahrtsstaat als s\u00e4kularisierte Heilsveranstaltung anstrebt, haben wir es mit einer Form der <strong><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zivilreligion\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zivilreligion\" target=\"_blank\">Zivilreligion<\/a><\/em><\/strong> zu tun. B\u00f6ckenf\u00f6rde schreibt dazu: \u00bbDer Staat, auf die inneren Bindungskr\u00e4fte nicht mehr vertrauend oder ihrer beraubt, wird dann auf den Weg gedr\u00e4ngt, <strong>die Verwirklichung der sozialen Utopie zu seinem Programm zu erheben<\/strong>. \u2026 Man darf bezweifeln, ob das prinzipielle Problem, dem er auf diese Weise entgehen will, dadurch gel\u00f6st wird.\u00ab (B\u00f6ckenf\u00f6rde, Ernst-Wolfgang: <em>Demokratische Willensbildung und Repr\u00e4sentation<\/em>, in: Isensee, Josef\/ Kirchhof, Paul (Hrsg.): <em>Handbuch des Staatsrechts. Band III: Demokratie und Bundesorgane<\/em>, 3. Aufl. (Heidelberg, 2005), S. 31-53 (\u00a7 34)). <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Erwartet der Christ Wohlstand und Gesundheit vom Staat, hat er seinen Gott vergessen.<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gottesanma\u00dfung #2. <\/strong>Dem B\u00fcrger des Wohlfahrtsstaates wird zunehmend (und entgegen dem Sinn und der Aussage des GG, s. o.) vermittelt, dass <em>der Staat<\/em> ihm Freiheiten und Menschenrechte gebe und daher das Recht habe, diese auch wieder zu nehmen. Der biblische Grundgedanke der Menschenrechte ist jedoch, dass diese dem Menschen bereits vor Einrichtung jeglicher Staatsform in den <em>g\u00f6ttlichen<\/em> Mandaten mitgegeben wurden, es also <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">legitime Aufgabe des nachgeordneten Staates nur sein kann, diese als h\u00f6heres Recht anzuerkennen und im Rahmen des g\u00f6ttlichen Mandats zu sch\u00fctzen und zu bewahren (R\u00f6mer 13,3\u20134)<\/span><\/strong>.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gottesanma\u00dfung #3.<\/strong> Da die Herrschaft Christi sich nach der Heiligen Schrift nicht auf seine (christliche) Kirche beschr\u00e4nkt, sondern <strong>alles umfasst und \u00fcber allem steht<\/strong>, ist das Verst\u00e4ndnis eines (von Gott) emanzipierten Staates zwingend stets auch ein Gegenentwurf zum biblischen Gottesverst\u00e4ndnis und entsprechend verankerten Christentum, d. h. <em><strong>G\u00f6tzendienst<\/strong><\/em>. <strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Die Priorit\u00e4tsfrage lautet f\u00fcr den Christen nicht: \u201eChrist oder Staat?\u201c, sondern schon immer: \u201eChristus oder C\u00e4sar?\u201c. <\/span><\/strong>Siehe einf\u00fchrend dazu:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Stefan Muckel, <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwi7qsDaut_vAhUy8LsIHfZkBzQQFjAAegQICBAD&amp;url=http%3A%2F%2Frevistes.eapc.gencat.cat%2Findex.php%2Frcdp%2Farticle%2Fdownload%2F2115%2Fn33-muckel-de.pdf&amp;usg=AOvVaw27V_vwWcg4d6CeUVcaRxua\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwi7qsDaut_vAhUy8LsIHfZkBzQQFjAAegQICBAD&amp;url=http%3A%2F%2Frevistes.eapc.gencat.cat%2Findex.php%2Frcdp%2Farticle%2Fdownload%2F2115%2Fn33-muckel-de.pdf&amp;usg=AOvVaw27V_vwWcg4d6CeUVcaRxua\" target=\"_blank\">Staat und Kirche in Deutschland<\/a><\/em> (2006) und <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwi7qsDaut_vAhUy8LsIHfZkBzQQFjABegQIAhAD&amp;url=https%3A%2F%2Fm.bpb.de%2Fsystem%2Ffiles%2Fpdf%2F1KN8RZ.pdf&amp;usg=AOvVaw0Q2XNYWp8VcOoTTwAJ34dU\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwi7qsDaut_vAhUy8LsIHfZkBzQQFjABegQIAhAD&amp;url=https%3A%2F%2Fm.bpb.de%2Fsystem%2Ffiles%2Fpdf%2F1KN8RZ.pdf&amp;usg=AOvVaw0Q2XNYWp8VcOoTTwAJ34dU\" target=\"_blank\">Zur Trennung von Religion und Politik im s\u00e4kularisierten Verfassungsstaat. Grundlagen und aktuelle Fragestellungen<\/a><\/em> (2010).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Speziell zu staatlichen \u00dcbergriffen mit Begr\u00fcndungsfiguren, die sich der COVID-19-Pandemie bedienen, hat Dr. Wolfgang Nestvogel, Pastor der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.beg-hannover.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.beg-hannover.de\/\" target=\"_blank\">Bekennenden Evangelischen Gemeinde Hannover (BEG)<\/a>, auf seiner pers\u00f6nlichen Website eine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.wolfgang-nestvogel.de\/bonusmaterial\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.wolfgang-nestvogel.de\/bonusmaterial\/\" target=\"_blank\"><strong>Materialsammlung zu Corona<\/strong><\/a> bereitgestellt. Sie umfasst medizinische, juristische, wissenschaftliche und andere Stellungnahmen. Die Gemeinde BEG wehrt(e) sich auch juristisch gegen \u00fcbergriffige Grundrechtsbeschneidungen durch die \u201eObrigkeit\u201c, und versucht so, die im GG verankerte Gewaltenteilung in der BRD fruchtbar zum Wohl der B\u00fcrger und Christen einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Parallelen in den USA und Canada. <\/strong>Ein aktueller Beispielsfall staatlicher Oppression gegen einen Pastor in Kanada und seine Gemeinde wird <a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1904\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1904\">hier<\/a> angesprochen. Eine Vielzahl von F\u00e4llen ist auch in den USA, vor allem in von Angeh\u00f6rigen der <em>Democratic Party <\/em>regierten Staaten \u2013wie Kalifornien und New York\u2013, bekannt geworden. Zu beachten ist hier, dass in Kanada die <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.justice.gc.ca\/eng\/csj-sjc\/rfc-dlc\/ccrf-ccdl\/rfcp-cdlp.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.justice.gc.ca\/eng\/csj-sjc\/rfc-dlc\/ccrf-ccdl\/rfcp-cdlp.html\" target=\"_blank\">Canadian C<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/laws-lois.justice.gc.ca\/eng\/Const\/page-12.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/laws-lois.justice.gc.ca\/eng\/Const\/page-12.html\" target=\"_blank\">harta of Rights and Freedoms<\/a><\/em> gilt, in den USA die <em>Constitution<\/em> und <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.archives.gov\/founding-docs\/bill-of-rights-transcript\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.archives.gov\/founding-docs\/bill-of-rights-transcript\" target=\"_blank\"><em>The Bill of Rights<\/em> mit ihren <em>Amendments<\/em><\/a>. Etliche Autoren in DACH realisieren diese unterschiedliche Rechtslage nicht, sondern scheren alles undifferenziert \u00fcber einen Kamm. Man sollte nicht vergessen, dass die \u201ePilgerv\u00e4ter\u201c einst Europa verlassen haben, weil sie mit Gef\u00e4ngnisstrafen und Exekutionstod durch die \u201eObrigkeit\u201c (!) bedacht wurden, wenn sie sich frei versammeln und dabei die Bibel lesen oder predigen wollten. Schon damals gab es eine \u201eAnti-Kirche\u201c, die die Verfolgung Andersdenkender und Andersgl\u00e4ubiger massiv und vor keinen Ma\u00dfnahmen sich scheuend vorantrieb (z. B. <em>Inquisition<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Nachtrag zu Roger Liebi<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Schweizer Theologe <strong>Dr. Roger Liebi<\/strong>, dessen Ausf\u00fchrungen zum gemeinsamen Singen in der christlichen Gemeinde oben untersucht wurden, lieferte  in seinem \u201eNews-Letter\u201c vom 10. Juli 2021 folgenden pers\u00f6nlichen Hintergrund bzgl. Covid19: <\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAnfangs Dezember wurde ich jedoch von Covid19 sehr stark betroffen. Der HERR nahm mich damit einige Wochen aus allem Betrieb heraus. Nach l\u00e4ngerer Krankheitszeit, verbunden mit einer sehr schweren Lungenentz\u00fcndung inkl. Erstickungshusten, einem massiven Angriff der Corona-Viren auf die Leber (Hepatitis) und Schwindel, durfte ich weitestgehend wieder genesen. Es hat aber mehr als 6 Monate gebraucht, um zumindest fast wieder zur selben Kraft zu kommen wie davor.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Seine oben zitierten Ausf\u00fchrungen m\u00f6gen daher auch vom pers\u00f6nlichen Erleben der Krankheit beeinflusst worden sein. (Seine Frau \u00bbhatte sich nach einer Woche Krankheit (wie eine schwere Grippe) relativ schnell von Covid19 erholt\u00ab.) Mit seinem internationalen Reisedienst geh\u00f6rt Roger Liebi leider zu der Gruppe von Menschen, die es erst m\u00f6glich gemacht haben, dass Seuchen und \u201ePandemien\u201c sich so rasend schnell auf dem Erdkreis verbreiten k\u00f6nnen. Auch sein aktueller Kalender ist mit internationalen Reisen und Einladungen Anderer zu solchen Reisen best\u00fcckt, auch in L\u00e4nder hoher Inzidenzwerte trotz hoher Impfquote.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den Auflagen von Regierungen und nachgeordneten Stellen wegen der sog. \u201eCOVID-19-Krise\u201c geh\u00f6r(t)en auch Verbote oder Einschr\u00e4nkungen bzgl. der Gemeindeversammlung und speziell des Gemeindegesangs. W\u00e4hrend einschr\u00e4nkende Gesetze bzgl. der Religionsaus\u00fcbung in den USA verfassungswidrig sind (First Amendment: \u00bbCongress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof\u00ab), ist die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1680\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eZwei Reiche auf Kollisionskurs: Das gemeinsame Singen der Gemeinde angesichts \u00fcbergriffiger Verbote des Staates\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1695,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[1,93],"tags":[72,70,69,71],"class_list":["post-1680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeines","category-top12","tag-gottesdienst","tag-grundrechte","tag-menschenrechte","tag-verfassung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1680"}],"version-history":[{"count":131,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2358,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1680\/revisions\/2358"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1695"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}