{"id":1630,"date":"2021-02-17T20:18:04","date_gmt":"2021-02-17T19:18:04","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=1630"},"modified":"2023-02-28T10:36:06","modified_gmt":"2023-02-28T09:36:06","slug":"ein-glaube-ohne-werke-ist-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=1630","title":{"rendered":"Ein Glaube ohne Werke ist tot"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit Jahrtausenden haben sich Christen dar\u00fcber unterhalten und gestritten, wie Glauben und (Gute) Werke im christlichen Glauben zueinander stehen und miteinander gehen. Sogar der Reformator Martin Luther, der in der Rechtfertigungslehre des Neuen Testaments den Zentralartikel der christlichen Kirche sah, konnte mit der mahnenden Botschaft des Jakobus im Neuen Testament und seiner Aussage, dass die (guten) Werke zur Rechtfertigung f\u00fchren, eher wenig anfangen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Was n\u00fctzt es, meine Br\u00fcder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? Kann etwa der Glaube ihn erretten? &#8230;<br><em><em>So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, <strong>in sich selbst tot<\/strong>.<\/em><\/em> &#8230;<br>Willst du aber erkennen, o nichtiger Mensch, dass der Glaube ohne die Werke <strong>tot<\/strong> ist?<\/p>\n<cite><em>Jakobus 2,14.17.20 (ELBCSV 2003)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zu schnell wurde ein Gegensatz oder Widerspruch zwischen den Aussagen des Apostels Paulus und des Jakobus wahrgenommen oder behauptet. Beide sind jedoch in der Sache ohne jeglichen Widerspruch. Problematisch ist nur, wenn man den Begriff <em>\u201e<\/em>Rechtfertigung<em>\u201c<\/em> beider Schreiber als identisch in der Blickrichtung ansieht. Beide Schreiber meinen mit <em>\u201e<\/em>rechtfertigen<em>\u201c<\/em> dasselbe: <em>\u201e<\/em>gerecht gesprochen zu werden<em>\u201c<\/em>. Paulus spricht jedoch von der Rechtfertigung eines S\u00fcnders vor Gott und durch Gott alleine, w\u00e4hrend Jakobus von der Rechtfertigung eines Gl\u00e4ubigen durch seine Glaubenswerke angesichts einer beobachtenden Welt spricht: seine Glaubenswerke weisen seinen Glauben als echt aus. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beide Glaubenslehrer stehen sich also nicht mit \u00fcberkreuzten Klingen gegen\u00fcber, sondern sie verteidigen die selbe biblische Wahrheit R\u00fccken an R\u00fccken gegen unterschiedliche Feinde dieser Lehre<\/strong>: Paulus gegen jene, die mit eigener Fr\u00f6mmigkeit und Werken sich die Annahme bei Gott erarbeiten wollen, Jakobus gegen jene, die meinen, der rettende Glaube in Christus habe nichts mit einem entsprechenden Weg in guten Werken des Glaubens zu tun. Allerdings muss man festhalten, dass beide Schreiber beide Aspekte kennen und lehren. Wenden wir uns zuerst dem Fundamentalartikel der <em>Rechtfertigung allein aus Glauben<\/em> zu.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Schrift lehrt einstimmig die Rechtfertigung \u00bballein aus Glauben\u00ab<\/h3>\n\n\n\n<p>Sowohl Paulus wie Jakobus halten einm\u00fctig und mit der selben zentralen Belegstelle der Schrift fest, dass die Gerechterkl\u00e4rung des S\u00fcnders durch Gott <strong>alleine auf der Grundlage des Glaubens<\/strong> (d. i. alleine <strong>mittels<\/strong> des Glaubens) erfolgt. Beide deuten auf das Glaubensvorbild Abraham und zitieren als Schriftbeleg 1. Mose 15,6: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Und <strong>die Schrift<\/strong> wurde erf\u00fcllt, die sagt: \u201eAbraham aber <strong>glaubte<\/strong> Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet\u201c, und er wurde Freund Gottes genannt.<\/p>\n<cite><em>Jakobus 2,23 (ELBCSV 2003)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Denn was sagt <strong>die Schrift<\/strong>? \u201eAbraham aber <strong>glaubte<\/strong> Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.\u201c<\/p>\n<cite><em>R\u00f6mer 4,3 (ELBCSV 2003)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Etliche Jahre nach Jakobus schreibt der Apostel Paulus also, dass die Rechtfertigung des S\u00fcnders, also seine F\u00fcr-gerecht-Erkl\u00e4rung seitens Gottes, eine exklusive Sache Gottes ist, die <strong>mittels<\/strong> des Glaubens und <strong>nur<\/strong> aufgrund des Glaubens, also unter Ausschluss der Anrechnung von Werken (\u00bbGesetzeswerken\u00ab), erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden.<\/em> &#8230; Denn wir urteilen, dass ein Mensch <strong>durch Glauben gerechtfertigt<\/strong> wird, <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">ohne Gesetzeswerke<\/span>. &#8230;<br>Dem aber, <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">der nicht wirkt<\/span>, sondern an den <strong>glaubt<\/strong>, der den Gottlosen rechtfertigt, wird <strong>sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet<\/strong>;<\/p>\n<cite>R\u00f6mer 3,20a.28; 4,5 (ELBCSV 2003)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Denn durch die Gnade seid ihr errettet, <strong>mittels des Glaubens<\/strong>; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">nicht aus Werken<\/span>, damit niemand sich r\u00fchme.<\/p>\n<cite>Epheser 2,8-9 (ELBCSV 2003)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Da die Rechtfertigung nach der Schrift \u00bballein durch Glauben\u00abgeschieht, stellt dies sicher, dass alle Ehre allein Gott zukommt. Sind wir nicht aufgrund eigener Werke, sondern alleine durch das rettende Werk Jesu gerechtfertigt, dann geb\u00fchrt alles Lob f\u00fcr unser Heil alleine Ihm. Die Absicht Gottes mit der Rechtfertigung ist also \u2013 wie bei allen anderen Aspekten des Evangeliums auch \u2013 die Offenbarung und Verherrlichung Gottes: <strong>Soli Deo Gloria.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die reformatorische Position zu Glauben und Werken<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieses \u00bballein durch Glauben\u00ab haben die Reformatoren in ihren grundlegenden vier Exklusivpartikeln mit <em><strong>sola fide<\/strong><\/em> bezeichnet: <strong>Allein<\/strong> durch den <strong>Glauben<\/strong> wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke. Dies ist wegen der Altlasten der r\u00f6misch-katholischen Theologie und der menschlichen Wesensneigung, sich durch eigene Anstrengungen den Weg in den Himmel zu bahnen und sich die Anerkennung seitens Gottes zumindest teilweise zu verdienen, nicht unwidersprochen geblieben. <\/p>\n\n\n\n<p>Martin Luther erkl\u00e4rte 1531 in seiner Wittenbergschen Vorlesung \u00fcber den Galaterbrief (1535 schriftlich gefasst von Georg R\u00f6rer aus seinen Mitschriften) folgendes \u00fcber Glauben und Werke (zu Galater 2,19):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Daher sagen wir auch, da\u00df der <strong>Glaube ohne Werke nichts und nichtig<\/strong> ist. Das verstehen die Papisten und Schw\u00e4rmer so: der Glaube ohne Werke kann nicht rechtfertigen, oder der Glaube ohne Werke, wenn er noch so wahr ist, vermag nichts, wenn er nicht Werke hat. Das ist falsch. Aber ein Glaube ohne Werke, will sagen ein schw\u00e4rmerischer Gedanke und ein leeres Geschw\u00e4tz und ein Traum des Herzens, <strong>ein solcher Glaube ist falsch und rechtfertigt nicht<\/strong>.<\/p>\n<cite>Martin Luther, <em>Der Galaterbrief.<\/em> 2. Auflage. G\u00f6ttingen: Vadenhoeck &amp; Ruprecht, 1987. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/digi20.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb00040627_00101.html?contextSort=sortKey%2Cdescending&amp;contextRows=10&amp;context=Werke&amp;zoom=1.50\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/digi20.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb00040627_00101.html?contextSort=sortKey%2Cdescending&amp;contextRows=10&amp;context=Werke&amp;zoom=1.50\" target=\"_blank\">Textquelle digital<\/a>.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Johannes Calvin war vielleicht der erste Reformator, der gegen die falsche r\u00f6misch-katholische Lehre Stellung bezog, die das Konzil zu Trient (6. Sitzung <em>Cum hoc tempore<\/em> (1547) \u00fcber die Rechtfertigung, 9. und 11. Kanon) wie folgt formuliert hatte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>9. Wenn jemand sagt, der S\u00fcndhafte werde <strong>allein durch den Glauben gerechtfertigt<\/strong>; so dass er damit versteht, es werde nichts anderes, das zur Erlangung der Rechtfertigungsgnade mitwirke, erfordert, und es sei keinen Teils notwendig, dass er sich aus Antrieb seines Willens dazu vorbereite, und bereitsam mache, <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">der sei im Bann<\/span>.<br>11. Wenn jemand sagt, die Menschen werden <strong>gerechtfertigt entweder allein durch die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi<\/strong>, oder allein durch die Nachlassung der S\u00fcnden, mit Ausschluss der Gnade und der Liebe, welche durch den Heiligen Geist (R\u00f6m 5,5) in ihre Herzen ausgegossen wird, und ihnen innehaftet, oder auch, die Gnade, durch welche wir gerechtfertigt werden, sei nur eine Gunst Gottes, <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">der sei im Bann<\/span>.<\/p>\n<cite>Deutsche Textquelle: http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php?title=Cum_hoc_tempore [16.02.2021]<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Calvin schrieb im gleichen Jahr (1547) eine Antwort auf die Konzilsbeschl\u00fcsse und formulierte zum biblischen Zusammenhang von Glauben und Werken u. a. folgendes:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich m\u00f6chte, dass der Leser versteht, dass wir, wenn wir in dieser Frage vom <em>\u201e<\/em>Glauben allein<em>\u201c<\/em> reden, nicht an einen toten Glauben denken, welcher nicht durch die Liebe wirkt, sondern dass wir daran festhalten, dass der Glaube allein die Ursache der Rechtfertigung ist (Galater 5,6; R\u00f6mer 3,22). Daher ist es <strong>allein der Glaube, welcher rechtfertigt<\/strong>, und <strong>trotzdem steht jener Glaube, welcher rechtfertigt, nicht alleine da: <\/strong>Genauso wie es allein die Hitze der Sonne ist, welche die Erde erw\u00e4rmt, so ist doch die Hitze der Sonne nie alleine, weil sie best\u00e4ndig mit dem Licht verbunden ist.<\/p>\n<cite>Johannes Calvin, <em>Antidote to the Canons of the Council of Trent<\/em>, in: Henry Beveridge (\u00dcbs.). Tracts and Treatises in Defense of the Reformed Faith. 1851. Nachdruck (Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1958) Bd. 3. S. 152. \u00dcbers. des Verf.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Eine weitere Spur davon kann man in der <em>\u201e<\/em>Konkordienformel<em>\u201c<\/em> (<em>Formula <\/em><i>Concordia<\/i>, 1580) nachvollziehen, welche einen Versuch darstellt, Zerw\u00fcrfnisse beizulegen, die nach Luthers Tod zwischen der eher milden Melanchthonschen Richtung (Philippismus) und der eher streng lutherischen Richtung (Gnesiolutheraner) entstanden waren. Unter <strong>Artikel III. Von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott<\/strong> wird Folgendes als rechtgl\u00e4ubig best\u00e4tigt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>8) Wir gl\u00e4uben, lehren und bekennen, da\u00df, obwol vorgehende Reu und nachfolgende gute Werk nicht in den Artikel der Rechtfertigung vor GOtt geh\u00f6ren, jedoch sol nicht ein solcher Glaube gedichtet werden, der bey und neben einem b\u00f6sen Vorsatz zu s\u00fcndigen, und wider das Gewissen zu handeln, seyn und bleiben k\u00f6nte; sondern nachdem der Mensch <strong>durch den Glauben gerechtfertiget worden<\/strong>, alsdann ist ein warhaftiger lebendiger Glaube <span style=\"text-decoration: underline;\">durch die Liebe th\u00e4tig<\/span>, Galat. 5 [v. 6]. <strong>Also, da\u00df die gute Werk dem gerechtmachenden Glauben <span style=\"text-decoration: underline;\">allzeit folgen<\/span> und bei demselben, da er rechtschaffen und lebendig, gewislich erfunden werden; wie er denn nimmer allein ist, sondern allzeit Liebe und Hoffnung bey sich hat.<\/strong> &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-size: inherit;\"><\/span><\/p>\n<cite><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konkordienformel\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konkordienformel\" target=\"_blank\">Formula Concordiae<\/a> Epitome. Summarischer Begrif der streitigen Artikel, zwischen (&#8230;)<\/em>, <em>Artikel III. Von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott<\/em>, Punkt 8 (1577). <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/digitale.bibliothek.uni-halle.de\/vd18\/content\/pageview\/7249803\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/digitale.bibliothek.uni-halle.de\/vd18\/content\/pageview\/7249803\" target=\"_blank\">Textquelle<\/a> (Druck von Gebauer, Halle, 1747), S. 16 [850]. Betonung mit Unterstreichung ist im Original mit Sperrdruck geschehen. Fettdruck hinzugef\u00fcgt.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Unter <strong>Artikel IV. Von guten Werken <\/strong>wird Folgendes hinzugef\u00fcgt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>1) Da\u00df gute Werke dem warhaftigen Glauben, wann derselbige nicht ein todter, sondern ein lebendiger Glaube ist, gewislich und ungezweifelt <span style=\"text-decoration: underline;\">folgen<\/span> als <strong>Fr\u00fcchte<\/strong> eines guten Baums.<br>2) Wir gl\u00e4uben, lehren und bekennen auch, da\u00df die guten Werke gleich so wol, wenn von der <span style=\"text-decoration: underline;\">Seligkeit<\/span> gefraget wird, als im Artikel der <span style=\"text-decoration: underline;\">Rechtfertigung vor GOtt<\/span> g\u00e4nzlichen ausgeschlossen werden sollen, wie der <span style=\"text-decoration: underline;\">Apostel<\/span> mit klaren Worten bezeuget, da er also geschrieben: &#8230; R\u00f6m. 4. [v. 6.7.]  Und abermals: &#8230; Ephes. 2. [v. 8. 9.] (&#8230;)<br>10) Wir gl\u00e4uben, lehren und bekennen auch, da\u00df den Glauben und die Seligkeit in uns nicht die Werke, sondern allein der Geist GOttes die Seligkeit durch den Glauben erhalte, des Gegenw\u00e4rtigkeit und Inwonung die guten Werke <strong>Zeugen<\/strong> seyn.<\/p>\n<cite><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konkordienformel\" target=\"_blank\">Formula Concordiae<\/a> <em>Epitome. Summarischer Begrif der streitigen Artikel, zwischen (&#8230;)<\/em>, <em>Artikel IV. Von guten Werken<\/em>. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/digitale.bibliothek.uni-halle.de\/vd18\/content\/pageview\/7249806\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/digitale.bibliothek.uni-halle.de\/vd18\/content\/pageview\/7249806\" target=\"_blank\">Textquelle<\/a> (Druck von Gebauer, Halle, 1747), S. 18\u201320 [852\u2013854]. Betonung mit Unterstreichung ist im Original mit Sperrdruck geschehen. Fettdruck hinzugef\u00fcgt.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Will man die biblische Lehre (wie sie im reformatorischen Glauben auch erfasst wurde) sehr vereinfacht mit pr\u00e4gnanten Formeln zusammenfassen, so mag dies so aussehen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-vivid-red-color\">Zu verwerfen:    <strong>Glaube + Werke = Rechtfertigung.<\/strong><\/mark><br>Festzuhalten:     <strong>Glaube = Rechtfertigung + Werke<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Glaube, mittels dessen Gott die Rechtfertigung ausspricht, ist stets ein Glaube, der als <strong>lebendiger<\/strong> Glaube auch entsprechende Glaubenswerke zeitigt. Fehlen solche Werke, obwohl Glaube behauptet wird, so lautet die biblische Diagnose: dieser Glaube ist <strong>tot<\/strong>, er <strong>rettet nicht<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Schrift lehrt einstimmig, dass rettender Glaube und Glaubenswerke wesensartig zusammen geh\u00f6ren<\/h3>\n\n\n\n<p>Man muss also klar zwischen Glauben und Werken <strong>unterscheiden<\/strong>, aber man darf und kann sie \u2013wie die beiden Seiten derselben M\u00fcnze\u2013 nicht voneinander <strong>trennen<\/strong>, ohne die ganze Sache zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Paulus wie Jakobus lehren, dass ein von jemand behaupteter Glaube ohne Werke tot und damit im Wesen (Jakobus: \u00bbin sich selbst\u00ab) nicht der rettende Glaube ist. Die Lebendigkeit (und damit Echtheit) des rettenden Glaubens wird sich stets beweisen in seiner von g\u00f6ttlicher Liebe motivierten Wirksamkeit:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, <strong>in sich selbst tot<\/strong>.<\/p>\n<cite>Jakobus 2,17 (ELBCSV 2003)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Denn wir erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit. Denn in Christus Jesus vermag weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern <strong>der Glaube, der durch die Liebe wirkt<\/strong>.<\/p>\n<cite><em>Galater 5,5-6 (ELBCSV 2003)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wegen dieses wesensartigen Zusammenhangs kann der Apostel Johannes diesen in seinem Ersten Brief in die Reihe seiner Gotteskind-Pr\u00fcfsteine mit aufnehmen. \u00bbIhn kennen\u00ab markiert den Empfang des ewigen Lebens (Gotteskindschaft), \u00bbseine Gebote halten\u00ab das Kindeswesen der Liebe gegen\u00fcber Gott, das sich im Gehorsam \u00e4u\u00dfert (vgl. 5. Mose 6,4ff).<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Und hieran wissen wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. <strong>Wer sagt: Ich kenne ihn, und h\u00e4lt seine Gebote nicht, ist ein L\u00fcgner, und in diesem ist die Wahrheit nicht.<\/strong> Wer aber irgend sein Wort h\u00e4lt, in diesem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran wissen wir, dass wir in ihm sind. (&#8230;)<br>Hieran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir <strong>Gott lieben und seine Gebote halten<\/strong>. <span style=\"font-size: inherit;\"><strong>Denn dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten<\/strong>, und seine Gebote sind nicht schwer.<\/span><\/p>\n<cite>1. Brief des Johannes 2,3\u20135; 5,2\u20133 (ELBCSV 2003); vgl. 3,22.24<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Weil die Lebensbekundungen des neuen Lebens in Christus kein Mechanismus ist, sondern nach Philipper 2,12\u201313 vielmehr ein wesenseigenes Wirken des glaubenden, gottesf\u00fcrchtigen Menschen, zu dem er Dank Gottes Wirken in ihm sowohl motiviert als auch bef\u00e4higt ist, sind diese Lebenserweise des Glaubenden wachst\u00fcmlich und damit stets unvollkommen. (Erg\u00e4nzend sei bemerkt, dass mit \u00bbeuer eigenes Heil\u00ab nicht die ewige Errettung der Philipper gemeint ist, denn diese hatten sie offenbar: sie waren \u00bbHeilige in Christus Jesus\u00ab (1,1), es war ihnen von Gott geschenkt worden, \u00bban ihn zu glauben\u00ab (1,29) und ihr \u00bbB\u00fcrgertum war in den Himmeln\u00ab (3,20). Paulus forderte sie angesichts ihrer gro\u00dfen internen Probleme als Gemeinde vielmehr dazu auf, diese in einer christus\u00e4hnlichen Gesinnung von Demut und Liebe heilstiftend zu l\u00f6sen.)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Daher, meine Geliebten, &#8230; bewirkt euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, zu seinem Wohlgefallen.<\/p>\n<cite>Philipper 2,12-13 (ELBCSV 2003)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Herr Jesus Christus selbst hat den organischen (wesensartigen) Zusammenhang zwischen Glauben und neuem Leben und zwischen neuem Leben und Frucht vielfach in seinen Gleichnissen und Predigten gelehrt. Besonders eindrucksvoll ist dazu sein erstes Gleichnis vom S\u00e4mann und den vier Ackerb\u00f6den (Matth\u00e4us 13,3\u20139; 18\u201323; vgl. Markus 4,1\u201312; 13\u201320; Lukas 8,4\u201315). Anhaltende Frucht ist Beweis daf\u00fcr, dass der Same empfangen (aufgenommen) wurde und lebendig ist. Kurzfristiges Aufbl\u00fchen kann diesen Beweis nicht liefern. Die Frage nach der <strong>Quantit\u00e4t (Menge) der Frucht<\/strong> wird nur insofern angesprochen, als dass sie gr\u00f6\u00dfer Null sein muss; ob sie \u00bb30-, 60- oder 100f\u00e4ltig\u00ab ist, ist Sache des Wachstums und Wirkungsgrades, jedoch keine Anfrage an die Echtheit (<strong>Qualit\u00e4t<\/strong>) der Frucht. (Damit ist auch der Fall des gl\u00e4ubigen Verbrechers neben Christus am Kreuz gekl\u00e4rt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei der Beurteilung von Menschen, die sich als Diener Christi ausgeben (im Dienst als Christen ausgeben), verordnet Christus seinen Nachfolgern zur Urteilsfindung die Beurteilung der \u00bbFr\u00fcchte\u00ab dieser Arbeiter. Sein Argument setzt voraus, dass das Wirken eines Menschen stets in \u00dcbereinstimmung mit seinem Wesen ist, die Frucht eines Baumes identifiziert eindeutig den Baum. Der Kontrast ist hier nicht wie beim S\u00e4mann-Gleichnis zwischen (bleibender) Frucht und Fruchtlosigkeit, sondern zwischen <strong>guter und schlechter Frucht<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>An ihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen. <\/strong>Sammelt man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? So bringt jeder gute Baum gute Fr\u00fcchte, aber der faule Baum bringt schlechte Fr\u00fcchte. Ein guter Baum kann keine schlechten Fr\u00fcchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Fr\u00fcchte bringen. Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb, <strong>an ihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen.<\/strong><\/p>\n<cite><em>Matth\u00e4us 7,16-20 (ELBCSV 2003)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Christus sprach auch das altbekannte Problem an, dass die Rede und das Bekenntnis eines Menschen nicht unbedingt mit seinem Wesen und seiner Realit\u00e4t in \u00dcbereinstimmung sein m\u00fcssen. Das Ph\u00e4nomen der Heuchelei, des guten Scheins und des buchst\u00e4blichen Pharis\u00e4ertums ist ja seit dem S\u00fcndenfall ein allen Menschen anhaftendes \u00dcbel. In seiner Argumentation macht der Herr Jesus deutlich, dass wir die Werke eines Menschen genau ansehen m\u00fcssen, um sein Bekenntnis zu pr\u00fcfen, das <strong>Sagen<\/strong> eines Menschen muss vom <strong>Tun<\/strong> her beurteilt werden, und zwar danach, ob es Ausdruck des Gehorsams gegen Gottes Willen ist:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Nicht jeder, der zu mir <strong>sagt<\/strong>: \u201eHerr, Herr!\u201c, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters <strong>tut<\/strong>, der in den Himmeln ist.<\/p>\n<cite>Matth\u00e4us 7,21 (ELBCSV 2003)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber den elf glaubenden Aposteln erkl\u00e4rt der Herr Jesus, dass das Geheimnis anhaltenden und sich steigernden Fruchtbringens die Lebensverbindung mit Ihm selbst ist (Johannes 15,1\u20138): <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn au\u00dfer mir k\u00f6nnt ihr nichts tun.<\/p>\n<cite>Johannes 15,5 (ELBCSV 2003)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neuzeitliche Debatte<\/h3>\n\n\n\n<p>Aus der Geschichte des Volkes Gottes wissen wir, dass der Feind Gottes, der Ur-L\u00fcgner Satan, die Wahrheit immer gleichzeitig in beide Richtungen verf\u00e4lscht, um sicher von der Wahrheit wegzuf\u00fchren, egal, wie die jeweilige Neigung des Opfers seiner Verf\u00fchrung ist. Am Beispiel der Gemeinde in Korinth ist besonders gut zu beobachten, dass der Teufel seinen Irrtum immer in Paaren der Extreme serviert. C. S. Lewis (1898-1963) schrieb in <em>Mere Christianity <\/em>(dt.: <em>Pardon, ich bin Christ<\/em>): \u00bbDer Teufel versucht, uns ein Schnippchen zu schlagen. Er schickt der Welt die Irrt\u00fcmer immer paarweise auf den Hals, in Paaren von Gegens\u00e4tzen. Und er stiftet uns st\u00e4ndig dazu an, viel Zeit dadurch zu vertr\u00f6deln, nachzugr\u00fcbeln, welches der schlimmere Irrtum sei. Der Grund daf\u00fcr liegt auf der Hand: Er baut auf unseren tiefen Unwillen gegen den einen Irrtum, um uns Schritt f\u00fcr Schritt in den anderen hineinzuziehen.\u00ab <\/p>\n\n\n\n<p>Die biblische Mitte, die g\u00f6ttlich geoffenbarte Wahrheit nach <em>\u201e<\/em>links<em>\u201c<\/em> und <em>\u201e<\/em>rechts<em>\u201c<\/em> zu bewahren, ist also keine Sache, bei der wir uns schr\u00e4ge oder einseitige Blicke und Vorlieben erlauben d\u00fcrfen. Bei den Korinthern kann man beispielsweise beobachten: Das Gottesgeschenk der Sexualit\u00e4t darf weder in grenzenloser Ausschweifung missbraucht noch in asketisch-philosophischer Verweigerung verachtet werden. <em>Abusus non tollit&nbsp;usum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Frage, wie rettender Glaube und gute Werke zusammengeh\u00f6ren, kann man auf beiden Seiten vom Pferd fallen: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1) Die Einen verbinden Glauben und Werke so sehr, dass Rechtfertigung und Heiligung zu einem nicht unterscheidbaren Gemisch und Komplex werden<\/strong>, das den biblischen Grundsatz der Rechtfertigung allein aus Glauben verleugnet und die Rechtfertigung zu einem Prozess macht, den unsere Werke ma\u00dfgeblich beeinflussen. Die Folge ist meist irgendeine Form der <strong>Gesetzlichkeit<\/strong>, also jenem Verst\u00e4ndnis, dass unsere Werke zu unserem <em>ewigen<\/em> Heil beitragen. Dass die Schrift dies kategorisch ausschlie\u00dft, wurde oben schon belegt. Die r\u00f6misch-katholische Lehre h\u00e4lt bis heute an diesem Irrtum fest.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2) Die Anderen trennen Glauben und Werke kategorisch so sehr, dass der wesensartige Zusammenhang zwischen beiden verleugnet wird.<\/strong> In den gnostisch beeinflussten Str\u00f6mungen in der Christenheit f\u00fchrt dies zu einer Trennung der Dinge des Geistes (<em>\u201eoben\u201c, <em>\u201e<\/em>geistlich<em>\u201c<\/em>)<\/em> von den Dingen des Fleisches (<em>\u201eunten\u201c, <em>\u201e<\/em>irdisch<em>\u201c<\/em>)<\/em>, wobei das Geistliche das Wesentliche und Wertvolle, das Irdische aber das Unwesentliche und Wertlose sei. Von dort ausgehend irrt man dann auseinandergehend entweder zur <strong>Z\u00fcgellosigkeit<\/strong> (<strong>Antinomismus<\/strong>), weil das Irdische, Leibliche nichts mit dem Glauben zu tun habe, oder zu einem alles Irdisch-leibliche entsagenden und verachtenden <strong>Asketismus<\/strong> (h\u00e4ufig in den <em>\u201e<\/em>geweihten St\u00e4nden<em><em>\u201c<\/em><\/em> anzutreffen). Es ist aber gleichartig falsch, einem Rasputin oder dem Trappistenorden zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die amerikanischen Evangelikalen haben sich in dieser Frage ebenfalls sehr grundlegend auseinander dividiert. Leider hat sich dieser Streit durch die Medien weltweit ausgebreitet. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1) Die sog. <em>\u201e<\/em>Non-Lordship-Salvation<em><em>\u201c<\/em><\/em>-Richtung leugnet, dass der Erweis des rettenden Glaubens etwas mit einem Leben in Gottesfurcht und mit entsprechenden Glaubenswerken zu tun hat.<\/strong> Zu den Vertretern dieser falschen Richtung geh\u00f6ren bekannte Theologen wie <strong>Lewis Sperry Chafer<\/strong> (1871\u20131952), der Gr\u00fcnder und erste Pr\u00e4sident des renommierten <em>Dallas Theological Seminary<\/em> (DTS), und <strong>Charles C. Ryrie<\/strong> (1925\u20132016), Professor f\u00fcr Systematische Theologie dieser Hochburg des amerikanischen Dispensationalismus.  Ryrie war auch Gastdozent an der <em>Bibelschule Brake<\/em> in Lemgo (1998\u20132004), seine Studienbibel (NT 1976, Gesamtbibel 1978, erweitert 1994, deutsch 2012) erfreute sich gr\u00f6\u00dfter Auflagen und Verbreitung, besonders auch innerhalb der sog. <em>Br\u00fcderbewegung<\/em> (Plymouth Brethren, Elberfelder Br\u00fcder). Ryrie lehrte noch, dass die Echtheit des rettenden Glaubens in \u00bbgewissen Ver\u00e4nderungen\u00ab sichtbar wird: \u00bbMit der Errettung gehen gewisse Ver\u00e4nderungen einher, und wenn ich einige dieser Ver\u00e4nderungen sehe, dann kann ich sicher sein, das neue Leben empfangen zu haben.\u00ab (Charles C. Ryrie:&nbsp;<em>Hauptsache gerettet? Was Errettung bedeutet<\/em>, Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 1998, S. 150).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zane Clark Hodges<\/strong> (1932\u20132008), Professor am DTS, formulierte die wohl extremste Trennung von Glauben und Werken in seiner <em>Free Grace Theology<\/em>. In dieser <em>Radical No-Lordship Theology <\/em>genannten Ansicht reicht eine rein intellektuelle Zustimmung zu gewissen Heilstatsachen v\u00f6llig aus, um das ewige Heil zu erhalten. Abwendung von der S\u00fcnde, Lebens\u00fcbergabe an Christus und Gehorsam gegen\u00fcber den neutestamentlichen Geboten sind nicht Teil des rettenden Glaubens, sondern geh\u00f6ren zum Bereich der (evtl. sp\u00e4ter noch folgenden) Nachfolge bzw. christlichen Lebensf\u00fchrung. Gl\u00e4ubige k\u00f6nnen dauerhaft in die S\u00fcnde zur\u00fcckfallen und den Glauben sogar ganz aufgeben, ohne dass man daraus den Schluss ziehen d\u00fcrfe, dass diese Person nicht gerettet war und ist. Diese <em>Free Grace Theology<\/em> wendet sich zurecht gegen den <em>\u201eArminianismus\u201c<\/em>, der lehrt, dass dauerhafte S\u00fcnde oder Abfall vom Glauben den Verlust des ewigen Heils nach sich ziehe, aber sie wendet sich auch gegen die biblische Lehre, dass der hohepriesterliche Dienst Christi alle wahren Gl\u00e4ubigen bis zum Ende im Glauben erhalten wird (Lukas 22,32; 1. Korinther 1,8; vgl. Punkt 5 der Lehrregeln von Dordrecht). Der Inhalt des rettenden Evangeliums wurde von Hodge so weit eingeschr\u00e4nkt, dass man weder an das Kreuz noch an die Auferstehung Jesu glauben m\u00fcsse, sondern nur noch an die Verhei\u00dfung des ewigen Lebens. Alle Arten von Werken, vor der Neugeburt (was biblisch richtig ist) und nach der Neugeburt (was falsch ist) h\u00e4tten mit dem rettenden Glauben nichts zu tun. Die 1986 gegr\u00fcndete <em>Grace Evangelical Society<\/em> (GES) vertritt diese radikalen Ansichten heute am deutlichsten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2) Die sog. <em>\u201e<\/em>Lordship-Salvation<em>\u201c<\/em>-Richtung hingegen behauptet, dass der Erweis des rettenden Glaubens etwas mit einem Leben in Gottesfurcht und mit entsprechenden Glaubenswerken zu tun hat.<\/strong> Der bekannteste Vertreter dieser Richtung ist der kalifornische Pastor <strong>John F. MacArthur<\/strong> (*1939), ehemaliger Pr\u00e4sident von <em>The Master&#8217;s University<\/em>, <em>The Master&#8217;s Seminary<\/em> und des Missionswerks <em>Grace to You<\/em> sowie Herausgeber  der weit verbreiteten <em>MacArthur Studienbibel<\/em> (\u00fcber 2 Mio. Kopien). Seine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gracechurch.org\/about\/distinctives\/lordship-salvation\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.gracechurch.org\/about\/distinctives\/lordship-salvation\" target=\"_blank\">Zentralposition<\/a> ist, dass das Evangelium, das Jesus Christus predigte, ein Aufruf zur gehorsamen Nachfolge (J\u00fcngerschaft) ist, nicht nur eine Bitte, eine einmalige Entscheidung zu treffen oder einmal ein \u201e\u00dcbergabegebet\u201c zu sprechen. Mit au\u00dferordentlicher Klarheit vertritt MacArthur die in der Reformation wiederentdeckte biblische Lehre, dass die Rechtfertigung des S\u00fcnders und mithin sein ewiges Heil <em>allein aus Gnade<\/em>, <em>allein aus Glauben<\/em> und <em>allein in Christus<\/em> zu finden ist. Eigene Werke f\u00fcgen dem nichts hinzu, weder solche <em>vor<\/em> der Neugeburt, noch solche <em>nach<\/em> der Neugeburt von oben. Die Entkopplung des ewigen Heils vom Ruf und den Kosten der Christus-Nachfolge hingegen wird als <em>\u201eeasy believism\u201c<\/em> bezeichnet und als unbiblisch abgewiesen. Die Befreiung von den Gebundenheiten der S\u00fcnde geschieht nach der Heiligen Schrift vielmehr durch existentielle \u00dcbergabe des Lebens an Christus, was Umkehr vom t\u00f6dlichen Weg (Lebensstil) des S\u00fcnders und wirkliche Freiheit des so geretteten Menschen bedeutet. Das \u00bbWort des Glaubens\u00ab und der darauf beruhende, rettende Glaube schlie\u00dft den Glauben an Christus als <strong>Retter<\/strong> wie auch an Ihn als <strong>Herrn<\/strong> mit allen rettenden Konsequenzen ein.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, dass, wenn du mit deinem Mund <strong>Jesus als Herrn bekennst<\/strong> und <strong>in deinem Herzen glaubst<\/strong>, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber wird bekannt zum Heil.<\/p>\n<cite>R\u00f6mer 10,8-10 (ELBCSV 2003)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das H\u00f6ren, Glauben und Gehorchen ist keine extern aufgepresste Haltung des Christen, sondern das innere Wesen des an Christus Glaubenden. Wer eines Seiner Schafe (geworden) <strong>ist<\/strong>, <strong>glaubt<\/strong>, <strong>h\u00f6rt<\/strong> und <strong>folgt<\/strong> dem Sohn Gottes:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8230;aber ihr <strong>glaubt<\/strong> nicht, denn ihr seid nicht von meinen <strong>Schafen<\/strong>, wie ich euch gesagt habe. <strong>Meine Schafe h\u00f6ren meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir<\/strong>; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.<\/p>\n<cite><em>Johannes 10,26-28 (ELBCSV 2003)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Martin Luther hat es mit seinem ihm eigenen Duktus sch\u00f6n zusammengefasst:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Es reimen und schicken sich fein zusammen der Glaube und die guten Werke, [&#8230;] aber der Glaube ist es allein, der den Segen ergreift, ohne die Werke, (der) doch nimmer und zu keiner Zeit allein ist.<\/p>\n<cite>Formula Concordia, Zweiter Teil,&nbsp;<em>Solida Declaratio<\/em>, Wiederholung und Erkl\u00e4rung etlicher Artikel Augsburgischer Konfession&#8230;, III. Von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott, Nr. 41. (Orig. Luther: \u00bbBene conveniunt et sunt connexa inseparabiliter fides et opera; sed sola fides est, quae apprehendit benedictionem sine operibus, et tamen nun quam est sola.\u00ab) <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/old.bookofconcord.org\/german-sd.php\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/old.bookofconcord.org\/german-sd.php\" target=\"_blank\">Textquelle<\/a>.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>John F. MacArthur<\/strong> hat die theologische Auseinandersetzung ausf\u00fchrlich in mehreren B\u00fcchern dargestellt. Am deutlichsten wird die <em>\u201eLordship Salvation\u201c-Debatte<\/em> von ihm im Buch <em>The Gospel According to the Apostles: The Role of Works in the Life of Faith<\/em> niedergelegt (Thomas Nelson, 2005, 266 Seiten, ISBN 978-0785271802). Weitere Abhandlungen MacArthurs \u00fcber das biblische Evangelium sind folgende: <em>The Gospel According to Jesus: What Is Authentic Faith?<\/em> (Zondervan, 2009; dt.: <em>Lampen ohne \u00d6l<\/em>, <a href=\"https:\/\/clv.de\/Lampen-ohne-OEl\/255253\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/clv.de\/Lampen-ohne-OEl\/255253\">2. A<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/clv.de\/Lampen-ohne-OEl\/255253\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/clv.de\/Lampen-ohne-OEl\/255253\" target=\"_blank\">u<\/a><a href=\"https:\/\/clv.de\/Lampen-ohne-OEl\/255253\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/clv.de\/Lampen-ohne-OEl\/255253\">fl., CLV, 2012<\/a>); <em>The Gospel According to Paul: Embracing the Good News at the Heart of Paul&#8217;s Teachings <\/em>(Thomas Nelson, 2018); <em>The Gospel according to God: Rediscovering the Most Remarkable Chapter in the Old Testament<\/em> (Crossway, 2018). <\/p>\n\n\n\n<p>Der Verf\u00fchrung, das biblische Evangelium dem modernen Menschen zeitgeistm\u00e4\u00dfig schmackhaft(er) zu machen, trat MacArthur in seinem Buch <em>Hard To Believe <\/em>(Thomas Nelson, 2010) entgegen (dt.: <em>Durch die enge Pforte: Wie moderne Evangelikale den schmalen Weg breit machen.<\/em> 4. Aufl., <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.cbuch.de\/macarthur-durch-die-enge-pforte.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.cbuch.de\/macarthur-durch-die-enge-pforte.html\" target=\"_blank\">Betanien, 2016<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Joel R. Beeke<\/strong> und <strong>Steven J. Lawson<\/strong> haben die Lehraussagen des Apostel Paulus (R\u00f6m 3,21\u201328) und des Jakobus (2,14\u201326) zur Rechtfertigung ebenfalls gr\u00fcndlich untersucht und in ihrem Buch <em>Glaube und Werke sind kein Widerspruch \u2013 Paulus und Jakobus \u00fcber die Lehre der Rechtfertigung<\/em> dargelegt (Waldems-Esch: 3L-Verlag, 2021, ISBN 978-3-944799-18-6). <a href=\"https:\/\/leseproben.3lverlag.de\/863.518.pdf\" data-type=\"URL\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gliederung und Leseprobe<\/a> auf der <a href=\"https:\/\/www.3lverlag.de\/kategorien\/1781-glaube-und-werke-sind-kein-widerspruch.html\">Verlagsseite<\/a>. Original: <em>Root &amp; Fruit: Harmonizing Paul and James on Justification<\/em> (Free Grace Press, 2020, ISBN 978-1952599019).<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahrtausenden haben sich Christen dar\u00fcber unterhalten und gestritten, wie Glauben und (Gute) Werke im christlichen Glauben zueinander stehen und miteinander gehen. Sogar der Reformator Martin Luther, der in der Rechtfertigungslehre des Neuen Testaments den Zentralartikel der christlichen Kirche sah, konnte mit der mahnenden Botschaft des Jakobus im Neuen Testament und seiner Aussage, dass die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/?p=1630\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEin Glaube ohne Werke ist tot\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[3,132,10,93],"tags":[64,67,65,66],"class_list":["post-1630","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-heilslehre","category-practical","category-theologie","category-top12","tag-antinomismus","tag-free-grace-salvation","tag-gesetzlichkeit","tag-lordship-salvation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1630","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1630"}],"version-history":[{"count":68,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1630\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3186,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1630\/revisions\/3186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}