{"id":1072,"date":"2020-10-08T00:04:46","date_gmt":"2020-10-07T22:04:46","guid":{"rendered":"https:\/\/logikos.club\/?p=1072"},"modified":"2026-10-07T16:28:00","modified_gmt":"2026-10-07T14:28:00","slug":"die-angebliche-sensation-des-ken-wilson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/logikos.club\/?p=1072","title":{"rendered":"Die angebliche Sensation des Ken Wilson"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F1072&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/logikos.club\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F1072&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/logikos.club\/wp-content\/plugins\/pdf-print-pro\/images\/print.png?1054580255\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lesedauer: 15 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Rezension von: War Augustinus der erste Calvinist? <\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einiger Zeit wurden Nachrichten und Vortr\u00e4ge verbreitet, dass ein gewisser <strong>Ken Wilson<\/strong> eine Sensation entdeckt h\u00e4tte, n\u00e4mlich dass der Kirchenvater Augustinus der erste \u201eCalvinist\u201c gewesen sei. Eine deutsche Kurzfassung der \u201ebahnbrechenden Dissertation\u201c von Wilson (2012 in Oxford), die im Jahr 2018 ver\u00f6ffentlich wurde, tr\u00e4gt tats\u00e4chlich den Titel: \u201eWar Augustinus der erste Calvinist?\u201c (CMV-Hagedorn, Pb., ca. 156 Seiten, ISBN: 978-3-96190-062-6). Die Doktorarbeit lautet hingegen inhaltlich anders: \u201e<em>Augustine\u2019s Conversion from Traditional Free Choice to \u201cNon-free Free Will\u201c: A Comprehensive Methodology<\/em>\u201c (T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2018, 388 Seiten, ISBN&nbsp;978-3-16-155753-8). Es ist also zu vermuten, dass mit der deutschen Ausgabe tats\u00e4chlich eher rei\u00dferische Zwecke verfolgt werden, als denn seri\u00f6se und aufkl\u00e4rende. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider hat der Schweizer Musik- und Bibellehrer <strong>Roger Liebi <\/strong>das Vorwort der CMV-Ausgabe geschrieben und aktiv Werbung f\u00fcr dieses Buch gemacht (Liebi leugnet auch die Erw\u00e4hlungslehre der Bibel).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor:<\/strong> <strong>Kenneth M. Wilson<\/strong>&nbsp;wurde 1956 geboren. 1981 wurde er Doktor der Medizin (!) an <em>The University of Texas Medical School<\/em>. 1989\u201395 war er Assistant Professor of Orthopaedic Surgery an der <em>Oregon Health Sciences University<\/em>. 2003 errang er den Titel Master of Divinity, 2006 den Titel Master of Theology und 2012 den Titel <em>D. Phil.<\/em> in Theologie von der <em>University of Oxford<\/em>. Gegenw\u00e4rtig ist er ein zertifizierter <em>Orthopaedic Hand Surgeon<\/em> in Salem, Oregon und zugleich Professor f\u00fcr Kirchengeschichte und Systematische Theologie an der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gsot.edu\/faculty\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.gsot.edu\/faculty\/\" target=\"_blank\"><em>Grace School of Theology<\/em> in The Woodlands, Texas<\/a>, der Ausbildungsst\u00e4tte einer christlichen Sondergruppe (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gsot.edu\/about-us\/doctrinal-statement\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.gsot.edu\/about-us\/doctrinal-statement\/\" target=\"_blank\">Glaubensbekenntnis<\/a>; bemerkenswert ist folgende schriftwidrige Behauptung dieser Bibelschule in ihrem <em>Doctrinal Statement<\/em>: \u00bbInitial faith resulting in justification and regeneration is not a gift of God.\u00ab).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Inhalt:<\/strong> Diskussion und Beurteilung der Behauptungen der Doktorarbeit von Ken Wilson findet sich an mancher Stelle. Eine davon fertigt(e) <strong>Mario Tafferner<\/strong> an (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3219\/war-augustin-der-erste-calvinist\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3219\/war-augustin-der-erste-calvinist\" target=\"_blank\">Abdruck auf Evangelium 21<\/a>), eine tiefergehendere <strong>Chris Whisonant<\/strong> (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/church-fathers\/discussing-ken-wilsons-work-a-table-of-contents\/?utm_source=BenchmarkEmail&amp;utm_campaign=6%2F1%2F20&amp;utm_medium=email\" target=\"_blank\">hier<\/a> ver\u00f6ffentlicht). Beide sind sehr lesenswert. Die Inhaltsangabe der Analyse von Whisonant mit kurzen Zusammenfassungen wird unten abgedruckt. Die \u00dcberschriften enthalten Links zu den vollen Artikeln. <strong>Vorsicht: <\/strong>das zugrundeliegende Studium ist nichts f\u00fcr Anf\u00e4nger. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings k\u00f6nnte selbst ein Laie mit etwas Bildung erkennen, dass Augustinus (354\u2013430) rein zeitlich niemals ein \u201eAnh\u00e4nger Calvins\u201c (1509\u20131564) oder dessen Lehren gewesen sein konnte. Ob diese Behauptung Geschichtsklitterung, Dummheit oder Effekthascherei ist, mag jeder selbst beurteilen. Man beachte auch folgende zwei Tatsachen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(1) Gegen eine Erstentdeckung mit entsprechender Sensation seitens Ken Wilson (wie es die reisserische Bewerbung des Buches erwarten l\u00e4sst) spricht jedenfalls, dass  schon vor Kenneth <b>Wilson<\/b>s Ver\u00f6ffentlichung (2018) wissenschaftlich und ausf\u00fchrlich nachgewiesen worden war, dass Augustinus die \u201eLehren der Gnade\u201c vertrat, z. B. im Rahmen der Doktorarbeit von <strong>C. Matthew McMahon<\/strong>, <em><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Augustines-Calvinism-Doctrines-Writings-English-ebook\/dp\/B0082ZG91O\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.amazon.de\/Augustines-Calvinism-Doctrines-Writings-English-ebook\/dp\/B0082ZG91O\">Augustine\u2019s Calvinism: The Doctrines of Grace in Augustine\u2019s Writings<\/a><\/em>, die bereits 2012 ver\u00f6ffentlicht wurde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(2) Dass Augustinus der <strong>erste<\/strong> \u201eCalvinist\u201c gewesen sei, die Kirchenv\u00e4ter vor ihm die Inhalte und Lehren der \u201eF\u00fcnf Punkte des Calvinismus\u201c also noch nicht gelehrt h\u00e4tten, muss anhand der Quellenlage zur\u00fcckgewiesen werden (s. z. B. Artikel: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.apuritansmind.com\/arminianism\/calvinism-in-the-early-church-the-doctrines-of-grace-taught-by-the-early-church-fathers\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.apuritansmind.com\/arminianism\/calvinism-in-the-early-church-the-doctrines-of-grace-taught-by-the-early-church-fathers\/\" target=\"_blank\"><\/a><em><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.apuritansmind.com\/arminianism\/calvinism-in-the-early-church-the-doctrines-of-grace-taught-by-the-early-church-fathers\/\" target=\"_blank\">Calvinism in the Early Church. <\/a>The Doctrines of Grace Taught by the Early Church Fathers<\/em><\/em>). Eine umfassende Arbeit mit Originalzitaten von den \u00e4lteren Kirchenv\u00e4tern hat bereits der Theologe und Sprachgelehrte <strong>John Gill <\/strong>vorgelegt (<em>The Cause of God and Truth<\/em>, 4. Band, 1738).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sollte sich aufgrund der Tatsachen wohl eher zu folgender Aussage reduzieren, wie sie <strong>McMahon<\/strong> in der Einleitung seiner Ausarbeitung trifft (<em>op cit<\/em>): <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>\u201eDer heilige Augustinus war ein Calvinist und Johannes Calvin war ein Augustiner. Das hei\u00dft, sowohl Augustinus als auch Calvin hielten sich an das Evangelium von Jesus Christus, das in der Bibel zu finden ist, obwohl sie \u00fcber ein Jahrtausend auseinander lebten\u201c <\/strong><\/mark>(weiter erhellende Fortsetzung des Zitats s. unten).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit: <\/strong>Nach Einsch\u00e4tzung von Kennern der Materie  ist zu bef\u00fcrchten, dass sich am Ende der 388 Seiten (des Originals) die Sensation des Ken Wilson als lahme Ente erweist, oder \u2013 wie der alte Goethe es sagen w\u00fcrde\u2013: <mark style=\"background-color: rgba(0, 0, 0, 0);\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><b>\u201eGetretener Quark wird breit, nicht stark.<\/b>\u201c <\/mark>(West\u00f6stlicher Divan, 1819\/1827).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einige begriffliche Vorbemerkungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der folgenden Diskussion werden einige Begriffe in einer spezifisch nordamerikanischen soteriologischen Debatte verwendet. Wir stellen daher eine Kurzdefinition dieser Begriffe dem Beitrag von Chris Whisonant voran.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Libertarian Free Will (libertarischer freier Wille):<\/strong>&nbsp;Die Auffassung, dass der Mensch bei einer Entscheidung unter denselben Voraussetzungen tats\u00e4chlich auch (entgegengesetzt) anders handeln k\u00f6nnte. Auf die Bekehrung bezogen bedeutet dies, dass der Mensch dem Ruf des Evangeliums zustimmen oder ihn ablehnen kann, ohne dass seine Entscheidung durch Gottes souver\u00e4nen Ratschluss oder eine vorausgehende wirksame Gnade determiniert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:14px\">Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu beachten:&nbsp;<strong>\u00bbLibert\u00e4rer freier Wille\u00ab bedeutet nicht einfach, dass der Mensch einen Willen besitzt oder freiwillig entscheidet.<\/strong>&nbsp;Auch Augustinus, Luther, Calvin und die reformierte Theologie sprechen von einem wirklichen menschlichen Willen und von freiwilligem menschlichem Handeln. Der entscheidende Streitpunkt ist vielmehr,&nbsp;<strong>ob der gefallene Mensch hinsichtlich des Heils die moralische F\u00e4higkeit besitzt, unter denselben Bedingungen entweder zu glauben oder nicht zu glauben<\/strong>. Die augustinisch-reformierte Position bestreitet nicht das menschliche Wollen und Entscheiden, wohl aber, dass der gefallene Mensch <strong>aus eigener moralischer F\u00e4higkeit heraus<\/strong> Christus erw\u00e4hlen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Traditionalism (\u00bbTraditionalismus\u00ab):<\/strong>&nbsp;Bezeichnung f\u00fcr eine vor allem im Umfeld der <em>Southern Baptists<\/em> vertretene nichtcalvinistische Heilslehre. Sie betont die Verantwortlichkeit und Entscheidungsf\u00e4higkeit des Menschen und lehnt insbesondere die calvinistische Lehre von der v\u00f6lligen Unf\u00e4higkeit des gefallenen Menschen, der bedingungslosen Erw\u00e4hlung und der unwiderstehlichen Gnade ab. \u00bbTraditionell\u00ab bedeutet hier also&nbsp;<strong>nicht<\/strong>, dass diese Position die traditionelle Lehre der gesamten Kirchengeschichte darstelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Provisionism (\u00bbProvisionismus\u00ab):<\/strong>&nbsp;Eine neuere Bezeichnung f\u00fcr diese soteriologische Position, besonders verbunden mit&nbsp;<strong>Leighton Flowers<\/strong>. Der Name betont, dass Gott in Christus die zum Heil notwendige Vorsorge (<em>provision<\/em>) f\u00fcr alle Menschen getroffen habe und das Evangelium jedem Menschen eine echte M\u00f6glichkeit zum Glauben er\u00f6ffne. Eine vorg\u00e4ngige unwiderstehliche Wiedergeburt durch den souver\u00e4n handelnden Heiligen Geist (Johannes 3,5.8) sei daher nicht erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Provisionist:<\/strong>&nbsp;Ein Vertreter des Provisionismus. Im vorliegenden Text werden \u00bbProvisionist\u00ab und \u00bbTraditionalist\u00ab weitgehend f\u00fcr dieselbe nichtcalvinistische (anti-calvinistische) Position verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Verst\u00e4ndnis der Kontroverse ist wichtig: Die Gegenseite ist die&nbsp;<strong>augustinisch-reformierte bzw. calvinistische Soteriologie<\/strong>, nach der der gefallene Mensch zwar verantwortlich handelt, aufgrund seiner s\u00fcndigen Natur aber nicht aus eigener moralischer F\u00e4higkeit zu Christus kommen wird. Rettender Glaube setzt deshalb das wirksame Handeln der Gnade Gottes voraus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Chris Whisonant: Auseinandersetzung mit Ken Wilsons Werk \u2013 Inhalts\u00fcbersicht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbNachfolgend findet sich eine Inhalts\u00fcbersicht mit allen Beitr\u00e4gen meiner gegenw\u00e4rtigen Artikelserie. Ich verlinke jeweils auf den betreffenden Beitrag und gebe eine kurze Zusammenfassung seiner Argumentation, in der Regel eine Zusammenfassung des jeweiligen Fazits.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/08\/discussing-ken-wilsons-work-part-1-clement-and-free-will\/\">Teil 1 \u2013 Clemens und der freie Wille<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Wilson argumentiert, aus der Tatsache, dass Clemens die Gl\u00e4ubigen in Korinth zu guten Werken aufrief, m\u00fcsse sich als&nbsp;<strong>implizite<\/strong>&nbsp;logische Konsequenz zwingend ein libertarischer freier Wille ergeben. Wenn dies bereits aufgrund einer Schlussfolgerung so eindeutig sein soll \u2013 was ist dann mit den&nbsp;<strong>ausdr\u00fccklichen Aussagen \u00fcber Gottes Willen<\/strong>&nbsp;im Zusammenhang mit unserer Berufung, Rechtfertigung und der \u00d6ffnung der Augen unseres Herzens, die erkennen lassen, dass Clemens die Gl\u00e4ubigen als von Gott vorherbestimmt und erw\u00e4hlt verstand?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wenn man einfach den tats\u00e4chlichen Text des Clemens betrachtet<\/em>, findet sich weit mehr Material, das zeigt, dass er hinsichtlich des Heilsratschlusses Gottes die traditionelle [biblische] Auffassung von Erw\u00e4hlung vertrat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/09\/discussing-ken-wilsons-work-part-2-augustine-412-and-original-sin\/\">Teil 2 \u2013 Augustinus, das Jahr 412 und die Erbs\u00fcnde<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Augustinus davon h\u00f6rte, S\u00e4uglinge sollten&nbsp;<em>nicht<\/em>&nbsp;zur Vergebung der Erbs\u00fcnde getauft werden, sondern lediglich zu ihrer Heiligung, erkannte er darin etwas, das nicht zu dem geh\u00f6rte, was er als den durch die Jahrhunderte \u00fcberlieferten christlichen Glauben verstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seinem Verst\u00e4ndnis hatte die Kirche \u00bbmit gr\u00f6\u00dfter Best\u00e4ndigkeit bewahrt\u00ab, dass Kinder S\u00fcnder seien, weil sie die Erbs\u00fcnde Adams geerbt h\u00e4tten. Sein unmittelbares Argument lautete deshalb, dass die Kirche dieser neuartigen Lehre des Pelagius entgegenstehe und dass S\u00e4uglinge von jeher getauft werden sollten, um sie von ihrer S\u00fcnde zu reinigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es also eine Seite gab, die Augustinus als \u00bbtraditionell\u00ab verstanden h\u00e4tte, dann war es jene von der Kirche bewahrte Auffassung, wonach die von Adam \u00fcbertragene Erbs\u00fcnde bei S\u00e4uglingen abgewaschen werden m\u00fcsse, damit sie rein und frei von S\u00fcnde seien \u2013 bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie selbst pers\u00f6nliche S\u00fcnde begingen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/11\/discussing-ken-wilsons-work-part-3-some-earlier-comments-from-augustine-on-original-sin\/\">Teil 3 \u2013 Einige fr\u00fchere \u00c4u\u00dferungen Augustins zur Erbs\u00fcnde<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Augustinus sprach bereits sehr fr\u00fch in seinem christlichen Leben, n\u00e4mlich im Jahr 393, von einer durch die S\u00fcnde des ersten Menschen ererbten s\u00fcndigen Natur. Im Jahr 401 sehen wir ihn dann \u00fcber die Notwendigkeit der S\u00fcndenvergebung durch die Taufe von S\u00e4uglingen sprechen. Diese S\u00fcndenvergebung sollte sie von den S\u00fcnden des alten Menschen erneuern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Augustinus sagte damit tats\u00e4chlich etwas, was ein Vertreter der sogenannten \u00bbtraditionellen\u00ab Position nicht sagen k\u00f6nnte, ohne seinen eigenen Schriften zu widersprechen. K\u00f6nnte etwa ein Provisionist sagen, dass \u00bbdurch die S\u00fcnde Adams die Gewohnheit zu s\u00fcndigen infolge der sterblichen Zeugung zu einer Natur des S\u00fcndigens geworden ist\u00ab?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die Sprache Augustins,&nbsp;<strong>bevor<\/strong>&nbsp;er ausdr\u00fccklich umfangreiche Abhandlungen \u00fcber die Erbs\u00fcnde verfasste.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/12\/discussing-ken-wilsons-work-part-4-athanasius-and-original-sin\/\">Teil 4 \u2013 Athanasius und die Erbs\u00fcnde<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Athanasius sprach davon, dass der Tod seinen Ursprung in Adam habe, von einem Fluch der S\u00fcnde und davon, dass der Tod durch die Wiedergeburt von oben und die Lebendigmachung in Christus beseitigt werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zumindest zeigt Athanasius damit, dass die Kirche bereits vor Augustinus in einer Weise sprach, die weit weniger \u00bbtraditionell\u00ab klingt, als es einem Provisionisten lieb sein d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/14\/discussing-ken-wilsons-work-part-5-using-equal-scales-in-the-discussion\/\">Teil 5 \u2013 Mit gleichem Ma\u00df messen<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wilson hat au\u00dferdem behauptet, die&nbsp;<em>biblischen<\/em>&nbsp;Aufforderungen zur Umkehr oder zum Erwachen&nbsp;<em>m\u00fcssten bedeuten<\/em>, dass der Mensch in sich selbst die F\u00e4higkeit besitze, dieser Aufforderung nachzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Beitrag sehen wir eine \u00e4hnliche Aussage bei Mani, wo jemand aufgefordert wird, aufzuwachen. Der \u00bbTraditionalist\u00ab w\u00fcrde entsprechende Aussagen in der Schrift so verstehen, dass der Mensch selbst die moralische F\u00e4higkeit besitzt, dem Ruf Folge zu leisten und aufzuwachen; derselbe Mensch wird jedoch in eine entsprechende Aussage Manis irgendeine Form des Determinismus hineinlesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte nachdr\u00fccklich daf\u00fcr pl\u00e4dieren, dass wir hinsichtlich der Art und Weise, wie wir aufgrund unserer Vorannahmen Texte interpretieren, konsequent bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versuche keineswegs, Manis Aussage zu verteidigen \u2013 wie wir gesehen haben, sprach er beim Erl\u00f6ser nicht einmal vom Christus der Bibel, sondern von Zarathustra! Worauf ich jedoch hinauswill, ist die Frage, ob Sie tats\u00e4chlich dieselben Kriterien anwenden, wenn Sie bei den fr\u00fchen Kirchenv\u00e4tern einen traditionellen libertarischen freien Willen herauslesen, bei Manis Aussagen jedoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/18\/discussing-ken-wilsons-work-part-6-the-depths-of-augustines-manichaeism\/\">Teil 6 \u2013 Die Tiefen von Augustins Manich\u00e4ismus<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser grundlegende Bestandteil des \u00bbGlaubens\u00ab \u2013 ein als Zarathustra bezeichneter \u00bbErl\u00f6ser\u00ab, den Wilson mit Christus gleichsetzte, der den Menschen befiehlt, aus ihrem Schlaf zu erwachen, und ihnen zugleich die Gnade gibt, \u00fcberhaupt erwachen zu k\u00f6nnen \u2013 soll nach Wilson von Augustinus gebilligt und anschlie\u00dfend von ihm gleichsam heimlich in das Christentum eingeschleust worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei wird jedoch nicht ber\u00fccksichtigt, dass Augustinus ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rte, er selbst habe den \u00bbGlauben\u00ab, den er als Manich\u00e4er besessen hatte, verworfen. Zu diesem \u00bbGlauben\u00ab geh\u00f6rten zweifellos auch solche nichtkatholischen \u00dcberzeugungen wie Astrologie, der falsche Gott sowie Zarathustra als Erl\u00f6ser im Manich\u00e4ismus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/20\/discussing-ken-wilsons-work-part-7-what-if-we-rewrite-the-stars\/\">Teil 7 \u2013 Was w\u00e4re, wenn wir die Sterne neu schreiben?<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klingt es nach der Lekt\u00fcre dieses Beitrags wirklich so, als h\u00e4tte Augustinus in den Jahren 388 und 398 \u2013 ebenso wie 393 und 397, aus denen weiter unten Zitate angef\u00fchrt werden \u2013 noch immer unter dem Einfluss einer stoischen, von den Sternen gelenkten Vorsehung gestanden, obwohl er ausdr\u00fccklich bestritt, dass die Sterne irgendeinen Einfluss auf die Geburt eines Menschen h\u00e4tten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Augustinus in den&nbsp;<em>Bekenntnissen<\/em>&nbsp;(<em>Confessiones<\/em>) selbst erkl\u00e4rte, hatte er bereits im Jahr 386 jede Form astrologischen Determinismus aufgegeben \u2013 und das sogar noch vor seiner Bekehrung!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Augustinus die Behauptungen Wilsons unmittelbar und ausdr\u00fccklich verneint, muss man sich fragen, warum Dr. Wilson Augustinus so behandelt, wie er es tut. In seinen Schriften aus den Jahren 388\u2013401 wies Augustinus jede Behauptung kategorisch zur\u00fcck, er habe weiterhin die Himmelsk\u00f6rper verehrt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/26\/discussing-ken-wilsons-work-part-8-council-of-carthage\/\">Teil 8 \u2013 Das Konzil von Karthago<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dieser Beitrag zeigt, halten Dr. Wilsons Aussagen \u00fcber das Konzil von Karthago einer \u00dcberpr\u00fcfung anhand des tats\u00e4chlichen Dokuments nicht stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konzilsv\u00e4ter waren tats\u00e4chlich der Auffassung, dass die universale Kirche S\u00e4uglinge taufte und dass diese Taufe dazu diente, jene S\u00fcnde zu vergeben, die infolge ihrer Abstammung von Adam in ihnen vorhanden war.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/05\/29\/discussing-ken-wilsons-work-part-9-breaking-the-silence-of-augustine\/\">Teil 9 \u2013 Augustins Schweigen brechen<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst wenn wir&nbsp;<em>Ad Simplicianum<\/em>&nbsp;au\u00dfer Betracht lassen, k\u00f6nnen wir erkennen, dass Augustinus in den zehn Jahren um die Abfassung dieses Werkes eine ganz \u00e4hnliche Sprache verwendete. Wir sehen, dass jene Ausdrucksweise in&nbsp;<em>Ad Simplicianum<\/em>, von der Dr. Wilson selbst einger\u00e4umt hat, dass sie nicht der von ihm behaupteten \u00bbtraditionellen\u00ab Position entspricht, durch weitere nichttraditionelle Aussagen in anderen Werken aus demselben Zeitraum best\u00e4tigt wird. Die oben von mir angef\u00fchrten Zitate sind dabei keineswegs vollst\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Augustinus im Jahr 396 tats\u00e4chlich das glaubte, was er in&nbsp;<em>Ad Simplicianum<\/em>&nbsp;schrieb, dann f\u00e4llt Wilsons gesamte These wie ein Kartenhaus in sich zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Wilson hat dieses Kartenhaus jedoch auf eine einzige Karte ganz unten gebaut, die als vermeintlich festes Fundament dieses wackeligen Geb\u00e4udes dienen soll. Diese eine Karte besteht in der Tatsache, dass sich das Wort&nbsp;<em>reatus<\/em>&nbsp;vor dem Jahr 412 nirgends nachweisen l\u00e4sst. Daraus wird geschlossen, dass niemand geglaubt habe, mit der Erbs\u00fcnde sei eine verdammungsw\u00fcrdige Schuld verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe jedoch gerade eindeutig gezeigt, dass Augustinus zumindest im Jahr 401 sehr wohl an eine ererbte Schuld aufgrund der Erbs\u00fcnde glaubte \u2013 und zwar in einem solchen Sinn, dass er die Taufe von Kindern f\u00fcr notwendig hielt, um sie zu reinigen und wiederzugeb\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/2020\/06\/03\/discussing-ken-wilsons-work-part-10-on-the-magnitude-of-the-soul\/\">Teil 10 \u2013 \u00dcber die Gr\u00f6\u00dfe der Seele<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man Augustins eigene Worte liest, scheint er sich wiederum in einer Weise auszudr\u00fccken, die nicht der von Wilson behaupteten \u00bbtraditionellen\u00ab Position entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich frage daher erneut ganz einfach: Handelt es sich bei den Aussagen Augustins in diesem Werk um Aussagen, denen Provisionisten zustimmen k\u00f6nnten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00f6nnen sie sagen, dass der Mensch ohne Gottes Hilfe nicht einmal mit der Erneuerung seines Geistes beginnen, geschweige denn sie vollenden kann? K\u00f6nnen sie sagen, dass unser Gebrauch des freien Willens \u00bbkeinen Teil der g\u00f6ttlichen Ordnung und des g\u00f6ttlichen Gesetzes st\u00f6rt\u00ab?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sind ernsthafte Fragen, die einen erheblichen Teil der These Dr. Wilsons untergraben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/church-fathers\/discussing-ken-wilsons-work-part-11-on-psalm-51-and-original-sin\/\">Teil 11 \u2013 Psalm 51 und die Erbs\u00fcnde<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Sie selbst einige Texte Augustins gelesen haben, d\u00fcrfte deutlich geworden sein, dass seine Auffassung alles andere als Wilsonscher \u00bbTraditionalismus\u00ab ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie ich gezeigt habe, sagt Augustinus nicht nur, dass Kinder schuldig geboren werden \u2013 ihnen also Unschuld fehlt \u2013, sondern dar\u00fcber hinaus, dass sie bereits unter einer Strafe geboren werden. Deshalb ben\u00f6tigen sie das Bad der Wiedergeburt in der Taufe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schuldige Menschen \u2013 in diesem Fall S\u00e4uglinge \u2013, die der Wiedergeburt bed\u00fcrfen, w\u00fcrden nach Augustins Verst\u00e4ndnis des katholischen Glaubens der Strafe der Verdammnis entgegengehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.aomin.org\/aoblog\/church-fathers\/discussing-ken-wilsons-work-part-12-on-psalm-51-and-concupiscence\">Teil 12 \u2013 Psalm 51 und die Konkupiszenz<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[<strong>Konkupiszenz<\/strong>\u00a0bezeichnet in der christlichen Theologie die durch den S\u00fcndenfall bedingte, im Menschen wirkende\u00a0<strong>ungeordnete Begierde <\/strong>und <strong>Neigung zur S\u00fcnde<\/strong>. A.d.\u00dc.]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch dieser Beitrag zeigt die au\u00dferordentliche Voreingenommenheit, mit der Wilson Augustinus liest und beurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als \u00fcberzeugter protestantischer Baptist des 21. Jahrhunderts begann ich 2017 mit der Lekt\u00fcre Augustins, ohne dabei eine bestimmte Agenda zu verfolgen. Mir war klar, dass Augustinus vieles geschrieben haben w\u00fcrde, dem ich zustimmen k\u00f6nnte, und ebenso vieles, dem ich widersprechen m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin jedoch nicht mit dem Ziel an seine Schriften herangegangen, einen Weg zu finden, Augustinus entweder meiner eigenen Tradition einzuverleiben oder ihn von vornherein der H\u00e4resie zu beschuldigen. Meine Lekt\u00fcre war fruchtbar und ein Segen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"><strong>Dr. Wilsons Besch\u00e4ftigung mit Augustinus scheint dagegen von einer Voreingenommenheit ausgegangen zu sein und von dem Bem\u00fchen, aus Augustinus jemanden zu machen, der er nicht war.<\/strong><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Weitere Beitr\u00e4ge folgen \u2026\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">McMahon \u00fcber \u00bbCalvinismus\u00ab und \u00bbAugustinismus\u00ab (2012)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDer Inhalt ihrer [Calvin, Augustinus] Gedankensysteme \u00fcber Rechtfertigung, S\u00fchne, Souver\u00e4nit\u00e4t, Gnade, Ausharren der Heiligen und dergleichen war derselbe. Sie lehrten dieselben Lehren von der Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes und der freien Gnade, die der \u00bbCalvinismus\u00ab seit Hunderten von Jahren, nein, Tausenden von Jahren gelehrt hat. Und warum? Die Begriffe \u00bbaugustinisch\u00ab oder \u00bbcalvinistisch\u00ab beziehen sich einfach auf ein Denksystem, in dessen Mittelpunkt die vollst\u00e4ndige und uneingeschr\u00e4nkte Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes in der Errettung steht. Das bedeutet, dass die Erl\u00f6sung monergistisch ist. Sie wird von Gott im Namen des Menschen vollzogen. Wie der Psalmist so wortreich sagt: <em>\u00bbAber unser Gott ist in den Himmeln; alles, was ihm wohlgef\u00e4llt, tut er\u00ab<\/em> (Psalm 115,3). Gott ist der Urheber und Vollender des Glaubens f\u00fcr diejenigen, f\u00fcr die Christus gestorben ist und sein Leben als L\u00f6segeld gegeben hat. Gott initiiert das Heil, gibt die Gabe des Heils und bewahrt den Christen in der Erl\u00f6sung. Er ist das Alles in Allem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dies ist kein neues Konzept oder eine neumodische Idee. <\/strong>Es ist die alte Religion des Evangeliums Jesu Christi, die seit dem Garten Eden in Genesis 3,15 gelehrt wird, durch die ganze Geschichte von Gottes auserw\u00e4hltem Volk, durch das Wirken des menschgewordenen Wortes Jesus Christus, das Wirken der Apostel, das Wirken der fr\u00fchen Kirchenv\u00e4ter und ja, das Wirken und die umfangreichen Lehren von St. Augustin. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das augustinische oder calvinistische System bezieht sich nicht nur auf das, was gemeinhin als \u00bb<em>Die Lehren der Gnade<\/em>\u00ab bekannt geworden ist. Diese biblischen Systeme des theologischen Denkens erstrecken sich auf <em>alle<\/em> Facetten der biblischen und systematischen Theologie. <strong>Wer nur an den <em>\u00bbLehren der Gnade<\/em>\u00ab festh\u00e4lt, kann nicht mit Fug und Recht behaupten, ein \u00bbCalvinist\u00ab sein.<\/strong> [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00fcberarbeitete Systematisierung der f\u00fcnf Punkte des Calvinismus, die als als \u00bb<em>Die Lehren der Gnade<\/em>\u00ab in die moderne Kirche Eingang gefunden haben, wurde urspr\u00fcnglich nicht von Calvin, sondern von Augustinus systematisiert und ausf\u00fchrlich beschrieben. Aus diesem Grund zitiert Johannes Calvin alle vier Seiten in seine<em>r Institutio Christianae Religionis<\/em>\u00a0(deutsch: <em>Unterricht<\/em>\/<em>Unterweisung<\/em> <em>in der christlichen Religion<\/em>) Augustinus. Aus diesem Grund w\u00fcrde sich Calvin nicht als Calvinist, sondern als Augustiner bezeichnen. Und sowohl Augustinus als auch Calvin w\u00fcrden sich wirklich als Kinder zu F\u00fc\u00dfen <strong>Jesu Christi <\/strong>und der Lehren der Bibel betrachten, vor allem, wenn sie ihre Lieblingspassagen des <strong>Apostels Paulus<\/strong> immer wieder zitieren. <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Sie sind paulinisch und bibeltreu, zur Ehre Jesu Christi.<\/mark><\/strong>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">C. Matthew McMahon, <em>Augustine\u2019s Calvinism: The Doctrines of Grace in Augustine\u2019s Writings<\/em>. (Coconut Creek, FL: Puritanischer Publications, 2012), Introduction (eigene \u00dcbersetzung; typograf. Betonungen durch \u00dcbersetzer).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesedauer: 15 Minuten. Eine Rezension von: War Augustinus der erste Calvinist? 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